Go West, Young Man – Nördliches Mainufer von Rüsselsheim nach Mainz-Kastel (mit Fotos, 14,7 km)

4. April 2009

Gerade hat´s irgendwie recht viele Geburtstage in der erweiterten Verwandschaft, und entsprechend gibt´s auch recht viel Wochenendfamillienessengehen.
Nett – man sieht sich mal wieder, es gibt gutes Essen und – vom läuferischen Standpunkt aus betrachtet – man kommt an Orte, wo man sonst nicht so oft hinkommt und kann da jeweils noch eine nette kleine Tour einschieben.

Heute z.B.: Einladung zum Abendessen in Wiesbaden, genauer gesagt im Stadtteil Mainz-Kastel (Falls sich der ortsunkundige Leser jetzt gerade fragt, wieso Mainz-Kastel in Wiesbaden liegt – keine Angst, das erklär´ ich nachher. Also dranbleiben, dann lernt ihr sogar noch was… 😉 ). Nicht in meinen unmittelbaren Laufgründen, aber in bequemer Laufreichweite von Rüsselsheim (das ja schon ans Streckennetz angeschlossen ist) und Flörsheim (wo ich letzten Herbst einen tollen Lauf gemacht habe, der aber bisher nicht mit dem restlichen Netz verbunden war, das sollte sich heute ändern).

Also: Eine gut navigierbare Route geplottet (Rüsselsheim – Mainbrücke – Flörsheim – Keramag/Falkenberg – Weinberge über dem Flussufer – Hochheim – Mainwanderweg – Mainz-Kostheim – Mainz-Kastel), Rucksack mit Klamotten und Frischmachkram gepackt und zum Transport an den Zielort bei meinen Eltern deponiert, in die neuen Schuhe geschlüpft, die ja heute Generalprobe hatten…
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Bild #1: Die neuen Schuhe

…und schließlich am späten Nachmittag zum Ausgangspunkt in Rüsselsheim gefahren.

Übrigens auch mit Foto im Gepäck, wenn auch wider besseres Wissen, denn es war eigentlich offensichtlich, dass der Lauf heute keine guten Bilder hervorbringen würde:

– Das Wetter war zwar warm und freundlich, aber extrem diesig. Entsprechend herrschte ein seltsames, verwaschen-gedämpftes Licht, mit dem der Foto erfahrungsgemäß nicht besonders gut klarkommt – da sehen die Bilder immer trister und trüber als die Realität aus
– Ich würde für den Großteil der Tour geradwegs nach Westen laufen, was an einem Vorabend im April zwangsläufig direktes Gegenlicht bedeutet. Gerade bei einer Wetterlage wie heute keine gute Voraussetzung für schöne Bilder.
– Die Landschaft, durch die´s gehen sollte, ist nicht gerade außergewöhnlich fotogen.

Aber gut, probieren kostet ja nichts, also packte ich die Kamera am Ende doch mit ein…

Start also im Nordosten der Opel-Stadt Rüsselsheim, Ecke Karlsbader und Kölner Str.
Ruhiges, bescheidenes Wohngebiet, durch das ich Ende Januar bei meinem Lauf durch den Rüsselsheimer Osten schon mal durchgekommen war, damit war die Strecke von heute dann auch gleich mit dem Rest des Laufnetzes verbunden.

Von hier aus Westwärts, über die breite Bonner Str., dann kurz links die Aachener Str. runter und gleich darauf rechts die Essener Str. hoch.
Wie die uniformen Strassennamen schon vermuten lassen ein relativ neues Stadtviertel, wahrscheinlich aus den Fünfzigern bis Siebzigern, als der boomende Industriestandort Rüsselsheim dringend neuen Wohnraum für die vielen zugezogenen Arbeiter brauchte. Viele schmucklose Vielparteienhäuser, verschönt durch etwas Grün drumherum, wenig los.

Am Ende der Essener Str. geradeaus, am Aldi am Rugbyring vorbei, an der erstbesten Fußgängerampel über die vierspurige B519, auf der anderen Seite rechts, an der lokalen Halfpipe-/Trampolinanlage zwischen Horden von Kiddies hindurch, dann links ab auf einem breiten, bequemen Fuß-/Radweg neben der Fahrbahn auf die breite Opelbrücke hinauf:
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Bild #2: Opelbrücke von Süden aus. Hier zeigte sich dann auch gleich, dass die Eingangs erwähnten Vorbehalte gegen den Foto berechtigt gewesen waren – in Wirklichkeit war´s ein freundlicher Tag mit diffusem aber warmen Licht, doch auf dem Foto sieht´s trüb und dunkel aus. Das bleibt leider so, ihr müsst euch die folgenden Motive also immer einen Tick netter vorstellen, als sie auf den Bildern rüberkommen…

Mainüberquerung.
Gerade mal meine dritte als Läufer, die ersten beiden waren seinerzeit beim Frankfurt-Marathon. Schon interessant – man sagt ja manchmal, dass der Main als „Weisswurstäquator“ die Grenze zwischen Süd- und Norddeutschland bildet, also befand ich mich gerade mitten auf dem Weg in die Fremde… 😉

Von der Brücke aus übrigens ein netter Blick auf den Fluss, sowohl flussaufwärts in Richtung Flörsheim…
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Bild #3: Flörsheimer Mainufer von der Opelbrücke

…als auch Flussabwärts, das Rüsselsheimer Ufer entlang:
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Bild #4: Der Turm in der Bildmitte ist der Opel-Turm, rechts davon hinter der Flussbiegung erkennt man das Opel-Werk. Das Bild ist dank direktem Gegenlicht wieder viel trüber und finsterer, als es in Wirklichkeit war. Sorry. Gewöhnt euch dran…

Auf der anderen Seite dann noch über die breite Flörsheimer Uferpromenade hinweg…
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Bild #5: Flörsheimer Mainuferwiesen von der Opel-Brücke aus. Da bin ich auch schon mal langgelaufen…

…dann bei der ersten Gelegenheit links ab und über eine Rampe mit einer Serpentine runter ins Industriegebiet im Flörsheimer Westen, dort dann rechts und auf der Liebigstr. weiter westwärts.
Nicht besonders hübsch, industriegebiet eben. Aber immerhin kreuzte ich hier die Strecke meines Flörsheim-Laufs vom letzten Herbst, der damit endlich an den Rest des Streckennetzes angebunden war.

Nach ca. 400 m. rechts, durch ein furchtbar niedriges Fußgängertunnelchen unter den Bahngleisen durch…
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Bild #6: Ich bin definitiv keine 2 m. groß, aber ich hatte beim Durchlaufen trotzdem das ständige Bedürfnis, den Kopf einzuziehen

Auf der anderen Seite dann wieder Westwärts. Bequeme aber unspektakuläre Strecke am Bahndamm:
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Bild #7

Überall am Wegesrand ein bisschen Frühling…
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Bild #8

…links des asphaltierten Weges die Gleise und dahinter das Industriegebiet und die riesigen Öltanks am Flussufer, rechts Wiesen und Kleingärten, zwischendurch mal eine Schafherde:
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Bild #9: Im Hintergrund erheben sich bereits die Hügelchen der äußerst hübschen Flörsheimer Schweiz, die ich ebenfalls letzten Oktober erkundet habe (mit wesentlich besseren Fotos als heute… 😉 )

Insgesamt angenehm und freundlich unspektakulär, das gab mir Zeit, mich mal etwas auf meine neuen Schuhe zu konzentrieren, die weiterhin vollkommen reibungslos funktionierten. Gut!

Nach 700 m. kurz rechts hoch in Richtung der alten Kalkbrennöfen, dann links über ein Nebengleis und auf einer kleinen Brücke über den mainwärts strebenden Wickerbach hinein in den Flörsheimer Ortsteil Keramag/Falkenberg (der heisst tatsächlich so, obwohl die Firma Keramag hier gar nicht mehr ansässig ist).

Pfff, joaaa, also naja – ich hab´ schon hübschere Dörfer gesehen. Nicht dass Keramag/Falkenberg jetzt abgrundtief häßlich wäre, aber es besteht offensichtlich größtenteils aus schlichten Ein- und Mehrfamilienhäusern, die in den letzten 40 Jahren gebaut worden sind. Wir erinnern uns: Vor ein paar Jahrzehnten hat´s hier viel neuen Wohnraum gebraucht, da ist der Ort in dieser Form wohl erst entstanden, entsprechend gibt´s keinen gewachsenen alten Ortskern oder sowas in der Art (zumindest hab´ ich keinen gesehen).

Immerhin, da konnte man den Foto drinlassen und zügig durchlaufen – geradeaus die Schlesierstr. entlang, dann links die Falkenbergstr. runter, bis ich wieder die Bahntrasse erreichte und rechts aus Keramag/Falkenberg hinauslief.

Rein in die Weinberge vor Hochheim. Damit war ich nun offiziell im Rheingau angekommen, der wichtigsten Weinregion Hessens, die zudem auch noch für ihre außergewöhnliche landschaftliche Schönheit bekannt ist:
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Bild #10: Willkommen im Rheingau

Zugegeben, mit der außergewöhnlichen landschaftlichen Schönheit war´s nicht ganz so weit her (was aber auch daran liegt, dass der Hauptteil des Rheingaus erst westlich von Wiesbaden in Walluf beginnt) – die Weinberge waren ein bisschen flach und unspektakulär, die Weinstöcke noch kahl, das reichte nur für gewöhnliche landschaftliche Schönheit…

Und weiter westwärts, auf dem bequemen Sandweg gaaaanz leicht aufsteigend durch die Weinberge:
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Bild #11: Sandweg hinter Keramag/Falkenberg. Gegen die Laufrichtung (also ostwärts) fotografiert, weil ich einmal ein Bild ohne Gegenlicht haben wollte.

Links unten die Bahntrasse, darunter der unaufhaltsam rheinwärts strebende Main, in dem sich herrlich die durch den Dunst schimmernde Sonne spiegelte…
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Bild# 12: Wieder mal: In echt viel hübscher…

…während am anderen Ufer langsam das riesengroße Opel-Stammwerk vorbeizog…
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Bild #13: „Der Opel“

…und sich vorne so langsam die hübsche Kirche am Hochheimer Ortsrand ins Blickfeld schob:
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Bild #14

Nach ca. 1,5 entspannten Kilometern durch die Weinberge links des Weges eine kleine lokale Sehenswürdigkeit, die ich natürlich spontan mitnahm:
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Bild #15: Victoria-Denkmal über dem Mainufer zwischen Keramag/Falkenberg und Hochheim. Laut der Infotafel imTudor-Stil und der englischen Queen Victoria gewidmet, weil die hier mal ´ne Weinprobe gemacht hat.

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Bild #16: Victoria-Denkmal von vorne

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Bild #17: Inschrift

Danach wieder westwärts, über dem Mainufer durch die Weinberge. Inzwischen war Hochheim schon relativ nah, zumindest nach den drei klobigen Wohnblocks zu urteilen, die rechterhand immer näher rückten, und die – zumindest für mich – so eine Wahrzeichen von Hochheim sind (weil man sie aus der Ferne sieht, wenn man auf der A60 von Rüsselsheim zur Weisenau-Brücke bei Mainz fährt, was ich Jahrelang regelmäßig gemacht habe):
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Bild #18: Die drei charakteristischen Hochheimer Wohnblocks

Keine Ahnung warum, aber die fotografierte ich auf den nächsten paar hundert Metern gleich mehrmals:
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Bild #19: Gleich nochmal von etwas näher und ausnahmsweise mal nicht mit Gegenlicht. Eines der wenigen Bilder von heute, das die herrschenden Lichtverhältnisse ungefähr wiedergibt

200 m. nach dem Viktoriadenkmal halbrechts und auf dem Weilerweg ein bisschen den schrägen Hang hoch – sehr moderate Steigung, gut zu bewältigen. An der nächsten Kreuzung dann wieder links und weiter nach Westen, auf dem Neubergweg der inzwischen schon recht nahen Kirche entegegen, deren Glocken just in diesem Moment das Geläut zur Abendmesse anstimmten, das war sehr hübsch:
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Bild #20

Ein bisschen enttäuscht war ich allerdings von der Aussicht. Die kleine Anhöhe, über die ich gerade lief, ist zwar nicht besonders hoch (ca. 30 m. über dem Mainufer), aber sie bietet nichtsdestrotz einen schönen Blick über den Rhein auf das wunderschöne alte Mainz.
Normalerweise.
Aber – wir erinnern uns – heute war´s ja leider extrem diesig. Entsprechend bekam ich statt einem ungetrübten grandiosen Panoramablick auf Weisenau, Hechtsheim, den Lerchenberg, Finthen und die Mainzer Altstadt samt dem großartigen Dom das hier geboten:
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Bild #21: „Ähhh, pffff, ist das die Spitze vom… Dom, da drüben im Dunst?

Schade, wirklich schade.
Immerhin war´s in der Nähe auch nett, denn die weiterhin harmonisch den Abend einläutende Kirche am Hochheimer Ortsrand war inzwischen ganz nahe:
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Bild #22: St. Peter und Paul in Hochheim. Wie man sieht, sitzt die Kirche auf einem kleinen ummauerten Plateau am Rand der Altstadt, wodurch sich ihre schöne, exponierte Lage über den Weinbergen ergibt

Eigentlich hätte ich hier ja einfach nur vorbeilaufen sollen, aber es sah wirklich alles sehr interessant und einladend aus, also machte ich spontan einen kleinen Schlenker nach Hochheim hinein um mir das mal von ganz nah anzusehen:
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Bild #23: Eingang in die Hochheimer Altstadt durchs Tor unter dem Küsterhaus

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Bild #24: Kirchstr. in der Hochheimer Altstadt

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Bild #25: St. Peter und Paul von vorne – hier war´s ziemlich voll, weil gerade viele Kirchgänger zu Abendmesse strebten

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Bild #26: Küsterhaus am Kirchenvorplatz, direkt über dem Stadttor

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Bild #27: Blick von der Terasse vor der Kirche nach Südosten, über die Weinberge und den Main nach Rüsselsheim

Alles sehr apart, sollte man sich vielleicht irgendwann noch mal genauer anschauen…

Nachdem ich mich kurz umgesehen hatte ging´s auch schon weiter – wieder durch das Tor unter dem Küsterhaus aus Hochheim hinaus, und auf der Bahnhofstr. durch die Weinberge geradewegs den Berg runter in Richtung Hochheimer Südstadt, einer kleineren Siedlung mit viel Industrie unten am Mainufer.

Nach 200 m. rechts auf den quer verlaufenden Beinweg, von dem aus man nochmal einen schönen Blick hoch nach Hochheim auf der Anhöhe hatte…
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Bild #28: Hochheim-Panorama von unten

…dann am Ende des Beinweges links den Tieferweg runter bis zur Sandstr. am Rand der Hochheimer Südstadt. Neben der Strasse wieder mal unter der Bahn durch (sehr schmaler Bürgersteig an neuer Unterführung, etwas unangenehm), über eine steile Böschung, dann rechts und auf einem anscheindend namenlosen Feldweg am Rand eines Getrüppdickicht bis zur Autobahnbrücke der A671, unter deren Fahrbahn ich dann kurz in Richtung Flussufer lief…
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Bild #29: Unter der A671

…bis ich auf den Mainwanderweg (blaues M) stiess, dem ich nach rechts – natürlich wieder westwärts – folgte:
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Bild #30: Mainwanderweg direkt nach der A671

Ganz lange geradeaus, auf einem von schönen hohen Bäumen gesäumten Winterdeich entlang, linkerhand die weiten grünen Auwiesen am Flussufer…
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Bild #31

…rechts die Bahntrasse und dahinter die sanft ansteigenden Weinberge.

Nach knapp 2 km erreichte ich den ersten Ausläufer von Mainz-Kostheim, eine riesengrosse Fabrik mitten in der Pampa, vor der sich meterhohe Altpapierstapel türmten:
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Bild #32: „SCA Hygiene Products“ – offenbar Neudeutsch für „Klopapierfabrik“ 😀

Der Weg näherte sich nun wieder dem Wasser, führte zwischen dem Fabrikgelände und einem etwas schmuddelig wirkenden Altmainarm hindurch…
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Bild #33

…und erreichte schließlich die aparte Mainuferpromenade von Mainz-Kostheim, dem südlichsten Stadtteil Wiesbadens:
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Bild #34: Kostheimer Mainufer

Kurzinfo: So. Jetzt erklären wir erstmal kurz, warum es „Mainz-Kostheim“ und „Mainz-Kastel“ heisst, obwohl diese Orte doch eigentlich zu Wiesbaden gehören. Das ist nämlich so: Früher, als Mainz noch eine hessische Stadt war, hatte es Stadtteile auf beiden Seiten des Rheins. Linksrheinisch das, was heute immer noch Mainz ist, rechts des Flusses die Stadtteile Amöneburg, Kastel und Kostheim, allesamt nördlich der Mainmündung, sowie Ginsheim-Gustavsburg und Bischofsheim am südlichen Mainufer.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Stadt jedoch geteilt – die Allierten hatten den Rhein zur Grenze ihrer jeweiligen Besatzungszonen erklärt, so dass die Mainzer Kernstadt nun im französischen Sektor Deutschlands lag, die Stadtteile am anderen Ufer jedoch im amerikanischen. Diese Teilung wurde auch mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland beibehalten: Links des Rheins entstand das Bundesland Rheinland-Pfalz, rechts war nun Hessen. Und da eine Stadt (und ganz besonders eine Landeshauptstadt wie Mainz) nun mal keine Stadtteile in einem anderen Bundesland haben kann, wurden die rechtsrheinischen Stadtgebiete von Mainz abgetrennt. Bischofsheim und Ginsheim-Gustavsburg wurden eigenständige Gemeinden im Landkreis Groß-Gerau, das war nicht weiter schlimm. Aber Amöneburg, Kastel und Kostheim wurden zu Stadtteilen der ungeliebten Lokalrivalin Wiesbaden, was vielen Mainzern – links und rechts des Rheins – damals (und teils auch heute noch) sauer aufgestossen ist (mal ganz abgesehen davon, dass dort signifikante Teile der Mainzer Industrie verortet waren).
Und so kommt es, dass Kostheim und Kastel auch heute noch offiziell die Vorsilbe „Mainz-“ im Namen tragen, obwohl sie seit über sechzig Jahren zu Wiesbaden gehören.
Übrigens gibt es einen Verein, der sich um die Wiedervereinigung der geteilten Stadt bemüht. Verfassungsrechtlich wäre das anscheinend sogar denkbar, aber Hessen und Wiesbaden wollen die drei Stadtteile wohl nicht mehr hergeben…

So, Exkurs zu Ende, weiter geht´s, und zwar auf der Kostheimer Uferpromenade. Nett hier, so direkt neben dem träge dahinfliessenden abendlichen Main. Im Gestrüpp am anderen Ufer konnte man von hier aus drei armwedelnde und krakeelende Gestalten erkennen, von denen zwei offensichtlich nackt waren. Anscheinend stritt sich da gerade ein Angler mit zwei Nudisten. Genau verstehen konnte man nichts, aber zumindest drangen ein paar kohärente Disputfetzen („Isch will euerne nackte Ärsche hier net mehr sehe“) übers Wasser, die irgendwie sehr erheiternd wirkten….

Noch ein paar hundert Meter am Ufer entlang…
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Bild #35: Nochemol de Maa (das Doppel-A wird im Hessischen übrigens als Nasallaut ausgesprochen, der recht nahe am Französischen „En“ ist). Der Angler und die Nudisten sind nicht drauf, die standen ein klein wenig weiter rechts

…dabei unter der Mainbrücke Kostheim-Gustavsburg durch, dann rechts ab und auf der Maaraustr. nach Kostheim hinein.
Älterer Ortskern, teils durchaus nett, allerdings mit viel Verkehr und entsprechenden Ampelpausen. An der nächsten Kreuzung links die Hauptstr./B43 runter, nach ein paar hundert Metern dann rechts den Mainzer Weg hoch.
Fast geschafft, nun musste ich einfach nur noch geradeaus, der Strasse knapp zwei Kilometer bis zum Ziel folgen. Kein besonders ansehnliches Stück, viel Industrie und schlichte Plattenbauten, da blieb der Foto stecken und ich konnte nochmal etwas Tempo machen: Zügig und konzentriert nordwärts, auf einer breiten Strassenbrücke wieder mal über die Bahntrasse, deren Verlauf ich seit Flörsheim mehr oder weniger treu gefolgt war, dann immer weiter, vorbei an Supermärkten, den Werkshallen mittelständischer Betriebe, mehrstöckigen Vielparteienhäusern, immer mal wieder über eine Kreuzung, bis ich schließlich am gewerbegebietigen Rand von Kastel das Ziel erreichte…
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Bild #36: Brauhaus Castel in Mainz-Kastel

…wo bereits die versammelte Verwandschaft, eine hochwillkommene eiskalte Pepsi, und beängstigende Mengen deftig-leckeren Abendessens warteten.

Insgesamt gar nicht übel. Zwar viel Industrie und unspekatkuläre Wohngebiete, aber zwischendurch durchaus auch ein paar nette kleine Highlights – besonders Hochheim, das ich bisher praktisch noch gar nicht gekannt hatte, war schon ziemlich hübsch. Außerdem ganz viel neue, spannende Strecke, und das auch noch jenseits des Weisswurstäquators, mitten im platten exotischen Norddeutschland… 😉
Die neuen Schuhe haben sich ebenfalls prächtig geschlagen, da gab´s keinerlei Probleme, auch das ist sehr positiv.
Lediglich mit den Fotos bin ich nicht zufrieden, aber das war aufgrund der äußeren Bedingungen nun mal nicht zu vermeiden, also letztlich auch ok.
Und das allerbeste: Mit dieser Tour habe ich einen Brückenkopf im Nordwesten meines Laufnetzes, von dem aus ich irgendwann in der Zukunft mal die beiden tollen, spannenden, wunderschönen Landeshauptstädte Mainz und Wiesbaden erlaufen kann.
Und das ist ´ne Supersache!

Strecke: 14, 7 km
Zeit: Unglaublich aber wahr – Ja! 1:23 reine Laufzeit (= 10,63 km/h bzw. 5:39 min/km – gar nicht mal so übel…)
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 98,23% (14,44 km von 14,7 km)
Karte:
russelsheim-kastel

M.

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17 Antworten to “Go West, Young Man – Nördliches Mainufer von Rüsselsheim nach Mainz-Kastel (mit Fotos, 14,7 km)”

  1. Christian Says:

    Nanu Matthias,

    das war ja ein ordentliches Tempo und auch eine schöne Distanz. Ich hoffe alles ohne Zipperlein.

    Schön beschrieben und bebildert, wie immer und fürs trübe Wetter kannste ja nix. Die Tour scheint aber nicht besonders attraktiv mit viel Industrie, obwohl die Bilder von Hochheim doch etwas Atmosphäre haben, insbesondere das Panorama gefällt 🙂

    Ich nehme an, die verbrannten Kalorien wurden so gleich wieder ersetzt und Depots für den nächsten Lauf angelegt. Ich wünsch Dir viel Spass und einen angenehmen Wochenbeginn

    Salut

  2. Hannes Says:

    Auch wenn die Bilder deiner Meinung nach nicht die schönsten sind – ein paar nette sind da ja trotzdem dabei. Schön anzusehen. Ein kleine Lehrstunde und Erkundungsrunde für uns – da lassen wir uns immer wieder gerne mitnehmen!

  3. matbs Says:

    @ Christian: Ja, alles weitgehend zipperleinlos. War aber auch eine sehr unkomplizierte Route, mit wenig Steigungen und durchweg sehr guten Wegen.
    Landschaftlich – na ja, wie gesagt: Keine Premiumstrecke, aber auch nicht vollkommen reizlos. Und gerade als Ausgangspunkt für weitere Touren nach Westen (Mainz/Rheinufer) und Norden (Wiesbaden/Rheingau [der richtig schöne Teil]/Taunus) eine sehr wertvolle Strecke.

    Und mit den verbrannten Kalorien – ich fürchte fast, da hab´ ich mehr als nur wieder „aufgetankt“ – ich gönn´ mir nach längeren Läufen ja gerne mal ´ne Cola, heute hatte ich hinterher so einen Durst, dass da gleich zwei draus geworden sind, dazu dann noch Bretzeln mit Spundekäs´ und ein so gewaltiger Flammkuchen, dass ich ihn nicht ganz aufessen konnte – Da ist schon was zusammengekommen… 😉

    @ Hannes: Klar, der pädagogische Auftrag des Laufblog muss ja erfüllt werden! 😀

    Gruß
    Matthias

  4. Torsten Says:

    Wenn ich die Hochheimer Wohnblöcke sehe, dann erinnere ich mich immer an meine Zeit als Auslieferungsfahrer von Danzas. Da auf dem Weg mit dem Weinreben habe ich öfters gestanden und Pause gemacht und im Herbst auch immer etwas Trauben genascht.
    Schön das du auf den Familienfeiern immer laufen gehen kannst, wenn ich das meiner Regierung vorschlagen würde bekäme ich direkt einen Vogel gezeigt. Sowas kann die nicht verstehen.

  5. matbs Says:

    Hi Torsten,

    tja, so langsam arbeite ich mich in dein Revier vor – war´s nur ab, nur noch ein paar Dutzendend Kilometerchen am Rheinufer oder durch den Taunus, und schon renn´ ich bei dir am Haus vorbei… 😉

    Weiss deine Regierung eigentlich, dass du dich hinter ihrem Rücken über ihre restriktive Politik beschwerst?
    Sei bloß vorsichtig, nicht dass du da noch in politische Haft kommst. 😀

    Gruß

    Matthias

  6. Jana Says:

    He, da warst Du ja bei uns um die Ecke!

  7. matbs Says:

    Hi Jana!

    In der Tat – und wahrscheinlich nicht zum letzten Mal.
    Lust, beim nächstenmal mitzulaufen? 🙂

    Gruß

    Matthias

  8. Torsten Says:

    Politische Haft wärs noch, dann könnte ich hier im Hof meine Runden drehen. In gestreiften Tight und Shirt, bei Wasser und trocken Brot.
    Irgendwann (falls ich mal wieder zum laufen komme) müssen wir uns mal auf halber Strecke treffen und gemeinsam ne Runde drehen.

  9. matbs Says:

    Torsten: Können wir gerne mal so in Richtung Sommer ins Auge fassen – spontan würde ich den Wiesbadener Nordwesten vorschlagen, so irgendwas um die Hohe Wurzel rum (also im Dreieck Alte Fasanerie/Schlangenbad/Taunusstein) – ist ´ne wunderschöne Gegend, und dürfte auch von Nordwesten halbwegs gut zu erreichen sein.

  10. Gerd Says:

    So langsam läufst Du in Bereichen da komm ich echt nicht mehr mit. Vieeeel zu schnell. Liegt bestimmt an den neuen Schuhen. 😉
    Und knappe 15km sind auch nicht zu verachten. Zur Zeit läufts wirklich gut bei Dir. Solltest unbedingt im Fischbachtal mitlaufen. 😉

  11. matbs Says:

    Hi Gerd,

    bin halt ein Schönwetterläufer. Wenn das erstmal da ist, dann klappt´s einfach besser.
    Für das ordentliche Tempo (das mir unterwegs eigentlich gar nicht so schnell vorgekommen ist) waren wahrscheinlich nicht nur die neuen Schuhe verantwortlich, sondern auch die Fotopausen, die ich ja immer aus der Laufzeit rausnehmen, und bei denen man zwischendurch immer mal wieder ein bisschen durchatmen kann… 😉

    Aufs Fischbachtal hätte ich im Moment wirklich richtig Lust – wir würden uns dann ja da sehen, oder?


  12. […] Go West, Young Man – Nördliches Mainufer von Rüsselsheim nach Mainz-Kastel (mit Fotos, 14,7 k… […]

  13. Gerd Says:

    Mal sehn wie sich die nächsten Wochen entwickeln. 😉

  14. matbs Says:

    Ja, sieh´ mal… 🙂


  15. […] erhebt, die heute beide in geheimnisvolle Dunstschwaden getaucht waren. Davor die Mainterasse, Hochheim samt Kirche und charakteristischen drei Hochhäusern, dahinter rechte Rüsselsheim samt Opel-Werk, links Hofheim und die Vorberge des Taunus, heute eine […]


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