Fototour zur Ruine Jossa und aufs Alsbacher Schloss (13,3 km)

3. Februar 2009

Hm…
Irgendwie hab´ ich in letzter Zeit ziemlich oft den Foto mit dabei.
Das liegt sicherlich zum Teil daran, dass ich mit der Kombination von Laufen und Fotografieren vertrauter werde und mich so langsam dran gewöhnt habe.
Entsprechend schnappt man sich auch mal schneller spontan die Kamera und nimmt sie mit.

Aber möglicherweise gibt´s dafür auch noch einen anderen Grund:
Ich brauche beim Laufen ja immer ein etwas Spannung, Abwechslung, Stimulation.
In den letzten Monaten war das alles ein bisschen weniger als gewohnt, aufgrund von Witterung, knapper Zeit, und der Tatsache, dass ich inzwischen fast alles in einem ziemlich großen Radius um zuhause rum erkundet habe.
Hat mich schon gestört (und tut´s ehrlich gesagt immer noch…).
Jetzt frage ich mich: Benutze ich den Foto in dieser Situation vielleicht unbewusst auch als ein Hilfsmittel, das mein Lauferleben erneuert und auffrischt, indem es mir erlaubt, bereits Bekanntes aus einem leicht veränderten, neuen Blickwinkel wahrzunehmen?
Kann es sein, dass ich beim Laufen mit Kamera in eine etwas andere Rolle schlüpfe und dann nicht mehr so sehr als „Entdecker in eigener Sache“ unterwegs bin, sondern ein bisschen mehr als „Reporter“, der bereits „entdeckte“ Gegenden für ein abstraktes aber implizit vorhandenes Publikum aufbereitet und dadurch selbst wieder ein Stück weit neu erlebt?
Ganz ehrlich: Ich weiss es (noch?) nicht so genau.
Aber es ist zumindest eine sehr interessante Vorstellung, die mir eigentlich ganz gut gefällt (denn die Fähigkeit, im Alten Neues entdecken zu können und sich selbst immer mal wieder ein bisschen neu zu definieren, ist etwas ungemein Wertvolles).

So.
Soviel dazu, aber deswegen sind wir natürlich nicht hier –
ihr (also das hochverehrte abstrakte aber implizit vorhandene Publikum) wollt ja wahrscheinlich einen Laufbericht, und nach der Überschrift und der Einleitung wahrscheinlich auch einen mit Fotos.

Na gut, sollt ihr haben: 🙂


Heute im Programm:
Burgentour.
Hab´ ja schließlich genug von den Dingern hier rumstehen (nämlich mindestens mal 5 Burgen/Burgruinen innerhalb von einer Laufstunde – mit niedrigen Ansprüchen und hohem Tempo könnte man sogar auf 10 kommen), und nachdem ich in den letzten Wochen bereits zwei davon (Auerbacher Schloss und Burg Tannenberg) mit einem Fotolaufbericht beschrieben habe, wollte ich heute einfach mal die nächsten zwei abarbeiten, nämlich die Ruine Jossa und das Alsbacher Schloss.

Äußere Bedinungen: Frühlingshaft.
Viel Sonne, frische Luft, singende Vögel, subtropische 4° bis 5° Celsius – wunderbar. Lediglich die extreme Diesigkeit schränkte den positiven Gesamteindruck etwas ein, aber wer braucht schon Fernsicht… (ok, bei der Burgentour in den Bergen wäre Aussicht schon nett gewesen)?
Fast perfekt, also Hund und Kamera geschnappt und los ging´s.

Von zuhause aus…
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„Ja was? Kommste jetzt endlich mal?“

..hoch in den Wald…
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…und dort auf dem Burgenweg (blaues B, Anfangs auch noch Alemannenweg/Rotes S)…
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Burgenweg nach Norden, an der Merckschen Gichtmauer über Jugenheim – hier sind wir nicht lang, aber es sah so nett aus, dass ich´s trotzdem mal fotografiert hab´)

…das tiefe, schmale Darsbergtal hoch, in das die Sonne nicht reichte, und wo´s entsrpechend schattig und ziemlich eisig war:
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Schon mal ein netter Einstieg, ca. 800 m. ganz ordentlich bergauf, durch den Talgrund unterhalb des steilen, hoch aufragenden Bergvorsprungs, auf dem die Ruine Jossa liegt:
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Am Ende des unteren Darsbergtals hatten wir eigentlich dem Burgenweg folgen wollen – scharf rechts um eine Serpentine, dann an der Talwand hoch und auf dem kürzesten Weg zur Jossa rauf.
Aber es leif so gut und war gerade so schön sonnig (ok, hier unten im Tal jetzt nicht, aber insgesamt) und die Vögel sangen und es roch nach Frühling und lief so gut, also machten wir das nicht.
Stattdessen: Scharf links und auf einem namenlosen Forstweg die andere Talwand hoch, um dann durchs mittlere Darsbergtal von hinten auf die Jossa zu laufen.
Eigentlich ein Umweg, aber wo´s doch gerade so nett war…

Nach ca. 150 m. die nächste Wegscheide. Von hier aus konnte man bereits die Konturen der Ruine Jossa auf der anderen Talseite erkennen:
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Deutlich gegenlichtig und viel zu sehen gibt´s sowieso nicht. Immerhin: Man erkennt in der Bildmitte den Höcker des ehemaligen Burgbergs, links und rechts eingerahmt von den Vertiefungen der Grabenanlage

Hier bogen wir wieder scharf rechts ab, auf den namenlosen, halbvergessenen „Weg“, der durch das mittlere Darsbergtal bis zur Ruine hochführt. Landschaftlich hübsch, mit dunklen Nadelholzdickungen und knorrigen alten Bäumen:
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Läuferisch hingegen eher… suboptimal. Der „Weg“ existiert eigentlich nur noch auf dem Papier (der Wanderkarte) – wird schon ewig nicht mehr gepflegt, vor ein paar Jahren hat mal irgendein Forstarbeiterpanzer bei schlammigem Wetter dezimetertiefe Furchen reingegraben, seitdem holt in sich die Natur zurück.
Quasi Wildnis, im Sommer eine einzige dornige Schlammwüste, im Winter eine holpriger, stolpriger Albtraum aus hartgefrorenen Unebenheiten, die tückisch unter einer dichten Laubschicht versteckt sind:
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In echt ist dieses Stück noch viel schlechter, als es auf dem Foto den Anschein hat. Ungelogen!

Abgesehen davon aber nett – schön abgeschieden und einsam, und mit einer Steigung, die ohne die knöchelbrechende Wegqualität eigentlich sehr angenehm gewesen wäre.

Nach ca. einem halben holprigen km bergauf durchs mittlere Jossatal erreichten wir schließlich den langgezogenen Bergvorsprung mit der Jossa drauf:
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Jetzt einfach nur noch geradeaus bis zu den Überresten der Burg.
Bevor wir das abhandeln: Erwartet jetzt bloss nicht zu viel, denn die Jossa ist mit abstand die unspekakulärste Burgruine am Melibokusmassiv:

Kurzinfo: Burgruine Jossa über Jugenheim. Erbaut gegen Ende des 13. oder Anfang des 14. Jahrhunderts. War sowohl strategisch (keinerlei strategische Bedeutung, die die benachbarten Burgen nicht besser abgedeckt hätten) als auch taktisch (schlechte Lage, musste auf drei Seiten mit Burggraben gesichert werden obwohl sie auf einem Bergsporn lag, und konnte trotzdem noch von der Bergflanke dahinter von oben eingesehen und beschossen werden) als auch bautechnisch (1000 qm Grundfläche sind nicht viel, vor allem wenn ein großer Teil dieser Fläche für einen unbewohnten Zwinger und meterdicke Burgmauern draufgeht. Angeblich hatte der Bergfried zwar über 3 m. dicke Mauern, aber nur einen weniger als 2 m. breiten Innenraum…) keine richtig gute Idee. Entsprechend wurde sie nur ein paar Jahrzehnte bewohnt und dabei lustlos zwischen diversen Lokal- und Regionaladeligen hin und hergeschenkt, vererbt oder verlehnt, und dann schließlich irgendwann gegen in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts sang- und klanglos aufgegeben. Danach verfiel sie still vor sich hin und diente dabei jahrhundertelang der Bevölkerung der umliegenden Dörfer als Quelle für billiges Baumaterial, bis kaum noch was übrig war. Als dann im Zuge der Romantik viele umliegende Burgen wiederaufgebaut wurden, hat man die Jossa glatt übersehen (bzw. nur einen „Tanzplatz“ auf dem Burgberg gebaut), so dass heute nur noch ein paar Mauerreste übrig sind.

Wie gesagt: Ziemlich unspekatkulär, vor allem im Vergleich mit den umliegenden Burgen. Aber es ist meine „Hausburg“, und hübsch ist es trotzem, vor allem an einem Tag wie heute, wo die milde Vorfrühlingssonne den Bergsporn in ein wunderbar warmes, weiches Licht hüllte. Also bitteschön nicht mäkeln, ja? 😉

Über den Bergrücken zum alten Burggraben an der Südostseite der Anlage…
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…kurzer Blick auf den Hügel, der früher mal die Kernburg war…
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…dann auf dem Trampelfpfad am südlichen Grabenrand halb um den Komplex herum…
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…zum westlichen Teil des Areals, wo die meisten Überreste stehen…
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Cairn Terrier (ca. 4 Jahre alt) vor Mauerrest (ca. 700 Jahre alt)

…dann noch mal durch den Graben und auf den eigentlichen Burghügel hoch…
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…wo es aber ehrlich gesagt auch nicht spektakulärer aussieht:
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Blick über den „Tanzplatz“ (auf dem auch seit Jahrzehnten niemand mehr getanzt hat) auf dem Gelände der ehemaligen Kernburg nach Nordwesten. Zwischen den Bäumen schimmert in der Bildmitte Jugenheim durch, rechts kann man den Funkmast am Tannenberg erkennen

Als wir oben ankamen, stoben ein paar Rehe davon, die hier bis eben friedlich geäst hatten, und der Köter stob natürlich sofort hinterher. Mist!
Gottseidank war´s nur ein Reflex – Nemo ist kein Rehjäger, entsprechend liess er nach ein paar Sekunden ab und kam auf mein Brüllen hin wieder zurück. Trotzdem blöd, deshalb musste er zur Strafe für ein Portraitfoto posieren, das mag er überhaupt nicht:
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Das passiert, wenn man erst losrennt und dann nachdenkt.

Damit hatten wir dann alles von der Jossa gesehen, und es ging weiter.
Eigentlich hatten wir von hier aus ja runter auf den Jossaweg gewollt, um dann auf halber Höhe über die Hoboken-Hütte aufs Alsbacher Schloss zu laufen.
Aber es lief so gut und war gerade so schön sonnig und die Vögel sangen und es roch nach Frühling, also machten wir das nicht.
Stattdessen: Geradeaus den Jossarücken hinauf, den steilen, unmarkierten Pfad zum Pürschweg hoch.
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An sich ja ein Umweg, aber wo´s doch gerade so nett war…

Auf dem Pürschweg angekommen rechts und der Markierung SJ2 weiter aufwärts in Richtung Melibokus gefolgt. Keine Fotos, denn die gibt´s ja schon hier.
Na gut, ein Foto, denn unterwegs konnte man rechts zwischen den Bäumen schon mal unser nächstes Ziel erkennen:
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Alsbacher Schloss im Dunst, vom Pürschweg aus. Hm, ist noch ein Stück weg…

Knapp 1,5 km den Pürschweg hoch, vorbei an der Darsberghütte bis zur Abzweigung des Hohe-Stichwegs (gelbes V), auf den wir rechts einbogen und nun wieder ein Stück abwärts laufen konnten. Großes, tief eingeschnittenes Seitental in das die schräg stehende Sonne nicht hineinreichte, da war´s gleich trüb und winterlich…
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…aber immerhin gab´s auch einen netten Ausblick über die steil abfallende Lichtung hinweg in die Ebene:
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Blick vom Hohe-Stich-Weg auf runter nach Alsbach und Bickenbach, leider wieder mal arg diesig (wie eigentlich immer bei meinen Fotolaufberichten – aber richtig klare Tage sind halt selten bei uns, da muss man nehmen was man kriegt…).

Am unteren Ende des Hohe-Stichwegs dann geradeaus weiter auf den Hoboken-Weg (gelbe 4)…
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Hier waren wir auch wieder in der Sonne – wunderbar

…und mit ganz leichtem Anstieg weiter bis zum Erlengrund mit seiner charakteristischen pyramidenförmigen Grillhütte…
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…dem imposanten Steinbruch…
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Höher und steiler als es auf dem Bild aussieht

…(an dessen schattiger Flanke sich so eine Art 15 m. hoher Eisfall gebildet hatte)…
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…und einem weiteren Panoramablick auf unser nächstes Ziel:
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Alsbacher Schloss-Check #2, dieses mal von oben und Osten, vom Erlengrund aus. Yup, schon deutlich näher. 🙂

Eigentlich hatten wir von hier aus ja halbrechts runter gewollt, um auf dem Hoboken-Weg auf direktem Wege zum Alsbacher Schloss zu joggen.
Aber es lief so gut und war gerade so schön sonnig und die Vögel sangen und es roch nach Frühling, also machten wir das nicht (bzw. wir liefen 100 m. den Hoboken-Weg runter, bis ich mich eines Besseren besann und wir unkehrten).
Stattdessen: Halblinks, den aufwärts führenden Serpentinenweg in Richtung Melibokusgipfel hoch.

An sich ja ein Umweg, aber wo´s doch gerade so nett war…

Schöne Steigung, immer an der Melibokusflanke entlang, auf der Aufstiegroute des alljährlichen Melibokuslaufs.

An der ersten Wegkreuzung nach ein paar hundert Metern…
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Nebeneffekt des Panoramabildes: Auf dem Foto sieht´s so aus, als wäre es hier relativ flach – tatsächlich geht´s aber sowohl links als auch rechts recht ordentlich steil weiter bergauf.

… hatten wir eigentlich vorgehabt, rechts abzubiegen und auf dem kürzesten Weg runter auf den Herrenweg weiter abwärts bis zum Alsbacher Schloss zu rennen.
Aber es lief so gut und war gerade so schön sonnig und die Vögel sangen und es roch nach Frühling, also machten wir das nicht. Stattdessen: Halbrechts/Geradeaus, weiter bergauf, weiter in Richtung Melibokusgipfel.

An sich ja ein Umweg, aber wo´s doch gerade so nett war…

Wunderbares Passage. Ohnehin schon ein sehr hübsches Stück mit lichtem, freundlichen Wald, und weils die Südwestflanke des Berges war, hatten wir auch noch volles Sonnenlich – STRAHLENDSONNIGWARMHERRLICH!!!
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Direkt über Nemo kann man schon den Aussichtsturm am Melibokusgipfel erkennen.

Dazu strahlendblauer Himmel, in dem ein freundlicher Nachmittagsmond schimmerte…img_0847

…schöne Anblicke am Wegesrand…
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…und schöne Ausblicke den Hang runter:
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Links unten Zwingenberg, rechts darüber die Sandwiese, rechts darunter Alsbach. Und wenn´s nicht so verdammt diesig wäre, könnte man hier sogar bis zum Hunsrück gucken

Einfach nur schön!

Inzwischen schraubten wir uns immer weiter am Bergkegel hoch – rechts des Wegs ging´s steil abwärts…
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… und links schimmerte hoch über uns bereits der vordere Melibokusturm durch die Bäume und sah dabei täuschend nah aus…
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Nur noch ca. 200 m. Strecke – aber noch 90 HM!

Nach ein paar hundert m. die nächste Kreuzung, schon ziemlich dicht unterhalb des Gipfels. Kurz überlegt ob wir nicht gleich bis ganz nach oben laufen sollten (weils doch so so gut lief und gerade so schön sonnig war und die Vögel sangen und es nach Frühling roch… 😉 ),
dann aber doch dagegen entschieden – die Melibokuskuppe ist so ein toller Ort, den darf man nicht durch zu regelmäßiges erlaufen abnutzen.

Entsprechend bogen wir hier dann rechts ab und machten uns endlich an den ordentlich steilen Abstieg auf der Südwestflanke des Berges. Übrigens auf dem Nibelungensteig/Alemannenweg/Lucibergweg, der bergab doch deutlich entspannter zu laufen ist als bergauf (ich kann´s beurteilen… 😉 ):
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Auf dem recht schmalen aber angenehm zu laufenden Pfad zügig bergab durch den Wald, durch mehrere Serpentinen, noch ein Stück parallel über den weiter unten verlaufenden Hauptwegen zwischen Alsbacher und Auerbacher Schloss entlang…
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Blick von oben auf die Querwege: Erst der Herrenweg, dann noch weiter unten der Comoder Weg

…und schließlich bis runter auf den Herrenweg, dem wir nach rechts/nordwärts in Richtung Alsbacher Schloss folgten:
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Schweinsgalopp

Allerdings nicht lange, denn bereits nach 250 m. kam die nächste Abzweigung. Hier hatten wir eigentlich vorgehabt, geradeaus dem Herrenweg zu folgen und auf dem kürzestmöglichen Weg bis zum Alsbacher Schloss durchzulaufen.
Aber es lief so gut und war gerade so schön sonnig und die Vögel sangen und es roch nach Frühling, also machten wir das nicht. Stattdessen: Auf dem Nibelungensteig links ab und steil den Hang runter, bis auf den Comoder Weg.
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An sich ja ein Umweg, aber wo´s doch gerade so nett war…

Unten auf dem Comoder Weg dann rechts, nun doch endlich und endgültig in Richtung Alsbacher Schloss (Marker: Blaues B des Burgenwegs).
Der Comoder Weg ist schon so weit unten, dass er um die ganzen weiten, tiefen Täler in den unteren Höhenlagen des Melibokusmassivs herum muss (rein, durch, raus) – das ist einerseits sehr hübsch…
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…andererseits zieht es sich aber etwas, auch wenn´s dank gutem Untergrund und kaum merklichen Gefälle angenehm zu laufen ist.
Nichtsdestotrotz schwächelte Nemo so langsam ein bisschen (nix Ernstes, mehr Unwilligkeit als Erschöpfung) – immerhin waren wir schon fast 10 km unterwegs, das ist ´ne Menge für so einen kleinen Kerl mit kurzen Beinchen:
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Glücklicherweise gibt´s hier unten in jedem der zahlreichen Seitentäler einen kleinen Bachlauf, so dass wir im nächstbesten einfach eine kurze
Erfrischungpause einlegten…
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…und schon war wieder gut.
Mir ging´s derweil sowieso noch prächtig:
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Nach knapp 2 km Comoder Weg das letzte Tal, hinter dem bereits wieder das Alsbacher Schloss sichtbar war…
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Schloss-Check #3, dieses Mal von Süden. Hmja, schon ganz nah…

…und das wir zügig umquerten. Dann noch schnell am Freizeitgelände hinter dem Schloss vorbei…
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…und wir hatten das zweite Ziel der heutigen Tour erreicht:
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Alsbacher Schloss von Süden.

Kurzinfo: Alsbacher Schloss, historisch auch Burg Bickenbach, wurde in der Mitte des 13. Jahrhunderts von den Herren von Bickenbach auf einem 257 m. hohen Vorberg des Melibokus direkt über dem Ort Alsbach erbaut (wahrscheinlich deshalb, weil sie bisher unten in der Ebene auf dem ziemlich unspektakulären Weilerhügel residiert hatten, und sich nicht länger von ihren Ritterkollegen dafür auslachen lassen wollten, dass sie nur in einer besseren Blockhütte im Sumpf wohnten). Im 14. Jahrhundert Raubritternest, deshalb von der mächtigen Stadt Frankfurt (die da keinen Spaß verstand) erobert und zerstört, wenige Jahre später wiederaufgebaut. Landete im 16. Jahrhundert bei Hessen-Darmstadt und stand dann irgendwann ein paar Jahrhunderte leer, bis man sie als lokale Sehenswürdigkeit wiederentdeckte. Von den drei Burgen am Melibokusmassiv ist sie ganz eindeutig die #2 – deutlich besser erhalten und größer als die Jossa (das könnt ihr ja jetzt selbst beurteilen), aber weder baulich noch von der Lage so beeindruckend wie das Auerbacher Schloss

Einmal halb herum…
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…dann durch das Haupttor an der Nordseite…
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…in die Vorburg…
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Das nicht wirklich stilechte Gebäude der Ausflugskneipe rechts ignorieren wir einfach mal, ok?

…dort links und im Schatten des Bergfrieds…
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…in den Innenhof der Kernburg:
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Ein bisschen umgesehen (hier drin war ich auch mindestens mal ein, zwei Jahre nicht mehr gewesen)…
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Blick vom Burghof nach Südosten, am Bergfried vorbei auf den Melibokus

…und dann – wo wir schon mal da waren – gleich auch noch mal auf den Bergfried hoch.
Erst eine steile Treppe hinter dem Turm…
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…dann eine kleine Holzbrücke über dem Haupttor…
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…von der man einen schönen Blick auf die Vorburg hat…
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…bis ins Turminnere, wo eine steile, ausgetretene alte Wendeltreppe aus Holz nach oben führt. Da die Zwischenräume zwischen den Stufen offen waren, und steile Wendeltreppen eh nicht so Nemos Ding sind, musste er hier warten…
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…während ich den Turm alleine bestieg (so richtig unglücklich schien er über das Päuschen aber nicht zu sein).

Oben war es… ok.
Die Zinnen sind etwas zu hoch und der Turm etwas zu breit für eine gute Rundumsicht, außerdem war es immer noch furchtbar diesig und das Licht war schon nicht mehr ganz so schön, denn die schräg stehende Sonne war inzwischen aus dem blauen Himmel in die Dunstzone in Richtung Horizont abgesackt.
Entsprechend war die Aussicht dann auch nicht so großartig, wie ich sie (von schöneren, klareren Tagen) in Erinnerung hatte:
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Man sieht´s ja auch auf diesem Panoramabild – keine Fernsicht und wegen des seltsamen Lichts ungleichmässig belichtet, nicht ideal. Nichtsdestrotz: Blick vom Turm des Alsbacher Schlosses nach Nordwesten: Direkt unterhalb Alsbach, links darüber die Sandwiese, direkt darüber Bickenbach, rechts Jugenheim, dahinter Seeheim, dann der Bergrücken des Frankenstein-Massivs. Nicht im Bild: Der Rest der Welt, von dem man hier oben an klaren Tagen einen gehörigen Brocken sehen kann

Immerhin: Der Blick auf den Melibokus direkt hinter dem Schloss war gut:
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Kurz verweilt, dann wieder runter, Nemo eingesammelt, und durchs Haupttor aus dem Alsbacher Schloss hinaus.

Eigentlich hatten wir vorgehabt, von hier aus auf dem Burgenweg (blaues B) kürzestmöglich runter nach Alsbach und dann nach Hause zu laufen.
Aber es lief so gut und war gerade so schön sonnig und die Vögel sangen und es roch nach Frühling, also machten wir das nicht. Stattdessen: Links und auf dem etwas längeren und serpentinigeren Schlossweg (gelbe 2) durch den Wald bis zum obersten Ende von Alsbach in der Hindenburgstr….
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An sich ja ein Umweg, aber wo´s doch gerade so nett war…

Dann die Hindenburgstr. runter (die vielleicht besten Wohnlage der ganzen Gegend, die Häuser stehen hier so steil am Hang, dass man einen unglaublichen Blick in die ebene hat), vorbei an dem Grundstück, dessen Besitzer immer eine frische Schale Hundewasser vor dem Haus stehen haben…
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Ganz ehrlich: Jedes mal, wenn wir hier vorbeilaufen, freue ich mich darüber, dass es Menschen gibt, die sowas einfach aus Freundlichkeit machen. Deshalb mal an dieser Stelle: Liebe Familie K. aus Alsbach, vielen Dank für das Wasser, das ist wirklich unheimlich nett! 🙂

Schließlich dann links, zwischen den Villen an der steilen Schlossstr….
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…runter in den Dorfkern, und dort dann Alsbach auf der Standartstrecke (Kirchstr., Lindenstr., Am Katharinenberg, Jugenheimer Str.) in nördlicher Richtung durchquert und auf dem Blütenweg durchs Feld…
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…und nach hause.

Schöne Tour. Hat viel Spass gemacht, lediglich die Fernsicht hätte besser sein können.
Seltsam allerdings, dass es dann über 13 km geworden sind, wo doch eigentlich nur 8 oder 9 geplant waren… 😀

Strecke: 13,3 km
Zeit: 1:23 h reine Laufzeit (= 9,61 km bzw. 6:14 min/km)
Neue Strecke: Nix
Karte:
fotorunde-jossa-alsbschloss

M.

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12 Antworten to “Fototour zur Ruine Jossa und aufs Alsbacher Schloss (13,3 km)”

  1. Ingo Says:

    Toller Bericht, total schöne Fotos!
    Da bekomm ich ja fast Heimweh. 😉

    Schöne Grüße!

  2. Christian Says:

    He Matthias, vielen Dank für den interessanten und sehr schön bebilderten Bericht über einen Lauf unter besten Voraussetzungen, wenn es an sich auch ein Umweg war, aber wo´s doch gerade so nett war… 😀

    So langsam machst Du mich neidisch auf Dein tolles Laufrevier, die Wege scheinen bei Dir viel länger und auch etwas einsamer. Man kann nicht alles haben…

    Weisst Du, das Schöne an den Photos ist ja auch, dass man sehr schön mit einem Landschaftsphoto erfassen kann, wo man gerade erst langgelaufen ist, v.a. bei uns „Hügel-Läufern“ scheint das beeindruckend weit weg zu sein.
    Mach bloss weiter so, ich freu mich auf den nächsten Bericht mit Bildern 🙂

    Salut


  3. Gib´s doch zu Du bist Fotograf 😉

  4. matbs Says:

    @ Ingo: Dankeschön. Und was das Heimweh angeht – bring´ einfach deine Laufschuhe und ein, zwei Stündchen Zeit mit, wenn du das nächste mal in der Gegend bist, dann können wir Abhilfe schaffen… 😉

    @ Christian: Bitteschön, schreib´ ich doch gerne. 🙂
    Gerade wo´s so nett war…
    Ob die Wege hier länger und einsamer sind als bei euch kann ich natürlich nicht beurteilen – aber da „meine“ Berge vermutlich etwas steiler und höher sind als „deine“ (nicht absolut höher, da dürfte der Unterschied gar nicht groß sein, sondern relativ, weil wir hier am Rand der Rheinebene gerade mal zwischen 90 und 140 HM hoch liegen, also deutlich niedriger als ihr Schwaben), und etwas weniger Kulturlandschaft aufweisen (mehr Wald und viel weniger Weinbau, der zudem auch erst eineinhalb Dörfer weiter südlich anfängt und nur die unteren Höhenlagen abdeckt), ist vielleicht insgesamt etwas weniger los – gerade natürlich am Melibokus, der an seinen steilen Hängen ein so dichtes Wegenetz hat, dass sich die paar Hundegassigeher, Biker, Walker und Jogger, die´s da unter der Woche hinverschlägt, ganz einfach verlieren (und die meisten von denen bleiben eh in den unteren Höhenlagen nahe der Dörfer).
    Aber wie gesagt, das ist jetzt reine Spekulation, und deshalb wahrscheinloch sowieso Unsinn… 😉

    Bei den Landschaftsfotos frustriert mich persönlich ja ein bisschen, dass die Landschaft auf ihnen fast nie so gut/schön/groß/weit rauskommt wie in echt – liegt wahrscheinlich an den Beschränkungen der Pocket-Digitalkamera und/oder meinen bescheidenen fotografischen Fähigkeiten…
    Andererseits natürlich eine gute Erinnerung daran, dass man den Moment geniessen muss, denn auch mit Foto kann man ihn nicht wirklich konservieren.

    @ Lutz: Wo wir gerade beim Fotografieren sind: Nein, also wenn ich irgendwas nicht bin, dann Fotograf. Wenn ich hin und wieder mal ein halbwegs ordentliches Bild hinkriege, dann hat das wenig mit Talent oder Können zu tun, sondern ist eine Frage der schieren Masse – nach dem Moto „Wenn ich oft genug draufhalte und knipse, dann wird schon was Brauchbares bei rumkommen“… 😀
    Aber danke für das Kompliment! 🙂

  5. Gerd Says:

    Ich wuste immer das Du irgendwann die Vorteile der Technik für Dich entdecken wirst. 😉
    Ausserdem ist es bei Euch an der Bergtsraße immer wert seinen Foto mitzunehmen.
    Ich habe vor im Sommer ein paar schöne Touren durch den Odenwald zu unternehmen. Das geht nur mit Foto.
    Vielleicht kriegen wir ja einen gemeinsamen Termin im März für die erste Etappe auf dem Niebelungensteig hin.
    Auf jeden Fall laufen wir endlich unsere Runde hier bei mir.
    Gruß Gerd

  6. Christian Says:

    Hallo Matthias, ich glaube fast, dass Deine Spekulationen zutreffen. Zusätzlich ist das Remstal und der Schurwald das absolute Naherholungsgebiet für die Stuttgarter, knapp 20 km entfernt, und damit ein hoch frequentiertes Areal. Auch wohnt fast die komplette Daimler-Angestellten-Riege in diesem schönen Landstrich, weshalb die Siedlungsdichte auch sehr hoch ist.
    Ich find aber immer noch ein paar einsame Wege, so wie heute – Bericht folgt.

    Grüße nach Hessen

  7. matbs Says:

    @ Gerd: Ach was, Vorteile der Technik, Schnickschnack. Die Tatsache, dass die neue Digitalkamera viel bessere Bilder als die alte macht, hat überhaupt nix zu sagen… 😉 😀

    Das mit dem Nibelungensteig können wir ja einfach mal formlos so festhalten, und es dann auch ein bisschen von Wetter und Tagesform abhäging machen. Das ist schließlich…
    a) …eine Premiumstrecke, die man am besten bei Sonnenschein und klarer Sicht geniessen sollte
    b) …eine total anstrengende Tour, für die man fit und tatendurstig sein sollte.
    Also gucke mer am beste mal, wie´s basst… 😉

    Und die Runde bei dir oben ist ja eh schon gesetzt! 🙂

    @ Christian: Wobei ich aus kleinlichem Lokalpatriotismus festhalten muss, dass wir hier ja oben alles andere als Provinz sind, sondern eigentlich direkt in/an zwei der größten Ballungsräume Deutschlands liegen (nämlich Rhein-Main und Rhein-Neckar).
    Nicht dass es so aussieht, als wären wir hier der eingeschlafene Arsch von Deutschland oder so… :mrgreen:
    Aber es stimmt schon, ganz so dicht besiedelt wie der Rems-Murr-Kreis ist die der Landkreis Darmstadt-Dieburg nicht (zumindest laut Wikipedia)… 😉


  8. […] Fototour zur Ruine Jossa und aufs Alsbacher Schloss (13,3 km) […]


  9. […] Storch drin, ansonsten Stoppeläcker. Irgendwann links der Weilerhügel (den hab´ ich ja gerade neulich erwähnt – das ist das Hubbelchen im Flachland, wo die Herren von Bickenbach gewohnt haben, bevor […]


  10. […] Der Lucibergweg bog irgendwann links ab, wir liefen weiter geradeaus, unmarkiert an der Bergflanke entlang, über die große Lichtung am Hang unterhalb des Gipfels bis runter zur Kreuzung an der Grillhütte Erlengrund, wo wir links auf den Hoboken-Weg (gelbe 4 einbogen) und geradewegs runter zum Alsbacher Schloss liefen (Fotos und Kurzinfo: Hier). […]


  11. […] …an drei Seiten steil abfallend, zur vierten hin durch eine Scharte (die wohl mal ein Graben war) vom Berg getrennt, und oben ein paar pittoresk in die Gegend gewürfelte uralte Mauerreste – errinnerte mich ein bisschen an meine Hausruine, die Jossa über Jugenheim. […]


  12. […] Adelsfamilie, die ihren Stammsitz auf meiner „Hausbbergburg“ hatte, nämlich dem Alsbacher Schloss an der Bergstraße. […]


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