Hoch in die Berge: Jugenheim – Neutsch (11,5 km)

25. Oktober 2008

Samstag.

Schöner Herbsttag, mit viel Sonne und frischer Luft und blauem Himmel und so.
(wenn auch mit ohne Fernsicht, weil so diesig – man kann halt nicht immer alles haben…)

Und auch noch der letzte Tag vor der Umstellung auf die nervige Winterzeit, die das Joggen zu normalen Tageszeiten unmöglich macht, weil´s plötzlich schon kurz nach dem Mittagessen dunkel wird.

Da muss man ja einfach laufen gehen, oder?

Und am Besten was Schönes – nicht wieder irgendwo in den ollen Hügeln hinterm Haus rumeiern oder aus Verlegenheit irgendeine schon X-mal absolvierte Rübenäckerroute runterreissen, nee, nee, nee.
An so einem Tag läuft man in den Odenwald!
(zumindest wenn man in der Nähe wohnt. Läufern in Rostock, Dubrovnik oder Kuala Lumpur sei es hiermit verziehen, falls sie´s heute nicht in den Odenwald geschafft haben… 😀 ).

Da traf sich´s gut, dass sich für heute Abend die Gelegenheit zu einer One-Way-Tour nach dem klassischen Erfolgsmodell „Loslaufen – Anderswo Ankommen – Sich Dort Zum Abendessen Einladen Lassen – Danach Heimgefahren Werden“ bot, die nahm ich natürlich sofort wahr.

Entsprechend sah der Plan für heute wie folgt aus: Von Jugenheim starten, bis Seeheim Laufen, dann ostwärts in die Berge abknicken, am nordende des Frankenstein-Massivs entlang, durchs idyllische Beerbachtal, hoch auf die herrliche Neutscher Höhe und schließlich ins pittoresk-abgelegene Höhendörfchen Neutsch. Nicht zu weit, aber anspruchsvoll, weil´s tendenziell nur berghoch geht – so wie ich´s mag! 🙂


So gegen 17:00 aufgebrochen, raus in den wunderbar rotgoldenen Herbstabend. Noch relativ mild draussen, aber ich hatte mich vorsorglich etwas wärmer angezogen, denn in den Tälern und am Osthang des Bergstrassenkamms wird´s früh dunkel und schattig und kalt, und ich schwitze lieber ein bisschen anstatt zu frieren. Beinahe hätte ich auch noch den Foto eingepackt, aber im letzten Moment liess ich ihn doch noch zurück – war schon spät, da wollte ich keine Zeit mit ständigen Fotopausen verschwenden, außerdem würde das schöne Licht nicht so lange halten, und Herbstwaldbilder hab´ ich letzter Zeit ja eh schon genug gepostet. Deshalb kein Foto, sorry…

Zuerst mal nordwärts durch Jugenheim. Die übliche Route auf dem Blütenweg: Pauerweg (wunderschön der Mittelteil, wo der Pauerweg nur für Fußgänger zugelassen ist und zwischen parkartigen Villengärten hindurch führt, deren imposanter alter Baumbestand im Abendlicht erstrahlte), durchs Balkhäuser Tal, die Hauptstrasse hoch, vorbei am alten Rathaus, dem Roseneck und dem Eingang zum Heiligenberg, geradeaus in die Seeheimer Str., dann rechts ab und auf der Strasse „Am Tannenberg“ hoch in den Wald unterhalb der Alexanderhöhe (wer sehen will, wie das so aussieht, kann ja mal hier schauen).

Ack! Erste richtige Steigung für heute! Und gleich richtig steil – oftmals gehe ich das Stück „Am Tannenberg“ ja einfach hoch, weil´s so fies ist. Heute aber nicht, da heute kämpfte ich mich japsend/joggend hoch, und hielt dabei nicht mal für die ehemalige Mitschülerin an, die ich seit Jahren nicht mehr gesehen hatte und die völlig unerwartet mit ´nem Kinderwagen aus der Seitenstrasse „Hinter der Schule“ rausgejuckelt kam – brachte gerade mal ein atemlos-überraschtes „Hi“ raus, dann war ich vorbei und hab´ jetzt ein ziemlich schlechtes Gewissen, weil ich nicht mal richtig „Hallo“ gesagt habe. Mist.
Na ja, beim Nächstenmal, wahrscheinlich so gegen 2013, wenn sie dann noch mit mir reden will…

Am Ende der Strasse die kleine, steile Treppe hoch in den Wald, die ging ich dann doch (ich bin schließlich nicht Rocky), und bog oben links auf den Weg SJ3 (ausserdem kurz Burgenweg/blaues B, aber der geht bereits nach 100 m. halbrechts ab, während SJ3 geradeaus führt) ein.
Wunderbares Stück, am Westhang direkt oberhalb der letzten Jugenheimer Häuser durch den Wald nach Norden, voll im herrlichen Licht der Abendsonne, die durch die lichten Wipfel strahlte und den Wald in einen rotorangebraungelbe Lichtschleier tauchte (und es gut warm machte, da bereute ich ein bisschen, die Jacke über das Laufshirt gezogen zu haben).

Insgesamt knapp einen Kilometer über Norden, meist eben, erst über dem Waldrand, zwischendurch kurz durch die Schneise unterhalb der Lufthansa, dann wieder durch den Wald oberhalb von Seeheim, mit schönem Blick auf den Ort runter, bis ich schließlich am Kranichweg, direkt vor dem südlichen Eingang zum Goldschmidt-Park, ankam.
Kreuzung.
Links geht´s runter ins Dorf.
Geradeaus in den hübschen Goldschmidt-Park über dem Dorf.
Und rechts auf dem sacksteilen Kranichweg Kranichweg ein kleines Seitental hoch zum Lufthansa-Schulungszentrum
Hmm. Eigentlich hatte ich geradeaus gewollt. Aber andererseits war da der Lockruf der Lufthansa – Hmmm…

Um das mal kurz für den auswärtigen Leser zu erklären: Anfang der Siebziger hat die Lufthansa ihr internationales Schul- und Fortbildungszentrum in den Wald oberhalb von Seeheim gebaut, einen Komplex aus mehreren eher unansehnlichen Großgebäuden, die seitdem charakteristisch und weithin sichtbar über dem Ort thronten und Seeheim in der weiten Welt der Luftfahrt bekannt machten.
Na ja, zumindest bis 2006, da hat die Lufthansa nämlich beschlossen, dass das alte Schulungszentrum nicht ausreicht, alles abgerissen, und baut seitdem ein neues Schulungszentrum da oben, das zwar auch nicht hübscher ist (zumindest nach der laienhaften Meinung des Autors), aber dafür noch mal ein ganzes Stück größer sein wird.
Und seitdem ist da oben gesperrt.
Riesenbaustelle, Bagger, Krähne, Laster, Bauschutt, alles hinter Zäunen voller Verbotsschilder, darf man als Passant nicht durch. Was bedeutet, dass ich seit Blogbeginn nicht mehr an der Lufthansa vorbeijoggen konnte, und da entsprechend ein Loch in meinem Laufnetz klafft.
Das ist unschön, und ich würde es gerne schließen.
Das Problem: Keine Ahnung, wann man da oben wieder durch darf.
Die entsprechende LH-Website ist zwar voll mit dem üblichen und irgendwie etwas peinlichen „feel the spirit/yours is the future/wir sind ja so´n schweinegeiler Superhaufen“-PR-Geschwafel, aber ob und wann genau das Gelände wieder für Jogger geöffnet ist, das steht da natürlich nirgendwo.
Und von unten sieht man´s auch nicht.
Also muss man halt immer mal wieder vorbeilaufen und schauen, ob´s man nicht vielleicht wieder durch kann.

Tja, und da stand ich heute eben mal wieder, direkt unterhalb der Baustelöle und ich dachte mir: „guckste halt mal“.
Also nicht wie geplant geradeaus, sondern rechts. Den Kranichweg hoch.
Der ist nicht lang. Vielleicht 200 oder 250 m.
Aber er ist S-T-E-I-L !!!!!! 40+ Höhenmeter auf dem kurzen Stück, das zieht fies rein!
Ich kämpfte mich hoch.
60 m.: Keine Absperrung, kein Verbotsschild, vielleicht war ja wieder offen.
120 m.: Links tauchte der untere Teil des Komplexes hinter den Bäumen auf. Machte schon einen recht fertigen Eindruck.
Ich übrigens auch. Puuuuuuuhhhh!!! Weiterhin kein Zaun, keine Verbotsschilder.
180 m.: Der Parkplatz am oberen Ende des Kranichwegs kam in Sicht. Voller Baucontainer und Bagger und so´n Zeug. Immer noch nicht abgesperrt. Meine Beine taten weh. Auasteilauaaaa!
230 m.: Argl. Oben. Atempause. Vor mir fuhr ein Bagger, rüber zur Baustelle. Die sah von hier aus allerdings noch ziemlich unfertig aus, es wurde gearbeitet, alles schlammig, voller Baustoffe, wirkte nicht richtig begehbar. Ich überlegte kurz, ob ich nicht trotzdem drüber laufen und so tun sollte, als würde ich hierher gehören (wieviel rotgesichtige Jogger mit hässlichen Lycraleggins aber ohne Schutzhelm gehören wohl zum Team?).
Aber dann liess ich´s lieber doch bleiben und kraxelte stattdessen einen winzigen Trampelfpad am Hang hoch, von dem ich wusste, dass er mich auf den Saar-Rhein-Main-Weg (gelbes Plus) oberhalb der Lufthansa bringen würde, auf dem ich den Baustelle umgehen konnte.
Mist. Extra-Höhenmeter, und die ganze Plackerei umsonst.
Doofe Lufthansa….

Der Aufstieg bis zum Saar-Rhein-Main weg war noch mal ziemlich anstrengend, selbst gehend (unjoggbarer Pseudo-Trampelfpad durch den Wald, um den Bauzaun rum, dann noch kurz durch die Wiese). Aber dann ging´s erstmal ein Stück eben/bergab weiter, über der Lufthansa durch den Wald, dann runter auf den Lufthansa-Ring unterhalb des Komplexes, den ich dann weiter bergab (aaah, bergab) bis an die K143 im Ober-Beerbacher Tal oberhalb von Seeheim lief.

Uijui, noch nicht mal richtig in den Bergen, und ich war schon ein bisschen angestrengt. Anscheinend war ich heute nicht ganz so fit, wie ich gedacht hatte.

Und es wurde erstmal nicht besser. Über die Landstrasse und auf der anderen Seite wieder in den Wald hoch, auf dem Burgenweg (blaues B) in Richtung Karlshöhe/Zehn-Wege-Platz.
Gleich noch so´n steiles Stück. Nicht ganz so fies wie „Am Tannenberg“ oder der Kranichweg, aber doch schon sehr ordentlich. Und lang.
Aaanstrengend.

Halber Kilometer Anstieg (keuch!!), dann rechts ab, auf einen unmarkierten Waldweg, den ich noch nie genommen hatte, der aber auch zum 10-Wege-Platz führt (merke: Wenn ein Ort schon so heisst, führen ziemlich viele Wege dahin). Hübsch, weil voller scharlachrotem Laub in der Abendsonne. Und Anstrengend, weil auf einen Höhenrücken führend und entsprechend weiterhin steil, zumindest auf die ersten paar hundert Meter.
Ack! Da musste ich zwischendurch ´ne kleine Gehpause einlegen.
Wirklich nicht mein Tag…

Immerhin, als ich erstmal auf dem Höhenrücken war ging´s, und nach knapp 600 m. kam auch schon (schon?) der 10-Wege-Platz, bei dem es sich um eine kleine Lichtung mit Hütte handelt, von der – wer hätte das Gedacht – total viele Wege in Richtung Frankenstein, Seeheim und Ober-Beerbach abgehen (keine Ahnung, ob´s wirklich zehn sind, jedesmal wenn ich zähle, krieg ich was Anderes raus. Aber grob kommt´s hin…).

Hier bog ich dann endlich Richtung Odenwald ab, hinter der Hütte halbrechts, auf einen angenehm wenig steilen Waldweg, der oberhalb des Ober-Beerbacher Tals nach Nordosten führt (Markierung: Gelbes V). Osthang, entsprechend war´s ab hier schattig und frisch, weil die tief stehende Sonne vom Höhenkamm an der Bergstrasse weggeblockt wurde. Plötzlich war ich froh, ´ne Jacke drübergezogen zu haben…

800 m. sanft bergauf durch den hübschen Wald, bis zum Schweizerloch, einer langgezogen Lichtung in einem Seitental über dem Ober-Beerbacher Tal. Hier geradeaus, über die Wiese rüber, dann am Waldrand auf der anderen Seite links auf den Galgenweg (gelbe 6) hoch.
Wieder mal bergauf, 600 m. auf serpentinigen Kurven durch den Wald hinter dem Dammrücksbühl.
Oh mann, fiel das schwer. Heute war ich wirklich nicht besonders bergfest, da kostete jeder Schritt richtig kraft, und das, obwohl die Steigung mit ca. 10% eigentlich noch ganz manierlich war.
Ächz!

Irgendwann eine Lichtung mitten im Wald, mit einer Trauerweide drauf, sowas sieht man hier oben nicht allzuoft. Hier rechts, auf einen mit dem gelben V markierten Querweg („V“ steht bei den Geopark- und Lokalmarkern im Odenwald übrigens immer für „Verbindungsweg“), auf dem ich nach einem halben Kilometer (mit einer Steigung, die dankenswerterweise nur im mittleren einstelligen Prozentbereich lag) die Fahrstrasse erreichte, die vom Beerbachtal hoch auf den Frankenstein führt.

Puuh!
Kurze Bestandaufnahme:
– Umgebung dämmrig und kalt, aber trotzdem hübsch.
– Zeitlich ordentlich im Verzug, wegen dem Umweg an der Lufthansa und weil ich beim Bergauflaufen heute etwas langsamer als erwartet war – würde mich ranhalten müssen, falls ich noch vor Einbruch der Dunkelheit in Neutsch sein wollte (ursprünglich hatte ich ja gehofft, pünktlich zum Sonnenuntergang auf der Neutscher Höhe zu sein, aber das stand inzwischen ausser Frage).
– Form: Mäßig. War zwar eigentlich weiterhin guter Dinge, aber die Steigungen machten mir einfach unheimlich zu schaffen, und bis Neutsch lagen noch einige vor mir.
Na ja…

Zuerst mal ging´s aber bergab, auf der kurvigen Frankensteinerstrasse runter ins Beerbachtal bis an die L3098 zwischen Ober- und Nieder-Beerbach. Eigentlich ja angenehm, aber eben auch verlorene Höhenmeter – alles was ich jetzt runterlief, würde ich auf der anderen Talseite wieder hochschnaufen müssen…

Dort dann links, kurz auf der Landstrasse talabwärts in Richtung Nieder-Beerbach. Wie üblich kein Randstreifen oder Radweg, aber heute war´s nicht schlimm, denn auf der in blaue Abendschatten gehüllten Strecke herrschte tote Hose. Kein Verkehr, da konnte man auch gut auf der Fahrbahn laufen. Nach knapp 200 m. rechts ab, auf den unmarkierten Weg am Gelände des Reit- und Fahrvereins Nieder-Beerbach runter in den Talgrund südlich vom alten Schloss.
Kurz zwischen ein paar Pferden auf dem Weg vom Reitplatz zu den Ställen durchlaviert, um eine Linkskurve und dann…

aaaaaargll!

…die östliche Talwand hoch.

Oh je.
Eigentlich ist das Beerbachtal ja total idyllisch, mit seinen hübschen, steilen Hangwiesen, die wunderbar von den umliegenden Höhenzügen umschlossen werden.
Aber genau da liegt dann auch das Problem: Höhenzüge und steile Hangwiesen.
Wer hier raus will, der muss klettern (ausser der nimmt den bequemen unteren Talausgang ganz im Norden, aber das will ja niemand).
Und das ist fast überall superanstrengend.

So auch hier: Direkt hinter der Kurve ein fieser Hohlweg (das sind ja immer die schlimmsten), der bis auf die Anhöhe zwischen altem Schloss und Adlerhöhe führt, und dabei knapp 15% Steigung hat.
Da war nach der Hälfte Schluss, weitere kleine Gehpause.
Heidenei.

Oben auf der Anhöhe stösst der Weg dann auf den Alemannenweg (rotes S), dem ich nach rechts folgte. Schönes Stück, am oberen Rand eines schmalen Wiesentals mit Weiden und vielen Obstbäumen, auf der gegenüberliegenden Talseite der dunkle Hangwald des Bieberwoogs. Und ganz wenig Steigung, das war gut.
Besonders überrascht war ich allerdings vom Zustand des Weges – als ich hier vor einem halben Jahr das letze Mal vorbeigekommen war, hatte sich der Alemannenweg in einem erbärmlichen Zustand befunden: Umgestürzte Bäume allenthalben, dazwischen
eine glibbrige, unebene Kraterlandschaft aus Schlammbergen und knietief eingefrästen Furchen, die offensichtlich von irgendwelchen Forstarbeiterbaggern hinterlassen worden waren. Damals konnte man hier nicht mal richtig gehen, geschweige denn joggen.
Heute war davon nichts mehr zu sehen: Der Alemannenweg befand sich in einem exzellenten Zustand, mit einer breiten, gepflegten Oberfäche aus feinem Kies, der angenehm festgestampft war und sich prima laufen liess.
Großartig! Wer auch immer für die Instandsetzung der hiesigen Wanderwege verantwortlich ist – Hut ab, und vielen Dank, das ist richtig gut geworden!

Der Alemannenweg führt ca. 700 m. an der Talwand nach Südosten bis in den Wald am Bieberwoog (bzw. teilweise den Ex-Wald am Bieberwoog, denn zumindest der Hang rechts des Weges ist von Orkan Kyrill [?] fast vollends abgeholzt worden). Dort schlängelt er sich dann auf einem winzigen Waldpfädchen runter in den Talgrund, überquert den Bach auf einer uralten Steinplatte, und führt dann auf der anderen Talseite bergauf durch den Wald zur Neutscher Höhe. Bis hinter den Bach machte ich alles mit, dann bog ich allerdings links ab, anstatt dem Alemannenweg nach rechts zu folgen (denn das Stück rechts kannte ich schon).

200 m. nordwärts auf gleichbleibender Höhe durch den inzwischen schon sehr düsteren und sehr kalten Bieberwoogswald, dann um ein sumpfiges Tal herum, schließlich noch mal klettern (ächz!), in einer langen Kurve die Talwand hoch und schließlich oben (endlich!) raus aus dem Wäldchen und geradeaus durch die dämmrigen Wiesen bis zur Hutzelstrasse mitten auf der Neutscher Höhe.

Puuuh!

Kurze Pause. Nicht mal primär zum Verschnaufen, sondern vor allem zum Geniessen.

Abendstimmung auf der Neutscher Höhe.
Um mich herum das große, wunderschöne Hochplateau mit seinen sanften Rundungen, geschwungenen Kuppen und kleinen Hügeln, die ganz anders aussehen als der Rest des vorderen Odenwalds, der ja vor allem steil, schroff und bewaldet ist. Hier dagegen: Weite, offene Landschaft aus Feldern, Wiesen und kleinen dunklen Hainen, rundum eingerahmt von den größeren Höhenzügen der Umgebung, deren charakteristische Kuppen im dunstig-mystischen Licht der Abenddämmerung klar erkennbar waren: Melibokus, Steigerts, Felsberg, Neunkircher Höhe, Frankenstein, alle da, in perfekten scherenschnittartigen Silhouetten. Im Westen glüht der Himmel noch im feurigen Orangerot des verpassten Sonnenuntergangs, im Osten, hoch über dem schläfrigen Neutsch in seiner kleinen Talmulde, wird er bereits samtig purpurfarben und die ersten Sterne zwinkern durch.

Aaaah, schön hier oben (wie immer eigentlich…)
Das war die Anstrengung allemal wert!

Und ich war ja auch schon fast da: Schnell noch links die Hutzelstr. in Richtung Frankenhausen (Markierung: Das Weisse Andreaskreuz des europäischen Fernwanderwegs 1), nach 300 m. rechts ab, auf dem Weg OB1 durch ein Stoppelfeld auf eine kleine Kuppe, dort links, am Waldrand des Hundsrück (nicht zu verwechseln mit dem Hunsrück – mit „D“ ist es ein kleiner Berg an der Neutscher Höhe, ohne „D“ ein grosses Mittelgebirge in Rheinland-Pfalz) entlang bis auf den HW 12 (weisser Doppelbalken), und den dann rechts runter, unter den konsternierten Blicken einer zottigen Hochlandrinderherde ins pittoresk-schläfrige Neutsch, wo ich mit dem allerletzten Abendlicht das Ziel der heutigen Tour beim Gasthaus Lautenschläger erreichte (das ich ja gerne verlinkt hätte, aber die haben keine Website – das obligatorische Nach-dem-Lauf-Kochkässchnitzel war aber trotzdem exzellent, wenn auch sehr reichlich…).

Schöner Lauf, wenn auch sehr anstrengend: Wenn man von der Bergstrasse in den Odenwald läuft, geht´s nunmal hauptsächlich bergauf, und das oft ziemlich steil – das kostet selbst an einem guten Tag viel Kraft, und ich war heute irgendwie nicht ganz so fit, ich ich gedacht hatte. Trotzdem hat sich´s gelohnt, denn landschaftlich ist die Strecke einfach herrlich, und das gilt nicht nur für die grandiose Neutscher Höhe (deren Loblied ich ja wirklich jedesmal singe, wenn ich dort oben unterwegs bin), sondern auch für die wunderschönen Berg/Talwälder- und Wiesen davor. Ausserdem sind gerade solche Touren immer mal wieder ganz nützlich, denn sie erinnern einen daran, was einen wirklich anstrengenden Berglauf ausmacht: Die richtig harten Strecken sind die, wo´s wiederholt und steil auf und ab geht, das braucht viel mehr Power als der gleichmässige, moderate Anstieg auf irgendeinen hohen Gipfel.
Melibokus? Pillepalle!
Tälertour dahinter? Heidenei!

Strecke: 11,5 km
Zeit: 1:10 h (= 9,86 km/h bzw. 6:05 min/km)
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 56,26% (6,47 km von 11,5 km)
Karte:

M.

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3 Antworten to “Hoch in die Berge: Jugenheim – Neutsch (11,5 km)”

  1. Gerd Says:

    Wenn`s nicht so steil wäre würde mir die Tour auch gefallen 😉
    Ich habe für das nächste Frühjahr den Nibelungensteig für uns beide eingeplant. Den könnten wir an einem Wochenende zusammen laufen. In zwei oder drei Etappen.
    Wollen wir so was mal angehen?
    Mit meiner Familie will ich ihn auf jeden Fall mal erwandern.
    Aber Laufen hätte bestimmt auch seinen Reiz?

  2. matbs Says:

    Ach so steil ist das gar nicht, das war ja nur so anstrengend, weil ich ein bisschen angeschlagen bin… 😉

    Nibelungensteig laufen? Klar, jederzeit! 🙂
    Allerdings wird das kein Zuckerschlecken – gerade die ersten drei oder vier Kilometer von Zwingenberg auf den Melibokus sind so brutal steil, dass ich mich bisher noch nie getraut habe, sie hochzulaufen (und sonst hab´ ich wirklich jeden Aufstieg schon mal gemacht).
    Aber wenn du deine erste Melibokusbezwingung gleich mit der härtesten Variante angehen willst, bin ich dabei!

    Ebenfalls nicht ohne sind auch noch die Anstiege auf den Felsberg, zur Knodener Höhe und nach Lindenfels (die weiter östlich bin ich auch noch nicht gelaufen), aber wenn man erst mal den Melibokus auf dem Luci-Berg-Weg erklommen hat, lacht man da wahrscheinlich drüber… 😀

    Ist auf jeden Fall eine herrliche Strecke, die die Anstrengung auf jeden Fall wert ist!

    Wenn du den Steig vorher mit der Familie erwandern willst, meld´ dich noch mal, vielleicht kann ich euch noch ein paar Tipps geben.


  3. […] rechts in die Strasse “Neutsch”, lief vorbei am Gasthaus Lautenschläger (Zielpunkt dieses Laufs) und bog dann im Dorfkern links in die Strasse “Neutsch” ein, auf der ich abwärts auf […]


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