Kommt, wir laufen auf den Melibokus! (mit Fotos, 10,1 km)

12. Oktober 2008

Heute wäre ich fast in die herrlich herbstlichen Weinberge gefahren.
Also so echt jetzt ganz fast beinahe.
Wetter war wieder ziemlich apart, das hätte gehen können, aber am Ende war´s mir doch einen Tick zu neblig und diesig (wenn ich in die Weinberge laufe, muss alles perfekt sein. PERFEKT!!!!! 😉 ), deshalb hab´ ich´s schließlich doch gelassen.

Der golden strahlende Oktober kommt schon noch.
Und wenn´s 2011 ist… 😀

Folgerichtig musste ich mir spontan was Anderes suchen.
Und da hab´ ich mir gedacht: „Matthias“, hab´ ich mir gedacht, „Matthias, eigentlich könnste ja mal wieder auf den Melibokus hochlaufen“.
Gerade bei Nebel ist das immer mal einen Versuch wert, denn der ist so hoch, dass man mit ein bisschen Glück aus den Wolken rausläuft und sich am Gipfel im strahlenden Sonnenschein über einem unendlichen Meer aus Dunst wiederfindet.
Das ist immer total schön.

Also Melibokus. Die Hausstrecke, Pürschweg rauf, Pürschweg runter, ein schöner, glatter Zehner durch den Wald.

Als ich gerade loswollte, fiel mein Blick auf den Foto, den ich schon für die abgeblasene Weinbergtour rausgelegt hatte.
Hmm, eigentlich könnte ich den ja trotzdem mitnehmen, oder?
Aber was sollte ich fotografieren, das ist ja fast alles nur Wald, zwar hübsch, aber nichts Besonderes.
Hmmm…

Und dann hatte ich ´ne gute Idee: Wenn schon nichtssagende Waldbilder, dann aber richtig!
Anstatt unterwegs hin und wieder mal die paar leidlich besonderen Stellen am Wegesrand zu fotografieren, würde ich einfach ganz viele Fotos machen, und damit die ganze Strecke von Zuhause bis auf den Melibokus mehr oder weniger lückenlos dokumentieren.
Primäres Fotomotiv also nicht das Gedöns neben dem Weg, sondern der Weg selbst!

Das gefiel mir: Eine bebilderte virtuelle Tour auf den Melibokus, für all die Leser, die nicht gerne berglaufen, oder die gar nicht laufen, oder gerade keine Sport machen dürfen, oder die einfach nur irgendwo wohnen, wo´s keinen Melibokus gibt (mein Beileid! 😉 ), und deshalb nicht dort hoch joggen können/wollen/dürfen.

Also Kinder, besorgt euch was zu knabbern, lehnt euch zurück, und bereitet auch drauf vor, live und in Farbe mit mir zusammen auf den Melibokus zu laufen. Quasi als blinde Passagiere, mittendrin in meinem Kopf (aber nur ganz vorne im Foyer, weiter rein lass´ euch nämlich nicht, was da drinnen vor sich geht ist nämlich privat, geheim, und sowieso nix für junge Leser und Menschen mit zarter Konstitution… 😀 😉 ).

Here we go:
Laufblog präsentiert
WIR LAUFEN AUF DEN MELIBOKUS


Es ist Sonntag, der 12.Oktober 2008, so gegen 16:30. Draussen herrscht ordentliches bis schönes Herbstwetter, mit viel nebligem Dunst, der aber noch von der schon recht schrägen Nachmittagssonne durchdrungen wird, die Luft ist frisch aber noch halbwegs warm, und hat diesen charakteristischen, angenehmen, leicht scharfen Geruch nach kalten Nächten, fallendem Laub und eingeschalteten Kohleheizungen, der das endgültige Ende der warmen Jahreszeit ankündigt.
Alles sehr nett, deswegen wollen wir heute von zuhause auf den Melibokus joggen, und zwar auf unserer Standartroute, dem guten, alten Pürschweg.

„Wir“ sind übrigens heute mal alle der Matthias (zumindest für die Belange dieses Laufberichtes), will heissen, wir sind 30 Jahre alt, männlich, unrasiert auf dem Weg zum Vollbart, bräunliche Haare die hier und da schon etwas angrauen, Brillenträger (unsere Brille ist etwas schmutzig, aber vor dem Loslaufen machen wir die nicht mehr sauber), genetisch bedingter Knick am linken Ohr, ca. 1,75 m groß, kurze Beine, und körperlich soweit ganz gut in Schuss, obwohl wir vielleicht ein bisschen zu gut im Futter stehen (was sich durch den kleinen Rettungsring um die Hüften und den leichten Wohlstandsbauchansatz bemerkbar macht). Aber das ist kein Grund zur Sorge, die 5 Kilometer und 400 Höhenmeter bis auf den Melibokus schaffen wir auch mit kleinem Rettungsring locker und allemal, schließlich haben wir das schon oft genug gemacht – zumal´s uns heute auch noch ganz gut geht, wir fühlen uns wach, ausgeruht, und haben bis auf ein ganz leichtes Ziehen an der linken Hüfte keine Probleme.

Gerade eben sind wir in unsere Laufklamotten geschlüpft (wir haben uns zwar für eine kurze Hose entschieden, aber für obenrum vorsorglich das langärmlige Shirt mit den orangenen Streifen gewählt, denn da oben im Wald kann´s nämlich doch schon recht frisch sein) und haben soeben unten an der Haustür unsere dreckig weißen, gut eingelaufenen Running-Schuhe angezogen.
Wirklich angenehm hier draußen, die Luft riecht gut, das Licht ist mild, und es ist gar nicht kalt, schön. Nochmal kurz durchatmen – phhhhh-haaaaa! – und wir sind startbereit.

Oder fast: Auf unserem Weg runter zum Hoftor kommt uns der Nemo entgegen und lässt uns wissen, dass er gerne mitkommen würde:

Wäre eigentlich kein Problem, denn mit 14 Grad ist es nicht zu warm, und dass Nemo den Melibokus schafft, das hat er schon mehrmals bewiesen.
Aber heute wollen wir ja Bilder für unseren Blog machen, und Hund UND Foto, das ist uns dann doch etwas zuviel Ablenkung.
Außerdem war er gerade erst Gassi.
Also streicheln wir ihn nur noch mal schnell, und sagen freundlich aber bestimmt „Nein“.
Nemo kapiert das.
Jetzt schmollt er ein bisschen, aber er ist nicht nachtragend.
Wenn wir in einer Stunde wieder zurück sind, ist alles vergeben und vergessen…

So. Jetzt aber nichts wie los. Wir treten durchs Hoftor raus auf die Strasse, und fangen einfach an zu laufen (wir sind im Moment etwas Dehn- und Aufwärmfaul, bei so einem kleinen Zehner kann man sich das ruhig mal leisten).

Die ersten paar Meter lassen wir´s ganz langsam angehen. Erstmal in den Rhythmus kommen, die Atmung einstellen, warm werden.
Das klappt heute schnell und gut, denn wir machen diese Laufsache ja schon ein paar Jährchen, da weiss der Körper ganz automatisch, was von ihm erwartet wird.

Jetzt heisst´s erstmal hoch in den Wald. An der Kreuzung Alsbacher Str./Jossastr. …

…biegen wir rechts ab und laufen die Jossastr. hoch:

Nach 100 m. ist Jugenheim zu Ende, und wir laufen zwischen der großen Wiese und dem Merck-Anwesen…

…bis zum Eingang vom Wald:

Die Steigung auf dem leicht unebenen Weg bis zum Wald ist noch sehr moderat, eigentlich könnten wir hier schon ordentlich Tempo machen. Aber wir halten uns zurück, schließlich wissen wir, was uns erwartet – die nächsten 5 km geht´s praktisch nur bergauf, da sparen wir lieber unseren Atem.
Also laufen wir das Stück gemächlich, lavieren entspannt zwischen den Sonntagnachmittagsspaziergängern und ihren Hunden hindurch, anstrengend wird´s noch früh genug.
Atmung ganz ruhig, noch kein Schweiss auf der Stirn, nur der linke Fuß tut ein bisschen weh, aber das ist in letzter Zeit immer so. Ansonsten alles gut.

Sobald wir unter den Bäumen sind, wird es merklich kühler – dieser unterste Teil des Darsbergtals heisst nicht umsonst „Kaltes Loch“. Außerdem riecht es erdig und nach feuchtem Laub.
Direkt nach dem Waldrand eine Abzweigung nach links, die führt an der „Gichtmauer“ unter dem Merckanwesen zur Merckstr. rüber. Ist uns aber egal, wir laufen geradeaus, geradewegs auf dem Burgenweg (blaues B) das untere Darsbergtal hoch…

…an der Schranke Schranke neben dem Merck-Grundstück vorbei…

…und noch ca. 200 m. weiter aufwärts bis zur Abzweigung oberhalb der Merck-Liegenschaften:

Vom Waldrand bis hierher das erste steilere Stück, hier finden wir normalerweise raus, ob wir einen guten oder einen schlechten Tag hab. Heute ist ein guter Tag: Unsere Atemfrequenz und unser Puls gehen zwar ordentlich nach oben, und wir schwitzen auch schon ein bisschen, aber es ist noch viel Kraft über. Ohne Tempoverlust schnaufen wir den Waldweg hoch.

An der Wegscheide angekommen wenden wir uns scharf nach links, da geht´s weiter aufwärts auf die Anhöhe über dem Merck-Grundstück. Normalerweise behaupten wir im Blog immer, dieser Weg wäre unmarkiert, das stimmt aber gar nicht – da gibt´s irgendeinen lokalen Alsbacher Sportpfad-Marker, aber wir wissen nicht wie der heisst, deswegen ignorieren wir ihn meist. So sieht er aus:

Das Stück laufen wir übrigens gerne, die Steigung ist unproblematisch und gerade mal 150 m. lang, und der Wald ist hier am Südhang des Darsbergtals relativ licht, entsprechend ist hier schön hell und es gibt viel Bodenbewuchs am Wegesrand. Heute, mit den Herbstfarben im Laub, ist das besonders schön. Das geniessen wir einfach mal ein bisschen.

Eine knappe Minute den hübschen Weg hoch (wobei wir ein klein bisschen Tempo machen, weil wir wissen, dass wir direkt danach ein wenig verschnaufen können), dann sind wir oben auf der Anhöhe über dem Merck-Anwesen, da wo links der merck´sche Wasserturm steht:

An klaren Tagen hat man hier einen ersten netten Blick durch die Bäume nach Nordwesten, aber heute ist es ja diesig, also halten wir uns nicht auf, sondern laufen geradewegs durch, um die scharfe Rechtskurve am Turm, dann um das kleine Seitental, dessen Grund ebenfalls noch zu den Merck-Liegenschaften gehört. Bewusst langsam, wir beruhigen die Atmung und den Puls wieder ein bisschen, denn der Weg um das Tal herum ist praktisch eben, fällt auf der anderen Talseite sogar wieder leicht ab – eins von lediglich zwei Stücken ohne Steigung auf der ganzen Strecke zum Melibokus, das nutzen wir aus.

150 m. nach dem Wasserturm erreichen wir die Mitte des Tals, wo der Weg einen Bogen nach links beschreibt und zum Pürschweg rüberläuft (der übrigens schon ein paar Meter weiter oben sichtbar ist)…

…und mit dem er sich nach weiteren 100 m. (das ist das Stück, das sogar leicht abschüssig ist. Aah, angenehm!) in einer Gabelung vereinigt:

Wir wollen ja auf den Melibokus, also biegen wir hier gaanz scharf rechts ab, und sind damit mitten auf dem Pürschweg, Marker SJ2, der uns für die nächsten 3,3 Kilometer aufwärts und südwärts bringen wird, unterhalb des Bergrückens an mehreren große Waldtälern entlang bis zur Melibokusstrasse.
Leicht zu navigieren, weil gut markiert…

…und mit moderaten 7% bis 8% Durchschnittsteigung auch noch recht angenehm zu laufen, vorausgesetzt man teilt sich seine Kraft ein bisschen ein und übertreibt es nicht.
Haben wir aber auch nicht vor, wir kennen die Strecke ja, entsprechend laufen wir zügig aber kontrolliert weiter bergauf.
Zuerst direkt oberhalb des Weges, den wir vom Wasserturm genommen haben, ´nochmal in entgegengesetzter Richtung aus dem Tal hinaus…

…dann mit einer Linkskehre um den Bergvorsprung am Talrand herum, wobei wir uns wieder mal fragen, seit wann eigentlich die Bank hier rechts am Wegesrand steht (noch nicht so lange, oder?), und was es mit dem seltsamen geschnitzten Pilz etwas weiter unten am Hang auf sich hat:
.

Und direkt hinter der Kehre geht´s dann erste mal lange geradeaus. Wir sind jetzt wieder am Nordhang des Darsbergtals (der, weil er ja nördlich des Tales ist, eigentlich ein Südhang ist. Bloss dass da keine Missverständnisse aufkommen), hoch oben über dem Talgrund. Links von uns geht´s noch ordentlich hoch, rechts steil runter.
Der Weg selbst ist allerdings nicht so steil und entsprechend bequem zu laufen. Lediglich der Schotter stört immer mal wieder ein bisschen, aber wir halten uns einfach in einer der beiden ausgetreteneren Spuren (der linken), da liegen nicht so viele Steine:

Und so geht´s weiter aufwärts, mehr als einen halben Kilometer weitgehend geradeaus mit ein paar leichten Kurven, die sich in den Hang hinein schmiegen. Inzwischen sind wir richtig schön warmgelaufen, alles klappt bestens, und wir können uns richtig schön in die moderate Steigung reinhängen: Atmung tief und regelmäßig, Schritte klein und schnell (weil bergauf, da macht man das so), Kraft ausreichend vorhanden, Tempo ordentlich, Gedanken zwischen schönem Wald und irgendwo ganz weit weg aufgeteilt – läuft super.

Nach knapp 600 m. wird der Wald etwas dunkler, der relativ lichte Bewuchs aus hohen Buchen am Abhang rechts von uns macht einer Ansammlung von dunklen, dichten Tannen (oder Fichten? Oder Kiefern?) Platz, während der Weg gaanz langsam nach rechts wegdriftet:

Das ist das Zeichen, das wir so langsam zum Ende des Darsbergtals kommen. Bereits wenige Meter später erreichen wir die Darsbergwiese. Früher war hier mal eine echte große Waldwiese mit vielen Obstbäumen mitten im Wald versteckt, aber die gibt´s schon seit Jahrzehnten nicht mehr – irgendwann in den Siebzigern haben Forstarbeiter die Obstbäume gefällt und die Wiese weggepflügt, und seitdem holt sich der Wald das Gebiet zurück. Selbst heute ist der Halbkessel des weiten oberen Darsbergtals (das viel breiter ist als sein unterer Fortsatz) zwar noch etwas lichter als der umgebende Forst, aber es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis nichts mehr an die Wiese erinnert:

Wir durchqueren das Tal, natürlich immer weiter aufwärts laufend…

…und erreichen schließlich nach ca. 300 m. den nächsten Vorsprung am Talrand, um den wir herum müssen, um auf den Hang über dem nächsten Tal zu gelangen. Rechts geht hier der kleine, steile Trampelfpad zur Burgruine Jossa ab, wir halten uns natürlich weiter links und bergauf, getreu dem leicht modifizierten Wahlspruch „Aufwärts immer, abwärts nimmer!“ (hat vielleicht beim Sozialismus nicht geklappt, aber für die Melibokusbesteigung ist es trotzdem ´ne ziemlich brauchbare Maxime… 😉 )

Auch hier also wieder eine Kehre nach links um den Vorsprung rum, gefolgt von einer weiteren, knapp 600 m. langen und leicht gewellten Aufwärtsgeraden am Hang, der nun allerdings der des Hasselbachtals zwischen Alsbach und Jugenheim ist.

Inzwischen merken wir so langsam was von Anstrengungen des bisherigen Aufstiegs – auch wenn wir noch lange nicht erschöpft sind, die Puste ist doch schon ein wenig knapper, die Beine nicht mehr ganz so spritzig. Aber wir haben ja inzwischen auch schon über die Hälfte der Strecke und der Höhenmeter hinter uns gebracht, da ist das durchaus legitim… 🙂
Zum Beweis können wir übrigens hin und wieder mal rechts durch die Bäume gucken, da grüßt schon der Melibokus herüber, und er sieht gar nicht mehr besonders weit entfernt oder hoch aus:

Doch auch wenn´s insgesamt noch super läuft, das Stück über dem Hasselbachtal zieht sich immer etwas – irgendwie vermuten wir da instinktiv hinter jeder kleinen Kurve die Darsberghütte, aber die lässt auf sich warten, das sind noch ein, zwei, drei Minuten, bis wir schließlich doch die letzte Kurve erreichen…

…hinter der wir unvermittelt auf die Wegkreuzung an der Darsberghütte stossen:

So. Zwischen 200 und 250 Höhenmeter hätten wir damit schonmal absolviert. Lief doch gut, oder?
Laut Stoppuhr haben wir knapp 19 Minuten von Jugenheim bis hierher gebraucht, das ist durchaus ordentlich – und wir haben noch Kraft, entsprechend können wir auf die letzten 2 km noch mal ein bisschen Tempo machen!

Zunächst allerdings noch nicht, denn die nächste Passage geradeaus an der Hütte vorbei ist erstmal wieder etwas steiler, da nehmen wir uns lieber nochmal kurz zurück:

250 m. kiesige Gerade bergauf (puuh)….

…dann ein dunkleres Stück (wieder mal Nadelbäume) mit der Wegscheide, an der der „Weg unterhalb vom Hohe-Stich-Weg“ rechts abgeht (der ist unmarkiert und falls er einen richtigen Namen hat, kennen wir den nicht – wir wissen nur, dass der runter auf die gelbe 4 und zur Hoboken-Hütte führt. Ist aber auch egal, weil wir ja geradeaus den Pürschweg hochlaufen)…

…direkt oberhalb der Gabelung eine Rechtskurve und gleich danach links, an dem seltsamen kleinen Pavillon rechts des Weges um den nächsten Bergvorsprung…

…und weiter auf das superangenehme Stück fast ganz ohne Steigung, das am allerallerallerobersten Ende des Sperbergrund-Tals (falls das so heisst, auch das wissen wir nicht mit Sicherheit – aber 1,5 km weiter unten fängt es halt mal mit dem Sperbergrund an, also nennen wir´s einfach so) entlangführt:

Hier nehmen wir – wie meistens – noch mal ein bisschen Tempo raus. Zum einen, weil die nächsten paar hundert Meter kaum Steigung haben, und somit noch eine willkomene Gelegenheit zum Durchatmen bieten, bevor wir die letzten 100 Höhenmeter zum Gipfel des Melibokus in Angriff nehmen.
Und zum anderen, weil das eines der schönsten Stücke der ganzen Strecke ist, so hoch über dem steilen, großen Tal mit seinen wenigen hohen Bäumen, durch die man normalerweise einen schönen Blick in die Ebene hat (heute aber nicht, denn da ist ja Nebel):

Wir passieren die Abzweigung des Hohe-Stich-Wegs (gelbes V), den wir aber natürlich rechts liegenlassen und weiter dem Pürschweg folgen…

…der kurz danach dem Bergrücken folgend links vom Tal wegknickt und kurz nach Westen verläuft…

…bevor er kurz nach der Stelle, wo der Schleichweg zur Kattenberger Schneise und ins Balkhäuser Tal abgeht, wieder nach rechts kurvt:

Hier ist dann auch wieder Schluss mit lustig, denn jetzt wird´s nochmal gut anstrengend – der letzte halbe Kilometer bis zur Melibokusstrasse ist nämlich nochmal ordentlich steil. Trotzdem ziehen wir hier das Tempo nochmal an, schließlich sind war ja fast schon oben, da können wir uns ruhig noch ein bisschen verausgaben!

Also mit Volldampf weiter aufwärts, vorbei an der letzten Abzweigung vor der Melibokusstr. (der Weg, der hier rechts abgeht ist unmarkiert und hat keinen Namen, den wir kennen – er führt auf jeden Fall auf den serpentinigen Weg direkt oberhalb des Erlengrundes. Wenn Nemo dabei wäre, würden wir kurz reinlaufen, weil sich hier selbst bei Trockenheit fast immer ein paar Hundetrinkpfützen finden, aber heute ist das ja egal, also rennen wir links dran vorbei)…

…kurz danach um die Linkskurve mit den schönen Beerenhecken…

…und dann die allerletzte, 350 m. lange Gerade zur Strasse hoch:

Hier macht sich das höhere Tempo der letzten Minuten so richtig bemerkbar: Herzfrequenz ist oben, wir japsen tiefe, lange Atemzüge, unsere Beinen pumpen auf Hochtouren. Zwischen den Keuchern grinsen wir ein bisschen vor uns hin: So muss Berglaufen sein, das kostet Kraft, das macht Spass!

Und dann haben sind wir fast da, vor uns kommt die Schranke am Ende des Pürschwegs in Sicht, dahinter die Melibokusstrasse samt Schutzhütte in der Serpentine…

…die wir dann auch scheinbar in Windeseile erreichen:

Puuuuhaaa, jetzt schnaufen wir ganz schön, der Schweiss rinnt, die Brille beschlägt, unser Puls wummert fröhlich vor sich hin. Aber es ist auch nur noch ein halber Kilometer, auf der steilen aber bequemen Fahrstrasse, das schaffen wir noch locker.
Durchhalten!

Ohne nachzulassen laufen wir raus auf die Strasse. Rechts von uns geht ein Trampelpfad ab, der mit Markern geradezu gepflastert ist…

…aber den ignorieren wir – der führt zwar auch zum Gipfel und ist viel kürzer, aber viel zu steil, um unser Tempo zu halten. Außerdem ist es ein schöner Sonntagnachmittag, da sind viele Biker unterwegs, von denen nicht wenige dieses steile, schmale Pfädchen gerne mal sehr viel Tempo und sehr wenig Rücksicht runterbrettern, auch wenn es eigentlich gar nicht für Radfahrer gedacht ist. Vorletzten Mai hätte uns so ein Drecksack beinahe frontal gerammt, und das brauchen wir nicht wirklich.
Also nehmen wir stattdessen auf der Strasse, die ist zwar unmarkiert und deutlich länger, aber dafür auch bequemer und sicherer, denn die Radler, die man hier antrifft, sind in der Regel gesittet und rücksichtsvoll (weil das ganze rücksichtlose Crosscountry-„mir-doch-scheissegal“-Actionjunkie-Gesocks ja den Trampelfpad nebenan runterbrettert).

Noch 50 oder 60 Höhenmeter, ein halber Kilometer Strecke, und zwei Serpentinen. Wir geben noch mal alles!
Erst 250 m. geradeaus, natürlich bergauf…

…dann um die *schnauf, schauf* erste Serpentine…

…150 m. weiter bergauf bis zur zweiten Serpentine (huijuijui…)…

…und *phhhhh* noch*hhhhhhh*mal hhhndert Meter bhhis *pffffffff* zum Parkplatz *uuuuuunnnh*
vor dem *huuuuijeee* Ex-Militärgelände.

Uuuuuund… wir sind da!

Wir erreichen das Ende der Fahrstrasse, keuchend, schwitzend, und gut ausgepowert:

Fast oben, und der Rest ist ein Kinderspiel. Schön langsam (um wieder zu Atem zu kommen) aber ohne anzuhalten laufen wir durch, links am Parkplatz vorbei auf den Weg, der südlich unterhalb des Militärgeländes zum Aussichtssturm führt, und mit diversen Markierungen (Weisser Balken, rotes N, rotes S, gelbe 6…) gepflastert ist. Der ist eben, bzw. geht sogar leicht bergab, das tut gut.

Nur noch etwas über hundert Meter!
Links geht´s steil bergab den Hang runter (da mündet noch der Luci-Berg-Weg ein, aber den ignorieren wir), rechts über uns ragt der Sendeturm am Gipfel auf (noch unzugänglich, aber in den nächsten Wochen werden die Militäreinrichtungen samt Zaun endgültig abgerissen, und man wird zum ersten mal seit Jahrzehnten ganz auf den Gipfel können, da freuen wir uns schon drauf):
.

Schließlich noch der letzte, kleine Anstieg, 20 extrem steile Meter bis zur Aussichtsterasse, die wir – traditionsgemäß – unter Mobilisierung aller Reserven hochsprinten…

…und dann sind wir da!

Keuchend, nassgeschwitzt und etwas zittrig halten wir an, auf dem kleinen Plateau zwischen dem Militärgelände und dem Aussichtsturm samt Terasse!

🙂 OBEN!!!! 🙂

Und damit haben wir´s wieder mal geschafft:
Wir haben den höchsten Berg der Bergstrasse bezwungen, stehen auf 517 m. ü.NN und damit fast 400 m. über unserem Ausgangspunkt.
Und – das sagt uns die Stoppuhr – wir sind heute eine Prima Zeit gelaufen: Gerade mal etwas über 32 Minuten für die knapp 5 stetig ansteigenden Bergkilometer, das ist fast drei Minuten unter unserer normalen Zeit, und nur zwei über unserem bisherigen Rekord (gut, das liegt natürlich auch daran, dass wir heute ständig Fotopausen gemacht haben, die nicht in die Laufzeit eingeflossen sind, und während denen wir verschnaufen konnten, aber trotzdem…)!

Tja, Kinder, und damit sind wir zusammen auf den Melibokus gelaufen!

Glückwunsch!
War doch überhaupt kein Problem, oder?

Und jetzt wo ihr gesehen habt, wie einfach das ist, könnt ihr das ganze ja auch mal in Persona angehen, wenn ihr in der Nähe seid – einmal seid ihr jetzt ja schon hochgelaufen (wenn auch virtuell), da werdet ihr´s ja wohl auch noch ein zweites Mal hinkriegen… 😉

So, und damit verabschiede ich mich. War zwar nur die halbe Strecke, aber den Rückweg werde ich auf genau derselben Route laufen, und da will ich Tempo machen.
Da kann ich euch nicht brauchen, das lenkt nur ab… 😀
Also dann: Macht´s gut!

.

.

.

.

.

Nanu?

Ihr seid ja immer noch da.

Was wollt ihr denn noch?

Wie war das?
Jetzt wo wir schon mal oben sind, soll ich euch auch noch ein bisschen was vom Melibokus zeigen?
Die Terrasse, und die Startrampe und die Aussicht?

Pffft, ja was denn noch? Schließlich hab´ ich euch doch schon virtuell bis hier hoch geschleift, reicht das nicht?
Nein?

Na gut, weil ihr´s seid, gucken wir uns das Ganze schnell noch ein bisschen an:

Also, wie gesagt, wir stehen ja immer noch auf dem kleinen Plateau zwischen den Türmen – rechts das eingezäumte Militärgelände mit dem hohen Sendeturm, links die Terrasse mit dem gedrungeneren Aussichtsturm hoch über der Rheinebene.
Wir wenden uns nach links, gehen am Aussichtsturm vorbei…

…auf die Terrasse…

…und werfen einen Blick nach unten in die Ebene. Neblig.

Wo wir schon mal da sind, können wir ja gleich auch noch mal runter zu unserem Lieblingsplatz gehen, der vorgelagerten Drachenflieger-Startrampe direkt am Abgrund, unterhalb der Terasse:

Also nehmen wir die Treppe neben der Terrasse abwärts:

Auf dem Absatz auf halber Höhe ein kurzer Blick nach rechts – die Ausflugskneipe hat offen:

Das bedeutet, dass wir theoretisch auf den Aussichtsturm rauf könnten, das haben wir in unseren gesamten 30 Lebensjahren noch nicht einmal geschafft. Aber wie üblich haben wir kein Geld dabei (kostet 50 Cent Eintritt), und außerdem ist die Sicht heute ja so mies, also verzichten wir wieder mal und heben uns den Turm für später auf.

Stattdessen wenden wir uns links und gehen die zweite Treppe runter…

…dann ganz scharf rechts und über den Gitterrost unterhalb des Gebäudes…

…und dann über den kleinen, steilen, steinigen Trampelpfad runter zur Freifläche an der Rampe:

Und da stehen wir dann.
Schön.
Hinter uns im Wald der Melibokusgipfel, geschmückt mit mehreren eindrucksvollen Felsgruppen:

Aber die Hauptattraktion liegt vor uns.
Direkt an der Rampe geht´s 30 oder 40 Meter runter, wir stehen hier also unmittelbar am Abgrund, hoch über den Baumwipfeln.
Vor uns liegt praktisch die gesamte nördliche Rheinebene. An einem richtig klaren Tag könnten wir hier Taunus, Rheingau, Hunsrück, Norpfälzer Bergland, Pfälzerwald und vielleicht sogar die Vogesen sehen. Und natürlich alles zwischen dort und hier (eine viel bessere Beschreibung der Aussicht gibt´s übrigens hier, ganz unten am Ende des Eintrags).
Heute ist es überhaupt nicht klar, aber es ist trotzdem herrlich. Es ist ganz still. Ein leichter Wind weht, er riecht Herbst, nach Wald, nach Weite. Über uns zieht ein einsamer Segelflieger seine Bahn:

Und vor uns, unter uns, jenseits des Abgrunds, verliert sich die Welt in einem milchigen, schier unendlichen Meer aus Dunst und Nebel, das gegen die bewaldeten Hänge brandet…

…und in dessen Ufernahen gefilden man gerade noch die Orte am Fuß des Bergmassivs erkennen kann, wie sie versunkenen Städten gleich im Dunst vor sich hinträumen:

Einsam.
Ruhig.
Und schön.

Wir geniessen die Stimmung für ein paar Minuten, im Reinen mit uns selbst und der Welt.
Dann drehen wir uns um, und nehmen den Pfad zurück zur Terasse und zum Gipfel, von wo aus wir den Rückweg antreten werden:

So. Und damit ist jetzt wirklich Schluss. Wenn ihr mehr wollt, vielleicht die Aussicht geniessen, oder hoch auf den Turm, oder das großartige Gefühl kennenlernen, wie es ist, hier aus eigener Kraft hochzujoggen, dann müsst ihr das selbst machen.

Also dann: Raus mit euch aus meinem Kopf, den brauch´ ich ab jetzt wieder ganz für mich selbst.
Runter findet ihr sicher auch alleine – ihr kennt ja jetzt die Strecke.
Bis die Tage… 🙂

Strecke: 10,1 km (jahaa, ich bin die 5 km nämlich auch noch zurückgerannt, ganz ohne euch, und ganz fix!)
Zeit: 0:59 h (= 10,27 km/h bzw. 5:50 min/km – Superzeit für einen Berglauf!)
Neue Strecke: Nada
Karte:

M.

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10 Antworten to “Kommt, wir laufen auf den Melibokus! (mit Fotos, 10,1 km)”

  1. XYZ Says:

    Endlich mal wieder aufen Melibokus gekommen sein, wenn auch „nur“ virtuell. Danke fürs mitnehmen! Vielleicht schaffe ich es demnächst doch auch noch mal wieder körperlich.
    Warum sieht der Hund auf dem Foto so jämmerlich aus????

  2. Gerd Says:

    Das hat mich trotz schwerer Erkältung absolut nicht angestrengt. Das ist die einzige Variante die mir den Melibokus hinauf wirklich zusagt 😉
    Ich liebe die virtuellen Bergläufe!
    So konnte ich wenigsten ein bisschen „Laufen“ 😉
    Grüße vom Krankenlager.

  3. matbs Says:

    @ XYZ: Mal ganz ehrlich – wenn man da nur hochwandert, ist das keine Frage der Physis – gehend ist der Aufstieg so einfach, das schafft wirklich fast jeder.

    @ Gerd: Na immerhin. Wobei´s in Echt schon noch viel besser kommt… 😉


  4. […] mal die Standartstrecke in die Berge: Jossastr., hoch in den Wald, ein paar hundert Meter auf dem Burgenweg/Alemannenweg das Darsbergtal […]


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  6. […] Bick vom Plateau mit der Ruine drauf direkt nach Süden, über den (nicht sichtbaren) Heiligenberg hinweg bis zum Gipfel des ca. 4 km Luftlinie entfernten Melibokus. […]


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  8. […] Kommt, wir laufen auf den Melibokus! In dem der Matthias einen Meter-für-Meter-Bericht der Strecke von Jugenheim auf den Melibokus präsentiert, mit dem sich auch der ortsfremde Leser ein genaues Bild davon machen kann, wie es sich anfühlt, auf den höchsten Berg der nördlichen Bergstrasse zu laufen. […]


  9. […] wer wissen möchte, wie meine “Hausstrecke” ungefähr aussieht, kann sich das z.B. hier anschauen (sogar mit Fotos, auch wenn der Wald da deutlich herbstlicher aussieht als er heute war). […]


  10. […] rum, heute laufe ich wieder mal ganz rauf, bis zum Gipfel (wie das im Herbst so ausschaut, kann man hier sehen) Wie gehabt: Wetter freundlich, Wald schön herbstlich, Tagesform bescheiden, Aufstieg […]


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