Frostig-trübe Dezemberrunde über den Darsberg und das Alsbacher Schloss (11,1 km)

17. Dezember 2008

Draussen ist es eklig, trüb und kalt, drinnen fühle ich mich irgendwie ausgelaugt und ständig müde (viel um die Ohren + zu wenig Schlaf, das läppert sich).
Keine idealen Bedingungen fürs Laufen, aber nachdem ich mich gestern schon gedrückt hatte, musste es heute mal wieder sein.

Also beschloss ich vorhin relativ kurzfristig, heute mal wieder auf den Melibokus zu laufen. Dessen Gipfel wird schon seit Tagen völlig von einer eisigen Nebelwolke umhüllt, die dort oben wie eine riesige Raubkatze kauert, und nur darau zu warten scheint, dass der Winter auch wieder in unsere tieferen Gefilde vordringt und sie sich talwärts wagen kann. Entsprechend versprach eine Tour dort hoch zwar nicht die normalerweise zu erwartende grandiose Fernsicht, aber zumindest mal etwas anständigen, weissen Winter – immerhin mal was anderes als das deprimierende feuchtkaltetrübe Einheitsgrau hier unten am Rand der Ebene…

Warm angezogen, Nemo angeschirrt (der darf jetzt in der kalten Jahreszeit immer öfter mit), und los.


Freudloser, lustloser Start: Ohne sonderlich viel Spass oder hohe Erwartungen die Jossastr. hoch in den Wald, dort dann die übliche Standartroute durch das trübe Darsbergtal, vorbei am freudlosen Wasserturm auf der Anhöhe über dem Merck-Anwesen, dann rechts auf den naßkalten Pürschweg (SJ2) in Richtung Melibokus.

Ab hier fing´s dann langsam an, gar nicht mehr so unangenehm zu sein: Tempo langsam, Hund machte gut mit, der Aufstieg fiel angenehm leicht, und wir hatten den Wald völlig für uns – kein Riesenspass, aber eigentlich ganz angenehm, da hob sich sogar meine suboptimale Laune etwas – kein Riesenspass, aber irgendwie tat´s doch ganz gut.

Fast schon hübsch wurde es dann direkt hinter Darsberghütte (375 m.ü.NN): Von jetzt auf gleich liefen wir in die Nebelwolke, und der graue, traurige Herbstwald verwandelte sich tatsächlich in die erhoffte Winterlandschaft: Ein bisschen Schnee, viel Rauhreif, und dazu der fette, eisigkalte Nebel, der auf höchst stimmungsvolle Art und Weise zwischen den Bäumen herumwaberte.
Wirklich nett.

Dummerweise gab´s allerdings auch ein großes Problem:
Hier oben herrschte offenbar schon seit Tagen Permafrost, und entsprechend war der Boden hartgefroren.
Ebenso war es seit Tagen feucht und neblig gewesen, so dass sich auf dem Weg eine dünne, aber fast durchgängige Eisschicht gebildet hatte.
Und gerade als wir heute Mittag da hoch liefen, waren die Temperaturen ein kleines bisschen über 0° geklettert, so dass diese Eisschicht oben ganz leicht angetaut war…

Die Folge: Es war spiegelglatt auf dem Pürschweg, die reinste Eisbahn. Da rutschte selbst Nemo mehrmals weg, und der hat einen fast perfekten Schwerpunkt und stabilen Vierbeinantrieb. Ich selbst schlidderte mehr schlecht als recht den Weg hoch, was ehrlich gesagt nicht besonders gut klappte (ich weiss ja nicht, ob ihr schon mal versucht habt, eine mehrere Kilometer lange, glatteisige Steigung von durchschnittlich 8% hochzujoggen, das ist gar nicht so einfach).

Nachdem wir uns das ein paar hundert Meter gegeben hatten und es nicht danach aussah, als würde es sich auf dem Rest des Aufstieges enden, beschloss ich spontan, heute lieber mal auf den Melibokus zu verzichten – unter solchen Bedingungen die steile, harte Asphaltstrasse zum Gipfel hochlaufen zu müssen war irgendwie keine besonders einladende Vorstellung…

Also brachen wir den Aufstieg ca. 800 m. hinter der Darsberghütte ab und bogen rechts auf sanft abwärts führenden Hohe-Stich-Weg (gelbes V) ein, dem wir vorsichtig (wegend er Glätte und so) bis zur Wegscheide über der Hoboken-Hütte folgten, wo der Winterzauber auch schon wieder vorbei war – unglaublich, was so ein paar Höhenmeterchen ausmachen!

Dort folgten wir dem Hoboken-Weg (gelbe 4) geradeaus zur pyramidenförmigen Grillhütte am Erlengrund, dann weiter abwärts bis zum Beginn des Herrenwegs in Richtung Auerbacher Schloss, auf den wir kurzentschlossen einbogen, und noch ein paar hundert Meter um das nächste, weite Tal in der Bergflanke herumliefen.
Hier hing überall ein ziemlich durchdringender und ungewöhnlicher Geruch zwischen den Bäumen, der mir irgendwie bekannt vorkam, den ich aber nicht auf Anhieb einordnen konnte.
Dann fiel´s mir ein: Es roch nach Wildschweinen.
Und zwar nach vielen!
Sofortiger Stopp um den Hund anzuleinen, nur zur Sicherheit.
Vor Wildschweinen sollte man immer Respekt haben, denn auch wenn sie normalerweise extrem scheu und vorsichtig sind, handelt es sich immer noch um gewaltige Muskelberge mit Hauern wie Steakmesser, da muss man ja nicht noch absichtlich riskieren, dass der blöde Köter in einem Anfall von suizidaler Neugierde beschliesst, sich mit denen anfreunden zu wollen (oder – Gott bewahre – mit einem von ihnen Streit anzufangen).

Also von nun an mit Leine weiter. Zu Gesicht bekamen wir die Schweine nicht (was kein Wunder ist, denn auch wenn es hier oben angeblich relativ viele von ihnen gibt, kriegt man sie fast nie zu Gesicht, weil sie sich tagsüber in tiefen Tälern und dichten Gestrüppregionen verstecken – in den zehn Jahren, in denen ich am Melibokusmassiv jogge, habe ich nur dreimal welche gesehen), aber wahrscheinlich hockten sie irgendwie am Abhang in einer Dickung, beobachteten uns mit ihren kleinen, klugen Schweinsäuglein, und warteten darauf, dass wir endlich verschwänden.

Was wir dann auch taten: Am Ende des Tals rechts, und über den verlängerten Höhenrücken der Orbishöhe runter auf den Comoder Weg, dort dann wieder rechts bis zum Alsbacher Schloss (Burgenweg/Blaues B und Alemannenweg/rotes S).

Am Schloss angekommen drehten wir eine kurze Ehrenrunde um die altehrwürdigen Mauern der Burg (immer wieder ein imposanter Anblick, auch wenn sie deutlich bescheidener als das weiter südlich gelege Auerbacher Schloss ist) und bogen dann auf den Schlossweg (gelbe 2) ein, der in mehreren Serpentinen den bewaldeten Hang hinab bis nach Alsbach führt.

Dort dann geradeaus, die hochgelegene Hindenburgstr. entlang, von der aus man normalerweise einen grandiosen Blick zwischen den Häusern am Steilhang hindurch auf die Rheinebene hat. Heute allerdings nicht, war zu grau und diesig, da konnte man gerade mal bis Gernsheim rüber sehen. Pfff…
Am Ende der Hindenburgstr. links, die steile Schloßstr. runter (gottseidank war hier kein Glatteis mehr, sonst wär´ das sehr haarig geworden), und unten dann auf der normalen Alsbach-Durchquerungsroute (Lindenstr., Am Katharinenberg, Jugenheimer Str., Blütenweg durchs Feld nach Jugenheim) zurück nach Hause.

Hm. Das war besser als erwartet – keine echte Supertour, aber problemlos, und hinterher fühlte ich mich doch tatsächlich etwas ausgeglichener und zufriedener als vorher. Immerhin…

PS: Oh, Nemo hat´s übrigens auch gefallen, sagt er. Bloss dass er kein Wildschwein erlegen durfte, das wurmt ihn etwas… 😉

Strecke: 11,1 km
Zeit: 1:11 h (= 9,39 km/h bzw. 6:24 min/km)
Neue Strecke: –
Karte:
darsberg-alsbacher-schloss

M.

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2 Antworten to “Frostig-trübe Dezemberrunde über den Darsberg und das Alsbacher Schloss (11,1 km)”

  1. Gerd Says:

    Draußen ist´s auf jeden Fall besser und gesünder wie drinnen in den überhitzten Räumen. Vielleicht solltet ihr beiden es mal mit Spikes probieren wenn ihr ins Gebirge geht! 😉
    Wildschweine gibt´s bei uns massig. Aber sehen lassen sie sich zum Glück nicht. Aber riechen, riechen kann ich sie fast täglich.
    Da hab ich schon Respekt vor in meinem dunklen Wald!

  2. matbs Says:

    Hmm, eine interessante These, von der ich allerdings nicht so ganz überzeugt bin: Mir erscheint das Verhätlnis von 22 Stunden drinnen und 2 Stunden draußen jetzt im Dezember doch irgendwie wesentlich gesünder als die umgekehrte Variante.
    Then again: That´s just me, and I´m a certified wimp… 😉

    Aber mit den Wildschweinen geb´ ich dir auf jeden Fall recht – wenn ich immer mal was von den lokalen Jägergeschichten mitkriege, in denen von 150 kg schweren Keilern die Rede ist, bin ich immer sehr beeindruckt…


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