Ums Meerbachtal: Unterhalb der Knodener Höhe von Wilsmhausen nach Gronau (12,2 km)

24. Mai 2009

Oh Mann…
Vielleicht sollte ich so langsam mal mit diesen beunruhigend schönen Touren am laufenden Band aufhören, sonst platzt mir irgendwann noch mal der Kopf vor lauter herrlichen Sinneseindrücken.
Beauty-Overload und BAAMF!!! – Ende.
Da muss man höllisch aufpassen… 😆

Aber heute noch nicht, da hatte ich einfach viel zu viel Lust, nochmal loszustarten. Am liebsten in den Odenwald rein, denn die vorgestrige grandiose Nibelungensteigtour – die praktisch keine negative Spuren hinterlassen hatte – hatte mir mal wieder so richtig Appetit auf ein paar richtig schöne Steigungen gemacht (übrigens im Gegensatz zu Gerd, den die Nibelungensteig-Erfahrung offensichtlich erstmal wieder ins Flachland getrieben hat 😉 ).

Wusste auch sofort wo – nachdem ich dem Gerd vorgestern kurz vom herrlichen Meerbachtal hinter Bensheim vorgeschwärmt hatte (das auf der Kandidatenliste der schönsten Täler im Odenwald ziemlich weit oben steht), hatte ich spontan Lust gekriegt, da hinten mal wieder zu laufen.


Weil´s heute wirklich bullenheiss war, hatte ich mir bewusst eine Strecke durch die tiefen, schattigen Bergwälder unterhalb der Knodener Höhe ausgesucht – vom hübschen Dörfchen Wilmshausen im Lautertal den Hohberg hoch, kurz den Knodener Höhenweg entlang, dann rechts ab und auf gewundenen und mir vollkommen unbekannten Waldwegen an der mächtigen Flanke der Knodener Höhe ums Meerbachtal bis zu einer Kreuzung unterhalb von Unter-Hambach, von dort aus dann über den Eichelberg runter ins idyllisch gelegene Gronau.
Guter Plan!

Nach sechs Uhr abends aufgebrochen, war immer noch verflixt warm.
Start auf dem Wilmshäuser „Dorfplatz“, einem kleinen Parkplatz abseits der Hauptstrasse, von dem ich letztes Jahr schon mal meinen Jubiläumslauf gestartet hatte.
Kurz dem kleinen Bächlein neben dem Dorfplatz gefolgt, dann links über einen Spielplatz, eine kleine Treppe und den Buschernweg auf die schmale Mühlbergstr. – hier war ich letztes Jahr schon mal durchgekommen und links auf dem Wanderweg El2 nach Elmshausen gelaufen, heute bog ich stattdessen rechts ab, auf den unmarkierten und unscheinbaren Hohbergweg.
Und aufwärts, auf einem schmalen, baumbestandenen Hohlweg aus Wilmshausen raus und die Talwand hoch.
Ich hab´s glaub´ ich schon mal anderswo bemerkt: Das Lautertal ist ein bisschen wie eine Hummerfalle – man kommt ganz leicht rein („ooh, das geht aber angenehm bergab hier“), aber nur schwer wieder raus („Ach du Sch… ist das anstrengend!!“).

Point in Case: Der Hohbergweg.
Der ist von Anfang an ordentlich steil und dazu auch nich ziemlich uneben, da kann man prima rausfinden, wie´s um die Bergfestigkeit der Waden bestellt ist.
Meine waren ganz gut dabei – sie grummelten zwar etwas und meinten, sie wären doch eigentlich gerade erst vorgestern bergaufgerannt, aber machten dann doch gut mit – und dank dem Schatten der angrenzenden Bäume war´s auch nicht zu heiss.

Einen halben Kilometer bergauf, dabei hin und wieder links über dem Hohlwegrand wunderbare Aus- und Einblicke über das tiefe, schmale Lautertal in der Abendsonne, dann raus ins Freie, auf eine wunderbare Wiese, von der aus ich erstmals das ganze, herrliche Talpanorama in der Abendsonne bewundern (und dabei ein bisschen durchatmen) konnte: Bereits 70 m. weiter unter der enge Talgrund mit Wilsmhausen und Elmshausen, links darüber die dicht bewaldete Amalienhöhe hinter der sich der gestochen scharfe Melibokusgipfel gegen den strahendblauen Abendhimmel abzeichnete, rechts hingegen die Anhöhe am Teufelsberg am Anfang des Felsbergmassive, mit den langen, grünen Hangwiesen unterhalb des Selterswasserhäuschens.
Sehr hübsch, das war den Schweiss und die grummelnden Waden auf jeden Fall schon mal wert gewesen.

Und weiter aufwärts, durch die Wiese zum nächsten Waldrand.
Dort fiel mir auf, dass ich – wieder mal – mein Streckenplänchen verloren hatte.
Aber heute nicht!
Da konnte ich mir diesen Verlust nämlich nicht leisten, dazu war die Reststrecke viel zu abenteuerlich und unbekannt. Und außerdem hatte ich´s gerade eben noch gehabt.
Kurz umgekehrt und siehe da – 50 m. den Weg runter lag das Mistding und tat ganz unschuldig.
Ha, erwischt!
Von nun an behielt ich´s in der Hand, da konnte es dann nicht wieder verloren gehen… 🙂

Am Waldrand überquerte ich den Weitwanderweg Odenwald-Vogesen (den hatte ich in der Vergangenheit schon zweimal zum Aufstieg genutzt, einmal vor beinahe zwei Jahren mit Ingo, und nochmal bei meinem allerersten Ü-30-Lauf an Weihnachten ´07.
Heute würdigte ich ihn keines Blickes, sondern pflügte stattdessen weiter geradeaus, auf einen schmalen, steilen Waldweg, der an der Hohbergflanke geradewegs in den Wald rein führte (und natürlich weiter bergauf, ist ja klar 🙂 ).
Wobei „pflügen“ das genau richtige Wort ist, denn der Weg war nicht nur nicht markiert, sondern zudem auch in erbärmlichem Zustand: Schmal, voller Äste und Steine, und der letzte ernsthafte Verkehrsteilnehmer, der sich hier den Berg hochgekämpft hatte, war offensichtlich ein tonnenschwerer Holzlaster mit extrabreiten Reifen gewesen – und zwar an einem Tag mit Dauerregen.
Ack, was für fiese, schlammige Furchen.
Da grummelten die Beine schon ein bisschen lauter – bergauf fanden sie ja ok, aber dann auch noch dieses Geholpere…
Vor allem meinem rechten Knie wollte das alles überhaupt nicht gefallen, es fing auf einmal regelrecht zu zwicken an und gab erst Ruhe, nachdem ich es über eine Minute ausgedehnt hatte (sehr zur Freude der lokalen Stechmücken, die meine kleine Dehnpause nutzten, um sich im Mob auf sich zu stürzen und ein fröhliches kleines Parasitenpicknick auf meinen Arme und Beinen zu veranstalten. Aaargh!).

Immerhin ein Grund, sich danach wieder etwas mehr zu sputen, denn solange ich rannte, traute sich die Schnakenmeschpoke nicht an mich ran.
600 anstrengend-holprig-steile Meter an der Bergflanke durch den Wald, dann stiess ich auf den – wesentlich gepflegteren und angenehmeren – Wanderweg El2, dem ich nach rechts folgte und unter der gar nicht mehr so weit entfernten Hohbergkuppe ostwärts lief.

Zumindest ein kurzes Stück, dann sah der Plan vor, dass ich halblinks auf einen weiteren unmarkierten Weg wechseln sollte, der bis zum Waldrand am Hahnenbuch hüch über Reichenbach führt.
Versuchte ich ja auch, aber bereits nach ein, zweihundert Metern stellte sich der „Weg“ als unpassierbar heraus – schmal, verwittert, total zugewuchert, blockiert mit Ästen, Baumstämmen und Felsen.
Ging nicht.
Zum Glück war links über mir immer noch El2 zu erkennen, also kletterte ich kurzerhand den rutschigen Steilhang hoch (anstrengend und dreckig) und vertraute mich lieber wieder dem richtigen Wanderweg an.

Ein bisschen abwärts, um eine sanfte Kurve, dann stiess ich auf Knodener Höhenweg (gelbes Dreieck), dem ich nach weiter nach Osten folgte, übrigens bereits auf der anderen Seite des Bergkamms, womit ich technisch gesehen nicht mehr am Rand des Lautertals sondern bereits am Meerbachtal lief.
Wunderbar entspannt hier oben: Kaum noch Steigung, einer der schönsten Wege in den Odenwald rein die ich kenne (macht dem Nibelungensteig Konkurrenz), prächtiger schattiger Bergwald, und der einsame Biker, der mir hier entgegenkam (und übrigens der einzige Mensch bleiben sollte, der mir auf den 11 km zwischen Wilmshausen und Gronau begegnete) grüßte freundlich – das war einfach alles richtig gut hier oben! 🙂

Nach ziemlich genau 500 m. erreichte ich einen meiner absoluten Lieblingsorte hier oben, die Kreuzung auf dem Kamm über dem Hahnenbusch. Hier öffnet sich der Wald links des Weges zu einer steil abfallenden Bergwiese, über man noch ein letztes Mal aufs Lautertal hinabblicken kann, über das wunderschöne Reichenbach tief unten im Tal hin zu den sattgrün schimmernden Bergwiesen und -wäldern am Zehnes und die mächtige Südflanke des Felsberges auf der anderen Talseite, an der Gerd und ich ja gerade erst vorgestern runtergelaufen waren.
Alles voll in der Abendsonne und wunderschön, da musste ich dann auch noch ein paar Momente verweilen, bevor ich weiter den Knodener Höhenweg hinauflief, zur fiesesten Steigung weit und breit.

Mit Steigungen ist es ja so ein bisschen wie mit Leuten – es gibt welche, mit denen kann man anfangs überhaupt nicht, aber wenn man sie etwas besser kennen lernt, kommt man auf einmal super miteinander klar.
Und dann gibt´s solche, die bleiben immer Arschlöcher, egal wie oft man mit ihnen zu tun hat.
Die Steigung auf dem Knodener Höhenweg direkt hinter der Kreuzung überm Hahnenbusch fällt voll in die zweite Kategorie.
Dabei ist sie überhaupt nicht lang, vielleicht 140, 150 m. wenn´s hochkommt.
Aber sie hat über 40 Höhenmeter!
Das sieht aus wie ´ne Wand, wenn man darauf zuläuft, ich muss jedesmal wieder irre lachen, wenn ich die sehe.
Vorletzten Dezember hab´ ich mir japsend bei knackigen Minusgrade hochgeschleppt, während die eisige Luft meine armen Lungen schockfrostete.
Letzten Sommer hab´ ich hier so angestrengt, dass ich für die nächsten Kilometer nur noch bunte Punkte gesehen hab.
Und heute?
Heute wusste ich ja immerhin schon was mich erwartete, also teilte ich mir meine Kraft genauestens ein, kämpfte mich atemringend mit schweren, winzigen Trippelschrittchen aufwärts, bis ich – fix und alle – endlich oben war.
Pfuuuuhaaaaa!!!
Manchmal reichen auch 150 m., um dich richtig fertig zu machen… 😉

Kurze Trink- und Verschnaufpause, dann ging´s rechts ab, vom Knodener Höhenweg runter und auf dem Wanderweg Sch1 leicht bergab in die tiefen, dunklen Bergwälder am Westrand des Knodener Höhemassivs.
Hier war ich noch nie – Abenteuer!!!
Wunderschön hier: Kilometerlang folgte ich dem einsamen Weg Sch1, der ständig die Richtung änderte, um Vorsprünge herumführte oder sich in kleine Täler an der Bergflanke hinein- und hinauswendelte, mal bergab und dann wieder bergauf ging (tendenziell aber mehr bergauf als bergab), dabei jedoch immer grob nach Südosten verlief.
Genauso herrlich die Umgebung:
Steile Hänge, überall Gruppen seltsam geformter bemooster Felsen und Findlinge, eine Vielzahl von kleinen Bächen und Rinnsalen, die von der Knodener Höhe (einem Hochplateau auf dem das einzige noch existierende Hochmoor des Odenwalds liegt) talwärts plätschern, dazu hohe, uralte Bäume (die Felsengruppen und das Hanggelände machen Holzwirtschaft hier offenbar unmöglich), zwischen deren dichten, grünen Wipfeln nur hin und wieder ein vereinzelter aber dafür um so hellerer Sonnenstrahl den dicht bewachsenen Waldboden erreicht. Es ist einsam, riecht nach Wald und Natur, bis auf das Singen der Waldvögel ist es ganz still.
Wunderschön hier an diesem Frühsommerabend, mit einer ganz eigenen, fast schon magischen Atmosphäre – was irgendwie passte, denn schließlich lief ich gerade unterhalb der Knodener Höhe entlang, einem Ort, der wie kein anderer im Odenwald mit Sagen und Legenden über Zauberer und Hexer verbunden ist.

Nach fast 3 km auf dem wunderbaren Sch1 erreichte eine kleine Waldkreuzung unterhalb von Schannenbach.
Auch die ist schön stimmungsvoll, oder wäre es zumindest, wenn hier nicht irgendwer rechtsradikale Parolen in ganz viele Bäume der Umgebung geschnitzt hätte, die seltsamerweise Freiheit für einen vor über 20 Jahren verstorbenen Altnazi fordern (der mit den Augenbrauen, der im Krieg auf eigene Faust über England abgesprungen ist und dann bis zu seinem Selbstmord Ende der Achtziger in Haft war – den Namen schreib´ ich mal nicht aus, hab´ absolut keine Lust, dass mein Blog mit irgendwelchen Neonazi-Parolen googlebar wird, selbst wenn die seit Jahrzehnten obsolet sind…).
Widerlich, ein richtiger Frevel an der schönen Natur.

Hier geht´s rechts ab, auf den Weg mit dem gelben V.
Herrlich!!!
Ein winziges Pfädchen, das geradewegs den Berg runterführt, steil und schmal und steinig, direkt neben einem Bach, der sich mehrmals völlig unvermittelt zu kleinen Lichtungen und Sumpfwiesen mitten am Hang öffnet.

Besser noch: Während ich hier runterlief, wurde mir klar, wo ich mich gerade befand – das musste der direkte Weg von der Knodener Höhe ins Meerbachtal sein, und damit der Schauplatz von einer meiner absoluten Lieblingssagen aus dem Odenwald: Vor 300 Jahren soll irgendwo genau auf diesem Pfad ein zauberkundiger Knodener Bauer (mal wird er „Rettig“ gennant, mal heisst es, es sei der legendäre Zauberer Nikolas Bitsch, genannt „Bitschenickel“, gewesen) eine ganze Kompanie marodierender französischer Soldaten mit Magie zur Bewegungslosigkeit verhext haben um die Dörfer Knoden und Schannenbach zu retten.
Die Soldaten wurden daraufhin von den Bergbauern allesamt mit Mistgabeln und Dreschflegeln erschlagen. Dem französischen Hauptmann, der – so behaupten zumindest manche Versionen der Geschichte – ebenfalls etwas von Zauberei verstand und gegen Hiebe und Stiche gefeit war, trennte man mit einer Sense den Kopf ab und versteckte ihn unter einer nahen Brücke – noch heute soll der geisterhafte Körper des kopflosen Offiziers in mondlosen Nächten hier umherirren und seinen Kopf suchen.
Lediglich einen einzigen Gefreiten ließen die Knodener mit dem Leben davonkommen, um die Kunde zu verbeiten, dass Knoden und Schannenbach unter magischem Schutz standen.
Das klappte so gut, dass die Franzosen in allen folgenden Kriegen die Knodener Höhe mieden. Sogar im Arc de Triomphe in Paris soll irgendwo ganz versteckt eine Inschrift eingemeisselt sein: „Gardez-vous de Knoden“ – Hütet euch vor Knoden…

Wie gesagt, eine meiner Lieblingssagen, vor allem auch deshalb, weil sie nicht in der nebulösen Vorzeit von „Es war einmal“ spielt, sondern in einer gar nicht so fernen Vergangenheit, irgendwann zwischen dem Dreissigjährigen Krieg und dem frühen 18. Jahrhundert.
Mehr knodener Legenden gibt´s dann vielleicht beim zweiten Abschnitt des Nibelungensteigs, wenn ich mit Gerd direkt über die Knodener Höhe laufe… 😉

Allerdings wurde mir meine Begeisterung hier auch fast zum Verhängnis – während ich abwärts lief und nach einer Brücke ausschau hielt, unter die der Kopf eines französischen Hauptmanns passen könnte (einmal ging der Weg tatsächlich über den Bach, ob das die Stelle war??), vernachlässigte ich so ein bisschen die Steine und knickte bitterbös um.
Autsch!
Ok, von jetzt an wieder etwas vorsichtiger… 😉

Insgesamt 800 m. geradewegs bergab durch den mal lichten mal dichten Wald, immer in Sichtweite des herrlichen Bächleins. Irgendwann ging dann links der Frankstein-Weg (gelbe 1) ab, der aus dem Bachtal hinaus und wieder bergauf führte.
Ordentlich bergauf, da kam ich wieder ganz schön ins Schwitzen.
Noch mehr schwitzte ich allerdings ein paar hundert Meter weiter, denn dan bog ich abermals links ab und lief den Eichelberg-Weg (gelbe 2) hoch, der seltsamerweise teils mit uraltem Asphalt belegt war, dann wieder mit ganz normalem Waldwegboden (und dann wieder ein Stück Asphalt. Und dann wieder Waldweg. Und nochmal Asphalt- ein bisschen so, als hätte man hier vor Jahrzehnten versucht, eine Morsenachricht in den Weg zu asphaltieren… 😀 ).
Immer weiter aufwärts, in mehreren steilen, scharfen Serpentinen.
Die ganzen Höhenmeter, die ich eben auf dem gelben V verloren hatte, holte ich mir jetzt wieder, und die waren überhaupt nicht billig!
Erste Serpentine – puuuh!
Zweite Serpentine – gnaa!
Dritte Serpentine – uijuijui!

Danach dann: Lange gerade am Hang durch den Bergwald.
Gar nicht mal so steil, aber so langsammerkte ich trotzdem die vielen Höhenmeter der letzten drei Tage – zusammen mit dem Nibelungensteig vorgestern hatte ich zu diesem Zeitpunkt bereits ca. 1,3 Höhenkilometer in weniger als 60 Stunden gelaufen, das zieht dann doch ein bisschen rein wenn man´s nicht mehr gewöhnt ist.
Argl!

Schwitzend schnaufend japsend aufwärts.
Lange aufwärts. Das zooog sich.

Irgendwo zwischendrin lief ich an einem Rehbock vorbei, der nicht mal drei Meter neben dem Weg stand und äste.
Offensichtlich war er so perplex, dass hier oben ein Mensch vorbeikam, dass er einfach nur stehen blieb und mir verständnislos beim vorbeidampfen zuguckte…

Nach endlosen 800 m. erreichte ich schließlich die nächste Kreuzung, die sich bei genauerem Hinsehen als die entpuppte, auf der ich im November ´07 auf dem europäischen Fernwanderweg 1 aus dem Meerbachtal nach Ober-Hambach hochgekeucht war.
Kurzer Blick aufs Plänchen (das ich seit der beinahe-verloren-Episode vor einer knappen Stunde nicht mehr aus der Hand gelassen hatte) zeigte: Ich war richtig, und von jetzt an würde es nur noch bergab gehen.
Hallelujah!

Also dann: Halbrechts über die Kreuzung, der gelben 2 hinterher an einer wunderschönen Waldwiese vorbei, dann links und auf einem Trampelfpädchen an deren Rand steil abwärts und in einer langen, beinahe unmerklichen Rechtskurve um die Kuppe des Eichelbergs herum.

Kurze Verwirrung an einer weiteren Kreuzung samt Waldhütte, die ich auf dem Plan nicht so richtig finden konnte (sie war drauf, ich hatte das entsprechende Stück inzwischen einfach nur durchgeschwitzt…), dann richtig weiter, und nach ein paar hundert Metern hablinks von der gelben 2 ab auf einen schmalen Pfad, der am Westhang des Eichelbergs steil abwärts führte.
Und total mies war.
Nicht mal so sehr der Untergrund, aber die unendlichen Brennesselfelder, die hier wucherten, störten mich doch ziemlich, gerade mit der kurzen Hose.
Aber da musste ich jetzt durch, auch wenn´s brannte.
Immerhin erklang links aus dem Tal herauf das aufmunternte 19:00-Läuten der Gronauer Dorfkirche und verriet mir, dass es nicht mehr weit war…

Irgendwann mündete die Brennesselhölle dann auch wieder in einen richtigen Weg (ohne Brennesseln. Nicht dass das jetzt noch einen Unterschied machte, meine Beine waren sowieso schon verätzt bis zum Gehntnichtmehr…), der eine scharfe Linkskurve vollführte, dann weiter furchtbar steil bergab ging (so steil, dass meine Beine auch hier grummelten), und schließlich oberhalb von Gronau hinaus in die sonnigen, weiten Wiesen des frühsommerlichen Meerbachtals führte.
Wunder-, wunderschön!
Endlose Hügelwiesen unter blauem Himmel im Abendlicht, sanft abfallend zum Talgrund hin, wo der denkmalgeschützte Dorfkern von Gronau in der Sonne ruhte, dahinter der steile Höhenzug vor dem Lautertal mit Wiesen, Wäldchen und Weinbergen, links darüber der Stolz aufragende Melibokus und das Auerbacher Schloss.
Alles friedlich und ruhig, Abendstimmung, der Geruch von Heu (jetzt schon?), zirpende Grillen, ein einsamer Raubvogel in der blauen Unendlichkeit über dem Tal.
Perfekter Moment.

Und weiter bergab durch die Wiesen, den immer noch steilen Enserbühlweg runter, vorbei am hochgelegen Gronauer Sportplatz dessen roter Sandbelag noch röter in der Sonne schimmert, dann runter ins Dorf, zwischen den engen, alten Höfen hindurch bis zur Märkerwaldstr., die links runter, am offen talwärts fliessenden Meerbach entlang westwärts, noch über einen halben Kilometer durchs Dorf, bis schließlich die Querstr. „Auf der Au“ in Sicht kommt, wo bereits mein „Taxi“ wartete:
IMG_3105
Abendsonniger endspurt in der Märkerwaldstr.
Und wie üblich bei Fotos, die mich beim Laufen zeigen, seh´ ich irgendwie signifikant unförmiger und dämlicher aus, als ich es in der Realität bin. Das soll einer verstehen…
😀

Danach gibt´s dann noch ein leckeres Abendessen im Garten der Hahnmühle am Talausgang, und weil´s so eine gute Laufwoche war genehmige ich mir sogar noch ein Schöppchen von meinem Bergsträsser Lieblingswein:
Auerbacher Rott, halbtrocken und schön kühl, herrlich erfrischend und ein ganz leicht bisschen beschwipsend, weil ich keinen Alkohol mehr gewöhnt bin…

Wunderbar, wunderbar, wunderbar.
Herrlicher Ausklang einer großartigen Laufwoche! Im Meerbachtal ist es einfach immer schön, da war die heutige Tour keine Ausnahme: Beschaulich, erfrischend, anspruchsvoll, interessant, inspirierend, wunderschön – so und nicht anders soll das mit der Lauferei sein!!!

…und der Kopf ist mir immer noch nicht geplatzt… 😉

Strecke: 12,1 km
Zeit: Irgendwas um anderthalb Stunden rum, das ist ganz ok
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 92,87% (11,23 km von 12,2 km)
Karte:
Wilmshausen - Gronau

M.

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15 Antworten to “Ums Meerbachtal: Unterhalb der Knodener Höhe von Wilsmhausen nach Gronau (12,2 km)”

  1. Kümmel Says:

    Ich glaube diesmal hast du ein paar handwerkliche Fehler eingebaut.
    Beispielsweise soll das ganz unten auf der Karte wohl eher Ober-Hambach statt Unter-Hambach heißen?!

    Und dann könntest du mehrfach links und rechts verwechselt haben. Ich habe mal versucht den Weg auf meiner Karte nachzuvollziehen (als deine Karte noch nicht online war) und ich habe mich total (virtuell) verlaufen. Jetzt noch mal alles raustüfteln ist etwas blöd*, aber z.B. nach deiner Lieblingssteigung nach deiner Lieblingskreuzung bist du nach links auf Sch1? Das sieht eher rechts aus.

    Ich glaube den Sch1 bin ich teilweise vor einiger Zeit mal mit dem Roller gefahren (Nein, in Gronau stand kein Schild ^^). Immer bergauf, ich wollte eigentlich Richtung Schannenbach und bin irgendwann auf dem R9 und dann in Ober-Hambach gelandet. Einzig die Mini-Lichtung in der Nähe der 498,3 Höhen-B. Markierung kann ich noch zuordnen, da bin ich nämlich kurz umgekehrt.

    *Und da lese ich so unbeschwert deinen Bericht und es könnte sein, dass du mal eben einen Ururirgendwas (8 Generationen) von mir ausgegraben hast. Ich konnte mich noch von meinen genealogischen Abenteuern an einen ähnlich klingenden Namen erinnern. Name passt bis auf die Schreibweise, Lebensspanne könnte passen und dass die Franzosen nicht noch Knodener und Breitenwiesener unterscheiden wäre auch nicht verwunderlich. Nur leider ist der Nachname hier (insbesondere im Zeitverlauf) eher Allgemeingut als eine Seltenheit und so könnte es natürlich auch leicht eine Verwechslung sein.

    Leider findet Google dazu nur Müll bzw. ich habe keine Lust mich durch dutzende Seiten zu wühlen. Aber du könntest mir ja mal deine Sagenquellen nennen, vielleicht finde ich da auch noch was.

  2. matbs Says:

    Hi Kümmel,

    argh, das passiert wenn man das Gedöns mit leichten Kopfweh und bei zu hohen Temperaturen runterschreibt.
    In der Tat geht´s vom Knodener Höhenweg nach der fiesen Steigung RECHTS (= südwärts) auf den Sch1 ab, und in der Tat liegt die Kreuzung von Eichelbergweg und Europäischem Fernwanderweg 1 vor OBER-Hambach (bzw. unter Ober-Hambach, vielleicht hat sich da der Fehler eingeschlichen).
    Sorry, ist schon bereinigt (und danke für den Hinweis!)

    Du bist den Sch1 mal mit dem Roller gefahren?!?
    Mit dem ROLLER??!!
    Diesen ollen, schmalen, steilen Waldweg??
    Also echt – laß´ dich bei sowas bloß nicht von mir erwischen, wenn mir da jemand auf dem Roller begegnet, gibt´s einen bösen Blogeintrag! 😉 😀

    Aber im Ernst, ich nehme an, dass du am Ende des Tals beim Parkplatzes Märkerwald in den Wald gefahren und dann den Serpentinen gefolgt bist, oder?
    Das ist ja eigentlich nicht verkehrt (wenn auch womöglich nicht erlaubt…), und der R9 ist auch nicht falsch, denn das ist ja der offizielle Fahrweg zwischen Ober-Hambach und Schannenbach, da bist du dann wahrscheinlich nur nach rechts anstatt nach links gefahren.
    Aber zumindest nah dran… 😉

    Sagenbücher über den Odenwald hab´ ich inzwischen mehrere, heute hab´ ich „Sagen und Geschichten aus dem Odenwald“ von Walter Albach und „Hütet euch vor Knoden“ zur Hand genommen, „Sagen und Märchen aus dem Odenwald“ hab´ ich nicht gefunden, das muss hier auch irgendwo rumfliegen.
    Der Albach sammelt Sagen aus anderen, teils recht alten Quellen (z.B. viel von Johannes Wilhelm Wolfs „Hessiche Sagen“ von 1853), der Maul ist eine neue Nacherzählung der Knodener Geschichten, wahrscheinlich inhaltlich nicht ganz authentisch, aber sehr nett und kurzweilig zu lesen.

    Hope that helps 🙂

    Matthias

  3. Gerd Says:

    Super Lauf in einer Super Zeit.
    Ich hoffe Du steigerst deine Leistung nicht so sehr, dass ich bei unsere zweiten Etappe (die wir definitiv nach meiner Genesung nachholen) nicht als Bremse wirke.
    Und unser Lauf bei Torsten steht ja auch noch im Plan!
    So jetzt kann ich mit zwei Fingern nicht mehr Tippen. Tut halt immer noch sehr weh! Aber das wird auch wieder. 😉
    Gruß Gerd

    • matbs Says:

      Naja, soo schnell war´s jetzt auch nicht – im Schnitt so ca. 8 km/h, das gibt´s nicht viel zu bremsen… 😉

      Kurier´ dich erst mal aus, dann kriegen wir das alles problemlos hin!

      Gute Besserung

      Matthias

  4. Kümmel Says:

    Hmm ich kann gar nicht genau sagen welcher Weg das war. Ich bin einfach mal die Straße durch Gronau durch gefahren und wollte mal schauen wie weit man kommt. Ich bin dann bei 49°41’21.68″N 8°41’41.90″E aufwärts in den Wald und bin dann an Abzweigungen immer in die Richtung gefahren, in der ich eine Bergkuppe vermutet habe, also tendenziell bergauf. Ich hätte dann wie gesagt erwartet in Schannenbach zu landen (aber „unten“ und nicht oben über den R9) oder ggf. irgendwann in Elmshausen oder Reichenbach aus dem Wald gespuckt zu werden. Aber mit Ober-Hambach hatte ich nun gar nicht gerechnet. Als ich nach diesem vielen Schotterstraßen (war also durchgängig traktorfähig) auf den geteerten R9 gekommen bin habe ich mal meine Uhr nach der Himmelsrichtung befragt und mit Richtung Süden war dann fast klar, dass ich gaaaar nicht da war wo ich dachte. Diese viele Kurven ohne weite Sicht und ohne Karte können schon verwirren..

    • matbs Says:

      49°41′21.68″N 8°41′41.90″E?
      Das nenn´ ich mal präzise!
      Kein Wunder, dass ich mich immer verirre, ich weiss meistens noch nicht mal den ungefähren Längen- und Breitengrad auf dem ich mich befinde, geschweige denn die Bogenminuten, -sekunden und äääh wieauchimmer die Dinger unter den Bogensekungen heissen… 😀

      Aber abgesehen davon stimmt´s – eigentlich ist das Meerbachtal ja ´ne Sackgasse, aber du bist offensichtlich am Parkplatz Märkerwald den alten Schleichweg hochgefahren, der teils asphaltiert ist und teils nicht – dass sind genau die Serpentinen mit der gelben 2, auf denen ich mir bei dieser Tour so schwer getan hab´. Jenseits der Serpentinen führt der Weg dann an einem alten Steinbruch (oder so) vorbei (da war ich auch noch nicht, aber ich hab´ meine Eltern mal per Handy da rausgelotst, nachdem sie sich beim Nordic Walking da oben verirrt hatten), am Heiligenberg entlang, und dann hinter dem Kesselberg auf den Asphaltweg zwischen Ober-Hambach und Schannenbach (auch bekannt als R9) – dummerweise ist das kurz hinter der Kesselbergkuppe, so dass „bergauf“ und „bergab“ hier nicht ganz eindeutig sind, da kann man schon mal falsch abbiegen.
      Gerade wenn man Opfer des odenwaldtypischen „hab auf bei den vielen Kurven die Richtung verloren“-Syndroms ist, das ist mir auch schon oft genug passiert… 😉

      Übrigens haben wir damit ja wohl ziemlich genau die Grenzen des Weschnitztals ausgelotet – da wo du dich noch auskennst aber ich nicht, ist es noch, da wo meine Ortskenntnis einsetzt, ist es nicht mehr… 😀

      Gruß

      Matthias

  5. Hannes Says:

    Der Kopf soll vor lauter schöner Touren platzen? Das hoffe ich nicht, sonst wäre hier Ende mit schönen Geschichten, das wollen wir nicht. Bei deinen Touren könnte ich mir nur vorstellen, dass die Waden aufgrund der vielen Berge platzen. Aber diese Ansicht meinerseits ist ja nicht neu 😀

    Außerdem frage ich mich noch, wie du es immer wieder schaffst, bei deinen Strecken hier und da zu erwähnen, dass du da überall schon warst – und am Ende kommst du dann doch auf eine > 90 Prozent neue Strecke. Ich wüsste nicht, wie ich das hier schaffen sollte. Hier gibt es wohl eindeutig zu wenig Wege!

    • matbs Says:

      Hi Hannes,

      ich hoff´s ehrlich gesagt auch, das ist sicher ´ne ganz schöne Sauerei, wenn man drei Tage mit offenem Schädel in der Wildnis rumliegt und von Füchsen und Wieselb angefressen wird, bis irgendein zufällig vobeikommender Forstarbeiter die sterblichen Überreste entdeckt… 😆

      Um platzende Waden hab´ ich mir andererseits noch nie Sorgen gemacht, die hat der liebe Gott schließlich extra fürs Berglaufen gebaut.

      Und bei der neuen Strecke hast du – im Ernst – tatsächlich recht: Im Flachland gibt es viel weniger Wege als in den Hügeln und Bergen, einfach weil da durch die dritte Dimension ein größerer Bedarf ist – da führen schon mal drei oder vier Wege parallel zueinander innerhalb von ein paar hundert Metern Luftlinie am Hang entlang, jeder auf einer anderen Höhenstufe. Dazu dann noch Serpentinen, Verbindungswege und das ständige rein und raus an den Seitentälern, und auf einmal hast du auf einen Quadratkilometer Fläche viel mehr Wegstrecke als in der Ebene.
      Sehr schön kann man das m.M.n. übrigens auf meiner großen Streckennetzkarte sehen – wenn man da zum „Herz“ meiner Strecken mittig rechts Scrollt (unterhalb von Seeheim), dann sieht man ganz deutlich, wie rechts an den Bergstrassenhängen ein unglaublich dichter, verworrener Wegewust herrscht, während es links in der Ebene wesentlich aufgeräumter und weniger dicht zugeht.

      Ein Grund mehr, warum Berge total tofte sind: Die haben einfach mehr Landschaft pro Quadratmeter… 😉

      Cheerio

      Matthias

  6. Kümmel Says:

    Hmm ja, den R9 kann man teilweise schon als Grenze des Weschnitztales ansehen, weswegen er in dem Bereich auch auf meiner Weschnitztalrunde eingeplant ist.

    Aber ich kenne mich auf diesem Bergrücken und den Hängen dies- und jenseits nicht wirklich gut aus. Gerade dieser Kessel um Scheuerberg ist mir sehr fremd, wenn ich dort überhaupt schon mal war (also Scheuerberg schon, aber nicht die Wälder im Nord- und Westrand).

    Bei meiner nächsten Detailtour in der Gegend schaue ich mal wie gut man von der Klinger Höhe Richtung R9 kommt.

    Mit den Positiosdaten verlasse ich mich da übrigens voll und ganz auf GE. Einfach mal nen Punkt setzen und copy&paste praktizieren 😉

  7. Torsten Says:

    So schlimm siehst auf dem Bild doch nicht aus. Allerdings sieht es auf dem rechten Bein so aus, als hättest Kniestrümpfe an. Ich hoffe für dich dass es nur so aussieht.

  8. matbs Says:

    So weit kommt´s noch, dass ich mir jetzt auch noch irgendwelche peinlichen Altedamenkompressionssöckchen an die Waden haue!
    Ich bin doch keine equipmentgeile, verweichlichte Laufprimadonna!!!
    😀

    Nein, das ist natürlich mein unbekleidetes Schienbein, dass da nur etwas seltsam belichtet ist…

  9. Ruben Says:

    Wow … faszinierend was für Sagen du kennst / recherchierst. Lustige Geschichte mit den Franzosen. Vielleicht nicht ganz Kindertauglich aber who cares!

    Wieviele Höhenmeter hast du bei der Tour mitgenommen? Weil liest sich irgendwie nach sehr, sehr vielen!

    • matbs Says:

      Hi Ruben,

      gell, das ist irgendwie cool, oder? Und wir haben hier einen ganzen Sack voll mit solchen Geschichten.
      Die nicht ganz kindertauglichen sind übrigens meistens die besten… 😉

      Höhenmeter… Schwer zu sagen, weil´s zwischendurch immer ein bisschen hoch und runter ging. Grob geschätzt vielleicht 400 oder 500. Also schon ganz ordentlich für die Streckenlänge.

      Gruß

      Matthias


  10. […] Ums Meerbachtal: Unterhalb der Knodener Höhe von Wilsmhausen nach Gronau (12,2 km) […]


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