Kleine Schonrunde im Jägersburger Wald (9 km)

26. April 2009

So. Nochmal ein paar Tage pausiert, auch wenn´s mir überhaupt nicht geschmeckt hat.
Geschont, langsam gemacht, jeden Tag ein heißes Muskelentspannungsbad mit irgendsonem Zeug mit dem vielversprechenden aber nicht wirklich wohlklingenden Namen „Gelenke & Muskel Wohl Arnika“.

Heute hatte ich dann die Faxen dicke.
Bei dem momentanen wunderbaren Wetter tagelang rumhocken, obwohl man eigentlich endlich mal die Zeit und die Muße hätte, um so richtig Draufloszuerkunden, das ist ehrlich gesagt ziemlich sch…lecht.
Die linke Schulter fühlte sich zwar immer noch nicht ganz in Ordnung an, aber ich wollte endlich mal wieder raus.

Also für heute Abend eine Probe-/Mussendlichmalsein-Tour angesetzt.
Maßgaben für die Strecke: Nicht weit, nicht schnell, nicht anstrengend, ganz flach.
Einfach mal gucken was wie geht…


Fündig geworden bin ich schließlich im Jägersburger Wald – da gibt´s praktisch keine Steigungen, keine anderen Jogger, die einen zu Tempo verleiten könnten, und der weiche Waldboden ist sehr angenehm und schonend zu laufen. Und als Bonus gab´s sogar noch ganz viel neue Strecke, denn obwohl ich inzwischen ja schon wirklich oft da unten war, ist der Wald so riesig, dass sich immer noch Schneisen und Wege finden, die ich noch nie zuvor gelaufen bin…

Start schön spät abends, gegen 19:00 am Wasserwerk Jägersburg (leider zu spät, um nochmal im kleinen Wildpark direkt nebenan vorbeizuschauen, den ich somit weiterhin noch nicht besucht habe. Muss ich irgendwann mal nachholen..).

Kurz gedehnt, etwas verstimmt festgestellt, dass ich die Gürteltasche vergessen und einen vollkommen taschenlosen Satz Sportklamotten erwischt hatte, und dementsprechend mit Autoschlüssel und Plänchen in Händen aufgebrochen (mal im Ernst: Warum machen diese verdammten Sportklammotenhersteller eigentlich keinen anständigen Taschen an ihre Produkte? Weil die Windschnittigkeit leidet? Weil es an den ausgemergelten aber zahlungskräftigen Möchtegernolympioniken, aus denen ihre Traumkundschaft besteht, nicht cool genug aussieht?
Egal was es ist, es ist dämlich, und zumindest ich würde mich mal so richtig über eine atmungsaktiv-schweissnachaussentragende Zauberhose freuen, die zudem einen Satz großer Hosentaschen aufweist, in denen man Schlüssel, Kleingeld, Plan oder Handy verstauen kann…).
Uhr hatte ich übrigens daheimgelassen, wollte ja ganz langsam machen, da war die Zeit uninteressant…

Vom Eingang des Wasserwerks runter an die Landstrasse zwischen Langwaden und Jägersburg (L3261), an der ich eigentlich westwärts laufen wollte. Kurz vor dem Strassenrand entdeckte ich allerdings unverhofft einen Trampelpfad, der parallel zur Strasse am Wasserwerksgelände entlangführte. Allemal besser als die Fahrbahn, also nahm ich den. Interessanter Untergrund, eine dicke Schicht aus groben Holzspänen. Aber gut zu laufen.

Am Ende des Wasserwerks musste ich dann doch kurz an die L3261, auf der zum Glück nichts los war (Sonntag Abend in der Provinz…).
Aber nicht lang, bereits wenige Meter danach stiess ich auf einen namenlosen Waldweg, der südwärts in den Wald hineinführte. Etwas wucherig (in ein paar Jahren wird ihn sich der Wald wohl zurückgeholt haben) aber gut laufbar, also runter von der Strasse und hinein ins dichte, dämmrige Grün der Jägersburger Waldes, nach 50 oder 100 m. wieder westwärts, auf einem nicht minder wucherigen, kleinen Pfädchen. Wunderbare Abend-Wald-Atmo, mit singenden Vögeln, gedämpften Licht, angenehm frischer Luft. Nett…

Die Schulter liess sich bisher übrigens… na ja, so halbwegs ok an.
Das Hauptproblem bei den letzten beiden Touren war ja gewesen, dass es irgendwie gespannt hat, und ich deswegen irgendwie ständig das Bedürfnis hatte, mal kurz richtig anzuspannen und dann wieder locker zu lassen – dabei hat´s dann etwas am Schulterblatt geknackt, und die Spannung hat kurz nachgelassen. Kam aber jeweils sehr bald wieder, und die Sache ging von vorne los – und wenn man das anderthalb Stunden ständig macht, wird´s auf Dauer nicht besser, sondern nur schlechter (so ähnlich wie wenn´s juckt: Kratzen bringt kurzfristig Linderung, macht´s dauerhaft aber schlechter).
Also hatte ich mir für heute vorgenommen, die Schulter einfach vollkommen zu ignorieren und bewusst ruhig zu halten.
Das mit dem Ignorieren klappte natürlich gar nicht, wie immer, wenn man versucht, bewusst an irgendetwas NICHT zu denken.
Das Ruhighalten hingegen schon – fühlte sich zwar immer noch ein bisschen komisch an, aber war insgesamt eigentlich gut erträglich, und blieb auch auf diesem Niveau.
Gut!

Am Ende des Querwegs stiess ich auf einen schmale Lichtung (wohl eher eine künstlich angelegte Schneise, aber ohne Namen), auf die ich in südwestlicher Richtung einbog. Kein Weg, einfach nur eine etwas holprige Waldwiese. Ordentlich zu laufen, wenn auch mit hohem Zeckenrisiko – zum Glück war das Gras noch nicht so hoch, so dass ich recht gut durchkam (allerdings entdeckte ich später tatsächliche eine Zecke, die an meinem Bein hochkroch. Die wurde abgeklaubt und exekutiert – normalerweise tu´ ich Insekten und Spinnentieren ja nix, aber bei Zecken kenn´ ich kein Pardon).

Nach 400 m. Wiese erreichte ich die L3111 (Jägersburg-Einhausen), die ich überquerte und auf der anderen Seite geradeaus auf der irgendwie total cool klingenden Präceptor-Schneise weiterlief.
Am Eingang der Schneise stand ein Kleinbus mit polnischem Kennzeichen, daneben ein vierschrötiger Mann im Trainingsanzug, der eine Zigarette rauchte – der einzige Mensch, der mit heute begegnen sollte (Ich überlegte kurz, ob ich ihm ein fröhliches „Dzień dobry“ zurufen sollte [man ist ja schließlich polyglott], aber dann war ich auch schon vorbei).

Und weiter nach Südwesten, gaaaanz langsam, die Schulter nicht knacken lassend. Lief bisher ganz gut, und der dichte Wald war – wie meistens hier unten – wunderbar.
Außerdem war mir diese Ecke des Waldes bisher unbekannt gewesen, auch das machte natürlich Laune (wenn auch nicht soviel wie anderswo, denn der Jägersburger Wald sieht nun mal an den meisten Stellen gleich aus – da ist neue Strecke nicht ganz so spektakulär wie anderswo. Aber da er an den meisten Stellen gleich hübsch ist, ist das in Ordnung… 😉 ).

Nach 800 m. rechts, auf die Herrenschirmschneise.
Ebenfalls neu, ebenfalls sehr nett – asphaltierter Weg durch den Wald, rechts davon ein Wiesenstreifen voller Wildblumen, auf dem alle 100 oder 200 m. ein Wasserhäuschen stand.

Und immer geradeaus durch den Wald, 1,5 km, bis zur Bildstockschneise, auf der es links ab ging (Richtung also nun: ONO).

Und noch viiiel länger geradeaus. Beinahe 3 km.
Fast schon zu gemächlich, aber immer noch mit entspannter Schulter.
Ganz viel Wald. Zwischendurch mal links eine große Lichtung, auf der unzählige fette, alte Baumstämme gehortet waren, Begegnungen mit Hasen, Habichten und Blindschleichen, die erneute Überquerung der L3111 (da standen zwei große Schilder mit der Aufschrift „Submission“ [dt.: „Unterwerfung“], die in die Richtung zeigten, aus der ich gekommen war. Klang irgendwie Sadomasomässig, aber zumindest mir war unterwegs nichts dergleichen aufgefallen…), danach die Überquerung der Riedlinie (= Hauptnordsüdwanderweg des OWK im Ried), bis ich schließlich ich die Böschung der A67 erreichte.

Wieder mal links, direkt neben der Autobahn nach Norden. Überraschend schöner Weg mit hübschen Bäumen und viel Licht, lediglich die Geräuschkullisse störte etwas.

Nach 300 m. mündete der Weg in die L3345 (Langwaden – Schwanheim), und ich bog wieder mal links ab. An der Landstrasse nordwestwärts.
Natürlich wieder mal kein Rad- oder Fußweg, aber immerhin wenig Verkehr und so was wie ein Seitenstreifen. Gar nicht mal so unangenehm, bis auf die beiden motorradfahrenden Arschkrampen, die zwischenzeitlich mit heulenden Motoren und ca. 150 Sachen an mir vorbeiröhrten.
Nebeneinander, die ganze Fahrbahn ausfüllend. Auf einer engen, uneinsichtigen, dämmrigen Landstrasse mitten im wildreichsten Wald der Gegend, bei einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 80.
Ohne Rücksicht auf den einsamen Jogger am Strassenrand, der fast einen Herzinfarkt kriegte.
Manche Leute sollte man ihren Führerschein fressen und nie wieder auf die Strasse lassen…

Vielleicht ein Kilometer auf der Landstrasse durch den Wald, dann nach – richtig! – links ab, auf die Dickebaumschneise.
Mal wieder ein ganzes Stück geradeaus durch den Wald. Nochmal über die Riedlinie, ein kurzes Stück Nibelungenweg, schließlich rechts und über die Rundehausschneise zurück an die L3261 und zum Wasserwerk.

Naaja! Also das mit der Schulter hat geklappt. Aber ein bisschen komisch hat sich´s doch noch angefühlt, ebenso wie meine linke Hüfte – meine ganze linke Seite ist im Moment einfach irgendwie ein bisschen verquer.
Und die Tour war ja nur kurz und langsam, und ohne schwierige Passagen.
Hmmm…
Geht, aber bis auf Weiteres wohl am besten mit etwas Mäßigung.

Abgesehen davon: Nette, friedliche, angenehme Runde in sehr aparter Umgegung, das war dann doch ziemlich schön.

Strecke: 9 km
Zeit: Nicht genommen. Aber laaaangsam.
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke 94,67% (8,52 km von 9 km)
Karte:
jagersburger-wald-vom-wasserwerk-aus

M.

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11 Antworten to “Kleine Schonrunde im Jägersburger Wald (9 km)”

  1. Christian Says:

    He Matthias,
    sei froh und dankbar, dass Du trotz der Zipperlein laufen gehen kannst, wenn auch ohne nennenswerte Höhenmeter und auf ordentlichen Wegen. Die Touren durchs Unterholz und querfeldein müssen noch ein wenig warten 😉

    Im Ernst, ich freu mich für Dich, dass „wenigstens“ ein entspannter Lauf ohne grosse Beschwerden möglich ist. Wann geht es denn wieder mit Gerd auf Tour ? Hattet ihr nicht noch was vor ?

    Salut

    Christian

  2. matbs Says:

    Hi Christian,

    du ich bin ja froh, ganz ehrlich.
    Aber irgendwo ist da eben auch eine ziemlich frustrierende Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit – da freust du dich über stressige Wochen und Monate hinweg riesig drauf, endlich richtig losstarten zu können, wenn das Gelump, an dem du gerade hockst, vorbei ist.
    Und dann ist es endlich endlich endlich soweit, das Wetter ist herrlich, du bist supermotiviert und hast Riesenlust, die vier richtig tollen Läufe für die 60+-km-Woche auf vollkommen neuen Strecken sind schon längst geplottet und geplant – und dann geht´s doch nur mit angezogener Handbremse.

    Hach, na ja, wird schon noch…

    Gerd und ich hatten eigentlich für dieses (also das gerade vergangene Wochenende) vorgehabt, auf die wunderbare Neunkircher Höhe (605 m.ü.NN) zu laufen, aber ich hab´ ihm dann erstmal abgesagt.
    Hrm.

    Gruß

    Matthias

  3. Hannes Says:

    Ich kann Christian nur zustimmen *neidisch mecker*. 9 Kilometer, dazu auch noch fast vollkommen neu, … *träum*

    Geduld scheinst du aber nicht zu haben.
    Mir geht es inzwischen so, dass nach der langen Pause das Laufen kaum noch fehlt – es geht auch ohne *lach*

  4. matbs Says:

    Hi Hannes,

    hast ja recht, eigentlich bin ich noch ganz gut dran.
    Aber Geduld hatte ich eben schon ein paar Monate, in denen es aus verschiedenen Gründen nicht so geklappt hat, wie ich das gerne gehabt hätte.
    Jetzt würd´ ich halt doch gerne mal wieder richtig loslegen – zumal meine biologische Uhr tickt: Du darfst nicht vergessen, ich bin aaaaaalt wie die Berge, und hab´ dementsprechend ein Jahrzehnt weniger vor mir als du… 😉 😀

    Dass das Laufen irgendwann nicht mehr so fehlt kenn ich von meinem Bänderriss letztes Jahr – nach einem Monat war´s nicht mehr so dringend. Aber ganz weg geht der Drang ja nie…

    Aber: Des wiadd aals wirre, müsse mer jetz emol dorsch (unn du meair als wie isch)!

    Gruß

    Matthias

  5. Gerd Says:

    Ist ja ne richtig nette Ecke die Du da gelaufen bist. Und ohne Buckel. 😉
    Ausserdem dachte ich Du solltest noch ein bisschen länger Ruhe halten. Oder hatte ich mich in deinem letzten Beitrag verlesen. ??
    Mach langsam alter Mann!

  6. matbs Says:

    Hi Gerd,

    örm, na ja, pfuuu, also es war ja schon besser, und ewig will man ja auch nicht und überhaupt…
    (dass ich heute schon wieder unterwegs war, erwähn´ ich lieber nicht.
    Ups.)

    Naja, also offiziell hiess es, dass ich erstmal ruhig machen soll, und das hab´ ich ja – fast 5 Tage Pause sind ja auch schon ein bisschen was, gerade bei einer etwas schwammigen Diagnose wie „ja, halt irgendwie verspannt“.
    Und es hat ja ganz gut geklappt, von daher denke ich, dass es ok war.

    Gruß

    Matthias


  7. […] Klein Schonrunde im Jägersburger Wald (9 km) […]

  8. Torsten Says:

    Kannst du die Schulter nicht fixieren beim laufen? Letztens habe ich auch jemanden gesehen der ist gelaufen und hatte den Arm in einem Gurt fest am Körper. Keine Ahnung warum er das hatte, aber das hat mich auf die Idee gebracht das es helfen könnte.

  9. matbs Says:

    Hi Torsten,

    sag´ mal, du kommst ja auf Ideen! 😀

    Ich hab´ mir ja nicht die Schulter gebrochen oder sowas, im Alltag funktioniere ich ja ganz normal – einen Vollgips oder eine Schiene brauche ich also hoffentlich noch nicht… 😉

    Mal abgesehen davon, dass ich dann ständig DARÜBER jammern würde anstatt über das leicht seltsam-krampfige linke Schulterblatt, wäre also effektiv kein Gewinn… 🙂

    Nein, das geht schon mit dem bewusst Langsam Machen und Ruhig Halten.
    Bin gestern ja auch noch einen (langsamen, ruhigen, vorsichtigen) Zehner gelaufen (Bericht folgt im Lauf des Tages), und der hat eigentlich prima geklappt – hat sich zwar weiterhin nicht ganz normal angefühlt, aber es war unproblematisch und ist im Lauf der Tour vor allem nicht schlimmer geworden.
    Geht also, bloss auf die langen, harten, steilen Touren werde ich wohl noch etwas verzichten…

    Gruß

    Matthias

  10. Torsten Says:

    Dann ist ja gut, wenn es sich langsamer wieder bessert. Habe mir ernsthaft Sorgen gemacht um deine Schulter.

  11. matbs Says:

    Keine Angst, das klingt im Blog ja auch gerne mal etwas überdramatischer, als es in Wirklichkeit ist… 😉


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