Schneller Lauf ins Graue: Jugenheim – Seeheim – Bickenbach (11,6 km)

18. November 2008

Jedes Jahr dieselbe Leier: Wenn´s draussen immer grauer und dunkler und ekliger wird, erwische ich mich irgendwann im November dabei, wie ich mir ernsthaft überlege, ob ich nicht eine Winterpause einlegen soll.

Heute war´s wieder mal soweit: Farbloser, trostloser, lebloser, freudloser Herbsttag, dessen blosser Anblick durchs Fenster ausreichte, um einem jegliche Lust aufs Laufen zu verleiden.
Ganz ehrlich: Was soll ich an so einem deprimierend drögen Tag raus?
Ich laufe nun mal nicht primär, weil ich Freude an der Bewegung habe (ist ganz nett, wenn´s läuft, aber als reiner Selbstzweck ist es einfach viel zu dünn – da könnte ich mir auch ein Laufband besorgen, das hätte denselben Effekt) oder weil ich fit sein will (das ist wichtiger Bonus, aber als alleinige Motivation reicht es nie und nimmer aus), sondern vor allem deshalb, weil es mir gut tut und Kraft bringt, regelmässig rauszukommen, ein bisschen Natur zu erleben, was zu Entdecken, und die schöne Umgebung zu geniessen.

Aber heute gab´s nix Schönes da draussen, da war alles einfach nur mies und grau und hässlich.
Blarg!
Durch dieses Elend zu laufen bringt erzeugt keine Kraft, sondern es kostet welche…

Seufz.


Wie gesagt: Ist jedes Jahr dasselbe…

Immerhin weiss ich deshalb inzwischen auch, wie das ganze letztendlich abläuft: Ich ergehe mich zwar in widerwilliger Unlust, vielleicht reduziere ich mein Laufpensum auch auf ein Minimum, aber eine Winterpause mache ich dann am Ende doch nicht.
Stattdessen beiss´ ich mich halt durch, mit Widerwillen und Willenskraft und viel Quengeln (spreads the misery around, y´know…) und weil es ohne Laufen eben auch nicht geht, und ich im Frühjahr nicht wieder bei 0 anfangen will, und weil es manchmal zwischendurch auch mal wieder auch ein paar schönere Tage gibt, die das ganze sofort wieder erlebenswert machen und die inneren Wohlfühlreserven auffüllen.

Kurzum: Auch wenn´s draussen einfach nur scheisse ist – Arschbacken zusammen und durch.

Und so hab´ ich´s dann heute auch gemacht. Warm angezogen, Gesäßfalte ordnungsgemäß zugekniffen (nur im übertragenen Sinn, in echt könnte ich so nämlich nicht gut joggen) und irgendwann am Nachmittag raus ins depimierend graue halblicht. Plan hatte ich keinen, war eh überall gleich mies…

Zuerst mal nordwärts durch Jugenheim. Während ich vor mich hinlief, reifte so langsam die Idee, dass ich ja mal irgendwie so halt ein bisschen nach Seeheim und dann vielleicht ja irgendwie nach Bickenbach also jetzt nicht zu weit aber irgendwie halt so oder so machen könnte.
Klang echt total tofte, also hab´ ich´s halt mal so gemacht… 😉

In Jugenheim die freudlose Hauptstrasse hoch, dann geradeaus durch die graue Lindenstrasse bis zum verlassenen Schwimmbad, dort links die traurige Burkhardstr. runter, halbrechts durch die deprimierenden „Pfifflergärten“ bis zur trostlosen Heidelberg Str., rüber (genauso wie über die tot daliegende Strassenahntrasse), dann wieder halbrechts durch die öden Äcker in der Tränk runter zum bedrückenden Stock-Stadion.
Tempo übrigens von Anfang an relativ hoch, irgendwie verfiel ich automatisch in einen schnellen Laufmodus mit weiten, ausufernden Schritten, so, als wollte ich es so schnell wie möglich hinter mich bringen. Lief erstmal ganz gut…

Aber erstmal noch nicht: Am bedrückenden Stock-Stadion entlang bis zu trübseligen Sandstr. im melancholischen Seeheim, kurz links, dann rechts in die düstere Nebenstr. „Im Balkenböhl“, am desolaten Altersheim (das ehrlich gesagt selbst an einem wunderschönen Sommertag schrecklich deprimierend gewirkt hätte, und heute wie eine bösartige Mischung aus Bauruine und architektonischem Verbrechen gegen die Menschlickeit geduckt zwischen den Bäumen hockte) in den kahlen Wald am friedhofsartigen seeheimer Waldfriedhof.
Hier gingen mir dann die negativen Adjektive aus, also musste ich von nun an ohne weiterlaufen… 😉

Und zwar links, die Tannenbergstr. (gelbes Plus) runter, dann einen völlig unnützen Schlenker durch Büchnerstr., Freiligrathstr., Lessingstr. und Niebergallweg (schlichtes Wohngebiet, heute natürlich extrem traurig-dröge), dann rechts aus Seeheim hinaus und den Grundweg runter bis zum Radweg 15 in den trostlosen Äckern (ups, trostlos hatten wir schon, oder? Na ja, ich sag´s ja, mir gingen so langsam die Adjektive aus… 😀 ) östlich der B3.
Dort rechts, bis zur Reithalle, wieder rechts und noch mal kurz durch irgendwelche Seeheimer Wohngebiete am Waldrand (das „Weihereck“, glaub´ ich), dann links die Friedrich-Ebert-Str. runter bis an die B3.

Zwischenbilanz:
Laune weiterhin mies, Physis aufgrund des etwas zu hohen Tempos leicht in Mitleidenschaft gezogen.
Ab jetzt: Etwas langsamer.
Blarg!

Ich überquerte die B3 und schlug mich kurz hinter der großen Kreuzung links in den Wald der Seeheimer Tanne, der im grauen Halblicht des bleierenen Nachmittags genauso unerbittlich dröge wirkte, wie die freudlosen Wohngebiete Seeheims (und zugleich auch noch ein bisschen finsterer war). Hier nahm ich gleich den Hahnpfad nach rechts in Richtung Autobahn (die dröhnte dumpf und monoton herüber, das passte irgendwie sehr gut zum Rest des Tages), bog dann irgendwann auf einen namenlosen Trampelfpad ab, den ich noch nie genommen hatte, verlor kurz die Orientierung (eher aus Desinteresse als aus echtem Mangel an Übersicht), fand mich irgendwann an der alten Bahntrasse durch den Wald wieder, und lief auf der dann kurzerhand nach Süden, bis zur Unterführung, die mitten im Wald unter der L3103 durchführt (sehr unangenehmes Stück, bei dem ich die Wahl hatte, ob ich mir die Haxen lieber auf dem groben Kiesbett neben der Trasse, oder auf den schleimig-unebenen Holzschwellen zwischen den Gleisen brechen wollte – ich probierte beides mal aus, sah aber dann doch mal ganz vom Haxenbrechen ab…).

Auf der anderen Seite der Landstrasse der bickenbacher Wald, der auch nicht viel freundlicher aussah. Kurz dem Weg SJ3 gefolgt, dann rechts und am deprimierend unspektakulären Kaiserstein vorbei, dann auf der tristen Tabacksackerschneise westwärts (mit einem kurzen, verirrten Abstecher auf eine Waldlichtung voller Bienenstöcke) bis an die L3303 zwischen Bickenbach und der Autobahnauffahrt.

Alle interessanten Waldwege hier unten bin ich schon mal gelaufen (und ehrlich gesägt wären die heute eh nicht interessant gewesen, sondern nur traurig), also lief ich einfach mal an der Landstrasse runter bis Bickenbach, das brauchte keine Kreativität und war auch hässlich. Insgesamt ca. 1 km Strassenrand ohne Randstreifen oder Radweg (ach, was hätt´ ich für ein paar sichere Zentimeter Fußgängerweg neben der Fahrban gegeben, aber sowas wird ja immer nur an Sportler verschwendet, die das gar nicht richtig zu schätzen wissen… 😀 😉 ), dafür aber mit vielen Autos von vorne, von denen zumindest zwei offensichtlich der Meinung waren, dass man blendende das Fernlicht nicht ausschalten müsse, nur weil da einem da vorne ein Jogger entgegenkommt. Bastarde.

In Bickenbach dann geradeaus, auf der piefig-plöden Pfungstädter Str. und der biestig-belämmerten Bebel-Str. bis zur dämmrig-doofen Darmstädter Str./B3, auf der links hoch durch den ollen Ortskern, dann rechts in die jammervoll-juckende (hey, versucht ihr mal ein paar standesgemäß düstere Alliterationen mit „J“ zu finden, das ist gar nicht so einfach) und noch mal rechts in die alarmierend abgewöhnbare Alsbacher Str., von da aus dann ins finstere Feld und den holprigen Hang nach Jugenheim hoch.
Wobei mir dann auch noch der Jogger entgegenkam, der mir seit Jahren immer wieder begegnet, und den ich jedesmal total nett grüße, und der mich im Gegenzug jedesmal eiskalt ignoriert.
Lief natürlich heute auch wieder so, und angesichts meiner schlechten Laune wäre ich ihm beinahe hinterhergelaufen um ihn für sein mieses Benehmen zusammenzuscheissen.
Hab´s aber dann doch gelassen (ein andermal vielleicht…) und bin stattdessen heimgelaufen, wo ich dann noch eine tolle Premiere feiern konnte, weil ich mir heute zum allerersten Mal in meiner langen, illustren Läuferkarriere eine Brustwarze blutig gelaufen hatte – nächstes Mal muss ich wohl abkleben.
Jippie!

Hoffentlich wird´s bald Frühling!

Strecke: 11,6 km
Zeit: 1:03 h (11,05 km/h bzw. 5:26 min/km)
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 38,02% (4,41 km von 11,6 km)
Karte:
novembertour-durch-ju-see-bi

M.

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5 Antworten to “Schneller Lauf ins Graue: Jugenheim – Seeheim – Bickenbach (11,6 km)”

  1. Gerd Says:

    Freu dich doch wenigsten darüber, dass Du im Hellen Laufen kannst. Bei mir ist es die ganze Woche über Dunkel.
    Dementsprechend ist´s Wurscht wo ich langlaufe.
    ich seh ja doch nichts. 😆

  2. Gerd Says:

    Wegen dem Brustwarzen abkleben hab ich noch was für dich von der Laufsau. 😆

    http://laufdusau.blog.de/2008/10/09/landingstrip-warzenhof-4844047

  3. matbs Says:

    Also ganz ehrlich: Bei dem Lauf hab´ ich mir unterwegs mehrmals ernsthaft gewünscht, es wäre dunkel, dann hätte ich mir dieses graue Elend wenigstens nicht mehr angucken müssen… 😀

    Das mit dem Abkleben hab´ ich übrigens heute probiert, und zwar mit Blasenpflastern.
    Die halten bombenfest.
    Während dem Laufen und hinterher.
    Die Laufsau hat recht: AUTSCH!!!! 😆


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