Frühlingsbergtour in der prallen Sonne: Jugenheim – Balkhausen – Alsbach (10,7 km)

2. April 2009

Heute musste ich was bei meinem Hausarzt abholen.
Und weil´s dafür nicht viel brauchte (Krankenkassenkärtchen und 10 Euro Praxisgebühr, das ist logistisch gut zu stemmen…) und das Wetter schon wieder wunderbar sonnigwarmblauhimmligfrühlingshaft war, hab´ ich´s natürlich gleich mit einer kleinen Tour verbunden.

Einziges Problem: Von zuhause bis zum Hausarzt im Nachbarort sind´s gerade mal 800 m. – auf direktem Weg wäre das irgendwie ein bissl wenig gewesen.
Also vorher noch einen ordentlichen, schönen Umweg eingeplant: Von Jugenheim aus durchs Balkhäuser Tal hoch in die Berge, dann von Balkhausen geradewegs über den steilen, hohen Hauptkamm des Melibokusmassivs und durch den Wald zurück runter an die Bergstrasse. Alles bestens bekanntes Terrain, da brauchte ich nicht mal ein Plänchen.


Start irgendwann zwischen Nachmittag und Vorabend. Alleine, denn das Thermometer zeigte über 20° C, in der Sonne war´s sogar noch etwas wärmer – zu heiss für Nemo, der deshalb daheim bleiben musste und mir beim Aufbruch enttäuscht hinterherglotzte.

Gaaanz langsam durch Jugenheim. Wunderbar sonnig und friedlich, die Luft roch nach Frühling, singende Vögel – schön.
Allerdings auch ziemlich warm. Bin anscheinend keine sommerlichen Temperaturen mehr gewöhnt, das war trotz meines sehr zivilen Tempos ziemlich schweisstreibend…

An den Drei Mohren dann rechts und auf dem Fußweg neben L3103 aus dem Ort raus und das untere Balkhäuser Tal hinauf.
Schön sanft bergauf, mit einer Steigung, die so moderat ist, dass man sie eigentlich gar nicht spürt. Rechts die Landstrasse (nicht so nett, aber immerhin ist der Fußweg breit und mit einem hüfthohen, sehr stabilen Mäuerchen von der Fahrbahn getrennt), links der rauschende Quattelbach, dahinter erst das hoch aufragende Schloss auf dem Heiligenberg, dann die vereinzelten alten Häuser und Mühlen im Talgrund, eingerahmt von bewaldeten Steilhängen, die die Sonne wegblockten und dafür sorgten, dass es hier unten angenehm schattig und frisch war (auch daran merkt man, dass es Frühling wird, denn im Winter hätte ich stattdessen die Adjektive „finster“ und „kalt“ verwendet… 😉 ).

Nach ca. 1,3 km links von der Landstrasse weg, vorbei am alten Forsthaus im Talgrund, dann den kleinen Trampelfpad an der Böschung hoch und auf den Balkhäuser-Tal-Weg (gelbe 3). Dem nach rechts gefolgt, weiter sanft aufwärts, vorbei am großen Rückhaltebecken im Tal bis zur Grillhütte am Talhof.
Übrgens an der Nordseite des Tals (= Südhang).
Prall in der Sonne, das war schon nicht mehr warm, das war richtig heiss – schluss mit funzlig-blassem Winterlicht, heute hatte die Sonne richtig viel Kraft!
Puuh!

Vom Talhof aus wieder zurück an die Landstrasse und nach Balkhausen rein, dort geradewegs die Dorfstrasse (Felsbergstr.) weiter bergauf.
Wie immer: Nett hier oben – kleines, altes Dörfchen mit ca. 700 Einwohnern, besteht eigentlich nur aus einer einzigen Strasse, die herrlich zwischen grüne, sanft gerundete Hangwiesen und bewaldete Höhenzüge genestelt ist und sich ewig lang das Tal hinaufzieht.
Sehr ruhig, friedlich, ländlich, gerade an einem sonnigen Vorabend wie heute…

700 m. durch Balkhausen, an der schön begrünten Felsbergstrasse weiter aufwärts, vorbei an Höfen, Häusern, dem kleinen Friedhof mit der kleineren Kirche. Dann, direkt vor dem ehemaligen Gasthaus „Zum Felsberg“ rechts ab, aus dem Ort raus in die Wiesenhänge.
Erst ein schmaler schattiger Hohlweg, dann ein Hain mit knorrigen Obstbäumen, dann die Hochweiden über dem Dorf.
Herrlich – weiter Blick über die wunderschönen Grünen Hügel, über das Tal hinweg zum Felsberg, auf den Vogelherd und runter in die diesige Rheinebene.

Aber auch steil.

Nach den paar Kilometern gemächlichen Anstiegs bis nach Balkhausen rein ging´s ab hier ernsthaft bergauf, mehr oder weniger direkt die Hänge des Melibokusmassivs hoch.
Über fast 1,5 km aufwärts, mit ordentlich zweistelligen Steigungsprozenten.

Zog ordentlich rein, gerade in der heißen, sengenden Sonne. Zum Glück hatte ich´s ja nicht eilig, also erlaubte ich mir zwischendurch immer mal eine kleine Pause, um die tolle Aussicht zu geniessen, etwas zu Atem zu kommen und mir den brennenden, salzigen Schweiss abzuwischen, der mir aus Richtung Stirn in Sturzbächen in die Augen lief (fühlte sich zumindest so an).
Schön gemächlich, japsend, schnaufend, schwitzend, Schritt für Schritt (und Mikro-Päuschen für Mikro-Päuschen…) bergwärts, den schönen, anstrengenden, schön anstrengendenunmarkierten Weg über der „Roten Sohl“ hinauf, mit der Erkenntnis im Hinterkopf, dass ich das zu meinen allerbesten Berglaufzeiten zumindest ein bisschen zügiger hingekriegt hätte.
Na ja, da wird schon wieder… 🙂

Irgendwann kam dann der Waldrand oberhalb in Sicht.
Gut weil: Schatten, der die inzwischen wirklich unangenehm warme Sonne blockte.
Nicht so gut weil: Hier wird´s nochmal richtig, richtig, richtig steil.
Nur noch ein paar hundert Meter auf schmalen Pfaden durch den schönen Bergwald, aber mit einer Durchschnittsteigung von über 20% – beim härtesten Stück dürftens sogar über 30% sein, das ist selbst beim bergablaufen schon total unangenehm.
Musste heute nicht sein, deshalb überbrückte den härtesten Teil gehend (ohne allzu schlechtes Gewissen, denn der ist einfach nicht fürs Joggen gemacht).

Und dann war ich oben, an der Kattenberger Schneise auf dem Bergsattel zwischen Darsberg und Melibokus. 420 m. ü.NN, mittendrind im zwitschernd-wohlriechender Frühlingswald voller Sonnenschein.
Von jetzt an ging´s tendenziell nur wieder bergab bis runter an die Bergstrasse.

Kurz auf den Pürschweg (SJ2, quasi ein Heimspiel…), dann rechts ab auf den namenlosen Weg unterhalb vom Pürschweg, der rüber in Richtung Erlengrund führt.
Ein paar hundert Meter ebenes Stück, rechts immer wieder tolle Blicke zwischen den immer noch recht kahlen Bäumen hindurch in die weite, diesigblaue Rheinebene am Fuß der Berge.
Irgendwann dann rechts ab, den Hang runter. Schlechtes, namenloses Pfädchen, das ich seit Jahren nicht mehr gelaufen bin (= blogtechnisch ein paar Meterchen neue Strecke. Yaaay!!).
Etwas holprig aber hübsch, stetig abwärts bis runter zum Hohe-Stich-Weg, dort links in Richtung Erlengrund und bei der ersten Gelegenheit wieder rechts, den Hoboken-Weg (gelbe 4) über einem kleinen Bachtal entlang und runter bis zur Kreuzung an der Hoboken-Hütte.

Dort dann rechts runter ins lange, schattige Sperbergrund-Tal, an dessen Südhang ich weiter runter in Richtung Alsbach lief.
Natürlich immer noch bergab, wirklich faszinierend, wie weit und lang der Weg von ganz oben bis ganz unten ist.

Direkt über dem Sperbergrund dann links, kurz auf dem Burgenweg südwärts, dann aber gleich im nächsten Nebental rechts ab und an der Grillhüte im Görschel vorbei ins abendliche Alsbach hinab und geradeaus die Odenwaldstr. runter.

Unglaublich aber wahr: Gerade mal ein Kilometer von zuhause entfernt, aber ich hier noch nie vorher durchgelaufen – auch nicht zu Prä-Blog-Zeiten. Keine Ahnung warum.
Aber hübsch: Leicht bergab, sonnig, ein paar tolle alte Häuser, ein freundlicher neuer Kindergarten, und schließlich – am unteren Ende – der alte Alsbacher Ortskern mit dem inoffiziellen eigentlichen Ziel der heutigen Tour: Dem Eiscafé Miranda.

Das ist nämlich so: Ich hab´ da seit Jahren eine kleine, informelle Tradition.
Irgendwann im März oder April, wenn die Sonne scheint, und die Vögel singen, und es so richtig schön draußen ist, und ich das Gefühl hab´, dass der Frühling jetzt endgültig da ist, sorge ich dafür, dass ich hier vorbeikomme, und dann gönne ich mir das erste Eis der Saison.
Und wir reden hier nicht von irgendsonem industriell gefertigtes Gedöns aus der Kühltheke von Schöllerlangnesemövenpick. Oh nein, das ist richtiges, handgemachtes Eis aus besten Zutaten und nach altem italinienischen Familienrezept – mmmhhhhh…

Tja, und heute war´s soweit. Über die Strasse zum Ausgabefenster und mir mein lange erwartetes Frühlingswillkommenseis mitgenommen (hatte kurz überlegt, ob´ ich mich lieber hinsetzen und mir einen Nougatbecher – in eingeweihten Kreisen auch als die „Kalorienbombe der absoluten oralen Ekstase“ bekannt – bestellen soll, aber nach der Japserei gerade vorhin am Hang entschied ich mich dann doch lieber erstmal für die Variante mit etwas weniger Brennwert).
Drei Bällchen in der Waffel: Grüner Apfel, Waldmeister und Mango – unheimlich lecker und wunderber fruchtig-frisch, genau das richtige nach einem warmen Berglauf und zum Anfang der eigentlichen Laufsaison.
So schmeckt Glück! 🙂

Die nächsten Meter dann gehend, Eis schleckend und die ersten Eiskopfweh des Jahres genießend (wenn schon denn schon 😀 ), bis zur nahegelegenen Hausarztpraxis, dort alles Erledigenswerte erledigt, und schließlich noch die letzten 800 m. träge und zufrieden auf dem sonnigwarmen Blütenweg zwischen Alsbach und Jugenheim nach hause gejoggt.

Aaah, schön. Entspannter Berglauf mit ein paar ansprechenden Passagen, noch mehr herrlicher Frühling, und das erste Eis der Saison.
Perfetto!

Strecke: 10,7 km
Zeit: Lalalalalalaaaa. Mir doch egal. 😀
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 5,14% (0,55 km von 10,7 km)
Karte:
balkhausen-alsbach

M.

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5 Antworten to “Frühlingsbergtour in der prallen Sonne: Jugenheim – Balkhausen – Alsbach (10,7 km)”

  1. Hannes Says:

    Schöne Tour. Das Eis hattest du verdient. Du scheinst glücklich zu sein. Die Freude ist bis zu mir übergeschwappt. Alles gut!

  2. matbs Says:

    Hi Hannes,

    hmm, joaa, also im Moment bin ich zumindest mal nicht über Gebühr unzufrieden – der Frühling weckt (wie jedes Jahr) die Lebensgeister und gibt neue Energie, und ein paar andere Dinge jenseits der Lauferei bewegen sich auch gerade langsam aber sicher dahin, wo sie hinsollen.

    Also: Jup, gar nicht mal so schlecht… 😉

  3. Christian Says:

    Danke, Matthias, für den schönen Bericht 🙂

    Du bist der Erste, der sich über die Frühlingssonne und die damit verbundene Wärme beschwert, schon komisch 😉 Ich sag mal sonst nichts dazu.

    Scheint trotz Hitze und Sonne ein schöner Lauf gewesen zu sein, der Dir noch eine nahe gelegene Entdeckung brachte mit einem kalorienreichen Abschluss. Irgendwie lief mir beim Lesen das Wasser im Mund zusammen 😎

    So long und Salut

    Christian

  4. matbs Says:

    Hi Christian,

    zu den total vielen Dingen, die ich unglaublich gut beherrsche, gehört auch die Fähigkeit, etwas zu finden, worüber ich mich im Blog beschweren kann (was um so beachtlicher ist, denn im wirklichen Leben bin ich genau das Gegenteil, nämlich ein „Arschbacken zusammen, Augen zu, durch, und Klappe Halten“-Typ).
    Von daher: Egal ob schlechtes Wetter, gutes Wetter, gar kein Wetter oder wasauchimmerwetter – alles Mist! 😀

    Wobei es ja gottseidank noch nicht soooo heiss war, da spielte sicher auch die Tatsache mit rein, dass ich noch nicht wieder akklimatisiert bin.

    Und so viel Kalorien hat so ein Eisbällchen ja gar nicht, ist ja eigentlich nur Wasser oder so und ein bisschen Obst… 😉


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