Zum allererstenmal über die Melibokuskuppe!!! (10,3 km)

19. Dezember 2008

Heute morgen vor dem Fenster dasselbe Bild wie die letzten Tage: Alles Grau und Grau, tot, eklig, nasskaltfiesmiesdeprimierend.
Da reichte ein Blick, um jede Vorfreude auf den heutigen Lauf im Keim zu ersticken. Und danach in einen stabilen imaginären Jutesack zu stecken, den gut zu verschnüren, und schließlich unter Tonnen von Unlust zu verscharren.
Bäh, so´n Dreck!

Aber es wurde besser.

Später Vormittag: Regen hört auf, es ist nicht mehr ganz so düster.

Mittagszeit: Die vermeintlich undurchdringlichen Wolken reissen auf und beginnen, nach Osten abzudriften.

Nachmittag: SONNE!!!!!!! Yaaaaaaayyyy!!! 🙂

Fast schon beängstigend, wie so ein bisschen blauer Himmel und ein paar milchig-flache Sonnenstrahlen meine Lebensgeister und Lauffreude wecken. Also: Nix wie raus und laufen, schließlich lässt sich unser gutes, altes Zentralgestirn in diesen kurzen Wintertagen so selten blicken, dass es eine Schande wäre, seine temporäre Sichtbarkeit ungenutzt verstreichen zu lassen.

Laufklamotten an, den schon ungeduldig wartenden Nemo angeschirrt, und gutgelaunt ins Licht gestartet, ohne viel über Streckenführung oder ein mögliches Ziel nachzudenken – dafür war schließlich noch unterwegs Zeit.


Zuerst südwärts, auf dem Blütenweg nach Alsbach, direkt der blendend hellen Sonne entgegen.
Tat das gut!
Ein Blick nach links oben verriet: Auch die dicke Eisnebelwolke, die seit Tagen am Melibokus gehangen hatte, war nicht mehr da, der Gipfel war frei – ja perfekt, vorgestern hatten wir da wegen Glatteis nicht hochgekonnt, das würden wir heute einfach nachholen.
Ziel also: Der Melibokus. Und zwar mal nicht über den ollen Pürschweg, den wir sonst immer nehmen, sondern heute mal von Alsbach aus, via Alsbacher Schloss und Erlengrund – ein ordentlich anstrengende Aufstieg, den ich schon eeeewig nicht mehr gemacht hatte, genau das richtige für einen Sonnentag!

Folgerichtig in Alsbach erstmal der normalen Route nach Süden gefolgt: Erst kurz die Jugenheimer Str. entlang, dann links hoch in die Strasse „Am Katharinenberg“, dann geradeaus am Hirschpark vorbei durch die Lindenstrasse. Tempo ordentlich aber nicht gehetzt, Nemo konzentriert und zufrieden, Matthias auch – perfetto!

Am Ende der Lindenstrasse links, die Kirchstr. hoch in Richtung Schloss. Ab hier war Schluss mit bequem, von nun an würde es bis zum Gipfel des Melibokus praktisch nur noch bergauf gehen – und das war noch ganz schön weit hin (nämlich fast 4 km).
Vorerst aber kein Problem, denn die Kirchstr. steigt erst mal ganz gemächlich durchs Alsbacher Oberdorf. Kurz vor dem Ortsende bogen wir rechts in die Hindenburgstr. ein, folgten der für vielleicht 200 m. (natürlich weiter aufwärts), und verliessen Alsbach dann auf dem Burgenweg (blaues B)/Alemannenweg (rotes S), der geradewegs durch den Wald bis hoch auf den Schlossberg führt.

Hier wurde es dann schon etwas anstrengender, denn das Stück ist steil und gar nicht so kurz. Aber es war ja sonnig, und wir waren frisch, da klappte das prima (zumal uns mitten im Aufstieg ein anderer Hund mit Herrchen begegnete, mit dem sich Nemo erstmal in einer kurzen Pause bekannt machen musste. Ich wär ja weiter gelaufen, aber… 😉 ).

Links an den alten Mauern des Schlosses vorbei (die ersten 100 HM geschafft, noch knapp 300 lagen vor uns) und immer weiter bergauf, und zwar auf dem Hoboken-Weg (gelbe 4), der vom Freizeitgelände hinter dem Schloss durch den Wald bis zum Erlengrund hinauf führt.
Steigung: Ordentlich aber erträglich.
Moral: Exzellent.
Konstitution: Ausgezeichnet.

Anstrengend war´s allerdings schon, auch wenn das nicht zuletzt daran lag, dass ich die Strecke normalerweise immer nur bergab laufe – entsprechend wirkte sie bergauf doch ein bisschen zäh, die ganzen vertrauten Geländemerkmale, die in entgegengesetzter Richtung so mühelos vorbeifliegen, mussten heute mal hart erarbeitet werden.

Um die scharfe Kehre am Anfang des Herrenwegs, dann den überraschend langen Hangweg bis zur Lichtung am Erlengrund. Dort bogen wir scharf rechts ab, auf den unmarkierten Serpentinenweg in Richtung Gipfel. Weiterhin steil und anstrengend, dadurch wurden wir aber immer wieder mit herrlichen Ausblicken belohnt, durch die kahlen Bäume hindurch runter ins weite, sonnendurchflutete Flachland der Rheinebene. Schön (fand ich. Nemo hatte offensichtlich keine Meinung dazu, der war zu beschäftigt sich nach Kräften in den vielfach vorhandenen Pfützen einzusauen…).

In der ersten Serpentine liefen wir geradeaus/halblinks weiter, einen ebenfalls unmarkierten Weg am Südhang des berges hinauf, von dem ich wusste, dass er irgendwann auf den Lucibergweg zum Gipfel stossen würde (das ist übrigens auch die Strecke des Melibokuslaufs, der alljährlich im Juni in Alsbach ausgetragen wird). Schönes Stück durch lichten Hangwald, natürlich steil und schlammig, aber insgesamt trotzdem sehr angenehm zu laufen. So nach und nach tauchten sogar die ersten Schneereste am Wegesrand auf, ein sicheres Zeichen, dass wir uns nach oben schraubten.

Nach etwas über einem halben km (und vielleicht 40 angenehmen HM) vereingte sich der Weg wie erwartet mit dem Lucibergweg (gelber Balken)/Nibelungensteig (rotes N)/Alemannenweg (rotes S), der von Zwingenberg bis zum Gipfel führt – glücklicherweise oberhalb der richtig schlimmen Passagen, die mir vor ein paar Wochen ziemlich zu schaffen gemacht haben.
Von jetzt an war´s eigentlich kein Problem mehr, denn wir mussten einfach nur noch den Markern bis zum Gipfel folgen (der hier und da schon zwischen den Bäumen erkennbar war – eigentlich gar nicht mehr weit, aber es ja nur langsam am Hang hinauf ging, kam er trotzdem nicht besonders schnell näher).
Gut, ein bisschen steil war´s noch, aber das ging.
Und der schmale Waldweg verwandelte sich nach und nach in einen Sumpf aus Laub, Schlamm und schmelzendem Schnee. Aber es war ja immer noch herrlich sonnig, da war das egal…

Vor der Melibokusstrasse noch mal scharf rechts, dann weiter dem Luciberg-Weg aufwärts gefolgt und am steilen Südhang aufwärts, kurz vor dem Gipfel dann noch mal links ab und die letzten paar Meter bis ganz nach oben auf dem Melibokusweg (gelbe 6) zurückgelegt, der hier oben eigentlich nur noch ein winziges, sacksteiles Trampelpfädchen ist, das direkt am Fuß der Terasse unterhalb des Aussichtsturmes auf dem Gipfel rauskommt. Der liess sich nur noch gehend/kletternd zurücklegen – und selbst das klappte nicht so perfekt, wie ich schmerzhaft feststellen durfte, als ich nur wenige Meter vor dem Ziel wegrutschte und mich zum Abschluss des Aufstiegs noch mal grandios auf die Fresse (bzw. den linken Ellbogen und die linke Hüfte) legte.
Autsch!
Immerhin hatte Nemo den Anstand, mich nicht auszulachen… 😉

Und dann waren wir oben, auf der Terasse am Aussichtsturm – Wie immer ein gutes Gefühl (um so mehr, als die heutige Route schon ein bisschen anspruchsvoller gewesen war, als die Standartstrecke über den Pürschweg)!
Entsprechend gab´s eine kurze Pause mit Belohnung (Hundeleckerli für Nemo, herrlicher Ausblick von der Terasse auf die weite, sonnige Rheinebene tief unten für mich), und dann machten wir uns auf den Rückweg.

Und da wartete gleich mal eine Riesenüberraschung: Die Melibokuskuppe direkt hinter der Terasse war frei zugänglich!!!
Wahnsinn, wie geil is´ das denn?!? 🙂

Um das mal kurz zu erklären: Oben auf der Kuppe des Melibokus hat sich seit Jahrzehnten eine Militäreinrichtung der Amerikaner befunden, mit Funkturm (oder Störsenden. Oder Funkfeuer. Oder wasauchimmer), Baracken, ein paar Wohncontainern, alles umgeben von einem hohen, undurchdringlichen Zaun, der bis vor ein paar Jahren mit Schildern gepflastert war, auf denen Eindringlingen, Hobbyfotografen und kommunistischen Spionen mit drakonischen Strafen gedroht wurde, falls sie sich dem Gelände nähern sollten.
Anders ausgedrückt: Der eigentliche Melibokusgipfel war Sperrgebiet, und zwar solange ich denken kann.
Vor ein paar Jahren sind die Amerikaner dann zwar abgezogen und der Funkturm wird seitdem zivil genutzt, aber der Zaun und die Wohncontainer sind geblieben, und man konnte immer noch nicht auf die Kuppe rauf.
Zumindest vor ein paar Wochen: Da wurde nämlich mit der Räumung des Gipfels begonnen, und die ist jetzt offenbar abgeschlossen. Keine Baracken mehr. Keine Wohncontainer. Und vor allem: Kein Zaun mehr.
Da, wo einstmals Sperrgebiet war, ist jetzt eine offene Freifläche, aus der sich einsam der Funkturm erhebt (der zugegeben noch einen kleinen Zaun hat) – zum ersten Mal seit Jahrzehnten ist der eigentliche Gipfel des Melibokus frei zugänglich.
Das klingt jetzt wahrscheinlich nicht so doll, aber für mich als jemanden, der schon zig mal hier oben war, aber noch nie wirklich auf den Gipfel laufen durfte, war´s eine richtig schöne Überraschung.
Gerade natürlich im Sonnenschein… 😉
Das muss man geniessen!

Also dann: Zum allererstenmal in meinem Leben betrat ich die Melibokuskuppe und joggte geradewegs über die Freifläche in Richtung der Melibokusstrasse auf der anderen Seite des Gipfels.
Liess sich ehrlich gesagt total beschissen laufen, denn der schwere Lehmboden war immer noch von den Rückbauarbeiten aufgewühlt und zudem von der Schneeschmelze eingefeuchtet… Aber egal: Für das Privileg, zum ersten Mal über den Melibokus laufen zu dürfen nimmt man auch zwei Kilo kaum entfernbaren roten Lehm an jedem Schuh und dem Hund in kauf, jawollja! 😀

Auf der anderen Seite der Kuppe ging´s dann wieder in altbekanntes Terrain: Die Melibokusstrasse runter, die dank ihrer geschützten Lage am Osthang noch nicht allzuviel vom Tauwetter mitbekommen hatte und entsprechend so vereist, angeschneit und furchtbar schlübbrig war (ich weiss, das Wort gibt´s nicht – aber „schlüpfrig“ klingt einfach nicht rutschig genug 😉 ), dass man sie teilweise nur in winzig-vorsichtigen Trippelschritten oder auf dem Hosenboden bewältigen konnte (ich entschied mich für Ersteres…).

An der dritten Strassenserpentine dann geradeaus auf den guten, alten Pürschweg (SJ2), und dem einfach nur noch 4 km bergab gefolgt, vorbei am Hohe-Stich-Weg, der Darsberghütte, der Darsbergwiese und dem merckschen Wasserturm bis nach Hause.

Tja, was soll ich sagen?
Das war richtig gut. Hat gutgetan und einen Riesenspass gemacht, sowohl mir als auch Nemo (der am Ende allerdings so eingesaut war, dass er in die Badewanne musste – das hat ihm dann nicht so viel Spass gemacht, auch wenn er wahrscheinlich ganz froh war, die geschätzten zwei Tonnen Erdreich in seinem Pelz loszuwerden. Mein Hund der Erosionsfaktor… 😆 ).
Und dafür ist natürlich vor allem der herrliche Sonnenschein verantwortlich, der die Tour nicht nur erträglich, sondern sogar richtig schön gemacht hat.
Deshalb: Vielen Dank, liebe Wintersonne, schau´ ruhig mal wieder vorbei! 😀

Strecke: 10,3 km
Zeit: 1:07 h (= 9,22 km/h bzw. 6:30 min/km)
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 1,84% (0,19 km von 10,3 km)
Karte:
alsbacher-schloss-melibokus-purschweg

M.

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6 Antworten to “Zum allererstenmal über die Melibokuskuppe!!! (10,3 km)”

  1. Helmut Z. Says:

    Hallo Matthias,
    gratuliere zur Erstbesteigung des Melibokus-Hauptgipfels. Da hast Du mir was voraus. Werde es bald etwas gemächlicher im Rahmen eines Besuches der Gipfelhütte nachholen.
    H. aus dem Ried

  2. matbs Says:

    Hallo Helmut,

    dankeschön! 🙂

    Zieh am besten festes Schuhwerk an, denn das Erdreich an der Kuppe ist wie gesagt noch furchtbar locker und klebrig…

    Viel Spass beim Aufstieg!

    Matthias

  3. Torsten Says:

    Dann mal Glückwunsch zur Überquerung der Melibokusspitze – der Name des Berges hört sich irgendwie nach Hollywood an. Hat einen klasse Klang.

  4. matbs Says:

    Hi Torsten,

    vielen Dank, obwohl´s eigentlich keine große Sache war, hat sich´s wirklich schön angefühlt… 🙂

    Und der Name ist wirklich ziemlich cool, wenn man mal drüber nachdenkt (was man als Anwohner allerdings meiste nicht mehr macht – die pöse Gewohnheit mal wieder… 😀 ) – wenn ich mich recht erinnere, stammt er ursprünglich von einem griechisch-ägyptischen Geographen Ptolemäus, der im zweiten Jahrhundert n.Chr. einen Berg in Germanien beschreibt, der diesen Namen trägt – wahrscheinlich hat er den Brocken im Harz gemeint, aber irgendwann im Spätmittelalter ist dann irgendwer durcheinandergekommen und hat gemeint, es wäre die höchste Erhebung der nördlichen Bergstrasse – und seitdem heisst die eben „Melibokus“ (früher nannte man sie auch mal den „Malschen“ [oder „Mons Malscus“ auf Küchenlatein] aber den Namen kennt heute keine Sau mehr).

    Gruß

    Matthias

  5. Gerd Says:

    Ich hoffe Du hattest eine Fahne dabei. 😆

  6. matbs Says:

    Nee, nur den Hund, und den wollte ich nicht da oben lassen… 😉


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