Hinterm Melibokus nach Zwingenberg (12,8 km)

25. September 2008

Heute Abendessen mit der Verwandschaft im Rebehnhof in Zwingenberg. Sowas ist ja immer eine gute Gegelegenheit, um vorher noch einen kleinen bis mittleren Lauf einzuschieben.
Also am späten Nachmittag das Rucksäckchen mit Handtuch, anständigen Klamotten und viel Deo gepackt und bei meinen Eltern zur Mitnahme deponiert, und los ging´s.

Natürlich nicht auf direktem Weg – von zuhause bis zum Rebenhof sind´s gerade mal 3,5 km, das ist natürlich viel zu luschig. Stattdessen hatte ich mir vorgenommen, von Jugenheim aus um den Melibokus herum zu laufen, in Auerbach abzusteigen, und quasi von hinten nach Zwingenberg einzulaufen. 12 bis 13 knackige Bergkilometer, das klang schon besser.

Auch heute kein besonders schönes Wetter – wieder so ein grauer, öder, dröger, Blah-Tag mit diffusem, trüben Licht und einer geschlossenen Decke aus tiefhängenden bleigrauen Wolken, die sich keinen Zentimeter rührten. Dazu wieder kühl und etwas feucht. Ideales Laufspasswetter sieht anders aus…
Aber gut, liess sich nicht ändern, musste ich jetzt durch.


Zuerst die Standartroute in Richtung Melibokus: Jossastr. hoch zum Wald, Burgenweg im Darsbergtal, am Wasserturm vorbei, dann den rechts Pürschweg (SJ2) hoch. Der Wald wirkte finster, still, unfreundlich, aber immerhin war die Steigung nach der Flachlandtour gestern sehr angenehm zu laufen (mal was anderes als der harte, doofe Asphalt).
Aufwärts. Am Darsbergtal entlang, durch die Darsbergwiese (normalerweise gibt´s hier ja immer einen schönen Blick in gen Taunus, heute war´s aber so graumilchigdiesig, dass selbst Pfungstadt kaum zu erkennen war. Bah.), dann oberhalb der Jossa zur Darsberghütte, die ich nach ca. 20 Minuten Aufstieg erreichte.
Fazut bisher: Form gut, Laufspass gedämpft.
Besser als nix.

An der Darsberghütte lief ich nicht weiter den Pürschweg hoch, stattdessen wechselte ich hinter der Hütte auf die Kattenberger Schneise (gelbe 7), die als Trampelpfad parallel zum Pürschweg durch den Wald auf dem Bergkamm verläuft. Bisschen steil, bisschen rutschig, aber dadurch auch etwas anspruchsvoller und abenteuerlicher als der gemütliche olle SJ2. Nach knapp 350 m. links – runter vom Kamm, auf den einzig joggbaren Pfad auf der einsamen, wilden Ostseite des nördlichen Melibokusmassivs.
Alter Hochwald, rumpeliger, teilweise überwucherter Weg hoch oben am Hang, das hob´ meine Laune dann schon wieder etwas – wo mich das endlose Grau in Grau im weiten Flachland immer mißmutiger gemacht hatte, fing die Sache hier und heute im Bergwald plötzlich wieder an so ein bisschen Spass zu machen.
Sieht man mal, was so ein schäbbiger, unebener, bergiger Weg in der Wildnis alles bewirken kann. 🙂

Für einen halben Kilometer hoch über dem Balkhäuser Tal (dessen sattgrüne Wiesen hin und wieder mal durch den weit unter mir liegenden Waldrand hochschimmerten) nach Süden zum steilen, versteckten Pfad, der vom Pürschweg geradewegs runter in die Wiesen unter der Roten Sohl im Balkhäuser Tal führt. Kurz davor noch ein keiner Schlenker auf einen noch mieseren, noch interessanteren Pfad durch ein kleines Seitental, dann hoch auf den Pfad und das letzte, unglaublich steile Stück runter ins Tal am Waldrand oberhalb von Balkhausen.

Und gleich wieder bergauf: Nach Balkhausen runter wollte ich ja nicht, deshalb lief ich geradeaus durch, gleich die nächste Talwand hoch. Auch dieses Stück sacksteil, diesesmal allerdings nicht bergab sondern bergauf, das kostete doch schon etwas Atem. Ist aber nicht lang, nach knapp 150 m. ist man bereits auf dem nächsten Höhenrücken, der über eine relativ frisch gerodete Lichtung einen wunderbaren Ausblick nach Süden bietet, und wo der Alemannenweg/Weisse Doppelbalken zum Melibokus hochführt.

Hier brach dann plötzlich Sonne durch die Wolken und rettete mir endültig den Tag.
Eben noch durch grauen, drögen, uninteressanten Wald gelaufen, und mit ein paar herbstlichen Sonnenstrahlen verwandelt sich alles in eine wunderschöne, leuchtenden Umgebung voller strahlendem Licht, tiefer Schatten und intensiver Farben.
Unglaublich, was so ein bisschen Sonne ausmacht!

Allzuviel hatte ich allerdings nicht davon, denn ich bog gleich wieder links ab, weg von der Lichtung in den Wald rein, auf den kleinen, rutschigen Weg, der geradewegs den Hang runter zum Waldrand auf der Anhöhe über der roten Sohl (= die Trennung zwischen Balkhäuser und Hochstädter Tal) führt.
Oaaaaah!
Der ist steil!
Und uneben!
Und er liegt voller Geröll!
Ack!
Ganz unangenehmer Abstieg: Ganz langsam und vorsichtig, bloss nicht wegrutschen, bloss nicht umknicken, bloss nicht zu schnell werden…

Klappte, auch wenn´s ganz schön in die Knie ging. Autsch.

Unten am Waldrand einen kurzen Blick übers Balkhäuser Tal auf den von der Sonne angestrahlten Felsberg geworfen (schee!), dann scharf rechts, auf der (linken) gelben 6 zurück in den Wald rein und um das schmale, schöne Bachtal unterhalb der Drei Quellen herum.
Auf der anderen Talseite dann links, unmarkierter Weg zurück an den Waldrand hoch über Hochstädten, dort dann an der kleinen Wegscheide mit dem Wegweiser (Links runter: „Hochstädten 1,2 km“), rechts hoch auf den Neun-Krümmweg, der am Waldrand entlang über dem Mühltal (= Das Hochstädter Tal) bis zum Not-Gottes-Parkplatz führt.

Herrliches Stück: Der Neun-Krümmweg (der tatsächlich insgesamt so +/- neun Krümmungen hat) folgt dem Hangverlauf dicht oberhalb des Waldrandes, und bietet dabei immer wieder großartige Ausblicke durch die Bäume hindurch nach Südosten, über das wunderschöne Mühltal auf die Ludwigs- und Amalienhöhen hinter dem Fürstenlager und weiter bis zum Krehberg nd der Knodener Höhe: Grüne Wiesen, steile Hänge, tiefe Täler, majestätische Höhen, dichte Bergwälder (mit den ersten Anzeichen bunten Blattwerks) alles von einer strahlenden, warmen Herbstsonne gestreichelt – Richtig, richtig toll!

Der Neun-Krümmweg schlängelte sich ein ganzes Stück über dem Waldrand nach Süden, stieg dabei ganz moderat und angenehm an, vereinigte sich schließlich mit dem Parallel obendrüber verlaufenden Alemannenweg (rotes S, außerdem gelbe 6), und führte dann weiter bis auf die Melibokusstrassa am Not-Gottes-Parkplatz, die voller Warnschilder stand, weil in den nächsten Wochen auf dem Melibokus Abrissarbeiten mit schwerem Gerät stattfinden werden (Der Zaun und die Gebäude auf dem ehemaligen Militärgelande am Funkturm kommen weg, womit erstmals seit Jahrzehnten wieder der gesamte Melibokusgipfel für Passanten zugänglich sein wird – da freu´ ich mich schon drauf 🙂 ).

Den Parkplatz runter, dann kurz vor der Fahrstrasse rechts auf die gelbe 4, die auf einem schmalenengen, lichtdurchfluteten (mal wieder die Sonne!) Waldpfad in das tiefe, schmale Tal mit der versteckten Not-Gottes-Kapelle führt. Nachdem ich mir die Kapelle bei meinen letzten Besuchen eingbiebig betrachtet hatte (kleiner, schlichter Steinbau mitten im Wald, blokig, Schieferdach, davor ein großes Kreuz mit Jesusfigrt), lief ich heute nur vorbei, und nahm den Weg links hoch an die Fahrstrasse von Auerbach zum Schloss.

Die lief ich dann rechts runter. Moderates Gefälle, weiterhin freundliche Sonne, gute Sicht ins Ried, angenehm zu laufen. Hin und wieder bretterte mal ein Auto vorbei, aber weil das hier alles Einbahnstrasse ist, kommen die nur von unten, und man sieht sie schon lange vorher kommen und kann sich drauf einstellen.

Nach 400 m. in der Serpentine links raus, auf einen gekiesten Waldweg, dem um ein Seitental gefolgt, dann in der nächsten Kurve rechts auf einen Trampelpfad, der den Hang hinab bis zum Waldrand oberhalb der Weinberge.
Noch mehr Ausblick, dieses Mal runter aufs Ried. Schön, aber leider wieder in trüb, und deshalb nicht ganz so grandios, außerdem war ich zeitlich ganz leicht im Verzug, da machte ich lieber schnell weiter:
Links, winziger Pfad zwischen Waldrand und einem Zaun, dann noch mal kurz in den Wald hoch, um ein kleines Tal rum, schließlich wieder abwärts, durch einen hübschen, gekiesten Hohlweg durch die Weinberge bis zum oberen Ende der Burgstr., auf der dann noch mal steil abwärts, bis nach Auerbach rein.

Fast geschafft. Geradeaus die Burgstrasse runter, dabei wieder mal zur Kenntnis genommen, was hier oben am Hang für prächtige Häuser stehen – der obere Teil von Auerbach ist zweifellos ziemlich gute Wohnlage, zumindest da wo die Bausubstanz älter ist (die neueren Neureichen-Villen zwischendrin und weiter nördlich kranken hingegen oftmals an chronischer Geschmacklosigkeit – wer sich sein ostentativ-modernes Domizil mit kitschigen Marmorsäulen umstellen muss, hat offenbar mehr Geld als Stil… 😉 ). Dann rechts in die schon etwas weniger exklusive Friedrich-Ebert-Str., links in die Margarethenstr., rechts in den Eichenböhl, links in den Tiefen Weg, den runter an die B3, und rüber in den unteren Teil von Auerbach, der mit einer Mischung aus hässlichen Wohnblocks, blockigen Mehrfamilienhäusern, und endlosen schlichten Reihenhausbatterien weit weniger mondän daherkommt.

Westwärts den Fasanenweg runter bis zum Ortsende, dort rechts und auf der Schillerstrasse ins freie Gelände zwischen Zwingenberg, Auerbach, Bahn und B3, wo ich ganz leicht welligen Feldweg nach Norden folgte. Eigentlich ganz hübsch hier: Buschige Spargeläcker wechseln sich mit Obstbäumen und kleinen Wiesen voller blühender Schafsgarbe und/oder blökenden Schafen ab, nach Rechts hat man einen grandiosen Blick auf das Melibokusmassiv, das von hier aus unendlich steil und hoch wirkt (konnte gar nicht so recht glauben, dass ich da gerade eben erst runtergekommen war).

Nach 750 m. erreichte ich die Brücke der K67, die vom Zwingenberger Südende auf den Berliner Ring führt (da wo an der B3 der MiniMal ist). Hier ging´s links durch ein kleinen Wäldchen an der Böschung bis zu den Gleisen, dort dann wieder rechts unter der Brücke durch, und weiter durchs Feld bis nach Zwingenberg.
Dort dann gleich am Ortsanfang durch eine Unterführung unter den Gleisen durch, auf der anderen Seite rechts den Bleichweg hoch, und schnell noch mal ein bisschen verhaspelt – anstatt einfach geradeaus durchzulaufen, bog ich aus irgendeinem Grund links in den Gießer Weg ein und lief noch ein paar hundert völlig unnötige Umwegmeter durch das wenig spektakuläre Wohngebiet (Langwadener Str., Fehlheimer Str., Hähnleiner Str.). Schließlich fand ich aber doch wieder die richtige Strecke, und spurtete die letzten Meter am Bahndamm entlang bis zum Ziel, der Weinschänke Rebenhof in der Rieslingstr.

Und dort gab´s dann ein gutes Essen (innofiziell als Abschiedsessen für meine Cousine, die Mitte Oktober ein EINJÄHRIGE Weltreise antritt. Sowas macht neidisch… 😉 ) mit Federweissem und dem obligatorischen Ende-vom-Lauf-Kochkässchnitzel.

Wetter hätte etwas schöner sein können, und der Umweg im Zwingenberger Westen ganz am Ende war auch nicht so der Bringer, aber ansonsten war´s ein schöner Lauf, mit einem ausgewogenen Mix aus Bergen und Flachland und ein paar wirklich herrlichen Ausblicken. Was willste mehr?

Strecke: 12,8 km
Zeit: 1:21 h (= 9,48 km/h bzw. 6:20 min/km)
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 59,38% (7,6 km von 12,8 km)
Karte:

M.

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3 Antworten to “Hinterm Melibokus nach Zwingenberg (12,8 km)”

  1. Gerd Says:

    Das hört sich doch schon wieder besser an 😉


  2. […] Hinterm Melibokus nach Zwingenberg (12,8 km) […]


  3. […] Hinterm Melibokus nach Zwingenberg ´09 (12,8 km) 10. September 2009 Vor knapp einem Jahr ist meine Cousine zu einer Weltreise aufgebrochen – einmal rund um den Globus, Südamerika, Nordamerika, Pazifikregion, Australien, Asien… Zum Abschiedsessen auf dem Rebenhof in Zwingenberg bin ich damals gelaufen, eine schöne, abwechslungsreiche Tour von zuhause aus über die Ostflanke des Melibokus, die Not-Gottes-K…. […]


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