Autoholenlaufen (9,5 km)

5. Februar 2009

Praktisch am Laufen ist ja unter anderem, dass man´s zuweilen mit anderen Erledigungen kombinieren kann.

Zum Beispiel heute: Auto zur Inspektion, muss am späten Nachmittag im Autohaus in Pfungstadt (= zwei Orte weiter) abgeholt werden. Entfernung 8 bis 10 km, Strecke einerseits gut genug bekannt, um sie spontan und ohne Navigationshilfen zu laufen, andererseits aber nicht ausgelutscht.
Genau das richtige, um hinzulaufen und die Karre nach erfolgter Insperktion vom Werkstattparkplatz zu extrahieren.

Deshalb heute im Programm: Jugenheim – Pfungstadt, zum Auto Abholen.


Relativ später Start, die Sonne stand schon ziemlich tief. Aber immerhin stand sie, nachdem es im Verlauf des Tages zeitweilig ziemlich trüb und neblig gewesen war.

Hatte es ein bisschen eilig, denn ich wollte ja noch vor Schließung des Autohauses da sein – und nach Möglichkeit auch vor Einbruch der Dunkelheit. Außerdem sagte mir mein Bauchgefühl, dass es ja nur ein Katzensprung sei, und sowieso tendenziell fast nur bergab ginge (beides nicht wirklich richtig, aber so ist das nun mal mit Strecken, die man zwar kennt, aber nur ganz selten läuft – man hat zwar die markanten Punkte und Abzweigungen im Kopf, aber ein echtes Gefühl für die Passagen dazwischen hat man nicht, da verschätzt man sich schon mal gerne etwas…)
Folgerichtig machte ich von Anfang an richtig Dampf.
Ganz hohes Tempo (für meine Verhältnisse 😉 ).

Im Schweinsgalopp nordwärts durch Jugenheim, die Alsbacher Str. runter, dann durch die Sandmühlstr. und die Ludwigsstr. zur Kreuzung am Ortsausgang, dort die erste Ampelpause.
Noch nicht mal einen km unterwegs, aber die 45 Sekunden Verschnaufpause an der Fußgängerampel taten trotzdem schon überraschend gut. Da war ich echt ganz schön gerast.

Und so machte ich dann auch weiter: Bei Grün durchgestartet und geradeaus weiter, aus Jugenheim raus und auf dem Radweg neben der L3103 am Schuldorf vorbei runter zur großen Kreuzung mit der B3.
Kein besonders schönes Stück, so direkt neben der feirabendverkehrsgefüllten Fahrbahn durch den finsteren, schattigen Wald (die Sonne stand inzwischen so tief, dass die hohen Fichten links der Strasse sie vollkommen wegblockten). Aber ein schnelles: Wenig Ablenkung, guter Untergrund = Weiterhin Tempo.

Zog sich trotzdem furchtbar – die L3103 ist die Hauptausfallstrasse von Jugenheim nach Darmstadt/zur Autobahn/ins Ried, entsprechend kenne ich sie vor allem als Autofahrer.
Und die Autofahrerwahrnehmung weiss nun mal, dass die 1,4 km zwischen Jugenheim und der Kreuzung ein bequeme, mühelose Angelegenheit von vielleicht einer Minute sind.
Das beisst sich dann immer so ein bisschen mit der Läuferwahrnehmung, für die 1,4 km auch bei hohem Tempo eine Angelegenheit von sechs oder sieben Minuten sind, die alles andere als bequem und mühelos ablaufen.
Das nennt man dann kognitive Dissonanz.
Ist aber kein Problem, wenn man nur schnell genug rennt, hat man andere Sorgen… 😉

An der Kreuzung die nächste Ampelpause (huijuijuii, war schon ganz schön außer Atem), dann ein kurzes Stück weiter geradeaus und schließlich halbrechts von der Strasse ab auf den Lokalweg SJ3, der in den dunklen, einsamen Flachlandwald zwischen Autobahn und B3 führt.
Weg von der Strasse, weicherer Untergund – tat gut.

An der sandigen Schonung der Eisengrube entlang, dann rechts und wieder links voll in den Wald rein, vorbei am Hirschpflock (hier war ich das letzte Mal mit Heidi vorbeigekommen, im August – heidenei, auch schon wieder ein halbes Jahr her…)

100 m. nach Hischpflock dann rechts, und nun wieder Nordwärts, auf der Reiß-Schneise durch den netten aber unspektakulären Mischwald.

Verfassung inzwischen schon nicht mehr ganz so taufrisch, so langsam machte sich das Tempo in Beinen und Lunge etwas bemerkbar (allerdings auch kein Wunder, denn rein vom Gefühl her war ich noch einen Tick schneller als bei der schon ziemlich rasanten Runde durchs Ried letzten Samstag). Huijuijui…

700 m. nach Hirschpflock stiess ich auf die Fahrstrasse zwischen Seeheim und Pfungstadt (die hat – zumindest soweit ich das feststellen kann – keinen Namen und keine offizielle Bezeichnung. Das irritiert immer etwas beim Bloggen), der ich nach links/nordwestwärts folgte.

Breiter, schöner Radweg, aber eben auch wieder Asphalt, der nach der Passage auf dem weichen Waldboden unangenehm hart daherkam. Hrgn.

Nach 300 m. über die ausrangierte Bahntrasse mitten im Wald, dann eine kleine Ewigkeit (eigentlich nur 700 m., aber inzwischen war ich schon so angestrengt, dass sich das furchtbar zog) neben der Strasse entlang bis zur Brücke über die A5.

Hier ging mein linker Schuh auf.
Höhere Gewalt, da muss man anhalten um das Problem zu beheben und darf kurz die Uhr stoppen…
(…gottseidank… 😀 )
Puuuh!

Zugleich nutzte ich die kleine Pause auch, um meine bisherige Zeit zu überprüfen: 23 Minuten unterwegs.

Die Brücke ist knapp 5 km von zuhause weg, das machte also ungefähr eine Minutenzeit von…
BOAH!!!
Irgendwas um die 4:40 min/km, bzw. über 12,5 km/h!
So schnell war ich über 5 km noch nie gewesen – die absolute Obergrenze meiner Leistungsfähigkeit, kein Wunder, dass ich da so langsam auf dem Zahnfleisch ging.

Einerseits ja ganz schön, aber andererseits hatte ich ja erst die Hälfte der Strecke, und nochmal 4 oder 5 km würde ich das Tempo wohl nicht mehr durchhalten.
Also von jetzt an etwas langsamer.
Gar nicht so einfach, wenn man gleich voll einsteigt, fällt es später relativ schwer, wieder etwas Tempo rauszunehmen, selbst wenn sich der Körper schon beschwert…

Und weiter: Zügig aber einen Schrittchen langsamer auf der Brücke über die Autobahn, 200 m. dahinter über die ICE-Trasse, dann kurz vor dem Anfang von Pfungstadt (beim Pfungstädter Schwimmbad) rechts ab und neben den Bahngleisen in den Wald rein.

Von jetzt an: Ganz einfach Navigation – einfach immer zwischen den letzten Häusern des pfungstädter Ostrandes und dem Wald nach Norden, kann man nichts mehr falsch machen.

Auch das wieder ein nettes Stück. Rechts der lichte Wald, bestehend aus hohen Kiefern auf dünigem Sandboden. Mag ich irgendwie gerne, das hat was Mediterranes, da fühlt man sich unwillkürlich ein gaaaaaanz kleines bisschen an blauen Himmel und blaues Meer an einer spanischen Felsenküste erinnert. Nice…
Links dagegen eine Parade freundlicher Einfamilien-/Mehrfamilien-/Reihenhäuser mit kleinen Gärtchen zum Wald hin, hinter denen ich nun entlanghastete (so richtig langsam war ich immer noch nicht. Meinten übrigens auch meine Beine und die Atmung).

Anderthalb km an Pfungstadt entlang, dann am Waldrand hinaus in die offenen Felder östlich der Stadt, hinter denen bereits das Gewerbegebiet mit meinem Ziel erkennbar war.
Fast da (na ja, zumindest vom Gefühl her), also nochmal etwas aufs Gas gegangen und immer schön dem Waldrand gefolgt.

Nach 350 m. eine kleine Schutzhütte, an der ich eigentlich links hätte abbiegen müssen. Aber auf einmal war mir noch mal nach ein bisschen Abenteuer, also lief ich stattdessen geradeaus durch, mitten in den Wald rein.
Nochmal ein kleiner Umweg ins Unbekannte so kurz vor Schluss, verirren konnte ich mich sowieso nicht mehr (denn das Wäldchen ist auf zwei Seiten von Bahnschienen eingerahmt, an denen ich mich im Notfall würde orientieren können), das würde schon nicht so schlimm werden.

Wurde es aber.

Ich geriet auf einen unebenen Waldweg, der direkt neben der ICE-Trasse nach Norden führte.
An sich ja ganz hübsch, aber dieser Untergrund: Butterweicher, tiefer Sandboden, aufgewühlt und ganz locker.
Sackte bei jedem Schritt einfach so unter dem Fuß weg, uuunglaublich anstrengend zu laufen, gerade wenn man sich schon fast 40 Minuten auf Teufel komm raus abgehetzt hat.
Außerdem ging´s auch noch etwas bergauf, den Pfungstädter Galgenberg hoch (der mit seinen 119 m. ü. NN eigentlich weder den Namen „Berg“ verdient hat, noch mit einem Galgen aufwarten kann [denn der Pfungstädter Galgen steht ein paar hundert m. weiter nördlich). Nicht viel, nicht steil, aber angesichts des Untergrundes und meines schon recht mitgenommenen Zustandes verlangte es mir das Allerletzte ab.
Uffa!

Nach 700 mörderischen Metern (zumindest fühlten sie sich mörderisch an, mit normalem Tempo währen sie wahrscheinlich überhaupt nicht schlimm gewesen) das Ende des Wäldchens, scharfe Linkskurve, dann an einen alten Nebengleis zurück nach Südwesten.
Fix und fertig, aber auf der anderen Seite des Gleises gab´s zumindest was zu sehen, was mich ein bisschen für die Anstrengung entlohnte, denn dort erhob sich die Pfungstädter Düne (s. 12 im verlinkten PDF).
Kurzinfo: Naturschutzgebiet und Naturdenkmal, hier ist noch ein ursprüngliches Stück der trocken-sandigen Riedlandschaft erhalten, Biotop für viele seltene Pflanzenarten, sieht ernsthaft mediterran aus, und ich bin noch nie so direkt dran vorbeigekommen.
Gefiel mir.

Nach 400 m. dann rechts der Übergang über die alte Bahntrasse, rüber, runter zur einzeln stehenden Galgenmühle am Modauufer und auf der Brücke daneben über die Modau.
Links versank gerade die Sonne hinter Pfungstadt tauchte den westlichen Himmel mit ihren letzten Strahlen in ein feuriges Rot, während rechts am purpurnen Firmament bereits die ersten Sterne zu sehen waren. Wunderschön.

Fast genauso schön: Ich hatte fast geschafft. Nur noch schnell hoch an die Eberstädter Str., dort rechts bis zum Gewerbegebiet, noch eine kurze Ampelpause 50 m. vor dem Ziel (die wäre jetzt aber echt nicht mehr nötig gewesen…), und dann mit dem allerletzten Tageslicht und dem allerletzten Atem schnaufend, pfeifend und schwitzend auf den Hof vom Autohaus, die Karre abgeholt, und fix und fertig heimgefahren (was deprimierend schnell ging. Aber da merkt man mal, wie unglaublich schnell so ein Auto ist).

Heidenei. Das war heute wirklich ganz nah an meinem persönlichen Limit – etwas über 12 km/h auf 10 km, mehr ist einfach nicht drin.
Hab´ ich auch hinterher gemerkt – wenn man nach dem Abendessen einfach mal kurz die Augen schliesst, und dann erst eineinhalb Stunden später wieder aufwacht, dann hat einen das doch ganz schön mitgenommen.
Immerhin: Ich hab´s durchgehalten, Muskelkater scheine ich keinen zu haben, und außerdem bin ich sogar noch ein bisschen neue Strecke gelaufen und hab´ die Pfungstädter Düne entdeckt – also alles in allem eine gute Tour.

Strecke: 9,5 km
Zeit: 0:47 h (= 12,13 km/h bzw. 4:57 min/km)
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 20,42% (1,94 km km von 9,5 km)
Karte:
jugenheim-autohaus-in-pfungstadt

M.

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13 Antworten to “Autoholenlaufen (9,5 km)”

  1. Hannes Says:

    Gratulation zum hohen Tempo! Ich kenne das, schnell gestartet will man danach nicht langsamer laufen. Egal, ob das Anfangstempo viel zu hoch war oder nicht.

    Es ist super, wenn man das Laufen so mit anderen Sachen kombinieren kann. Auch wenn ich nicht total fertig und ausgelutscht dort erscheinen wollte, um mich dann ins Auto zu setzen ;P

  2. matbs Says:

    Dankeschön – auch wenn´s noch nicht ganz für den neuen 10 000-m. Weltrekord reicht.
    Aber ich arbeite dran… 😉 😆

    Und was meinen Zustand beim Abholen angeht: Der war gerade gut genug für die furchtbar gelangweilte und nicht besonders freundliche Dame hinter dem Tresen des Autohauses, die ohne auch nur richtig nachzufragen den Schlüssel rausgerückt hat (da hätte im Prinzip jeder dahergelaufene Autodieb reinkommen und das Auto mitnehmen können). 😀

  3. Bernd Says:

    Laufen ist nicht nur gesund, laufen kann auch richtig nützlich sein. 🙂

  4. Hannes Says:

    Und wenn der Autodieb vor dir davon gebraust wäre, dann hättest du noch einmal richtig Gas gegeben, alles aus dir raus geholt und ihn dir auch noch geschnappt.

    Insofern hast du ja alles richtig gemacht 😉

  5. Gerd Says:

    „kognitive Dissonanz“ 😉
    So langsam mache ich mir meine Sorgen um dich.
    Ein Schnitt über 12 km/h. Und das auch nur weil Du die zweite Hälfte Tempo rausgenommen hast.
    Hast Du irgendetwas vor oder warst Du auf der Flucht?
    Ich werde mal schauen das wir hier in meiner Ecke so eine +20km Einheit laufen damit Du überhaupt nicht auf die Idee kommst so zu rasen. 😆

  6. matbs Says:

    @ Bernd: Nützlich war´s auf jeden Fall, aber ob man diese Abäscherei noch als gesund bezeichnen kann… 😉

    @ Hannes: Ja genau. Ich hätte kurz den Nachbrenner eingeschaltet, wäre dem Dieb mit 60 Sachen hinterhergesprintet, hätte die Tür aufgerissen, ihn während der Fahrt mit einer Hand rausgeschleudert, und dann meinen rechtmäßigen Platz auf dem Fahrersitz eingenommen.
    Dann wäre ich nach Hause gefahren und hätte gewartet, bis der Bürgermeister das Bat-Signal Matbs-Signal anwirft, weil Killer Croc eine Bank überfällt oder außerirdische Invasoren angreifen*
    😆

    * Natürlich weiss ich, dass Batman keine sechzig Sachen laufen kann. Aber der Flash hat nun mal kein richtiges Signal… 😉

    @Gerd: Yup, genau: Kognitive Dissonanz.
    Bin schließlich studierter Sozialwissenschaftler, ich kenn´ mich mit sowas aus! 😉

    Und ja, natürlich hatte ich was vor, nämlich vor 18:00 beim Autohaus sein (gut, das hätte auch mit 9 km/h locker gereicht, aber man muss ja nicht alles auf den letzten Drücker machen, oder? 😀 ).

    Ob mich 20 km vom Rasen abhalten, weiss ich allerdings nicht. Das hat ja eh nix mehr mit Vernuft zu tun… :mrgreen:

  7. Christian Says:

    Kognitive Dissonanz kenn ich auch vom Laufen 😉
    Mensch Matthias, mir geht es wie Gerd, wo willst Du denn noch hin ? Ein Mörder-Tempo und dann noch auf so unbequemem Terrain, ich muss schon sagen, so langsam wirst Du mir auch unheimlich 😉

    Aber ein Berg musste einfach rein ins Lauf-Menü, wenn er auch den Titel nicht verdient hatte, hat er Dir heute wahrscheinlich gereicht, oder ?

    Machs gut und schönes Wochenende

  8. matbs Says:

    Na ja, die meiste Zeit war das Terrain ja ganz angenehm – und gerade jetzt, wo´s ein bisschen Frühling wird, da erwachen eben auch die Lebensgeister und wollen mal sehen, ob´s noch klappt… 😉

    Der „Berg“ hat mir auf jeden Fall gereicht. Eine schöne Erinnerung daran, dass es nicht nur die absoluten HM sind, die die Anstrengung ausmachen, sondern auch die äußeren Umstände.

    Schönes WE zurück (auch ohne langen Lauf)


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