Miese Mini-Regentour im Wald (7,7 km)

11. Juli 2008

Und schon sind wir bei Tag 3 der ungeheuerlichen Laufblog-Bonanza-Woche angelangt, die uns jeden Tag einen neuen Blogeintrag mit Allem, was dazugehört, beschert.
Gaanz recht: Jeden. Einzelnen. Tag. Und das noch bis Sonntag.
Frohlocke, oh Welt (oder lass es bleiben, mir egal…)
😀
Welches atemberaubende Wildnisabenteuer wird uns wohl heute erwarten?
Ich sag´s euch: Die Todestour vom 11.7.!
Delirium, Schmerz und Selbstaufgabe in den gnadenlosen Hängen des gefährlichsten Berges im Umkreis von 3 Kilometern!
Auf vielfachen Wunsch in einer Gastrolle: Nemo der Hund, seines Zeichens flatulent-charmanter Draufgänger und Frauenschwarm im erdig müffelnden Naturpelz!

Puritaner, Kinder und Menschen mit nervösen Erkrankungen, lest lieber nicht weiter, denn es ist die unheilvolle, nervenzerfetzende, fingernägelbisaufdiknochenabkauende, nachgerade stupendöse
Miese Mini-Regentour im Wald

Hehe!
Unglaublich, wieviel Spass dieses sinnentleert-bombastische Geschwafel macht… 😀

So, aber genug geschwafelt, jetzt mal Butter bei die Fische, hier der Lauf:

Hrrrm. Das war nix. Irgendwie war ich den ganzen Tag nicht so gut drauf gewesen (machen mir etwa die ständigen Wetterumschwünge zu schaffen? Früher hab´ ich da nie Probleme gehabt, aber ich bin halt keine 20 mehr…), Laufen Gehen stand da eigentlich nicht auf der Tagesordnung.
Aber dann war´s gegen Abend ziemlich frisch und Nemo musste eh nochmal raus, also starteten wir doch noch mal zu einer kleinen Runde (Ungeplant, sollten so um die 10 km werden). Wetter kühl (unter 20 Grad, und das obwohl´s vor den Gewittern von heute morgen noch 28 Grad gewesen waren), feucht, leichter Regen. Meh.
Von Anfang an nicht wirklich gut.
Hätte es besser lassen sollen, aus einer Reihe von Gründen:
– Gestern Nacht elend schlecht geschlafen. Wieder mal eine von diesen fiesen, warmen
„Tropennächten“, da wälze ich mich ewig in der Hitze hin und her bis ich irgendwann mehr schlecht als recht wegdöse, und bin am nächsten Tag immer irgendwie mitgenommen.
– Lustlosigkeit.
– Nichts im Magen. Bis zum Start um 19:20 hatte die ganze feste Nahrung des heutigen Tages aus einem (kleinen) Apfel und einer Handvoll Gummibärchen bestanden. Nicht ideal.
– Blödes Wetter: Sehr hohe Luftfeuchtigkeit, dazu dieser extrem rapide Wetterumschwung, und im Regen bin ich ja nicht so gut.
– Kreislaufmässig irgendwie nicht so stabil, vielleicht das Wetter, vielleicht der Schlafmangel, vielleicht der Hunger, oder auch eine schöne Kombo aus diesen und anderen Faktoren.
Aber nun war ich halt schon mal dabei, und zumindest Nemo war superhappy und wackelte mit fröhlich erhobenem Schweif und glücklichem Hundegrinsen vor mir her.
Darsbergstrasse, Hoch in den Wald, Burgenweg (Blaues B), Merckscher Wasserturm, Pürschweg (SJ2).
Das Übliche, lief aber ganz, ganz komisch: Tat nichts weh, ich war auch nicht wirklich außer Atem, aber das Laufen fühlte sich… seltsam an. Wattig im Kopf, leicht schwindelig-taub, überhaupt keine Bezug zur Umgebung, alles irgendwie dissoziiert, als wäre ich gar nicht richtig da. Im Englischen gibt es das Wort „Lightheaded“, das beschreibt meinen Zustand vielleicht am besten. Dazu kaum Sicht (extrem Dunkel im Wald, wieder mal bunte Punkte auf der Netzhaut, und die Brille war eingeregnet und beschlagen), das machte die Sache noch surrealer – und noch schlechter, denn gerade mit dem Hund im Schlepptau und im Wald muss man eigentlich hellwach sein, alles mitkriegen, schließlich ist man da nicht nur für sich selbst verantwortlich…
Beim Stehenbleiben fühlte ich mich schwach und zittrig, meine Hände kribbelten als wären sie am Einschlafen, ich hatte Durst (und das gerade mal ein paar Minuten nach dem Start, in einer Umgebung, die man heute als Feuchtbiotop hätte bezeichnen können).
Wie gesagt: Ganz mies, offenbar war mein Blutdruck so richtig tief im Keller, da ging fast nichts.
Also machte ich ganz langsam, ging immer wieder, pausierte zwischendurch auch mal kurz, denn – ganz ehrlich – an einem verregneten Abend im Wald umkippen, das wollte ich nicht – in den nächsten Tagen keine Verabredungen, die Eltern im afrikanischen Busch, wer weiss, wann man da vermisst wird(zumal ich in einem solchen Fall nicht auf Nemos Hilfe hoffen kann, denn im Gegensatz zu Lassie ist er ein normaler Hund. Bei einem Unglück rennt der nicht zielstrebig zum nächsten Parkranger und teilt ihm mittels einer kommunikativen Glanzleistung mit, dass der kleine Timmy in einen Bru… äääh dass der kleine Matthias ins Koma gefallen ist, und oben im Wald auf dem Pürschweg ca. 200 m. vor der Darsbergwiese liegt. Wenn überhaupt würde er als leidlich erzogener Hund und loyaler Freund wahrscheinlich treudoof bei mir hocken bleiben und verhindern, dass die Füchse mich fressen. Besser als nichts, aber keine Rettungsgarantie).

Also langsam, tranig, wattig, den Pürschweg hoch, hinter dem kaum zu bremsenden Nemo her, der bei solchem Wetter regelrecht aufblüht, und alle paar hundert Meter mit vorwurfsvollen Blick auf mich warten musste.
Durchs Darsbergtal.
Pause.
Zur Darsberghütte.
Pause.
Das steilere Stück danach hoch…
Da war dann gut.
Eigentlich hatte ich über Erlengrund und Alsbacher Schloss laufen wollen, aber heute ging einfach gar nichts – War mir zuviel, also brach ich den Aufstieg spontan ab, und lief rechts vom Pürschweg ab, auf den unmarkierten Weg, der unterhalb des Hohe-Stich-Wegs in Richtung Hoboken-Hütte führt. Abwärts ging´s besser, aber dafür wurden meine Schuhe vom hohen, nassen Gras am Wegesrand vollkommen eingesulcht, und nach ein paar hundert Metern kriegte ich Seitenstechen (Seitenstechen!! Das hatte ich schon seit Jahren nicht mehr gehabt, ehrlich! Was für ´ne miese Tour).

Ums noch schneller zu machen bog ich nach einem guten halben Kilometer in der offenen Hangwiese (seltsamer Blick runter in die Ebene: Hier im Wald war´s finster wie die Nacht, das Ried und Rheinhessen erstahlten jenseits der Bäume hingegen in unnätürlich gleissendem Sonnenlicht) scharf rechts ab, auf einen noch kleineren, wucherigen, unmarkierten Weg, von dem ich wusste, dass er mich auf die gelbe 8 zwischen Sperbergrund- und Hasselbachtal bringen würde.
Nass, eng, steil, holprig und stolprig, aber er kam tatsächlich dort raus, wo ich es erwartet hatte (zum Verirren fehlte mir heute einfach die Kraft), ich bog links ab, und folgte dem Weg am Rand des Sperbergrundtals in Richtung Alsbach (Gelbe 1, gelbe 7, gelbe 8).
Nach ca. 1,5 km die letzte Kurve bevors runter in den Talgrund und zum Sperbergrund geht. Inzwischen fühlte ich mich wieder etwas gefestigter, deswegen bog ich hier noch mal kurz links auf den Burgenweg (Blaues B) ab, lief am Wasserspeicher und der Ernst-Pasqué-Bank vorbei ins nächste Tal, und da dann rechts runter durch den Görschel in die Lindenstrasse in Alsbach.
Von dort aus der übliche Weg zurück (Lindenstr., Am Katharinenberg, Jugenheimer Str. Blütenweg durchs Feld [Gelbes B], Jugenheim).
Und fertig.
Geschwitzt, dreckig, nass, und trotz der gerade mal 7,7 popligen Kilometerchen ziemlich erschöpft, das war gar nix. Zumindest für mich. Nemo war zwar eingedreckt wie eine Wildsau am Suhltag, aber sichtlich glücklich, dass er mal wieder mitgedurft hatte (und vielleicht auch, dass ich ausnahmsweise mal vor ihm schlapp gemacht hatte… 🙂 ).

Strecke: 7,7 km
Zeit: 0:55 (= 8,4 km/h bzw. 7:09 min/km – boah war das laaahm!)
Anteil der noch nie gebloggten/gelaufenen Passagen an der Gesamtstrecke: 7,53% (0,58 km von 7,7 km)
Karte:

M.

Advertisements

6 Antworten to “Miese Mini-Regentour im Wald (7,7 km)”

  1. innererschweinehundbesieger Says:

    So, damit du auch mal wieder ein paar Zugriffe bekommst, hab ich den Artikel sogar in deinem Blog gelesen und nicht in meinem RSS-Reader 😉

    Puh, das scheint einfach nicht dein Tag gewesen zu sein.
    Abhaken und vergessen!
    Immerhin hast du genügend ausschlaggebende Faktoren und brauchst dir keine ernsthaften Gedanken über deinen Fitnesszustand zu machen.

    Ich wünsch dir für deinen nächsten Lauf eine bessere Nacht davor, mehr Hunger am Tag und besseres Laufwetter. Ach ne, deinen nächsten Lauf hast du ja schon hinter dir 😉 Ich hoffe, der lief besser.

    Viele Grüße,
    Jens

  2. matbs Says:

    Hi Jens,

    super, danke dir! 🙂

    Ja, das war wirklich ein ganz schlechter Tag, an dem auch noch irgendwie alles zusammenkam – tjaja, man ist eben keine 20 mehr, da kann das schon mal passieren…

    Dafür war der nächste Lauf dann aber tatsächlich wieder richtig gut (zumindest für mich, dafür hat Nemo dann geschwächelt…) – aber dazu morgen mehr 😉

    Gruß

    Matthias

  3. Gerd Says:

    Du armer, alter Sportler. Und deinem Hund traust Du auch nichts zu. Bei dir ist es mal ein Tag der nicht so läuft. Ich habe das Gefühl bei mir sind das ganze Wochen die so laufen.
    Also… nicht jammern, weitermachen 😉

    Gruß Gerd

  4. matbs Says:

    Aberaberaber ich jammer´ doch so gerne!

    Außerdem ist es ja kein Wunder, dass bei dir ganze Wochen so laufen, du rennst ja auch doppelt so viel wie ich…

  5. Heidi Says:

    Hihi, Nemo gefällt mir 😉 Immerhin würde er bei Dir sitzen bleiben und nicht wegrennen so nach dem Motto: Prima, Herrchen ist außer Gefecht gesetzt.

  6. matbs Says:

    Na ja, zumindest glaube ich, dass er das machen würde.

    Andererseits war ja vorletztes Jahr diese Französin in den Medien, die eine Gesichtstransplantation gekriegt hatte, weil sie ohnmächtig geworden war und ihr Hund dann ihr Gesicht aufgegessen hat…

    Würde Nemo aber nie machen. Der ist ja mein Freund, und Freunde essen sich nicht gegenseitig die Gesichter auf.
    Außerdem ist er ein pingeliger Esser… 😆


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: