Missmutige Feldrunde durch Alsbach, Sandwiese und Zwingenberg (12,4 km)

24. September 2008

Eigentlich hätte ich ja gestern laufen sollen.
Aber dann musste ich nachmittags weg, und als ich wiederkam hat´s geregnet, und ich hatte keine Lust, und auf einmal war´s dunkel, und da bin ich dann nicht gelaufen.

Deswegen musste ich heute.
Viel mehr Lust hatte ich auch nicht, aber wat muss, dat muss.
Kein schönes Wetter – trüb, feucht, trüb, kühl, trüb, windig und trüb. Oh, und trüb war´s auch noch -anscheinend hat sich der herrlich-sonnig-milde Frühherbst, bei dem das laufen so viel Spass macht, schon wieder nach sonstwo verdünnisiert, und ist durch den dröge-trüben-ungemütlichen Frühherbst, bei dem man sich schon wieder so ein bisschen rauszwingen muss, ersetzt worden.
Hmgna.

Bergwaldlaufen bringt an so einem Tag nicht viel, da ist es finster und hässlich und einsam, deswegen lieber eine Flachlandtour in die Rübenäcker geplant, da ist es zwar auch hässlich und einsam, aber zumindest nicht ganz so finster…


Start um kurz nach fünf. Bleigrauer Himmel, feuchtkühl (das ist wie feuchtwarm, bloss noch unangenehmer).
Richtung: Süden. Kurz den Blütenweg entlang in Richtung Alsbach, dann rechts runter, auf dem kleinen Pfad am flachen Hang abwärts bis an L3100, dort links, nach Alsbach rein. Eigentlich hatte ich vorgehabt, der Alten Bergstr. bis zum Kreisel kurz vor dem südlichen Ortsende zu folgen, aber weil ich die schon so oft gelaufen bin, bog ich dann gleich bei der ersten Gelegenheit rechts in die Ernst-Pasqué-Str. ein, und lief dann links „Im Kirschensand“ südwärts.
Noch nie gebloggt aber schon X-Mal gefahren: Wohngebiet hinterm Tengelmann, nix Besonderes.

Am Tengelmann-Parkplatz über den Beuneweg und durch geradeaus durch den Fußgängerweg in den „Schelmböhl“ (oh Mann, was fürn doofer Strassenname… [Wir merken: Ich war heute nicht in bester Lauflaune, das Trauerwetter und meine seltsam schweren Beine drückten mit ein bisschen aufs Gemüt]), dann weiter die Strasse „Am Sportfeld“ runter und schließlich an der Melibokuschule rechts auf die immer noch mit Bauzäunen und Behelfsampeln zugerümpelte Bahnhofsstr., auf der ich Alsbach an der L3112 (Radweg R8) in Richtung Hähnlein verliess.

Die Brücke hoch, über die B3, über die Gleise, dann links den Fußgängerweg runter in die Sandwiese – muss ja nicht die ganze Zeit auf dem Seitenstreifen der vielbefaherenen Landstrasse entlanglaufen, wenn man auch durch die Sandwiese abkürzen kann.
Unten an der Strassenböschung rechts, auf dem Fußweg „An der Fohlenweide“ westwärts an der Rückfront irgendeines potthässlichen (wenn´s richtig trüb ist, wird alles, was sonst nur unansehnlich ist, automatisch potthässlich. Böh!) Lagerhallenflachdachbungalowgewerbebaudingsbumsdingies bis zur Sandwiesenstr., dort kurz links, dann rechts in die Schlesierstr.
Wenn eine Strasse in einer neuen Siedlung wie der Sandwiese, die erst Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden ist, „Schlesierstr.“ heisst, ist eigentlich schon klar, was einen erwartet: Schmucklose, kleine, ordentliche Häuschen in Reih und Glied, mit gepflegten, kleinen, ordentlichen Vorgärten, gebaut um Wohnraum für die nach dem Krieg zugezogenen Vertriebenen zu bieten.
Genauso war´s dann auch. Wäre bei Sonnenschein sicher ganz hübsch gewesen. So war´s „meh“.

Am Ende der Schlesienstrasse links (Rheinstr.), dann rechts (Hähnleiner Str.), aus der Sandwiese raus und wieder an die L3112 Richtung Hähnlein und auf dem Seitenstreifen über die A5.
Nicht so schön, direkt an der vielbefahrenen Strasse zu laufen, vor allem wenn einem ständig riesige Laster von der Autobahn entgegenkommen, deren Fahrtwind einen fast umwirft (noch unschöner war allerdings der Trekker samt Anhänger, der offenbar Gülle oder so was transportierte – der war zwar so langsam, dass es keinen nennenswerten Fahrtwind gab, aber fast umgeworfen hat´s mich da trotzdem).

Hinter der Brücke links (Radweg 19 nach Süden), auf den betonierten Feldweg in Richtung der Kompostierungsanlage. War ich schon mal gelaufen, deswegen bog ich gleich bei dem großen Silo rechts ab in die Äcker und damit in lauf- und blogtechnisches Neuland.
Mieser Feldweg voller Tonscherben, erst an einem, Wäldchen vorbei, dann auf einer uralten, verwitterten Steinbrücke über den Landgraben, schließlich links und auf irgendwelchen grasigen Feldrainpfädchen mittenrein ins Niemandsland zwischen den Autobahnen.
Pfuh, so ganz doll grandios hübsch ist es hier ja selbst im Frühling und bei Sonnenschein nicht.
Aber an einem trüben Herbsttag… Links und rechts ewig weit nichts außer abgeernteten Stoppeläckern, über mir ein be- und erdrückend tief hängender Himmel in finsterem Bleigrau bis zum weiten, traurigen Horizont, das einzig hörbare Geräusch war das monotone Dröhnen der Autobahn.
Brrr, so richtig trübsinnig.

1 km südwärts durch die Einöde, dann erreichte ich den Winkelbach nordöstlich von Rodau. Hoch auf den Deich, kleine, hässliche Brücke, auf der anderen Seite runter und nochmal knapp 600 m. mieser Feldrainpfad durch leere Äcker bis zur K67 vor Rodau. Hier links, auf dem Radweg (Radweg 15) neben der Strasse über die Autobahn und bis zum Zwingenberger Ortsrand, wo ich fast von einem überaus hässlichen und offensichtlich geistig und moralisch verkrüppelten Halbstarken auf einem Fahrrad umgenietet worden wäre, der anscheinend nicht in der Lage war, zur Kenntnis zu nehmen, dass ausser ihm noch jemand (nämlich ich) den Weg benutzte, und deshalb erst mit einem bestürzend dümmlichen Gesichtsausdruck zu bremsen anfing, als sein Vorderrad schon fast in meiner Leistengegend steckte. Nachdem ich mit einem verächtlichen Ausfallschritt elegant ausgewichen war („Olé! Nimm das, du degenerierter Kretin!“), überlegte ich kurz, ob ich den Rotzlöffel nicht sein Fahrrad fressen lassn oder ihn zumindest gepflegt beschimpfen solle (mir war einfach irgendwie danach), entschied mich dann aber dagegen – der jämmerliche Troglodyt mit seinem jämmerlichen Rädchen war´s einfach nicht wert.
Also wünschte ich ihm nur insgeheim Akne, Gonorrhoe und Pocken an seinen unförmigen Idiotenhals und trabte übellaunig weiter.
Ich sag´s ja immer wieder: Die Jugend von Heute ist scheisse, gerade wenn´s draußen grau und trüb ist… 😀

In Zwingenberg links am Autohaus Vogel vorbei, dann rechts durch das unspektakuläre Neubaugebiet, (Gießer Weg, Wiesenpromenade West, Bleichstr., Rodauer Str., Gartenfeld), wo ich fast von einer vertrockneten alten Schachtel verletzt worden wäre, die völlig abgekapselt von der Realität auf dem Bürgersteig stand und wahllos hutzelige Nüsse aufs Trottoir schleuderte, um sie zu öffnen. Wahrscheinlich war die demente Schabracke zu blöd, um nach Hause zu finden und einen Nußknacker zu benutzen, aber deswegen mit Walnüssen nach harmlosen Joggern werfen…
Nä, also echt, kein Benehmen, das olle Fossil!
Ich slalomte griesgrämig um sie rum und stellte insgesheim fest, dass die Alten von heute scheisse sind, gerade wenn´s draußen grau und trüb ist…
Alle scheisse!
😀

Schließlich auf der Walter-Möller-Str. am Bahnhof unter den Gleisen durch und gleich links in die Diefenbachstr., die aus Bahndamm umd hässlichen Parkplätzen mit hässlichen Autos vor hässlichen Achtziger-Jahre-Doppelhaushälften besteht.
Humpf, Spiessig.
Am Ende der Strasse eine kiesieger Fußweg, der in die SurTec-Str. mündete (ja, das schreibt man echt mit einem Großbuchstaben mittendrin, da haben die Zwingenberger Stadtväter wohl den Kniefall vor irgendsoner Aluminiumgalvanisierungsfirma geübt. Mal was anderes als die doofen stimmungsvollen Strassennamen aus dem Mittelalter). Hier hoch an die Darmstäder Str./B3, rüber, dann links in die Heinrichstr. und durch uninteressante Wohngebiete bis zu den hässlichen (das Wort benutz´ ich heute irgendwie total oft) Wohnsilos am Ortsrand. Kurz ein bisschen rumgeeiert und einen Durchgang zum Feld gesucht, dann durch die trostlosen leeren Äcker der langen Hart auf den Floriansweg und den rechts hoch bis nach Alsbach (dabei fast von einem weiteren degenerierten jugendlichen Volltrottel, dieses Mal auf ´ner Vespa, gerammt worden. Rrrrrrrg, ich muss unbedingt mit ´nem Knüppel laufen gehen, damit ich´s dem Pack mal so richtig zeigen kann… 😉 ).
Hier dann noch leicht aufwärts durchs Dorf (Im Kießling, Rosengartenstr., Bahnofstr. [da lärmte gerade irgendwer durch ein offenes Fenster zur Strasse mit einem Bohrhammer rum, das machte mich übellaunig weil ich Bohrhammerlärm nicht ausstehen kann. Sei verflucht, Hilti!], Haupstr., Jugenheimer Str., Alsbach Ende), und schließlich auf dem Blütenweg (doofes gelbes B) zurück nach Hause.
Dabei dann noch zwei Hunde gesehen, die unbemerkt im Rücken ihrer tratschenden Frauchen kopulierten.
Das hat mich irgenwie ein bisschen aufgeheitert.

Grrr. Doofes Wetter, ausser mir nur Idioten unterwegs („Die müsst mer all mittenanner inen Sack stecke un draufprüschle, da triffste als de Rischtische“), und ich selbst war zeitweilig so gaaaaaaanz leicht verstimmt.
Aber dafür isses dann eigentlich ganz gut gelaufen…
Humpf! 😉

Strecke: 12,4 km
Zeit: 1:10 h (= 10,63 km/h bzw. 5:39 min/km)
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 36,78% (4,56 km von 12,4 km)
Karte:

M.

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7 Antworten to “Missmutige Feldrunde durch Alsbach, Sandwiese und Zwingenberg (12,4 km)”

  1. Gerd Says:

    Hiermit erhälst Du den absolut ersten Preis für den Beitrag mit der meisten positiven Grundeinstellung.
    Mann warst Du mies drauf 😉

  2. matbs Says:

    Eigentlich ging´s ja lange Zeit, erst die Beinahe-Kollision mit dem rücksichtslosen und/oder dämlichen Radlerbubi hat mich irgendwie so richtig total sauer gemacht.
    Immerhin bin ich dann ab da richtig schnell geworden, vorher bin ich nämlich bewusst gemächlich gelaufen…

  3. Thomas Says:

    Hallo Matthias,
    ein nachbarschaftliches hallo aus Balkhausen. Ich habe durch Zufall vor ein paar Wochen dein Laufblog gefunden und lese seitdem immer wieder gerne deine Beschreibungen. Macht echt Spass – auch wenn ich selber eher mit dem Bike unterwegs bin, aber natürlich nicht rasend (und natürlich auch kein Bubi mehr 😉 )

    Ich habe eine Bitte: Aus der URL der Webseite kannst du ersehen, dass ich versuche, die Gegend rings um Seeheim-Jugenheim für die Openstreetmap Comunity zu erschliessen. Und weil du doch auch deine Wege mittrackst, kannst du hier vielleicht behilflich sein, indem du deine Tracks zur Verfügung stellst. Wär doch toll, wenn wir nächstes Frühjahr alle Feld- und Waldwege in unserem kleinen Navi hätten und uns nicht mehr verlaufen würden…

    Gruß Thomas

  4. matbs Says:

    Hi Thomas,

    freut mich, dass es dir gefällt (ja ich weiss, das schreib´ ich immer bei neuen Kommentatoren, aber es stimmt halt auch immer 🙂 ).

    Meine Strecken kann ich dir gerne als .kml oder .kmz-File mailen, allerdings weiss ich nicht, ob du sie wirklich gebrauchen kannst:
    Ich bin ja ein technikfeindlicher Sack, der niemals mit GPS und/oder Navi laufen würde, deshalb sind alle meine Routen bei Google Earth mit Hilfe der Wanderkarte handgezeichnet. Inzwischen kann ich das zwar ziemlich gut (auf offenem Gelände und bei lichtem Wald m.M.n. besser als ein Garmin), aber immer ganz akkurat sind sie vermutlich nicht – gerade im dichten Wald ist es oft unmöglich, die Strecken haargenau zu plotten, da liegt man dann schon mal daneben. Entsprechend hab´ ich z.B. am Melibokus ein paar Routen, von denen ich weiss, dass sie eigentlich nicht ganz richtig sein können, und die entsprechend auch nicht Navi-geeignet sein dürften (theoretisch könnte ich versuchen, die nochmal etwas genauer hinzukriegen, aber bei inzwischen knapp 200 verschiedenen Touren aus den letzten 14 Monaten ist mir das einfach zuviel Aufwand).

    Hinzu kommt, dass ich mich ja gerne auch mal gepflegt auf winzigsten Pfädchen verirre, die dann oft mitten in der völlig unwegsamen Pampa enden – da gibt´s dann nicht mal ´nen Trampelpfad, aber auf meinen Karten taucht´s natürlich trotzdem auf, auch wenn man als normaler Jogger/Biker/Wanderer da eigenlich gar nicht durch kann bzw. möchte.

    Aber wie gesagt: Wenn du das Zeugs trotzdem magst, kann ich es dir gerne mal schicken.

    Gruß zurück aus dem Flachland

    Matthias

    PS: Und weiterhin schön langsam und vorsichtig Biken, nicht, dass du irgendwann noch mal den Zorn irgendwelcher Jogger auf dich ziehst… 😀

  5. Thomas Says:

    Hi Matthias,

    Respekt, ich alter technikafiner Sack wäre nie auf die Idee gekommen, dass du alles mit der Hand nachzeichnest, anstatt einfach einen Track aufzuzeichnen. Mea culpa 😉
    Nein im Ernst, ich war am Wochenende noch ein bisschen fleissig und habe deine Einträge bei bikemap.net gefunden. Dort kann man deine Touren ja als .gpx runter laden, was ich natürlich gleich gemacht habe. Da wo sie mit vorhandenen überein stimmen, stimmen sie sehr genau. Dann gehe ich einfach mal davon aus, dass der Rest auch stimmt (zumindest da, wo du in deiner Beschreibung nicht explizit von versteckten Pfaden sprichst…). Aber schreib mir doch mal ne Mail, dann geht die Kommunikation leichter.

    Gruss Thomas


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