Flach, flacher, Ried: Bürstadt – Bobstadt – Hofheim (12,4 km)

14. Juni 2008

Im Moment hab ich´s so ein bisschen in den Beinen – die vielen Tempoläufe der letzten Zeit, die meisten davon auf ungewohnt hartem Asphalt, sind mir doch ganz schön in die Knochen und Gelenke gefahren (bin nun mal keine elegant dahingleitende Laufgazelle, sondern ein schwerfälliger Stampfer). Besonders mein linkes Knie hat´s etwas erwischt, das protestiert inzwischen auch bei normalen Alltagsbelastungen leise aber konstant vor sich hin – nicht untertäglich oder auch nur besonders unangenehm, aber eben doch mit jedem Schritt eine leise Warnung, dass da nicht alles im Lot ist.

Entsprechend wäre heute eigentlich ein langsame, bergige Runde auf weichem Untergrund ideal gewesen. Ging aber nicht – ich hatte mich kurzfristig mittags mit Freunden in Rheinhessen verabredet, und beschloss deshalb, auf dem Hinweg einfach noch einen kürzeren Lauf einzuschieben. Also per Definition eine Strecke irgendwo im Ried oder in Rheinhessen.
Ok, schaun mer mal…
Rheinhessen fiel relativ schnell flach (da wäre ich wenn irgendeine Nebenroute von der Strecke von Projekt Westwärts abgelaufen, konnte aber auf die Schnelle nichts Überzeugendes finden – das Wegennetz da drüben ist einfach deutlich dünner als in Odenwald und Bergstrasse, ohne Wanderkarte ist es da schwer, mal schnell eine gute Tour aus dem Hut zu zaubern).
Also Ried, irgendwo zwischen A67 und Worms.
Kurzer Blick auf das bisherige Laufnetz: Ja, da war eine passende Lücke, nördlich der B47, zwischen Biblis und Bürstadt, in plottete ich also schnell ´ne kurze Runde rein: Bürstadt, Bobstadt, Hofheim.
Nicht perfekt (fast alles Asphalt, da würde ich langsam machen müssen), aber mit der Gelegenheit, mal das geheimnisvolle, bisher nur aus der Ferne erspähte Bobstadt zu erforschen, und endlich die Frage zu lösen, die mir schon seit Monaten schlaflose Nächte bereitet:
„Spricht man das mit langem oder mit kurzem ‚O'“ (–> „Bobbstadt“ oder „Boobstadt“)??????

Zeit, das ein für allemal zu klären! 😉

Sah soweit alles ganz gut aus, also ´ne Stunde nach dem Mittagessen ins Auto, A67, B47, Bürstadt Ost raus, und ins Gewerbegiebt am Bürstädter Ostrand gefahren.
Ausgangspunkt: Forsthausstr. Ecke Riedroder Str. (zwischen Sportplatz und Schützenverein, hier steht auch irgendeine kleine Kapelle an der Ecke).
Wetter: Gut, sonnig aber frisch, ca. 18 Grad.
War schon etwas spät dran, also lief ich auch gleich zügig los: Nordwärts durchs Industriegebiet, am ominös knallenden Gelände des Schützenvereins vorbei, und auf dem Radweg nach Riedrode (ausgeschildert) aus Bürstadt raus in die Felder.
Und erstmal lange geradeaus.
Wie erwartet Asphalt, wie erwartet tat das ein bisschen weh. Ich versuchte , so sanft wie möglich abzurollen und langsam zu machen – ersteres brachte nicht so viel, letzteres klappte nur bedingt: Ewig lange Geraden im Flachland machen micht fast automatisch schnell, ausserdem war ich schon etwas spät dran und deshalb im Zeitdruck. Entsprechend kam so eine Art Zwischentempo raus, nicht superschnell, aber auch nicht wirklich langsam, und angesichts meiner leicht unwilligen Beine nicht wirklich ideal.
Na ja, Laufen heisst eben manchmal auch ein bisschen Leiden…
Nach einem halben Kilometer knickte der Radweg rechts nach Riedrode ab, ich lief weiter, über einen schilfligen Kanal, vorbei an ein paar Scheunen und Äckern, Äckern, Äckern (relativ abwechslungsreich: Keine Rüben, dafür Getreide, Kohlrabi, und Undefinierbar 1 (Raps?), Undefinierbar 2 (Zwiebeln?), Undefinierbar 3 (Erdbeeren) und Undefinierbar 4+5 (Pfööööh. Kein Schimmer…).

Nach weiteren 600 m. links auf den Viehweg (der heisst nur auf der Karte so, vor Ort war´s einfach ein namenloser Asphalt[autsch]weg) und nochmal ewig geradeaus durch die Felder, dieses Mal nach Westen in Richtung des langsam näherkommenden Bobstadt (ober Bobbstadt. Oder Boooooobstadt. Das würde sich sicher gleich klären, die Ungeduld zerfrass mir schier die Knie. Ach nein, das war der Asphalt…).
Nach ein paar hundert Metern rechts mehrere Herrschaften bei der Arbeit in einem Feld voller Undefinierbar 2 (roch zumindest nach Zwiebeln). Wollte sie gerade fragen, wie man „Bobstadt“ als Uhreinwohner ausspricht, da hörte ich sie auf Osteuropäisch miteinander reden.
Keine Eingeborenen, also nur nett nicken und weiter…
Kurz danach: Im Blickfeld vor mir tauchte eine ältere Dame mit Kinderwagen aus Richtun Dorf aus.
Peeerfekt!
Als ich sie erreicht hatte, blieb ich kurz stehen:
Matthias [zitternde Stimme, voll ungeduldiger Erwartung] „Entschuldigen Sie bitte, ich bin nicht von hier und lauf´ heute zum ersten Mal in der Gegend. Können Sie mir sagen, welcher Ort das da vorne ist?“
Ältere Dame mit Kinderwagen [nicht unfreundlich, leicht mitleidig ob des scheinbar unorientierten Joggers]: „Boooobstadt.“
Da!
Da hammer´s !!
Eines der ganz großen Menschheitsrätsel, gelöst von: Mir!
Es heisst „Boobstadt“!!
Kein Zweifel mehr. Mwuahahahahahaa!!!! Ein Triumph der modernen geografischen Forschung, ach was sag´ ich, der gesamten Wissenschaftsgeschichte!!!!
Stockholm, ich komme!!!

Ok, ok.
Krieg´ mich ja schon wieder ein.
Aber bisher war der Lauf halt soo unspektakulär gewesen, da muss man die Ereignisse halt feiern wie sie fallen… 😀

Aber zurück in die reale Welt: Ich bedankte mich artig bei der Dame, wünschte ihr einen schöne Sonntag und lief weiter nach Boooooobstadt. (Booooobstadt. Booooooobstadt. Boooooooooooooooobstadt. Hey, ich hab´s rausgefunden, also darf ich´s auch schreiben bis allen übel ist… 😆
BOOOOOOOOOOOOOOOOBSTADT
Heheheheh….)

Dort angekommen war erstmal Zwangspause. In der Gegend hier gibt´s mehr Bahntrassen als Felder mit Undefinierbar drauf, und die am Ostrand von Boooooooobstadt (Booooooooooobstadt!!!!) war gerade in ICE-Bereitschaft, deshalb etwas warten am Booooobstädter Bahnübergang.
War mir ganz recht, meine Beine schmerzten und waren steif, also dehnte ich sie ein bisschen und plauderte dabei mit einem freundlichen Biker aus dem Mannheimer Raum, der zum Rhein wollte und sich hier sogar noch etwas weniger auskannte als ich.

Nachdem die Schranken wieder oben waren weiter durch Bobstadt. Äh, Boooobstadt.
Nettes kleines Rieddorf mit der üblichen Mischung aus älteren, eng stehenden Häusern im Ortskern und neueren Wohnhäuschen an den Rändern, erst durch die Bergstr., dann an einem hübschen kleinen Weltkriegsdenkmal halbrechts und auf der langen Rheinstr. durch den ganzen Ort durch bis zum Friedhof am westlichen Ortsrand.
Hmm. Hier ging´s eigentlich nur noch geradeaus weiter, direkt über den Friedhof.
Hatte ich eigentlich nicht geplant, also musste ich wohl irgendwo eine Abzweigung verpasst haben.
Aber zurück ist ja grundsätzlich nichts für mich, deshalb über den Friedhof.
Natürlich nicht joggend, sowas mache ich nicht auf Friedhöfen.
Und die Mütze hab´ ich auch abgenommen.
Kurz und möglichst pietätvoll zwischen den Gräbern hindurch, dann links und neben der Kapelle wieder runter vom Friedhof zum westlichen Ortsausgang an der Frankensteiner Str.
Wieder auf Kurs, hier links, auf einem guten Radweg neben der Landstrasse in Richtung Hofheim.

Inzwischen fast 25 Minuten unterwegs. Fiel immer noch etwas schwer, Beine (und das linke Knie) waren immer noch nicht eingelaufen. Hrm. Na ja, mussmer durch…

Nach 700 m. der nächste Bahnübergang, hier rechts vom Radweg ab und auf einem holprigen (aber weicheren – aaahhh, schön) Feldweg neben den Gleisen ein paar Minuten nach Nordwesten.
Beinahe vom ausladenden Gestänge am hinteren Ende eines gerade vorbeirangierenden Traktors erschlagen worden, ansonsten keine besonderen Vorkommnisse.
Nach 650 m. der nächste Bahnübergang am Bibliser Weg, hier war ich vor Monaten schon mal aus der anderen Richtung kommend vorbeigelaufen. Heute links, über die Gleise und auf dem Nibelungenweg (gelbes Quadrat) nach Hofheim rein.

Noch ein typischer Riedort, gehört zu Lampertheim obwohl das ewig weit weg ist, ebenfalls unspektakulär aber ganz nett. Durch die Bibliser Str. in den Ortskern, dort kurz rechts auf die Bahnhofstr., nach 100 m. auf höhe einer kleinen Grünanlage wieder links und auf der Beinstr. runter bis zum Südrand des Orts.
Besondere Vorkomnisse: Wenige. Eine kräftige Frau kehrte die Strasse und überall hingen Plakate für die Heppenheimer Ziegenschau. Das war´s.

Hofheimer Südrand: Links auf einen Feldweg, der zwischen den letzten Häusern und einem Kanal (dem Mühlgraben?) nach Osten führt. Erst Kies dann grasige Erde, angenehm zu laufen. Links Gärten und einmal ein lustiger Hund mit Fistelstimme, rechts der Kanal (mit angelnden Knaben, sowas sieht man auch nur noch auf dem Land), dahinter Felder und/oder Schrebergärten.

Nach 800 m. Ortsrand der Bürstädter Weg, bei dem es sich – und das wird den einen oder anderen Leser jetzt sicherlich überraschen – um einen Weg handelt, der durch die Felder nach Bürstadt führt (natürlich asphaltiert). Jawollja!

Den nahm ich. Erst noch links ein kleines Neubaugebiet, dann ein baumbestandenes Stück, schließlich Äcker, Äcker, Äcker (weit hinten aber näherkommen Bürstadt, noch weiter hinten und kaum näherkommend: Die Bergstrasse).
Insgesamt 2,2 km stur geradeaus, unterwegs ein entgegenkommender Jogger mit Ipod und mit ohne Manieren (dreckiger Nichtgrüßer, möge sein Rektum von Hämorrhoiden so groß wie Medizinbälle befallen werden [hier wollte ich eigentlich erst ein Hämorrhoiden-Bild verlinken, aber die sehen so eklig aus, das lass´ ich lieber…]) und eine von diesen Riesigen Feldbewässerungsanlagen, die bis auf den Weg sprühte, und neben deren Pumpe mehrere ominöse gelbe Kanister mit der Aufschrift „Billig und Effektiv“ standen. Da machte ich lieber einen kleinen Bogen.

Am Ende der 2,2 km endete der Weg ziemlich abrupt kurz vor Bürstadt an der Leitplanke der B44, die hier quer vorbeiführt. Nach Umwegen war mir nicht zumute, also kletterte ich rüber, überquerte die Bundesstrasse vorsichtig, nahm die Leitplanke auf der anderen Seite, und war wieder in Bürstadt.
Kurz geradeaus auf der Hofheimer Str. (Neubaugebiet, viele Autos mit leicht prollig wirkenden EM-Deutschlandfähnchen), dann links „In die 8 Morgen“, dort dann rechts und durch die recht großzügigen Grünflächen des Briebelparks am Bürgerhaus.
Auf der anderen Seite die Briebelgasse hoch und irgendwie durch den Ort: Peterstr., Kanalstr., Mainstr. bis zur Bahnhofsallee, die rechts über ein ziemlich trostloses altes Verladebahnhofsgelände bis zum eigentlichen Bahnhof, dort unter der Quer verlaufen Bahntrasse durch (ich sag´s ja: Schienen überall, das ist wie im Hobbykeller eines Märklinfanatikers hier), die Bensheimer Str. entlang, runter an die Nibelungenstr. dort links, nach 200 m. nochmal links über den nächsten Bahnübergang zurück in die Forsthausstr. und zum Ausgangspunkt. Eigentlich noch mal über 2 Kilometer, aber die Zeitrafferbeschreibung reicht, so richtig ansehnlich fand ich Bürstadt von innen nämlich nicht: Alles ein bisschen eng, unspektakulär, kleinbürgerlich, ho hum… (Wahrscheinlich tue ich Bürstadt jetzt ein bisschen unrecht damit, aber ich war eben nicht so richtig gut drauf und hab´ offensichtlich die hübscheren Teile geschickt umlaufen… Na ja, vieleicht ein anderes Mal…).

Pff. Naja. So richtig gut war´s nicht, aber auch nicht unerträglich furchtbar. Landschaftlich eher unspektakulär (wie das eben in den endlosen Äckern des Rieds so ist), wenn auch mit einigen hübschen Ecken. Am Ende doch wieder recht zügig gewesen, wieder viel Asphalt, das Knie weiterhin quengelig, insgesamt nicht so richtig erfrischend und spritzig. Vielleicht sollte ich die nächste Woche mal ganz gezielt langsam, weich, und wenig Strecke laufen, um mal wieder ein bisschen am Stück zu regenieren. Mal sehen…

Und ein Gutes bleibt von heute immerhin: Das Geheimnis von Boooooooooobstadt ist gelüftet! 🙂

Strecke: 12,4 km
Zeit: 1:11 h (= 10,48 km/h bzw. 5:44 min/km)
Karte:

Interaktive Streckenkarte

M.

Advertisements

2 Antworten to “Flach, flacher, Ried: Bürstadt – Bobstadt – Hofheim (12,4 km)”


  1. […] Flach, flacher, Ried: Bürstadt – Bobstadt – Hofheim (12,4 km) […]


  2. […] Allmendfeld Alsbach Alsbach-Sandwiese Asbach Auerbach Balkhausen Beedenkirchen Bensheim Bobstadt Bürstadt Biblis Bickenbach Biebesheim Bischheim Bolanden Bolanderhof Bonsweiher Brandau Brensbach […]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: