Abendlauf durch Wald und Weinberge (12,7 km)

15. Juli 2008

Tag 5 der Laufblog-Bonanza-Woche mit dem Lauf vom 15.7. Und wieder ohne großkotzigen Einführungstext – Nemo ist krank, da hab´ ich andere Sorgen…

Kinder, ich sach´ euch: Das Melibokusmassiv ist schon ein Phänomen. Von Norden nach Süden gerade mal 5 km, an seiner dicksten Stelle vielleicht 2,5 km breit – das ist eigentlich nicht besonders viel Gelände. Und doch hat´s hier ein Wegennetz, das Dutzende von Kilometern lang ist, und das mich selbst nach Jahren des intensiven Laufens hier oben immer wieder mal mit einem unbekannten Pfad überrascht.
So zum Beispiel heute.

Warmer Sommertag, pralle Sonne, Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad – da musste Nemo zuhause bleiben, und ich verlegte den Lauf in die Abendstunden. Zielsetzung: Einfach mal den Melibokus hoch, dann über einen der vielen noch nicht gebloggten Abstiege durch die Weinberge nach Zwingenberg oder Auerbach und schließlich an der Bergstrasse zurück.


Gesagt getan. Aufstieg ganz konventionell über den Pürschweg (SJ2) zum Melibokus hoch. Gemächliches Tempo, lief ganz gut (beide Beine zickten und zwickten bei der Steigleistung ein bisschen vor sich hin, aber das hielt sich im Rahmen), ansonsten angenehm und ereignislos.
Das Übliche halt

Zumindest bis zu der Stelle, wo der Pürschweg auf die Melibokusstr. trifft. Da bog ich ausnahmsweise mal ein paar Meter vor der Strasse rechts ab, und lief den unmarkierten Weg unterhalb des Gipfels hinab, der in mehreren Serpentinen bis runter an den Erlengrund führt (keine Ahnung, warum der nicht markiert ist, eigentlich ein sehr ordentliches Stück, breit, gepflegt, besser zu laufen als z.B. große Teile des Luci-Berg-Weg. Erste Serpentine nach rechts, dann die zweite Serpentine nach links, dann 800 m. geradeaus und leicht bergab, über dem alten Steinbruch entlang bis zur Kreuzung direkt oberhalb vom Erlengrund, hier geradeaus und über einen unmarkierten und völlig zugewucherten (aber ansonsten recht bequemen) kleineren Weg weiter abwärts durch den Wald, bis ich schließlich den Herrenweg oberhalb des Luci-Bergs erreichte.
Hier überlegte ich kurz, ob ich vielleicht weiter geradeaus abwärts bis auf den Comoder Weg laufen solle, entschied mich aber dann dagegen: Erstens fühlte ich mich noch fit, zweitens kannte ich die Abstiege da unten alle schon, und drittens drang aus Richtung Comoder Weg das Dröhnen eines schweren Waldarbeiterfahrzeugs hoch, dem musste ich nicht unbedingt begegnen.
Also stattdessen auf dem Herrenweg weiter, und zwar nach links in Richtung Auerbacher Schloss. Schönes Stück mit hübschem Wald und einer perfekten moderaten Steigung, auf der man so richtig lospowern kann. Rechts den Hang runter immer wieder der Blick auf den 50 m. (nicht Höhenmeter, das sind noch etwas weniger) weiter unten verlaufenden Comoder Weg, auf dem gerade das eben schon gehörte Holzkranbaggerlasterdingsbums entlangrußte, ebenfalls in südlicher Richtung – mein Versuch, ein paar Meter mitzuhalten endete leider recht abrupt und kläglich, als das Holzkranbaggerlasterdingsbums rapide vorbeizog und schließlich sang- aber nicht klanglos hinter der nächste Kurve verschwand – selbst für sowas bin ich zu langsam.
Hmpf.

Nach ein paar hundert Metern kreuzte der steile Luci-Berg-Weg (weisser Balken, außerdem rotes N des Nibelungensteigs) den Herrenweg, hier bog ich dann doch ab und lief über einen schmalen, schönen Trampelpfad auf einem kleinen Höhenrücken runter auf den Comoder Weg. Hier war ich erst neulich abgebogen, und rechts runter durch einen schönen, steilen, unmarkierten Hohlweg in die Weinberge gelaufen. Laut Wanderkarte sollte es hier allerdings noch einen anderen Abstieg geben, einen kleinen Nebenweg, der irgendwo links von dem Hohlweg abgeht, durch ein verstecktas Seitental führt und schließlich weiter südlich in den Weinbergen rauskommt, den wollte ich mal ausprobieren.
Also überquerte ich den Comoder Weg geradeaus und lief dann halblinks in den unmarkierten Hohlweg. Schönes Stück, etwas zugewachsen, nach ein paar Metern ein paar handgebastelte Rampen für Biker mit dem Wunsch nach einem Genickbruch, dann noch mehr Hohlweg. Nach ca. 100 m. dann links auf den Hohlweg-Rand hoch, von wo aus sich ein winziger, unscheinbarer Pfad über einem tiefen Tal südwestwärts durch den Wald schlängelte. Offensichtlich nicht die Abzweigung die ich gesucht hatte (denn die hätte in das Tal führen müssen, nicht an ihm entlang), dafür aber absolutes Neuland: Diesen Pfad hatte ich noch nie bemerkt, war ihn dementsprechend noch nie gelaufen, hatte keine Ahnung, wo er rauskommen würde (eine nachträglich Überprüfung ergab sogar, dass er nicht mal auf der Wanderkarte eingezeichnet ist, was ein ziemliches Novum darstellt, denn die Karte ist sonst eigentlich sehr akkurat) – super, genau sowas hatte ich mir erhofft!

Also den sich windenden Pfad runter. Ganz langsam und vorsichtig, denn er war extrem steil und extrem schmal. Nach vielleicht 100 m. dann der Waldrand: Ein regelrechtes Loch zwischen den Bäumen, durch das ein wunderschöner Ausschnitt der weit unten ausgebreiteten Ebene bei Zwingenberg schimmerte. Noch eine Art Böschung runter, und ich fand mich unversehens an einem wild bewachsenen Hang irgendwo über den Weinbergen, und wusste nicht mal genau, wo ich hier überhaupt war – die allgemeine Verortung war kein Problem: Irgendwo am Waldrand zwischen Zwingenberg und Auerbach – aber der genaue Punkt? Keine Ahnung!
Das gefiel mir.
Noch besser gefiel mir allerdings die Aussicht: Ein atemberaubender Blick nach Südwesten, über die steilen Weinlagen hinweg nach Auerbach, Bensheim, Lorsch, Mannheim, Ludwigshafen und weiter bis zur Weinstrasse, weichgezeichnet von einem herrlichen, warmen Abendlicht, dass die weiten Hängen in einem tiefen, satten Grün mit langen Schatten erstrahlen liess.

Viele Wegalternativen gab´s nicht, deshalb nahm ich den einzig halbwegs gangbar aussehenden Pfad, der eine Stück unterhalb des Waldrandes nach Norden führte, vor einer Treppe im Hang mit verschlossenem Tor links abknickte, und schließlich auf einem offenbar frisch asphaltierten Weg unterhalb eines größeren Weinberges endete. Hier war die Aussicht sogar noch besser, zu dem Blick nach Südwesten gesellte sich eine vergleichbar schöne Aussicht nach Westen bis zum Rheingau hin, wunderbar.

Weiter auf dem asphaltierten Weg, zügiges Tempo in der angenehmen Abendsonne, abwärts ins nächste Tal, dort dann geradeaus auf den Weinlagenweg (Markierung: Weisses Weinglas mit der Aufschrift „WLW“) und einen fies steilen Hang hinauf bis zur Luci-Berg-Hütte.
Hier musste ich pausieren. Der Blick war einfach zu herrlich. Also setzte ich mich auf die Bank vor der Hütte (so, dass ein Stützbalken des Vordaches mit die schräge Sonne aus den Augen hielt), legte die Beine aufs Geländer, und genoß für ein paar unglaublich schöne Minuten die Stille, die Weite, und das Licht über der schier unendlichen Ebene.

aaaah…

Dann machte ich mich wieder auf den Weg, von der Hütte aus den Luci-Berg-Weg/Nibelungensteig runter nach Zwingenberg, erst noch einige hundert Meter durch die herrlichen Weinberge, dann in das bewaldete Tal am Zwingenberger Steinbruch. Dort bog ich spontan noch mal auf einen winzigen Serpentinenpfad ab, der an der südlichen Talseite in teils halsbrecherischen und rutschigen Kurven nach unten führt, und im Talgrund schließlich wieder auf den Luci-Berg-Weg stiess. Auf dem dann runter nach Zwingenberg, in die Gegend oberhalb der Altstadt kurz hinter der Kirche.

Dort rechts auf den Blütenweg (gelbes B) und die steile Kurve um die Neubauten „Auf der Ebene“ hoch, oben spontan den Blütenweg verlassen und geradeaus in das Wohngebiet „Am Malschen“, in der Hoffnung, dort einen neuen Weg nach Norden zu entdecken. Klappte aber nicht, die Strasse machte lediglich einen Bogen und führte dann wieder zurück an den Blütenweg.
Na gut, dann eben nicht…
Runter in die Stuckerstr., der bis an die Orbisstr. gefolgt, dort rechts (uff, steil!), dann links („Auf der Heide“), dort dann am Ortsausgang rechts und auf dem Blütenweg (der hier ein schmaler, teilweise knackig ansteigender Pfad durch die Weinberge ist) bis nach Alsbach.

Normalerweise folge ich ja hier immer der gleichen Route, geradewegs auf dem Blütenweg (Hochstr., Lindenstr., Katharinenberg) durchs Oberdorf und weiter nach Jugenheim.
Ist aber inzwischen alles andere als frisch, also knickte ich heute am Alsbacher Ortsanfang links ab und lief kurz die Strasse „Im Kießling“ runter, bevor ich rechts in das „Hausstück“ einbog. Geradeaus durch ein schönes, recht komfortables (und mir weitgehend unbekanntes) Wohngebiet, and der nächsten Querstrasse (Melibokusstr.) dann rechts hoch, links in Weinbergstr., und schließlich nochmal links durch die leicht abfallende Kirchstr. zum Dorfplatz an der Hauptstr.

Dort lief ich dann kurz rechts hoch, allerdings nur bis zum Eiscafé Miranda.
Da gönnte ich mir dann noch eine kleine Eispause (wenn schon mal so ein schöner Sommerabend ist, dann kann man das ja auch richtig ausnutzen, oder? 😉 ).
Zwei Bällchen in der Waffel, Mango und Apfel (für den Sport empfehle ich: Fruchteis, aber keine ganz sauren Sorten! Jawoll!), seeeehr lecker, und wunderbar erfrischend.
Eins muss man den Italienern lassen: So gutes Eis wie die macht sonst keiner!
(Und bloß dass hier keine Mißverständnisse entstehen: Es gibt noch total viele andere Dinge, die man den Italienern lassen muss/kann/darf, das Eis ist da wirklich nur die winzige Spitze des… des… ääääh, ja, genau, des Eisbergs 🙂 ).

Dergestalt gestärkt dann noch den letzten Kilometer abgelaufen, erst hoch in die Jugenheimer Str., der dann ins Feld gefolgt (wo gerade ein spektakulärer, rotgoldener Sonnenuntergang ablief), und auf dem Blütenweg zurück nach hause.

Gute Tour. Keine Probleme, entspanntes Tempo, die Entdeckung eines neuen Schleichweges, viele grandiose Aussichten, wunderbare Abendstimmung, und ein leckeres Eis. So gehört sich das!

– Strecke: 12,7 km
– Zeit: 1:24 h (= 9,07 km/h bzw. 6:37 min/km)
– Anteil der noch nie gebloggten/gelaufenen Passagen an der Gesamtstrecke: 29,92% (3,80 km von 12,7 km)
Karte:

M.

Eine Antwort to “Abendlauf durch Wald und Weinberge (12,7 km)”


  1. […] Abendlauf durch Wald und Weinberge (12,7 km) […]


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