Von der Bergstrasse ins Weschnitztal: Hemsbach – Kreiswald mit Fotos (12,8 km)

1. Mai 2009

Hachje, schon fast zwei Wochen seit ich zum letzten Mal in die Berge gelaufen bin. Immer Flachland ist ja ganz nett, aber auf Dauer braucht´s einfach auch ein paar nette Höhenmeterchen, um das Lauferlebnis komplett zu machen.
Zum Glück hatte das mit der Lauferei in der vergangenen Woche ja schon wieder ganz ordentlich hingehauen, also wollte/konnte/durfte ich mir heute endlich mal wieder eine Tour mit ein paar Steigungen gönnen, auch um zu sehen, wie das nach der wochenlangen Berglaufpause so klappt.
Natürlich ganz neue Strecke, schließlich bin ich immer noch im „Hey, heute wird was entdeckt“-Modus…

Kurz die Karten gewälzt und fündig geworden: Einweglauf von Hemsbach am Fuß der Berge über den Bergstrassenkamm am Waldnerturm, dann runter ins wunderschöne Weschnitztal (das ja sowieso ganz weit oben auf meiner Pläne-Liste für dieses Jahr steht) und durch die Hügel zum Kreiswald, einem Landgasthof in einem schönen Seitental unterhalb der Juhöhe.
Ca. 11 km in toller Landschaft, nicht gleich ganz so mördersteil, und am Ende auch noch ein gutes Abendessen, das klang doch mal richtig gut. 🙂


Start am späten Nachmittag in Hemsbach am Fuß der badischen Bergstrasse (ganz Recht, im Ausland – hier unten ist Hessen schon vorbei). Übrigens zum ersten Mal dieses Jahr in „voller“ Montur mit Trinkgürtel – nachdem ich mir neulich endlich einen Satz neuer Flaschen besorgt hatte, wollte ich die heute mal einweihen (auch wenn sie extrem dämlich aussehen – die alten waren dezent blau, die neuen sind knallorange, furchtbar).
Laune gut, Form gut, Wetter eigentlich auch – 20°, windstill, sonnig.
Leider allerdings auch extrem diesig, entsprechend gab´s keinerlei Fernsicht und auch fürs Fotografieren ist war´s nicht ideal, da die Kamera nicht so richtig mit solchen Lichtverhältnissen klarkommt (also denkt dran, wenn die folgenden Bilder teils etwas trüb und seltsam wirken – in Wirklichkeit war´s ein wunderbarer heller Tag).

Ordentlich gedehnt, dann gleich los.
Erstmal die Betthovenstr. hoch bis an die B3/Landstr…
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Bild #1: Beethovenstr. in Hemsbach

…dort dann rechts durch den Ort (übrigens kurz auf dem Burgenweg/Blaues B)…
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Bild #2: Nett…

…und schließlich links in den Mühlweg (Markierung: Gelber Kreis) zum ersten richtigen Aufstieg des Tages:
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Bild #3: Mühlweg

Und das auch schon schön sehr stramm, da kam ich gleich mal ordentlich ins Schwitzen und Schnaufen. Lief aber trotzdem ermutigend gut.
Nach dem ersten steilen Stück verflachte der Mühlweg dann aber auch schon wieder recht bald und führte mit einer angenehm minimalen Steigung weiter aufwärts ins Hemsbachtal, dem ich aufwärts bis zum Bergkamm folgen wollte. Ruhige Wohngegend mit aufgelockert durch einige fast schon villenartig anmutende Anwesen, sehr hübsch.

Nach ziemlich genau 300 m. folgte ich dem gelben Kreis des HW 28 und bog halbrechts in den Oberen Leilbergweg ab…
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Bild #4: Marker des HW28 am oberen Leilbergweg

…von dem aus es dann kurz danach halblinks ab ging, auf einem idyllischen, schattigen, dichtbewachsenen Pfad runter in den Talgrund und am Ufer des fröhlich plätschernden Hemsbaches hinter den letzten Häusern des Ortes weiter ganz sanft bergauf:
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Bild #5: Pfad am Hemsbachufer

Nach ein paar hundert Metern dann wieder etwas bergauf, den sonnigen, bewaldeten Hang am Talrand hoch…
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Bild #6

…dann schließlich halbrechts in den Wald rein und vom Talgrund weg, nun wieder etwas steiler bergauf ein kleines Seitental hoch.
Dabei die folgende Entdeckung:
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Bild #7

Die ganze gegenüberliegende Talseite stand voller alter Grabsteine mit hebräischer Schrift. Ein jüdischer Friedhof mitten im schattigen Hangwald, und zwar ein richtig großer. Hemsbach war einst ein Zentrum des jüdischen Lebens an der Bergstrasse, mit eigener Synagoge und einer Mikwe, entsprechend sind hier über 1000 Menschen aus der Gegend bestattet, vom 17. Jahrhundert bis zu Beginn der 1940er Jahre.
Wunderschöner, stimmungsvoller Ort, aber wie alle alten, verwaisten jüdischen Friedhöfe, auf die man in der deutschen Provinz stösst, auch ziemlich traurig.

Der Pfad führte am Friedhofsgelände entlang aufwärts…
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Bild #8: Östlicher Teil des Friedhofs vom HW28 aus

…und stiess kurz nach dem Friedhof bei einer kleinen Schutzhütte nebst Ausblick über die wunderschönen Hangwiesen des Naturschutzgebiets im oberen Hemsbachtal…
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Bild #9

…auf einen breiteren Waldweg, auf dem es weiter bergauf durch den schönen, schattig-sonnigen Frühlingswald ging.
Nach insgesamt etwas über einem Kilometer moderaten und völlig problemlosen Aufstieg (Steigung unter 10% und ich machte ja bewusst langsam anstatt wie sonst richtig in den Berg reinzupowern, das lief wie am Schnürchen) erreichte ich schließlich den Höhenweg auf dem Bergkamm.

Oben. Bisher gar kein Problem, alles im Lindgrünen Bereich, perfetto!
Kurz umgeschaut, dann links auf dem Höhenweg (Weitwanderweg Odenwald-Vogesen, roter Balken) aus dem Wald raus, hinaus auf die herrliche große Wiese auf dem Bergrücken…
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Bild #10: Wiese am oberen Ende des NSG Schafhof

…wo bereits der erste Höhepunkt der Tour wartete, auf den ich mich richtig freute – der Waldner-Turm:
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Bild #11: Waldner-Turm von Süden

Bisher war ich erst ein einziges Mal hier oben gewesen, vor fast zwei Jahren als ich mit Ingo und David etappenweise die gesamte Bergstrasse runtergelaufen war. Damals waren wir an einem ruhigen Spätsommermittag unter der Woche hier vorbeigekommen, entsprechend war es ruhig und friedlich gewesen.
Heute hingegen – Riesentroubel.
1. Mai, gutes Wetter, direkt in der Nähe ist ein Naturparkplatz, entsprechend war´s hier oben knackvoll mit grillenden, picknickenden, ballspielenden Familien.
War mir ehrlich gesagt ein bisschen voll hier oben, ich hätte mir den wunderschönen Ort lieber in Ruhe angeschaut, ohne ständig befürchten zu müssen, über eine Bierflasche zu stolpern, einen Volleyball an den Kopf zu kriegen, oder anstatt der herrlichen Aussicht einen Haufen rotznasiger Gören zu fotografieren, die plötzlich ins Bild rennen.
Aber gut, liess sich nicht ändern, also natürlich trotzdem über die sattgrüne Wiese zum Turm…
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Bild #12: Waldner-Turm von nah. Der Turm wurde im 19. Jahrhundert als Aussichtsturm errichtet, von dem aus man sowohl westwärts in die Rheinebene als auch ostwärts über das weite Weschnitztal im Odenwald schauen kann. Er wird auch Vier-Ritter-Turm genannt, aufgrund der vier Ritterskulpturen an den oberen Ecken.

…machte vor dem Eingang noch ein Foto runter in Richtung Bergstrasse…
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Bild #13: Blick vom Vorplatz des Waldnerturms nach Westen. Leider war´s heute ja wie bereits erwähnt extrem dunstig, so dass die normalerweise zweifellos atemberaubende Aussicht in die Rheinebene dummerweise vollkommen ausfiel. Aber andererseits sind ja auch die Wiesen am Schafhof wunderschön

…und erklomm dann noch mal kurz den Turm, erst über eine schmale Steintreppe in den ersten Stock, dann über eine enge, steile Metallleiter ins obere Geschoss.
Auch hier wars nicht so wirklich friedlich, da ich den Turm mit vier oder fünf krakeelenden Knaben im Alter zwischen 5 und 8 Jahren teilen musste, die Ritter spielten, offenbar versuchten, mithilfe mitgebrachter Stöcke ein Feuer im Turminneren zu entzünden (sah nicht so aus als würden sie´s auf die Reihe kriegen), und sich nebenbei gegenseitig lauthals mit nicht wirklich schlimmen Schimpfworten bedachten.
Hrm.

Da ich nicht zu lange stören wollte (und die Aussicht wetterbedingt ja sowieso eher bescheiden war), schaute ich nur mal kurz aus den Fenstern, machte einen Schnappschuss nach Westen (zur dunstigen Bergstrasse runter)…
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Bild #14

…und einen nach Osten, in den dunstigen Odenwald…
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Bild #15

…stieg dann schnell ab und machte mich wieder auf den Weg, zurück über die Wiese zum Weitwanderweg Odenwald-Vogesen und ein kleines Stück nordwärts.
Auch hier vom Weg hatte man einen schönen Panoramablick über das Weschnitztal, den ich gleich nochmal festhielt:
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Bild #16: Hügelland im Weschnitztal von der Waldner-Höhe aus

Nach 100 m. rechts und auf einem bequemen Asphaltweg talwärts, durch einen schattigen Hohlweg…
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Bild #17

…dann vorbei am Watzenhof (einem etwas höherklassigen Restaurant mitten in der Pampa) und schließlich unten mittenrein ins pastorale, sattgrüne Hügelland…
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Bild #18

…mit seinen (zumindest teilweise noch) blühenden Bäumen…
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Bild #19

…und vereinzelten alten Gehöften inmitten schier weiträumiger Weiden und Streuobstwiesen:
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Bild 20: Das ist wohl ein Teil von Balzenbach

Unten im Talgrund dann rechts und die schmale Kreisstrasse runter(Markierung NL2)…
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Bild 21: K4128 (BaWü) bzw. K208 (Hessen) vom Balzenbach nach Nieder-Liebersbach. Natürlich kein Randstreifen oder Radweg, aber hier war so wenig los, dass das überhaupt nicht störte (auch wenn das Foto diese Aussage zu widerlegen scheint, weil dort ja immerhin 3 Autos zu sehen sind. Aber das waren auch die drei einzigen, die mir hier begegnet sind…)

, wobei ich ganz unbemerkt die Landesgrenze passierte und mich plötzlich wieder in heimisch-hessischen Gefilden befand.

Wunderbares Stück, leicht bergab, ruhig und idyllisch zwischen Obsthainen und Weiden mit desinteressierten Kühen…
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Bild #22: Bekanntlich gehört zu jedem Odenwaldlaufbericht mit Foto mindestens ein Kuhbild. Heute war´s knapp, denn das sind die einzigen Kühe, die mir bei dieser Tour begegnet sind.

…und neugierigen Pferden:
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Bild #23: Pferde sind hingegen überhaupt kein Problem, die seh´ ich irgendwie immer viel häufiger als Kühe. Zeichen eines Strukturwandels im ländlichen Raum?

Nach vielleicht einem halben Kilometer näherte ich mich so langsam Nieder-Liebersbach…
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Bild #24: What it says: „Nieder-Liebersbach“

…in das ich schließlich auf der Balzenbacher Str. einlief:
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Bild #25: Balzenbacher Str. in Nieder-Liebersbach

Netter kleiner Ort, in den ich mit ziemlicher Sicherheit bisher noch nie im Leben einen Fuß oder auch nur einen Reifen gesetzt habe. Schön ruhig und wunderbar ländlich, mit vielen alten Höfen und einigen hübschen Fachwerkhäusern, wie beispielsweise dem hier:
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Bild #26: Hausinschrift in Nieder-Liebersbach. Nicht ganz so schmissig-nihilistisch wie die, die ich letztes Jahr in Lützelbach fotografiert hab´, aber trotzdem nett

Geradeaus in Richtung Ortskern durch das abendliche Dorf, an einer Art kleinem Dorfplatz links in die Liebersbacher Str. und schließlich rechts auf dem Weg NL2 aus dem Dorf raus und wieder aufwärts in die idyllischen Hügelwiesen:
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Bild #27: NL2 am Ortsausgang von Nieder-Liebersbach

Der zweite Aufstieg. Weniger lang als der erste und auch nicht so steil, aber so ein bisschen merkte ich jetzt schon das fehlende Training der letzten Wochen. Noch kein Problem, aber es lief doch schon ein klein wenig zäher bergauf als auf dem Stück von Hemsbach zum Waldnerturm.
Allerdings wurde ich dafür ja auch mit Unmengen herrlichster Umgebung belohnt, das machte die kleine Anstrengung mehr als wett:
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Bild #28: NL2 hinter Nieder-Liebersbach

Außerdem hatte ich´s ja nicht soo eilig (war um 18:15 im Kreiswald verabredet, das sah noch entspannt aus), also gönnte ich mir zwischendurch einfach mal ein Päuschen zum Auschütteln der leicht spannenden aber insgesamt gut mitmachenden Rückenmuskulatur und zur Flüssigkeitsaufnahme:
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Bild #29: Der ersten Schluck aus den neuen Flaschen. Aaah, lauwarme Aldi-Isoplörre, wie hast du mir gefehlt! (eigentlich gar nicht… 😀 ).

Nach etwas weniger war´s dann geschafft – der Weg NL2 vereinigte sich mit dem europäischen Fernwanderweg 1 (weiße Raute)…
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Bild #30: Der europäische Fernwanderweg 1 verläuft momentan von Zentraleschweden bis nach Mittelitalien. Wenn er mal fertig erweitert ist, wird er vom Nordkap bis nach Sizilien führen und fast 5000 km lang sein…

…und führte von nun an als wunderbar angenehmer Höhenweg mit leichtem Auf- und Ab und formschönen Windungen durch die grünen Hügel nach Norden:
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Bild #31: Ein bisschen wie beim „Wizard of Oz“ – Follow the yellow brick road, und so weiter… 😉

Wirklich eine wunderschöne Landschaft hier im Weschnitztal – in alle Richtungen die weiten, ganz sanften Hügel mit Weiden und Obstwiesen, hin und wieder mal von einem Wäldchen oder einer Ortschaft aufgelockert, am Horizont begrenzt durch die höheren und meist bewaldeten Höhenzüge der Bergstrasse, der Tromm oder der Knodener Höhe. Alles ist grün, friedlich, pastoral und zugleich stösst man ständig auf kleine Überraschungen (eine schöne Aussicht, ein schattiges Wäldchen, ein kleines Dorf, ein einsamer Weiher), die man aufgrund der abwechslungsreichen Topografie von weitem nicht gesehen hat. Irgendwie das genaue Gegenteil von „wildromantisch“, eine liebliche, ländliche Kulturlandschaft, die auf ihre Art und Weise genauso schön ist wie ein tiefer Bergwald mit schroffen Hängen und schluchtartigen Tälern.

Ich folgte dem europäischen Fernwanderweg mehr als zwei km nach Norden über den Hügelrücken, ganz entspannt und zufrieden.
Links von jenseits des Balzenbacher Tals grüßte noch mal der ferne Waldner-Turm im Gegenlicht herüber…
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Bild #32: Gegenlichtiger Waldner-Turm mit größtmöglichem Zoom

…rechts eröffneten sich immer wieder schöne Blicke über das Haupttal hinweg bis zum mächtigen Tromm-Massiv, dass sich wie eine dunstig-blaue Wand über den Hügeln und kleinen Anhöhen erhob.
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Bild 33: Blick vom Fernwanderweg 1 nach Osten. Hier sieht man mal, wie dicht besiedelt das Weschnitztal eigentlich ist – hier gibt es Dutzende Weiler, Dörfer und kleine Städte, aber normalerweise fallen die zwischen den Hügeln einfach nicht auf.

Hin und wieder mal ein kurzes Verweilen für einen Ausblick, ein paar besonders schöne Wildblumen am Wegesrand…
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Bild #34

…oder um einem noch langsameren Zeitgenossen die Vorfahrt zu gewähren:
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Bild #35. Uhh, das ist ja ein fieses Loch hinterm Kopf…

…ansonsten ganz glücklich und entspannt weiter. Durch ein schattiges Wäldchen, dann an einem langen Waldrand entlang, über die Fahrstrasse von Bonsweiher nach Ober-Liebersbach, und schließlich haarscharf vor einem fiesen Anstieg (puuh, Glück gehabt… :D) rechts vom Europäischen Fernwanderweg ab auf den Lokalweg Bo2 runter nach Bonsweiher.

Kleine Kuppe im Wald, direkt dahinter eine tolle Anhöhe direkt über Bonsweiher…
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Bild #36

…von der man – einmal mehr – einen grandiosen Ausblick über das mittlere Weschnitztal hatte. Na ja, oder zumindest gehabt hätte, wenn´s nicht so diesig gewesen wäre. Hab´ mich aber trotzdem mal an einem extrbreiten Panoramabild versucht. Nicht so richtig gelungen, aber hey…
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Bild #37: Fragt mich nicht, welche Orte das sind oder wie die Berge heissen. Im Weschnitztal kenn ich mich (noch) nicht gut genug aus…

Und abwärts, durch einen schattig/sonnigen kleinen Hohlweg…
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Bild #38#

..runter ins abendliche Dörfchen Bonsweiher…
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Bild #39

…durch das ich im Winter ´07/´08 schon einmal gelaufen war.

Unten angelangt dann links, die Edertalstr. hoch…
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…und dann nach einem halben Kilometer der gelben 3 folgend scharf rechts zum letzten Aufstieg vor dem Ziel.

Na ja, zumindest dachte ich, dass es der letzte Aufstieg wäre. Bis ich nach 150 ordentlich steilen Metern den Bonsweiherer (Bonsweiher? Bonsener?) Friedhof erreichte…
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Bild #41

…und stutzig wurde.
Am Friedhof hatte ich doch gar nicht langgewollt, oder?
Studium des Streckenplans, dann stand fest: Ich war zu früh abgebogen. Die gelbe 3 war zwar richtig, aber weil´s ein Rundweg ist, führt der zweimal aus Bonsweiher raus (bzw. einmal rein und einmal raus), und ich hatte den falschen Teil des Weges erwischt.

Also: Umkehr.
Wieder bergab zurück an die Edertalstr., dann rechts (auf der gelben 3 war ich ja jetzt schon, jetzt musste ich ihr ja nur noch folgen) durch den Alten Weg…
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Bild #42

…und schließlich nochmal rechts, aus Bonsweiher raus in Richtung der Teichanlage Unerts:
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Bild #43: „Unerts“ ist ein total komisches Wort, oder?

So, jetzt aber der letzte Aufstieg (dachte ich…).
Und was für ein herrlicher!

Ganz bequemer Weg mit minimaler Steigung…
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Bild #44

…durch ein betörend schönes Seitental mit blühenden Hangwiesen voller Obstbäume…
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Bild #45

…in dem es nach Gras und Natur roch, und die Grillen zirpten (fast schon wie im Sommer) und die schräge Abendsonne mit wunderbar weichem Licht von links durch die Bäume schimmerte:
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Bild #46

Nach 700 m. passierte ich schließlich die Teichanlage Unerts, auf deren Oberfläche ein weisser Film aus Blütenblättern der umliegenden Bäume schwamm…
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Bild #47: Schön zu sehen, dass man hier nicht auf Stechmückenimporte aus der Rheinebene angewiesen ist, sondern sich seine eigenen Blutsauger züchtet… 😀

… und erreichte dann den Waldrand am Ende des Tals.

Da war dann Schluss mit lustig.
Von Bonsweiher bis zum höchsten Punkt dieses Aufstiegs waren es ca. 100 Höhenmeter auf insgesamt 1,1 km Strecke.
Bis hierher war ich zwar schon 800 m. davon gelaufen, hatte aber gerade mal 40 oder 50 Höhenmeter bewältigt.
Machte laut Adam Riese 60 Höhenmeter für die letzten 300 m. Strecke
Autsch:
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Bild #48: Ok, ganz so steil wie es aus dem Bild wirkt war es vielleicht nicht, weil ich da (vor Entsetzen?) den Foto schief gehalten habe. Aber happig war´s trotzdem!

Ach du…
Da machte sich das mangelne Berglauftraining der letzten Wochen erstmals voll bemerkbar.
Zog bös rein!

Eigentlich ja ein schönes Stück, mit imposanten Findlingsansammlungen und Steilwänden neben dem Weg…
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Bild #49

…aber ich war zu sehr mit Atmen beschäftigt, um das richtig geniessen zu können.

Als ich nach gefühlten 30 Jahren oben ankam (mögen aber auch nur ein paar Minuten gewesen sein), war ich doch schon ordentlich geschlaucht.
Wahrscheinlich achtete ich deshalb nicht so genau auf den Weg und bog – ohne viel Nachzudenken – kurzerhand an der ersten Kreuzung rechts ab.
Schöner Waldweg direkt oberhalb des Quälstücks, das ich gerade hochgekeucht war, angenehm zu laufen, gut zum Atemholen.
Bloss eins fehlte: Die Wegmarkierung. Laut Plan hätte ich auf der gelben 8 weiterlaufen sollen, doch von der war nirgendwo eine Spur zu entdecken.

Wenn man im Odenwald auf einer Strecke unterwegs ist, die markiert sein sollte, aber die Marker nicht findet, gibt es im Prinzip zwei Möglichkeiten:
1) Es hat einen Fehler bei den Markierungsarbeiten des Odenwaldklubs bzw. des Geo-Naturparks gegeben und deshalb fehlen die Marker oder sind nicht richtig gesetzt.
2) Man hat sich verirrt.

1) ist mir den zwei Jahren, die ich intensiv die Wegmarkierungen nutze, fast nie untergekommen, dazu machen die Verantwortlichen einen viel zu guten Job.
Also bleibt 2): Verirrt.

Und so war´s auch. Hatte schon wieder eine falsche Abzweigung genommen und lief nun fast in die Entgegengesetzte Richtung meines eigentlichen Ziels. Zwar eine hübsche Strecke…
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Bild #50

…aber so langsam kriegte ich doch ein bisschen Hunger, und außerdem war ich inzwischen schon ziemlich spät dran.
Also nutzte ich die nächste Gelegenheit zur Korrektur und bog halblinks auf einen Asphaltweg am Waldrand ab, der dann auch wieder markiert war – mit der gelben 3.
Genau der Weg, den ich hochgekommen wäre, wenn ich beim ersten Verirren am Bonsweiherer Friedhof weitergelaufen wäre.
Zweimal verirren = Einmal richtig.
Oder so ähnlich… 😉

Immerhin, jetzt war´s fast geschafft, die gelbe 3 mit minimaler Steigung aufwärts, durch eine herrliche, löwenzahnblütige, grillenzierpige Frühlingswiese…
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Bild #51

…samt hochaufgeschichteten Holzscheitmauern…
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Bild #52

…und einem waschechten Kunstwerk…
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Bild #53: Laut einer unten angebrachten Plakette heisst die Skulptur „Zukunft“, wurde von Ingrid Scholz aus Wald-Michelbach aus einer Douglasie geschnitzt und von der Kreissparkasse Starkenburg gesponsert

…dann abwärts durch ein kleines Wäldchen, und schließlich hinaus in die sonnigen Streuobstwiesen vor dem Kreiswald:
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Bild #54

Jetzt nur noch 200 m. links den Weg hoch, und schon war ich am Ziel…
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Bild #55: Der Bembel mit Äbbelwoi, traditionelles Symbol hessischer Gastlichkeit 😀

…im Landgasthaus Zum Kreiswald
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Bild #56: Genau. Da geht´s rein

…wo ich seit mindestens 20 Jahren nicht mehr gegessen hatte (als ich klein war, waren wir hin und wieder mal mit der Verwandschaft hier, ich erinnere mich ganz vage an herrlich laue Sommerabende, Erkundungstouren in die Wiesen mit meinen Cousins und meiner Cousine und Käsebrote mit Paprikapulver drauf…).
Um so netter war´s, hier mal wieder einzukehren und auf der luftigen Terasse mit Blick auf die Pferdeweiden das obligatorische und total leckere Laufdurchdenodenwaldgeschafftkochkässchnitzel zu verspeisen…
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Bild #57: Eigentlich wollte ich ja erst was anderes nehmen, aber mit Traditionen bricht man nicht so leicht… 😉

…zusätzlich ergänzt durch einen traumhaften Nachtisch, den ich mir dann auch noch gönnte (weil ich mich verirrt hatte und deshalb viiiiel weiter gelaufen und viiiiiiel mehr Kalorien gebraucht hatte und das deshalb in Ordnung war. Oder vielleicht auch einfach nur, weil ich Lust hatte…):
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Bild #58: Bayrische Creme in Himbeermark mit frischen Kiwischeiben. Das war gut!!!!!

Und das war´s dann.
Sehr schöne Tour. Das Berglaufen war besser als befürchtet, wenn auch schlechter als erhofft, also vollkommen okay. Die Landschaft war wunderbar, das Wetter in Ordnung, gab viel zu sehen, hat doll viel Spass gemacht, ich hab´ mich mal wieder verirrt, und zum Abschluss gab´s auch noch ein richtig gutes Essen.
Größere Probleme gab´s keine, am Ende war ich zwar müde, aber nicht erschöpft (und das kann zum Teil auch daran gelegen haben, dass ich so dick und satt und zufrieden war).
Alles prima!

Strecke: 12,8 km
Zeit: Nicht schnell.
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 94,53% (12,1 km von 12,8 km)
Karte:
hemsbach-kreiswald

M.

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24 Antworten to “Von der Bergstrasse ins Weschnitztal: Hemsbach – Kreiswald mit Fotos (12,8 km)”

  1. Hannes Says:

    Ach, Matthias – wieder ein einfach traumhafter Bericht deiner Tour. Da kann man sich richtig gehen lassen, mitfühlen und den Rest vergessen, wenn man das liest. Schön durch’s Grün und über die Hügel. Gekrönt mit einem so himmlischen Nachtisch (der aber nun gar nicht zur Hauptspeise passt ;P)

    Mensch, du hast mir dieses Mal nicht nur wieder Lust geschenkt, endlich wieder raus zu kommen, sondern auch noch Hunger gemacht 😀

  2. matbs Says:

    Hi Hannes,

    ja war schön, vor allem weil ich endlich mal wieder ein bisschen in die Berge konnte.
    Schön, dass es dir gefallen hat.

    Ob der Nachtisch nicht zur Hauptspeise gepasst hat, weiss ich gar nicht.
    Aber er hat auf jeden Fall AUF die Hauptspeise gepasst… 😀

    Du kannst ja sicher auch bald wieder anfangen, also halt´ durch, und wenn´s soweit ist, gönn´ dir auch mal was Leckeres unterwegs.

    Alles Gute

    Matthias

  3. Kümmel Says:

    Du scheinst ja zum Glück in kein Schlagloch getreten zu sein 😉

    Die politischen Grenzen sind manchmal seltsam. Watzenhof und Balzenbach sind noch in BaWü, aber geoligisch ist man auch dort schon im (natürlich hessischen) Weschnitztal willkommen.

    Du kannst ja mal auf der Strecke über Ober-Laudenbach zur Juhöre die diversen Grenzübertritte dokumentieren, da verliert man vollkommen den Überblick.

    Bezüglich der Größe bin ich mir nur sicher, dass es das größte Odenwaldtal mit Bergstraßenanschluss ist. Die Gersprenz zieht sich jedenfalls auch über ein paar dutzend Kilometer mit nicht unwesentlicher Talbreite, wobei man dort spätestens ab Dieburg nicht mehr von einem Tal sprechen kann. Ist irgendwie schwer zu definieren.

    Ich hatte mir ja ursprünglich überlegt, ob ich im Bereich des Turmes mal auf einen einsamer Jogger warte, aber bei dem Trubel bin ich dann doch froh nicht dort gewesen zu sein.

  4. matbs Says:

    Hi Kümmel,

    nein, ich hab´ die Fahrstrasse hoch zum Waldnerturm ja dann doch umgangen – zum Glück, denn sonst hätte ich den schönen Friedhof verpasst.

    Ober-Laudenbach ist mir auch schon auf der Wanderkarte aufgefallen (hingekommen bin ich leider noch nicht), da verfällt die Landesgrenze ja wirklich komplett dem Wahnsinn – wenn ich das richtig mitgekriegt habe, ist die Dorfstrasse badisches Territorium, die daran stehenden Häuser gehören aber zu Hessen…
    Und dazu dann auch noch diverse vollkommen wirre Enklaven, Exklaven und Grenzschlenker – wirklich total seltsam.

    Das mit den Definitionen ist ja sowieso immer so eine Sache. Ich bin mir z.B. nicht sicher, ob man das Kirschhäuser Tal oder das Schlierbachtal noch zum Weschnitztal zählen kann/darf/muss oder nicht. Und ähnlich ist es auch mit dem Oberlauf der Weschnitz jenseits der Tromm – gehören z.B. Hammelbach oder Weschnitz noch dazu oder nicht?
    Und wo im Süden in Richtung Gorxheimer Tal/Abtsteinach/Wald-Michelbach genau Schluss ist weiss ich erst recht nicht, da kenn´ ich mich einfach nicht mehr gut genug aus.

    Aber beim Gersprenztal hab´ ich es mir immer einfach gemacht und pauschal angenommen, dass bei Brensbach und Wersau Ende ist und dann das Dieburger Land anfängt. Kann aber auch falsch sein… 😉

    Ist auf jeden Fall beides ziemlich groß.

    Am Waldnerturm hast du sicher nichts verpasst, war wirklich arg voll und wie du auf den Bildern siehst war ich rotgesichtig und unrasiert (eins davon bin ich immer noch…), also bestimmt kein „Must-See“-Ereignis. 😀
    Außerdem hab´ ich ja vor, demnächst noch öfter in deiner Ecke vorbeizuschauen, da findet sich sicher noch die eine oder andere Gelegenheit, auf einsame Jogger zu warten. 😉

  5. Kümmel Says:

    Ja stimmt, das mit dem Friedhof ist interessant. Von der Straße unten sieht man ja nur eine Mauer und ein entsprechendes Tor. Ich habe mir aber auch noch nie Gedanken gemacht, ob der noch „aktiv“ sein könnte oder nicht.

    Ober-Laudenbach (http://de.wikipedia.org/wiki/Ober-Laudenbach) ist eben eine dieser hessischen (und in dem Fall natürlich auch badischen) Besonderheiten – z.B. neben Todesstrafe. Aber sieht auf der Karte alles spektakulärer aus, als es ist. Ich bin mal durchgefahren und man bemerkt natürlich gar nichts.

    Die Definitionen rund ums Weschnitztal sind aber halbwegs eindeutig. Schlierbach gehört (bis hoch nach Breitenwiesen, Kolmbach, dem Kaiserturm auf der Neunkirchner Höhe und Lindenfels) natürlich mit zum Weschnitztal. Die ersten Nicht-Weschnitztäler in der Ecke sind Schannenbach/Knoden, Gadernheim/Raidelbach und Winterkasten.

    Ähnlich sieht es in Weschnitz aus. Weschnitz, die Walpurgiskapelle und halb Hammelbach, gehört dazu, dagegen Ober-Ostern, Halb-Hammelbach und Grasellenbach nicht mehr.

    In beiden Fällen (Schlierbach und Weschnitz) fließt das Wasser in Richtung eines gemeinsamen Punktes (wie alles Wasser des Weschnitztals durch die Weinheimer Mühlenschlucht und überwindet somit keine Wasserscheide, was definitiv die Grenze eines Tals wäre. Weschnitz hat über Leberbach zwar einen eigenen sehr engen Teil und würde damit die Definition eines eigenen Tal(-ausgangs) erfüllen, aber gehört nicht zuletzt wegen des Namens natürlich dazu. Aber auch mit anderem Namen dieses Teils wäre es eben ein Nebental, das sein Wasser ebenfalls in Weinheim abliefert.

    Somit endet das Weschnitztal für mich definitionsmäßig in Weinheim, weil die Front der Bergstraße eine sehr gute Abgrenzung sein kann.

    Das Gorxheimer Tal ist ein eigenes Tal. Beide Täler enden bzw beginnen in Weinheim (wo der zuletzt unterirdische Grundelbach in die Weschnitz übergeht). Um aus dem Weschnitztal ins Gorxheimer Tal zu kommen, muss man entweder über diesen gemeinsamen Beginn oder über eine Wasserscheide gehen, womit man sich in einem anderen Tal befindet.

    Ähnlich ist es mit dem Kirschhäuser Tal. Es hat einen eigenen Ausgang Richtung Bergstraße. Um aus dem Weschnitztal dorthin zu kommen, muss man eine Wasserscheide überwinden, auch wenn das in diesem Fall eine Hauptverkehrsader ist.

    Alle diese Täler (von der Aufteilung der Lauter in Bensheim bis runter nach Großsachsen/Heiligenkreuz [erst Schriesheim hat einen Neckarzufluss] mündet alles Wasser in der Weschnitz und damit bei den Biblis-AKWs in den Rhein womit auch alles zum Weschnitzsystem gehört, aber das eigentliche Weschnitztal endet in Weinheim.

  6. Gerd Says:

    Lieber Matthias,
    wie immer ein traumhafte Beschreibung unserer traumhaften Gegend. Was ich nicht verstehe ist.
    Wie schaffst Du es nach nur knapp 13 Kilometern solche Portionen zu verdrücken. Du müsstest eigentlich doppelt so breit sein. 😉
    Und lässt Du dich jetzt wieder zuwachsen???
    Ich hoffe es klappt im Mai mit wenigstens einem unserer Läufe!
    Gruß Gerd
    Jetzt hab ich wieder Hunger gekriegt wenn ich Dich beim Essen sehen. 😆

  7. matbs Says:

    @ Kümmel: Hehe, Ober-Laudenbach ist also wie die Todesstrafe. Das ist lustig. 😀

    Der jüdische Friedhof ist anscheinend normalerweise verschlossen, aber er wird wohl noch gepflegt, man kann sich den Schlüssel irgendwo in Hemsbach abholen, und es gibt wohl auch Führungen.

    Hui, du hast ja ´ne ganz schön weite Definition vom Weschnitztal, aber ich weiss ja nicht, ob die so praktikabel ist – sonst müsste man ja z.B. auch den Neckar zwischen Heidelberg und Heilbronn zum Rheintal zählen, weil er ohne Wasserscheide direkt in den Rhein fliesst… 😉

    Wobei wahrscheinlich auch die persönliche Wahrnehmung eine Rolle spielt. Für mich ist das Weschnitztal gefühlt z.B. viel weiter weg als das Schlierbachtal, entsprechend wollen die im Kopf nicht so zusammen passen.
    Andererseits passt das Kirschhäuser Tal in der Karte im Kopf bestens ans Weschnitztal dran, also wird´s dazugestopft.
    Lindenfels würde ich ebenso wie die Tromm ebenfalls nicht dazuzählen, einfach weil´s ja nicht IM Tal liegt sondern eher oben.
    Also höchsten AM Tal.

    Und bei der Neunkircher Höhe muss ich dir sogar entschieden widersprechen, schließlich ist der Kaiserturm am höchsten Punkt, entsprechend geht´s da in alle Richtungen gleichermaßen bergab. Und die Quellen der Modau, der Lauter, des Fischbaches und der Gersprenz sind alle direkt am Berg (ich glaube, die Lauterquelle oder die Gersprenzquelle sind am nächsten am Gipfel), also müsste man die Höhe eher zum Lauter-, Modau-, Gersprenz- oder Fischbachtal zählen.
    Aber ist ja oben, und deshalb gar kein Tal… 😉

    Aber zumindest grob liegen wir ja trotzdem auf einer Linie – Weschnitztal ist die Ecke zwischen Fürth und Birkenau, mit Auswüchsen in verschiedene Richtungen… 🙂

    @ Gerd: Ha! In die „du kannst alles essen was du willst und nimmst nicht zu“-Ecke hat mich in über 30 Jahren noch nie jemand gestellt.
    Ich nehm´s mal als Kompliment, vielen Dank!
    Wobei ich in Wirklichkeit natürlich auch doppelt so breit BIN. Ich kleide mich einfach vorteilhaft… 😀

    Das mit dem Laufe klappt auf jeden Fall, schick´ dir nachher noch ´ne Antwortmail.
    Guten Appetit!

    So, Kinder und jetzt muss ich mal Fotos sichten gehen, hab´ heute nämlich schon wieder einen unglaublich wunerbaren Lauf mit der Kamera gemacht, der will nachbereitet sein.
    So langsam muss ich aufpassen, dass ich keinen Schöne-Touren-Burnout kriege… 😉

    Matthias

  8. Christian Says:

    He Matthias, was muss ich sehen ? Höhenmeter satt, gratuliere Dir zu den ersten Bergkilometern nach der Laufpause. Scheint so, als ob der Körper wieder funktioniert.
    Ein ganz schöner Bericht, so richtig nach meinem Geschmack, ich hätte noch zwei oder drei weitere Verirrungen vertragen können, ich weiss nur nicht, ob ich dann überhaupt einen Bericht hätte lesen können 😉 Vielen dank fürs Mitnehmen und die schönen ausdrucksstarken Bilder

    Salut

    Christian

  9. matbs Says:

    Hi Christian,

    naja, „satt“ würde ich nicht sagen, waren insgesamt vielleicht 400 bis 450 HM, also eher moderat – bis ich mal wieder einen Höhenkilometer in einem Lauf hinlege, wird´s wohl noch ein bisschen dauern (obwohl – der Gerd wollte an Himmelfahrt mit dem Nibelungensteig anfangen. Hmmm…).
    Hat aber auf jeden Fall viel Spass gemacht, ein bisschen vermisst hab´ ich die Berge schon.

    Ich versuch´ mich demnächst mal wieder so heillos zu verirren, dass ich stundenlang durch die Pampa geistern muss. Aber versprechen kann ich nix, mein Orientierungssinn und meine Ortskenntnis sind auch nicht mehr das, was sie mal waren (sondern besser 😀 ).

    Gruß

    Matthias

  10. Kümmel Says:

    Ist doch wie beim Tennis. Linie ist noch gut. In dem Fall zählt die Grenze oder auch ein Bergrücken ebenfalls noch dazu (für beide Seiten) oder im Falle eines Berggipfels sogar für mehr als zwei. Dementsprechend gehört auch das kleine Plateau des Kaiserturms noch dazu. Nicht ausschließlich, aber das hat auch keiner gesagt. Schau dir die Höhenlinien auf den Karten (z.B. der 5) an. Am Gesamtmassiv der Neunkirchner Höhe hat die Seite des Weschnitztals natürlich nur einen kleinen Anteil am Kuchen (wenn man die Neunkirchner Höhe platt drückt und in Scheibchen schneidet), aber er ist vorhanden. Dass auf den anderen Flanken andere Bäche entspringen hat niemand bestritten.

    Und Lindenfels müsstest du mittlerweile eigentlich kennen. Lindenfels liegt an einem sehr steilen „Hang“ und hat Gebiete sehr weit unten und sehr weit oben. Aber selbst die obersten Häuser bis hoch zur Bismarkwarte liegen noch IM Tal, nämlich am Hang des Tales. Oder ist Tal nur dort wo es flach ist?

    Ich mache doch schon eine Unterscheidung zwischen Weschnitztal und Weschnitztsystem. Die Definition Weschnitztal ist in der Definition des Weschnitztsystems enthalten, nicht jedoch umgekehrt. So gesehen ist der Neckar natürlich ein Nebenfluss des Rheins genau wie der Grundelbach ein Nebenbach der Weschnitz ist, welche natürlich auch ein Nebenbach des Rheins ist. Wenn man sich den Rhein anschaut und ein Rheintal definieren möchte, z.B. bis Koblenz. Dann würden auch Neckar oder Weschnitz Nebentäler dazu liefern. Da diese große Makrosicht aber zu ungenau ist, bleibt vom Begriff Rheintal in der Praxis nur das übrig, was wir heute als Rheintal und Rheinebene kennen und die Nebentäler werden entsprechend anders benannt. Die Definition wird daher nicht falsch, es kommt immer nur darauf an bis wohin man definiert.

    Ich weiß nicht so ganz, warum das Schlierbachtal (als Teil des Weschnitztals) so viel näher sein soll. Natürlich würdest du auf deinem Weg zu dem von dir gedachten Weschnitztal durch Schlierbach kommen können (je nach Route) aber von Schlierbach nach Fürth sind es z.B. nur ca. 4 km ohne wesentliche Verkehrsbeeinträchtigungen.

    Und natürlich ist das Kirchhäuser Tal emotional nicht wirklich abgegrenzt, eben weil man sich auf den Wegen über ie Klinger- bzw. Juhöhe kaum Gedanken macht, dass man sich jetzt in einem anderen Tal befindet – Wobei man auf dem Weg zur Juhöhe auch noch zwischen Kirchhäuser und Erbacher Tal unterscheiden müsste. Verkehrsbedingt ist Kirschhausen natürlich emotional verwurzelt, aber letztlich doch in einem anderen Tal.

  11. matbs Says:

    Hi Kümmel,

    ach, ich weiss nicht… 🙂
    Bergkuppen krieg´ ich mental einfach nicht so richtig in die Täler. Und Lindenfels auch nicht – es liegt oben, und damit nicht IM Tal, also muss es gefühlsmäßig draußen bleiben. 😉

    Das mit dem Schlierbachtal kann ich dir erklären: Wenn du mal über dein geographisches Verständnis der Umgebung nachdenkst, wirst du wahrscheinlich feststellen, dass die Gegenden, die du gefühlsmäßig als „nah“ oder „relativ nah“ definieren würdest, irgendwo aufhören (zumindest geht´s mir so). Jenseits von relativ nah gibt´s natürlich direkt weitere Orte, aber die gehören einfach nicht mehr dazu, selbst wenn sie nur ein oder zwei Kilometer hinter dem letzten Ort von „relativ nah“ liegen.

    Und so geht´s mir beispielsweise mit dem Schlierbachtal.
    Schlierbach ist noch relativ nah (denn nach Schlierbach bin ich schon von der Knodener Höhe gelaufen. Die ist relativ nah. Und auf die Knodener Höhe bin ich schon von Reichenbach gelaufen. Das ist relativ nah. Und nach Reichenbach bin ich schon vom Felsberg gelaufen. Der ist nah. Und auf den Felsberg bin ich schon vom Melibokus gelaufen. Der ist ganz nah).

    Aber hinter Schlierbach hört mein „relativ nah“ auf. Eulsbach gehört schon nicht mehr dazu. Ich weiss, dass es da ist, aber es ist eben nicht mehr „relativ nah“ (vielleicht ändert sich das, wenn ich mal von Schlierbach/Lindenfels/der Knodener Höhe aus hinlaufe?).
    Entsprechend ist mein emotional-kognitiver Bezugspunkt fürs Schlierbachtal natürlich auch nicht das etwas abstrakte und gefühlt „nicht relativ nahe“ Weschnitztal, sondern meine Bezugspunkte sind Lautertal (mehr die Gemeinde als das echte Tal), die Knodener Höhe und die Neunkircher Höhe.
    Und die gehören gefühlt alle nicht zum Weschnitztal – also gehört das Schlierbachtal gefühlt auch nicht dazu.

    Subjektiv?
    Aber hallo!
    Aber so funktionieren wir ja letztlich alle, und gerade im Odenwald mit seinen krummen Strassen und gewundenen Tälern verwischen objektive Entfernungs- und Zugehörigkeitswahrnehmungen ja sowieso. 😉

    Von daher: Was dem einen seinen Weschnitztal ist dem anderen sein mittlerer vorderer Odenwald.
    Und das ist ja auch überhaupt nicht weiter schlimm, oder? 🙂

    Gruß

    Matthias

  12. Kümmel Says:

    Schlimm ist gar nichts. Ich sage ja auch nicht, dass objektive und subjektive Eindrücke nicht verschieden sein können. Ich habe nur versucht eine objektive Definition zu liefern und danach objektiv zu bestimmen, was dazu gehört und was nicht.

    Rein subjektiv könnte ich dir eine Menge Orte nennen, die gefühlt weit unattraktiver (und damit weiter enfternt) sind als z.B. Heppenheim. Ich habe z.B. nichts mit dem Kreiswald zu tun oder bin kürzlich erstmals durch Mackenheim gebraust. Und etwas weiter betrachtet gibt es auch bei mir einen gewissen Schnitt, mit dem ich Bensheim noch zu nah definiere und Auerbach schon nicht mehr.

    Aber ich habe festgestellt, dass man mit der Objektivität eben viel leichter einen nicht mehr fehlinterpretierten Zusammenhang herstellen kann. Beispielsweise habe ich mich gaaaaanz früher als führerscheinloses Kind immer am Eindruck der Straße bzw. was man daneben sieht orientiert und eine Fahrt nach Hammelbach war relativ weit. Dass eine Wanderung von Hammelbach heimwärts dagegen relativ kurz war und man dabei nicht durch Krumbach oder Fürth kommen musste, musste doch irgendeinen Grund haben. Ähnliches wenn man sich die inneren Zwischentäler anschaut. Eulsbach – Erlenbach ist auf der offiziellen Straße recht lang, der direkte Weg dazwischen nicht.

    Letztlich ist es genau die Objektivität, die mich meine „Heimat“ immer noch ein Stück besser kennen lernen lässt. Nicht nur als ich damals die ersten Karten studiert habe.

    Es geht ja gar nicht darum, dass man jetzt sofort subjektive Vorstellungen verändern soll, sondern dass man objektive „Daten“ als ggf. richtig akzeptiert und bei Gelegenheit entsprechend prüfen kann. So konnte ich mir lange nicht vorstellen, dass mein Fenster Richtung Osten zeigt, denn die Lage des Tals („diagonal“ SW nach NO) und der innerörtliche Eindruck haben mich immer an Süden glauben lassen. Irgendwann habe ich über Karten den Eindruck gewonnen, dass da was nicht stimmen konnte und als ich dann irgendwann den Lauf der Sonne beobachtet habe, konnte ich meinen lang gehegten subjektiven Eindruck revidieren.

    So, und wenn es um objektive Maßstäbe geht vielleicht noch mal kurz zusammen gefasst.
    – Stelle dir das Tal doch wie eine große Schüssel vor. Wenn du z.B. Milch in eine Schüssel schüttest, ist es egal, ob du direkt auf den Boden zielst oder irgendwo innen auf die Hangseite, die Milch wird am Ende in der Schüssel landen. Das geht so lange, bis dein Zielpunkt dem Rand bedrohlich nahe kommt. Hat er ihn erreicht, dann wird ein Teil der Milch außerhalb der Schüssel landen. Würde dort direkt angrenzend eine zweite Schüssel stehen, würde die dieser Anteil in ihr landen. Somit ist die Kante bzw. der Bergrücken noch für beide relevant.

    Und so kannst du z.B. beim Eindruck von Lindenfels vorgehen. Wenn du das nächste Mal auf dem Bismarkturm bist, kannst du dich folgendes fragen/feststellen: 1. Wo ist das Weschnitztal? bzw. Wo ist es nicht mehr (->Winterkasten)? 2. Da es in beide (relevanten) Richtungen bergab geht, befinde ich mich auf einem Bergrücken / auf der Grenzen zwischen zwei Tälern. 3. In welcher Richtung liegt Lindenfels? 4. Liegt Lindenfels eventuell in beiden Richtungen (wie beim Beispiel Hammelbach; das eine Gehöft ganz oben könnte eine Ausnahme sein, ist aber nur bedingt relevant)?

    Und noch ein Beispiel. Wenn man „unten“ im Tal auf Lindenfels schaut, sieht man Lindenfels komplett bzw. würde es komplett sehen, wenn es sich nicht „im Kreis“ um die Bergflanke schlängeln würde. Wie könnte das gehen, wenn Lindenfels nicht auch „im“ Tal liegen würde und somit ein (höherer) Bergrücken dazwischen liegen müsste?

    Ich erwarte nicht, dass du meine Ausführen sofort als gegeben hinnimmst und ich erwarte auch nicht, dass du dich als jemand aus „emotionaler Entfernung“ für Details des Weschnitztals interessierst. Es wäre nur schön, wenn du auch mal so ein aha-Erlebnis hast, wenn sich ein neuer subjektiver Eindruck mit dem objektiven Eindruck deckt, der die ganze Zeit mit dem alten subjektiven Eindruck konkurriert hat. Beispiele von mir habe ich ja auch schon genannt.

  13. dauerlaufen Says:

    Traumstrecke! Deine berichte sind gefährlich. Meine Laufstrecken kacken sowas von ab im Vergleich mit deinen Erkundungen. Ich fühle mich angespornt das zu ändern. Danke dafür! Ich freue mich auf mehr.

  14. Torsten Says:

    Schickes Läufchen und endlich mal wieder Berge drin. Da fühlt man sich danach wieder richtig gut, gelle?
    Den Waldner-Turm finde ich klasse so Aussichtstürme gibt’s viel zu wenige. Da ist es immer erfreulich wenn man mal einen findet.
    Das Schnitzel hast du dir wieder mal wirklich verdient nach so einer Tour, den Nachtisch natürlich auch. Bayrisch Creme hatte ich gestern auch als Nachtisch, aber mit Erdbeermus dazu.


  15. […] Von der Bergstrasse ins Weschnitztal: Hemsbach – Kreiswald mit Fotos (12,8 km) […]

  16. matbs Says:

    Hi Kümmel,

    die Aha-Erlebnisse hab´ ich gottseidank immer noch total oft, im Odenwald, aber ich muss das eben immer alles erst selbst erlaufen – die Karte bereitets nur vor, aber sie „aha-t“ noch nicht von alleine.
    Von daher musst du wahrscheinlich einfach noch ein bisschen mehr Geduld mit mir haben, bis ich das Weschnitztal besser verstehe, dann wird das sicher alles auch noch. 🙂

    Bloss die Neunkircher Höhe, die kriegst du nicht von mir, da bin ich mir sicher… 😉

    Danke für die Erläuterungen!
    ___________

    Hi Dauerlaufen,

    ja, pass´ bloß auf, dass du dich nicht ansteckst, wenn du das Virus erst mal hast, geht´s nie wieder weg…
    Wobei dein Strecken sicher nicht „abkacken“, zumindest klingen deine Berichte jetzt nicht so.
    Also: Augen auf und entdecken, gibt nix Besseres!

    Viel Spass dabei!
    ________________

    Hi Torsten,

    Jep, Berge müssen einfach immer mal wieder sein, sonst schafft man ja nichts!

    Mit Aussichtstürmen sind wir hier unten an der Bergstrasse und im Odenwald eigentlich ganz gut bestückt: Da gibts den Ludwigsturm bei Darmstadt, den Aussichtsturm auf dem Melibokus, das blaue Türmchen und den Hemsbergturm hinter Bensheim, den gerade besuchten Waldner-Turm bei Hemsbach, den Hirschkopf-Turm bei Weinheim, den Teltschik-Turm bei Wilhemsfeld (den hab´ ich auch noch nie besucht), die Bismarck-Warte über Heidelberg, den Ohly-Turm auf dem Felsberg (momentan leider nicht begehbar, soll aber demnächst wieder eröffnet werden), den Kaiserturm auf der Neunkircher Höhe (zu dem Gerd und ich demnächst einen Ausflug planen), den Irene-Turm an der Tromm und den Turm auf dem Katzenbuckel (die beiden letzteren hab´ ich zwar schon bestiegen, aber noch nicht erlaufen – noch mehr Ziele! 🙂 ).
    Also gar nicht so schlecht.

    Und Erdbeermus klingt auch lecker. 😉

    Gruß

    Matthias


  17. […] Von der Bergstrasse ins Weschnitztal: Hemsbach – Kreiswald mit Fotos (12,8 km) […]

  18. Franz Nagel Says:

    Hallo,
    schöne Fotos!
    Zu Bild #35:
    Das große Loch, das die Wegschnecke hinterm Kopf hat, ist ganz normal – es dient ihr zum Atmen.
    Gruß aus Darmstadt
    Franz

    • matbs Says:

      Hallo Franz!

      Dankeschön!

      Das mit dem Loch wusste ich nicht, ist mir irgendwie noch nie bewusst aufgefallen.
      Sehr interessant, vielen Dank für die Info!

      Gruß zurück aus dem Darmstädter Umland 🙂

      Matthias

  19. Ti Says:

    Hallo!
    Wir kennen uns zwar nicht, aber das macht ja nix. Habe eben zufällig deinen Laufbericht übers Weschnitztal von vor einem Jahr gefunden; eine überaus zutreffende Beschreibung, was die Schönheit der Gegend anbelangt, fand ich! Und dann kam ein Bild von MEINEM STÜCK LIEBINGSWEG…(WAS?? Läuft er auf MEINEM WEG???) 🙂 Das hat mich ja gefreut, meine „Hausstrecke“ mal belobigt zu sehn! Ich laufe da seit über zwei Jahren „rum“, und es wird mir niiieee langweilig! Im Gegenteil, es ist überaus heilsam.
    Schön, dass wir sowas haben, gell.
    Herzlichen Gruss, Ti

  20. matbs Says:

    Hallo Ti!

    Du, ich kenn´ die meiste Leute hier nicht, das ist ganz normal und ist überhaupt nicht schlimm. 😀

    Freut mich auf jeden Fall, wenn du dein Revier gut wiedererkennen konntest – ist aber auch wirklich eine schöne Ecke bei euch da unten, da ist man wirklich gerne unterwegs.

    Ich hoffe, es war ok, dass ich DEINEN WEG benutzt habe, ausnahmsweise und so… 😉

    Vielen Dank für den netten Kommentar!

    Gruß von Nordende der Bergstrasse

    Matthias


  21. […] – Rimbach – Kreiswald (15,6 km) 1. Mai 2010 Am ersten Mai vor einem Jahr war ich mit der Familie im Odenwald essen, im Gasthaus Kreiswald bei Albersbach am Rand des […]


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