Unbehaglich-unmotivierte Sonntagabendrunde an der Bergstrasse (7,9 km)

5. Oktober 2008

Woran merkt man als Läufer, dass der Herbst kommt?

Ganz einfach: Die Motivation nimmt merklich ab, die Wehwehchen merklich zu (tatsächlich werden es nicht mehr Wehwehchen, aber man kann sie irgendwie nicht so gut ignorieren).

Ausgangssituation heute: Sonntagnachmittag, noch 6,8 km bis zum Erreichen des Wochenpensums, noch zwei Stunden Licht, miestrübtrauriges Wetter, ein bisschen Fussweh, ein bisschen Hüftweh, ein bisschen Rückenweh, ein bisschen Kopfweh, ein bisschen Müde, und überhaupt gar kein bisschen Lust, laufen zu gehen.

Seufz.

Aber 6,8 km, die reisst man dann halt trotzdem runter.
Dauert ja nicht lange.
Also so gegen Sechs raus, in den grauen, drögen, windigen, regnerischen, lustlosen Vorabend.
Route?
Pffffjaaanixbesondereshalt.
Alsbach, Zwingenberg, Sandwiese, Bickenbach, Heim. So spritzig und interessant wie der ganze Tag, aber da musste ich wenigstens nicht nachdenken oder groß planen.
Meh.

Blütenweg durchs Feld nach Alsbach. Grau, windig, linker Fuß tut ein bisschen weh, steif in der Hüfte, moderates Tempo (zu mehr konnte ich mich einfach nicht aufraffen).
Alsbach: Am Ortseingang links den Hasselbachweg hoch, dann rechts auf dem Brückenweg in den Ort, kurz die Hauptstr. runter, links in die Lindenstr. und am Hirschpark vorbei (gäääähn), halbrechts die Weinbergstr., hoch, links über das kleine Treppchen auf die Hochstr., die rechts runter zum südlichen Ortsende, dann weiter auf dem Blütenweg durch die grauen Weinberge bis Zwingenberg.


Rechts den Grunzweg am Stadtrand runter. Steil bergab bis zur L3100 am Ortseingang, rüber, dann rechts, auf dem Radweg neben der Landstrasse zurück in Richtung Alsbach. Durch einen Pulk spazierender Rentner, dann auf halber Strecke links ab in die Felder, wo irgendwelche Kinder Drachen steigen liessen. Keine Ahnung warum, aber das heiterte mich irgendwie ein klein wenig auf.

Bei nächster Gelegenheit rechts und hinter der Feuerwehr an den Alsbacher Ortsrand, dann links den Floriansweg runter an die B3, dort dem Radweg 15 rechts nach Bickenbach gefolgt. Unterwegs fings an, leise und unmotiviert vor sich hinzuregnen.
Das heiterte mich dann wieder ab.

Vorbei am alten jüdischen Friedhof (ich überlegte kurz, ob ich mir den nicht mal ansehen sollte, weil ich´s noch nie gemacht hatte – war aber dann zu unmotiviert, außerdem hatte ich keine Kopfbedeckung dabei, und ohne sollte man einen solchen Ort ja nicht betreten. Ein andermal, mit Kippa-Ersatz), den ausgestorbenen Supermärkten an der Pfarrtanne (= Sonntag), dem ebenfalls ausgestorbene Intersnack-Gelände (= Sonntag) und nach Bickenbach rein.

Nieselte immer noch, fühlte mich weiterhin schlapp und demotiviert, Wehwehchen waren immer noch da. Aber hey, war ja nicht mehr weit…
In Bickenbach rechts, die unscheinbare Wilhelm-Leuschner-Str. entlang, am Spielplatz über die Hügelstr. und weiter geradeaus die Berliner Str. hoch, schließlich rechts auf der Sandstr. bis an die Darmstädter Str./B3. Da gleich nochmal rechts, in die Jugenheimer Str., auf der aus Bickenbach raus und auf dem Radweg mit den windgebeutelten Birken neben der K146 nach Jugenheim.

Hier kam mittendrin die Sonne raus – zwar war die Wolkendecke weiterhin dick, dicht und geschlossen, aber inzwischen war´s so spät, dass die Abendsonne schräg drunter durchschaute.
Und auf einmal war´s schön!
Fast so eine Wetterlage wie am Donnerstag bei Flörsheim, wenn auch nicht ganz so spekatkulär:
Direkt vor mir die Bergstrasse, schon herbstlich-bunt, unter einer massiven Wand aus dicken, turmhohen, dunklen Wolken, alles diekt angestrahlt von der herrlichen warmen schrägen Abendsonne -das ergab ein unglaublich intensives Farbenspiel: Oben die samtig-purpurnen Wolken, untendrunter die rotgelbgoldenen Hänge der Berge, die fast schon grell leuchteten, ganz unten, um mich herum, die Ebene voll gleissendem Herbstlicht und tiefen, langen Schatten.
Und obendrüber spannte sich wieder ein Regenbogen, vollständig von Horizont zu Horizont, wenn auch merklich blasser als am Donnerstag.
Unglaublich, wie so ein bisschen Sonne die letzten Meter durch eine dröge, graue Trauerlandschaft in ein glorreiches, herrliches Erlebnis verwandeln kann!
Da machte es auf einmal wieder richtig spass, und die Wehwehchen hielten endlich mal ehrfürchtig die Klappe.

Nach Jugenheim rein, in die blauen Schatten der Bickenbacher Str. (die Sonnestand so tief, dass sie hier nur die oberen Stockwerke der Häuser und die Baumwipfel streichelte), über die Strassenbahn, direkt dahinter rechts durch den Fussweg unterhalb der Süsmosterei in die Birkenstr., und schließlich irgendwie durch den etwas verworrenen aber wunderbar ausgeleuchteten Jugenheimer Süden zurück nach Hause.

35 Minuten dröge, anstrengende, lustlose Quälerei, abgeschlossen durch 10 angenehme, schöne, genießbare Minuten in der Abendsonne. Keine ideale Mischung, aber so langsam muss man sich halt drauf einstellen, dass die Zeit der schönen Tage erstmal vorbei ist.
Seufz.
Immerhin ist das Wochenpensum jetzt geschafft…

Strecke: 7,9 km
Zeit: 0:46 h (= 10,3 km/h bzw. 5:49 min/km)
14,94% (1,18 km von 7,9 km)
Karte:

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3 Antworten to “Unbehaglich-unmotivierte Sonntagabendrunde an der Bergstrasse (7,9 km)”

  1. Gerd Says:

    Du wirst echt immer schneller.
    So langsam wirst Du mir unheimlich 😆

  2. matbs Says:

    @ Gerd: Na ja, so fix war ich hier ja gar nicht – 10,3 km/h auf knapp 8000 m. im Flachland, das ist doch eigentlich noch im Rahmen, oder?

    @ eric: Danke! 🙂


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