Im Schongang um Alsbach (8,3 km)

18. Februar 2009

Mein Körper und ich, wir haben einen Deal: Er wird nicht so richtig krank, und dafür schone ich ihn ein bisschen, wenn er mir mitteilt, dass er gerade mal wieder damit beschäftigt ist, einer Erkältung im Anfangsstadium immunsystematisch die Fresse zu polieren bevor er sie endgültig rauskickt.
Das funktioniert schon seit etlichen Jahren bestens, und ist für beide Seiten sehr vorteilhaft: So ca. einmal pro Jahr – eigentlich immer im Winter – sagt mein Körper bescheid (fast immer mit einem trockenen, kratzigen Hals und ganz leichten Schluckbeschwerden), ich unterstütze ihn mit Halspastillen und einer leichten Verringerung anstrengender Aktivitäten, und nach zwei, spätestens drei Tagen (in denen der trockene Hals irgendwann durch etwas verstopfte Nebenhöhlen und ein bisschen leichtes Husten ersetzt wird) ist wieder alles im Lot.
Kein Fieber, keine Schmerzen, keine echte Verringerung der Leistungsfähigkeit, alle sind zufrieden (bis auf die Erkältung, aber die fragt ja keiner).

Gestern war´s wieder mal soweit. Etwas trockener und kratziger Hals und die guten, alten leichten Schluckbeschwerden, also Zeit zum etwas kürzer treten.
An sich auch kein Problem, gestern war´s eh eklig.


Heute allerdings: Herrliches Wetter, mit viel Sonne, blauem Himmel, klarer Luft und ganz wenig Wind. Das darf man ja eigentlich nicht verschwenden, gerade im Moment, wo das Wetter unberechenbar ist… Und das Pseudomöchtegernerkältüngchen war offensichtlich ganz gut unter Kontrolle (gaaanz wenig Kratzen im Hals, schwacher Hustenreiz und ein bisschen zuviel Rotz in irgendwelchen ominösen Verbindungen zwischen Nase und Ohren)…

Hmmmm…

Ach, na gut, eine ganz kleine Runde, einfach mal um Alsbach rum und das auch noch in extralangsam, das würde schon nicht schaden.

Und so hab´ ich´s dann gemacht. Extradick eingepackt, Nemo mitgenommen, und los.
Gaaaaanz langsam in den wunderschönen, sonnigen Nachmittag.

Zuerst mal hoch in den Wald. Standardstrecke ins Darsbergtal, kurz den Burgenweg (blaues B) hoch, dann rechts auf den Alemannenweg (rotes S) und auf dem untersten Weg am Waldrand über Jugenheim nach Süden.
Voll in der Sonne, größtenteils wunderbar. Lediglich der Untergrund war wieder mal erbärmlich: Vorgestern Nacht 10 cm Neuschnee, die gestern im Laufe des Tages zu 2 cm Schneematsch geschmolzen waren. Heute Nacht dann wieder übergefroren und heute im Lauf des Tages dann wieder angetaut – glitschig wie auf der Eisbahn.
Gut, dass wir´s nicht eilig hatten…

Nach ein paar hundert Metern runter ins Hasselbachtal (Südhang: Kein Eis mehr, dafür nicht minder glitschiger Schlamm), das wir durchquerten und auf der anderen Seite dem Burgenweg um den Katharinenberg herum bis zum Alsbacher Ortsende am Sperbergrund folgten. Selbes Bild wie eben: Wunderbar sonnig aber glatt.

Im Sperbergrund dann links hoch in den Wald rein und auf dem Burgenweg um den Geisberg (sonnig & glitschig) ins nächste Tal, nämlich das unterhalb vom Alsbacher Schloss. Extralangsam, denn hier war´s nicht nur glatt, sondern vor uns spazierte auch noch ein Hundehalter mit einem von Nemos Erzfeinden an der Leine, den wir auf dem engen Pfad nicht ohne Hundezoff überholen konnten. Also warteten wir, bis er außer Sicht war…

Im Tal unterhalb vom Alsbacher Schloss (ist das der Eselsgrund?) kurz links die Kirchstr. hoch in Richtung Wald, dann rechts aufwärts und die Hindenburgstr. entlang (das ist die, deren Häuser so eine tolle Wohnlage am Steilhang haben).
Gleich am Anfang eine kurze Pause, um den herrlichen Ausblick über die sonnige Ebene nach Nordwesten zu geniessen, bis hin zu den fernen Wolkenkratzern der Frankfurter Skyline und den sonnenbeschienenen Hängen von Taunus und Rheingau (daran erkennt man immer, wieviel Dreck gerade in der Luft ist: Wenn man den Taunus nicht nur als Silhouette sieht, sondern – so wie heute – Details an seinen Flanken erkennen kann, ist es ein klarer Tag).

Am Ende der Hindenburg-Str. dann auf dem Schloss-Weg (gelbe 3) aus Alsbach hinaus und wieder in den Wald.
Aufwärts in Richtung Schloss.
Wie gehabt viel Sonne im kahlen Wald an den West- und Südwesthängen, viel glatt auf den vereisten Wegpassagen im Schatten.

Kurz vor dem Schloss dann links und wieder abwärts ins nächste Tal (falls da jemand ein Muster erkennt – stimmt: Bisher war´s immer „Tal rein, Tal raus gegangen, das hier war das fünfte oder sechste, das wir heute errichten. Übrigens hab´ ich keine Ahnung, wie dieses Tal heisst, weil ich keine Alsbacher Flurkarte besitze. Also nennen wir´s einfach das „Tal hinterm Schloss und über den Weinbergen“… 😉 ). Kurz auf dem Drehling-Weg (gelbe 8), dann scharf rechts ab auf einen Pfad, der neben einem Bächlein im Talgrund geradewegs runter zum Waldrand führte.

Übrigens neue Strecke, war ich noch gelaufen. Kein Wunder, so mies wie der Pfad war. Alternativ knöcheltiefer verfirnter Schnee, rutschigstes Eis, oder glitschigster Morast. Urk!

Je weiter wir nach unten kamen, um so dominanter und glatter wurde das Eis. Am Waldrand ging dann fast nichts mehr, so spiegelglatt war´s – aber ich hatte ja zum Glück ein exzellentes Frühwarnsystem: Wenn´s so glatt ist, dass sogar der Nemo ausrutscht und hinfällt, dann ist es Zeit, mit dem Joggen aufzuhören und sich mit Babyschritten und lächerlich gespreizten Armen vorwärtszutasten… 😀

Änderte sich zum Glück, sobald wir den Wald verliessen und in die strahlendhellen Weinberge zwischen Alsbach und Zwingenberg rausliefen – hier war´s angenehm warm und sehr freundlich, und der betonierte Weg, dem wir abwärts bis an die alte Bergstrasse folgten, war vollkommen eisfrei und trittfest. Schön.

Über die alte Bergstrasse rüber, an der Alsbacher Feuerwehr am Ortsrand vorbei, dann rechts ins Neubaugebiet im Alsbacher Südwesten, zwei Strassen zwischen nicht unfreundlichen aber etwas schlichten Reihenhäusern hindurch bis an die Bahnhofstr/L3103 am westlichen Ortsrand.

Hier ist so einiges neu: Neuer Kreisverkehr, direkt dahinter neue Haltestelle für die Strassenbahn, die letztes Jahr vom Beuneweg bis hier runter verlängert worden ist. Sieht alles noch ein bisschen unfertig aus…
Wir liefen über den Kreisel, vorbei an der Haltestelle, und folgten dem unsäglich schlammig „Weg“ zwischen den Gleisen und dem Ortsrand nach Norden.

Nach 350 m. passierten wir den Alsbacher Hinkelstein, der im Moment etwas verloren zwischen der immer noch baustellig wirkenden neuen Trasse und dem Alsbacher Sportplatz steht. Auch hier wieder kurze Pause, einfach weil ich den Hinkelstein mag.
An sich sieht er nicht besonders beeindruckend aus, ist ein brusthoher grauer Stein am Ortsrand. Aber seine Geschichte – irgendwann vor Tausenden von Jahren, vor den Römern, sogar vor den Germanen, hat irgendein halbvergessenes Volk den tonnenschweren Stein aus dem Granit der Berge gehauen, ihn hier runter ins Flachland geschleppt, und aufgestellt.
Und zwar nicht irgendwo. Der Hinkelstein ist ein uraltes astronomisches Instrument, dass so perfekt ausgerichtet ist, dass es selbst heute noch die Tagundundnachtgleichen und Sonnenwenden anzeigt – wenn man bei Sonnenaufgang von seiner Position aus nach Osten auf die Berge schaut und die Sonne geht direkt über der Alexanderhöhe hinter Jugenheim auf, dann ist Sommersonnenwende. Wenn sie über direkt über dem Darsberggipfel aufgeht, ist Tagundnachtgleiche, entweder im Herbst oder im Frühjahr. Und wenn sie direkt über der Melibokuskuppe aufgeht, dann ist Wintersonnwende.
Unglaublich faszinierend, wenn man mal drüber nachdenkt.

Danach weiter am Alsbacher Westrand. Am neuen Bahnübergang am Weilerweg über die Trasse und nun westlich der Gleise nordwärts bis zum Beuneweg (ebenfalls schlammig und baustellig), dort dann halblinks ins Feld zwischen Bickenbach, Alsbach und Jugenheim, wo wir schließlich wieder die Gleise überquerten und links nach Jugenheim reinliefen. Noch ein bisschen durch die unteren Gefilde des Orts geeiert (immer auf der Suche nach ein paar Meterchen noch nicht gebloggter Strecke [aber davon gibt´s einfach nicht mehr viel], dann schließlich rechts aufwärts und via „Im Säbchen“ und Jossastr. nach hause.

Kurz, langsam, sonnig, nett, problemlos. Gegen Ende etwas laufende Nase, aber ansonsten keine Probleme mit der Möchtegernerkältung. Aber ich werd´ in den nächsten Tagen trotzdem noch etwas langsamer machen, schließlich hab´ ich einen Deal mit meinem Körper
(und außerdem hustet und spotzt Nemo ein bisschen, kann sein, dass er ´ne Erkältung kriegt…). 😉

Strecke: 8,3 km
Zeit: Laaaaaaaaaaaangsam
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 12,65% (1,05 km von 8,3 km)
Karte:
alsbach-im-schongang

M.

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8 Antworten to “Im Schongang um Alsbach (8,3 km)”

  1. Christian Says:

    Hallo Matthias,
    so ist es recht, auf den Körper hören und Tempo raus nehmen. Aber „Pseudomöchtegernerkältüngchen“ ist schon ein starkes Wort, das muss ich mir unbedingt merken 😉
    Mach langsam die Tage damit alles wieder rund läuft, laboriere gerade auch an einem leichten Schnüpfchen rum, aber ganz isoliert.

    Salut

    Christian

  2. Gerd Says:

    Ich hatte mit den ganz langesamen Läufen bei meiner Erkältung eigentlich die besten Erfahrungen gemacht. Zwar ein bisschen zu lang deine Strecke aber sonst kann man mit einer „Erkältung“ schon sporteln.
    Man darf es nur nicht übertreiben.
    Und Nemo schon gar nicht. 😉
    Gute Besserung an Euch beide!

  3. matbs Says:

    @ Christian: Also wegen mir brauchst du dir das Wort „Pseudomöchtegernerkältüngchen“ nicht merken, denn im Verlauf des gestrigen Tages und der letzten Nacht hat sie sich – obwohl eigentlich schon besiegt geglaubt – dann doch noch zu einer echten Erkältung gemausert (meine erste seit Ewigkeiten – sicher die Rache meines Körpers dafür, dass ich gestern laufen war…).

    Von daher bleibt langsam Machen in der Tat das Gebot der Stunde, die nächsten zwei, drei Tage werd´ ich wohl mal ganz aufs Laufen verzichten, nur zur Sicherheit (passt natürlich auch zum gerade herrschenden Wetter, das ist immer schön, wenn ich mal nicht kann. Hrmbgl…)

    @ Ach Gerd, ich hab´ mich ja schon damit abgefunden, auch mal Strecken unter 10 km zu laufen, aber unter 6 oder 7?
    Ich weiss ja nicht – man hat ja schließlich auch seine Standards 😀 😉 .
    Aber wie gesagt, nachdem es sich wider Erwarten etwas verschlechtert hat und ich jetzt ernsthaft mit Husten und in Tempos Speutzen beschäftigt bin, werd´ ich wohl die nächsten Tage lieber verzichten.
    Dem Hund zuliebe, und so… :mrgreen“

    Dankeschön für die Besserungswünsche!

  4. Christian Says:

    Hm, Matthias, da wünsch ich mal ganz schnell noch gute Besserung. Hoffentlich wird das bald wieder mit der Gesundung, Du weisst ja, die Wochenkilometer 😉

    Nein, im Ernst, mach langsam und kurier Dich aus, ich lauf ein wenig für Dich mit 🙂 Jetzt gleich gehts los, bei strahlendem Sonnenschein in den Winterwald 🙂

    Bis dann

  5. matbs Says:

    Pfff, Sonnenschein, Winterwald… – reib´s nur ordentlich rein, du Sack! 😆

  6. Christian Says:

    So toll war es auch nicht 😉

    Es war noch viel besser 😎

    Lass Dir Zeit, bestimmt kannst Du auch mir irgendwann Mut zusprechen 😉

    Gute Besserung

  7. matbs Says:

    Gnagnagnagna… :mrgreen:

    Mut Zusprechen brauch´ ich gottseidank noch nicht, letztes Jahr um die Zeit hab´ ich mit abgerissenem Außenband sechs Wochen rumgehockt und Däumchen gedreht, da schrecken mich ein paar Tage zum Husten und Taschentuchvollschniefen nicht weiter.

    Trotzdem dankeschön! 🙂


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