Luciberg-Weg/Nibelungensteig auf den Melibokus (9,5 km)

2. November 2008

Neulich hat der Gerd gemeint, dass wir doch eigentlich mal zusammen den neuen Nibelungensteig in den Odenwald rein laufen könnten.
An sich eine Superidee, denn die Strecke ist wirklich ganz großartig, hat aber einen kleinen Haken:
Der Nibelungensteig verläuft über einige der härtesten Anstiege im vorderen und mittleren Odenwald: Von der Bergstrasse auf den Melibokus, vom Schollrain auf den Felsberg, aus dem Lautertal auf die Knodener Höhe, oder Schlierbachtal nach Lindenfels hoch, das sind allesamt sehr anstrengende Stücke – nicht unmöglich die zu Joggen, aber sie es braucht halt einen immensen Kraftaufwand.
Glaubt mir, ich weiss es, ich bin die allen nämlich schon gelaufen.
Oder zumindest fast alle.
Einen dieser Aufstiege habe ich zugegeben noch nie gemacht – gleich den ersten nämlich, von Zwingenberg aus über den Luciberg-Weg bis hoch auf den Melibokusgipfel.
Oh, runtergelaufen bin ich den schon öfter, und einzelne Teilstücke davon hab ich auch schon bergauf zurückgelegt, aber am Stück von unten nach oben hab´ ich ihn noch nie gemacht.
Warum?
Ganz einfach: Der Luciberg-Weg ist sacksteil! Mehrere Kilometer an der Westflanke des Bergmassivs, teils geradewegs den Hang hoch, ein paar Steigungen von über 20%, praktisch keine Gelegenheit zum Verschnaufen – auch wenn der Melibokus mein Hausberg ist und ich jeden anderen erdenklichen Aufstieg zum Gipfel gemacht habe – das musste/wollte/konnte ich mir nicht unbedingt antun.

Zumindest bis zu Gerds Vorschlag.
Wenn wir da irgendwann demnächst zusammen hochwollen, muss ich schließlich erstmal sehen, ob das überhaupt joggbar ist (sicher war ich mir nicht) – wäre ja irgendwie peinlich, wenn wir uns an den Nibelungensteig machen, und gleich beim ersten Anstieg aufgeben müssen, oder?
Eben!
Folgerichtig hatte ich mir vorgenommen, das am nächsten halbwegs schönen Tag mal auszuprobieren, und den Luciberg-Weg/Nibelungensteig (die sind auf diesem Stück übrigens identisch, nur dass da keine Verwirrung aufkommt) von Zwingenberg aus auf den Melibokus zu laufen.

Und der nächste schöne Tag war heute. Unten am Fuß der Berge war´s zwar etwas neblig, aber die Sonne schien durch, und laut der praktischen Melibokus-Webcam (= ideal, um sich zeitnah über das Wetter in den oberen Höhenlagen zu informieren), war´s oben am Gipfel relativ klar.
Na denn: Mörderaufstieg ho! 🙂


Start um kurz nach 11:00 (ausnahmsweise mal vormittags) im oberen Teil der zwingenberger Altstadt, an der vor der Bergkirche direkt über dem Weg runter in die Unterstadt (hatte mich in der Nähe absetzen lassen – die 3,5 Flachlandkilometer von zuhause bis hierher sparte ich mir heute mal, das ganze würde auch so anstrengend genug werden).
Von hier aus natürlich ostwärts, Richtung Berg. Kurz durch die wunderschönen, verwinkelten Altstadtgässchen, dann durch das alte obere Stadttor an die „Lange Schneise“.
Dabei guter Blick auf die Weinterassen über der Stadt, durch die ich gleich Melibokuswärts laufen wollte:
Erster Gedanke: „ACH du Scheisse!“
Zweiter Gedanke: „Ach du SCHEISSE!!“
Dritter Gedanke: „ACH! DU! SCHEI! SSE!!!!“
Von weitem, von der Autobahn oder selbst von der B3 aus, sehen die Weinberge hinter Zwingenberg immer total nett und freundlich aus.
Wenn man direkt druntersteht, erinnern sie eher an die Eiger-Nordwand (bloss mit Weinstöcken drauf): STEIL!!!!

Viel Zeit zum Sorgen machen hatte ich Gottseidank nicht, denn inzwischen war ich auf dem Luciberg-Weg (weisser Balken)/am Anfang des Nibelungensteigs (rotes N) angekommen, und durfte gleich mal die erste sackfiese Steigung bewältigen: Asphaltierter Weg aus dem Ort hinaus in das tiefe, bewaldtete Tal unterhalb des Lucibergs, an dessen Ende der mächtige zwingenberger Steinbruch sitzt. Talaufwärts, asphaltweg mit viel glitschem Herbstlaub, bis zum Steinbruch knapp 300 m. – und über 40 Höhenmeter!
Das zog gleichmal gut rein.
Ganz langsam, mit kurzen Trippelschrittchen zwischen Spaziergängern und Nordic Walkern aufwärts bis zum Steinbruch. Anstrengend, aber ich war ja noch ganz frisch, da geht das.

Am Steinbruch macht der Luciberg-Weg/Nibelungenstein eine scharfe Rechtskurve, wird etwas weniger steil, und führt nach ein paar Metern hinaus ins offene Gelände der Weinberge. Immer noch Betonweg, der sich ab hier ca. einen halben Kilometer durch zwei lange Serpentinen den Steilhang hochschlängelt.
Positiv: Toller Blick nach rechts, auf Zwingenberg und das Ried. Etwas weniger steil.
Negativ: Immer noch so steil, dass es anstrengt – Durchatmen? Fehlanzeige, auch hier muss man sich durchbeissen.

Aber es ging, schnaufend und schwitzend (und das nach nicht mal einem Kilometer) kämpfte ich mich im angenehm-diffusen Mittagslicht den recht belebten Hang hinauf, bis ich die Luciberg-Hütte erreichte. Normalerweise mache ich hier gerne eine Pause für die Aussicht (denn die ist grandios), aber normalerweise komme ich hier auch von oben, und nicht von unten. Heute wollte ich lieber das bisschen Schwung das ich hatte, mitnehmen, und lief entsprechend ohne Pause durch, und zwar scharf nach links (und natürlich weiter… puuuuuhhhh! …steil aufwärts, zum Naturschutzgebiet Luciberg, das auf dem Höhenrücken über dem Steinbruch situiert ist. Erst noch kurz Weinberge, dann wird es waldig, man läuft eine Rechtskurve auf dem Höhenrücken, passiert eine Hochweide, die normalerweise von Ziegen bewohnt wird und einen guten Blick nach Mannheim bietet, und läuft schließlich geradeaus in den Wald rein, geradwegs auf den immer noch himmelhoch vor einem aufragenden Kegel des Melibokus zu.

Hier ist der Weg nur noch ein schmaler Pfad, der aber recht gut ausgetreten ist, und vor allem nur relativ wenig Gefälle aufweist. Immer noch nicht genug, um zu Regenerieren, aber wenn man sich ein bisschen zusammennimt, kostet´s wenigstens auch nicht so furchtbar viel Kraft.
Fast einen halben Kilometer weiter ost- und bergwärts, am Ende des Pfades dann durch einen etwas steileren Hohlweg, und plötzlich findet man sich unversehens auf dem Comoder Weg wieder, der vom Alsbacher zum Auerbacher Schloss führt, und fast keine Steigung hat.
Total angenehm – wenn man ihn laufen dürfte. Aber Luciberg-Weg und Nibelungenstein kennen keine Gnade und scheren sich nicht um bequem, deshalb überqueren sie auch nur den Comoder Weg und führen – auf einem noch schmaleren Trampelpfad – geradeaus den Hang hoch.

200 m. Trampelfpad.
30 oder 40 Höhenmeter.
Und das, nachdem man schon fast 2 km lang nur bergauf gelaufen ist, ohne einmal durchatmen zu können.
Da lachste net mehr.
Beine grummelten. Puste ging aus. Puls wummerte. Bäche von Schweiss liefen in die Augen.
Aaaargh!

Ich hielt durch, quälte mich im Schneckentempo Schritt um Schritt um Schritt den Pfad hoch, bis ich schliesslich, endlich, fix und fertig den Herrenweg erreichte.
Da ging´s dann nicht mehr. Gerade mal zwei Kilometer, und die Puste war schon alle.
Und ich bin nicht der schlechteste Bergläufer.
Heidenei.
Kurze Atempause. Japsend am Wegesrand, pitschepatschenassgeschwitzt, mit hochrotem Kopf. Mitleidig und etwas verständislos beäugt von einem vorbeiplappernden Kaffeekränzchen dicklicher nordic-walking-Damen.
Ecce Homo.

Nach ca. einer Minuter ging´s wieder halbwegs, also startete ich wieder. Gaaaaaanz langsam, um wieder etwas Kraft zu schöpfen. Hier wendet sich der Luciberg-Weg nämlich nach rechts, und folgt ein kleines Stück dem Herrenweg nach Süden. Ausnahmsweisen nicht gegen den Hang, sondern an ihm entlang, entsprechendn ist das hier das Stück mit der moderatesten Steigung des ganzen Aufstiegs (aber Steigung ist natürlich immer noch da, und auch wenn die nicht so gross ist, wenn man sich schon auf dem bisherigen Stück verausgabt hat, fallen selbst die 5% oder 6% Anstieg nicht mehr ganz leicht).

Leider nur knapp 250 m. Dann ist wieder Schluss mit lustig, und Luciberg-Weg/Nibelungensteig biegen scharf links vom Herrenweg ab, in den Rabenloch-Weg. Man ahnt es schon: Trampelfpad, der steil den Hang hochführt (hmm, kristallisiert sich da ein Muster raus?).
Dieses Mal nicht geradewegs den Hang hoch, und auch nicht immer mördersteil, aber ich war eben auch schon recht angestrengt, da fiel das trotzdem schwer.
Besonders fies war´s übrigens auch, weil ich den Melibokus ja ziemlich gut kenne, und deshalb einschätzen konnte, wo ich mich gerade befand.
Das entmutigende Ergebnis: Noch lange nicht am Gipfel!
Na dann: Urk.

Und so ging´s nun ein ganzes Stück weiter, auf schmalen Pfaden den scheinbar endlosen Hang hoch, hin und wieder mal eine bekannte Kreuzung oder Serpentine, ausserdem der eine oder andere nette Blick durch die entlaubten Bäume (ein Vorteil, wenn man im Winter hier oben ist: Aussicht, Aussicht, Aussicht), manchmal brutalsteil, manchmal normalsteil (aber immer steil), Schwitzen, Schnaufen, Beinquengeln ignorieren, und hoffen, dass ich keinen Herzinfarkt kriege.
Oh, und ich musste auch noch eine „Rien ne va plus“-Pause machen, in der ich dann ein bisschen zitternd und keuchend im Wald stand und mir mit einem völlig inadäquaten Taschentuch die Sturzbäche aus Schweiss aus den Augen wischte, während ich (halbwegs erfolgreich) versuchte, wieder etwas Luft in meine streikenden Lungen zu pressen.

Nach etwas über 120 Kilometern (gefühlt)/etwas über einem Kilometer (real) erreichte ich endlich den letzten Querweg, der unterhalb des Gipfels um die Kuppe herumführt. Lichter Wald, ein paar Felsformationen, und die nicht so wirklich tröstliche Erkenntnis, dass es jetzt „nur noch“ knapp 100 Höhenmeter bis zur Bergspitze waren.
Yay.

Luciberg-Weg/Nibelungensteig knicken hier scharf nach rechts ab und laufen an der Südflanke des Berges nach Osten (die Westflanke ist so steil, dass es auf ihr keinen gangbaren Weg zum Gipfel gibt), also machte ich das auch. Wieder mal ein etwas angenehmeres Stück mit etwas weniger Steigung, aber das half auch nicht mehr viel – ich pfiff aus dem vorletzten Loch.

Aber nicht lange, denn nach einem halben Kilometer, kurz bevor zur Fahrstrasse an der Ostflanke geht, verabschieden sich Luciberg-Weg/Nibelungensteig wieder vom vergleichsweise bequemen Weg um die Kuppe und suchen sich ihren eigenen Weg über die Südflanke zum Gipfel.

Wie der Aussieht?

Natürlich ein steiler Trampelpfad den Hang hoch!
Nochmal über 500 m. mit einer Durchschnittsteigung von über 10%.
Zeit, vom vorletzten Loch ins letzte Loch zu wechseln.
Und dann schließlich ganz mit dem Pfeifen aufzuhören. Zu wenig Atem für sowas.
Unglaublich kraftraubend – der Weg an sich hat´s schon ganz gut in sich, und nach 4 Kilometern und fast einer halben Stunde sturen bergauflaufens fühlte er sich gleich nochmal doppelt so steil an.
In der ersten und einzigen Serpentinen musste ich nochmal kurz anhalten – nur noch ein paar hundert Meter, aber es ging einfach nix mehr.

Und nochmal weiter, mehr mit Willens- als mit Muskelkraft die letzten Meter bewältigt, und endlich, fast schon auf Autopilot, mit unsteten, japsenden Atemzügen und leicht zittrigen Beinen, auf den Querweg am Gipfel, direkt unterhalb vom ehemaligen Militärgelände und dem Sendeturm.
.

Jetzt nur noch 50 m. links, den allerletzten, unendlich steilen kleinen Anstieg hoch…

…und dann bin ich oben, auf dem freien Stück zwischen Militärgelände und Aussichtsturm:

Puuuuuuuuh!
So fertig war ich schon lange, lange, lange nicht mehr.
Ein, zwei Minuten stand ich einfach nur gebeugt rum, versuchte meinen keuchenden Atem und die rebellierenden Beine zu kontrollieren, und den brennenden Ozean aus Schweiss aus meinen Augen zu blinzeln. Hammerhart der Anstieg, der war wirklich so schlimm, wie ich´s erwartet hatte. Entsprechend langsam war ich gewesen – 36 Minuten, dass hätte ich auf dem längeren Pürschweg von Jugenheim aus locker unterboten (wir lernen mal wieder: Beim Berglaufen ist der kürzere Weg nicht unbedingt der bessere).

Irgendwann ging´s dann wieder etwas besser. Zeit für die Belohnung. Ich hatte extra ein bisschen Kleingeld eingesteckt, für den Fall, dass die Ausflugskneipe unter der Terrasse geöffnet haben sollte.
Hatte sie.
Also ging ich schnurstracks hinunter und löhnte die 50 Cent Eintritt für den Aussichtsturm.
Ganz recht: Nachdem ich schon total oft hier oben gewesen war, ohne jemals auf den Turm gekommen zu sein, wollte ich das heute endlich mal ändern.
Allerhöchste Zeit.
Bezahlt, dem Jungen Mann aus der Kneipe zum Turm gefolgt, aufschliessen lassen, und hoch.
Erstmal nicht besonders beeindruckend – bis 1945 hat hier einer von den hübschen Aussichtstürmen gestanden, wie sie sich auf vielen Odenwaldgipfeln finden. Aber die Nazis haben ihn aus irgendeinem Grund in den letzten Kriegstagen gesprengt (wahrscheinlich weil sie zertifizierte Arschlöcher waren), und als man in den Sechzigern (??) einen neuen Turm gebaut hat, war man nicht so sehr auf Äußerlichkeiten bedacht. Entsprechend ist der neue Turm ein schlichter Betonzylinder mit einer Wendeltreppe drin, an deren Ende es auf die Aussichtsplattform geht.
Aber die…
WOW!

Ich habe hier ja schon oft genug beschrieben, wie großartig der Blick von der Melibokusterrasse oder der Drachenfliegerrampe ist.
Gegen die Aussicht vom Turm ist er ein Dreck!
Mir blieb im wahrsten Sinne des Wortes die Spucke weg, als ich auf die breite, großzügige Aussichtsplattform hinaustrat.
Hier sieht man alles! 360° Rundumsicht auf die weite, weite, weite Welt (ok, direkt nach Osten, zum Felsberg hin verdecken ein paar Bäume das Blickfeld, aber das stört kaum)!
Im Süden: Das Auerbacher Schloss, die Hügel hinter Bensheim, dann die gesamte Bergstrasse, Berge wie an einer Perlenkette, bis runter zum mächtigen Königstuhl hinter Heidelberg.
Im Osten: Der Odenwald, Bergkette hinter Bergkette, Gipfel hinter Gipfel (Frankenstein/Ilbeskopf, Neutscher Höhe, Neunkircher Höhe, Felsberg, Knodener Höhe, Krehberg, Lindenstein…), getrennt durch tiefe Furchen und Täler, in denen träger Herbstnebel waberte, der sich zu Höhenlagen hin immer mehr verloren.
Und im Norden und Westen: Die Orte der Umgebung, winzig klein am Fuß der Berge, dahinter ein unendliches, rosiggraues Meer aus dichtem Nebel, das sich unter einem azurblauen Himmel bis zur Unendlichkeit ausbreitete und träge gegen die Bergstrasse schwappte. Und ganz weit weg, am Horizont, die allerhöchsten Gipfel der benachbarten Mittelgebirge, die einsam und verloren, wie weit entfernte, geheimnisvolle Inseln, aus dem milchigen Ozean herausragten – im Norden, 55 Kilometer entfernt, die einsame Spitze des Feldbergs, im Südwesten der langgezogene Rücken des Donnersbergs in fast derselben Entfernung, südlich davon noch ein, zwei Spitzen des Pfälzer Waldes.
So schön, das entschädigte für die extreme Anstrengung des Aufstiegs.

Lange bleiben konnte ich leider nicht: Hier oben wehte ein unglaublich schneidender, eiskalter Nordwind, der sich -verschwitzt wie ich war – leider nicht aushalten liess. Also nach ein paar Minuten schweren Herzens und völlig durchfroren wieder runter und auf den Heimweg gemacht. Für den hatte ich meine unkomplizierte Standardroute geplant, also geradewegs den Pürschweg (SJ2) runter bis nach Jugenheim.
Hätte ein entspannter Ausklang werden sollen, wurde aber zur Tortur, denn auf praktisch der gesamten Strecke begleitete mich der furchtbare Nordwind – den Aufstieg hatte ich ja an der Südwestflanke gemacht, da war ich geschützt gewesen, doch runter lief ich nun an der Nordflanke, da gab´s keinen Schutz.
Es war unerträglich. Geschwitzt wie ich war halfen selbst die Jacke und der schnell angelegte Nackenwärmer nichts: Ich kühlte extrem aus, nach ein paar Minuten merkte ich, wie mein Nacken kalt und steif wurde, Gesicht, Ohren und Kopfhaut wurden so kalt, dass es sich zugleich taub anfühlte und leicht wehtat, ich fühlte mich richte benommen.
Ekelhaft.
Aber es half ja nichts, als fror ich mich eben so gut es ging den Berg runter bis nach Hause (nochmal ´ne halbe Stunde), wo ich erstmal eine lange heisse Durche nehmen musste, um meine abgesackte Körpertemperatur wieder halbwegs zu regulieren (hoffentlich hab´ ich mir nix geholt…).

Tja, und das war´s.
Was haben wir heute gelernt?
Zuerstmal folgendes: Der Luciberg-Weg/Nibelungensteig von Zwingenberg auf den Melibokus ist nicht unjoggbar, aber er ist superanstrengend, und liegt nah am Limit meiner momentanen persönlichen Belastungsgrenzen (und auch das nur mit kleinen Pausen).
Schon für sich alleine genommen braucht dieses Stück extrem viel Kraft, und wenn man wirklich den Nibelungenweg laufen wollte, wäre das ja erst der Auftakt – danach würden einen selbst bei einer moderaten 15-km-Etappe zumindest noch der Felsberg und vielleicht auch noch die Knodener Höhe erwarten, und das sind beides ebenfalls sehr anspruchsvolle Aufstiege, die mir bisher selbst in ausgeruhtem Zustand immer Probleme bereitet haben.
Von daher muss ich sagen: Reizvoll ist das sicherlich, aber eben auch brutal hart.
Also überleg´s dir, Gerd – der Hügel zwischen Laudenau und Winterkasten von neulich ist nichts gegen das, was uns auf dem ersten Drittel des Nibelungensteigs erwarten würde…

Sonst noch was? Ach ja: Leute, seid nicht so blöd wie ich und wartet 30 Jahre – wenn ihr irgendwann mal auf den Melibokus kommt, und es ist Sonntag, und der Turm kann besichtigt werden, investiert die 50 Cent dafür, ihr werdet´s nicht bereuen!!!

Strecke: 9,5 km
Zeit: 1:06 h (= 8,64 km/h bzw. 6:57 min/km)
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 3,26% (0,31 km von 9,5 km)
Karte:
lucibergweg

M.

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24 Antworten to “Luciberg-Weg/Nibelungensteig auf den Melibokus (9,5 km)”

  1. Gerd Says:

    Du machst mir ja richtig Angst.
    Ich werde ihn auf jeden Fall erst mal bewandern.
    Aber gelaufen wird er. Egal wie. Hab ich mir fest vorgenommen. 😉
    Und wir sind doch keine Wecheier.
    Im Notfall brauch ich eine Woche mit Sauerstoffmaske. 😆

  2. matbs Says:

    Na wenn wir keine Weicheier sind, dann können wir ihn ja auch in einem Rutsch durchjoggen – mein Onkel hat mir neulich erzählt, dass zwei Bekannte von ihm das vorhaben, und wenn das zwei ultrafitte (und/oder ultraunortskundige) Supertriathleten schaffen, dann müssten wir das doch auch hinkriegen. Weil wir doch keine Weicheier sind 😆

    Nee, aber im Ernst: Zwei Etappen sind wahrscheinlich zu wenig, da wäre zumindest die erste furchtbar hart (und wie´s bei der Zweiten aussähe weiss ich nicht, weil ich den Weg nach dem Gumpener Kreuz nicht mehr kenne).
    Drei à 13 bis 15 km wären besser. So grob:
    – Zwingenberg bis Hofgut Hohenstein (mit drei Passagen, auf denen ich bisher schlapp gemacht habe. Yayyy! 😀 )
    – Hofgut Hohenstein bis Gumpener Kreuz
    – Gumpener Kreuz bis Siegfriedsbrunnen

    Ob´s eine gute Idee ist, das vorher zu erwandern?
    Ich weiss es nicht, könnte schlecht für die Laufmoral sein… 😉

    Am besten fängst du schon mal an, krasse Bergläufe und längere Passagen im hoch-anaeroben Bereich zu trainieren – nur für alle Fälle… 😉

    Und wenn du vorher mal langwandern willst, empfehle ich das möglichst bald zu machen, sofern das Wetter mitspielt – im Moment sind Wald und Weinberge da oben noch schön herbstlich, aber das wird in spätestens zwei Wochen vorbei sein.

  3. Gerd Says:

    Ha…. Du willst mich nur rausfordern.
    Alte Männer gehen so was besonnen an. Nur keine Hektik.
    Wir kriegen das schon hin. 😉
    Vielleicht gewinne ich ja ein Vorbereitungstraining mit allem drum und dran für den Hamburg Marathon. Hab mich einfach mal beworben. Man weis ja nie. 😉
    Dann müssen wir sowieso umdisponieren.

  4. matbs Says:

    Nee, ich will dich nicht rausfordern – ich will unterwegs bloss sagen können, ich hätte dich gewarnt (was zugegeben nicht ganz einfach werden dürfte, weil es vorraussetzt, dass ich an den Stellen, wo es sich lohnen würde, das zu sagen, genug Atem übrig habe, um überhaupt irgendwas sagen können…)
    😀

    Und warum müssen wir umdisponieren wenn du ein Marathon-Training gewinnst?
    Bist du dann so fit, dass du dich nicht mehr mit ´nem fettarschigen Amateur wie mir abgeben kannst? 😉

    Hey, übrigens hätte ich da noch eine Bitte: Falls du irgendwann demnächst mal den Nibelungensteig zum Melibokus hochwanden solltest, könntest du vielleicht einen GPS-Pfad davon erstellen und mir schicken? Die oberen Windungen des Weges sind nämlich mein persönliches Waterloo, die sind per Hand praktisch unmöglich richtig zu plotten.

  5. Gerd Says:

    Wenn ich im Frühjahr den Nibelungensteig erwandere, bist Du der erste der die GPS-Daten bekommt!


  6. […] der Autobahn nachts um Halb Fünf… (10,4 km) 13. November 2008 Heidenei. Die Melibokusbesteigung vom vorletzten Sonntag steckt mir immer noch in den Knochen – Wir erinnern uns: Ich hatte mir furchtbar das Genick […]

  7. Karlheinz Says:

    Schöne Beschreibung!

    Ich habe ebenfalls vor, den Nibelungensteig joggender Weise zu bezwingen. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen dies in 2 Etappen zu erledigen; die erste von Zwingenberg bis zum Gumpener Kreuz und evtl. ein Wochenende später vom Gumpener Kreuz bis Grasellenbach.
    Falls sich jedoch die ersten Anstiege (Melibokus etc.) als zu hart erweisen sollten, kann man die erste Etappe auch nur bis Reichenbach laufen. Allerdings wäre dann der Nibelungensteig in 3 Etappen zu bezwingen. Da ich auf der Juhöhe wohne, bin ich hinsichtlich Bergläufe nicht unerfahren.

    ..mal sehen, wann ich es angehen werde?

  8. matbs Says:

    Hi Karlheinz,

    dankeschön! 🙂

    Ist auf jeden Fall eine schöne, anspruchvolle Strecke, die man aber wirklich nicht unterschätzen sollte – der Aufstieg auf den Melibokus via Lucibergweg ist einer der härtesten Anstiege, die ich im Odenwald kenne, der Felsberg hat´s in sich (sowohl bergauf – da wird´s gegen Ende arg steil – als auch bergab durchs Felsenmeer, da muss man nämlich einen schmalen Felsenpfad runter, der teils fast unjoggbar ist), und die Knodener Höhe von Reichenbach aus ist ebenfalls nochmal hammerhart (immerhin: Reichenbach bis Krähberg sind fast 400 HM), auch wenn der Nibelungensteig da nicht die schlimmste Route nimmt.

    Entsprechend wären mir zwei Etappen bei meiner momentanen Form etwas zu viel, da sollte man schon ziemlich fit für sein, und sowohl viel Kraft als auch viel Ausdauer mitbringen.
    Aber hey: Ich hab´ inzwischen auch schon Jogger getroffen, die den ganzen Steig am Stück laufen wollten und dabei einen recht zuversichtlichen Eindruck gemacht haben – möglich ist es also (auch wenn man dafür wahrscheinlich etwas besser in Form sein muss, als ich es momentan bin…).

    Vielleicht noch zwei praktische Tipps:
    1) Wenn du zwei Etappen läufst, solltest du überlegen, ob du die erste nicht vielleicht in Schlierbach oder Lindenfels beendest, sonst sind die beiden Etappen sehr ungleichmässig (Zwingenberg – Gumpener Kreuz sind fast 30 km, Gumpener Kreuz – Grasellenbach nur noch etwas über 10).
    2) Wenn du´s nicht eilig hast, warte lieber bis zum Frühling, oder zumindest bis du einen schönen, klaren Wintertag erwischst. Die Strecke ist so schön, die hat gutes Wetter verdient…

    Viel Spass und gute Beine

    Matthias

  9. Karlheinz Says:

    Danke Matthias für die Tipps!

    Wie ich deinem Bericht entnommen habe, bist du auch mit einem
    relativ hohen Tempo (unter 7min/km) gelaufen. ich würde es auf jeden Fall etwas langsamer angehen lassen (vielleicht im Schnitt mit 8:30 bis 9:00 min/km).

    Gruß Karlheinz

  10. matbs Says:

    Hi Karlheinz,

    naja, so schnell war ich bergauf auch nicht – das oben ist ja nur das Durchschnittstempo der gesamten Tour, also auch inklusive der 5 Kilometer bergab nach dem Gipfel, auf denen ich mehr Tempo gemacht habe. Beim Aufstieg hab´ ich auch ziemlich genau in dem von dir angestrebten Temporahmen gelegen, mehr war da (zumindest für mich) nicht drin… 😉

  11. Karlheinz Says:

    Hallo Mathias,

    bin vor 2 Wochen einmal von der Juhöhe zum Gumpener Kreuz gelaufen und per Zufall auf den Nibelungensteig gestoßen (zwischen Lindenfels und dem Gumpener Kreuz).
    Ich bin bisher davon ausgegangen, dass es sich beim Nibelungensteig um einen gut ausgebauten Wanderweg handelt und musste zu meiner Verwunderung feststellen, dass es nur ein Pfad war. Aber egal, zum joggen macht es ja keinen großen Unterschied.

    P.S.: Habe auf deiner Seite gesehen, dass du 2007 den Ffm Marathon gelaufen bist. Ich habe diesen 2007 ebenfalls aktiviert (4Std. 9Min.) und bin dieses Jahr den Berlin Marathon gelaufen (03:35:03).
    Sobald ich den Nibelungensteig in Angriff genommen habe werde ich hier kurz berichten.

    Gruß Karlheinz

  12. matbs Says:

    Hi Karlheinz,

    ja, überraschend viele der „großen“ OWK-Wanderwege führen teilweise über ganz schön abenteuerliche Pfädchen, und der Nibelungensteing ist da keine Ausnahme. Aber wie du schon schreibst – als Jogger wird man ja mit dem meisten fertig, und zumindest mir machen solche Miniwege oft mehr Spass, als die breiten, gut ausgebauten Luxusstrecken… 😉

    Und zu den Marathons: Glückwunsch, und vor allem Respekt, denn du bist deutlich schneller als ich! 🙂

    Freu´ mich schon, von deinen Abenteuern auf dem Nibelungensteig zu hören

    bis dann

    Matthias


  13. […] bis zum Gipfel führt – glücklicherweise oberhalb der richtig schlimmen Passagen, die mir vor ein paar Wochen ziemlich zu schaffen gemacht haben. Von jetzt an war´s eigentlich kein Problem mehr, denn wir mussten einfach nur noch den Markern […]

  14. Karlheinz Says:

    Hallo Matthias,

    ich bin deinem Rat gefolgt und habe gestern den ersten Teil des Nibelungensteigs (geplant von Zwingenberg bis Schlierbach) in Angriff genommen. Ich habe mich kurz hinter der BAB Abfahrt Zwingenberg absetzen lassen, um mich vor dem ersten Anstieg (bei –5 Grad Außentemperatur) noch etwas warmzulaufen.
    Irgendwo hatte ich gelesen, dass der Nibelungensteig in der Nähe des Marktplatzes von Zwingenberg beginnt. Ich konnte zunächst keinen Hinweis finden und bin etwas durch die Altstadt geirrt bis ich den Einstieg fand.
    Das erste steilere Stück (direkt hinter Zwingenberg) bin ich zunächst etwas zu schnell angegangen und musste mein Tempo etwas drosseln.
    Den Aufstieg zum Melibokus empfand ich jedoch weniger anstrengend als erwartet. Der Anstieg vom Weschnitztal hoch zur Tromm fordert mich i.d.R mehr.
    Direkt oben am Aussichtsturm suchte ich zunächst den weiteren Verlauf des Steiges und lief zunächst ein Stück Richtung Auerbacher Schloß um wieder auf den Pfad/Weg zu kommen.
    Nach dem Anstieg zum Felsberg ging es das Felsenmeer hinab nach Reichenbach. Ich muss sagen, dass mich dieser „Abstieg“ am meisten angestrengt hat! Dieses steile bergablaufen auf den schmalen Pfaden ist nicht nur unangenehm sonder auch gefährlich (Rutsch- u. Sturzgefahr). Teilweise haben ich dann den längeren Serpentinenweg vorgezogen.
    Das Stück durch Reichenbach hindurch empfand ich eher als langweilig. Der Aufstieg zum Hohenstein war schon etwas anstrengend, zum einen hat man bereits mehr als 15km Berglauf hinter sich zum anderen geht es doch fast 5km kontinuierlich bergauf.
    Über Knoden erreichte ich schließlich Schannenbach und den ca. 550m hoch gelegenen Krehberg. Eigentlich stand nun nur noch der (weniger anstrengende) Abstieg nach Schlierbach (dem von dir vorgeschlagenen Endpunkt für die erste Etappe des Nibelungensteigs) bevor.
    Ursprünglich hatte ich geplant, mich in Schlierbach abholen zu lassen, da ich jedoch bereits etwas mehr als 22km der insgesamt 42km des Nibelungensteigs bewältigt hatte, entschloss ich mich spontan die erste Etappe hier zu beenden. Nicht dass ich soo erschöpft gewesen wäre, aber da ich nicht allzu weit von meinem Wohnort (der Juhöhe) entfernt war, entschloss ich mich, meinem Chauffeur abzusagen und die restlichen 12km bis zur Juhöhe eben falls joggend zurückzulegen.

    Bilanz 1.Etappe des Nibelungensteigs:

    Länge insgesamt 33,7km;
    Niebelungensteig: ca. 22km;
    Höhenunterschied (korrigiert): +1.317,6 / -1.055,5

    Demnächst werde ich einmal die zweite Etappe in Angriff nehmen.

    Gruß Karlheinz

  15. matbs Says:

    Hallo Karlheinz!

    Heidenei, ich muss neidlos anerkennen: Die bist ´ne ganze Ecke fitter als ich (zumindest im Moment… 😉 )!
    Einen 30er würder ich im Moment wahrscheinlich nicht sowieso nicht schaffen, ganz bestimmt nicht auf dem Nibelungensteig Respekt!!

    Das mit dem Start des Nibelungensteigs ist tatsächlich etwas schwierig, zumindest hab´ ich unterhalb des Zwingenberger Ortstrandes auch noch keine Marker gesehen (obwohl er anscheinend ab dem Bahnhof markiert sein soll).
    Und der erste Anstieg bis zum alten Steinbruch ist gleich schon mal ganz schön knackig, oder? Aber immerhin ist man da ja dann noch frisch.

    Vom Weschnitztal auf die Tromm bin ich leider noch nicht gelaufen, deshalb kann ich die Anstiege nicht vergleichen, aber vielleicht wird das ja dieses Jahr noch was.

    Das mit dem Felsenmeer kann ich nachvollziehen, das ist wirklich furchtbar zu laufen, vor allem im Moment mit dem vielen Altlaub über dem Pfad – da merkt man halt, dass der Steig eigentlich für Wanderer mit festem Tritt und festerem Schuhwerk gedacht ist.

    Beim Aufstieg auf die Knodener Höhe ist der Nibelungensteig ausnahmsweise sogar mal sanfter als die nächste Alternative: Der etwas weiter westlich verlaufende Europäische Fernwanderweg 1 (weisses Andreaskreuz) führt nämlich ohne Serpentinen geradewegs den Hang hoch, wo man dann auf den Knodener Höhenweg (gelbes Dreieck nach links) wechseln kann, der ohne Serpentinen (dafür auf dem miesesten Ziegenpfädchen aller Zeiten) geradewegs den Hang hochführt – zieht fies rein, ist aber ein bis zwei km kürzer, falls du beim nächsten Mal etwas weniger Aufstiegsdistanz möchtest:
    https://laufblog.wordpress.com/2008/06/07/bergwertung-oberes-lautertal-knodener-hohe-neunkircher-hohe-198-km/

    Na ja, den herrlichen Abstieg von Schannenbach durchs Pfalzbachtal bis runter nach Kirschhausen hast du dir auf jeden Fall redlich verdient.
    Die zweite Etappe kannst du dann auf jeden Fall auch deutlich entspannter angehen, denn bis auf den recht kurzen Aufstieg nach Lindenfels und eine anscheindend noch mal recht steile Passage hinter dem Gumpener Kreuz (die bin ich auch noch nicht gelaufen, denn ab da hören meine bisherigen Laufgründe auf) hast du die meisten Anstiege ja schon hinter dich gebracht.

    Klingt auf jeden Fall sehr schön und ich bin ehrlich gesagt ein bisschen neidisch… 😉

    Viel Spass beim zweiten Teil, danke für den ausführlichen Bericht, und frohes neues Jahr

    Matthias

  16. Karlheinz Says:

    Die unendliche Geschichte (Nibelungensteig) Teil 2

    Nachdem die Wetterprognose für den letzten Sonntag recht günstig ausfiel und ich noch einen längeren Trainingslauf für den geplanten Ultramarathon (am 31.01. in Rodgau) absolvieren wollte, begab ich mich auf meinen Nibelungsteiglauf Teil 2.

    Den ersten Teil (Zwingenberg bis Krehberg) hatte ich bereits an Silvester zurückgelegt Da ich mich nicht bis zum Wiedereinstiegspunkt Schannenbach „kutschen“ lassen und außerdem den erwähnten Trainingslauf absolvieren wollte, legte ich die ersten 11km, bis zum Beginn des Nibelungensteigs (NS) Teil 2 von der Juhöhe nach Schannenbach joggender Weise zurück. Schon etwas mitgenommen erreichte ich nach ca. 1:25Std. den etwa 550m hohen Krehberg um mich auf meinen eigentlichen Lauf zu begeben.
    Den ersten Teil des NS (an Silvester) wollte ich eigentlich bis Schlierbach laufen, hatte mich dann aber entschlossen diesen in Schannenbach zu beenden, weil ich dachte, das Stückchen bergab ist keine Herausforderung mehr. Aber zum einen windet sich die Strecke erheblich zum anderen geht’s bergab über einen kleinen Pfad welcher z.Z. durch Baumfällarbeiten zum Teil mit Ästen blockiert ist. Dieser Teil kann nur langsam zu Fuß (genauso wie ein Stichpfad oberhalb von Schlierbach) begangen werden.
    Man muss schon verflixt aufpassen, um nicht vom Nibelungensteig abzukommen. Man läuft z.B. den Steig auf einem Hauptweg (ist in Gedanken versunken oder auf die Beschaffenheit des Wegs (Matsch, Glätte)) konzentriert und der Verlauf geht seitlich auf einem unscheinbaren Pfad weiter.
    Das erste Mal habe ich in der Nähe des Lindenfelser Schwimmbades den Steig verfehlt und musste mich über einen steilen Pfad (Umweg) nach Lindenfels hoch kämpfen.
    Wieder auf dem rechten Pfad der Tugend angekommen, und der Meinung den vorläufig höchsten Punkt erreicht zu haben, überquert man die B47 um steil den Berg hinauf (über einen schmalen Pfad und Treppen) zu einer Anhöhe (mit tollen Blick zur Burg) zu gelangen.
    Kaum hatte ich diese –mit langsam müder werdenden Beinen- erreicht, musste ich feststellen, dass der Steig ebenso steil wieder abwärts ging (Zeit- und Kraftaufwand maximal; zurückgelegte Strecke minimal). Der Pfad schlängelt sich weiter auf und ab am Berg entlang, bis man am Ende von Lindenfels wieder die B47 überquert. Etwas demotiviert gings nun hinunter zum Gumpener Kreuz und anschließend über einen kraftraubenden steilen Anstieg Richtung Weschnitz. Auch hier wiederum verfehlte ich den wohl unvermittelt nach rechts abzweigenden Steig erneut. Ich hatte zwar die „Kunstweg Wanderkarte der Sparkassenstiftung Starkenburg“ dabei (in welcher der NS eingezeichnet ist), aber es stellt sich jedes Mal, wenn man das rote N auf weißem Grund nicht mehr entdeckt, die Frage, zurücklaufen oder weiterlaufen bis man wieder den NS erreicht.
    Hinter Weschnitz geht es dann im steilen Serpentinenanstieg hoch zur Walburgiskapelle, hier sind auf ca. 600m etwa 180 Höhenmeter zu bewältigen. Bei dieser Steigung kamen bei mir Assoziation mit dem Zugspitzlauf auf (obwohl ich diesen noch nicht gelaufen bin).
    Oben angekommen entschädigt der Blick (ich denke einer der schönsten im ganzen Odenwald) für die Strapazen. Man hat einen herrlichen Blick vom Krehberg über Lindenfels bis weit hinter die Burg Breuberg.
    Erneut dachte ich den höchsten Punkt des letzten Berges überwunden zu haben, und lief voller Euphorie Richtung Grasellenbach, doch plötzlich war kein “N“ mehr zu entdecken, also wieder ca. 600m zurück bis zum letzten Abzweig (hier war ich zwar dem Rechtsknick gefolgt, aber direkt im Abzweig ging noch einmal ein unscheinbarer Pfad halbrechts weg).
    Nun ging es hinunter ins Gaßbachtal und nach dessen Durchquerung auf der anderen Seite zunächst steil den Berg hinauf. So langsam verschwanden meine Kräfte und mein Proviant war aufgezehrt (Mandarinen, Power-Gel, Trink-Packs). Der Pfad/Weg führte glücklicherweise nun am Bergrücken entlang und hinunter nach Grasellenbach. 32km hatte ich nun abgespult und befand mich am Treffpunkt zur Rückfahrt, aber ich hatte noch nicht das Ende des NS erreicht. Das Ende des Steiges bildet der Siegfriedsbrunnen und dieses Ziel wollte ich nun auch noch erreichen.
    Also noch einmal steil den Berg hoch (ich wollte meinen Chauffeur nicht unnötig warten lassen) und die Hände in das labende Nass getunkt. Wieder zurück über den etwas längeren Serpentinenweg erreichte ich wieder Grasellenbach.

    Bilanz: 35,1 km; Laufzeit: 5Std 2 Min.; 1192,5 Höhenmeter

    Gruß Karlheinz

  17. matbs Says:

    Whoa!
    RESPEKT!!

    Hut ab, Karlheinz, du bist echt unglaublich fit!!!
    Ich denke, ich werde schon froh sein, wenn ich den Steig im Lauf des Jahres in drei Etappen (und ohne zwischendrin mal schnell noch zur/von der Juhöhe rüberzulaufen) halbwegs anständig hinbekomme… 😉

    Tolle Leistung auf richtig anspruchsvoller Strecke, schöner Bericht – herzlichen Glückwunsch!

    Und was kommt als Nächstes? 🙂

    Gruß

    Matthias

  18. Karlheinz Says:

    Danke Matthias für die Blumen!

    Ja was kommt als nächstes?

    Ich werde morgen entscheiden (letzter Anmeldetag) ob ich am Ultramarathon (50km) im Rodgau teilnehme (hängt zum einen von der Wetterprognose und von meinem Körpergefühl (nach dem doch etwas anstrengendem Lauf gestern) ab.
    Ansonsten werde ich bis zum Sommer nur noch 2-3 Mal die Woche locker ein Stündchen laufen und vielleicht dann den Nibelungensteig auf einmal bewältigen :-).

    Anfang November bin ich dann für den New York Marathon gebucht.

    Gruß Karlheinz

  19. matbs Says:

    Ok, damit revidiere ich dann mal endgültig und offiziell meine weiter oben getroffene Behauptung von wegen „im Moment bist du noch fitter als ich“, indem ich das „im Moment noch“ sang- und klanglos streiche und demütig mein dickes, träges Haupt verneige… 😀

    Klingt auf jeden Fall alles gut, vor allem natürlich New York, das wird sicher ´ne ganz feine Sache, da wünsch´ ich dir auf jeden Fall ganz viel Spass (beim Rest natürlich auch).

    Schau mal wieder rein

    Matthias

    PS: …und wenn du nicht immer nur den Nibelungensteig laufen willst – wie wär´s denn mal mit dem Burgenweg (blaues B) oder dem Blütenweg (gelbes B) von Darmstadt nach Heidelberg – beides wunderschöne Strecken, die vielleicht nicht ganz so steil, aber dafür jeweils noch mal ´ne Tagestour länger sind…

  20. Karlheinz Says:

    Hallo Matthias,

    danke für deine Wünsche!
    Wenn ich mir deine Wochenübersichten so anschaue musst du dich wirklich nicht verstecken!

    Danke auch für die Lauftipps bzgl. Blüten- und Burgenweg.
    Den Burgenweg kenne ich teilweise, da ich öfter über den Höhenweg von der Juhöhe nach Weinheim laufe und dann durch die (Wein)Berge an der Bergstraße zurück nach Heppenheim. In diesem Zusammenhang bin ich auf den Burgenweg gestoßen, welcher vom Höhenprofil auch sehr anspruchsvoll ist.

    Wie ich deinen Schilderungen und Bildern entnommen habe, bist du auch immer mit Hund unterwegs. Ich frage mich nur wie er diese Distanzen mit seinen doch relative kurzen Beinen schafft?
    Bin bis vor einem Jahr auch fast immer mit unserem Hund (Collie) gelaufen. Allerdings musste durch einen Krebstumor bedingt im letzten Frühjahr ein Vorderbein amputiert werden.
    Er kommt zwar gut damit zurecht ist jedoch eher traurig wenn ich zum Joggen losgehe.

    Ich werde sicher von Zeit zu Zeit hier ins Forum rein sehen und deine (auch gut bebilderten) Laufberichte verfolgen!

    Gruß Karlheinz

  21. matbs Says:

    Na ja, verstecken tu´ ich mich ja auch nicht – aber ein bisschen mehr Wochenkilometer dürften es doch ruhig wieder mal werden… 😉

    Den Höhenweg nach Weinheim und untenrum zurück bin ich auch schon gelaufen, das ist ein herrliches Stück.

    Beim Laufen mit Nemo achte ich immer darauf, dass es nicht zu weit wird. Acht Kilometer, zehn, vielleicht auch mal zwölf, da hält er gut mit – alles was länger ist muss nicht sein (da merkt man dann auch irgendwann, dass er müde wird und die Lust verliert). Und die Witterung ist natürlich ganz wichtig: Nemo hat ein sehr dickes, dichtes, dunkles Fell, deshalb ist zwischen 15 und 20 Grad Schluss und er muss daheim bleiben.
    Das mit dem Tumor klingt ziemlich schlimm. Aber Hauptsache dem Hund geht´s trotzdem wieder gut, auch wenn er nicht mehr joggen kann!

    Gruß

    Matthias


  22. […] uns endlich an den ordentlich steilen Abstieg auf der Südwestflanke des Berges. Übrigens auf dem Nibelungensteig/Alemannenweg/Lucibergweg, der bergab doch deutlich entspannter zu laufen ist als bergauf (ich kann´s beurteilen… […]


  23. […] laufe ich hier immer nur runter wenn ich vom Melibokus komme, das ist einfach viel bequemer), letzten November als Probelauf. Damals fand ich´s unglaublich hart, heute war´s hingegen vollkommen problemlos, vor allem […]


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