Flaues Ründchen bei Bauschheim (9,1 km)

8. Mai 2009

Eigentlich wollte/sollte ich heute ja nicht laufen gehen.
Bei den Touren gestern und vorgestern hatten sich die Beine schon ein bisschen beschwert, weil sie die ganz regelmäßige Rennerei nicht mehr so gewohnt waren, da wäre ein Regenerationstag an sich angebracht gewesen.

Aber andererseits war heute ganz schönes Wetter.
Und ich musste nach Mainz rüber, und da gibt´s ja bekanntlich Unmengen unerlaufener Landschaft links und rechts des Weges.
Und ich hatte – natürlich gaaanz zufällig – die Laufsachen dabei.
Und – natürlich auch gaaanz zufällig – einen Streckenplan…

Tja, wenn der Zufall sich so stark einmischt, da kann man sich natürlich nicht verwehren, also hab´ ich mich doch noch für eine kleine Runde etschieden – aber extra nur eine ganz kurze, schließlich muss man´s ja nicht übertreiben… 😉


Also, morgens nach Mainz gedüst, wichtige Dinge erledigt, und auf dem Rückweg vor Rüsselsheim runter von der A60 und in mittenrein ins heutige Zielgebiet, den bisher unerlaufenen Rüsselsheimer Ortsteil Bauschheim.

Start auf dem großen, irgendwie verworrenen (nach der Tour hab´ ich mich hier noch ein bisschen verirrt als ich die Ausfahrt gesucht hab´) des Rhein-Main-Zentrums, einem lokalen Einkaufszentrum.
Irgendwie starte ich in letzter Zeit oft an solchen Orten.
Aber der hier hatte wenigstens einen Nostalgiebonus, denn bevor das Rhein-Main-Zentrum zum Rhein-Main-Zentrum wurde, war´s der Massa-Großmarkt, in dem meine Mutter immer mal mit mir einkaufen gegangen ist, also ich klein war – so Anfang/Mitte Achtziger, damals war das alles irgendwie viel größer hier.

Aber gut, irgendwie sind Großparkplätze an Wellblechbarackigen Einkaufsmärkten nicht so richtig nostaglieförderlich, also hielt ich mich nicht lange auf, dehnte noch kurz, schaltete die Stoppuhr ein (mal wieder Zeit nehmen!) und machte dann, dass ich loskam: Runter vom Parkplatz an die Brunnenstr., dort auf dem Radweg (eigentlich nur der Seitensreifen, aber da hatte die lokale Strassenmeisterei hin und wieder mal ein Fahrrad draufgemalt) westwärts nach Bauschheim hinein.

Lief von Anfang an gar nicht besonders gut, ich fühlte mich leicht abgespannt, ein bisschen zittrig, und unkonzentriert. Wahrscheinlich aus mehreren Gründen:
– Der dritte Lauf innerhalb von 48 Stunden, an so eine Frequenz hat sich mein Körper noch nicht wieder gewöhnt.
– Schwülwarm-drückendes Wetter, war selbst dann stickig, wenn die Sonne von der dichten aber nicht durchgängigen, blaugrauen Wolkendecke weggeblockt wurde.
– Und ich hatte heute noch nichts gegessen, gerade zur Mittagszeit merkt man das (eigentlich hatte ich in Mainz was essen wollen, doch heute morgen war ich dummerweise aufgebrochen, ohne zu überprüfen, ob mein Portemonaie auch wirklich in meiner Umhängetasche steckte. Ergebnis: Portemonaie und EC-Karte daheim, verfügbare Barschaft aus irgendwelchen Taschen 38 Cent, dafür gibt´s kein Mittagessen. Also hungrig auf die Piste).

Alles zusammen war… nicht so ideal, das merkte ich bereits kurz nach dem Start. Aber vielleicht würde sich das ja noch rauslaufen.

Direkt nach dem Bauschheimer Ortsanfang rechts auf den Regionalparkweg, der auf der Alpenstr. durch den Ort führte, der – wieder mal – von ruhigen Wohngebieten mit bescheidenen Eigenheimen und Reihenhäusern dominiert wurde.

Nach 250 m. am kleinen Gerätehaus der Bauschheimer Feuerwehr links und dem Regionalparkweg folgend durch die Strasse „Im Grundsee“ (weiterhin: Bescheidene Eigenheime mit kleinen Gärten), am Friedhof links auf der Lengfelder Str., an den Ortsrand, dort dann rechts und zwischen Feldern, Kleingärten, Friedhof und den dichten Hecken des Vogelschutzgebietes Erslache endgültig aus Bauschheim raus und schließlich links auf dem Treburer Weg in die Felder.

Hübsche Felder, übrigens. Hatte gar nicht damit gerechnet, aber die Landschaft hier ist überraschend apart, mit vielen Hecken, Gräben und Wäldchen, die das Ackerland auf angenehme Art und Weise auflockern. Gefiel mir, zumindest soweit ich das ob meiner nicht ganz optimalen Tagesform aufnehmen konnte.
Etwas kompliziert war allerdings die Navigation – ich war ja wie gesagt irgendwie ziemlich unkonzentriert, und beträchtliche Teile meiner höheren Hirnfunktionen waren damit beschäftigt, die Information „Mann was hab´ ich einen verdammten Hunger“ zu verarbeiten, und da auch noch die Sonne hinter den Wolken versteckt war, hatte ich nach kurzer Zeit völlig das Orientierungsgefühl verloren.
Wo war Norden?
Keine Ahnung.
Zum Glück war mein Streckenplan gut und ich folgte dem exzellent ausgeschilderten Nationalparkweg, der zudem noch den Vorteil hatte, ab und an eine Infotafel zu einer Hecke, einem Graben oder einem umgestürzten Stein zu bieten, die ich mit großem Interesse goutieren (und dabei verschnaufen) konnte.
Puuh.

Und weiter, mal links, mal rechts durch die grünen, abwechslungsreichen Felder, vorbei an ein paar Gehölzen, in der Ferne kleine Riedorte (hey, das da hinten kam mir bekannt vor, das sah irgendwie wie Astheim aus, das kenn ich, da wohnen Freunde der Familie), hin und wieder mal eine einsame Scheune mit Schwalbennestern unterm Dach (hier hatte es viele Schwalben, die beneidete ich heute irgendwie um die Leichtigkeit, mit der sie sich bewegten), einmal eine kleine scharze Katze neben einer Scheunenmauer (hmm, Katze… Vielleicht sollte ich die fangen und aufessen? Hunger!!!), rechts neben dem Weg ein heckenbekränzter Flutgraben, der – wie mich eine wirklich interessante Infotafel aufklärte- die Verlängerung der Rüsselsheimer Horlache ist, bereits im Mittelalter von Mönchen angelegt wurde, und sich von Raunheim bis Ginsheim zieht (was einer Länge von 15 bis 20 km entsprechen dürfte, das ist ´ne Menge Flutgraben für so ein paar alte Mönche).
Wirklich hübsch.
Wenn ich nur nicht so wattig im Kopf und so hungrig im Bauch gewesen wäre…

Inzwischen hatte sich die Hoffnung, dass es mit dem Laufen besser werden würde, doch ziemlich eindeutig erledigt, tatsächlich lief´s eher schlechter, ich schlich im unsteten Schneckentempo durch die hübsche Landschaft, schwitzte und schnaufte als wäre ich nicht im Flachland sondern im Hochgebirge unterwegs, dachte wirr über wirres Zeug nach, und mein lautes Bauchgrummeln verjagte Vögel, Insekten und kleine Säugetiere am Wegesrand.
Jetzt nicht unerträglich schlimm oder anstrengend, aber halt irgendwie müde, schlaff, wacklig.
Da machte ich dann die Stoppuhr wieder aus – Zeitnahme sinnlos, das musste heute nicht sein…

Nach ca. 1,8 km links vom Regionalparkweg ab und durch ein Wäldchen aus jungen, relativ frisch aufgeforsteten Bäumen nordostwärts. Auch hier wieder: Überraschend schönes Stück, gerade in der soeben rausgekommenen Sonne, gefiel mir.
Außerdem hatte ich Hunger.

Irgendwann über eine Landstr. (L3482), auf der anderen Seite mehr Wald und bald darauf so eine Art einsames, von einer großen Mauer umgebenes Anwesen mit mehreren Häusern drin, laut Wanderkarte der Schönauer Hof. Sah nett aus, obwohl ich Hunger hatte.

Direkt nach dem Schönauer Hof wurde es dann kompliziert. Seltsame Wegführung um einen Satz Bahngleise mitten im Wald zu überwinden: Rechts auf einer unsäglich unbequemen Treppe (die war für Radfahrer ausgelegt, ganz flache Stufen mit zwei Fahrradrinnen, nicht gut zu laufen) an eine Schnellstrasse hoch (L3012. Nanu, wo war die denn auf einmal hergekommen?), am Strassenrand über die Gleise, auf der anderen Seite wieder runter und dann…

ääähh, wohin denn jetzt?
Wie gesagt, nicht der beste Tag für meine Orientierung, und die verschiedenen Richtungswechsel eben hatten mich vollends verwirrt.
Ein, zwei Minuten mit gerunzelter Stirn und stierem Blick das Plänchen studiert:
„Öööööööh. Also da ist Norden [Hunger] und da bin ich gerade herge… nee, stimmt ja gar nicht [Hungerhungerhunger], ich bin ja von… pff, nein, also [HUNGER!!!!] da, also muss ich dann jetzt da rüber oder was [Huhuhunger!!!]…?“

Irgendwann hatte ich es dann doch halbwegs geschnallt (hoffte ich): Zuerst ein Anstecher nach rechts, Unterführung unter der Strasse durch, auf der ich gerade eben die Bahngleise überquert hatte (aber wenn ich erst drüber und dann zurück drunter bin ich dann nicht wieder da wo ich vorhin los bin? Pff, am besten nicht drüber nachdenken), ein Stück geradeaus bis zur nächsten Abzweigung am Waldrand vor der alten Opel-Rennbahn.
Dort war ich letzten Herbst schonmal vorbeigekommen, damit war der Anschluss der heutigen Tour ans restliche Streckennetz vollzogen – nachdem das erledigt war: Umkehr.
Wieder zurück durch die lange, finstere Unterführung unter der Strasse und auf der anderen Seite rechts, nordwärts.
Zum Glück hatte es hier wieder einen Regionalparkmarker, dem musste ich von nun an nur folgen ohne dabei viel nachzudenken.
Gut so, das liess mir mehr mentale Kapazität für die Feststellung, dass ich VERDAMMT NOCH MAL HUNGER HATTE!!!!!!!!
Argh.

Übrigens wieder ein toller, wunderschöner Weg, flankiert von herrlichen, turmhohen… ääh, Bäumen (muss mir unbedingt mal ein Baumbestimmungsbuch besorgen), direkt danach das Wasserwerk „Hof Schönau“, ein hübscher Klinkerbau aus den 20er Jahren (Stil „Neue Sachligkeit“, das gefiel mir als Erich Kästner-Freund… 😉 ) in grüner Umgebung. Links am Wasserwerk vorbei und über eine lange, schmale, sonnige Frühlingswiese mit knorrigen Apfelbäumchen und mehreren Tiefbrunnen, rundherum alter, grüner Wasserwerkswald.
Hübsch.
Außerdem: HUNGER!

Am Ende der Wiese rechts in den Wald, dann links (immer dem Regionalparkweg hinterher), vorbei am „Fünfmärker“ einem alten Gemarkungsstein und am Rand des wunderschönen Naturschutzgebietes „Wüster Forst“ entlang, das überhaupt nicht wüst aussah, sondern eher wie ein dichter, grüner Dschungel. Gar nicht schlecht für eine ehemalige Kiesgrube direkt neben der Autobahn.

Und westwärts, am Rand des NSG durch eine hübsche waldgesäumte Freifläche mit kleinen Felder auf eine Bahnstrecke zu (wohl die, die ich vorhin überquert hatte).
Hier kam dann erstmals die volle, pralle Mittagssonne raus. Hübsch anzusehen, aber bullenheissbrühschwülwarm. Puuh. Und dann dieser Hunger…

An den Gleisen rechts, wieder etwas in den Waldschatten (phuuu. Jetzt nur noch ein Bank zum Ausruhen und eine warme Mahlzeit, und ich wäre zufrieden gewesen), nach ein paar hunder Metern dann die nächste etwas verworrene Verkehrs-/Navigationssituation:
Erst links ab, auf einer Fußgängerbrücke parallel zur Bahn über eine Strasse.
Dann rechts, durch ein weiteres Wäldchen runter zur soeben überquerten Strasse (Oppenheimer Str./Brunnenstr.).
Dort rechts, am Strassenrand unter der soeben überquerten Brücke und den Bahngleisen durch.
Und dann weiter südwestwärts in Richtung des schon ziemlich nahen Ziels.

Noch mal ein ganz unangenehmes Stück. Heiss, stickig, hungrig, müde, schlaff, und dann ging´s auch noch leicht bergauf (wirklich nur ganz poplig leicht, aber das reichte heute) und ich musste auf einem schmalen Seitenstreifen neben der vielbefahrenen Strasse laufen.
Immerhin, rechts war eine hübsche Schilflandschaft mit mehreren Seen, das war nett.
Der Rest eher nicht.
750 lange, heisse, hungrige Meter neben der Strasse, dann war ich endlich wieder am Rhein-Main-Center und dem wartenden Auto, nach gefühlten 30 aber gelaufenen 9,1 km.
Erstmal kurz schaufend durchgeatmet, dann eine ganze Flasche Mineralwasser geleert, dann in Windeseile heimgebraust und mit Nahrung vollgestopft.

Ok, das war mal ein zwiespältiger Lauf.
Landschaftlich zum Teil wunderschön, ich bin immer noch überrascht, wie hübsch die Gegend um Rüsselsheim teilweise ist. Wirklich sehr gut zum Laufen.
Formmäßig hingegen ganz mies, da hat einfach nichts gepasst, das war einfach nur wattig, wacklig, anstrengend und damit viel zu schlecht für so eine schöne Strecke.
Aber ich hab´s geschafft, und vielleicht komm´ ich ja auch noch mal unter besseren Voraussetzungen wieder her.
Und morgen gibt´s auf jeden Fall einen Pausentag.
Obwohl ich in Rheinhessen verabredet bin und man da so schön laufen kann – aber ein bisschen Regenation tut ja offensichtlich mal Not.

Strecke: 9,1 km
Zeit: Nicht genommen
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 99,9% (9,09 km von 9,1 km)
Karte:
Bauschheim

M.

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10 Antworten to “Flaues Ründchen bei Bauschheim (9,1 km)”

  1. Gerd Says:

    Zur Zeit ist Du ja fast Täglichläufer. Ein bisschen Nachholbedarf. 😉

  2. matbs Says:

    Der Preis der Faulheit – wenn du erst Mittwochs den ersten Lauf in der Woche machst und vier vorhast, dann wird´s irgendwie alles etwas gedrängter… 😉

  3. Christian Says:

    Hm, viele Zufälle am Anfang und zu viel Hunger am Schluss. Ein seltsamer Lauf, vielleicht solltest Du nicht nur Kilometer sammeln, sondern mehr auf Dich (!) und die Qualität der Läufe achten, aber wem erzähl ich das denn 😉

    Salut

  4. matbs Says:

    Ja, „seltsam“ trifft´s ziemlich genau…

    Aber nach einer anständigen Mahlzeit und einem Ruhetag ging´s dann relativ schnell wieder…

  5. Torsten Says:

    Ohne Mampf kein Kampf, hat der Spieß beim Bund immer gesagt. Scheinbar stimmt es. Ich hätte da schon vorher abgebrochen, von richtig starkem Hunger bekomme ich immer tierische Kopfschmerzen. Durch die Kopfschmerzen wird mir dann schlecht und ich kann dann nicht wirklich was essen. Deswegen habe ich meist etwas zum essen im Handschuhfach. Ein Schokoriegel reicht mir dann schon einigermaßen um nicht in diesen Teufelskreis zu kommen.

    • matbs Says:

      Vorher abbrechen ging halt nicht so richtig, denn als es wirklich flau wurde, war ich ja schon mittendrin und musste irgendwie wieder zurück zum Auto.

      Ich hatte dummerweise nix zu Essen dabei, und meine Barschaft hat wie gesagt nicht mal für einen Schokoriegel gereicht, also musste ich da halt irgendwie durch.
      Hat ja auch geklappt…


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