Harte Tour mit harten Waden: Holpernd um den Erlensee (11,6 km)

3. Juni 2009

Oh mann, manchmal hab´ ich echt das Gefühl, mein Körper will mich verarschen.
Da bin ich Ende letzter/Anfang dieser Woche drei Tage in Folge gelaufen, anspruchsvolle Touren mit ordentlich Höhenmetern und/oder (für meine momentanen Verhältnisse) gar nicht mal sowenig Strecke.
Und das hat prima geklappt, tatsächlich ist es sogar von Tag zu Tag besser gelaufen.
Sogar obwohl ich ein bisschen dehnfaul war…

Dann einen Tag Pause, und heute dann ein eigentlich vollkommen laues, leichtes, entspanntes Flachlandründchen – und auf einmal wird´s aus heiterem Himmel furchtbar zäh und krampfig und total anstrengend.

Aber von vorne:


Heute hatte ich läuferisch mal nichts Besonderes vor – keinen großen Plan, kein entferntes Ziel, keine lange im Voraus geplottete Strecke.
Stattdessen wollte ich einfach mal wieder irgendwie ein bisschen was Nahes ablaufen, irgendeine ruhige, entspannte Strecke von zuhause aus in den freundlich-leicht bewölkten, kühlen Abend rein, ganz enspannt und unambitioniert. Kurz vor dem Start entschied ich mich spontan für eine Runde um den Erlensee hinter Bickenbach – da war ich schon fast ein Jahr nicht mehr gewesenen und die Strecke ist wunderbar unkompliziert, genau das Richtige.

Schön lange gewartet bis die Sonne schon fast am Horizont war, und dann so gegen 20:30 los.
Eigentlich mag ich langsame, träge, faule Runden in der blauen Stunde durch einen Sommerabend, das ist immer so schön friedlich, besinnlich und vollkommen Stressfrei.
Eigentlich…

Nur dass es das heute nicht war – praktisch mit dem Loslaufen gab´s Probleme.
Die Waden, genauer gesagt die Muskelstränge vorne außen am Schienbein, unterhalb vom Knie.
Die wollten überhaupt nicht mit und stellten sich demenstpechend von Anfang an quer, waren unkooperativ, holzig, krampfig.
Schon interessant, wie so ein paar kleine Muskelchen, an die man normalerweise nicht mal richtig denkt, einen Unterschied zwischen einem schönen, ruhigen Abendlauf und einer unangenehmen, verkrampften (Tor)Tour machen können.

Ich lief erstmal abwärts durch Jugenheim, die Merckstr. runter, dann über „Sandacker“ und den Pappelweg auf die Bickenbacher Str., dann aus Jugenheim raus und auf dem Radweg an der birkengesäumten K146 durchs Feld nach Bickenbach.
Eigentlich wunderbare friedliche Abendstimmung über den sattgrünen Feldern, leichter Abendwind, untergehende Sonne schräg von vorne, hätte mir richtig gefallen müssen.
Aber ich war mit den Waden beschäftigt, die so schwer und unwillig waren, dass ich nach gerade mal einem Kilometer die erste Dehnpause einlegen musste.
Das half ein bisschen.
Für ein paar hundert Meter.
Aber leider keine Dauerlösung – asphaltharte Waden auf wadenhartem Asphalt, das war heute kein Rollen oder Gleiten, sondern ein extrem unschönes, unrundes Stampfen, das leicht weh tat und trotz langsamem Tempo viel mehr Kraft kostete, als es eigentlich hätte sein dürfen.
Als ich Bickenbach erreichte, dachte ich bereits ernsthaft über einen Abbruch nach…

Aber dann dehnte ich halt noch mal/schon wieder und machte doch weiter, erfahrungsgemäß läuft sich das meist irgendwann halbwegs raus.

Schwerfällig durch Bickenbach, die schöne Bachgasse runter, neben dem offen fließenden Landbach an den alten Häusern und Höfen vorbei, auf dem erdigen Untergrund neben dem Bach, der war eine Idee weicher, das half etwas.
Dann über die Bebelstr. und auf der Bahnhofstr. zum Bahnhof, mit noch mal Dehnen und – nach gerade mal 3 km – einer kleinen Gehpause.
Fast schon peinlich: Atmung und Puls fast auf Ruheniveau, kaum geschwitzt, aber ich musste einfach ein bisschen gehen und die Waden ausschütteln, bevor´s weitergehen konnte.
Autsch, Mistdinger!

Am Bahnhof auf dem Saar-Rhein-Main-Weg unter den Gleisen durch und bis zur Bertha-Benz-Str. im Gewerbegebiet, dort dann rechts aus Bickenbach raus in die Felder und nach ein paar hundert Metern links unter der A5 durch.
Vorerst Schluss mit Asphalt, stattdessen weicher Sandboden.
Das gefiel den Waden. Ein bisschen.

Rechts hoch in den Wald, dann links durch eine Schneise ans Ostende vom Erlensee und gegen den Uhrzeigersinn den schmalen, zugewucherten Weg am Ufer entlang. Erlensee-Rundweg (Marker Gelbe 2).

Der Erlensee ist erst ein paar Jahrzehnte alt und hat mal als Kiesgrube angefangen, aus der ein Großteil des Fundaments der lokalen Autobahnstreifen stammt. Sieht man ihm heute aber nicht mehr an, hier ist alles wild und zugewachsen, der Uferweg nur ein schmales Pfädchen, das sich zwischen den Bäumen hindurchschlängelt.
Ich mag´s hier.

Westwärts am Nordufer entlang, da wo sich gerne die Nudisten tummeln. Heute abend waren sie aber schon weg, da war ich ganz froh drüber (nicht dass ich was gegen Nudisten hätte, aber hier trifft man meist auf ältere und generell Walrossförmige Exemplare, die den Kampf gegen die Schwerkraft schon lange verloren haben – und die sind irgendwie nicht so ganz mein Fall, gerade wenn sie einem ungezwungen und generell …schwingend auf dem schmalen Pfädchen entgegenkommen. Gutgebaute paarundzwanzigjährige-Supermodel-Beachvolleyballerinnen-Nudisten sind hingegen unerklärlich rar…).
Dafür waren die Stechmücken umso zahlreicher, die kommen aus dem nahen NSG Pfungstädter Moor, das zwar ökologisch unglaublich wertvoll ist, aber eben auch eine Brutstätten für Blutsaugergesocks.
Hätte ja gerne noch ´ne Dehnpause an einem Baum gemacht, aber anhalten war hier nicht, sobald ich langsamer als 6 oder 7 km/h wurde, stürzte sich die Meschpoke mit gierigen Rüsseln auf jeden offenen Quadratzentimeter Haut und begann, Blut abzupumpen.
Keine Ahnung, wie die Nudisten das aushalten, ich musste auf jeden Fall notgedrungen durchrennen, auch wenn die Waden kreischten…

Am westlichen Ende des Nordufers sah ich eine riesige Schafherde am Rand des Moores vor sich hinweiden und blöken (hätte gerne geschaut, aber die Schnaken ließen mich nicht…), dann ging´s links ab, am Hauptbadestrand und dem verwaisten Kiosk vorbei, dann wieder links und am schmalen Süduferpfad (der für die Angler reserviert und dementsprechend mit Verbotsschildern zugepflastert ist [„Denk nicht mal dran, dich ohne Angelschein dem Ufer zu nähern, Fremder] zurück nach Osten.

Waden immer noch hart und krampfig, entsprechend noch mal eine Geh- und Dehnpause, dann war das Seeufer zu Ende und ich lief im offenen Gelände rechts runter in Richtung Lindenhof.
Schöne Abendstimmung, die Sonne war inzwischen hinter dem Horizont versunken und beleuchtete nur noch die rotgolden schimmernden Wolken und den riesengroßen, milchigen Mond über dem Melibokus, bis auf das Rauschen der nahen Autobahn war alles ganz friedlich.

Links des Weges die Rollrasenfelder des Hartenauer Hofs, herrlich einladend und viel weicher als dieser blöde Betonplattenweg, auf dem ich gerade lief – wäre liebend gerne aufs grüne Gras gewechselt, dummerweise war hier gerade ein mürrisch dreinblickender Typ an einer Bewässerungsanlage zugange, der mich sicher angeschnauzt hätte, wenn ich über seinen Kunstrasen gelaufen wäre.
Also weiter Betonweg, schweren harten Schritt um schweren harten Schritt, erst auf die Strasse zum/vom Erlensee (Radweg 28), dann weiter zum Lindenhof.
Ack.
Ack.
Ack…

Am Lindenhof links (Saar-Rhein-Main-Weg, gelbes Plus) und auf der Autobahnbrücke über die A5 und zurück ins Bickenbacher Gewergebiet, dort der Benz-Str. nach rechts gefolgt.
Kein Fußweg, kein Randstreifen, Fahrbahnrand in Richtung Bickenbach.
Immerhin wenig verkehr.
Am Pflanzenhof vorbei, unter der Bahn durch, dann auf dem Fliederweg nach Bickenbach rein, über die B3, am Jagdschloss entlang, und schließlich die Hügelstr. hoch.

Inzwischen dämmerte es ernsthaft und wurde langsam frisch, aber immerhin hatten sich meine Waden so langsam mit der Lauferei abgefunden und kooperierten – zwar immer noch etwas mürrisch und unwillig, aber wenigstens hatten sie die Krampferei aufgegeben.

Einmal zurück durch Bickenbach, am Ende der Hügelstr. dann auf die namenlosen kleinen Feldwege zwischen Bickenbach, Jugenheim und Alsbach gewechselt und heimwärts.
Auch hier: Schön friedlich und dämmerig, als Bonusdreingabe Unmengen Karnickel, die in alle Richtungen davonstoben, sobald ich mich näherte.
Meine Beine machten immer besser mit.
Klar, jetzt wo´s fast geschafft war…

Über den Strassenbahnübergang im Feld, 150 m. das dümmste Kaninchen des Abends vor mir hergeschäucht (da sich nicht entscheiden konnte, ob es links oder rechts in die Büsche fliehen sollte, und deshalb halb panisch halb gemächlich im Zickzackkurs auf dem Weg vor mir herhoppelte), über die L3100, dann den flachen Hang hoch auf den Blütenweg und mit dem allerletzten Tageslicht links nach Hause.

Heidenei. Dafür, dass es ganz langsam und flach war, ist das heute nicht wirklich gut gelaufen. Am Ende war ich ganz schön abgeschafft und steif, und das, obwohl ich mich nicht mal angestrengt hatte. Anscheinend mögen meine Waden im Moment einfach keinen Asphalt und kein Flachland, sondern haben nur Lust auf Waldboden und Steigungen.
Ein bisschen schade um den wunderschönen Abend, aber was will man machen…

Strecke: 11,6 km
Zeit: Mit Geh- und Dehnpausen fast 1:20 h
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 3,62% (0,42 km von 11,6 km – irgendwie hab´ ich´s geschafft, auf dieser Standartstrecke tatsächlich noch ein paar noch nicht gebloggte Meterchen einzufügen)
Karte:
Erlenseerunde

M.

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14 Antworten to “Harte Tour mit harten Waden: Holpernd um den Erlensee (11,6 km)”

  1. Ruben Says:

    HOffentlich war das nur ne kurzfristige Laune deiner Waden.

    Ja, das mit den Paarundzwanzigjährigen wüsste ich auch gerne – wo sind die?

  2. matbs Says:

    Hi Ruben!

    Hoff´ ich auch – spätestens morgen finden wir´s raus… 😉

    Wo die paarundzwanzigjährigen Supermodel-Beachvolleyballerinnen-Nudisten sind weiss ich leider auch nicht genau, aber ich lass´ es dich wissen, wenn ich´s rausfinde… 😀

    Gruß

    Matthias

  3. Torsten Says:

    Das mit den Waden kenne ich, kommt bei mir auch ab und zu mal vor. Beim nächsten Lauf ist sowas dann aber wieder weg. Keine Ahnung woran sowas liegt, ich nehme es einfach hin.
    Das mit den Supermodel-Beachvolleyballerinnen-Nudisten würde mich auch interessieren, bekomme ich da auch bescheid?

  4. matbs Says:

    Ja, ist seltsam. Ich schieb´s einfach mal darauf, dass meine Körperstatik noch vom Lauf mit Rucksack am Montag durcheinander war… 😉

    Du kriegst nicht bescheid, schließlich les´ ich ständig, wie rigoros und verständnislos die Frau Torsten ist, mit der will ich keinen Ärger… 😉 😀

  5. dauerlaufen Says:

    Eigentlich hätte / müsste / könnte…
    Und dann ist doch alles andres. Diese Scheiß Eigensynamik aber auch…

    • dauerlaufen Says:

      Also nochmal:
      anders
      Eigendynamik
      Das muß besser werden.

      • matbs Says:

        Keine Angst, Rechtschreibfehler, die zu nachtschlafender Zeit (= vor 12:00 Mittags) gemacht werden, fließen nicht in die Benotung mit ein… 😆

        Aber ansonsten stimmt, für sollte/müsste/könnte kannste dir nix kaufen! 🙂

  6. Christian Says:

    He Matthias,

    da hast Du wohl den falschen Trainingsreiz zur falschen Zeit gesetzt, manchmal ist es eben echt verflixt, das kennt glaube ich jeder. Ich denke nicht, dass der Rucksack nachhaltig so stark Deine Haltung beeinflusst, ausser Du hattest entsprechend schon vor dem Lauf Beschwerden.
    Kannste nur auf den nächsten Lauf hoffen oder doch zum täglich Läufer werden 😉

    Salut

    • matbs Says:

      Ach, ich weiss nicht.
      Ich schieb´s lieber auf den Rucksack, auch bekannt als „Die Kunststoffgewordene Leibesfrucht des Satans“. Schließlich bevorzugen wie Laien einfache Kausalzusammenhänge… 😀

      Beim nächsten mal lauf ich einfach wieder in die Berge, dann wird das schon!

  7. Hannes Says:

    Ja, manchmal möchte uns der Körper veräppeln, manchmal ist er auch nur komisch. Wenn ich auf mein bisheriges Jahr zurückblicke, ist es ähnlich. Die ersten beiden Monate habe ich viel, wirklich viel trainiert. Alles lief super, alles war bestens. Danach schraube ich aus Vorsicht zurück, mache langsamer, entspanne und dehne mich ausgiebig – was kommt – Überlastungsbeschwerden im Knie. Es ist verflixt.

    Aber mit der Zeit vergeht es wieder. Deine Waden haben sich die drei Tage lang sicher gedacht, dass das eine Ausnahmebelastung ist und sie alles zeigen müssen. Jetzt war erstmal Ruhe angesagt. Das musst du akzeptieren. Das nächste Mal wirds wieder schöner!

    • matbs Says:

      Tja, wie heisst´s so schön: „Da steckt man nicht drin“.
      Oder halt, irgendwie steckt man ja doch drin. Aber das macht´s nicht berechenbarer… 🙂

      Aber ich denke auch, dass das nur ein einmaliges Phänomen war, vielleicht auch einfach deshalb, weil ich Asphalt und Flachland nicht mehr ganz so gewöhnt bin.

  8. Tante Moni Says:

    Ach Matthias, Deine Berichte sind ja immer interessant zu lesen, aber über diesen habe ich mich ausgeschüttet vor Lachen. Du hast meine Laune und den Tag gerettet.

  9. matbs Says:

    Hallo Moni,

    freut mich, wenn ich dir Tag und Laune etwas aufhellen konnte – vielleicht krieg´ ich´s ja mal wieder hin… 😉

    Schönen Gruß

    Matthias


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