Verirrt im Jägersburger Wald (10,6 km)

8. Juni 2008

Sonntagslauf.
Nachdem der gestrige Laufbericht zu einem ellenlangen Monster ausgeartet ist, machen wir´s heute mal ein bisschen kürzer, so viel ist eh nicht passiert.

Also: Nach fünf Wochen Verletzungspause war Jost heute zum ersten Mal wieder dabei, wollte „Was Flaches, so maximal eineinhalb Stunden“ laufen. Ich hatte noch ´ne Runde im Jägersburger Wald, auf die das passte, also nahmen wir die in Angriff. Der Plan: Vom Parklatz-Venuleth-Schneise südostwärts über unmarkierte Nebenschneisen, auf der Brücke mitten im Wald über die A67, am Waldrand nach Langwaden, wieder zurück über die Autobahn, am Ufer des Winkelbachs bis Maria Einsiedel und von dort aus zurück in den Wald und auf der Venuleth-Schneise (Saar-Rhein-Main-Weg) zurück.
Ca. 13,5 km, relativ viel für einen Lauf nach fünf Wochen Pause, aber Jost traute ihn sich offenbar zu.

Soweit so gut. Sonntag Morgen, Viertel vor Elf, schöne warmes Wetter. Start am Parkplatz-Venuleth-Schneise an der L3112 zwischen Gernsheim und Hähnlein. Südwestwärts die asphaltierte bzw. betonierte Schneise runter in den Wald (Markierung: Gelbes Plus). Entspanntes Tempo, freundlicher Flachlandwald mit einem Mix aus Schatten und Sonne, singende Vögel, relativ unspektakulär aber hübsch.

Nach 350 m. links in die unmarkierte Rohrlach-Schneise, geradeaus bis fast an die Autobahn, rechts die Kuhweideck-Schneise (unmarkiert) runter, an der nächsten Kreuzung wieder links bis fast zur Autobahn (Heckenseelach-Schneise, unangenehmer grober Schotter, ebenfalls unmarkiert), dann schließlich rechts runter bis zur Autobahnbrücke am Ende der Stockweg-Schneise.
Die ersten 2,5 km vorbei, Jost hielt gut mit, Umgebung weiterhin derselbe nette Wald, bisher sehr angenehmer Lauf, alles bestens.

Links, und auf der alten, überwucherten Autobahnbrücke über die A67 in den Ostteil des Jägersburger Waldes. Ab hier wurde es dann hakelig: Westlich der Autobahn ist der Wald sehr gut zu belaufen, da dominieren breite, gut gepflegte Wege in schurgeraden Schneisen. Östlich der A67 sieht das alles aber ganz anders aus: Hier herrscht die Wildnis, mit dunkler, sumpfigen Flachlandwald der nur von wenigen, meist sehr schlechten/seit Jahren nicht gepflegten Wegen durchbrochen wird.

Laut Plan hätten vom Fuß der Brücke aus geradeaus bis an den östlichen Waldrand durchlaufen müssen. Auf der Wanderkarte hatte das ganz einfach ausgesehen, vor Ort erwies sich der entsprechende Weg allerdings als praktisch unlaufbar, eine schlammig-kraterige Ackerlandschaft, die in den letzten Jahren offenbar nur von zerstörungswütigen Wildschweinen genutzt worden war.
Wollten wir nicht, also wichen wir vom Plan ab und bogen am Fuß der Brücke nach rechts auf einen etwas besseren (aber immer noch ziemlich überwucherten) Weg ab, von dem ich hoffte, dass er südwärts bis nach Langwaden führen würde.

Tat er natürlich nicht.
Zwar führte er eine ganze Weile scheinbar vielversprechend gen Süden, näherte sich dabei mal kurz der Autobahn an, bevor er wieder ostwärts von ihr Wegknickte, aber nach 700 m. war dann Schluss. Ende Gelände, der Weg hörte einfach so mitten im Wald auf.
Hmm.
Zurück wollten wir (vor allem ich – ich lauf´ halt gerne immer weiter, bis zur vollständigen Verirrung… 😀 ) nicht, viel Zeit zum Nachdenken blieb auch nicht (wie gesagt: Sumpfwald, sobald man stehen blieb, stürzten sich Schwärme von Stechmücken auf einen), also bogen wir scharf links ab und liefen nach Norden, auf etwas, das möglicherweise ein Pfad war (möglicherweise aber auch nur wenig bewachsener Waldboden). Zwar genau die falsche Richtung, aber irgendwann musste ja mal ein Querweg kommen, der durch die ansonsten undurchquerbare Sumpflache rechts von uns an den Waldrand führen würde.

Natürlich kam kein Querweg, stattdessen stolperten wir ca. 800 m. mehr schlecht als recht durch die Einöde nach Norden, bis auch das bisschen Pseudo-Pfad, dem wir bisher gefolgt waren, im unpassierbaren Nichts endete.
Ich hatte uns endgültig verirrt (mit Hilfe der Wanderkarte, die hier nachweislich Wege verzeichnet, wo gar keine mehr sind).
Erkenntnis: Verirren fühlt sich immer etwas blöder an, wenn man nicht alleine unterwegs ist…
(Immerhin: Für mich war´s das dritte Mal Verrirt Sein in 24 Stunden, so langsam krieg ich echt Übung 😆 ).

Vorwärts ging´s beim besten willen nicht mehr, also unter frenetischen Stechmückenangriffen umgedreht und ein paar hundert Meter zurück, dann rechts, auf dem usnsäglich schlechten Wildschweinsuhlenweg, den wir vorhin extra noch vermieden hatten, zurück zur Autobahnbrücke und wieder in die zivilisierte Oststeite des Waldes.

Damit war der Plan natürlich Makulatur, wir mussten uns was anderes Ausdenken. Ich hätte gerne versucht, wieder an die ursprüngliche Route anzuschliessen, aber das wäre noch mal relativ weit geworden, und da Jost doch lieber etwas kürzer machen wollte, einigten wir uns auf einen Kompromiss: Irgendwie zwischen „Direkt zurück zum Parkplatz“ und „Ursprüngliche Route“ auf gut Glück noch ein bisschen durch den Wald lavieren (was gar nicht soo einfach ist, denn hier sieht alles ziemlich gleich aus, da kann die Orientierung zuweilen etwas schwerer fallen).

Gesagt getan: Hinter der Brücke gleich links, die Bach-Schneise (gelbe 4) runter. Nach 250 m. passierten wir eine breitere Schneise, die ich (korrekt) als Lange Schneise identifizierte, und liefen weiter geradeaus. Ab hier war die Schneise mit dem blauen Punkt der Riedlinie markiert, dem folgten wir einfach mal. Halber Kilometer nach Südwesten, dann links in die Van der Hopp-Schneise (laut Karte, bin mir aber nicht sicher, ob die nicht eigentlich Van der Hoop-Schneise heissen muss…), 600 m. nach Nordwesten, dann links runter zu einer Kurve am Waldrand. Bis hierher war ich eher nicht orientiert gewesen, aber da direkt hinter den Bäumen der Winkelbach verlief, konnte ich unsere Position etwas besser einordnen, das war gut.

Ab hier runter von der Riedlinie, die geradeaus am Bachufer entlang ins Freie führte, stattdessen rechts um die Kurve und auf der Schweinsgrub-Schneise nach Nordwesten bis an den Waldrand und einen Blick über die endlos weiten Kornfelder geworfen: Links, ganz nahe Maria Einsiedel, direkt vor und sie charakteristischen Silobauten am Gernsheimer Industriehafen. Jetzt wusste ich wieder ganz genau wo wir waren.

Kurz rechts hoch, die Feldschneise am Waldrand entlang (kann ein Weg am Waldrand eigentlich ´ne Schneise sein???), bei der nächsten Gelegenheit wieder rechts in den Wald rein, 200 m. die lange Schneise entlang, dann links, und wir waren wieder auf der bequemen, betonierten Venuleth-Schneise/dem Saar-Rhein-Main-Weg (gelbes Plus). Jetzt nur noch 1,5 km plaudernd geradeaus (zumindest plauderte ich, Jost war inzwischen etwas wortkarg geworden und schnaufte ein bisschen – 5 Wochen Pause gehen halt nicht ganz spurlos an einem vorbei), und wir waren wieder am Ausgangspunkt.

Schöner entspannter Lauf, hübsche Umgebung, keine grandiosen Höhepunkte aber auch nichts wirklich Unschönes (bis auf die Blasen, die Jost sich gelaufen hatte, weil er ohne Socken gestartet war – aber das macht man ja auch nicht…). Ein bisschen schade vielleicht, dass es mit Maria Einsiedel und dem Winkelbach nicht geklappt hatte, aber so war´s auch ok.
Und das bisschen Verirren, das gehört ja fast schon dazu…
Insgesamt: Ruhig und angenehm, schöner Regenerationslauf zum Wochenabschluss.

Strecke: 10,6 km
Zeit: 1:08 h (= 9,35 km/h bzw. 6:25 min/km)
Karte:

Interaktive Streckenkarte

M.

7 Antworten to “Verirrt im Jägersburger Wald (10,6 km)”


  1. […] Verirrt im Jägersburger Wald (10,6 km) […]

  2. Gerd Says:

    Schön das Jost wieder im Team ist. Da musst Du dich ja nicht alleine verlaufen 😉
    Gruß auch an ihn. Immer noch unbekanterweise!
    Gerd

  3. matbs Says:

    Richt´ ich aus 🙂 .

    Übrigens hat er gemeint, dass er auch gerne den Halbmarathon in DA laufen möchte, da mach´ ich dann vielleicht auch noch mit.

    Cheerio

    Matthias

  4. Gerd Says:

    Das würde mich natürlich freuen. Vielleicht könnt Ihr beide ja im Ziel auf mich warten 🙂

  5. matbs Says:

    Pffft!
    Bei den unglaublichen Kilometerzahlen, die du im Moment runterreisst, musst du wahrscheinlich eher selber warten.


  6. […] östlich der A67 (irgendwo da drin, nicht mal 250 m. Luftlinie von der heutigen Route entfernt, hatten Jost und ich uns ja letzten Sonntag ein bisschen verirrt). Nicht ideal zum Laufen, ging aber mit ein bisschen Konzentration und Vorsicht (gottseidank nur […]


  7. […] eher flach und kurz, da bot sich mal wieder der Jägersburger Wald an – nachdem wir´s vor zwei Wochen nicht bis nach Maria Einsiedel geschafft hatten, hatte ich heute eine nette 11-km-Strecke rausgesucht, mit der wir das nachholen können würden – […]


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