Untere Höhenlagen hinter Alsbach (12,6 km)

23. Oktober 2008

Ach je. Ich glaub´ ich hab´ im Moment mal wieder eine akute Phase von „Streckenfindungsblues“:
Auch heute wollte mir partout keine Laufroute in der Nähe einfallen, auf die ich Lust hatte – und das, obwohl schönes, sonniges Wetter war.
Schon wieder Pürschweg? Pffff….
Hinter in die Odenwaldwaldtäler? Naaa, da ist die Sonne so früh weg.
Runter ins Flachland? War ich doch gerade erst gewesen.

Aber weiter weg konnte/wollte ich heute auch nicht, also schob´ ich´s halt den ganzen Mittag vor mir her, guckte zwischendurch mal halbherzig im Archiv, fand aber nix, das machte mich dann noch unlustiger…
Hrm.
Und auf einmal war´s kurz nach fünf, und damit nur noch eine Stunde bis Sonnenuntergang.
Also lief ich halt mal wieder einfach irgendwie los, ohne Plan/Ziel/besondere Erwartung, bloss um überhaupt loszukommen.

Hoch in den Wald, auf dem Burgenweg (blaues B) das Darsbergtal hinauf. Im schattigen Talgrund war´s schon erbärmlich kalt, da bereute ich fast, ohne Handschuhe und Nackenwärmer gestartet zu sein.
Aber nett war´s trotzdem: Frische Luft, buntes Laub, herausfordernde Steigung… so langsam verging meine Unlust ein bisschen.


Auf den Pürschweg wollte ich ja nicht, deshalb lief ich hinter dem Merck-Anwesen geradeaus durch, weiter auf dem Burgenweg durchs ordentlich ansteigende Darsbergtal bergauf, bis zur Kehre am Ende des unteren Talteils, dort dann scharf rechts auf den Jossaweg (immer noch Burgenweg, außerdem gelbe 8 ) und aus dem Talgrund hinaus den Hang hoch, wo die warme Abendsonne durch die halbkahlen Bäume schimmerte.

Dann lange die gelbe 8: Unterhalb der Ruine Jossa entlang bis an die oberen Hänge des Hasselbachtals, dort wieder halblinks aufwärts bis zur Kreuzung an der Hasselbachquelle, kurz unterhalb der Darsberghütte – insgesamt mehr als 2,5 km Anstieg, teils recht steil, da war mir dann nicht mehr so richtig kalt.

An der Kreuzung rechts. Immer noch gelbe 8, jetzt aber abwärts (tat auch mal ganz gut), um den nächsten Bergvorsprung herum (auch hier wieder: Wunderschönes Abendlicht im Herbstwald) in die nächste Tiefe Kerbe im Melibokusmassiv, das Tal oberhalb des Sperbergrundes. An der Wegscheide unterhalb der Hoboken-Hütte lief ich rechts, weiter abwärts, auf der gelbe 1/gelben 8 den südlichen Talrand in Richtung Sperbergrund und Alsbach.
Bis ganz runter an den Steinbruch oder gar ins Dorf wollte ich allerdings nicht, das wäre sonst zu kurz geworden, also beschloss ich, vorher abzubiegen und zumindest noch bis zum Alsbacher Schloss weiterzulaufen.

Gesagt getan: 800 m. auf dem bequemen Weg am Talrand bergab, dann die zweite links ab: Extrem steil die Talwand hoch, über den nächsten Bergvorsprung, dann halbwegs eben oberhalb der Haimonskinder südwärts durch den sonnig/schattigen Hangwald (erst unmarkiert, später dann die gelbe 7). Wie jedesmal wunderte ich mich auch heute wieder ein bisschen darüber, wie lang dieser Weg ist – normalerweise laufe ich ja deutlich weiter oben am Berg zum Alsbacher Schloss rüber, da sind die Entfernungen relativ kurz. Aber hier unten, da windet sich die Strecke um jedes winzige Seitental herum (viele von diesen Seitentälern gibt´s weiter oben gar nicht mehr) und braucht entsprechend lange. War aber angesichts der weiterhin schönen Abendstimmung kein Problem.

Irgendwann dann die nächste größere Wegscheide, unter/hinter der Hobokenhütte und oberhalb vom Eselsgrund, hier einfach geradeaus und auf der gelben 9 um den Eselsgrund herum bis zum Freizeitgelände am Alsbacher Schloss.

Kurzer Blick auf die Uhr, etwas ungläubig: Fast schon 40 Minuten unterwegs, und das nicht mal besonders lahm, und trotzdem erst am Alsbacher Schloss?
Normalerweise schaffe ich in der Zeit locker den Melibokus, und der ist höher, steiler, weiter weg von zuhause!
Tja, so ist das halt mit den Wegen auf den unteren Höhenlagen, die fühlen sich zwar „nah“ an, aber sie sind Wirklichkeit viel kürzer als die Strecken weiter oben, die sich „nicht so nah“ anfühlen.
Leicht seltsam, aber trotzdem wahr.

Fühlte mich eigentlich noch ganz gut, und die rote, schräge Sonne war immer noch nicht untergegangen, also beschloss ich sponten, noch ein bisschen weiter nach Süden zu laufen, vielleicht so noch bis Anfang Zwingenberg. Also lief ich durch, links auf den wie immer äußerst bequemen Comoder Weg (wieder mal Burgenweg, außerdem Alemannenweg/rotes S).
Um erste große Tal (das, dass südlich des Schlossbergs in die Weinberge mündet, keine Ahnung wie das heisst), dann ums zweite große Tal (das Orbis-Tal [auch da weiss ich ja nicht, ob´s so heisst]).
Schön, eben, zügig, rechts durch die Bäume ein hübscher Blick auf den orangroten Glutball der Sonne, der sich nun doch so langsam rapide dem Horizont näherte.

Kurz hinter der Beuge des Orbistals gibt´s eine weitere Wegscheide – der Comoder Weg geht hier halblinks sanft aufwärts, während ein unmarkierter Waldweg rechts davon das Tal runterführt – den nahm ich mal. Ein ganzes Stück bequem bergab, dann etwas oberhalb der Orbis-Höhe eine sehr scharfe Rechtskurve, hinter der es noch ein Stückchen bergab ging, bis in den tiefen, schattigen, kalten Grund des schmalen Orbistals (alles unmarkiert, tatsächlich scheint dieses Stück nicht mal richtig in der Wanderkarte verzeichnet zu sein, obwohl´s eigentlich ein ordentlicher Waldweg ist).

Dort links, am Bachufer das Tal runter, an der kleinen Brücke nach ein paar hundert Meter auf die andere Seite des Bachlaufs und dort dann am Holzzaun vom riesengroßen Grundstück hinter dem großen gelben Haus am Waldrand bis runter zur kleinen Parkanlage am Ende der Orbisstr. (da, wo die Zwingenberger Gedenkstätte für die Weltkriegstoten steht).
Eigentlich hatte ich hier geradewegs runter auf den Blütenweg zurück nach Alsbach laufen wollen, aber da entdeckte ich links einen winzigen Pfad, der zwischen den Grundstücken am Hang nach Süden abging, und den ich noch nie bemerkt hatte.

Eigentlich ja die falsche Richtung…
…aber spannend, also nahm ich ihn. Nettes Stück: Links steilf aufragend der Hang, rechts verwilderte Grundstücke oberhalb der Häuser in der Stuckertstr., und mittendrin kam mir sogar noch eine halbverschüttete Erinnerung hoch, dass ich hier vor mindestens einem Jahrzehnt doch schon mal gewesen war (fiel mir wieder ein, weil Nemos Vorgänger Tommy hier mehrmals böse von einer verzweifelten Wespe in den Hintern gestochen worden war, die sich seinem Pelz unterhalb vom Schwanz verfangen hatte. Muss so gegen Ende des zweiten Jahrtausends passiert sein…).

War auch kein großer Umweg, nach ca. 250 m. gings rechts einen Hohlweg runter, und auf einmal fand ich mich mitten in Zwingenberg auf dem Blütenweg (gelbes B) in der Stuckerstr. wieder.

Inzwischen fast eine Stunde und geschätzte knappe 10 km unterwegs, ausserdem lag die Abendsonne in den allerletzten Zügen und es wurde dämmrig und kalt – Zeit für den Heimweg.
Also links, die Stuckertstr. nach Norden, dann via Orbisstr. und „Auf der Heide“ aus Zwingenberg raus und auf dem Blütenweg durch die Weinberge (dabei endgültiger Sonnenuntergang, in schönen, bunten Farben) nach Alsbach. Dort dann zügig die übliche Strecke durch den Ort: Hochstr., Lindenstr., „Am Katharinenberg“ und Jugenheimer Str., dann durchs Feld heim (dabei noch ein kleines Wettrennen mit einer ziemlich fixen Joggerin, die denselben Weg hat – wir einigten uns auf unentschieden).

Hmja, lief eigentlich ganz gut, keine Probleme, angenehmer Abend, am Ende war´s da eigentlich doch noch ganz nett. Und sogar ein bisschen interessant, denn ich hatte fast schon wieder vergessen, wie weit die Wege am unteren Rand des Melibokusmassivs sind: Obwohl´s heute 12,6 km Strecke waren, befand ich mich zu keiner Zeit weiter als 2,7 km Luftlinie von zuhause entfernt – sieht man mal, wie dicht und verworren und kurvig das Wegennetz am Melibokus ist.

So. Und jetzt hoff´ ich nur, dass mir zum Wochenende doch noch ein paar neue Strecken einfallen, auf die ich richtig Lust hab…

Strecke: 12,6 km
Zeit: 1:15 h (= 10,08 km/h bzw. 5:57 min/km)
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 11,9% (1,5 km von 12,6 km)
Karte:

M.

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3 Antworten to “Untere Höhenlagen hinter Alsbach (12,6 km)”

  1. Gerd Says:

    Tja Matthias,
    das Gute liegt oft in der Nähe. Auch ein Grund weshalb ich ungern mit dem Auto anfahre und dann erst Laufe.

  2. matbs Says:

    Stimmt schon.
    Aber genausoviel Gutes liegt nur ein bisschen in der Nähe.
    Oder gar nicht so richtig in der Nähe.
    Oder überhaupt nicht in der Nähe.

    Und wenn man das Gute in der Nähe schon in- und auswendig kennt, dann ist das halt irgendwann einfach nicht mehr ganz so gut, sondern eben nur noch „ganz nett“… 😉

  3. helmut krämer Says:

    Haimonskinder:4 Buchen die in Gedenken an die 4 Brüder gepflanzt wurden. In den 60. Jahren abgebrand u. 2014, von Helmut Krämer, wieder neu ( im Görschel in Alsbach ) angepfanzt.


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