Nördlicher Odenwald mit Ingo – Ein Laufbericht mit Fotos (16,2 km)

17. August 2008

In Berlin sind Semesterferien. Deswegen war Ingo mal wieder in der Gegend – und er hatte seine Laufklamotten dabei.
Klar, dass wir da um der guten alten Zeiten willen mal gemeinsam los mussten.
Und heute hatten wir den perfekten Tag erwischt: Sonntagnachmittag, azurblauer Himmel, sonnig, warm, aber schon mit einem ganz kleinen, herrlichen Hauch von Herbst: Klares, hartes Licht, lange Schatten, die Luft mit einem frischen, aromatischen Geschmack – wunderbar!
Entsprechend hatte ich uns dann auch eine besonders schöne Strecke ausgewählt, von Neutsch aus durchs untere Modautal, über den Rodbergrücken, dann via Waschenbach und Frankenhausen zurück. Grob gemessene 13 – 14 km, ein paar ordentliche Anstiege – Ingo hatte zwar gemeint, dass er seit Monaten nicht richtig trainiert habe, aber ich weiss ja, dass er ziemlich hart im Nehmen ist, und unterfordern wollte ich ihn ja auch nicht… 😉
Außerdem hatten wir in der Gegend vor fast genau einem Jahr schon einen tollen Lauf absolviert, das passte also irgendwie ganz gut.

Übrigens auch mit von der Partie: Der Foto. Supertag, Superstrecke und dann noch mit einem alten Freund, das verlangt nach Dokumentation (übrigens eine Premiere: Das erste Mal mit Foto UND einem Mitläufer. Armer Ingo – das würde viele unnütze Pausen am Wegrand bedeuten… 😀 ).

Start am späten Nachmitag. Ingo aufgesammelt, noch kurz einer älteren Dame zu ihrer verschollenen Handtasche verholfen (so ist der Jogger: Freundlich, geduldig und allzeit hilfsbereit!), dann mit dem Auto über Ober-Beerbach hoch ins idyllische Höhendörfchen Neutsch, wo es noch schöner, frischer und fastgaaaanzleichtschoneinbisschenherbstlicher war als unten im Tal.
In Neutsch in der Strasse nach Ober-Beerbach kurz unterhalb der Feuerwehr geparkt – Strassennamen gibt´s hier oben ja nicht, aber es war die hier:

Bild 1: Neutsch, Strasse nach Ober-Beerbach

Dann noch kurz gedehnt (zumindest Ingo, ich war zu faul…), ein Portraitfoto vor dem Start…

Bild 2: Ingo – jetzt neu mit cooler Frisur! 🙂
… und los ging´s!


Zuerst mal ostwärts, auf der Fahrstrasse in Richtung Neutscher Friedhof und Ernsthofen (Radweg 26) aus dem Dorf hinaus, direkt am Dorfende dann allerdings gleich links und hinter den letzten Häusern durch die herrlichen Weiden…

Bild 3: Wiesenlandschaft südöstlich von Neutsch

…mit einem schönen Blick auf das pittoreske Neutsch…

Bild 4

…bis zum Wald hoch:

Bild 5: Zum Waldrand am Rämster Berg – schon gut steil

Dort dann rechts, 250 m. am Waldrand entlang bis wir auf den Saar-Rhein-Main-Weg (gelbes Plus) stiessen, den dann nach links, in den wunderschönen lichten Wald am Rämster Berg.

Geradeaus und leicht abwärts bis zur Kreuzung, wo der Saar-Rhein-Main-Weg rechts nach Ernsthofen runter abknickt, hier weiter geradeaus, auf der gelben 2/5/6 am Kreisjugendheim vorbei, das in hübscher Hanglage oberhalb von Ernsthofen am Waldrand liegt.

Direkt danach (inzwischen übrigens eine alte Asphaltstrasse durch den Wald) wurde es dann ein bisschen kompliziert: Der Plan sah vor, dass wir kurz nach dem Jugendheim rechts über einen unmarkierten Weg durch den Wald bis runter in die Wiesen des unteren Modautals (das gar nicht mehr zu Modautal gehört, sondern zu Ober-Ramstadt) laufen sollten.
Guter Plan. Aber mit unmarkierten Wegen ist das ja manchmal so eine Sache…

Wir nahmen den Erstbesten, der nicht nur ziemlich mies war…

Bild 6: Doch, doch, das ist wirklich ein Weg. Oder besser: Ein „Weg“

…sondern nach mehreren hundert Metern schlammig-glitschigen Abstiegs auch noch einfach so endete – mitten im dicksten Urwald:

Bild 7: Welcome to the Jungle…

Offensichtlich der falsche Weg, da war nix zu wollen (Verirrt mit Ingo – fast wir letztes Jahr 😀 ). Also Umkehr, den steilen Glibberhang wieder hochgeschnauft (Ingo hielt sich übrigens ziemlich gut, bei den härteren Steigungen merkte man ihm den Trainingsrückstand und die vielen Kippen zwar ein ganz kleines bisschen an, aber das hielt uns nicht weiter auf – sehr angenehm, mal wieder mit jemandem einen Berg hochzulaufen, ohne dabei ständiges Gejammere hören zu müssen 🙂 ), dabei noch schnell ein Reh gesehen (positiv) und den Streckenplan für heute verloren (eher nicht so positiv)- letzteres passiert mir in letzter Zeit irgendwie ziemlich oft, weiss gar nicht, warum ich die Mistdinger überhaupt noch ausdrucke.
Aber gut, dann eben ab jetzt wieder aus dem Gedächtnis….

Zurück oben an der Asphaltstrasse noch mal kurz rechts und nach ein paar Metern den nächsten Weg ausprobiert, von dem zu hoffen war, dass er uns runter ins Modautal bringen würde.
Viel besser war der auch nicht, aber irgendwie klappte es dann doch – wir mussten zwar wieder über Stock und Stein, durch ein paar Schlammpfützen waten, und schließlich durch einen Art überwucherten Hohlweg klettern, aber irgendwie erreichten wir schließlich doch das offene Gelände, und das auch noch fast da, wo wir hätten rauskommen sollen: Unteres Modautal zwischen Ernsthofen und Ober-Modau, eine wunderschöne, sanfte Hügellandschaft mit einem Mix aus Wald, Weiden und Feldern…

Bild 8

…die durch das klare, harte Licht der schrägstehenden Sonne zudem in einem tollen Kontrast aus strahlendem Licht und tiefen, dunklen Schatten gehüllt wurde:

Bild 9: Licht und Schatten am Rand des Modautals

Über Feldwege und eine kleine Kuppe bis runter ins Tal an die L3099 zwischen Ernsthofen und Modau, überquert (dabei fast in einen Bus gerannt…), auf der anderen Seite weiter geradeaus in Richtung Modauufer. Hübsch: Mehr Wiesen und Weiden, rechts die Zelte eines Wanderzirkus auf einem Feld…

Bild 10: Zirkus bei Ober-Modau

…links eine große, neu aussehende Reithalle samt Koppeln und vielen Pferden, denen wir kurz „Guten Tag“ sagten:

Bild 11: Ingo versucht verzweifelt, die psychopathischen Todespferde mit ein paar Grashalmen zu besänftigen


Bild 12: Oh mein Gott, es will mich aufessen…

Dann weiter bis zum Modauufer. Eigentlich hätten wir hier links gemusst, aber der Zirkus war nur ein ein Stückchen weite rechts, also beschlossen wir, uns den schnell nochmal aus der Nähe anzusehen – also rechts, auf dem schattigen Radweg 11 am Modauufer ein paar hundert Meter flussaufwärts, und einen kurzen Blick auf die Wagen geworfen, die auf der Wiese um das große Zelt herum standen.

Da gab´s Lamas und Ponys…

Bild 13

…gefährliche Primaten…

Bild 14: Bitte nicht füttern!

…und die hier:

Bild 15: Man sieht´s nicht so gut, aber ja, das sind echte, lebende Tiger

Einerseits natürlich eine ziemlich coole Sache: Unvermittelt irgendwo im Odenwald auf Tiger zu stossen, das erlebt man nicht gerade häufig. Und zudem erweitert es auch noch die Liste exotischer Tiere, die mir seit Laufblogbeginn ungeplant beim Joggen begegnet sind (Krokodile, Nandus, Lamas, Kamele, Giraffen und jetzt eben Tiger – schon verrückt, was man im Laufe eines Jahres so alles im und am Odenwald treffen kann…).
Andererseits gilt hier dasselbe, was ich seinerzeit geschrieben habe, als ich auf dem Wormser Festplatz an einem Zirkus vorbeigelaufen bin: Exotische Großtiere gehören nicht in Zirkusse, denn dort ist eine tiergerechte Haltung einfach nicht möglich. Heute z.B. vier ausgewachsene bengalische Tiger, die in einem kleinen, finsteren Gitterwagen vor sich hin dösen, das ist nicht artgerecht. Auch wenn ich viel Respekt vor der kulturellen Institution Zirkus habe: Solche Tiere gehören in die Wildnis oder in einen gut geführten zoologischen Garten mit modernen, tiergerechten Gehegen, viel Platz, und entsprechenden Behavioral-Enrichment-Programmen. Alles andere ist – um es mal diplomatisch auszudrücken – sehr suboptimal!

Aber gut, zurück zum Lauf. Nach der kurzen Inspektion des Zirkusgeländes wieder zurück auf dem Radweg 11 Modauabwärts, und auf dem schönen Uferweg nordwärts. Vorbei an der Reithalle, durch eine Art Strassensperre aus quer stehendem Pferd laviert (this is horse country, fellers, ain´t no two ways ´bout that…), und schließlich die Lindenstr. in Ober-Modau erreicht.
Die hab´ ich allerdings nicht fotografiert, war viel zu sehr damit beschäftigt, zum allererstenmal seit ich mit Foto laufe eine Katze zu fotografieren:

Bild 16: Katze in Ober-Modau. Normalerweise rennen die feigen Fellsäcke immer weg, wenn sich Jogger nähern, die hier war aber mutig genug für einen kleinen Schnappschuss.

Kurz rechts, über das Flüsschen, dann gleich wieder links, und auf dem Radweg 11 durch die hübschen Wiesen und Auen östlich der Modau nach Norden, während am anderen Ufer langsam die beiden Modaus (Ober- und Nieder-) vorbeizogen,…


Bild 17: Schönes Fachwerkhause direkt am Modauufer in Nieder-Modau


Bild 18: Sonnenblumen, auch am Modauufer, auch bei Nieder-Modau

…bis wir schließlich nach 1,2 auf dem Radweg 11 das aparte Dörfchen Nieder-Modau erreichten:

Bild 19: Nieder-Modauer Ortseingang aus südlicher Richtung (vom Radweg 11).

Neuland, sowohl für Ingo als auch für mich: Noch nie durchgelaufen, nur ein paar mal drumrum – wieder mal ein neuer Posten für die Liste erlaufener Orte (#156 oder #157, wenn ich mich nicht irre), und ausserdem die letzte Ortschaft innerhalb von 10 km Luftlinie von zuhause, die mir noch gefehlt hatte, sowas ist dann natürlich noch mal besonders schön.

Wir folgten dem Radweg 11 noch ein Stückchen durch ein ruhiges Wohngebiet („Wiesenweg“) und bogen schließlich links in die Kirchstr. ab, auf der wir die Modau überquerten, um dann auf der Odenwaldstr…

Bild 20: Nieder-Modau, Odenwaldstr. Ecke Kirchstr.

…weiter nach Norden durch den teils wunderschönen Ortskern..

Bild 21: Fachwerkhaus in Nieder-Modau

…zu laufen.

Nach 350 m. schließlich links in eine Strasse namens „Moreth“ (Markierung: O5), die westwärts aus dem Talgrund hinaus den Hang hochführte, und schon wieder gut anstrengend war:
.
Bild 22: Puuh!

Aus Nieder-Modau hinaus…

Bild 23

…den recht ordentlich ansteigenden Weg O5 in die weitläufigen die Felder am Hang oberhalb des Ortes…

Bild 24: Oh mann, der Typ mit der Mütze guckt ganz schön dämlich…

…zwischendurch eine kleine Trinkpause…

Bild 25

…und schließlich in den schönen, schattig-sonnigen Wald unterhalb des Hohen Rodbergs:
.
Bild 26

Hier wurde es dann nochmal richtig anstrengend. Wir wollten ja nach Waschenbach, also ins Nachbartal westlich des Modautals. Und um da hinzukommen, muss man eben über den Höhenzug des Rodbergs. Der ist sehr bequem zu laufen wenn man ihn auf der Hohen Strasse überquert, also von Norden (Ober-Ramstadt) nach Süden (Frankenhausen) bzw. umgekehrt, denn da gibt es relativ wenig Höhenunterschied. Von Osten nach Westen jedoch muss man geradewegs den Hang hoch, und der ist verflixt steil – Vom Waldrand über Ober-Modau bis zum Kamm sind es immerhin knapp 70 Höhenmeter auf einen halben km Strecke – 14% Durchschnittsteigung, das zieht schon nicht schlecht rein.
Aber es ging – ich bin´s gewöhnt, und Ingo kämpfte sich trotz ein bisschen Kurzatmigkeit klaglos bergauf durch den Wald…

Bild 27: Fast… oben…!

…bis wir schließlich die Kreuzung an der Schutzhütte auf dem Bergkamm erreichten, auf der die Hohe Strasse (Europäischer Fernwanderweg 1, weisses Andreaskreuz) vorbeiführt:

Bild 28: Wegweiser an der Kreuzung auf der Hohen Strasse zwischen Hohem Rodberg und Silberberg.

Kurz durchatmen, dann ging´s auch schon wieder runter vom Bergrücken, geradeaus auf der Kreuzstrasse (erst gelbes V, dann gelbe 1) runter in Richtung Nieder-Ramstadt. Bisher war ich hier ein einziges Mal durchgekommen, an einem leidlich schönen Tag im letzten Spätherbst. Damals war ich das Stück bergauf gelaufen, und irgendwie war es mir nicht sonderlich interessant vorgekommen.
Heute hingegen – herrlicher Sommertag und bergab, da sah nicht nur alles viel freundlicher aus, sondern man konnte es auch so richtig geniessen: Wunderbarer, freundlicher Laubwald mit einem Waldlehrpfad (der war neu) und viel Sonne, da war´s richtig schön hier:

Bild 29: Waldimpressionen am Rand der Kreuzstrasse #1


Bild 30: Waldimpressionen am Rand der Kreuzstrasse #2 – Ich mag immer noch Gegenlichtaufnahmen..

Unten am Waldrand angekommen ein Blick nach rechts rüber auf Ober-Ramstadt…

Bild 31: Ober-Ramstadt von Südwesten

…dann links auf den Weg Mt V, der erst ein Stück zwischen Wald und wunderschönen versteckten Talwiesen bergab nach Süden verläuft…

Bild 32

…dann auf die bewaldete Anhöhe hinter dem Mühlberg steigt, und dort schließlich durch eine weitläufiges, sattgrünes Wiesental bis hinunter ins pastorale Dörfchen Waschenbach führt, das malerisch in eine versteckte Senke zwischen die bewaldeten Anhöhen des nordwestlichsten Odenwaldzipfels genestelt ist:

Bild 33

Dort erst auf der Mühlbergstr. in den abendlichen Dorfkern hinein, kurz überlegt, ob wir nicht im Waschenbacher Hof eine kleine Erfrischung nehmen sollten (hey, das war ein reiner Genusslauf, da darf man unterwegs auch mal einkehren und ´ne Cola trinken, ok?), das dann aber verworfen weil alles voll war…

Bild 34

…und stattdessen links die Strasse „Am Linsenacker“ hinauf…

Bild 35

und schließlich kurz vor dem Ortsende rechts, die steile und nicht besonder alleeartige Alleestr. rauf, wo wir Waschenbach auf einem unmarkiert am Waldrand aufsteigenden Weg in südlicher Richtung verliessen.

Langer, langer Aufstieg nach Frankenhausen hinauf: Am Rand des schmalen Tals zwischen Birkenwald und Rauhberg entlang, rechts der Wald, links eine offene Wiese mit ein paar Pferden und Kühen, so tief eingeschnitten, dass es inzwischen fast vollständig im abendlichen Schatten lag:

Bild 36

Insgesamt 1,7 km kontinuierlich bergauf. Am Anfang sehr gemächlich. Zog sich etwas, war auch schon ein bisschen anstrengend, aber nicht weiter schlimm. Je weiter wir allerdings nach oben kamen, umso anspruchsvoller wurde der Anstieg – bis wir dann schließlich das Ende des Tals direkt unterhalb der Anhöhe hinter Frankenhausen erreichten.
Hier war schluss mit lustig.
Parole: Talwand erklimmen!
Und die war zwar im warmen Schein der Abendsonne wunderhübsch anzusehen…

Bild 37

…aber auch unglaublich dreckig fies himmelherrgottsakraverdamichnochemal steil:

Bild 38: Aaargl!

Gottseidank war Ingo ja nicht so richtig im Training, so dass wir eine ehrenvolle Ausrede hatten, um die schlimmsten 50 m. gehend zurückzulegen (ok, ich hatte die, Ingo moserte ein bisschen rum und meinte, letztes Jahr wäre er die locker hochgelaufen – stimmt sicher auch, aber hey, nach einem Dreivierteljahr im verweichlicht flachen Berlin…).
Immerhin wurden wir dann oben auf der Anhöhe (Anfang der Hohen Strasse, wieder mal europäischer Fernwanderweg 1, Weisses Andreaskreuz) mit einer herrlichen Aussicht nach Norden belohnt, die die ganze Plackerei fast wert war:

Bild 39: Aussicht von der Anhöhe über Frankenhausen – schemenhaft am Horizont in der Bildmitte: Die Frankfurter Skyline!

Nachdem wir wieder ein bisschen zu Atem gekommen waren (daurte nicht lange, das war gut 🙂 ) ging´s auch schon weiter: Erst kurz die Hohe Strasse runter in Richtung Frankenhäuser Ortseingang…

Bild 40: Nordöstlicher Ortsrand von Frankenhausen oberhalb vom Römerweg

…kurz vorher jedoch links (gelbe 2) und vorbei an den im Abendwind wogenden Getreidefeldern am Irgel…

Bild 41

…auf der Gewannstr. runter ins Dorf, dort links und die Zeilstr./K138 runter in Richtung Modau…

Bild 42: Abendstimmung auf der Zeilstrasse

…und schließlich kurz nach dem Ortsende rechts hoch (gelbe 3) und dem weissen Doppelbalken des HW 12 durch ein weiteres herrlich saftiges Tal auf den Höhenrücken am Hundsrück zwischen Frankenhausen und Neutsch gefolgt:

Bild 43: Ingo vor Hundsrück

Schönes Licht:

Bild 44: Whee, und noch mal Gegenlicht!!

Oben angekommen hatten wir´s eigentlich schon geschafft: Unter uns lag das abendlich-friedliche Neutsch, in das wir im Prinzip nur noch hätten einlaufen müssen:

Bild 45: Neutsch von Norden aus gesehen. Im Hintergrund Neunkirchen und die Neunkircher Höhe

Aaaaber so einfach wollten wir´s uns dann nicht machen. Da gibts nämlich nördlich von Neutsch so eine ominöse Kapelle (heisst wohl „Zinsel-Kapelle“), die auf der Wanderkarte als „Kulturdenkmal“ ausgewiesen ist. Gut, das will jetzt nicht viel heissen, die Wanderkarte deklariert praktisch jeden zweiten Strassenpfosten zum Kulturdenkmal, aber das mit der Kapelle klang schon interessant – besonders weil ich es da noch nie hingeschafft hatte. Und da Ingo meinte, ein paar hundert Meter extra würde er noch schaffen…
Na dann – Auf zur verschollenen Kapelle jenseits des Tals:

Bild 46: Zinsel-Kapelle von Weitem

Folgerichtig auf der Anhöhe am Hundsruck nicht geradeaus runter nach Neutsch, sondern stattdessen links, an einem Sportplatz/Vereinsheim/Wasauchimmer vorbei in ein recht finsteres kleines Wäldchen…

Bild 47: Da ist mir der Blitz losgegangen, deswegen hat Ingo hier freakige Leuchtaugen, mit denen er wie Nosferatu im gelben Leibchen aussieht…

…das wir auf einem abfallenden unmarkierten Pfad der Länge durchquerten, und schließlich auf der Landstrasse zwischen Neutsch und Modau (K137) rauskamen, der wir dann nach rechts, in Richtung Neutsch folgten. Natürlich wieder mal kein Randstreifen oder Radweg, aber hier oben ist so wenig los, dass das nicht so richtig problematisch war.

Kurz vor der Kapelle dann noch eine unerwartete Entdeckung: Rechts neben der Strasse war ein Gatter mit richtig vielen Damhirschen drin!
Das mussten wir uns natürlich noch mal ansehen, also nix wie hin.
Normalerweise erwartet man von grazilen, eleganten Hirschen ja eine gewisse Reserviertheit und Zurückhaltung – sind schließlich vorsichtig Fluchttiere.
Davon hatten die hier aber noch nichts gehört. Sobald wir am Zaun auftauchten, stürzte die gesamte Meute unter seehundartigen „Öülp, öülp“-Rufen manisch auf uns zu:

Bild 48: Staaaampeeeedee!!!

Und da standen sie dann:

Bild 49: „Und jetzt?“

Wie sich herausstellte, sind Hirsche nicht nur ziemlich neugierig, sondern auch total geil auf Salz.
Und was wäre salziger als ein schweissiger Jogger nach 15 km Berglauf?
Sobald man ihnen die Hand hinhielt, wurde die mit ernsthafter Begeisterung von einer schleimig-weichen Hirschschnauze abgesabbert – gut dass da der Zaun war, die hätten uns sonst tot geleckt…

Bild 50: „Venkman! Venkman!? Ist alles ok mit Dir?!“ „Er schleimte mich voll.“

Allerdings war hier Vorsicht geboten. Ingo meinte noch, er würde denen nicht die ganze Hand reinhalten. Also erklärte ich ihm, dass Hirsche niemals zubeissen sondern nur schlabbern. Um das zu beweisen, streckte ich auch gleich die Hand durchs Gatter – und ehe ich mich´s versah, steckte die plötzlich fast völlig im Rachen von einer dieser gierigen Bestien, und sie malmte mir mal so richtig fies mit ihren stumpfen Wiederkäuerzähnen auf die Finger:

Bild 51: „Heey! Das hat Weh getan!“


Bild 52: „Uääääh, Ingo, der Hirsch hat mich gebissen! Das tuhuut jaaa sooo weeeheheeh!“


Bild 53: *Sniff* „Guck mal, da isses, das Aua! Buhuuhuuuu!“


Bild 54: „Grrr! So, du willst mir also die Hand abbeissen, du Dreckvieh?! Na warte, dafür gibt´s ´nen Ellbogen in die Fresse!“
(Und bevor ihr mich jetzt beim Tierschutzverein anzeigt: Nein, ich verpasse dem Hirsch hier nicht wirklich einen Ellbogen-Check – der leckt mir nur den Ellbogen ab. Ehrlich!)


Bild 55: „So, das war dir hoffentlich eine Lehre, du verdammter karnivorer Cervide!“


Bild 56: „Sooorry!“

Nach 5 amüsanten und lehrreichen Minuten mit der Damhirschmeschpoke brachen wir dann wieder auf, um eine wertvolle Erkenntnis reicher („Gib Bambi deinen kleinen Finger und es versucht deine ganze Hand zu fressen“) und total mit Hirschsabber eingesulcht.
Bereits nach wenigen Metern ging´s links von der Strasse ab, über ein kleines Bächlein zur Zinsel-Kapelle, die überraschend weit oben auf einem Vorsprung steht…

Bild 57

…und über eine kleine, steile Treppe erreichbar ist:

Bild 58

Oben angekommen: Eine kleine, schlichte, hübsche Kapelle, in der Abendsonne schimmernd:

Bild 59

Neuer als gedacht (in den 50igern gebaut), sauber, mit unverschlossener Tür (allein das zeigt schon, wie sehr die Welt hier oben noch in Ordnung ist). Innen ein kleiner, nüchterner Andachtsraum mit einer Bibel und ein paar Gedenkplaketten – schlicht aber irgendwie nett.
Daneben noch eine Ruhebank mit Blick auf die Kannibalenhirsche:

Bild 60

Nach kurzem Umschauen dann die allerletzten Meter: Wieder das Treppchen runter und zurück auf die Strasse, nach links bis zum Ortsanfang…

Bild 61: Ingo ist am Ende – aber immerhin jammert er dabei nicht… 😉

…dann auf der inzwischen schon sehr schattigen Dorfstrasse durch Neutsch hindurch…

Bild 62

…und zurück zum wartenden Auto:

Bild 63

Ge-schafft.
Auf dem Rückweg noch ein Schlenker über Steigerts um im Talblick den obligatorischen „Des-hammer-uns-verdient“-nach-dem-Sport-Umtrunk zu nehmen…

Bild 64: Kampei


Bild 65: Skøl

…und dann wieder nach hause.

Wow! Eine richtig, richtig schöne Tour. Herrliches Wetter, wunderbare Landschaft, großartige Erlebnisse, anspruchsvolle Streckenprofil, Tiger gesehen, vom Hirsch gebissen worden…: Einfach perfekt.
Und mal wieder mit Ingo zu laufen? Superangenehm!
Nachdem wir jetzt ca. ein Dreivierteljahr nicht mehr zusammen unterwegs waren, lief das immer noch genausogut wie früher – guter Rhythmus, angenehmes Tempo, alles bestens.
Hat richtig Spass gemacht (zumindest mir… 😉 ) !

Strecke: 16,2 km
Zeit: 1:52 h (= 8,68 km/h bzw. 6:49 min/km)
Anteil der noch nie gebloggten/gelaufenen Passagen an der Gesamtstrecke: 85,3% (13,82 von 16,2 km)
Karte:

…und die Karte mit den Stellen, wo die Fotos gemacht wurden:

M.

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20 Antworten to “Nördlicher Odenwald mit Ingo – Ein Laufbericht mit Fotos (16,2 km)”

  1. Thomas Z. aus H. Says:

    Sehr schön, sehr schön. Das sieht nach viel Spaß aus, wenn auch etwas anstregend. Jedenfalls für einen Nicht-Läufer wie mich macht es den Eindruck, es wäre ganz schön anstrengend. Aber ich habe mir vorgenommen, die eine oder andere Strecke mal mit dem Rad abzufahren, wobei ich bei dem Dschungel schlechte Karten hätte, ich verfahre mich auch ganz gerne mal. Aber: wer sein Rad liebt, der schiebt! 😉
    Und: weiter so, ich halte mich zwar mit Kommentaren zurück, klicke aber einmal täglich Deine Seite an, um keine News zu verpassen.
    Grüße,
    Thomas

  2. innererschweinehundbesieger Says:

    Na, da hat sich der Umweg ja gelohnt 😉 Ich musste ja schon loslachen, als die Hirsche euch abgeleckt haben aber dass sie euch dann auch auffressen wollten – köstlich *gg*

    Die Tour klingt wirklich nach ner Menge Spaß und vollen Respekt, dass ihr auch ohne Streckenplan ans Ziel gekommen seid 😉

    Viele Grüße,
    Jens

  3. matbs Says:

    Thomas: Ja, war sehr spassig.
    Den Dschungel kannst du ja oft vermeiden, wenn du dich an die markierten Wege hältst – so richtig, richtig übel sind in den meisten Fällen ja nur die Strecken, die auf den Wanderkarte als unmarkiertes Pfädchen im Wald verzeichnet sind – die anderen sind meist nur ein bisschen übel, was zugegebenermassen für einen Radfahrer auch schon ziemlich haarig werden kann…
    Wenn du was Konkretes planst, kannst du dich gerne noch mal melden, dann kann ich dir gerne noch ein paar Tipps geben (oder du fragst einfach den Helmut, der kennt sich da oben schließlich noch viel besser aus als ich… 😉 ).

    Jens: Ja, der hat sich gelohnt. Auch wenn ich es ja total unpassend finde, dass du dich darüber amüsierst, wenn einem unschuldigen Joggerkollegen fast der Arm von einer mörderischen Bestie abgerissen wird. 😆
    Und das mit dem Streckenplan war glücklicherweise kein Riesenproblem, nachdem ich die in letzter Zeit wirklich ständig unterwegs verliere, präge ich mir die in letzter Zeit auch immer noch mal möglichst gut ein (und ein bisschen Ortskenntnis hab´ ich mir inzwischen ja auch erlaufen… 😉 ).

    Was ist eigentlich aus deinen Plänen geworden, mal mit Foto zu laufen? Bisher konnte ich noch nichts derartiges auf deinem Blog entdecken…

    Danke euch beiden für die netten Kommentare

    Matthias

  4. Jana Says:

    Also dass Ihr die Todespferde und -rehe überlebt habt grenzt an ein Wunder. Aber ich vermute, dass die psychologischen Experimente, die Du vor vielen Jahren durchstanden hast, Dir die Überlebensstrategien vermittelt haben. Ja doch, da bin ich mir *ganz* sicher!

  5. matbs Says:

    Hey, die Jana! 🙂

    Soso, du meinst also, das Ausfüllen seltsamer Fragebögen und befohlene Stehlen von moderaten Geldsummen samt attendantem Lügendetektortest hat mich hart genug gemacht, um selbst dem Monsterreh von Neutsch zu widerstehen?
    Na wenn das so psychologisch fundiert vorgetragen wird, muss es ja stimmen! 😆

    In diesem Sinne:
    Dankeschön, Jana – für die Abhärtung UND für den Kommentar… 😉

  6. Gerd Says:

    Da bin ich ja richtig froh das Ihr nicht von den wilden Tieren gefressen wurdet. 😉
    So ohne verlaufen geht wohl nicht. Vielleicht ist Ingo ja nach Berlin gezogen damit er nicht mehr mit dir in irgendwelchem Dickicht herumirren muss 😆
    Spaß beiseite, das war ein toller Lauf. So langsam krieg ich auch mal wieder Lust auf ein paar Steigungen. Ich werde mir nach meinem Halbmarathon die Strecke zu meinen Eltern doch mal geben.


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  10. Maike und Sandra Says:

    Na, na, na wer wird denn da unsere Pferde als psychopathische Todespferde bezeichnen :O) Sind scheinbar viel zu lieb….glaube wir müssen das ändern ;o) LG die Besitzer von den Todespferden auf Bild 11+12….

  11. matbs Says:

    Hallo Maike und Sandra,

    ja, ich geb´s zu: In Wirklichkeit waren eure Pferde total lieb und freundlich und überhaupt gar nicht psychopathisch – das ist nur mein weitgehend grundloses Misstrauen gegenüber Pferden, das da spricht.
    Also entschuldigt bitte, falls ich die beiden falsch dargestellt haben sollte, kommt nicht wieder vor. 😉

    Wenn ich das nächste Mal in Modau vorbeikomme, gibt´s einen offiziellen Widerruf, ist hiermit fest versprochen. 🙂

    Gruß

    Matthias

  12. Maike u. Sandra Says:

    Hi Matthias,
    ist uns doch viel lieber, wenn du unsere Pferdchen als Todespferde darstellst….dann halten die meisten Abstand…hat also auch was gutes :O) Beim Wiederruf könntest Du gerne 2 Karöttchen mitnehmen…dann posieren unsere beiden bestimmt viel schöner..Ist übrigens ne tolle Seite für Jogger….
    LG und mach weiter so….

  13. matbs Says:

    Hi,

    ok, das ist hiermit gebongt – irgendwann in den nächsten Wochen (wenn schönes Wetter ist) laufe ich nochmal zwischen Ernsthofen und Ober-Modau durch, und dann gibt´s eine offizielle Gegendarstellung mit Karotten (vorausgesetzt es ist wirklich auch ok, wenn ein so ein dahergelaufener Jogger eure Pferde anfüttert…). 😀

    Allerdings sollten die beiden dann auch auf der Weide sein, sonst muss ich die Karotten am Ende noch selbst vertilgen… 😉

    Vielen Dank für das Lob, freut mich sehr 🙂

    Bis demnächst (spätestens zur Gegendarstellung)

    Matthias


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