Missratenes Nibelungensteig-Ründchen hinter dem Gumpener Kreuz – mit ein paar Fotos (7,6 km)

11. Februar 2009

…und dann ist auf einmal wieder Frühling.

Gestern Sturm und Regen, heute morgen herrschten dann aber schon wieder eitel Sonnenschein, Windstille und wohlig-warme fünf Grad Celsius.
Nett!

Eigentlich hatte ich heute ja gar nicht laufen wollen, aber andererseits stand heute sowieso ein Termin im Odenwald an, in Winterkasten unterhalb der Neunkircher Höhe.
Tja, und wenn man eh schon mal da hinten ist, und dazu auch noch schönes Wetter herrscht – hey, warum denn eigentlich nicht?

Zumal Winterkasten nur zwei oder drei Kilometer vom Gumpener Kreuz entfernt ist, das den Ostrand meines bisherigen Laufnetzes markiert. Also eine schöne Gelegenheit, ein bisschen weiter nach Osten ins Unbekannte vorzudringen, und dabei gleich noch ein bisschen mehr vom Nibelungensteig zu erlaufen (denn der führt direkt übers Gumpener Kreuz).
Konkret: Vom Gumpener Kreuz auf dem Nibelungensteig nach Osten bis Weschnitz, dort dann runter ins Ostertal und schließlich über den Rechbuckel und die Lokalwege Gu4 und Gu3 zurück.

Sah gut aus. Besonders auf das Ostertal freute ich mich, denn dort war ich noch NIE durchgekommen, nicht mal mit dem Auto – echtes Neuland, das ist immer was Besonderes!

Schönes Wetter + anspruchsvolle und interessante Strecke + Terra Incognita = Hohe Erwartungen.

Die sich leider nicht so ganz erfüllen sollten…


Fing schon zuhause an.
Hatte mich ja spontan für die Tour entschieden, entsprechend gab´s einen recht straffen Zeitplan.
Dummerweise geriet der schon vor dem Aufbruch aus den Fugen.

Konnte meine Jogginghose nicht finden.

Als Equipmentmuffel hab´ ich nicht so viele von denen, und die anderen waren gerade in der Wäsche, also musste ich notgedrungen einige enervierende Minuten mit Hosenjagd verbringen.
Grrr.
Als ich sie endlich gefunden hatte, packte ich hastig Laufkram, Foto (wenn ich schon den Nibelungensteig ins Unbekannte laufe, dann gehört das auch dokumentiert) und Nemo ein (der sollte auch mit) und brach eiligst auf – zehn Minuten zu spät und schon leicht angenervt.

Die Fahrt durch den Odenwald machte es auch nicht besser.
Erstmal verbrachte ich gefühlte Äonen hinter einem Umzugslaster, der mit glazialer Geschwindigkeit die engen Bergstrassen hoch kroch, und natürlich nicht überholt werden konnte.
Sowas passiert mir immer, wenn ich´s eilig habe.
GRRRRRRRR!

Und dann machte sich auch noch der Lenz vom Acker.

Wie gesagt: An der Bergstrasse hatten Sonnenschein und mildes Frühlingswetter geherrscht.
An der Neunkircher Höhe, nur ein paar Kilometer weiter östlich, sah´s so aus:
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Leider hab´ ich es nicht geschafft, im Vorbeifahren das Panorama hinter Neunkirchen einzufangen – da bot sich nämlich ein grandioser Blick aus dem finsteren, sibirischen Odenwald runter ins warme, sonnige Flachland – ein Unterschied wie Tag und Nacht

DA LAG METERHOCH SCHNEE!!!!!!
(na ja, oder zumindest zentimeterhoch)
Und es war windig, wolkig und arschkalt!
Na super, soviel zum Lauf bei tollem Wetter.
So langsam kühlte auch meine Laune ernsthaft aus….

Hinter der Neunkircher Höhe verschwand der Schnee zwar wieder etwas, aber das Wetter blieb weiterhin eher trüb (auch wenn hin und wieder herrlich sonnige Wolkenlücken vorüberjagten und die Mittelgebirgslandschaft in ein herrliches, fast schon surreal strahlendes Licht tauchten).

Und so erreichten wir den Startpunkt am Gumpener Kreuz.
Deutlich später als geplant, und zudem schon leicht übellaunig (zumindest ich), auch wenn der szenische Blick rüber auf das stimmungsvoll ausgeleuchtete Winterkasten meine Laune wieder etwas anhob:
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Und dann ging´s los.
Nibelungensteig Ho!
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Bisher war ich hier beim Laufen ja überhaupt erst ein einziges Mal vorbeigekommen, nämlich letzten Herbst mit Gerd.
Damals hatten wir ehrfürchtig die monströs aussehende Steigung des Nibelungensteigs direkt hinter dem Gumpener Kreuz begafft…

Gumpener Kreuz im September 08

…bevor wir links runter ins Gersprenztal abgeknickt waren, nicht gerade unglücklich darüber, dass dieser Kelch an uns vorbeigegangen war.

Heute gab´s kein bequemes Abknicken ins Gersprenztal.
Kelch Aussaufen war angesagt:
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Heidenei!
Monströs ist der richtige Ausdruck für dieses Stück des Nibelungensteigs.
Landschaftlich durchaus hübsch…
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Blick zurück, von oben auf Gumpener Kreuz, den Kamsberg und den Schenkenberg bei Lindenfels. Noch ganz am Anfang des Aufstiegs

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Schloss Reichenberg in Reichelsheim. Weit weg, deshalb mit extremem Digitalzoom aufgenommen und leicht unscharf

Aber der Aufstieg selbst?
BOAH!!!!

Das ging steil bergauf…
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Bonus-Schwierigkeit #1: Grober Schotter

…steil (pfffff) bergauf…
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Bonus-Schwierigkeit #2: Vom Sturm umgeblasene junge Fichten, die den Weg versperrten

…steil hhh hhh hhh bergauf….
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Bonus-Schwierigkeit #3: Spiegelglatt vereiste steilpassagen

…steiiiihl bhhherghhhhhaufffffssss…
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Bonus-Schwierigkeit #4: Das soll ein Weg sein?

…wghrfhhhhhhxstgllllssssssstl bhhhergaaaaufhhhhhhhhhurk…
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Bonus-Schwierigkeit: Keine. Zu dem Zeitpunkt war´s auch nicht mehr nötig…

Wirklich fies!
Und zwar nicht „Hach, jetzt bin ich ein bischen geschwitzt“-fies, sondern „Grk, ich glaub meine Lunge ist gerade geplatzt“-fies…

Um das mal in Zahlen zu fassen:
Das Gumpener Kreuz liegt auf ca. 270 m.ü.NN.
Der Berg direkt dahinter erhebt sich auf über 430 m.ü.NN und der Nibelungensteig führt praktisch direkt über den Gipfel
(Merke: Der Nibelungensteig schert sich nicht um Belanglosigkeiten wie bequeme Umwege…).
Also sowas um die 160 HM.
Auf ca. 900 m. Strecke – das sind fast 18% Durchschnittsteigung.
Und dazu ist der Weg teilweise nicht besonders gut.
Und er war stellenweise vereist.
Und es lagen überall Bäume und Äste.
Und ich war ja schon etwas missmutig losgelaufen, und hatte deswegen zuviel Tempo vorgelegt – das rächte sich nach den ersten paar hundert Metern.

Au. Au! AU!!!!

Hammerhart, kostete gleich zu Beginn Unmengen an Kraft und zog sich wie lauwarmer amerikanischer Pizzakäse.

Als wir endlich oben waren, musste ich erstmal eine kurze Pause machen um wieder zu Atem zu kommen.
Uijuijui!
Notiz an mich selbst: Beim nächsten Mal LANGSAM hier hoch…

Als meine Atmung und mein Puls wieder unter das Niveau einer mit Koffeein hochgedopten nervösen Nagetiers gerutscht waren ging´s weiter den Nibelungenweg entlang, der sich nun mit etwas weniger Steigung und Gefälle am Bergrücken nach Osten schlängelte.
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Hätte eigentlich angenehmer sein sollen, war es aber nicht, denn hier tauchte ganz massiv ein neues Problem auf: Vereiste Wege.

Hier lag ja teilweise noch Schnee.
Der war offenbar vor kurzem fast weggetaut.
Dann wieder übergefroren, so dass sich eine betonharte, knirschende Firneisschicht gebildet hatte.
Und die taute nun bei Temperaturen ganz knapp über 0° wieder an.

Höllisch glatt!
Ich bin ja so Einiges gewöhnt, aber das hier war teils so extrem rutschig, dass selbst Nemo aufpassen musste:
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Entsprechend holperten und rutschten wir weiter, während sich meine ohnehin schon kompromittierte Laune weiter verfinsterte – Zeit knapp, genervt, Weg fast unlaufbar, und das Frühlingswetter, auf das ich mich so gefreut hatte, entwickelte sich immer mehr zum frostigen Trauerspiel…
Hrmgbl…

Nach 600 m. erreichten wir eine Kreuzung auf dem Bergrücken, an der wir rechts vom Nibelungensteig runter auf den parallel verlaufenden Kohlwald-Weg wechselten (Verbindungstück: Gelbes V, der Kohlwald-Weg selbst ist mit der gelben 1 markiert).
Der Abstieg war halsbrecherisch, 100 steile Meter auf einer praktisch durchgängigen Eisfläche. Mehrmals beinahe auf die Schnauze geflogen, das nervte mich heute tierisch.

Links den Kohlwald-Weg weiter, unterhalb des Bergrückens. Rechts durch die Bäume immer mal wieder ein paar nette Ausblicke ins runter Weschnitz-Tal:
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Wahrscheinlich Krumbach… glaub´ ich.

Immerhin war der Weg besser und weniger glatt, da musste man nicht mehr hochkonzetriert auf jeden Schritt achten.

Etwas mehr Zeit und Muße zum Umsehen, dabei dann gleich der nächste Misston:
Mir fiel auf, dass Nemo den Schweif vollkommen kraftlos runterhängen liess, und zwar die ganze Zeit.
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Hängender Schweif

Jetzt kenne ich Nemo seit dreienhalb Jahren, und normalerweise trägt er den Schweif beim Laufen immer hoch oder halbhoch – das ist ein Zeichen, dass es ihm Spass macht und dass er wach und neugierig ist.

Heute hing das Schwänzchen jedoch die ganze Zeit nach unten, labberte vollkommen kraft- und spannungslos an Nemos Rückseite rum, fast so als wär´s ein Fremdkörper. Zugleich machte er aber keinen besonders geknickten oder erschöpften Eindruck, was normalerweise ein Grund wäre, den Schwanz hängen zu lassen.

Kam mir nicht normal vor, also behielt ich es im Auge (und begann, zu grübeln – was, wenn er Schmerzen hatte? Oder einen gebrochenen Schwanz? Oder vielleicht sogar die Dackellähme? Hoffentlich war alles ok…).

Laufen tat er ganz normal. Aber der Schweif blieb unten.
Als es nach ein paar Minuten nicht besser wurde, machten wir kurz Pause.
Ich versuchte ihn mit ein bisschen Spielen und Leckerlis zum Wedeln zu bewegen.
Hund freut sich, Schwanz bleibt unten…
Nicht gut.
Danach genaues Abtasten von Schweif und Wirbelsäule.
Nichts Auffälliges, schien Nemo nicht weh zu tun, aber der Schweif blieb unten.

So langsam gesellte sich zu meiner allgemeinen Genervtheit echte Sorge. Wenn bloss der Hund ok ist…

Wir machten erstmal weiter. Nemo normal aber mit hängendem Schweif, ich unruhig, unrund, unkonzentriert – die Melange aus leichtem Ärger (über das Wetter. Und den miesen Weg. Und dass es schon so spät war. Und dass das alles viel schlechter lief als erwartet) und Besorgnis (wegen Nemo) verdarb mir die ganze Geschichte gründlich.
Lief nicht gut.

Einen knappen Kilometer nachdem wir den Nibelungensteig verlassen hatten, tauchte links eine große Hangwiese mitten im Wald auf. Der Plan sah vor, dass wir hier links abbiegen sollten, um über die Wiese zurück auf den Nibelungensteig zu wechseln.
Gute Idee, leider nicht machbar, denn die Wiese war so gut mit Elektrozaun und Stacheldraht eingezäunt, dass an durchkommen nicht zu denken war.

Na klar. Warum sollte denn auf einmal irgendwas klappen…?

Also mussten wir uns am Rand der Wiese durch den Wald schlagen.
Geradwegs durch die Wildnis, durch/über/unter Schlamm, Matsch, Dornenhecken/Umgefallene Bäume. Macht mir normalerweise nix, heute NERVTE ES!!!!!!!

Als ich auf der anderen Seite der Wiese aus dem Wald auf dem Nibelungensteig kam, war ich erst mal alleine.
Wo war Nemo?
Drehte mich um, suchte.
Ah ja, da war er ja, im Wald und…
…LAG AUF DEM RÜCKEN UND ZUCKTE!?!?!!

nein

OH NEIN!!

OHGOTTOHGOTTOHGOTTSCHEISSESCHEISSESCHEISSEICHHABSJA GEWUSSTDAISTWASNICHTINORDNUNGOHGOTTHOFFENTLICHIST
DERHUNDOK!

Angst. Panik.
Die Sorge von eben scheint bestätigt.

Ich renne zurück ins Unterholz durch die Dornen und den Schlamm über die Baumstämme der kleine Teil meines Gehirns der klar denkt überlegt wo die nächste Strasse ist damit wir ein Auto anhalten können das uns zu einem Tierarzt fährt…

…komme an.

Nemo dreht sich rum, steht locker-flockig auf, und guckt mich verständnislos an.
„Nanu, was ist denn mit dir los?“ fragt er.

Oder würde es fragen, wenn er könnte.

Bin kurz perplex.
Dann rieche ich es, kapiere, was hier los ist.

Nemo hat nicht gezuckt.
Er hat sich gewälzt.

Mit dem Wälzen ist das so: Manche Hunde wälzen sich gerne in unausprechlichen, ekelhaften Dingen am Wegesrand, die für uns extrem übelriechend sind, für sie aber so eine Art Parfum darstellen (was das für Dinge sind, da denkt man am besten nicht drüber nach).
Nemo hat das noch nie gemacht.
Wirklich noch nie.
Nicht ein einziges Mal in seinen fast vier Lebensjahren.
Normalerweise ist er total sauber.

Und gerade heute, weiss der Geier warum, gerade heute fängt der blöde Köter damit und wälzt sich in… irgendwas (ich gucke lieber nicht genauer hin, aber es stinkt wie die Pest).

Mannomann.

Einerseits bin ich total erleichtert, weil es Nemo gut geht.
Andererseits bin ich stinksauer, weil mich die verdammte Töle so erschreckt hat, und weil sie sich so zugesaut hat.

Oh Mann, am liebsten würde ich…
AAAAAAAARGH!!!!!

Zusammen schlugen wir uns nochmal durchs Unterholz (der eine dampfend vor Ärger, der andere stinkend vor… Gestank), bis wir wieder auf dem Nibelungensteig am Rand der Wiese standen:
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Dort machte ich dann erst mal einen kurzen Realitätscheck:

1) Wege waren heute unglaublich scheisse, teils praktisch unlaufbar
2) Das Wetter war wesentlich schlechter als gedacht, das störte mich
3) Wir waren zeitlich TOTAL im Verzug und nachher noch verabredet
4) Die Batterieanzeige des Fotos blinkte wie wild, der würde bald aufgeben
5) Der Hund hatte im wahrsten Sinne des Wortes Scheisse gebaut…
6) …und ich war mir immer noch nicht ganz sicher, ob er wirklich in Ordnung war
7) Ich selbst war total gereizt, unruhig, verärgert, besorgt, fahrig – einfach in der total falschen Geisteshaltung, um das hier geniessen zu können.

Ich gab auf.

Eigentlich war ja geplant gewesen, von hier aus auf dem Nibelungensteig bis nach Weschnitz und Ober-Ostern zu laufen und einen Abstecher ins Ostertal zu machen.
Aber es war klar, dass das heute nichts mehr bringen würde, sondern nur eine Verschwendung meiner Zeit und der schönen Landschaft wäre. Hier hinten ist es einfach zu hübsch, als dass ich hier mit Wut im Bauch und Ärger im Kopf durchdonnern möchte.
Lieber ein andermal wiederkommen, wenn alles gut läuft.

Zum Glück hatte ich einen guten Streckenplan dabei, mit dem ich eine kürzere Route zurück zum Gumpener Kreuz festlegen konnte. Anstatt dem Nibelungensteig nach Süden zu folgen, liefen wir nun nordwärts, den OWK-Wanderweg HW 17 (markiert mit einem blauen Dreieck) hoch.

Auch der war teilweise recht steil, uneben und vor allem wieder furchtbar vereist, aber daran waren wir ja inzwischen schon gewöhnt.

An einem eisigen Acker unter bleiernem Himmel entlang…
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…dann ein Stück auf einem weiteren schmalen, steilen, vereisten Weg in den Wald hoch…
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…vorbei an einer Hochwiese am Waldrand, von der aus man eine tolle Aussicht ins Ostertal hatte…
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Die Häuser dahinten, das ist entweder Ober-Ostern oder Weschnitz. Da hatten wir eigentlich durchgewollt. Sieht hübsch aus. Seufz…

…dann noch ein halber km Trampelfpad am bewaldeten Hang nach Norden…
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…und schließlich ein furchtbar schlüpfriges/eisiges Gefälle runter zum Waldrand…
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…und hinaus auf eine weite, offene Hochwiese mitten auf dem Bergrücken am Rechbuckel.

Hier stockte mir dann nochmal der Atem, endlich auch mal aus positivem Grund – was für eine unglaubliche Aussicht:
Links der Blick ins weite, wunderschöne Gersprenz-Tal, das gerade von der durch eine Wolkenlücke scheinenden Sonne in eine glorreiches, strahlendes, warmes Licht getaucht wurde. Rechts das schmalere aber nicht minder wunderschöne Ostertal, in dem ebenfalls gerade strahlender Sonnenschein herrschte. Und mittendrin wir, auf dem hohen, verschneiten Hügel, in die blaugrauen Schatten der spektakulären, schnell dahinrasenden Wolken gehüllt.
Wunderschön.

Zum ersten Mal seit wir losgelaufen waren, atmete ich richtig durch, genoss die Aussicht, die Weite, die Einsamkeit, den Moment.
Wunderbar.

Dann nahm ich den Foto raus, um das einzigartige, herrliche Tableau in einem 270°-Monumentalpanoramabild festzuhalten.
Knips.
Knips.
Knips.
Kn…

Nach dem dritten von mindestens mal acht geplanten Einzelbildern gab der Akku auf.
Schluss mit Fotos.

Seufz.

Aber hey, passte irgendwie gut zum Rest vom Lauf.

Deswegen kann ich euch jetzt leider nur einen kleinen Teil des geplanten Panoramafotos zeigen, mit dem grandiosen Anblick des sonnigen Gersprenztals unter wolkenverhangenem Himmel:
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Der Rest des grandiosen, einzigartigen Anblicks ist leider für die Nachwelt verloren, den gibt´s jetzt nur noch in meiner Erinnerung.
Aber vielleicht macht ihn das ja besonders wertvoll… 😉

Dann machten wir uns endgültig auf den Rückweg. Auf dem Lokalweg Gu4 am Hang des „Stotz“ (so heissen im Odenwald irgendwie viele Berge) westwärts durch den Wald und leicht abwärts, nach vielleicht einem km dann halblinks/geradeaus auf dem Lokalweg Gu3 weiter, bis wir ein tiefes, schattiges Wiesental umrundeten und am Waldrand ins Gersprenztal hinabliefen.
War nett aber unauffällig, bis auf die Tatsache, dass Nemo plötzlich wieder fröhlich den Schweif in die Luft reckte.
Der Philister…

Oh, und es war das rutschigste Stück von allen. Schon im Wald war´s unsagbar glatt, und als wir schließlich raus in die Wiesen liefen, gerieten wir auf ein Stück abschüssigen Asphaltweg, der komplett mit einer dünnen, spiegelglatten Schicht leicht angetauten Eises überzogen war – hier ging´s nur noch in übervorsichtigen Trippelschrittchen voran.

Schließlich erreichten wir die B38 im Talgrund, knapp unterhalb des Gumpener Kreuzes, an deren Rand (Kein Radweg, kein Seitenstreifen – wie üblich im Odenwald) zurück zum Ausgangspunkt liefen.
Am Ende waren´s dann gerade mal 7,6 km, fast 5 km weniger als geplant.

Tja, was soll ich sagen.
Das war eine schlechte Tour.

Zum Teil sicherlich wegen der äußeren Bedingungen, aber zum Teil auch wegen mir – physisch war alles ok, aber mental hat das heute einfach nicht gepasst.
Es gibt so Tage, da ist man zu gereizt, zu unruhig, zu abgelenkt, um so eine Entdeckungstour richtig geniessen zu können.
Und das Erleben eines Laufes auch immer davon abhängt, was man mitbringt bzw. mit welcher Geisteshaltung man startet, wird das dann halt nix. Von daher war der vorzeitige Abbruch die richtige Entscheidung, denn einerseits hätte ich sonst meine Verabredung nicht mehr einhalten können, und andererseits ist die Gegend zu schön (und ich komme zu selten dorthin), um sie an einen verkrampften, häßlichen Lauf zu verschwenden.

Kommt vor, ist hiermit abgehakt, und erinnert werden einfach nur die schönen Momente, von denen es ja auch welche gab.
Und ein bisschen neue Strecke ist ja auch was wert… 🙂

Ach so, und was Nemo angeht, dem geht´s prächtig.
Keine Anzeichen irgendwelcher Blessuren mehr, alles in Ordnung –
kein gebrochener Schwanz, keine Dackellähme, keine Depression, sondern nur ein überbesorgter Matthias an einem schlechten Tag.

Entsprechend miefte er dann noch ein paar Stündchen glücklich vor sich hin, und durfte dann zuhause live und in Farbe erleben, was mit kleinen Hunden passiert, die sich absichtlich einstinken:
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Ich hoffe, er hat seine Lektion gelernt… 😀

Strecke: 7,6 km
Zeit: Irgendwas zwischen 0:45 und 0:50 h reine Laufzeit – hab´ dann irgendwann nicht mehr drauf geachtet.
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 96,45% (7,33 km von 7,6 km)
Karte:
hinter-dem-gumpener-kreuz

M.

PS: Kümmel, falls du das liest: Ich war SO nah dran am Weschnitztal… 😉

9 Antworten to “Missratenes Nibelungensteig-Ründchen hinter dem Gumpener Kreuz – mit ein paar Fotos (7,6 km)”

  1. Christian Says:

    Oh Matthias, das tut mir richtig leid, Zeitnot, Hetze, Sorge um den Fiat Panda äh Nemo 😉 und dann noch unerwartet schlechte äussere Bedingungen, da kann man nicht mit Spass und Genuss laufen.
    Aber trotz allem, die Bilder sprechen für sich, eine wunderschöne Landschaft und vor allem schöne Steigungen, da bekommt man – oder besser gesagt ich – schon wieder Lust, aber nein, heute muss ich arbeiten 😦

    Ich befürchte auch die nächsten Tage wird Sonnenschein eher Mangelware sein, zumindest bei uns, so dass die Läufe eher zäh werden.

    Ich wünsch Dir ein schönes Wochenende mit einem mentalen Hoch

    Salut

    Christian

  2. Gerd Says:

    Ha,
    man kann dich echt nicht alleine weglassen. Bei dem Wetter da oben rumzugeistern. 😉
    Und dann auch noch ohne Muse.
    Es wird Zeit das wir unsere erste Etappe planen und angehen. Aber bei richtig schönem Wetter. 😉
    Und das mit Nemo ist echt über. Kenn ich von Sunny. Das schlimme ist, es funktioniert anscheinden nur wenn es unerträglich stinkt. Normaler Gestank reicht da nicht aus um sich zu wälzen. 😆

  3. Bernd Says:

    Wieder ein schöner Bericht mit schönen Bildern, ich freue mich immer wieder darüber. 🙂

  4. Kümmel Says:

    Ja natürlich lese ich das 😉

    Und du warst im Weschnitztal, auf dem letzten Stück bis zur Wiese mit dem Abbruch bist du an einigen Grenzsteinen vorbei gekommen, die heute für die Grenze zwischen den Kreisen Bergstraße und Odenwald stehen und gleichzeitig das Ende des Weschnitztales oder der Gemeinde Fürth. Trotz eigener Bilder von den Steinen bin ich mir aber gar nicht wissen wer die wann für was aufgestellt hat.

    Ich würde dir für das nächste Mal empfehlen nicht den zentralen Trampelpfad zu nehmen. Du bist an einer Kreuzung vorbei gekommen (dort wo auf der Karte 5 der Schriftzug „Raupenstein“ beginnt). Es gibt dann rechts zwei Wege (bzw. eine Serpentine eines Weges), mittig den zentralen Trampelpfad und halb-links eine breite Schotterstraße. Diese geht einen knappen Kilometer nahezu eben und ist daher besser geeignet, wenn man etwas verschnaufen möchte. Im Bereich der Serpentienen südlich von Gu3 ist hier ein Kartenfehler. Die Straße mündet in die südlichste Serpentiene (nach einem kurzen Gefälle) und dann geht der weiße Weg nochmal richtig zügig in die Beine, man hat ja schließlich noch Höhe aufzuholen. Allerdings ist dieser Gesamtanstieg in zwei Etappen deutlich besser zu bewältigen. An dem kleinem gestrichelten Weg (was in der Realtität meist tiefgefurchte Traktorspuren sind) rechts oberhalb des gelben V’s geht es dann zurück auf den eigentlichen Weg. Den anderen der bis zu diesem Punkt gestrichelt eingezeichnet ist, ist eher nicht zu empfehlen. Da liegen Bäume quer und er ist teilweise verwachsen.

    Wenn da oben so viel Eis lag, ist es vielleicht gar nicht schlecht, dass du abgebrochen hast. Das Stück nach Weschnitz ist ab dem blauen Dreieck teilweise ziemlich steil bergab und das stelle ich mir bei Eis nicht sonderlich toll vor.

    Tja und für zukünftige Touren muss ich dir vor den Varianten übers Ostertal eh abraten. Wenn schon kannst du auch durchs Weschnitztal touren. 😉

    Wenn z.B. das Gumpener Kreuz Start und Ziel sein soll, gibt es verschiedene kürzere oder längere Varianten. Am Ende der Abbruch-Wiese gibt es eine Kreuzung. Links geht es nach Weschnitz und rechts eine schöne Waldrunde bis z.B. zum Krumbacher Friedhof (P Kohlwald markiert), welcher übrigens auch ein schöner Ausgangspunkt wäre. Allerdings ist der Weg durch den Kohlwald komplett nadelbewaldet und daher null Aussicht. Dafür wird man im Bereich des Krumbacher Friedhofes mit Aussicht belohnt.
    Zum gleichen Teilziel kommst du über Weschnitz und dort a) über Leberbach oder b) über die F3, Brombach und ein kurzes Stück Hauptstraße. Die F3 hat bei Weschnitz aber auch noch so einen deftigen Anstieg.

    Für einen längeren Schwenk zurück zum Gumpener Kreuz bieten sich die Variante FV, F2 runter nach Krumbach und dann a) Li4, Li3 bis hoch zum Kamsbachweg in Lindenfels und von dort das Stück zum Gumpener Kreuz, das du schon kennst oder b) westlich an der Dornhöhe vorbei auf den östlichen Teil von Li3 und dort entweder auch über Li3 hoch nach Lindenfels (sehr schöne Strecke! Kurzes Steilstück am Ende) oder etwas kürzer über die gestrichelten Wege Richtung Heidelberg bzw. Kamsberg. Den letztgenannten Teil bin ich allerdings noch nie durchgelaufen, daher weiß ich nicht wie gut das dort geht.

    Wie du jetzt oder spätestens dann vor Ort sehen wirst, hat das Weschnitztal was zu bieten. Und es gibt noch so viel mehr Varianten. Der Ostrücken ist sehr schön, entweder an ihm entlang oder auch auch mal quer drüber, z.b. Fürth – Altlechtern – Hammelbach – Steinbach – Fürth.

    Aber auch auf der Westseite mit Albersbach oder Erlenbach. Schöner Weg mit wundervoller Aussicht und für dich halbwegs leicht anfahrbar wäre z.B. von der (Gulden)klinger Höhe über Mittershausen Richtung Erlenbach, beim umgekehrten T zum Katzenbuckel, dort über die 3 bis runter nach Lörzenbach und von dort zwischen Kreiswald/Albersbach und Wald-Erlenbach/Mitlechtern auf südlicher Seite bis zum Salzkopf und bis zurück zum Parkplatz.

    Und wenn du das alles gemacht hast, fangen die Ideen erst richtig an 😉

  5. matbs Says:

    @ Christian: Ja, war halt ein ganz schlechter Tag.
    Wobei ich wohl einfach einfach auch zu hohe Erwartungen an die Tour hatte(„endlich mal wieder da hinten laufen, und das bei Sonnenschein, das wird ja sooooo super“).
    Als die sich dann nicht erfüllt haben, hat das dann meine ohnehin schon mäßige Laune gedrückt, das wiederum hat den Lauf dann noch unangenehmer gemacht, das wiederum die Laune noch mehr gedrückt… ein Teufelskreis.
    An manchen Tagen kann man dann einfach mal kurz stehenbleiben und durchatmen, heute war´s einfach zu viel Ärger/Hetze/Sorge/Enttäuschung auf einmal.
    Passiert, beim nächsten Mal wird´s schöner! 🙂

    …wenn dann der Sonnenschein wieder da ist…

    @ Gerd: Tja, bisher konnte ich wenns ums Wälzen ging immer im Brustton der Überzeugung Behaupten „Nemo macht das nicht. Das ist ein ordentlicher Hund. Sehr hygienisch. Der weiss, was sich gehört“.
    Damit ist jetzt wohl Schluss.
    Doofe Töle…

    Und das Wetter ist für unsere erste Etappe wirklich ganz wichtig, das hab´ bei diesem Lauf mal wieder gesehen. 😉

    @ Bernd: Vielen Dank! 🙂
    Offenbar kann man auch aus einer missratenen Tour einen annehmbnaren Blogeintrag machen…

    @ Kümmel:
    Na also, hab´ ich´s doch irgendwie geschafft (aber so richtig noch nicht – schließlich geht´s ja um´s WeschnitzTAL, dazu war das einfach zu hoch oben am Berg)! 🙂
    Das mit den Grenzsteinen im Wald ist eh so eine Sache – die stehen teils wirklich an die unzugänglichsten Orten – keine Ahnung, wer sich die Mühe gemacht hat, die aufzustellen. Wahrscheinlich aus vordigitaler Zeit… 🙂

    An die Kreuzung wo auf der 5 der „Raupenstein“-Schriftzug anfängt, erinnere ich mich ganz genau – das war der Punkt, wo mir spontan die Formulierung
    „Der Nibelungensteig schert sich nicht um Belanglosigkeiten wie bequeme Umwege“ eingefallen ist – links und rechts ging´s schön nett ab, aber der fiese Steig bzw. der fiese HW22 ging einfach geradewegs den Hang hoch – schön gemein… 😀

    Die Alternativroute auf den Gipfel klingt auf jeden Fall etwas entspannter, allerdings wird das zumindest beim nächsten Mal wohl noch nichts – da werde ich ja wahrscheinlich mit Gerd hier hochkommen, und da es seine Idee war, den Nibelungensteig ganz zu laufen, wird er dann auch die zentrale Monstersteigung in ihrer ganzen Pracht miterleben dürfen/müssen/können… :mrgreen:
    Aber für die Zukunft ist es auf jeden Fall eine interessante Variante, zumal ich ja sowieso immer versuche, Streckenwüberschneidunge zwischen den Läufen zu vermeiden.

    Das Eis war teilweise wirklich extrem unangenehm, das hab´ ich dann spätestens auf dem Gu3 gemerkt – von daher: Ja, nach Weschnitz runter hätte ich das nicht auch noch mal gebraucht…

    Das Ostertal werde ich allerdings trotz deines gegenteiligen Rates nochmal machen müssen – fast dagewesen und dann abgebrochen, das schreit förmlich nach einer Wiederholung unter günstigeren Umständen. 😉

    Die Wegvorschläge vom Gumpener Kreuz/dem Parkplatz Kohlwald habe ich mir gerade mal auf der 5 und der 8 angesehen, die machen wirklich einen schönen Eindruck – vielen Dank, mal sehen, ob das nicht mal klappt!

    Dass das Weschnitztal viel zu bieten hat, brauchst du mir nicht mehr sagen – bin ja schon verschiedentlich durchgefahren, durchgewandert und an den Rändern auch schon durchgelaufen – gerade die Nordwestseite habe ich ja läuferisch wenigstens schon mal angekratzt (einerseits das obere Pfalzbachtal mit Seidenbach/Scheuerberg/Mittershausen, andererseits die Ecke um die Juhöhe mit Kreiswald, Albersbach, Groß-Breitenbach, Bonsweiher), das sind wirklich herrliche Ecken.

    Im Moment sieht meine grobe Planung ja vor, irgendwann in Richtung Sommer/Früherbst, sofern genug Zeit da ist, gleich eine ganze Reihe von Läufe zu machen, bei denen ich so eine Art umgekehrtes V laufe – Start in Heppenheim, über Erbach, Sonderbach, Wald-Erlenbach nach Osten, hoch nach Mittershausen, dort auf dem HW 24 nach Erlenbach (vielleicht mit Abstecher in den Bergtierpark, da war ich schon ewig nicht mehr), dann weiter am Nordrand bis nach Krumbach.
    Und von dort aus dann das ganze Tal runter nach Süden, durch bzw. vorbei an Fürth, Rimbach, Mörlenbach, Reisen bis nach Birkenau, dort dann von hinten auf die Wachenburg und über die Windeck runter nach Weinheim.
    Zwischendurch vielleicht noch ein paar kleine Abstecher zu den nebenliegenden Orten, und natürlich irgendwann auch noch mal über Hammelbach den ganzen Trommrücken entlang bis zum Irene-Turm.

    Du siehst, ist alles zumindest schon halbkonkret angedacht.
    Wenn das jetzt nur noch mit der Zeit hinhaut…

    Vielen, vielen Dank für den ausführlichen Kommentar und die tollen Tipps, da kann ich ganz sicher was von brauchen!
    🙂

    Gruß

    Matthias


  6. […] Missratenes Nibelungensteig-Ründchen hinter dem Gumpener Kreuz – mit ein paar Fotos (7,6 km) […]


  7. […] Missratenes Nibelungensteig-Ründchen hinter dem Gumpener Kreuz – mit ein paar Fotos (7,6 km) […]


  8. […] tief drinnen im Odenwald machen. Dummerweise wurde es dann keine schöne Tour, sondern ein fahriger, ärgerlicher, unangenehmer Mistlauf, der so wenig Spass machte, dass ich schließlich vorzeitig abbrach und mir vornahm, die Gegend […]


  9. […] beim Gumpener Kreuz, direkt daneben der bannig steile Stotz, an dessen Hängen ich im Februar eine vollkommen missratene Runde mit Hund und Foto hingelegt habe. Rechts davon dann der Beginn des Trommrückens, davor das nördliche-zentrale […]


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