Von Orthopäden und Abwrackprämien (3,1 km)

3. April 2009

Heute kein richtiger Lauf.
Aber so ein bisschen Kram, der irgendwie mit der Lauferei zu tun hat.

Erstmal: Der Besuch beim Orthopäden.
Wegen meinem zickenden linken Bein, das sich in den vergangenen Wochen beim Laufen ja immer mal ein bisschen komisch angefühlt hat (zwar nicht „total schlimm“-komisch aber immerhin „irgendwie ist es nicht so ganz wie´s sein soll“-komisch, das nervt auf Dauer ja auch).
Ist zwar inzwischen schon wieder von alleine etwas normaler geworden, aber wenn man den Termin dann schon mal hat…


Also heute morgen in der Praxis im Nachbarort vorbeigeschaut und das Bein begutachten lassen. Der Orthopäde hat ein bisschen dran rumgedreht und -gerenkt, geguckt ob ich überall volles Gefühl hab (Antwort: Ja), und mir dann noch ein bisschen beim Stehen zugeschaut. Alles gar nicht schlimm.

Diagnose: Nichts Ernstes, wohl mal wieder meine schiefen alten Knicksenkfüße, die da zusammen mit einem Satz verkürzter Muskeln irgendwo in meinen Beinen ein bisserl Ärger machen.
Keine Ahnung, warum sich das gerade jetzt wieder bemerkbar gemacht hat
(Mögliche Gründe:
– Werde alt und klapprig
– Stehe gerade etwas besser im Futter als in den letzten Jahren, also vielleicht ja ein bisschen mehr Gewicht, dass der der Bewegungsapparat verdauen muss [andererseits: Sooo viel isses auch wieder nicht, vielleicht drei oder vier Kilo]
– Meine Laufschuhe sind nicht mehr ganz taufrisch und federn entsprechend nicht mehr so gut ab
– Bin im moment relativ oft relativ arg verspannt [das passiert schon mal, wenn man täglich bis in die frühen Morgenstunden auf einem suboptimalen, durchgerittenen Schreibtischstuhl vor dem Laptop sitzt und konzentriert schafft], das könnte was damit zu tun haben
– War in den letzten Monaten sehr dehnfaul. Das rächt sich vielleicht auf Dauer
– Some or all of the above).

Anyhow, hab´ dann ein Rezept für Knicksenkfußeinlagen gekriegt, sowie die Ermahnung, in Zukunft wieder fleissiger zu dehnen, und das war´s.
Wie gesagt: Offenbar nichts Schlimmes, sehr erfreulich.

Danach bin ich dann auch gleich noch Schuhekaufen gegangen.

Ganz spontan.
Weils so langsam eh mal wieder Zeit ist.
Und weil neue Schuhe dem Bein ja vielleicht ganz gut tun.
Aber vor allem, weil mir das Schuhhaus Lang, seines Zeichens lokaler Sportfußbekleidungshändler meines Vertrauens, gerade per Mail mitgeteilt hatte, dass sie heute und morgen in einer Sonderaktion eine „Abwrackprämie“ zahlen – wenn man mit seinen alten, ausgelatschten Laufschuhen vorbeikommt und neue kauft, gibt´s 15 Euro Rabatt!
Und, na ja, 15 Euro sind 15 Euro, gerade wenn man sich irgendwann demnächst eh mal wieder neue Schuhe besorgen wollte…

Normalerweise ist Schuhekaufen ja eine furchtbar dröge Geschichte – mir eine endlose Parade von quietschbunten überglorifizerten Möchtegernhightechwunderfußwärmern mit lächerlichen Namen, dämlichen Designs und mehr „Features“ als ein handelsüblicher Mittelklassewagen (größtenteils aus der Kategorie „Grandios klingender Marketing-Bullshit“) an die Quanten zu schnallen, das ist irgendwie nicht besonders spassig.
Zumal sich beim ersten Dutzend Versuche traditionell unweigerlich rausstellt, dass der jeweilige Schuh…
a) …entweder nicht richtig sitzt
oder
b) …zwar total gut sitzt aber meinen armen krummen Beinen pronationstechnisch so schlimm mitspielen würde, dass ich mir statt seiner Anschaffung auch einfach ´nen Hammer besorgen und mir den Bewegungsapparat mit dem malträtieren könnte (–> Etwas billiger, gleicher Effekt)

Wie gesagt – unendlich dröge. Dass es Leute gibt, die an sowas allen Ernstes Spass haben (HALLO?!? Wir Reden hier von SCHUHEN – Das sind Gebrauchsgegenstände wie ein Kehrblech oder eine Knoblauchpresse, die sollen ihre Funktion erfüllen und nicht zu buntig-debilen Lifestylechoiceprodukten hochgepusht werden, über deren jeweilige Leistungsmerkmale erwachsene Menschen ernsthaft reden, als ob´s wichtig oder auch nur interessant wäre. Graaaahhh!!!) – absurd! 😉

Ähem. Wo war ich?

Ach ja, Schuhe, neu kaufen, normalerweise immer lästig.

Heute war´s anders:
Erstes Paar Schuhe anprobiert (wieder irgendwas von Brooks) – PERFEKT!!!
Sitzen gut, fühlen sich super an, selbst die Laufbandanalyse hat keinerlei Einwände.
Auf Anhieb die richtigen, das ist mir in zehn Jahren Lauferei noch nicht passiert.
Leicht beunruhigend. Aber einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht ins Maul.

Also hab´ ich die gekauft.
Brooks „irgendwas“.
Sie sind neu, kommen in zwei Varianten („links“ und „rechts“) , haben ein etwas blödsinniges Farbschema (wie alle Sportschuhe. Warum gibt´s die eigentlich nicht in Uni-Graubraun? Oder wenigstens Olivgrün?) , und sind sind weicheierig-quietschsauber (aber da arbeite ich noch dran). Was sie für eine Triple-Duplex-Hyper-Softlife-Dämmung haben oder wie der Traction-Performance-Hybrid-Goremeistertex-Index ist, das kann ich euch allerdings nicht sagen, vor allem weil´s mir gepflegt an meinem kräftig gebauten Podex vorbei geht… 😀

Neues Paar Schuhe, ohne Hickhack und Aufwand, einfach so.
Wer hätte das gedacht.

Meine Alten musste ich dann allerdings auch wirklich da lassen, wegen der Abwrackprämie.
Hatte ja insgeheim gehofft, dass ich sie wieder mitnehmen kann (denn wozu braucht das Schuhhaus Lang meine alten, rissigen, in Schmutz und Ehren ergrauten Quanten), aber die wollten sie tatsächlich behalten. Da fiel der Abschied dann auf einmal doch irgendwie ziemlich schwer…
Aber: 15 Euro sind 15 Euro, und ansonsten hätten sie ja doch nur zuhause rumgestanden und Platz gefressen. Also liess ich sie am Ende dann doch zurück, verabschiedete mich leicht wehmütig von ihnen, und fühlte mich wie ein dreckiger Verräter, als ich den Laden verliess.
Seufz.

Immerhin: Draußen war´s sonnig, und ich hatte neue Schuhe an den Füßen, in denen sich´s herrlich angenehm und vollkommen problemlos laufen (fast schon: Gleiten) liess. Auf denen trabte ich dann erstmal heim.

…und drehte dann kurz danach beim Gassigehen mit Nemo gleich noch eine Mini-Einweihungsrunde durch den sonnigen, lichten Frühlingwald (Burgenweg, Alemannenweg am Waldrand, Hasselbachtal, Blütenweg), die den positiven Eindruck bestätigte: Die Neuen sind leicht, herrlich federnd, sitzen bestens, und es kratzt/hakt/scheuert gar nix.
Ich hab´ also allen Grund mißtrauisch zu sein, denn normalerweise ist am Anfang immer irgendwas mit neuen Schuhen.
Aber wir werden sehen – Morgen gibt´s einen Vierzehner am Mainufer, da werden sie mir wahrscheinlich unvermittelt die Füße zu Stümpfen schreddern…

Bis dahin:
IN MEMORIAM:
schuhe
Brooks Defyance, Ende April 2008 – Anfang April 2009

Und just for fun noch die Mikro-Läufchen von heute, die ich eigentlich gar nicht erwähnen dürfte, weil sie so kurz waren:
1) In Rot: Zuhause – Schuhladen – Zuhause (hin und zurück 1,1 km)
2) In Gelb: Mini-Einweihungsründchen mit Nemo durch den Wald (2 km)
schuhkaufrunde

Zusammen: 3,1 km
Zeit: Egal
Neue Strecke: Natürlich nicht

M.

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13 Antworten to “Von Orthopäden und Abwrackprämien (3,1 km)”

  1. Hannes Says:

    Herrlich geschrieben!
    Mit deiner Schuhmeinung entsprichst du ja nicht gerade dem Läufer-Durchschnitt – umso erfreulicher, wenn dich das Einkaufen heute doch gefreut hat (und du dir vor allem neue geholt hast, die brauchtest du ja scheinbar ;)).

  2. matbs Says:

    Hi Hannes,

    na ja, da ich ja ständig von euch anderen Laufbloggern mit Berichten darüber gequält werde, wie unsagbar tofte es angeblich ist, dass ihr euch schon wieder einen Satz glorifizierter Fußüberzüge kaufen durftet, war´s ja auch einfach mal an der Zeit, die Position der Vernunft zu ergreifen und – ganz subtil und feinsinnig – ein bisschen wohltemperierte Konsumkritik zu üben. 😀

    Und wie gesagt, es hat mich ja nicht nur gefreut – wenn ich mir das Foto oben im Eintrag angucke, fühle ich mich immer noch ein bisschen illoyal und schuldig, und erwische mich dabei, wie ich ernsthaft drüber nachdenke, ob ich am Montag nicht noch mal mit 15 Euro im Portemonaie beim Schuhladen vorbeigehen und meine alten Schuhe auslösen soll…

    Die neuen warten übrigens immer noch auf den richtigen Moment, um mir übel mitzuspielen – hab´ sie gerade vorhin mal auf einer etwas längeren Tour ausprobiert und überhaupt keine Probleme gehabt. Sehr verdächtig… 😉

  3. Christian Says:

    Hi Matthias,

    mir geht es immer so, dass wenn ein altes Paar entsorgt werden muss – habe da strenge Auflagen von meiner Frau 😉 – ich sehr wehmütig und melancholisch werde. Meist kommen sie erstmal in Keller und werden noch ein bis zwei Jahre als Garten-Garagen-Schuh verbraucht, aber auch da steigt meine Frau mir irgendwann aufs Dach, denn wer braucht schon 3-4 Paar Garten-Garagen-Schuhe ?

    Das würde mich jetzt echt interessieren, läufst Du nur mit einem Paar Schuhe ? Also ich mein jetzt nicht gleichzeitig, sondern in dem Sinne: bei jedem Lauf dieselben Schuhe ?
    Eins vorweg, ich bin kein Sportschuhverkäufer, ich hab keine adiasicsmizbrooknikesaucopuma Gewinnbeteiligungen, aber Deine Füße danken Dir das nicht, wenn sie ständig in die selbe Form gepresst Höchstleistungen vollbringen sollen. So auf jeden Fall meine Erfahrung 😎

    Salut

  4. matbs Says:

    Hi Christian,

    ja, ich hab´ traditionell nur ein aktives Paar Laufschuhe. Hatte ich eigentlich noch nie Probleme mit.
    Außerdem ist es normalerweise wirklich immer ein ziemliches Gewürge, bis ich beim Schuhkauf was Anständiges finde, das reicht mir gerade einmal pro Jahr, zumal so ein Satz Sportschuhwerk ja auch jedesmal einen ordentlichen Batzen Geld kostet (und den dann doppelt oder dreifach investieren, nur um ein oder mehr Paare selten benutzte Zweit- und Drittschuhe in der Gegend rumfliegen zu haben? Hrm…).

  5. Gerd Says:

    Jetzt mal ehrlich. So zwei paar Laufschuhe würden deinem Bewegungsapparat 100%ig gut tun. Es ist für deine Quanten und den Rest deines Gerippes nicht unbedingt förderlich wenn man immer nur ein paar Schuhe trägt.
    Aber was erzähle ich da eigentlich. Interessieren tut´s dich ja doch nicht. 😉
    Viel Spaß bei deinem „langen“ Lauf!

  6. Christian Says:

    @Gerd

    ich glaube Du hast Recht 😎

  7. matbs Says:

    Ach, ihr seid doch bloss verstimmt, weil ich euren götzenhaften Schuhkult gelästert hab´… 😉 😀

    Aber im Ernst: Die letzten zehn Jahre hat das mit dem einen Paar bestens für mich funktioniert, solange sich daran nichts drastisch ändert, ist das also ok so

    gruß

    Matthias 🙂

  8. Christine Says:

    Das mit dem “Grandios klingender Marketing-Bullshit” sehe ich genauso. Hatte neulich ja auch ein Laufschuh-Kauf-Erlebnis, wo ich den Beteuerungen des Verkäufers über die neueste Schuhtechnik nicht richtig glauben mochte. Aber dass Schuhekaufen eine dröge, lästige Sache ist, da muss ich widersprechen!!! Erstmal als Frau sowieso und dann in bezug auf Laufschuhe schon aus Solidarität mit den anderen Läufern 🙂

  9. matbs Says:

    Hi Christine,

    gell, das ist schon seltsam – Wenn man den vollmundigen Werbebotschaften von Asics, Nike und co. glauben schenken darf, dann steckt in so einem modernen Sportschuh mehr Hochtechnologie als in einem handelsüblichen Spaceshuttle. Und ob man das alles braucht….? 😀

    Was den Einwand zum Schuhekaufen angeht – da einigen wir uns am besten auf ein Wertneutrales „Jeder nach seiner Façon“, dann gibt´s nirgendwo Tränen… 😉

    Gruß

    Matthias

  10. Torsten Says:

    Ich habe 3 Paar Laufschuhe und wechsel immer von Lauf zu Lauf. Allerdings wenn du keine Probleme mit einem Paar Schuhe hast, dann bleib auch dabei. Beim PC würde man sagen „never change a running system“, passt irgendwie auch beim Laufen finde ich.
    Ach ja und deine alten Schuhe sehen genauso aus wie es sein soll, bequem eingelaufen und in natürlichen Farben.

  11. matbs Says:

    Stimmt, wenn´s läuft pfuscht man besser nicht dran rum, das sag´ ich mir auch immer. 🙂


  12. […] Von Orthopäden und Abwrackprämien (3,1 km) […]


  13. […] sich dem Ende ihrer Lebensdauer nähern. Eigentlich ja unmöglich, schließlich hab´ ich sie quasi gerade erst gekauft und bin bisher höchstens mal so um die 1600 Kilometerchen mit ihnen gelaufen. Aber andererseits […]


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