Die Definition von „flach“: Bürstadt – Lampertheim und zurück (11 km)

4. Oktober 2008

Heute Nachmittag Treffen mit Freunden auf der anderen Seite des Rheins in RLP – wenn man da eh schon rüberfährt, kann man unterwegs auch gleich noch irgendwo Laufen gehen, also hatte ich mir vor dem Losfahren noch schnell eine Tour im südlichsten Zipfel des hessischen Rieds rausgesucht, die direkt an meiner Anfahrtsstrecke lag: Bürstadt – Lampertheim – Bürstadt.
Sah ehrlich gesagt schon auf dem Plänchen nicht besonders toll aus (lange Gerade an der Bundesstrasse hin, lange Gerade an der Bahnstrecke zurück, und alles in den Rübenäckern. Meh!), aber war neu, und auf die Schnelle hatte ich einfach nix Besseres gefunden.

Gerade bei solchen wenig spektakulären Strecken ist es relativ wichtig, was man mitbringt – wenn man die an einem schönen Tag entspannt und gut gelaunt läuft, können die durchaus sehr nett sein.
Wenn man hingegen einen nicht so schönen Tag erwischt und/oder genervt ist… na ja, dann wird das auch nicht besonders nett.

Und ich war heute etwas genervt. Zu spät losgekommen (grmll…), dann auf der B47 kilometerlang hinter einem verschnarchten Rentner im Uraltaudi hergezuckelt, der grundsätzlich 25 km/h unter der Geschwindigkeitsbegrenzung blieb (wie immer in solchen Situationen natürlich zu viel Gegenverkehr zum Überholen. Sowas NERVT!), schließlich bei der Abfahrt von der B47 nach Bürstadt rein mitten in einen Pulk HochzeitsgesellschaftsPKWs geraten, deren beschissenes unablässigess Gehupe mich fast in den Wahnsinn trieb (weil…
a) …Hochzeitsgehupe grundsätzlich total retardiert ist
b) …ich es nicht leiden kann, wenn dumme Menschen um mich herum unmotiviert Lärm machen
c) …ich in meinem angenervten Zustand keinerlei Verständnis dafür hatte, dass ich mich von irgendwelchen mir unbekannten Bauerntrotteln und ihrem blödsinnig hupenden Freundeskreis belästigen lassen musste, nur weil die ein Zweckbündnis zum Steuersparen und Mehr-Bauerntrottel-in-die-Welt-setzen eingegangen waren.
GRRRRR!)


Entsprechend war ich bereits leicht indigniert, als ich schließlich den Ausgangspunkt der heutigen Tour in der Rathausstr. in Bürstadt (am städtischen Bürgerhaus) erreichte.
Wetter war auch nicht doll, windig, kühl, trüb.

„Na ja, bringen wir´s hinter uns!“: Start.

Erstmal ein Stück durch Bürstadt: Die Rathausstr. runter, dann geradeaus in die Riedwiese, links auf die „Bruchweide“.
Weiterhin nicht besonders angetan. Sind wir mal ehrlich: Selbst an einem wunderschönen Spätsommertag mit herrlichem Sonnenschein, wolkenlosem blauem Himmel und mit Freibier und Gratiswürstchen hätte das graue, gedrungene, unspektakuläre Bürstadt nicht den minimalsten Hauch einer Chance, zur hübschesten Ortschaft in Südhessen gewählt zu werden.
Und heute war kein wunderschöner Spätsommertag, ich war genervt, und Freibier und Gratiswürstchen gab´s auch nicht.
Hrm, Bürstadt, pffft…

Ich überquerte die Lampertheimer Str. und lief dann auf die Gartenstr. Nach Süden. Vorbei an einer Vereinskneipe mit lauter nervigen Hochzeitsgästen davor (hier waren die also abgebliegen, die hupenden Zecken!), dann am Gelände des örtlichen Boxerclubs vorbei (Die Hunde, nicht der Sport), und schließlich unter diversen akribisch mit Namensschildern versehenen Brücken durch (Nibelungenbrücke, Bruchweedbrücke, Kleegewannbrücke… Hier unten gibt´s sonst wenig interessante Bauwerke, da macht man halt das Beste aus seinen Strassenüberleitungen) aus der Stadt raus auf die lange Gerade bis nach Lampertheim.

Die war echt lang. Fast 3 km schurgeradeaus, auf einer alten, verkehrslosen Landstrasse, die direkt neben der Fahrbahn der B44 verlief, südwärts.
Furchtbar monotenes Stück: Links trostlose Rübenäcker, rechts direkt Schnellstrasse, deren wenig erbauliche Geräuschkulisse („Whuusch. Whuuusch. VrooVroooVrooooaAAAAAaaar! [verdammte lärmige Motorräder, die sind noch schlimmer als hupende Yokels, die sollte man verbieten, jawoll!] Whuuusch….“) mir – wer hätte es gedacht – tierisch auf die Nerven ging.
Ansonsten nix von Interesse.
Da konnte ich mich da schön darauf konzentrieren, dass mein linker Fuß irgendwie ein bisschen wehtat – dadurch wurde das ganze Erlebnis gleich noch etwas un-netter.
Immerhin: Ich war schnell, und zwischendurch schaute auch mal die Sonne unter den Wolken durch, wodurch die dröge Feldlandschaft instant und signifikant an Ansehnlichkeit gewann (net doll, aber ok…).

Nach gefühlten 100 Jahren auf der endlosen Gerade erreichte ich die nördlichen Aussenbezirke von Lampertheim: Kurz links, dann wieder rechts (Whoa, Richtungsänderungen, das war ich nach den Äonen des Geradeauslaufens gar nicht mehr gewöhnt), über eine Umgehungsstr., dann durch die Ringstr. am Ortsrand.
Ich glaube, ich war noch nie vorher in meinem Leben in Lampertheim gewesen. Es ist wahrscheinlich eine interessante Kleinstadt, vermutlich mit einem schönen historischen Ortskern voller hübscher Fachwerkhäuser, ein oder zwei prächtigen Kirchen, alten Bäumen und wasweisich.
Aber heute lief ich eben nicht durch einen historischen Ortskern, sondern durch irgendein seelenloses Neubaugebiet am Stadtrand und es war wieder trüb, und ich hatte keine gute Laune.
Entsprechend gefiel mir Lampertheim erhlich gesagt nicht so richtig gut, war alles so ein bisschen charmelos-miefig-piefig (wahrscheinlich unfair, ich weiss. Aber irgendwann komme ich ja wahrscheinlich nochmal her, und schau´s mir nochmal genauer an, dann vielleicht auch in besserer Tagesform).

700 m. die Ringstrasse entlang, dann links, auf einer Fußgängerunterführung unter den Bahngleisen durch, dann gleich links in die Draisstr. Nochmehr Neubaugebiet, noch unhübscher: Rechts mehr spiessige, Doppelhaushälften, links hässliche Mehrfamilienhäuser direkt am Bahndamm, geradeaus vor mir ein grauer Wohnblock.
Pffft…

Zu dem lief ich dann auch. Direkt dahinter war Lampertheim zu Ende, und ich wollte eigentlich neben der Bahntrasse zurück nach Norden durch die Äcker.
Ging aber nicht, denn aus irgendeinem Grund stand hinter dem Wohnblock ein Metallzaun, der den Wohnblockparkplatz von den Feldern da draussen trennte. Direkt dahinter konnte ich schon den Weg sehen, den ich nehmen wollte, aber der Zaun hatte keinen Durchgang, und zum Drüberklettern war er etwas hoch.
Ich stand am Ortsende von Lampertheim und konnte nicht raus!
Spontan drohte meine leichte Antipathie gegen Lampertheim in echte Abneigung umzuschlagen: Oh Mann, das NERVTE vielleicht…

Aber gut, musste ich halt einen Umweg suchen. Runter vom Wohnblockparkplatz, links die Planckstr. runter, nach 200 m. nochmal links durch die Nipkowstr. ins Feld, dann wieder links, und an der Rückseite der letzten Häusserreihe zurück an die Gleise hinter dem Wohnblock, dieses Mal auf der richtigen Seite des Zauns.
Summa Summarum 500 m. Umweg, nur weil irgendein Wohnungsbaugesellschaftsdepp einen völlig unnützen Zaun hinter seinen Plattenbau pflanzen musste.
Wo ich doch es schon spät dran war…

Und wieder zurück, nordwärts gen Bürstadt. Holpriger Feldweg unmittelbar neben den Gleisen.
Halbwegs ordentlich zu laufen, aber wenn regelmäßig drei Meter neben dir ein Ellenlanger Güterzug oder ein Intercity mit 100 Sachen vorbeidonnert, ist das irgendwie unangenehm.
Nach 750 m. halbrechts, etwas weg von der Bahn und am Rand eines unspektakulären Wäldchens entlang weiter nach Norden.
Keine Güterzüge mehr, dafür ein feuchter, klebriger Lehmboden, der sich bei jedem Schritt an den Schuhen festsaugte, und nach und nach schwere und unförmige Klumpen bildete, mit denen es sich nicht so richtig gut laufen liess.
Seufz.

Am Ende des Pfads am Waldrand ein asphaltierter Feldweg, immerhin. Kurz links, dann wieder rechts hoch, noch einen Kilometer durch die Felder, dann unter der „Hasselacher Brücke“ (gut, dass da ein Schild war…) zurück nach Bürstadt rein und irgendwie durch ein Gewirr eher trister Strassen, die alle irgendwie gleich aussahen, zurück zum Ausgangspunkt („Im Röschen“, Gartenstr., Marktstr., Wilhelminenstr., Schulstr., Magnusstr., Lampertheimer Str., Nibelungenstr., Rathausstr.).
Finito.

Keine besonders gute Tour. An sich schon keine wirkliche Premiumstrecke, deren Erleben durch die unstete Witterung und meine mäßige Laune zusätzlich getrübt wurde – muss ich vielleicht noch mal unter besseren Bedingungen wiederholen, um das Unrecht, das ich den wahrscheinlich eigentlich ganz ordentlichen Riedgemeinden Lampertheim und Bürstadt gerade angetan habe, wieder gutzumachen…
Immerhin: 11 km in knapp unter einer Stunde, und erstmals in Lampertheim gewesen, das ist doch auch schon mal was…

Strecke: 11 km
Zeit: 0:58 h (= 11,38 km/h bzw. 5:16 min/km)
Anteil der noch nie gelaufenen/genloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 98,09% (10,79 km von 11 km)
Karte:

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4 Antworten to “Die Definition von „flach“: Bürstadt – Lampertheim und zurück (11 km)”

  1. Gerd Says:

    Wo Du dich wieder rumtreibst. 😉

  2. matbs Says:

    Tja, kann halt nicht immer nur die selben Strecken laufen, schließlich erwartet meine Sensationshungrige Leserschaft regelmäßig Berichte über exotische neue Rübenäcker…

    😆


  3. […] uns: Anfang Oktober hatte ich eine Tour im südlichsten Zipfel des hessischen Rieds gemacht, von Bürstadt nach Lampertheim und zurück. Keine besonders spektakuläre Strecke, das Wetter war mies, und meine Laune auch. Entsprechend […]


  4. […] vorbei. Hrm. Normalerweise kann ich dieses dämliche Gehupe ja überhaupt nicht leiden (vgl. hier), aber heute war alles so super, da sah ich mal großzügig drüber hinweg ohne allen […]


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