Wettlauf: Matthias gegen die Nacht (10,3 km)

29. Oktober 2008

Für heute hatte ich mir wieder eine unkomplizierte, kurze Flachlandstrecke rausgesucht.
Von zuhause aus durchs südliche Bickenbach und über die A5, kurz westlich der Autobahn nach Norden, dann durch die bickenbacher Mitte zurück. ´N schneller Zehner, ohne große Erwartungen.

Und gerade als ich loslaufen wollte, hat dann der Robin angerufen.
Das ist an sich eine gute Sache, weil es immer nett ist, mit dem Robin zu telefonieren.
Heute haben wir z.B. über Bänderrisse geredet, und darüber dass Ebay total blöd sein kann, und dass wir letzte Woche VW-Aktien hätten kaufen müssen, und über den neuen Hellboy-Film, und wie es wäre in einer 16 000 m² großen Fabrikhalle zu wohnen, und wo die Netheresen ihren Müll abladen, und dass die verflixten Nordkoreaner ihre neulich angekündigte Erklärung immer noch nicht abgelassen haben und wir deshalb weiterhin nicht wissen, ob Kim-Jong-Il jetzt tot ist oder nicht (wir hoffen natürlich alle das Beste… 😉 ), und über noch so Einiges mehr.
Das Problem ist, dass es immer ein bisschen dauert, mit dem Robin zu telefonieren.
Heute z.B. 48 Minuten und 32 Sekunden (laut meinem Telefon-Display. Das ist da immer sehr penibel).
Und als alles abgeklärt war, war´s auf einmal schon fünf vor fünf. Nachmittags.
Sonnenuntergang heute übrigens um 17:06.

Hrm. Nicht mehr viel Licht zum Laufen da.
Und im Dunkeln lauf´ ich nicht gerne, da verletzt man sich nur.
Wetter war auch beschissen, ganz kalt und trüb und mies und feucht und windig.

Hpfffffhhhhtjaaaaaa, vielleicht sollte ich es da heute doch mal ausfallen lassen, so ganz ausnahmsweise, weil halt und überhaupt so irgendwie… ?

ACH WAS! UNSINN!!!
Schließlich schon Mittwoch, und noch kein Lauf diese Woche, da kann man nicht kneifen!
Spät dran – Na und?
Würde ich halt einfach ein bisschen schneller laufen, um vor Einbruch der Nacht wieder daheim zu sein.

Das hab´ ich dann auch gemacht.

Der Laufblog präsentiert:
DAS GROSSE RENNEN – MATTHIAS GEGEN DIE NACHT!!!!!
Moderiert von Bob und Harry, dem fiktiven Team sportreporternder Dummschwätzer direkt aus meinem Kopf:


Harry: „…keinen Käse, ich hab´ gesagt ich will ein gottverdammtes Mettbrötchen, du dumme Praktikantenschlampe, ein Mettbrötchen!! Ist das denn so schwer?!? Scheisse, ich kann so nicht arbeit… ja? Was? Hallo? Regie? Wie, auf Sendung?
Oh, auf Sendung. Öööh, ja, is´gut.
[Räuspern]
Guten Abend und ein herzliches Willkommen, hochverehrte Leser, hallo liebe Kinder!
Wir befinden uns hier in Südhessen, in Jugenheim an der sogenannten Burgstrasse…“

Bob [aus dem Mundwinkel]: „Bergstrasse, Harry, BErgstrasse“

Harry: „…Bergstrasse, wo wir heute Abend live und in Farbe Zeugen eines der denkwürdigsten sportlichen Grossereignisse dieser Saison sein werden. Bob?“

Bob: „So ist es, Harry, in wenigen Minuten wird sich vor unseren atemlosen Augen ein gnadenloses Duell zwischen zwei totalen Titanen des Laufsports entspinnen, bei dem der junge Herausforderer Matthias versuchen wird, eine 10 000-m. Strecke zu bewältigen, bevor er von der finsteren Altmeisterin Die Nacht eingeholt werden kann. Junge, Junge, ich bin schon ganz aufgeregt und fühle mich wie eine besoffene Debütantin mit Gleichgewichtsstörung vor dem Wienerwalzer!“

Harry: „Har, har, har, Bob, du fühlst dich doch immer wie eine besoffene Debütantin mit Gleichgewichtsstörungen!“

Bob: „Das stimmt allerdings, Harry. Haha.“

Harry: „Har, harhar.“

Bob: „Haha.“

Harry: „Har.“

Bob: „Ha. Aber genug gelacht, Harry. Wie ich gerade aus der Umkleide höre, hat der Herausforderer Matthias soeben ein wichtiges Telefongespräch mit Baden-Württemberg beendet und zieht sich nun um, um rechtzeitig zum Start um 17:00 bereit zu sein. Bis es soweit ist, können wir ja noch schnell einen Blick auf die beiden Kontrahenten des heutigen Abends werfen“

Harry: Das ist eine gute Idee, Bob. Schauen wir uns erstmal das Profil des Herausforderers an. Regie: Bitte einblenden.“

Der Herausforderer

Name: Matthias
Auch bekannt als: „Der Mann da“, „Die laufende Preßwurst“, „M.“
Besondere Merkmale: Knick im linken Ohr, perpetual unrasiert, sieht in echt deutlich besser aus als auf dem seltsamen Foto da oben, hört nicht auf den Namen „Chlodwig“
Spezies: Mensch (Homo Sapiens)
Nationalität: Deutscher Staatsbürger
Alter: 30
Größe: Ca. 1,75 m
Gewicht: Ca. 75 kg
Durchschnittliche Laufgeschwindigkeit: Zwischen 9 und 12 km/h
Längster bisheriger Lauf: Marathondistanz

Harry: „Ein gewinnendes Lächeln hat der junge Mann, das muss man ihm lassen. Aber wird das reichen um die Titelverteidigerin in Bedrängnis zu bringen? Sehen wir uns seine Gegnerin mal genauer an:“

Die Favoritin

Name: Die Nacht
Auch bekannt als: „Mutter des Schlafes“, „Die Zeit zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang“, „La Nuit“
Besondere Merkmale: Dunkel, kommt nur nachts raus, ist kälter als drinnen, hört auch nicht auf den Namen „Chlodwig“
Spezies: Kosmisches Phänomen
Nationalität: Staatenlos
Alter: Unbekannt, wird aber auf einige Milliarden Jahre geschätzt
Größe: Ca. 255 050 000 km²
Gewicht: Unbekannt. Aber sehr leicht für ihre Größe.
Durchschnittliche Laufgeschwindigkeit: Ca. 1000 km/h auf dem 50. Breitengrad (am Äquator schafft sie sogar über 1600 km/h, aber in unseren nördlichen Breiten kriegt sie das nicht hin)
Längster bisheriger Lauf: Unbekannt, weil noch nicht beendet. Hat vor Milliarden von Jahren angefangen und seitdem mehrere Billionen mal die Erde umrundet.

Bob: „Tja, Harry, wenn man die beiden Profile so miteinander vergleicht, da scheinen die Karten ja klar verteilt zu sein, oder?“

Harry: „Auf jeden Fall, Bob, auf jeden Fall. Der Herausforderer bringt zwar einen klaren Altersvorteil mit, doch sowohl bei Ausdauer als auch bei Geschwindigkeit läuft Die Nacht ganz eindeutig in einer eigenen Liga, da bleibt für Matthias wirklich nur eine winzige Aussenseiterchance…

Bob: „Beispielsweise wenn Die Nacht sich Verläuft oder unterwegs einen Herzkasper kriegt“

Harry: „…aber davon ist nicht auszugehen, Bob. Harharharhar.“

Bob: „Hahahahaha“

Harry: „Harhar. Aber im Ernst Bob, das wissen natürlich auch die Veranstalter, deswegen wird der Herausforderer ja auch mit einem kleinen Vorsprung in Rennen geschickt, der seine geringe Chance auf den Sieg ein wenig aufbess…“

Bob: „…und da tritt er gerade vor die Haustür und geht runter zum Startblock auf dem Bürgersteig vor dem Hoftor. Wie ich sehe, hat er sich heute für eine Kombination aus unvorteilhafter Lycra-Leggins,…“

Harry: „…sehr unvorteilhaft, Bob.

Bob: „…sowie einem kurzem Shirt unter einer leichter Windjacke entschieden, insgesamt also eine recht schwerer Dress, oder was meinst du, Harry?“

Harry: „Ja, Bob, da hast du ganz recht, aber das liegt vermutlich an den recht widrigen Witterungsbedingungen, die heute herrschen, und soll wahrscheinlich ein zu schnelles Auskühlen verhindern.“

Bob: „Kann ich verstehen, Harry, das Wetter da draussen ist wirklich grausig, da sind wir doch beide froh, dass wir hier in unserem gutbeheizten imaginären Reporterkabuff sitzen und unsere Käsestullen verdrücken dürfen, oder?“

Harry [leise, quengelig]: „Ich aber will ein Mettbrötchen“

Bob: „UND DA IST ER AUCH SCHON GESTARTET!!! Punkt 17:00 Uhr, und der Herausforderer hat sich auf den Weg gemacht, und das gleich mit einem strammen Tempo. Na wenn er das mal durchhalten kann…

Harry: „Aber was macht er denn da, Bob, er läuft ja nach Süden, in Richtung Olsbach…

Bob [wieder aus dem Mundwinkel] „…esheisstalsbach“

Harry: „…Alsbach? Aber die Nacht kommt doch von Osten, sollte er da nicht lieber geradewegs nach Westen laufen, um möglichst lange vor ihr zu bleiben?“

Bob: „Ich glaube, das will er auch, Harry, aber wenn du dir die Umgebung ansiehst, wirst du sehen, das auf diesem frühen Teil der Strecke kein Weg direkt nach Westen abgeht. Deshalb wird er vermutlich erst versuchen, ein Stück ins freie Feld zwischen Jugenheim und Alsbach zu laufen, um dort dann nach Westen abzubiegen und runter an die L3100 zu laufen“

Harry: „Ja, du hast recht, jetzt ist er schon draussen im Feld, und da, da ist er gerade abgebogen…“

Bob: „Eine astreine Kurve Harry, scharf aber ohne viel Geschwindigkeitsverlust, und jetzt kann er erst mal ein Stück bergab laufen, runter an die Landstrasse, das ist ein Vorteil für ihn, denn er ist bekannt dafür, auf abfallenden Passagen etwas schneller zu sein, im Gegensatz zur Nacht, die in der Regel kaum Vorteile aus Gefällen ziehen kann…“

Harry: „Apropos Nacht, Bob, ich höre gerade, dass sich die Favoritin an die Verfolgung gemacht hat, und sich inzwischen bereits mit hoher Geschwindigkeit durch Böhmen bewegt.

Bob: „Das sind noch vielleicht noch 300 km bis hierher, eine ordentliche schöne Entfernung, aber wie ich die Nacht kenne, wird sie dafür nicht allzulange brauchen. Das sieht nicht gut für Matthias aus…“

Harry: „Obwohl der sich bisher tapfer schlägt, und inzwischen unten an der L3100 angekommen ist. ABER WAS IST DAS!!! ER WIRD LANGSAMER, ER MUSS ANHALTEN…!“

Bob: „Uuh, da hat gerade etwas Pech, da unten ist Feierabendverkehr, da muss er anhalten und warten, bis er die Strasse überqueren kann. Das wird ihn wertvolle Sekunden kosten…“

Harry: „…zumal sich die Nacht in der Regel nicht von befahrenen Strassen aufhalten lässt, die brettert da einfach drüber als wär´s nix!

Bob: „Stimmt, Harry, das ist einer der Vorteile, die man bei diesem Sport als körperloses kosmisches Phänomen hat.

Harry: „Matthias hat das Hindernis inzwischen überwunden, und macht nun wieder ordentlich Fahrt, geradewegs durch die Äcker runter nach B…. [Papier raschelt] …Bi…Bick…wieheistdas… Bick-ken-bach. Bickenbach

Bob [leise]: Oh mann, nimm das nächste Mal deine Lesebrille mit, du seniler Penner…
Bob [laut]: …und da ist er auch schon angekommen, in Bickenbach, einem ruhigen 6000-Seelen-Örtchen am Fuße der Bergstrasse. Gleich hinter dem Ortseingang biegt er links ab in die… das ist die… Alsbacher Strasse, wenn ich mich nicht irre, die er kurz nach Süden runter läuft. Und da biegt er schon wieder rechts ab, in die… Hügelstrasse. Sieht so aus, als wollte er den Ort jetzt geradewegs in westlicher Richtung durchqueren…“

Harry: „Entschuldige, dass ich dich unterbreche Bob, aber ich höre soeben, dass gerade die Sonne untergangen ist, auch wenn wir das hier unten nicht mitgekriegt haben, weil es zu bewölkt ist. Kannst du unseren Lesern kurz erklären, was das für das Rennen bedeutet?“

Bob: „Nun, an sich bedeutet das erstmal nur, dass ab jetzt das direkte Sonnenlicht wegfällt, aber davon hatten wir heute eh nicht so viel, das macht nicht so viel aus. Wichtiger ist allerdings, dass der Sonnenuntergang in der Regel ein Vorbote Der Nacht ist, deren erste Ausläufer sich vermutlich bereits in den nächsten Minuten hier eintreffen werden. Fachleute nennen das die „Dämmerung“

Harry: „Faszinierend, Bob, faszinierend. Und wo wir gerade von der Nacht sprechen, die hat inzwischen die tschechische Grenze passiert und durchquert jetzt mit Riesenschritten Franken und die Oberpfalz. Ein grandiose Aufholjagd, wenn sie dieses Tempo durchhält, wird Matthias wohl kaum eine Chance haben!“

Bob: „Das sehe ich auch so Harry, obwohl sich der Herausforderer redlich abmüht. Inzwischen hat er 400 m. Hügelstr. hinter sich gelassen, und gerade in diesem Moment wechselt er auf Höhe des Spielplatzes nach links auf die Carlo-Mierendorff-Strasse. Ooouh, das sind zwei ganze scharfe Kurven da unten, da verliert er wieder Zeit, das sind zwei, drei Sekunden, die sich später noch als ganz wertvoll erweisen können.“

Harry: „Immerhin ist die Mohrendorf-Strasse…“

Bob [Leise, verdreht die Augen]: „…mierendorff…“

Harry: „…danach gerade, da kann er wieder aufdrehen, und das tut er auch, und wie er aufdreht, geradewegs runter bis an die… an die… [mehr Papier raschelt] …an die B3, und da hat er mal Glück, kein Verkehr, da kann drüber ohne Zeit zu verlieren, durch den Dingsweg da…“

Bob: „Das ist der Holunderweg“

Harry: „…und raus aus Beckenbach, geradeweges in die Felder rennt er, lässt sich von nichts aufhalten der Junge, da ist er wirklich fix unterwegs.“

Bob: „Trotzdem, Harry, das wird nicht reichen, denn wie ich gerade erfahre, hat die Nacht gerade Nürnberg hinter sich gelassen und ist nun auf dem Weg nach Würzburg. Wenn da nichts Unerwartetes mehr passiert, wird sie in weniger als 15 Minuten hier sein, und Matthias hat noch nicht mal die Hälfte der 10 Kilometer geschafft.

Harry: „Uh ja, das sieht schlecht aus, Bob. Aber er versucht´s immerhin, sieh mal, jetzt ist er schon auf der Wilhelmine-Daimler-Strasse…“

Bob [resigniert]: „Berta-Benz-Strasse, Harry, Berta-Benz-Strasse…“

Harry: …von der hat er mir im Vorfeld noch gesagt, dass er da ganz besonders aufpassen will, weil´s er da direkt auf der Fahrbahn unter den Gleisen durchgeht, und es keinen Fußweg gibt, das können wir uns ja gerade nochmal mal anschauen:“

[Drei Sekunden passiert nichts, dann hören wir Matthias Stimme aus dem Off]:
Matthias: Äh, äh, ja, isch bin mendal guud drauf, und äh wenn isch hinne rischtisch steh un vornne kei Fehleräh mach, dann äh, bin isch mendal escht guud drauf. Bloss in de Berta-Benz-Straase, da muss isch ufpasse, äh, weil da muss isch direkt an de Fahrbahn unner die Schiene dorsch äh äh, und da gibt´s doch kein Fuuswesch. Äh. Aber wenn isch mendal guud drauf bin schaff isch des. Äh.“

Harry: „…und er hat´s geschafft, gerade kommt er aus der Senke unter den Gleisen wieder raus, da geht´s etwas bergauf, das macht ihm ein bisschen zu schaffen, könnte man meinen

Bob: Na ja, der Junge versucht´s eben. Jetzt wechselt nochmal rüber, vom Strassenrand auf einen kleinen Weg etwas weiter links, läuft bis zur Kurve an der Großgärtnerei, da biegt er links ab und rennt den Radweg 17 runter zur Sandwiese. Jetzt hat er noch mal 800, 900 Meter Ggerade, das ist gut, da kann er´s noch mal versuchen…“

Harry: …UND DIE NACHT IST IN WÜRZBURG, hören wir gerade!“

Bob: „Au ja, wir sehen´s auch schon. Guck dir das an, Harry, wie Dunkel es da unten schon ist, die Orte rundherum haben schon die Strassenbeleuchtung eingeschaltet, das ist wirklich nur noch eine Sache von Minuten, das ist gleich vorbei.“

Harry: „Ja, da kann Matthias rennen wie er will, das packt er nicht mehr. Aber er versucht´s, das muss man ihm lassen. Da, jetzt ist er schon fast an der Sandweide…“

Bob: „Wiese. Sandwiese.“

Harry: „…und jetzt biegt er rechts ab, nochmal nach Westen, hin zur Autobahn. Ou, das ist ein langes Stück, das braucht seine Zeit, und er scheint auch nicht mehr so ganz taufrisch zu sein…“

Bob: „…im Gegensatz zur Nacht, die lässt sich wirklich durch nichts und niemanden aufhalten, das ist einfach phänomenal. Gerade eben ist sie über den Main gesprungen und hat jetzt den Odenwald erreicht, das geht jetzt nur noch um ein paar Minuten!“

Harry: „Aber Matthias kämpft, gerade spurtet er hoch auf die Autobahnbrücke am Lendenhof…“

Bob [matt]: „Lindenhof

Harry: „Da! Hamse das gesehen, da wird er fast noch von einem Laster erwischt, der da unvermutet den asphaltierten Wirtschaftsweg zur Brücke hochschnauft, aber da weicht er in letzter Sekunde ans Brückengeländer aus, das sind vielleicht 30, 40 cm Platz neben dem Laster, eine gaaanz Enge Sache, meine Güte, was für eine Dramatik…

Bob: „Und jetzt ist er hinter der Autobahn, da kann er wieder etwas bergab laufen, runter von der Brücke und am Lindenhof vorbei, und er versucht´s, aber das hilft nichts mehr, denn da ist sie jetzt, von hinten kommt sie mit einem wahnwitzigen Tempo aus dem Odenwald angeschossen, die Nacht, jetzt macht sie noch einen Satz rüber über die Bergstrasse, und dann ist sie unten in der Ebene“

Harry: „Oooouh, ja und der Matthias, der versucht´s noch, der rennt also ob´s kein Morgen gibt, aber das bringt ihm alles nichts mehr, da ist er einfach zu langsam…“

Bob: „UND JETZT HAT SIE IHN, meine Damen und Herren, die Nacht ist da, sie hat ihn eingeholt und zieht an ihm vorbei, mit einem wahnwitzigen Tempo, das muuuuss man gesehen haben.“

Harry: „Hoho, die nimmt ihn nicht mal zu Kenntnis, so eilig hat sie´s, die rauscht durch wie nix…“

Bob: „Ja, das ist unglaublich, Milliarden von Jahren alt, und kein bisschen langsam, die Nacht, das macht ihr so schnell keiner nacht, die geht ab wie Schmidts Lumpi seine Katze“

Harry: „Harharharhar!“

Bob: „Hohohoho“

Harry: „Harhar“

Bob: „Hoho“

Harry: „Har…“

Bob: „Ho…“


[es folgt eine kleine Pause]

Harry: „Du, Bob?“

Bob: „Ja, Harry?“

Harry: „Und jetzt?“

Bob: „Keine Ahnung. Ich seh auch nichts mehr. Ist ja dunkel.“

Harry: „Und die Sache ist auch gegessen, die Nacht holt der Fettsack nicht mehr ein“

Bob: „Nee, du, auf keinen Fall, so lahm wie der ist.“

Harry: „Also spannend ist das jetzt nicht mehr.“

Bob: „Nö, wirklich nicht. Können wir eigentlich auch genausogut Feierabend machen.“

Harry: „Hab´ ich mir auch grad gedacht. Ich wollte mir eh noch ein Mettbröttchen in der Kantine holen“

Bob: „Ok, machen wir Schluss.
[Räuspert sich]
Meine Damen und Herren, liebe Kinder, und damit beenden wir unsere Berichterstattung vom großen Rennen Matthias gegen die Nacht. Die Nacht hat haushoch gewonnen, und Matthias hat versagt und steht nun irgendwo im dunklen Niemandsland westlich der A5, wo ihn wahrscheinlich die Wölfe fressen werden. Ich hoffe, sie hatten genausoviel Spass wie wir, zappen sie mal wieder rein. Am virtuellen Mikrofon verabschieden sich ihr Bob…“

Harry: …und ihr Harry. Gute Nacht.“
[Bob und Harry stehen auf und verlassen das imaginäre Studio. Das Licht geht aus. Eine Tür schlägt, dann sich leise entfernende Schritte. Schließlich Stille.]

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Matthias: „Hallo? Haaallooo? Bob? Harry? Ist da noch wer? Hier ist es dunkel und mir ist kalt. Halloooooooooo?“

[Wenn August wäre, würden jetzt die Grillen zirpen. Aber es ist Ende Oktober, deswegen dröhnt nur die Autobahn]

Matthias: „Och menno, alle weg. Na gut. Blog ich den Rest vom Lauf eben wieder selbst…“

[wechselt zurück in den normalblog-Modus]

… wurde es dann richtig dunkel . Noch ein bisschen Dämmerung, und die dichten Wolken reflektierten Einiges an Restlicht zurück in die Ebene, aber das war´s. Entsprechend beeilte ich mich auch weiterhin, um die letzten kümmerlichen Tageslichtreste auszunutzen. Runter von der Brücke, dann vor dem Weilerhügel rechts auf den Weg H1, und am Erlenhof und der Hainlache vorbei durch die dunklen Äcker, bis ich auf den Saar-Rhein-Main-Weg stiess (gelbes Plus). Denn rechts hoch bis zum Lindenhof (übrigens mit einem leicht mulmigen Gefühl, denn das ist genau die Strecke, auf der ich mir seinerzeit im Dunkeln den Bänderriss geholt habe).

Am Lindenhof wieder rechts, über die Autobahnbrücke, ins Bickenbacher Gewerbegebiet, am Bahnhof unter den Gleisen durch nach Bickenbach (dank Strassenbeleuchtung nicht mehr ganz so finster), und geradwegs durch den Ort nach Osten: Banhofstr., Bachgasse, Steingasse, Darmstädter Str., Jugenheimer Str.). Weiterhin im oberen Leistungsbereich, aber ich wollte das schnell zu Ende bringen.
Am Ende von Bickenbach geradeaus bis nach Jugenheim, Bickenbacher Str., Hauptstr., Alsbacher Str., Heim. Die letzten paar hundert Meter noch mal alles gegeben, und schließlich fix, fertig und naßgeschwitzt zuhause angekommen, während sich die arrogante Nacht gerade irgendwo weit im Westen über Paris hermachte.

Mensch: 0
Natur: 1
Beim nächstenmal muss ich einfach wieder mit mehr Vorsprung starten… 😉

Strecke: 10,3 km
Zeit: 0:54 h (= 11,44 km/h bzw. 5:15 min/km)
Karte:

M.

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15 Antworten to “Wettlauf: Matthias gegen die Nacht (10,3 km)”

  1. Ingo Says:

    Großes Kino.

    Cool wär ja, wenn du jetzt regelmäßig gegen Naturgewalten anträtest, gegen Erdbeben oder Tsunamis oder mal gegen ne Lawine.
    Die Zeit wäre auch ein toller Gegner.
    Gegen die Schwerkraft muss man ja im Odenwald öfter anlaufen, die ist aber ja ein undankbarer Kontrahent, weil sie ja immer schon da ist, wenn man ankommt.

  2. matbs Says:

    Dankeschön! 🙂

    Ich glaube, ich würde gerne mal gegen die Erosion antreten.
    Die ist auch nicht ganz so schnell… 😀

  3. run4life Says:

    Öhhh – ehrlich gesagt habe ich gar nix gelesen. Denn nachdem ich erst einmal runtergescrolled habe, habe ich hochgerechnet was mich das an „Leseaufwand“ kosten würde. Ich bin dann zu dem Schluß gekommen Dich zum „Ich blogge mehr als daß ich Laufe“- Meister zu küren und das Lesen sein zu lassen 🙂 Wie wird denn das erst, wenn Du mal 20km oder mehr rennst ?? Schreibst Du dann ein Buch? 🙂
    Nix für ungut – jedem sein Blog und hauptsache man rennt. Heiko

  4. matbs Says:

    Ok Heiko, ganz allein für dich: 😀

    War laufen. 10,3 km in 54 Minuten. Zwischendurch ist es dunkel geworden. Ende.

    Noch zu lang? Ok, wie wär´s damit:

    Lauf 10,3 km 0:54 h

    Besser?

    Na bestens.

    Ich persönlich finde diese Art des Bloggens ja noch etwas weniger interessant als das örtliche Telefonbuch (weil nicht so viele lustige Nachnamen drin vorkommen), und ehrlich gesagt sogar ein bisschen narzistisch, weil es auf der fragwürdigen Annahme basiert, dass sich irgendwer im WWW für bloße Minimalstbelege für die Existenz des Bloggenden interessiert.
    Aber hey:

    Nix für ungut – jedem sein Blog und hauptsache man rennt. 😉

    PS: Wenn du wissen möchtest, wie ich längere Touren blogge, schau ruhig mal in mein Archiv, da ist schließlich alles bis zur Marathondistanz vertreten… 😀

  5. run4life Says:

    …guten Morgen…gähhhn…bin leider bereits im Archiv „September 2007“ eingeschlafen 🙂 Schönes Wochenende!

  6. innererschweinehundbesieger Says:

    man man man …. 😉

    Hi Matthias,
    klasse Artikel! Wirklich großes Kino 🙂 Ich hab noch immer die Stimmen von Bob und Harry in meinem Kopf und bin schon gespannt, welches sportliche Großereignis sie als nächstes kommentieren 🙂

  7. Thomas Z. Says:

    Ich lach mich krank… Da macht die Mittagspause doch gleich viel mehr Spaß, wenn man sowas lesen kann! 🙂

  8. matbs Says:

    @ Jens: Hm, also ich glaube, ich sperr´ die beiden erst mal wieder weg – dieser Gerd-Rubenbauer-Modus ist einfach zu creepy, um ihn allzuoft hervorzuholen. Man stelle sich nur vor, der nistet sich im Hirn ein und geht nicht mehr weg…
    Brrrrrr!!
    😀

    @ Thomas: Freut mich, dass ich dir die doofe, dröge Mittagspause, die immer so unangenehm die lustige Arbeit unterbricht, ein bisschen erheitern konnte… 😉

    Dankeschön! 🙂

  9. Gerd Says:

    Hi Matthias,
    vielleicht sollten wir die beiden bei unserem nächsten lauf mal mitnehmen. Ich bring auch Mettbrötchen mit.
    Die sind echt Klasse!!!

  10. matbs Says:

    Klingt gut.
    Mettbrötchen sind bekanntlich DIE Läufernahrung schlechthin, noch vor Bananenstücken, Fitnessriegeln und Power Gel… 😀


  11. […] Experimente, die eine oder andere Laufveranstaltung, das einjährige Laufblog-Jubiläum, einen denkwürdigen Wettlauf gegen ein kosmisches Phänomen, und ganz viele andere Erlebnisse, sowohl alleine als auch mit einer Reihe großartiger und […]


  12. […] ich einfach die erstbeste Zehnerstrecke, die mir in den Sinn kam, nämlich die Route, auf der ich letzten Hebrst meinen denkwürdigen Wettlauf gegen die Nacht verloren habe (falls ihr den entsprechenden Laufbericht noch nicht kennt und gerade nix Besseres zu tun habt, […]


  13. […] wollt, oder sehen wollt, wie man richtig, richtig gute Laufberichte über sie schreibt, dann schaut einfach hier nach, das ist dieselbe Tour wie heute, nur in gut und lustig beschrieben – die Zeit habt ihr ja, […]


  14. […] die Bachgasse und die Jugenheimer Straße zurück nach Jugenheim (auch bekannt als die Strecke meines legendären und nur gaaaanz knapp verlorenen [und natürlich eminent lesenswerten] Laufs gege… vor langer Zeit). Und alles bei warmer, schräger Oktoberabendsonne von schräg vorne, mit ´nem […]


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