Frühling am Rhein: Gernsheimer Rheinschleife und Eicher See (mit Fotos – 12,8 km)

13. März 2009

Hrm…

Da schont man sich tagelang schön brav, schluckt regelmäßig sein Diclofenac in der Hoffnung, dass es was hilft, und hat das Gefühl, dass es so langsam deutlich aufwärts geht mit dem irgendwie nicht ganz knusperen linken Bein, und dann das: Gestern für meine Eltern (die gerade ihr Bad renovieren) ein recht schweres und sperriges altes Wachbecken runtergeschleppt, dabei ein paar unnatürliche Bewegungen gemacht, und schwupps, schon fühlte sich das Bein für den Rest des Tages wieder merklich seltsamer an.

Was einerseits natürlich irgendwie ein bisschen blöd ist, andererseits aber auch mehr Klahrheit schafft: Wohl wirklich keine Muskelreizung/Entzündung, sondern anscheinend tatsächlich eher irgendwas aus dem Rücken (dazu passt auch, dass ich im Moment oft verspannt bin und mein linkes Schulterblatt knackt wie blöde), vielleicht so´ne Nervengeschichte oder so (genauere Vermutungen stelle ich jetzt aber nicht an, da ich weiss, dass hier Medizinier mitlesen. Das hemmt irgendwie… 😉 ).
Wenn sich´s übers WE also nicht gibt, wird vielleicht wirklich mal ´ne Überweisung zum Orthopäden fällig…

Heute morgen war´s allerdings schon wieder deutlich besser, eigentlich kaum noch da (also so wie in den letzten Tagen).
Gutes Zeichen, fand ich.

Und draußen war zudem – wieder mal – der Frühling ausgebrochen: Sonnenschein (diesig und mit vielen Wolken, aber Sonnenschein!), milde Luft, paradiesische 12 oder 13 Grad.
Richtig schön!


Da hab´ ich´s dann ehrlich gesagt einfach nicht mehr ausgehalten – fast eine Woche unlaufend zuhause gehockt – bei Dauerregen und feutchtkaltem Scheisswetter war das erträglich, aber an einem Tag wie heute?
Nee, da musste ich einfach wieder mal los (gerade wo das Bein eigentlich ganz ok war).

Und am besten was richtig Schönes, zur Entschädigung/Belohnung für die stillgehaltene Woche. ´Ne echte Wohlfühltour.
Irgendwie hatte ich total viel Lust auf Flachland (das klang auch wegen dem Bein vernünftig), am allerliebsten irgendwas am nahen Rheinufer bei Gernsheim – da war ich dieses Jahr noch gar nicht, und beit gutem Wetter ist es da immer ganz schön.
Es gab nur ein Problem: Da drüben bin ich alles schon mal abgelaufen – und ich wollte doch heute neue Strecke…

Und dann kam mir die Idee: Warum eigentlich nicht linksrheinisch?
Von Gernsheim fährt alle paar Minuten die Fähre rüber nach Rheinland-Pfalz – das ist ein Katzensprung, überhaupt nicht teuer (2 € hin und zurück für Fußgänger, das war´s mir allemal wert), und am anderen Ufer war ich noch nie gelaufen. Und eine Tour mit Bootsfahrt zwischendrin hab´ ich auch noch nie gemacht.

Wanderkarte raus, eine perfekte Rundstrecke an der Gernsheimer Rheinschleife mit viel Uferweg gefunden (die zudem den Vorteil hatte, dass ich jederzeit hätte abkürzen können, wenn´s mit dem Bein nicht geklappt hätte), den Foto eingepackt (hey, warum nicht?) und frohen Mutes aufgebrochen, rein in den wunderbaren Frühlingstag und rüber zur Anlegestlle in der „Schöfferstadt“ Gernsheim („Schöfferstadt“ nennt sich Gernsheim übrigens wegen seinem wichtigsten Sohn, Peter Schöffer, einem Schüler und Mitarbeiter von Johannes Gutenberg).

Normalerweise hab´ ich ein Talent dafür, immer genau im richtigen Moment an der Gernsheimer Rheinfähre anzukommen, nämlich kurz bevor sie ablegt.
Aber im Moment bin ich offenbar etwas langsamer als gewohnt (das Bein, das Bein… 😀 ), deshalb war sie just in dem Moment, in dem ich ankam, im Losfahren begriffen:
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Bild #1: Die Fähre legt ab.

Vielleicht hätte ich es mit einem verzweifelten Satz noch auf die Rampe geschafft. Aber mal ehrlich: Wegen ein paar Minütchen Wartezeit an einem wunderschönen Frühlingstag mach´ ich mich doch nicht zum Deppen und riskier´ ein Bad im Rhein.
Also liess ich sie erstmal ziehen…
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Bild #2: „Komm Bald wieder ‚Stadt Gernsheim“, komm bald wieder!“

…und nutze die 5 oder 10 Minuten Wartezeit, um mich noch ein bisschen am Rheinufer und am Gernsheimer Hafen umzutun. Impressionen:
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Bild #3: Die Pfeiler der zerstörten Eisenbahnbrücke. Im Hintergrund am anderen Flussufer die Häuser der „Gernsheimer Fahrt“ und die Fähre, die gerade anlegt

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Bild #4: Bis über ans Rheinland-Pfälzische Ufer sind´s ca. hier 300 m. Sieht eigentlich gar nicht so breit aus – Ist es aber…

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Bild #5: Blick nach Norden, Flussabwärts in Richtung Industriegebiet, Biebesheim und Rheinschleife. Links im Bild das rote R des Rhein-Neckar-Wegs, der dem Rhein- und dann dem Neckarufer von irgendwo weit im Norden (Mainspitze?) bis irgendwo weit im Süden (Gundelsheim am Neckar?) folgt

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Bild #6: Gernsheimer Hafengelände. Links die beliebte Ausflugsgaststätte an der Fähranlegestelle, dahinter der Winterhafen, die Container des Industriehafens und der Turm der Malzfabrik

Ein paar Minuten später war die Fähre dann wieder da und es ging los:
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Bild #7: Ahoi!

Die Gernsheimer Fähre ist eine richtig feine Sache. Objektiv sowieso, weil sie zusammen mit der Fähre in Nierstein die einzige Möglichkeit zur Rheinüberquerung zwischen Mainz und Worms ist.

Aber vor allem auch subjektiv: Als ich ganz klein war sind wir nämlich hin und wieder mal rüber nach Osthofen in Rheinhessen gefahren um Wein zu holen, und dabei ging´s immer über die Fähre – das war mit drei (oder vier, oder fünf?) Jahren ganz furchtbar spannend und abenteuerlich, wie man so mit dem Auto auf ein Schiff fährt, und das dann schaukelnd über den riesigen Fluss schippert und dabei NICHT von den anderen Schiffen, die quer fahren, gerammt wird und untergeht…
Ein bisschen was Besonderes, und dieses Gefühl hab´ ich mir – zumindest teilweise – bis heute bewahren können, und geniesse es folgerichtig immer wieder, hier überzusetzen (besonders natürlich an einem schönen Frühlingstag wie heute).

Eigentlich wollte ich während der Fahrt ja ständig hin- und her joggen, um behaupten zu können, ich wäre über den Rhein gelaufen. 😉
Aber obwohl die Fähre fast leer war, bin ich mir dann doch etwas zu dumm dabei vorgekommen und hab´ stattdessen einfach die Überfahrt genossen:
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Bild #8: Blick nach vorne, auf die Gernsheimer Fahrt am Westufer.

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Bild #9: Nochmal die zerstörte Brücke, dieses mal von der Flussmitte aus

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Bild #10: Die Brücke

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Bild #11: Kurz vor der Landung. Da die Auffahrtsrampen an beiden Ufern längs zum Fluss liegen, muss sich die Fähre während der Überfahrt drehen, um sie richtig zu erreichen. Das sieht sehr interessant aus, ein bisschen wie ein Auto, das mit zuviel Geschwindigkeit um eine scharfe Kurve driftet (bloss gemächlicher)

Und dann waren wir drüben am anderen Ufer, in Rheinhessen, in Rheinland-Pfalz. So schnell geht das…
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Bild #12

Und los. Gleich scharf rechts, von der Rampe auf einen unmarkierten Asphaltweg, der direkt am Flussufer nach Norden verlief:
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Bild #13

Tempo ganz gemächlich, um das Bein zu schonen. Lief eigentlich problemlos.

Landschaftlich ist das da unten übrigens ein eher unspektakuläres Stück Rheinufer. Links die weiten, braunen Felder und Äcker des Rheinhessischen Flachlandes…
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Bild #14

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Bild #15: Spaschel, wie mir hier saache tue

…rechts der breite, träge Fluss und dahinter die Industrieanlagen zwischen Gernsheim und Biebesheim:
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Bild #16: Im Hintergrund, dank Zoom täuschend nah, der Melibokus. Man kann sogar die beiden Türme erkennen

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Bild #17: Gernsheimer Malzfabrik – hat irgendwie was, so mitten in der Frühlingssonne

Zugegeben, nicht ganz das Mittelrheintal, aber bei milde duftender Frühlingsluft, wunderbarem Sonnenschein, singenden Feldlerchen und dem breiten, ruhigen Fluss direkt neben dem Weg war´s trozdem herrlich.
Tat einfach nur gut.

Nach ein paar hundert Metern wich das asphaltierte Strässchen dann einem Uferweg in typisch rheinhessischer Qualität…
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Bild #18

…auf dem´s schlammig-feucht weiterging.

Irgenwie traurig: Hier war ein einsamer Forstarbeiter gerade damit beschäftigt, die wunderschöne spalierartige Allee aus alten, hohen Bäumen abzuholzen, die eigentlich so charakteristisch fürs Rheinufer ist. Am Wegrand lagen schon unzählige Opfer…
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Bild #19: Ich denke, die Astbruchgefahr hat sich damit erledigt…

…und es sah irgendwie so aus, als würde die Rodung erst stoppen, wenn die gesamte Baumreihe ins Reich ihrer Ahnen eingegangen ist:
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Bild #20: Schnell durch, solange noch Bäume zum geniessen da sind…

Danach ging´s dann einfach ewig lange gemächlich den Uferweg entlang, in entspanntem Geniessetempo neben dem Rhein durch den herrlichen Frühlingstag.
Impressionen:

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Bild #21: Und sowas holzen die ab. Schande!

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Bild #22: Möwe über dem Rhein. Wir sind hier unten ja eigentlich überhaupt keine Möwengegend, aber der Fluss ist maritim genug, dass sich dort immer ein paar von ihnen finden, und dem südhessischen/rheinhessischen Binnenland einen winzigen Hauch von Meeresromantik verleihen

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Bild #23: Panoramablick auf das Industriegebiet am Gernsheimer Rheinufer. Nicht unbedingt ein Premium-Motiv, aber was anderes zum panoramieren hab´ ich heute nicht gefunden (und irgendwie interessant isses auf seine Art ja auch)

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Bild #24: Schöner, alter Baum, der hoffentlich in Frieden gelassen wird, bis er das natürliche Ende seiner Tage erreicht hat…

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Bild #25: Biebesheimer Wohnblocks am anderen Ufer. Eher am unteren Ende der Ästhetische-Aussichten-Skala anzusiedeln

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Bild #26: Kilometerstein. Wie es sich für einen zivilisierten Strom gehört, ist der Rhein sauber und ordentlich vermessen und hat alle 500 Meter einen Kilometerstein und ein Schild am Ufer (das auf den Fluss hinaus zeigt), die den jeweiligen Rheinkilometer anzeigen. Die heutige Tour hat sich übrigens zwischen den Rheinkilometern 460 und 466 abgespielt.

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Bild #27: Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Und sowas holzen die ab! Schande!

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Bild #28: Rehe vor Golfplatz. Womit es mir zum erstenmal gelungen wäre, die Viecher beim Laufen zu fotografieren (wenn auch furchtbar pixelig, aber die waren so weit weg, dass der Digitalzoom an seine Grenzen gestossen ist).

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Bild #29: Rhein bei Flusskilometer 465. Inzwischen war ich schon soweit um die Rheinschleife rum, dass es nicht mehr nach Norden sondern nach Westen ging.

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Bild #30: Blick zurück, gegen die Laufrichtung, auf den Uferweg

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Bild #31: Einer von diesen typischen Rheinuferalleespalierbäumen. Ich frag´ mich immer, wie die heissen, aber da meine botanischen Grundkenntnisse erschreckend rudimentär sind (dafür kann ich alle sechs Kamelarten unterscheiden oder einen Languren und einen Makaken auseinanderhalten. Bin halt auf Zoologie spezialisiert… 😉 ), hab´ ich keine Ahnung. Deshalb an dieser Stelle der Aufruf: WER KENNT DIESEN BAUM (und schreibt mir, was es für einer ist)? 🙂

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Bild #32: ES WIRD FRÜHLING!!! Irgendso´n Gewächs am Wegesrand zieht irgendso´ne Gewächsfrühlingsnummer ab (wir erinnern uns: Miese botanische Grundkenntnisse… 😆 ).

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Bild #33: Oh Mann, diese Rheinlastkähne…

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Bild #34: …sind aber auch…

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Bild #35: …total lang!

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Bild #36: Nochmal ein Blick zurück auf den gerade gelaufenen Uferweg. Inzwischen hatte sich die Vegetation neben dem Weg übrigens deutlich geändert, die Felder waren erst durch dichtes Gestrüpp, dann durch einen dunklen Auwald abgelöst worden

Nach fast 4 wunderbaren Kilometern am Rheinufer erreichte ich schließlich die ersten Häuser der Wochenendsiedlung Steinswörth am Eicher See, der eigentlich gar kein richtiger See ist, sondern so eine Art toter Nebenarm des Rheins mit einer direkten Verbindung zum Fluss, der aus einer alten Kiesgrube entstanden ist.

Direkt an der Stelle, wo der Weg rauskam, standen ein paar Bänke am Flussufer, dazu ein Schild mit der Aufschrift „Rastplatz für Jedermann“:
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Bild #37

Nein, so ein Zufall. „Jedermann“, das bin ja ich!!
Na wenn man mir schon so freundlich einen Rastplatz am Ufer hinstellt, dann nutz´ ich den natürlich auch.
Ein paar Minuten Pause, Beine hoch, die Sonne genossen, dem Fluss beim vorbeifliessen zugesehen.
Aaaah, herrlich!
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Bild #38

Und weiter. Eigentlich hätte ich hier ja scharf links gemusst, um der Strasse hinter den Wochendenhäusern um den Eicher See herum zu folgen, aber es war gerade so schön, also lief ich stattdessen nochmal kurz rechts, bis zur Mündung des Eicher Sees in den Rhein – war ja nicht weit.

Links hinter einem Hoftor begrüsste mich ein Paar aufgeregt-freundlicher kleiner Hunde…
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Bild #39: „Wäff! Wäff! Wäffwäffwäffgroooaaarwrl

…rechts flog gerade ein Schwarm beeindruckend großer Vögel über den Fluss…
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Bild #40: Vor Ort dachte ich, es wären Kraniche, aber auf dem Foto sieht´s doch eher nach Schwänen aus

…und nach vielleicht 150 oder 200 m. erreichte ich die Mündung:
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Bild #41: Einmündung des Eicher Sees in den Rhein

Nix Besonderes, aber immerhin war ich jetzt mal da.
Und weil´s eine Sackgasse war, ging´s auch gleich wieder zurück.

Als ich wieder das Hoftor mit den beiden freundlichen kleinen Hunden passierte, hatte ich die mit Abstand seltsamste Begegnung der heutigen Tour – denn außer den beiden Hunden stand nun eine freundlich ältere Dame hinter dem Hoftor und sprach mich an.
Ich versuch´ das mal im Wortlaut wiederzugeben:

Freundliche ältere Dame: „Sie hawwe doch äwe die Hundscher fotografiert, gell?“

Matthias: „Ja, stimmt. Entschuldigen Sie. Wenn Ihnen das nicht recht ist, kann ich das Foto auch gerne wieder löschen.“

Freundliche ältere Dame: „Na, des is´ kein Problem. Isch hab Sie bloss grad gesäihe, un´da wollt isch Ihne mal sage, was des für Hunde sinn.“

Matthias [leicht verwirrt]: „Äh. Gut. Ja. Was sind denn das für…

Freundliche ältere Dame: „Weil des sinn nämlisch die Hunde von unserm Nachbarn, der wo sei Fraa umbracht hat. Wisse´se, des wo so groß in de Zeidung gestanne hat?“

Matthias: „Öh, nein, da hab ich nichts… ich bin ja auch gar nicht aus der Gegend, sondern mit der Fähre von Gernsheim rübergefahren und jetzt laufe ich hier nu…“

Freundliche ältere Dame: „Na sie wisse schon, der wo sei Fraa umbracht hat. Erwürscht hatterse, und des sinn die Hunde von dem. Die ham´ mir nämlisch jetzt genomme. Isch wollt´s Ihne nur saage, damit Sie wisse, was des für Hunde sinn.“

Matthias [weiss nicht genau, was von ihm erwartet wird]: „Aha? Ja, das klingt ja furchtbar. Und die haben sie jetzt genommen? Aber lieb´ sind sie ja, die beiden…“

Freundliche ältere Dame: „Isch wollt´s ihne ja nur saage. So, un´ jetzt muss isch widder rein. Schöne Tach noch“

Matthias: Öhh, ja. Äh, danke auch. Schönes Wochenende noch.“

Wie gesagt: Irgendwie seltsam. Zumindest hat mir noch nie vorher jemand in einem wirklich sehr freundlichen Tonfall unaufgefordert erklärt, dass seine Hunde die Hunde von jemandem sind, der seine Frau umgebracht hat, und dann gleich noch diverse Zusatzinformationen draufgepackt (und dabei wirklich total nett ist).
Vielleicht hat sie gehofft, dass ich ein Reporter von der BILD-Zeitung bin (weil ich die Hunde fotografiert habe?), und ein Exklusivinterview mit ihr mache.
Oder sie wollte es mir einfach nur sagen, weil man das hier so macht.
Wie dem auch sei, das hier sind auf jeden Fall die Hunde von dem Mann, der seine Frau ermordet hat.
Ich wollt´s euch nur mal sagen…
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Nochmal Bild #39

Immer noch leicht verwirrt ob der soeben erhaltenen Informationen folgte ich dem Asphaltweg hinter den Wochendhäusern am Steinswörth
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Bild #42

Wirklich ein interessanter Ort: Viele kleine Grundstücke am Seeufer, mit vielen kleinen Häuschen drauf. Aber das sind keine Schrebergartenhüttchen oder Baumarktgartenhäuschen – das sind richtige, gut gebaute kleine Häuser, teilweise fast schon villenartig und echt luxuriös, nur eben mit Grundflächen von jeweils 20 oder 30 Quadratmetern:
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Bild #43: Und da gibt´s noch einige, die wesentlich luxuriöser daherkommen

Viele sind mehrstöckig, fast alle sind fangen erst richtig im ersten Stock an, untendrunter sind Garagen oder einfach nur Stelzen (die Hochbauweise ist verständlich, denn man ist hier ja direkt am Rheinufer. So bleibt der Wohnraum bei Hochwasser verschont).
Und jedes hat seinen eigenen Stromverteilerkasten vor der Tür, die sind alle ebenfalls auf hohen Betonpfosten, zum Schutz vor Hochwasser:
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Bild #44: Uferring im Steinswörth

Stilistisch ist alles ein bisschen Kraut und Rüben, da stehen relativ schlichte, ältere Häuser direkt neben ultramodernen, blockigen Avantgarde-Hochbungalows mit viel Glas und großen Terassen.
Und direkt dahinter kommt dann jeweils gleich der See:
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Bild #45

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Bild #46

Oh, und Birken unter blauem Himmel gab´s auch, da kam ich mal wieder nicht dran vorbei:
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Bild #47

Eigentlich sehr apart, hübsch und ein klein wenig exotisch, gefiel mir irgendwie…

Ich folgte einfach immer nur dem Ufer durch die Siedlung durch: Erst ein km ostwärts am Nordrand des Sees („Steinswörth“, „Uferring“ und wieder „Steinswörth“, dann ein halber km südwärts am Ostrand („Fliederbusch“, „Birkenweg“), dann wieder westwärts am Südrand (Saar-Rhein-Main-Weg/Gelbes Plus), wo es etwas schlichter wurde (Wohnwagengrundstücke, die sich zum Feierabend gerade mit ihren Besitzern füllten. Besonders apart fand ich das mit dem Satz skatkloppender und biertrinkender älterer Herren, die allesamt gewaltige Schnauzbarte und Karohemden trugen).
Gegenüber vom See gab´s derweil wieder weites Ackerland, hinter dem sich – je nach Laufrichtung – entweder die Bergstrasse…
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Bild #48: Gernsheim, dahinter die Lufthansa über Seeheim, dahinter die fast 20 km entfernte Neutscher Höhe. Mit großem Zoom, deshalb grobkörnig

…oder auch die vertrauten aber nicht so richtig vertrauenerweckenden Kühlürme des AKW Biblis erhoben:
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Bild #49: AKW Biblis, Entfernung ca. 6 km

Nach ein paar hundert Metern dann ein kleines Problem. Google Earth hatte behauptet, dass der Weg hier schnurstracks geradeaus bis zur zweiten Wochenendsiedlung (mit dem kreativen Namen „Eicher See“) führen würde. Die Wanderkarte auch. Und der Online-Stadtplan der Gemeinde Eich ebenfalls.

Bloss die Realität, die spielte mal wieder nicht mit, und hatte statt des erwarteten Uferweges das hier bereitgestellt:
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Bild #50: Unerwartete Bucht

Anstatt des geraden Weges war da Eicher See wo eigentlich gar kein Eicher See sein sollte. Anscheinend hat man vor kurzem den See weiter ausgebaggert (wahrscheinlich mit diesem Bagger:
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Bild #51: Kiesfrachter „Sirius“ neben schwimmendem Bagger)

…und damit einen Nebenarm geschaffen, der noch nirgendwo verzeichnet ist. Immerhin, der Marker des Saar-Rhein-Main-Wegs (das gute, alte gelbe Plus) hatte sich schon auf die veränderten Gegebenheiten eingestellt, und leitete mich nun auf einem sandiges Pfädchen um den Rand der neuen Bucht.
Kleiner Umweg durchs Ödland, etwas aufgewertet durch die Sichtung eines Feldhasen…
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Bild #52

…und diversen Wassergeflügels in der neuen Bucht,…
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Bild #53: Dieses Mal sind´s ganz sicher Schwäne

…dann an einer ebenfalls recht neuen (und recht häßlichen) Arbeitshalle mitten in der Pampa vorbei und auf einen kleinen Weg, auf dem ich unterhalb eines Deiches wieder in die ursprüngliche Richtung lief, und nach ein paar hundert Metern den Rand der Wochenendsiedlung „Eicher See“ erreichte (ein Stück davon ging gaaanz leicht aufwärts, da zickte mein bein merklich – größere Belastungen [selbst wenn sie sehr moderat ausfallen] sind wohl noch nicht so gut).

Dort kurz orientiert und festgestellt, dass ich mir das Stück auch hätte schenken können, denn nun geplant Weg verlief in genau entgegengesetzter Richtung zu dem, den ich gerade genommen hatte, einfach nur auf der anderen Seite des Deiches.
Aber hey, ich hatte immer noch total viel Spass an der Sache und das Wetter was schön, da war so ein bisschen Umweg nicht weiter schlimm… 😉

Nun also südostwärts, auf dem ebenen, asphaltierten Weg durch die Felder:
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Bild #54

Übrigens der Rhein-Radweg:
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Bild #55: Rhein-Radweg-Marker: Gelbes Strichmännchen mit Europa-Fahrrad auf blauem Grund

Das Stück zog sich so ein bisschen – langes, offenes, unspektakuläres Stück, und in der leicht diffusen aber kräftigen Sonne war´s bullenwarm. Puha.

Nach fast 2 km die Strassenkreuzung der K45 mit der L440. Eigentlich wär´s hier links an der Landstrasse zurück zur Fähre gegangen, aber es war gerade so schön, deshalb beschloss ich spontan noch einen Schlenker zum Rhein zu machen und am Flussufer zurück zur Fähre zu laufen.
Also geradeaus, die K45 in Richtung Hamm runter…
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Bild #56: K45 vor Hamm. Vollkommen verkehrslos, konnte man wunderbar mitten auf der Fahrbahn laufen.

…und nach ca. 400 m. halblinks, von der Strassenböschung runter und geradeaus bis auf den Weg am Rheinufer…
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Bild #57

…auf dem ich dann einfach nur immer nach Norden laufen musste, vorbei an der Gernsheimer Brückenruine auf der anderen Rheinseite…
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Bild #58: Brückenruine, das charakteristische Zwiebeltürmchen der Gernsheimer Kirche, und im Hintergrund der Melibokus

…bis ich wieder die Fähre bei der Gernsheimer Fahrt erreichte…
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Bild #59

…und damit praktisch schon am Ziel war:
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Bild #60: Die kleine Gaststätte neben der Anlegestelle konnte mit genau dem richtigen Namen aufwarten.

Nur noch schnell die Überfahrt zurück nach Hessen und et voilá: Tolle Tour zu ende!

Differenziertes Fazit: Mir hat der Lauf unendlich gut getan. Nach fast einer Woche Pause endlich wieder raus, und dann noch an einen so herrlichen Frühlingstag auf einer spannenden, neuen Strecke und mit einer halbwegs normalen Distanz (nicht immer nur diese 5-km-Lullerläufchen, das war Balsam für Körper und Seele. Wunderbar, hat erfrischt, inspiriert und glücklich gemacht!
Und das nichtganzknuspere Bein? Na ja, richtig geschadet hat die Tour offenbar nicht. Es hat durchgehalten, sich meistens fast normal angefühlt, und keine großen Mucken gemacht. Hinterher war´s dann wieder ein bisschen angestrengt, aber keineswegs wirklich lädiert. Nicht ganz ok, aber auch nicht katastrophal. Besser als nichts…

Strecke: 12,8 km
Zeit: Nicht genommen
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 98,75% (12,64 km von 12,8 km)
Karte:
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M.

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18 Antworten to “Frühling am Rhein: Gernsheimer Rheinschleife und Eicher See (mit Fotos – 12,8 km)”

  1. Hannes Says:

    Danke für diese wunderbare Lektüre zum sonntäglichen Frühstück. Da liest man voller Spannung mit und genießt die Bilder – einfach toll.

    Und das finde ich irgendwie faszinierend. Eigentlich könnte es mir doch völlig egal sein, wo du läufst. Was interessiert mich die doofe Fähre? – Trotzdem wunderbar zu lesen.

    Ich habe irgendwie gerade das Verlangen, auf meine heutige Tour die Kamera mitzunehmen. Aber mal sehen, ich weiß nicht, ob so recht dafür die richtige Strecke finden würde.

    Zum Bein: Kann gut sein, dass das aus dem Rücken kommt. Der kann ja bekanntermaßen für vieles verantwortlich sein.

    Zu den Hunden: Wirklich eine interessante Begegnung. Es gibt aber einfach Leute, die gerne erzählen. Da bekommt man dann eben völlig ohne Vorwarnung so eine Geschichte an den Kopf geworfen. Aber solange sie freundlich war, kannst du dich doch über das gewonnene Wissen freuen 😉

  2. matbs Says:

    Hi Hannes!

    Bitteschön! 🙂

    Und vielen Dank zurück für das Lob, über das ich mich – wie immer – unheimlich freue (als alter Streber brauch´ ich sowas ja immer mal… 😉 ).
    Ich versuch´ ja immer, etwas von meinem Enthusiasmus für Landschaft/Orte/Natur/Leute/Entdeckungen/Geschichten/Wasauchimmer zur transportieren, wenn davon also tatsächlich ein bisschen war rüberkommt, dann ist das einfach schön.

    Die Bein-Rücken-These werd´ ich wohl nächste Woche wirklich mal beim Orthopäden überprüfen lassen. Obwohl´s ja eigentlich schon wieder ganz gut ist. Vielleicht geht´s ja doch noch von alleine…

    Die Dame mit den Hunden war wirklich sehr freundlich. Das war vielleicht das, was mich erst so ein verwirrt hat – ich hatte irgendwie erwartet, dass sie was dagegen hat, dass ich die Hunde fotografiert habe (ist ja auch irgendwie ein kleiner Eingriff in die Privatsphäre, wenn man fremde Hunde hinter einem Hoftor ablichtet).
    Oder es lag daran, dass man´s einfach nicht so richtig erwartet, unvermittelt ein freundliches Gespräch (mit ungewöhnlichem Inhalt) mit wildfremden Menschen zu führen – wir leben ja nur mal in einer weniger freundlichen, hastigen Zeit, in der man normalerweise ohne Augenkontakt oder bestenfalls mit einem Kopfnicken an Fremden vorbeieilt, ohne sich auf sie einzulassen. Das prägt vielleicht…

    Und was das Einpacken der Kamera auf deinem nächsten Lauf angeht – mach´ einfach. Wie heisst es doch so schön? „Wenn man einen Hammer hat, sieht alles aus wie ein Nagel“.
    Oder auch: „Wenn man einen Foto hat, sieht alles aus wie ein Motiv“… 😀

    Schönen Sonntag samt schönem Lauf

    Matthias

  3. Christian Says:

    Hallo Matthias,

    wie geht es dem Bein ? Das musste einfach sein 😉

    Ein sehr schöner Bericht mal wieder ganz nach meinem Geschmack. Nur fehlen irgendwie ein paar Höhenmeter, oder irre ich mich ?
    Aber war ganz vernünftig Dich bezüglich Anstiegen noch zu schonen, übrigens ist die Rücken-These gar nicht schlecht, so aus der Ferne 😎

    Mir gefällt das Panorama auch ganz gut, obwohl das Motiv an sich nicht sehr attraktiv erscheint. Ich vermute mal, dass es sich bei den Allee-Bäumen um Ulmen handelt, bin mir aber nicht sicher 😳

    Die Geschichte mit den Hunden und dem Mord ist erste Sahne und das ganze noch in einem seltsamen Dialekt, ich grinse immer noch.

    Ich wünsch Dir weiterhin gute Besserung und schon Dich noch ein wenig 😉

    Salut

    Christian

  4. matbs Says:

    Hi Christian,

    ja, das musste wirklich sein. Und es hat sooo gut getan… 🙂

    Bein: Nicht schlimm, aber auch nicht so, wie es im Idealfall sein sollte. Rücken knackt so ein bisschen.
    Folgerichtig alles weiter unter Beobachtung, und auf richtig ordentlich Höhenmeter werde ich wohl vorerst ein bisschen verzichten (denn das scheint etwas mehr zu belasten).

    Ulmen klingt gut.
    Ja, das sind Ulmen.
    Ich bin mir ganz sicher.
    Ulmen! (bis auf Weiteres)

    Aber was meinst du mit „seltsamem Dialekt“.
    Mir schpresche hier doch all nur es beste Houchdeitsch, hier gibt´s doch goar kaan Dialegt net… 😀

    Dankeschön, und angenenehmes Restwochenende

    Matthias


  5. Schwentine-Wanderweg in Bildern…

    Mit seinen Worten und seinem Bericht vom Frühling am Rhein hat Matthias mich heute Morgen inspiriert. Sofort entschied ich mich, aus meinem für heute geplanten langen Lauf mehr zu machen, als nur wahllos durch die Dörfer zu laufen….


  6. […] Frühling am Rhein: Gernsheimer Rheinschleife und Eicher See (mit Fotos – 12,8 km) […]

  7. Torsten Says:

    Waschbecken tragen ist generell eine unnatürlich Bewegung… 😉

    Wenn das mit dem Rücken nicht besser wird bleibt ja nur noch der Weg zum Orthopäden, vielleicht hast du mehr Glück wie ich und er stellt eine richtige Diagnose.

    Bei der Frau mit der Hundegeschichte würde ich öfters vorbei laufen, vielleicht bekommst ja immer was neues erzählt.

  8. matbs Says:

    Hi Torsten,

    ja, das ist wohl was dran – aber einfach vom Balkon Schmeissen ging irgendwie auch nicht, also musste es nun mal unnatürlichst durchs Treppenhaus expediert werden.

    Mach´ mir nur mit mit dem Orthopäden – ich hoffe ja sowieso immer noch darauf, dass sich die Sache noch irgendwie von selbst gibt (allerdings habe ich gerade vorhin das fragliche Waschbecken von seinem Zwischenlager auf die Strasse zum Sperrmüllhaufen getragen, und dadurch ist es wieder merklich schlechter geworden – kein so gutes Vorzeichen…).

    Wenn die Frau mit den Hunden jede Woche sowas in der Art zu berichten hat, laufe ich da drüben lieber nicht zu oft, das ist mir dann etwas zu viel Mord und Totschlag (aber Rheinland-Pfalz ist ja auch ein gefährliches Pflaster, wie du ja sicher weisst…) 😉

    Gruß

    Matthias

  9. Laufblog Says:

    […] Frühling am Rhein: Gernsheimer Rheinschleife und Eicher See (mit Fotos – 12,8 km) […]


  10. […] Frühling am Rhein: Gernsheimer Rheinschleife und Eicher See (mit Fotos – 12,8 km) […]


  11. […] diesen typischen Alleen aus wunderschönen uralten gewaltigen Ulmen (sind das Ulmen? Hat zumindest der Christian behauptet, und der ist Arzt und muss das wissen… ), dann eine abwechslungsreiche Mischung aus […]


  12. […] dem vollen Yachthafen, der nun rechts vorbeizog, schnell, schnell geradeaus, bis zur Anlegestelle der Fähre rüber nach Rheinhessen, die aufgrund der Uhrzeit schon den Betrieb eingestellt, an den Schranken vorbei, auf die […]

  13. joachim Says:

    hallo
    ich will das rätsel mal auflösen.
    die bäume sind pappeln.

    gruss aus hamm am rhein

  14. joachim Says:

    und die brücke war eine einspurige autobrücke. keine eisenbahnbrücke

  15. matbs Says:

    Hallo Joachim,

    vielen Dank für die Infos – hier oben an der Bergstrasse sind wir halt vor allem Buchen gewöhnt, da sind einem die Riedbäume nicht so vertraut… 😉

    Und was die Brücke angeht – wow.
    Ich hab´ wirklich immer gedacht, dass wäre eine Bahnbrücke gewesen.
    Wieder was gelernt!

    Gruß zurück aus Jugenheim an der Bergstrasse! 🙂


  16. […] zur Routenfestlegung: Von der Wochenendsiedlung am Eicher See, die ich letztes Jahr auf einer wunderschönen Frühlingsfototour erlaufen habe, ein paar Kilometer Flußabewärts, dann rüber nach Gimbsheim und schließlich durch […]


  17. […] Rheingau-Tour vom Oktober, ein kleines Streckenhäkchen im Süden der Mannheimer Innenstadt und alle Strecken am westlichen Rheinufer, die ich mit der Fähre erreicht habe, sind noch nicht ans restliche […]

  18. werner Says:

    sehr intressant und wissenswertes


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