Projekt Westwärts: Kirchheimbolanden – Dannenfels (17,8 km)

23. Mai 2008

Projekt Westwärts ist eine Serie von Läufen, mit denen ich in den etappenweise von Worms bis auf den Gipfel des Donnersbergs in der Nordpfalz laufen möchte.

Dasselbe Spiel wie vor zwei Wochen: Heute morgen einen Termin an der Uni in Mainz gehabt, danach die gute Verkehrsanbindung in die Pfalz genutzt, um Projekt Westwärts wieder etwas weiter voranzutreiben. Heute auf dem Programm: Von Kirchheimbolanden nach Dannenfels am Fuß (eigentlich schon eher am Oberschenkel, denn es liegt schon ziemlich hoch) des Donnersbergs und wieder zurück. Raus aus den offenen Hügeln Rheinessens und der nordöstlichen Pfalz, mittenrein in die dichten Wälder des Nordpfälzer Berglandes.
Vorfreude: Groß! 🙂
Wetter: Fast perfekt. Mix aus Sonne und Wolken (mehr Sonne als Wolken), Temperaturen zwischen 17 und 20 Grad, frische Brise. Bloss die Fernsicht war wie immer in den letzten Wochen mies, weil viel diesig – schade, aber liess sich nun mal nicht ändern.

Als Startpunkt hatte ich mir den Schillerhain ausgesucht, eine hübsche Anhöhe am Waldrand direkt über Kirchheimbolanden, 350 m. ü. NN, ausgestattet mit einem Parkhotel, mehreren Türmchen (wollte ich mir eigentlich nach dem Lauf noch mal ansehen, war dann aber – um´s vorwegzunehmen – zu müde und hab´s gelassen. Schade…), einem Sportgelände, und einem großen Parkplatz, von dem aus diverse Wanderwege nach Westen in die Wälder führen.


Anfahrt problemlos: Die A63 von Mainz runter, Kirchheimbolanden raus, hinter dem Schlosspark auf die gut beschilderte Anhöhe rauf, geparkt, umgezogen, und schon ging´s los: Über den Parkplatz an den Waldrand, dort sofort die richtige Markierung gefunden (grüngelber Balken) und am Sportgelände entlang nach Westen in den wunderschönen, sonnig-schattigen Mischwald.

Heute lief von Anfang an super: Ich war entspannt, fühlte mich wach und frisch, selbst die Muskulatur um die Schienbeine, die sonst wegen der neuen Schuhe zu Laufbeginn gerne mal etwas krampft, machte anstandslos mit. So lob´ ich mir das!
Umgebung ebenfalls sehr ansprechend: Schöner junger und mittelalter Mischwald, ziemlich unberührt und entsprechend dicht, aber trotzdem mit viel Bodenbewuchs (der teils blühte). Vereinzelte Sonnenstrahlen drangen durchs Blätterdach tauchten den Waldboden in ein wunderbares Muster aus Licht und Schatten, singende Vögel, leichtes frisches Lüftchen.
Der Weg selbst führte ganz leicht aufwärts, den sanften, runden Höhenrücken hinauf – eigentlich nur ein breiterer Pfad durchs dichte Grün, aber frei von störendem Bewuchs oder altem Laub, außerdem bestens markiert, wunderbar angenehm zu laufen.

Ich folgte dem grüngelben Balken also grob westwärts, nach ein paar hundert Metern streifte er noch mal eine schöne Hochwiese, danach ging´s eine ganze Weile leicht aufwärts durch den freundlichen Bergwald. Nichts Auffälliges zu Berichten, einfach nur schön – da konnte man sich so richtig schön treiben lassen und im gleichmässigen Rhythmus des Laufens und der schönen Umgebung versinken.
Allerdings nicht zu sehr: Zwischendurch eine kurze Schrecksekunde als ich unvermittelt umknickte, natürlich mit dem gerade erst genesenen rechten Fuß, aber das Außenband hielt gottseidank, kein größeres Problem (auch wenn der Knöchel für den Rest des Laufs etwas ungewohnt drückte – war aber wohl nichts schlimmes). Merke: Auch wenn´s super läuft kann es bei Cross-Strecken nicht Schaden, ein bisschen darauf zu achten, wo man die Füße hinsetzt…

Ca. 1,7 km nach dem Start erreichte ich den Parkplatz am Kuhkopf (414 m. ü.NN), gelegen an einer winzigen alten Landstrasse im Wald. Etwas Verwirrung weil ich hier kurz die Wegmarkierung aus den Augen verloren hatte (natürlich mein Fehler, denn eigentlich prangte sie gut Sichtbar an einer Buche am Anfang des Parkplatzes), gab sich aber schnell wieder und es ging weiter nach Westen.

Nach weiteren 800 m. rechterhand eine Landstrasse (die L386), deren Verlauf der Weg von nun an in ca. 50 m. Entfernung folgte, gleichzeitig machte das sanfte Gefälle, dass bisher links des Weges geherrscht hatte, einem steilen Abhang platz (so unvermittelt, dass es fast schon ein bisschen überraschend war, wie tief es auf einmal links runter ging).
Weiter unterhalb der Strasse entlang, irgendwann dann ein Knick nach Südwesten, schließlich der erste richtige Aussichtspunkt für heute, die sogenannte „Sießl-Ruh“: Eine Schutzhütte über einem Steilhang, von der aus man durch die Bäume einen guten Blick nach Südosten (?) hatte, wo noch ein, zwei niedrigere bewaldete Höhezüge lagen, hinter denen dann wieder die offene Hügellandschaft der Pfalz begann (mehr war wegen der schlechten Sicht nicht zu erkennen, an klaren Tagen dürfte man hier wahrscheinlich auch Mannheim und Ludwigshafen, vielleicht sogar Heidelberg zu Gesicht kriegen – natürlich nur, falls die Blickrichtung wirklich Südosten ist… 😉 ). Ganz nett, aber nix Weltbewegendes, also lief ich bald weiter und erreichte nach ca. 150 m. den Drosselfelsen, eine offene Felsformation direkt über einem Abgrund, von der aus man nach Südwesten schaut.
Wow!
Das war schon ein anderes Kaliber als von der Sießl-Ruhe:
Direkt vor mir erhob sich der Donnersberg in seiner vollen Pracht, ein gewaltiger, hoch aufragender Bergrücken, wie ein riesenhaftes schlafendes Tier in die plötzlich klein wirkenden Pfälzer Hügel hineinragend, steil, mächtig, beeindruckend, besonders angesichts der gut sichtbaren Häuser von Dannenfels am Hang, die ob der schieren Massigkeit des Berges geradezu winzig wirkten – so nah war ich dem Donnersberg mit Projekt Westwärts noch nie gekommen (gerade mal noch 3 km Luftlinie), und aus der Nähe flösste er mir ordentlich Respekt ein.
Weil´s so schön war, machte ich hier meine erste Trinkpause (etwas früher als geplant), kletterte auf die Felsen, und genoss die herliche Aussicht in vollen Zügen.
Wun. Der. Bar.

Nachdem ich die Gürtelflasche mit der obligatorischen Aldi-Iso-Plörre geleert hatte, ging´s weiter: Von der Felsformation runter, dann auf dem Weg mit dem grüngelben Balken nach halblinks an die Landstrasse, die 100 m. hinter dem Drosselfelsen verläuft.

Hier fing der richtig abenteuerliche Teil der heutigen Tour an: Weil ich dem grüngelben Balken nicht bis nach Bastenhaus folgen wollte, sah der Plan vor, dass ich mich ab hier nach Süden durch den Wald durchschlagen würde, und das auf unmarkierten Wegen.
Haarige Angelegenheit: Keinerlei Ortskenntnis, wenig Verständnis für die lokale Topographie, und mein Google-Earth-Routenausdruck war im dichten Wald praktisch wertlos. Immerhin hatte ich mir vorher anhand der Wanderkarte ausführliche Notizen gemacht, wann ich an welcher der vielen unmarkierten Abzweigungen, die da unten lagen, wohin abbiegen musste. Würde schon gutgehen…

Zuerst mal konnte ich aber noch 150 m. der Landstrasse nach links folgen, dann ging es links auf einen abwärts führenden Waldweg, von dem ich mir relativ sicher war, dass er mich durch das Naturschutzgebiet am Drosselfelsen talwärts führen wurde.
Tat er dann auch, das war gut.
Weniger gut war die Tatsache, dass hier alles total anders aussah, als es meine Erinnerung der Wanderkarte und meine Notizen vorhergesagt hatten. Aber da das in solchen Fällen eigentlich immer so ist, liess ich mich nicht weiter abschrecken, und lief erstmal unverdrossen weiter abwärts (abwärts war gut, das wusste ich) und nach Süden (zumindest glaubte ich, dass es Süden war, im Dichten Wald und um kurz nach 12:00 Mittags ist das relativ schwer zu bestimmen…).

Nach ein paar hundert Metern eine Wegscheide: Ein Weg links abwärts, einer rechts abwärts.
Hmmm. Schwierig.
Der Weg nach links war breit und bequem. Der nach rechts schmal und schlecht, aber dafür war er mit einem weissen Kreis markiert. Auf den weissen Kreis wollte ich eigentlich, aber laut Wanderkarte sollte der hier oben noch nicht anfangen (und da „Weisser Kreis“ im Wegenetz des Pfälzerwald-Vereins für „Verbindungsweg“ steht, konnte das auch ein ganz falscher Kreis sein, denn Verbindungswege gibt´s nun mal mehr als einen).
Hmmm…. Vielleicht mal aufs Bauchgefühl hören.
Hmm, das wollte geradeaus. Dumm nur, dass da kein Weg war. Blödes Bauchgefühl, setzen, Sechs!
Schließlich entschied ich mich dann doch: Eine Markierung ist besser als keine, also lief ich rechts runter, wucheriger Holperpfad, am unteren Ende aber wieder ein ordentlicher Waldweg, den ich einfach immer weiter lief

Spätestens jetzt hatte ich absolut keine Ahnung mehr, wo genau ich war – irgendwo hier musste der Schwarzfelsen rumstehen, aber ob links, rechts, vorne hinten – keine Ahnung?
Die Wege waren auch ganz anders als ich sie mir von der Karte eingeprägt hatte, also lief ich halt mal einfach weiter drauflos in die ungefähre Richtung, irgendwie durch den Wald.
Da wo ich ihn fand, folgte ich dem weissen Kreis (zu dem sich nach ein paar hundert Metern weitere Markierungen gesellten, die ich nicht kannte, und deren Existenz in meiner Wanderkarte einfach verschwiegen wird – sind wohl neuer als die zehn Jahre alte Karte, und damit leider wertlos für mich, denn ich wusste ja nicht, wo sie hinführen – Hey, lieber Pfälzerwaldverein, höchste Zeit für eine Neuauflage eurer Donnersbergkarte, die alte ist nicht mehr richtig aktuell!), ansonsten eben nach Gefühl, solange nur die grobe Richtung stimmte… 😀

Tja, was soll ich sagen?
Es klappte!
Irgendwie lief ich richtig, folgte dem weissen Kreis abwärts durch den Wald, um Kurven, kleine Steigungen hoch, an einem Bachtal vorbei und über einen quer verlaufenden Weg, der mit einem blauroten Balken markiert war (hier meldete sich mein Gedächtnis um mir zu erklären, dass der auch laut Plan zu überqueren wäre, und ich demnach nicht ganz falsch sein könne. Gut zu wissen). Schließlich überquerte ich eine breitere Schotterpiste, wo ich fast von einem vorbeirauschenden leeren Kieslaster geplättet wurde (damit hatte ich mitten im Wald jetzt echt nicht gerechnet – aber auch das war ein gutes Zeichen, denn laut Erinnerung musste rechts von mir irgendwo ein Steinbruch sein, dessen Existenz durch den Laster bestätigt wurde), und erreichte schließlich – völlig überraschend -den Waldrand, mit dem ich hier noch überhaupt nicht gerechnet hatte.
Noch überraschender:
Ich war haargenau da rausgekommen, wo ich hingewollt hatte!
Wow!
Bin ich gut oder was!? 😀
(Übrigens konnte ich dieses Stück selbst im Nachhinein mit der offiziellen Wanderkarte nicht richtig nachvollziehen – selbst mit der exzellenten Online-Wanderkarte des Kirchheimboländer Pfälzerwald-Vereins hab ich es nur ansatzweise hingekriegt – entsprechend ist die Routenführung für dieses Stück in der obligatorischen JPEG-Karte am Ende dieses Eintrags ausdrücklich ohne Gewähr…).

Da war ich also: Offenes Gelände, links am Waldrand eine Art Campingplatz, von dem der scharfe aber nicht unangenehme Geruch eines Holzfeuers herüberwehte, rechts eine kleine Holzbrücke über den vor mir verlaufenen Bach, markiert mit dem weissen Kreis – da wollte ich hin!
Über die Brücke, dann durch die weitläufigen blühenden Sommerwiesen nördlich von Dannenfels, das in ungefähr 1 km Entfernung unerwartet weit oben am Hang des inzwischen wirklich gewaltigen Donnersbergmassives saß.
Entsprechend ging´s ab hier stetig aufwärts durch die Wiesen, herrlicher Sonnenschein, frische ganz leichte Steigung, vorbei an hübschen Obsthainen und einer riesigen freilaufenden Schafherde, die von einer Schäferin und drei Hütehunden bewacht wurde. Am Himmel über mir ein langsam dahingleitender Drachenflieger, der sich in trägen Kreisen ganz langsam nach unten schraubte, und auf den ich gerade ein bisschen neidisch war (der durfte einfach in seinem Gestell rumhängen und das Panorama geniessen, ich musste bergauf rennen. O tempora, o mores!).

Nach ca. 1,2 km entspanntem Aufstieg erreichte ich schließlich Dannenfels. Hübscher Ort: Klein (knapp 1000 Einwohner), aber sehr langgezogen zwischen Obstwiesen und den steilen Hangwäldern am Ostrand des Donnersbergmassivs, selbst im Dorf ordentliche Höhenunterschiede, aparte Mischung aus adretten, unprätentiösen Neubauten und einem kleinen älteren Ortskern, ländlich aber mit einem Schuss angenehm zurückhaltendem Tourismus (wie das eben an solchen kleinen Ausflugszielen in der Provinz ist, findet man ganz ähnlich auch im Odenwald), aufgrund der hohen Hanglage ein wunderbarer Blick nach Osten ins Hügelland zum Rhein hin.
Gefiel mir gut.

Gleich nach dem Ortsanfang links, eine Strasse namens Dieterswald runter nach Süden durch das ruhige Wohngebiet am Hang, am Ende des Dieterswaldes dann rechts eine Treppe hoch, über eine Kreuzung und weiter auf der Mittelstr. durchs Dorf, schließlich kurz vor der imposanten alten Kastanie, die mitten in die Strasse reinragt, rechts hoch in Richtung Kirche (um einen guten Ansatzpunkt für den Lauf auf den Gipfel zu schaffen), dann links runter und die Steinbacher Str. entlang.
Die stellte sich nach ein paar hundert Metern allerdings als falsch heraus (ganz so doll ist mein Orientierungssinn wohl doch nicht…), also Umkehr zum Ortskern und rechts steil den Hohlweg hinunter, dann links durch die steil abwärts führenden Bolander Str. wieder aus Dannenfels hinaus in die Wiesen. Markierungen: Schwarzes W (Großer Westpfalz-Wanderweg), rotes W (Kelten- und Weinwanderweg) und – das freute mich ganz besonders so weit weg von zu hause – das gelbe Quadrat des Nibelungenwegs.

250 m. abwärts, dann an einer Abzweigung links, runter vom Nibelungenweg und weiter dem schwarzen und roten W folgend nach Norden bis an die Landstrasse (L398). Rechts, an der Strasse bis zur Dannenfelser Mühle am Waldrand (kein Seitenstreifen, kein Radweg, tollwütig rasende pfälzer Landeier in grotesk getunten VW Golfs, da musste man etwas aufpassen), dort auf einen zugewucherten und relativ steilen Trampelpfad, der erst ein paar hundert Meter parallel zur Landstrasse durch den Wald führte und schließlich auf einen normalen Waldweg traf, dem ich nach links folgte und die Landstrase in nordwestlicher Richtung überquerte (Markierungen weiterhin das rote und das schwarze W).

350 m. schurgerade aus auf einem angenehm ebenen Stück durch den hübschen Wald, dann erreichte ich erst eine Art Mini-Sumpf neben dem Weg (eine stille, muffig riechende Wasserfläche aus der die Stämme einer Kolonie abgestorbener Kiefern ragte – recht stimmungsvoll, aber auch Wohnort vieler Schnaken, das lud nicht zum Verweilen ein), und direkt dahinter eine Schotterpiste am Waldrand, auf der ich fast von einem vorbeirauschenden vollen Kieslaster geplättet wurde (nach dem Lauf zeigte ein Blick auf die Karte, dass es dieselbe Schotterpiste war, die ich schon auf dem Weg nach Dannenfels überquert hatte – dementsprechend war´s wahrscheinlich auch derselbe Kieslaster wie vorhin, der nun auf dem Rückweg vom Steinbruch seine zweite Chance vergeigte, einen kapitalen Jogger zu erlegen).

Nachdem sich der Staub des Lasters gesetzt hatte (vieles davon auf meine verschwitzte Haut und zwischen die Zähne – blerg!), lief ich kurz nach links, dann nach rechts, wieder in den Wald rein (natürlich schwarzes und rotes W). Schöner gesunder Wald, alle 50 m. ein wuselnder Ameisenhügel am Wegrand, der Weg bog nach ein paar Metern nach rechts ab und führte dann relativ ebenerdig ewig lang nach Osten. Gut zu laufen, hier war ich so richtig im „Flow“, die hübsche Umgebung flutschte nur so vorbei, alles lief prima.

Na ja, zumindest für ein paar Minuten. Danach fing plötzlich meine Verdauung an, sich grummelnd und rumorend über die doofe Lauferei zu beschweren. Wahrscheinlich zuviel mineralstoffreiche Aldi-Iso-Plörre in den letzten Tagen, das mag der Darm nicht so. Unangenehm, liess sich aber nicht ändern. Backen zusammen kneifen, ignorieren, weiter – war ja nicht mehr so weit…

Nach etwas über 2 km (das schwarze und das rote W hatten sich zu diesem Zeitpunkt schon längst halblinks in die Pampa verabschiedet und ich lief unmarkiert) erreichte ich einen schönen, offenen Wiesengrund, an dem mich – oh wunder – ein bekannter Ort erwartete: Die Wegkreuzung am Ende des Kaspartals, an der ich schon beim letzten Lauf von Projekt Westwärts aus der anderen Richtung kommend vorbeigekommen und in Richtung Bolanden abgebogen war.
Super, nun nur noch das Kaspartal aufwärts und dann am Anfang von Kirchheimbolanden den steilen Aufstieg zum Schillerhain bewältigen, dann hätte ich´s geschafft (so langsam war ich da auch ziemlich froh drüber, denn zum zyklisch an- und abschwellenden Darmgrimmen gesellten sich so langsam auch eine gewisse Ermüdung, Hunger, Durst und Schweissausbrüche angesichts der bullig warmen Temperaturen, die hier unten in der prallen Sonne herrschten)!

Also geradeaus, am Waldrand den Talgrund hoch, einem weiteren alten Bekannten folgend, nämlich dem gelben Plus des Saar-Rhein-Main-Wegs. Vor zwei Wochen war hier noch alles strahlend Rapsgelb gewesen, heute dominierte dagegen das bleiche Grün der ausgeblühten Rapspflanzen am gegenüberliegenden Hang.

Während ich so vor mich hinlief (inzwischen schon ziemlich unrund und müde), kam ich etwas ins grübeln: Ich musste ja eh noch hoch auf den Schillerhain, aber warum sollte ich das eigentlich erst in Kirchheimbolanden machen?
Genausogut könnte ich doch schon hier links in den Wald auf die Anhöhe laufen, und mein Ziel dann bequem über das Hochplateau erreichen….
Die Idee gefiel mir spontan.
Natürlich war sie absolut idiotisch, denn wie wir alle spätestens seit Rotkäppchen wissen sollten, kann einem der schlimmste Mist passieren, wenn man vom vorgegebenen Weg abweicht.
Dummerweise bin ich zu neugierig, und habe die Moral von Rotkäppchen nie so richtig verinnerlicht…
Also bog ich bei der nächsten Gelegenheit steil links in den Wald ab, auf den sogenannten „3. Wasserweg“.
Der führte erstmal richtig steil aufwärts. Das war noch ganz gut, machte mir aber schon richtig Mühe.
Nach ein paar hundert Metern machte er eine Linkskurve. Das war gar nicht mehr gut, denn damit führte er in eine Richtung, von der ich mir sicher war, dass sie absolut falsch sein musste.
Mist!
Und das allerschlimmste: Hier oben kannte ich mich überhaupt nicht mehr aus – ich hatte bei der Planung ja nicht damit gerechnet, hier vorbeizukommen, deshalb hatte ich nicht mal versucht, mir den entsprechenden Kartenausschnitt nicht mal angesehen!
Ich flog blind durch unbekanntes Terrain, im Laderaum rumorte es, und so langsam ging mir der Sprit aus…
Gut gemacht, Matthias, wenn´s darum geht, aus dem Bauch raus blöde Routenentscheidungen zu treffen, bist du wirklich einer der Besten!

Irgendwas musste passieren, weiter bergauf in die falsche Richtung wollte ich nicht, also bog ich bei der nächsten Gelegenheit rechts ab, auf einen Trampelpfad am Hang entlang, der mit einer schwarzen 6 markiert war (vage Hoffnung: Die schwarze 6 könnte eventuell ein Kirchheimbolander Lokalweg sein – und zumindest im Odenwald führen solche Lokalwege immer zur Ortsmitte…).
Der ging erst mal hoch (ächz!).
Dann runter in ein schmales Seitental (bauchgrimm!).
Dann wieder hoch (ääächz!)
Und wieder runter in ein breiteres Seitental (ich will heim!)
Und dann wieder hoch (aaaaaaaargh!!!!!).
Dann führte er irgendwie geradeaus und eben durch den Wald.
Wohin? Keine Ähnung.
Vielleicht nach Kirchheimbolanden.
Oder nach Timbuktu.
War mir eigentlich egal, solange er nur hier aus diesem verdammten Wald (der übrigens gerade sehr hübsch war: Licht, sonnig, niedrige Kiefern, hätte mir richtig gut gefallen, wenn ich nicht mit quälendem Laufen und zwanghafter Schließmuskelkontrolle ausgelastet gewesen wäre) rausführte.
Schließlich, endlich, Licht am Ende des Weges. Ein Zaun an einer Wiese, dahinter Häuser.
Kirchheimbolanden.
Aber durch den Zaun konnte ich nicht, also folgte ich ihm, rechts runter, talwärts, bis ich schließlich…

… auf dem Saar-Rhein-Main-Weg rauskam.
Genau da, wo ich viel schneller, bequemer und direkter gelandet wäre, wenn ich vorhin nicht mal sinnlos in den Wald abgebogen wäre.
Doh!

Immerhin wusste ich jetzt wieder wo ich war, nämlich fast am Ziel. Nach links aus dem Wald raus, die Dannenfelser Str. hoch nach Kirchheimbolanden rein. Nach 50 m. links auf das Gelände der Kliniken am Michaelshof, über eine Wiese mit Spielplatz und Ziegengehege, dann links auf die Asphaltstrasse und aufwärts an den Gebäuden des Komplexes vorbei das Tal hoch. Eigentlich kein richtiger Weg (vielleicht sogar Privatgelände? Hatte aber kein Schild gesehen) hoch zum Schillerhain, aber auf der Wanderkarte hatte es nach einer schnellen und bequemen Abkürzung ausgesehen, genau das, was ich jetzt brauchte: Zum Ende des Tals, dort auf einem Trampelfpad im Wald neben einem Sportplatz hoch zum Kinderheim am Schillerhain und von dort aus direkt zum wartenden Auto.
Genau das Richtige!
Zumindest in der Theorie.
In der Praxis gab´s allerdings ein kleines Problem: Ich fand zwar den Sportplatz am Talende über den Klinikgebäuden, aber den Trampelpfad konnte ich nicht entdecken.
Stattdessen direkt links, rechts und vorne steil aufragende Talwände.
Ratlosigkeit.
Nachdenken.
Nochmal Umsehen.
Oh, ja, richtig, da links oben am Hang war wohl der Trampelfpad. Nur ein paar Meter neben dem Platz, aber dummerweise zehn bis fünfzehn Meter höher, dazwischen die extrem steile Böschung.
Frustration.
Natürlich hätte ich umkehren können, weiter unten im Tal den Anfang des Pfades suchen und ihn dann normal hochlaufen. Wäre sicher gar kein so großer Umweg gewesen.
Aber auf Umwege hatte ich keine Lust mehr.
Ich beschloss: Ich würde an Ort und Stelle die steile Böschung bis auf den Pfad hochklettern, die paar Höhenmeter würden schon klappen.
Am Anfang war das auch kein Problem, die „Steilwand“ war gut bewachsen und entsprechend trittsicher und mit vielen Gelegenheiten zum Festhalten.
Aber weiter oben wurde es mit einem Mal kahl, geröllig und noch steiler.
Die letzten Meter musste ich mich unter größter Vorsicht von Baum zum Baum tasten, da die den einzigen richtigen Halt boten.
Bloss nicht abrutschen…
Schließlich war ich fast oben, lehnte – schon deutlich mitgenommen von der anstrengenden Kletterei – am letzten Baumstamm über dem Abgrund.
Noch 1,5 bis 2 m. bis zum rettenden Pfad. Das letzte Stück war fast vertikal, kein Bewuchs mehr, keine „Handholds“, nur locker-rutschiger Dreck.
Ganz an den Weg kam ich noch nicht ran, selbst wenn ich mich reckte, also musste ich stattdessen noch ein, zwei Schritte in den Hang wagen.
1. Schritt: Gaaaaaanz ruuuuhig, Fuß irgendwie in die Böschung…. hielt! Puuh!
2. Schritt: Gewicht verlagern, nach vorne Beugen, anderen Fuß vorschichti…
Ich kam ins Rutschen!
Oh Shit!
Panisch warf ich mich nach vorne, bekam irgendwie einen umgestürzten Baumstamm direkt unterhalb des Pfades zu fassen, der gottseidank mein Gewicht hielt…
… und hing dann erst mal ein paar Sekunden an einer Hand über dem Abgrund, während unter mir eine kleine Drecklawine abging.

Ohmannomannomannomannomannomannomann!

Beruhigen.

Andere Hand an den Baumstamm.

Hoch… ziehen!

Bein rüber.

Auf den Pfad kriechen.

Oben!!

Kurze Pause. Den Donnernden Herzschlag und die rasende Atmung kontrollieren.
Notfürftig den Dreck von Armen, Beinen und den geschundenen Knien wischen.
Warten, bis das leichte Zittern aufhört.
Oh Mann.
Ich bin zu alt für so´n Scheiss…

Nachdem ich mich wieder etwas im Griff hatte, lief ich weiter. 300 ereignislose Meter, den überwucherten, schlechten Pfad hoch (der so aussah, als sei das letzte Mal jemand hier vorbeigekommen als Willy Brandt Bundeskanzler war), kurz über das Gelände des Kinderheims/Ayrveda-Schulungszentrums/Wasweisichwasdasfürnladenist, direkt dahinter der Parkplatz.
Auto.
Wasser.
Mittagessen.
Puuuuuuuuuuuuh!!!!

Eigentlich ein schöner Lauf. Die ersten zwei Drittel sehr angenehm und entspannt, herrliche Landschaft, unbekannte Umgebung, das war alles richtig gut. Bloss der Terz am Ende hätte nicht sein müssen. Andererseits wäre dieser Eintrag dann nur halb so interessant, also geht das letztlich auch in Ordnung… 😀

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass das Nordpfälzer Bergland ziemlich hübsch ist, und ich mir durchaus vorstellen kann, mal wieder herzukommen.
Ausserdem: Das Minimalziel von Projekt Westwärts ist ab heute erfüllt: An den Donnersberg bin ich gelaufen, jetzt muss ich nur noch auf den Gipfel.
Und da freu´ ich mich schon ganz doll drauf! 🙂

Strecke: 17,8 km
Zeit: 1:59 h (= 8,97 km/h bzw. 6:41 min/km)
Karte:

Interaktive Streckenkarte

M.

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Eine Antwort to “Projekt Westwärts: Kirchheimbolanden – Dannenfels (17,8 km)”


  1. […] einen guten Parkplatz mitten im Ortskern, am Anfang der steilen Oberstrasse. Genau hier hatte ich beim letzten Mal einen Schlenker gelaufen, um mir für den nächsten Lauf eine gute Ausgangsposition relativ weit […]


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