Zickzack am Heiligenberg (12 km)

19. Juli 2008

…und Tag 7 der unglaublichen Blog-Bonanza-Woche, mit einem krönenden Abschluss. Der Lauf vom 19.7., komplett mit schönen Aussichten, geheimen Bergpfaden, Blut, Schweiss, Tränen, und mehr Brennnesseln, als man in einem Monat essen kann!!! Here we go:

Gestern war ich mir noch nicht sicher gewesen, ob ich heute überhaupt Laufen würde. Nemo hat sich eine schlimme Halsentzündung geholt, die ihn so richtig beutelt: Er ist ganz schwach, ziemlich apathisch und wurde ständig von schrecklich klingenden Husten- und Würganfällen heimgesucht, bei denen er Placken zähflüssig-schaumigen Bazillenschleims (gerne mal ergänzt durch ein bisschen halbverdauten Mageninhalt) in seiner Umgebung verteilt. Und da ich ihn ja momentan in Vollzeitpflege habe, war ich entsprechend ziemlich eingespannt und gestresst – sich Sorgen machen und ständig Bazillenrotz vom Fußboden entfernen und Drüberdesinfizieren, das hält einen ganz schön auf Trab (mal abgesehen davon, dass man keinen besonders guten Nachtschlaf hat, wenn der ansonsten recht angenehme Zimmergenosse alle paar Minuten von Keuch- und Hustenkrämpfen in TBC-Qualität geschüttelt wird und industrielle Mengen von Schleim auf dem mit Handtüchern ausgelegten Schlafzimmerboden spuckt).
Hinzu kam dann auch noch, dass es bei mir selbst ebenfalls losging: Laut Tierärztin sind die Erreger einer Hunde-Halsentzündung dieselben, die auch für menschliche Halsentzündungen verantwortlich sind – und nachdem ich einen nicht unerheblichen Teil des gestrigen Tages mit dem Entfernen von Bazillenspotze von der Auslegware verbacht hatte, stellten sich bei mir gegen Abend erste Schluckbeschwerden und ein leicht trockener Hals ein. Na prima…

Heute morgen sah das dann gottseidank schon wieder deutlich rosiger aus: Nemo ging´s schon wesentlich besser (auch wenn er bis auf Weiteres strengstes Sportverbot hat), so dass ich es wieder verantworten konnte, ihn mal ein, zwei Stunden alleine zu lassen, und meine gestrigen ersten Krankheitssyndrome hatten sich dank sofortiger Gegenmaßnahmen (bestehend aus diversen Tees, Halspastillen und Erkältungsbädern) und meinem bestens funktionierenden Immunsystem nicht weiter manifestiert (ich hab´ an meinem Körper ja so Einiges auszusetzen: Er ist kurzsichtig, kurzbeinig, legt etwas zu gerne Notpolster für den nächsten atomaren Winter an, und ist insgesamt nicht das fettarme, muskulös-adonisartige Hochleistungsmodell, das ich eigentlich verdient hätte, weil ich so ein feiner Kerl bin – aber zumindest bei den Abwehrkräften hat er eine ganz gute Ausstattung mitgekriegt, das macht vielleicht nicht so viel her wie ein Sixpack, hält aber zumindest die Erkältungen fern – auch was wert… 😉 ).

Alles soweit gut, da machte ich mich dann doch auf. Sollte nicht zu weit werden, einfach mal das Balkhäuser Tal hoch und um den Heiligenberg zurück, ein paar unerforschte Nebenpfade ausprobieren…

Start am frühen Abend. Wetter: Unentschieden: Heute morgen war´s noch naßkalt, gegen Mittag gab´s dann eine Mini-Hitzewelle mit Sturm (ganz komisch), inzwischen war´s wieder ein unentschlossen lauer Sonne-Wolken-Mix…
Zuerst mal durch den Pauerweg zum Balkhäuser Tal, bei den drei Mohren rechts das Tal hoch, an der ehemaligen Strumpffabrik und der Weide oberhalb des Dorfes vorbei bis zum Nonnenbrünnchen, dort dann weiter aufwärts auf dem abgeteilten Fußweg neben der Strasse (diese Hüfthohe Mauer zur Fahrbahn hin gibt ein sicheres Gefühl, sehr angenehm) bergauf. Angenehme Steigung, angenehmes Klima, keine Probleme.

Ca. 400 m. nach dem Nonnenbrünchen, nach der Linkskurve und direkt vor der Häusergruppe an der Strasse dann der erste der unerforschten Pfade: Links über den Bach, an einer Schranke vorbei, und einen kleinen aber nicht unbequemen Weg, den ich bisher noch niemals genommen hatte, in westlicher Richtung am Talrand den Hang hoch, in den Wald rein, um das schmale, tiefe, wucherige Tal oberhalb vom Nonnenbrünnchen herum, und schließlich kurz vor der Schutzhütte auf die Wiese unterhalb vom Schloss.
Bis dahin ordentlicher Anstieg, der mir aber fast nichts ausgemacht hatte – super, da konnte ich gleich weiter machen… 😉
Folgerichtig rechts in den links und rechts ganz eng von jungen Bäumen gesäumten Weg (der dadurch was Tunnel- oder Arkadenartiges hat) eingebogen und der gelbe 3 weiter aufwärts gefolgt, unter der Mauer der südlichen Schlossterasse entlang hoch in den Wald, dort dann auf der gelben 3 sanft am Hang bergab in Richtung des Rückhaltebeckens unten im Balkhäuser Tal.

Eigentlich hatte ich ja wieder bis ganz runter joggen und dann am Talgrund bis Balkhausen laufen wollen, aber zwischendrin disponierte ich dann kurzfristig um: Nach ca. 650 m. ging nämlich links ein Weg den Hang hoch, den ich ebenfalls noch nie genommen hatte – war zwar schon oft vorbeigekommen, wusste genau wo er enden würde, aber bisher war er mir immer unglaublich schlecht und praktisch unlaufbar vorgekommen. Heute machte er aber überraschenderweise einen ziemlich einladenden Eindruck (na ja, nicht wirklich einladend, dazu ist er viel zu steil, aber zumindest ordentlich), anscheinend war der vor kurzem zu Waldarbeiten benutzt und etwas frei- und glattplaniert worden.
Noch nicht gelaufener Weg, gut in Schuss? Keine Frage, den musste ich natürlich nehmen! 🙂
Also halblinks ab und wieder bergauf, die Flanke des Marienbergs hoch.
Fies steil, war sehr anstrengend, machte aber gleichzeitig total viel Spass; anscheinend war ich heute wirklich gut drauf, trotz der knackigen Steigung kam ich bestens voran, und erreichte schließlich – zugegeben etwas ausser Atem – die letzte Kurve des Wegs SJ2, der ich rechts runter bis zur Kreuzung kurz vor dem Waldrand an der Kaiserbuche folgte.

Hier hätte ich ja eigentlich schon links runter laufen und mich auf den Heimweg machen können. Aber bisher war alles so gut gelaufen, da bog ich stattdessen lieber rechts ab und lief die alte Asphaltstrasse abwärts (gelbe 5/gelbe 6), an den vereinzelten Pferdehöfen vorbei bis zum Talhof runter (die ganzen schönen Höhenmeterchen von eben – futsch! Na ja, musste ich eben neue Laufen… 😀 ). Dort dann runter an die L3103 und auf dem schmalen Kiesweg neben der Landstrasse links und ins abendlich-friedliche Balkhausen rein.

Knapp 100 m. in Richtung Dorfmitte, dann links in den „Fasanengarten“, durch den Talgrund und auf einem schönen, kleinen, unmarkierten Weg am Rand eines idyllischen kleinen Bachtals unterhalb vom Schul-Berg ostwärts in die Wiesenhänge oberhalb des Dorfes. Wunderschöne Gegend: Herrliche Wiesen, durchbrochen von kleinen Baum- und Buschgruppen, steile Hänge im Abendlicht, direkt neben dem Weg (weiter oben dann sogar auf dem Weg) ein winziger Bachlauf, alles wunderbar sonnenbeschienen, da sich die Wolken gerade mal verzogen hatten.
Oh, und steil war´s natürlich auch, aber das ist ja selbstverständlich… 😉

Oben am Waldrand könnte ich mir eine kurze Pause, zu trinken hatte ich zwar nichts dabei, aber ich hatte in meiner Gürteltasche einen älteren Apfelriegel gefunden, den ich genüsslich verspeiste.
Etwas zerdrückt, aber gut.

Und weiter, ein Stück in den dichten, schattigen Wald am Vogelherd hinein, dann links auf einen unscheinbaren Trampelpfad am Hang, über den ich nach etwas Kletterei die gelbe 5 oberhalb vom Hechlersgrund erreichte. Hier rechts bis auf die Anhöhe über Hainzenklingen, und schließlich links der gelben 5/dem Weg SJ2 runter auf den Asphaltweg im Wald am Goschenrod gefolgt.

Bisher war immer noch alles lindgrün – da ging noch was. Also nicht der Strasse nach links (zurück zur Kaiserbuche) oder nach rechts (in Richtung Hainzenklingen/Stettbacher Tal) gefolgt, sondern stattdessen geradeaus auf den morastigen Waldweg, der geradewegs über den Rücken des Goschenrod nach Norden verläuft. Auch wieder ein neues Stück – vom Studium der Wanderkarte hatte ich noch irgendwas im Hinterkopf, dass der möglicherweise mitten im Wald einfach enden könnte, aber das hielt mich heute mal nicht auf – würde schon klappen.

Zuerst war das auch kein Problem: Der Weg war zwar uneben, schlammig und voller Springkraut, aber laufbar.
Dann wurde er schmaler.
Und schlammiger.
Und unebener.
Und das Springkraut wurde nach und nach von Brennesseln verdrängt.

Auf einmal war er dann nur noch ein Pfad.
Dann ein Pfad?
Dann kein Pfad, sondern nur noch ein lichter, sonniger Hang mitten im Wald.
Hübsch aber unwegsam: „Lichter, sonniger Hang im Wald“ bedeutet nämlich viel Bodenvegetation, vor allem dornige Beeren und (oh Wunder) noch mehr Brennesseln.
Autschie!
Aber ich hatte es mir ja selbst ausgesucht, also watete ich weiter durchs Dickicht, verbrannte mir die Beine, saute mich ein, brachte mir ein paar blutige Dornenschrammen bei (Doppelautschie) und stolperte bergab, irgendwo da unten musste nämlich wieder ein richtiger Waldweg sein.

War er dann auch, nach ein-, zweihundert Metern querfeldein stiess ich auf die gelbe 6 (Hallelujah!), der ich nach links folgte und wieder den leicht aufsteigenden Weg am Westhang des Goschenrod hochlief, bis ich (schon wieder) den alten Asphaltweg zwischen Stettbacher und Balkhäuser Tal erreichte, dieses mal ein paar Meter weiter westlich, kurz vor dem Waldrand am Hechlersgrund.

Immer noch alles gut, also nahm ich gleich den nächsten unbekannten, unmöglichen Weg, nämlich einen scharf rechts vom Asphaltweg runter führende Pfad, der (soweit ich die Karte im Kopf hatte) an der Südseite der Wiesen im Hofgrund runter ins Stettbacher Tal führen sollte.

Der mieseste Weg bisher. Schmal. Schlammig. Uneben. Voller Disteln, Nesseln, runliegende Stöck, spitze Steine, ausgwaschen von früheren Springfluten (sah zumindest so aus), zerfurcht von schwerem Waldarbeitergerät (aber wohl schon vor einiger Zeit), durchwühlt von Wildschweinen – kurzum: Ein Riesenspass 🙂

Na ja, zumindest zu Anfang, auch der Weg wurde nämlich stetig schlechter, und da er schon ziemlich schlecht angefangen hatte – naa ja… Ehrlich gesagt hatte ich ziemlich bald das Bauchgefühl, dass das einer von den Pfaden sein würden, die irgendwann einfach so im Nichts enden. Aber sowas hält mich ja nicht auf, auf mein Bauchgefühl höre ich schließlich nur, wenn es unrecht hat… 😀

… und das war hier nicht der Fall. Nach ein paar hundert Metern endete der Weg… im Nichts.
Na ja, eigentlich endete er in einem unglaublich dichten Dickicht aus mannshohen Brennesseln, das – zumindest für meine Zwecke – undurchdringlich war. Da führte kein Weg durch, zumindest nicht in kurzen Hosen und ´nem T-Shirt!
Geradeaus ging nix, also pausierte ich erst mal und ging meine Optionen durch:
– Umkehren? Naaa. Schwach. Nicht wenn sich´s vermeiden liesse.
– Rechts der steil aufsteigende Hang des Goschenrod, irgendwo weiter oben musste die gelbe Sechs verlaufen, auf der ich eben schon gelaufen war. Da führte sogar sowas wie ein Mini-Pfad hoch. Dummerweise endete der nach zwanzig Metern in einem unglaublich dichten Dickicht aus mannshohen Brennesseln. Traufe statt Regen? Nee, lieber nicht. Damit fiel der Hang aus.
– Links das schmale Wiesental des Hofgrundes. Vielleicht gerade mal 40 oder 50 meter, dahinter der Wald am Marienberg, wo mehrere gute Wege verliefen. Hätte aber genausogut ein kilmeterbreite Schlucht sein können, denn die Wiese war total überwuchert und bestand zum Großteil aus – und jetzt alle zusammen – einem unglaublich dichten Dickicht aus mannshohen Brennesseln.

Hrrrgmbvrdammtswuchergesockszeugsgrmbl!

Also doch: Umkehr, den miesen Weg wieder hoch bis zum Asphaltweg, rechts, über die herrliche Anhöhe am Hechlersgrund (wunderbarer Blick links übers abendsonnige Balkhäuser Tal auf die schattige Rückwand des Melibokus), vorbei am Stumpf der Kaiserbuche und wieder an dieselbe Kreuzung oberhalb vom Talhof, an der ich vorhin nach dem steilen Aufstieg von der gelben 3 schon vorbeigekommen war.

Dieses Mal bog ich allerdings rechts ab und folgte der gelben 2 über der Westseite des Hofgrunds um die Nordflanke des Marienbergs herum in Richtung Schloss führt. Ordentlicher Weg, etwas finster, aber leicht abfallend, sehr angenehm nach dem ganze Querfeldeingelaufe von eben.

Nach ein paar hundert Metern bog die gelbe 2 rechts runter zum Hofgrund ab, aber da hatte ich keine Lust mehr drauf, also lief ich stattdessen unmarkiert geradeaus weiter durch den Wald bis über den Brandhof, wo der Weg sich eh wieder mit der gelben 2 vereinigt. Noch 400 m. leicht aufwärts, dann hatte ich den Waldrand hinter dem Schloss erreicht.
Auch hier wollte ich mir´s aber nicht zu einfach machen, also folgte ich nicht dem Weg um das wunderschöne Wiesental herum bis zu den Hauptgebäuden, sondern bog stattdessen rechts auf den kleinen, steilen Waldpfad ins Stettbacher Tal ab, lief nach ca. 100 m. links um das alte, einsam stehende Backsteinhaus herum, und gelangte über einen weiteren Trampelfpad in den Grund des Mini-Tals unterhalb vom Schloss. Dort rechts, am Bolzplatz vorbei, dann wieder links und steil aufwärts bis an die Fahrstrasse beim Teich.
Puuh.
So langsam strengte es dann doch an – absolut gesehen hatte ich heute zwar keine besonders großen Höhen erreicht (ca. 300 m.ü.NN max.), aber durch das ständige Auf und Ab trotzdem ordentlich Höhenmeter kumuliert.
Machte aber nix, einer ging noch, also geradewegs über die Fahrstrasse rüber und den Burgenweg (blaues B) hoch bis zur Klosterruine und weiter bis auf die Kreuzwiese.
Kurz noch mal die schöne Aussicht auf das geisterhaft ausgeleuchtete Ried genossen (Rote Sonne unter bleigrauen Gewitterwolken), dann über einen winzigen, schlechten, schmalen Waldtrampelpfad am Nordrand der Kreuzwiese (auch hier noch mal: Was Neues, auch wenn´s miserabel zu laufen war) runter an die Fahrstrasse und über die Serpentinen runter nach Jugenheim.
Dort dann noch ein kleiner Umweg durch die Alexanderstr. mit ihren schönen, teils villenartigen alten Häusern, dann links und durch Lindenstr., Hauptstr. und Alsbacher Str. nach Hause, zwei Minuten bevor die von der Kreuzwiese aus beobachteten Gewitterwolken sich kurz aber wild über Jugenheim entluden.

Schöne Tour. Wenig Höhe aber viele Höhenmeter, erfrischend anstrengend, schöne Gegend, viele spannende neue Wege und Mini-Pfade. Eingesaut worden, im Nichts gestrandet, Arme und Beine überall von Brennesseln verätzt, insgesamt drei blutende Wunden durch Dornenkratzer (eine davon am Kopf, keine Ahnung wo ich mir die geholte habe), also ein richtiger Abenteurlauf mit allem was dazu gehört… 🙂

Strecke: 12 km
Zeit: 1:20 h (= 9 km/h bzw. 6:40 min/km)
Anteil der noch nie gebloggten/gelaufenen Passagen an der Gesamtstrecke: 34,83% (4,18 km von 12 km)
Karte:

M.

Werbeanzeigen

Eine Antwort to “Zickzack am Heiligenberg (12 km)”


  1. […] Stettbacher Tal zurück zu gelangen. Gab leider nicht viel. Am Ostrand des Hofgrundes war ich ja im Juli schonmal gescheitert, weil der vermeintliche “Weg”, den die Wanderkarte dort zu kennen glaubte, sich im […]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s