Versöhnliche Wochenausklangsbergtour über Melibokus und Alsbacher Schloss (10,3 km)

29. März 2009

Aaah, viel besser!

Es gibt ja eine Unmenge von Faktoren die bestimmen, wie ein Lauf wird. Aber im Prinzip kann man die alle auf zwei entscheidende Nenner runterkürzen – ob eine Tour gut oder schlecht wird, hängt letztlich davon ab…

a) …was man mitbringt (Physis, Psyche, Stimmung, Aufmerksamkeit usw.)

b) …was man unterwegs vorfindet (Laufbedingungen, Umgebung, Wetter, Erlebnisse usw.)

Vorgestern war beides einfach nur mies – ich war lustlos, unfit, unkonzentriert, die Strecke nicht besonders interessant, das Wetter schlecht – da konnte einfach nix Gutes bei rauskommen.

Heute hingegen herrschte wieder Frühling, sowohl draußen als auch drinnen: Vor dem Fenster Sonnenschein und Blauer Himmel, halbwegs angenehme Temperaturen, singende Vögel – und meine miese, gestresste Laune von vorgestern hatte sich auch wieder ein bisschen verzogen!

Bestens! Zeit zu laufen! 🙂


Schön spät los, der Sommerzeit sei dank. Ich laufe ja am liebsten Abends, und die Zeitumstellung heute Nacht hat das eine Stunde einfacher gemacht – zwar objektiv betrachtet dieselbe Zeit, zu der ich bei Winterzeit auch gestartet wäre, aber subjektiv machte es der vorgerückte Stundenzeiger doch irgendwie gleich ein bisschen besser! 🙂

Gleich nach dem Start die erste Pause, weil der Nachbarsjunge hinterm Zaun stand und Nemo (der war mit dabei) füttern wollte – machen wir natürlich gerne, dem Kleinen sind Hunde nämlich nicht so ganz geheuer – und wenn Nemo ihm dabei helfen kann, etwas souveräner zu werden, ist das prima.

Und dann hoch in den Wald.
Warme Sonne zwischen den immer noch kahlen Bäumen, der Geruch von Frühling, eine wunderbare Ruhe, und endlich mal wieder ein bisschen bergauflaufen.
Herrlich!
Die miese Tour vorgestern war furchtbar verkrampft und genervt gewesen, da hatte sich alles negative irgendwie reingefressen und dabei potenziert.
Heute hingegen war das Laufen wie ein befreites Ausatmen, bei dem der Stress immer mehr aus mir rauszufliessen schien, bis er sich schließlich in der schönen Landschaft verlor und nur noch Ruhe und Gelassenheit übrig blieben.
Aaaah…

Aufwärts, schön langsam, zufrieden.
Auf dem Burgenweg ein kurzer, freundlicher plausch mit ein paar Wanderern, die ebenfalls einen Cairn-Terrier dabei hatten (einhellige Meinung: Der Cairn-Terrier ist der beste Hund wo gibt, aber er hat seinen eigenen Kopf… 🙂 ), dann links hoch und am merckschen Wasserturm vorbei auf den Pürschweg.

Und weiter bergauf durch den immer noch kahlen Frühlingwald, den sonnigen Westhang unterhalb des Bergkammes hinauf. Wenig los. Zwei Spaziergänger von vorne, weit hinter uns ein Biker, der sich mit so moderatem Tempo den Berg hinauf schob, dass der Abstand zwischen uns effektiv gleich blieb.
Sonst: Nur die Vögel und die Ruhe…

An der Darsberghütte eine kleine Pause. Drei, vier Minuten mit geschlossenen Augen auf der Bank in der Sonne, einfach nur das Licht und die Wärme aufsaugen, während Nemo ausgiebig die Umgebung erkundete und der einsame Biker mit einem freundlichen Nicken an uns vorbei zog (von nun an sollte er mit gleichbleibender Entfernung vor uns her fahren).

Dann weiter. Eigentlich hatte ich ja nur einen kurzen Achter übers Alsbacher Schloss laufen wollen, aber weil´s so wunderbar lief beschloss ich spontan, die Tour über den Melibokus zu verlängern.
Also weiter den Pürschweg hoch, immer bergauf.
Langsam, immer mal mit einer Pause, entweder um Nemo an einer seiner Melibokuslauf-Stammpfützen trinken zu lassen, oder um die Aussicht zu geniessen, wenn sich durch die kahlen Bäume wieder mal ein schöne Blick hinunter in die weite, blaue, sonnige Ebene ergab (was recht oft der Fall war).

Schließlich die Melibokusstrasse, noch zwei Serpentinen und eine weitere Aussichtspause (Ostwärts, durch die Wipfel und am Felsberg vorbei bis zur glasklar erkennbaren Neunkircher Höhe weit drinnen im Odenwald), noch kurz über die erst wenige Monate alte Freifläche auf dem Gipfel (auf der bis letzten Herbst noch die unzugängliche US-Militäranlage war), dann waren wir oben am Aussichtsturm, hoch über der weiten, offenen, wunderschönen Rheinebene, die im schrägen Licht der Frühabendsonne funkelte und strahlte.
Wunderschön!
Warum hatte ich denn bloß nicht den Foto mitgenommen, oder zumindest 50 Cent, mit denen ich auf den Aussichtsturm gekonnt hätte (–> Der ist ja nur Sonntags geöffnet)?

Aber gut, ließ sich nicht ändern. Ich plauderte noch ein bisschen mit dem freundlichen Biker, der uns unterwegs überholt hatte und nun ebenfalls hier oben pausierte, dann stiegen wir noch mal hinab zur Drachenfliegerrampe unterhalb des Turms.
Meine Lieblingsstelle hier oben: Direkt über dem Abgrund, da ist die schier unendliche Weite vor einem zum Greifen nah. Gerade an einem Tag wie heute mit guter bis sehr guter Fernsicht: Bis zum Rhein rüber und bis nach Darmstadt hoch war alles glasklar, dahinter wurde es zwar diesiger, doch selbst Frankfurt, Taunus und Pfälzerwald waren noch gut zu erkennen. Oben der grandiose Himmel, ein Flickenteppich aus Weiß, Grau und Blau, unten die bunte, abwechslungsreiche Ebene, in der Sonnenlicht und blaue Wolkenschatten über Dörfer, Felder, Wälder und Städte huschten. Dazu: Stille.

Wieder ein, zwei Minuten Pause an der Rampe zum Genießen, bis es im strammen Wind zu frisch wurde.
Dann: Abstieg.

Heute mal an der steilen Südflanke des Berges runter, erst auf dem schmalen, gewundenen Gipfelpfädchen (gelbe 6), dann auf dem breiteren Lucibergweg/Nibelungensteig/Alemannenweg. Wieder in der prallen Sonne, wieder mit tollen Ausblicken zwischen den Bäumen hindurch nach Süden, über das herrliche Hügelland hinter Bensheim (da! Die Schönberger Kirche tief unten im Lautertal. Die hatte ich von hier oben noch nie gesehen!) auf die Knodener Höhe und die gesamte Bergstrasse runter bis zum fernen Dossenheim bei Heidelberg. Wunderbar, vor allem weil diese Aussicht mit der Vegetationsphase für Monate verschwinden wird, verdeckt von den dichten Baumkronen am Steilhang.

Der Lucibergweg bog irgendwann links ab, wir liefen weiter geradeaus, unmarkiert an der Bergflanke entlang, über die große Lichtung am Hang unterhalb des Gipfels bis runter zur Kreuzung an der Grillhütte Erlengrund, wo wir links auf den Hoboken-Weg (gelbe 4 einbogen) und geradewegs runter zum Alsbacher Schloss liefen (Fotos und Kurzinfo: Hier).

Am Schloss vorbei und den steilen, schmalen Burgenweg runter nach Alsbach (dabei überholte uns noch mal der freundliche Biker vom Melibokusgipfel), dort dann via Schloßstr., Lindenstr., „Am Katharinenberg“ und Blütenweg im Feld in der strahlenden Abendsonne nach Hause.

Hachja. Das war gut. Bei weitem kein perfekter Lauf, dazu war´s im Schatten zu kalt, mein linkes Bein zickte zu sehr (gerade gegen Ende. Wie immer halt), und die Aufstiege waren ein klein bisschen anstrengender als sie hätten sein sollten (da macht sich die fehlende Bergroutine der letzten Wochen bemerkbar) – aber schön.
Heute haben a) und b) gepasst, entsprechend hat das einfach nur gut getan. Genau die richtige Entschädigung für den Krüpellauf von vorgestern…

Strecke: 10,3 km
Zeit: …ist eine Illusion 😉
Neue Strecke: Keine
Karte:
melibokusalsbacherschloss

M.

Advertisements

6 Antworten to “Versöhnliche Wochenausklangsbergtour über Melibokus und Alsbacher Schloss (10,3 km)”

  1. Christian Says:

    Sehr schön Matthias,

    für einen treuen Leser gibt es fast nix zu meckern: ich konnte Deine Zufriedenheit und auch Ausgeglichenheit spüren, die Beschreibungen der Natur lassen auf mehr hoffen und diese Ruhe die von diesem Bericht ausgeht, einfach phantastisch.

    Aber warum hast Du keine Kamera dabei gehabt ? Dann hätte ich sicher noch mehr geniessen können, schade 😉

    Zum linken Bein sag ich nix.

    Salut

  2. matbs Says:

    Hi Christian,

    sorry, ich bin ja nicht standartmässig mit dem Foto unterwegs, sondern nur, wenn ich vorher beschließe, ihn aus irgendwelchen Gründen mitzunehmen. Und da ich heute ja eigentlich nicht mit dem Melibokus gerechnet hatte, ist er eben zuhause geblieben.

    Aber irgendwann demnächst kommt er sicher auch wieder mal mit… 🙂

  3. Hannes Says:

    Hach, klingt nach einer richtig schönen Tour. Frühling eben – da geht das (Läufer)Herz auf. Einfach nur zum Genießen. Schön, dass wir ein wenig teilhaben durften.

  4. matbs Says:

    Ja, das war´s – da merkt man erst mal wieder, wie sehr einem der graue, kalte, dunkle Winter doch eigentlich auf die (Läufer-)Nerven gegangen ist… 😉

  5. Gerd Says:

    Du hast ja mal freundliche Biker auf dem Melibokus getroffen. Ich dachte das gibt es dort nicht. 😉
    Ich freu mich auch schon auf die Sonne. Muss aber leider noch ein bisschen warten. 😦
    Gruß Gerd

  6. matbs Says:

    Hin und wieder gibt´s doch mal den einen oder anderen, sind aber aus irgendeinem Grund fast immer die älteren Semester.

    Und was die Sonne angeht – ja, die ist wirklich nett, aber davon wird´s in den nächsten Monaten noch mehr als genug geben, dann kriegst du auch noch was ab.
    Versprochen! 😉

    Gute Besserung!


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: