Rückkehr an den Rhein: Gernsheim und Klein-Rohrheim (11,2 km)

27. November 2008

Ach du je: Gestern ist mir beim räumen im Blog-Archiv aufgefallen, dass ich seit fast einem Jahr nicht mehr am Rhein laufen war.
Das ist ´ne lange Zeit, gerade wo ich eigentlich total gerne am Flussufer unterwegs bin, und es ja wirklich nicht weit bis rüber habe.
Folgerichtige Erkenntnis: „Hey, eigentlich würd´ ich ja ganz gerne mal wieder am Rhein laufen.“

Allerdings keine ganz neue Strecke, da wäre die Anfahrt einfach zu weit geworden (denn zwischen Worms und dem Kühkopf hab´ ich rechtsrheinisch alles schon mal absolviert).
Lieber was in der Nähe wie zum Beispiel…
…zum Beispiel…
…hmmm…
Ja! Genau!
Wie zum Beispiel das Rheinufer südlich von Gernsheim. So nah an zuhause wie nur möglich, und mit genug unerlaufenem Hinterland, dass ich zumindest einen Teil der Strecke auf neuen Pfaden würde zurücklegen können.

Die Idee gefiel mir, also hab´ ich sie gleich mal umgesetzt. 🙂


Start am gernsheimer Hafen, auf dem Parkplatz vor der Rampe runter zur Rheinfähre.
Unauffälliger Spätherbsttag, helltrüb bis fastheiter, trocken, kaum Wind, mit 5° relativ warm. Eigentlich ganz ok.

Von dort aus landeinwärts. Zuerst mal zur etwas klobigen Station der Wasserschutzpolizei, die am Anfang der alten, zerstörten Bahnbrücke thront, dann über eine Wiese bis auf den Weg am Nordufer des Winkelbachs (das ist übrigens die gute, alte Lauter aus dem odenwälder Lautertal, die unten im Ried ihren Namen ändert), dem ich landeinwärts folgte. 600 m. Gerade am nach Südosten, am gernsheimer Rheinpark entlang, der etwas verwildert aussah und von einem künstlich wirkenden Hügelchen mit einer Grillhütte drauf dominiert wird (nicht hoch, aber wahrscheinlich trotzdem einer der höchstliegenden Orte im Gemeindegebiet).
Tempo übrigens sehr zügig. Nicht mal bewusst, irgendwie lief ich heute von ganz alleine ziemlich schnell, ohne es wirklich zu wollen. Zwar etwas anstrengend und zwickte ordentlich in den Beinen (die waren so ein bisschen müde und steif), aber ich war ehrlich gesaft zu faul, um mich zum langsamer Laufen zu zwingen.

Nach 600 m. endete der Uferweg an der Pfälzer Str. am gernsheimer Ortsrand. Hier rechts, auf einer Brücke über den Winkelbach zum Anfang der Natostrasse, dann die Zweite links, und auf einem unmarkierten Asphaltweg neben einem ausgetrockneten aber schlammigen Bachbett (der „lange Graben“?) nach Süden in die grünbraunen Äcker, die im leichten Herbstdunst mit diffusem aber freundlichen Nachmittagslicht eigentlich ganz apart aussahen.

Schon wieder eine ewig lange Gerade, ca. 700 m. schnurgeradeaus der Sonne entgegen (wie soll man da denn bitteschön auch langsam machen, häh?), an deren Ende dann scharf links.
Lokalweg G1, am leicht bewaldeten/beunterholzten Ufer des Anglersees nach Osten (der Anglersee ist übrigens nur für Angler da, wer baden will muss an den Badesee, der direkt nördlich davon liegt. Irgendwie habens die Gernsheimer anschneinend nicht so besonders mit kreativen Gewässernamen 😀 ). Nettes Stück, während ich am Ufer entlang lief, schaute rechts im Süden mal kurz die Sonne gelblichstrahlend durch die Wolken und spiegelte sich im Wasser, auf dem ein paar Schwäne gemächlich vor sich hindümpelten, das ergab eine wunderbare Stimmung.

Hinter dem See, dann rechts auf den Lokalweg G2, einen schmalen, unebenen Feldweg, der am Fuß des Winkelbachdeichs erst nach Süden, und dann nach Osten führt durch die Äcker führt. Wieder zwei lange Geraden, bis an die B44 zwischen Gernsheim und Klein-Rohrheim, dann rechts und neben der Bundesstrasse nach Süden. Erst der Länge nach durch das kleine, etwas verwaist wirkende Klein-Rohrheim hindurch, dann weiter auf dem Fuß-/Radweg neben der Fahrbahn in Richting Groß-Rohrheim.
Natürlich eine lange, schnelle Gerade. Gut zu laufen, aber nicht besonders hübsch (ausser man mag es, 3 m. neben der Fahrbahn einer vielbefahrenen Schnellstrasse voller Laster zu laufen, und dabei die Aussicht auf unästhetische Gewerbegebiete [in diesem Fall das im Nordosten von Groß-Rohrheim]hinter braunen Rübenäckern zu goutieren – ist halt nicht so meins) , da macht man automatisch schnell.
Puha.

700 m. hinter dem Ende von Klein-Rohrheim unter der Strassenbrücke durch, dann direkt dahinter auf Höhe des kleinen, unscheinbaren Kröncke-Denkmals (das früher sicher mal eine schöne Lage mitten im Feld hatte, heute aber irgendwie doch ein bisschen dadurch verliert, dass es von der Schnellstrasse und der ICE-Trasse regelrecht eingeschnürt wird. Apropos Kröncke: Die Geschichte, warum der ein Denkmal hat, gibt´s hier… 😉 ) rechts von der B44 ab.

Breiter, neuer Betonweg am Fuß des Winterdeichs nach Westen (so langsam musste ich ja mal ans Rheinufer), markiert mit dem blauen Europaradler des Rhein-Radwegs und der R6.
Aber den nahm ich nicht – der Beton sah meinen leicht tempogequälten Haxen ein bisschen zu hart aus, und ausserdem hab´ ich ja gerne Aussicht, also lief ich lieber ein paar Meter weiter rechts, oben auf der Krone des Winterdeichs. Da gab´s auch ein Weglein, und das war nicht so hart, und man hatte mehr von der Landschaft im Blick, die durchaus ansehnlich war – ich bequengele ja immer gerne mal die endlosen Rübenäcker im Ried – die gab´s hier natürlich auch (obwohl viele davon eher nach Spargel aussahen), aber aufgelockert von alten Baumgruppen und Hecken, Flutgräben, Deichen und den prächtigen Auwäldern am Rheinufer. Oh, und das AKW Biblis nicht zu vergessen, das ist zwar nicht hübsch, aber beeindruckend.
Dazu noch ein bisschen stimmungsvoller Herbstdunst unter fahlgelbem Sonnelicht und fastblauen Himmel und viel frische Hebstluft, das ergab ein stimmiges, schönes Ganzes, dessen Anblick zudem von meinen zwickenden, zeternden und leicht krampfigen Nörgelbeinen ablenkte.

Insgesamt 2,4 nette Kilometer auf der Krone des Winterdeichs entlang (die nach der Hälfte der Strecke die Markierung G2 aufsammelte), bis zum Häuschen an den Asphaltweg zu den Seen in der Hammerau, der von Groß-Rohrheim aus über den Deich führt.

Ab hier: Schluss mit Neuland, dafür bekanntes Terrain: Rechts ab, vom Winterdeich runter und den Asphaltweg nach Nordwesten, am Waldrand der Hammerau entlang (Weiterhin G2). Links wischen den Bäumen schimmerte der größere der beiden Seen, ebenfalls wieder wunderbar stimmungsvoll im freundlichen Nachmittagslicht, da tat´s mir fast ein bisschen leid, dass ich den Foto nicht dabei hatter. Nach 350 m. links in den Wald und zwischen den beiden Seen hindurch, dann halbrechts, auf einer kleinen Holzbrücke über den ausgetrockneten Altrheinarm zum Sandwert und weiter durch die hübschen Auwiesen bis ans Rheinufer.

Ich weiss nicht, was es ist, aber immer, wenn ich so ein bisschen unverhofft auf richtig große Wasserflächen treffe, macht mich das ein bisschen glücklich.
Das gilt sowohl für das Meer (das ich seit Jahren nicht mehr gesehen habe. Seufz!) als auch für den Rhein – ist irgendwie schön, wenn sich die Wiesen öffnen, und vor einem der graubraune, gemächlich dahinfliessende Strom auftaucht, weit, offen, garniert mit Baumgruppen, Auwiesen und Kiesstränden, befahren von mächtigen, ebenfalls gemächlich dahingleitenden Frachtkähnen (Tipp am Rande: Die sind zwar nicht schnell, aber auf ein Wettrennen mit ihnen sollte man sich als langsamer Läufer trotzdem nicht einlassen, denn selbst flussaufwärts schaffen die noch ihre 13 oder 14 km/h).
Und um das Ganze noch besser zu machen, tauchte just in dem Moment, als ich das Ufer erreichte, die Sonne unter den Wolken hervor, tauchte alles in ein rotgelbes, warmes Herbstlicht, und spiegelte sich wie ein langes goldenes Band in der Flussmitte – das war so wunderschön, dass ich erstmal ein, zwei Minuten Pause machte, die herrliche Stimmung genoss, und dabei ein bisschen die Seele baumeln liess.
Tat verdammt gut…

…und weit war´s nun auch nicht mehr. Nachdem ich genug wohlbefinden getankt hatte, wandte ich mich nach rechts und folgte dem Rhein-Neckar-Weg (rotes R) am Flussufer nach Norden über den/die/das (???) Sandwert.

Auch hier war´s richtig hübsch: Der (?) Sandwert ist eine Art Insel oder Halbinsel, die durch einen normalerweise trockenen Altrheinarm vom Festland getrennt ist (also keine echte Insel sondern eher… naja… also… ach, ich weiss auch nicht… 😉 ) und die ziemlich naturbelassen ist. Entsprechend nett ist die Umgebung: Breiter Fluss (in dem immer noch herrlich die Sonne schimmerte), hohe alte Bäume, verwilderte Auwiesen, und mittendurch der Uferweg, auf dem ich gerade nach Norden lief. Schön.

Ziemlich genau ein Kilometer über den (?) Sandwert, dann erreichte ich den Parkplatz am Ende der gernsheimer Natostr., machte einen Schlenker nach rechts (auf einer breiten Brücke über den trockenen Altrheinarm runter vom [?] Sandwert), und folgte dem Rhein-Neckarweg dann nach links, durch den dichten, wildwüchsigen Wald des „Rosengarten“ nach Norden.

Nach einem halben Kilometer links runter zurück an den Fluss (noch mal wunder-, wunder-, wunderschön im rötlichen Abendlich), dort dann auf der offenen Rheinpromenade direkt am Ufer zurück nach Gernsheim.
Nochmal ein Stück zum richtig Tempo machen: Der Weg ist gerade, bequem und breit, und an seinem Ende erheben sich gut sichtbar die Pfeiler der zerstörten Eisenbahnbrücke am gernsheimer Hafen. Sieht so aus, als wäre man praktisch schon da, tatsächlich ist es aber ein Stück von fast 1,5 km Länge, das braucht selbst im Semisprint seine Zeit,

Schließlich war ich aber doch da, überquerte nochmal den Winkelbach auf der Brücke an der Bachmündung, lief unter den mächtigen Brückenpfeilern durch, und erreichts – etwas ausser Atem aber glücklich – den Parkplatz an der Fähranlegestelle mit dem wartenden Auto.

Sehr guter Lauf, besonders am Wasser war´s so wunderschön, das hat richtig gut getan.
Allerdings auch ein bisschen anstrengend. Die Kondition hat zwar gut mitgemacht, aber meine Beine wollen im Moment einfach nicht so sehr – zumindest nicht, ohne sich zu beschweren. Aber hey, das ist eben die Wintersaison, da fallen die kleinen Wehwehchen halt immer ein bisschen mehr auf, als im Sommer…

Strecke: 11,2 km
Zeit: 1:00 h (= 11,2 km/h bzw. 5:21 min/km)
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 53,04% (5,94 km von 11,2 km)
Karte:
gernsheim-sud

M.

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3 Antworten to “Rückkehr an den Rhein: Gernsheim und Klein-Rohrheim (11,2 km)”

  1. Gerd Says:

    Wow, wow, wow.!!!! 😆
    Das ist z.B. eine Geschwindigkeit die kann ich schon mal vergessen. Viel zu schnelle für mich. Vielleicht mal für einen Kilometer aber dann ist Feierabend. Und zwar für den Rest des Laufes. Warst Du auf der Flucht? 😆

  2. matbs Says:

    Alles Übung, Gerd – Ausdauermässig bin ich nach dem letzten Jahr zwar ziemlich piefig, aber mein Tempo (sowohl normal als auch maximal) hat sich echt verbessert.

    Auf der Flucht war ich übrigens nicht, das ist wirklich einfach so passiert. Bei den vielen langen Flachlandgeraden mit Wegen bis zum Horizont wird man ganz automatisch etwas schneller, wenn man´s nicht bewusst drosselt – und dazu war ich bei dieser Tour wie gesagt zu faul, also hab´ ich´s halt einfach laufen lassen (wobei „ich war zu faul, deswegen bin ich schneller gelaufen“ zugegeben irgendwie etwas paradox klingt… 😀 ).

    …und so doll ist ein Elfer-Schnitt ja jetzt auch nicht – da gibt´s wesentlich fixere Läufer, für die das noch ein gemächlicher Spaziergang wäre… 😉


  3. […] Rückkehr an den Rhein: Gernsheim und Klein-Rohrheim (11,2 km) […]


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