Etwas zähe Waldtour um den Melibokus (12,5 km)

10. Juni 2009

Haaachje…
Irgendwie bekommen mir zwei Tage Pause am Stück nie so gut. Letzte Woche war´s danach arg krampfig, und diese Woche – na ja…

Gestern in Mainz gewesen, wollte danach unterwegs noch ein bisschen laufen, aber als ich dann gegen 21:00 endlich meinen Kram erledigt hatte und ziemlich abgespannt heimwärts gefahren bin, hatte ich irgendwie keinen echten Drang mehr, noch anderthalb Stunden durch den Wald bei Worfelden zu rennen (dort war die Tour geplant) und hab´s gelassen.

Dafür dann eben heute.
„Meh“-Tag.
Mäßiges Wetter, mäßige Laune, mäßige Tagesform – alles nicht unerträglich mies, aber doch ein bisschen näher an „schlecht“ als an „gut“.
Meh.


Start gegen 20:00 Uhr. Das mag ich am Sommer, dass man entspannt in den Abend laufen kann ohne hetzten zu müssen. Wunderbar, und viel besser als die Zeit zwischen November und Februar, wo man zusehen muss, dass man bis 16:00 Uhr durch ist, wenn man überhaupt ein bisschen Tageslicht haben möchte…

Erstmal südwärts, unter dichten grauen Wolken bei leichtem Nieselregen und extremer Luftfeuchtigkeit (die wiederum mag ich gar nicht) auf dem Blütenweg durchs Feld nach Alsbach.
Langsam, ein bisschen steifbeinig, etwas träge und mit offensichtlich recht niedrigem Kreislauf – und die Tatsache, dass das Abendessen gerade mal 15 Minuten her war und mir im Magen lag, half auch nicht unbedingt…
Wie gesagt: Nicht unsäglich mies, aber besonders gut war´s auch nicht, deshalb änderte ich auf den ersten paar hundert Metern auch spontan meine Pläne. Ursprünglich hatte ich eine große Tour um das gesamte Melibokusmassiv laufen wollen, 16 bis 17 Kilometer über Zwingenberg, Auerbach, Hochstädten und Balkhausen, aber das wär´ heut´ einfach nix gewesen, stattdessen kürzte ich die Tour schnell mal um ein ganzes Stück und entschloss mich, oben im Wald um den Melibokus zu laufen.

Durch Alsbach, Asphalt etwas hart, leicht verspannt und träge, Nieselregen immerhin so leicht, dass er nicht nervte: Jugenheimer Str, Katharinenberg, Lindenstr., dann die Kirchstr. links hoch zum Alsbacher Schloss – den ganz kurzen Aufstieg auf Burgen- und Alemannenweg (blaues B/rotes S), erst das lange Bachtal unter dem Schloss hoch (der Eselsgrund), dann rechts in die Hindenburgstr., kurz danach links und relativ steil durch einen Hohlweg am Hang bis zur Burg.
Fiel nicht leicht, Niedriger Kreislauf und hohe Luftfeuchtigkeit sind keine Traumkombo, da sieht man schon mal ein paar kleine Sternchen vor den Augen tanzen.

Oben angekommen das Schloss ignoriert („Jaja, Alsbacher Schloss, sehr nett, aber nur bei gutem Wetter, nicht unter bleigrauem drögen Abendhimmel“) und links am Freizeitgelände entlang in Richtung Melibokus.
Dann kurze Pause um mit der Frage zu ringen, wie ich weiterlaufen sollte: Rechts den längeren aber bequemeren Comoder Weg, oder links den kürzeren aber steileren Herrenweg.
Hmmm, gar nicht so leicht…

Schließlich entschied ich mich „kurz und anstrengend“ und folgte der gelben 4 des Hoboken-Wegs bergauf zum Beginn des Herrenwegs. Nicht wirklich steil, aber heute fiel´s ein bisschen schwer. Uffa!

An der ersten Kehre: Herrenweg rechts. Am Hang entlang, stetig aber mild aufwärts in Richtung Auerbacher Schloss.
Lauf´ ich normalerweise sehr gern, heute war´s nicht so der Bringer. Immerhin hielt das dichte Blätterdach den doofen Nieselregen ab.

Nach einem Kilometer kurz über Nibelungensteig/Lucibergweg, die allerdings schnell wieder nach links in Richtung Melibokuskuppe abbogen (heute war ich doch recht froh, da nicht hoch zu müssen), nach 2 km ging´s dann endlich abwärts runter zum Not-Gottes-Parkplatz zwischen Melibokus (den ich damit halb umrundet hatte) und Auerbacher Schloss. Auch schon wieder ein halbes Jahr her, dass ich her bei klirrender Kälte an einem herrlichen sonnig-verschneiten Januartag vorbeigekommen war und Fotos geschossen hatte, schon faszinierend, wie anders das heute aussah.

Hier war´s dann auch schon Zeit für den Rückweg – an der Westflanke des Melibokusmassivs war ich hergelaufen, nun wollte ich an der wilden Ostflanke zurück – scharf links, kurz die Melibokus-Strasse hoch, dann rechts ab und auf dem Melibokusweg (gelbe 6, außerdem rotes S des Alemannenwegs) in den dichten, einsamen Hangwald an der mittleren Ostflanke rein, dann wiederum halbrechts und auf dem Neunkrümmweg weiter.

Den Neunkrümmweg mag ich. Er ist unmarkiert und einsam und etwas verwildert, nicht so sehr, dass er unlaufbar wäre, aber so sehr, dass es schon ein bisschen interessanter ist hier zu laufen. Außerdem hat er schönen, weichen Waldboden, das kam mir heute sehr entgegen.
Und er führt kurz über dem Waldrand am Rand des Mühltals vorbeim, entsprechend hat man hier immer wieder herrliche Ausblicke über die Hangwiesen ins das herrliche Tal hinab, und weiter über die dahinterliegenden Höhenzüge die Bergstrasse runter.
Wunderschön, und womöglich einer meiner absoluten Lieblingswege in der Gegend (hab´ ich allerdings noch nie drüber nachgedacht).

Hier lief´s dann langsam etwas besser. Den schlammigen Weg entlang, die Ausblicke auf Felsberg und Krehberg genossen, Rehe in Rauhen Mengen gesehen (wie gesagt: Total einsam hier), zwischenzeitlich versucht auf einem unbekannten Pfad runter ins Mühltal zu kommen (endete nach 50 m. Brennesseln und Dornen am Waldrand vor einem Elektrozaun, da kehrte ich wieder um) – sehr schön.
Und dann, plötzlich, ein ganz besonderer Moment – direkt hinter einer Kehre, mitten auf dem Weg schreckte ich ein massiges, graubraunes, überraschend großes Tier auf, das mit einem enervierten Schnauben im dichten Gestrüpp am Wegrand verschwand – Dachs!
Seit zehn Jahren laufe ich jetzt durch den Wald, aber einem Dachs bin ich noch nie begegnet – heute war das allererstemal, dass ich einen in freier Wildbahn getroffen habe.
Wahnsinn, damit war der Abend gerettet (auch wenn ich ein leicht mulmiges Gefühl hatte, als ich an der Stelle vorbeilief, an der er im Dickicht verschwunden war – das war ein ganz schöner Karwenzmann gewesen, sicher einen halben Meter lang und mit Riesenkrallen, wenn der beschlossen hätte, heute Abend eines meiner Beine essen zu wollen, wär´ das sicher hässlich geworden… 😀 )! 🙂

Weiter den Neunkrümmweg entlang, bis zur einsamen Wegscheide am Waldrand zwischen Mühltal und Balkhäuser Tal. Hier oben treffe ich normalerweise immer wenn ich vorbeikommen, einen einzelnen, großen Feldhasen. Wirklich immer. Der ist fast schon sowas wie ein alter Freund.
Heute war er nicht da. Schade, hoffentlich ist ihm nichts passiert…

Ich lief links, nochmal in den Wald rein und leicht bergauf bis auf den untersten Weg an den Drei Quellen, dann weiter zum Waldrand am Schollrain, da wo der Nibelungensteig vom Melibokus aus dem Wald kommt und durch die herrlichen Wiesen am Talrand führt.
Vorletzten Freitag bei der Nibelungensteig-Tour mit Gerd waren wir hier rechts gelaufen, rüber in Richtung Felsberg gelaufen.
Letzten Freitag, bei meinem spontanen 28er war ich keuchend und japsend in links gelaufen, den steilen Nibelungensteig zum Melibokusgipfel hoch.
Heute hingegen lief ich halbrechts/geradeaus, den bequemen, leicht abfallenden „Balkhäuser Rentnerweg“ runter durch die Wiesen an die L3103 Balkhausen-Hochstädten. Hier begegnete mir auch der Feldhase (ich nahm einfach mal an, dass es mein Freund von der Kreuzung über Hochstädten war und grüßte ihn freundlich. Er rannte freundlich weg).

Mmmh, gemächlich bergab im grauen Abendlicht, in der Nase den Geruch von Heu und nassem Asphalt. Angenehm…

An der Landstrasse links nach Balkhausen rein, und von nun an einfach immer bergab – durch das endlos lange unterdorf, am Tahlhof rechts und gleich wieder links, auf dem Balkhäuser-Tal-Weg (gelbe 3) am Rückhaltebecken im Talgrund vorbei, an dessen Oberfläche mindestens zwei Dutzend großer Karpfen (?) dümpelten, dann am alten Forsthaus vorbei wieder an die L3103 und auf dem Fuß-/Radweg neben der Strasse den Rest des Tals runter bis nach Jugenheim und nach hause.

Hjaaaneeenaja…
Nicht super. Aber auch nicht mies.
Eine Füllsel-Tour, wie´s halt auch mal sein muss.
Bis auf meinen allerersten Dachs, der war super!

Strecke: 12,5 km
Zeit: Nicht genommen, langsam.
Neue Strecke: Nicht wirklich
Karte:
Umdenmelibokusrunde

M.

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13 Antworten to “Etwas zähe Waldtour um den Melibokus (12,5 km)”

  1. Hannes Says:

    So muss es eben auch mal sein. Schon komisch, wenn man eben bei jeder Tour so gerne etwas entdecken möchte, eine richtig schöne Tour eben laufen möchte. Ich vermute, dass viele „normale“ Läufer, die „einfach nur“ laufen, andauernd solche Touren haben, etwas zäh eben. Für dich ist das hingegen schon fast etwas Negatives, so klingt es zumindest, auch wenn du ja immer wieder sagst, dass es nicht schlecht war.

    • matbs Says:

      Hi Hannes,

      stimmt, so ein bisschen zäh zwischendurch ist überhaupt kein Beinbruch, zumal´s wirklich nicht besonders schlimm war.
      Nachdem´s letzte Woche absolut super gelaufen ist, hab´ ich diese Woche einfach mal wieder eine kleine aber nicht weiter dramatische Formdelle, in der es etwas schwerer fällt – ganz normal und kein großes Problem.

      Wobei: Andauernd solche Touren wollt´ ich dann auch nicht haben… 😉

      Gruß

      Matthias

  2. dauerlaufen Says:

    Einen Dachs habe ich auch noch nie gesehen. Waschbären ja, aber einen Dachs? Super. Die sollen viel Blödsinn im Kopf haben. Und toben oft nachts lautstark durch den Wald, sagt ein befreundeter Jäger.

    • matbs Says:

      Solange sie´s nicht auf Joggerbeine abgesehen haben, können sie gerne toben und Blödsinn machen. 😀

      Waschbären gibt´s bei uns hier unten noch keine, die sind ja im Moment noch eine nordhessische Spezialität und breiten sich erst so langsam immer weiter aus, nachdem ihre Vorfahren in den Dreissigern am Edersee in die Wildnis entkommen sind.
      Aber wer weiss, vielleicht hab´ ich das Glück, irgendwann auch noch mal einen von denen zu sichten, wenn sie´s erstmal über den Taunus geschafft haben… 🙂

      • dauerlaufen Says:

        Wenn sie dir den 100en Gelben Sack zerbissen haben und mit dem Inhalt eine Party vor deinem Schlafzimmerfenster feiern, willst du sie nicht mehr haben… Aber süß sind sie, die Waschbären.

  3. Christian Says:

    He Matthias,

    so mittelmäßig oder gar mies hört sich der Bericht doch gar nicht an. Es gibt nicht immer nur die guten Tage und vor allen Dingen sieht man nicht alle Tage einen Dachs 😉 Ich hatte ganz zu Beginn meiner Lauf-Karriere das Vergnügen, aber in den letzten Jahren nur Sauen, Rehe, Füchse und Hasen und gestern massenhaft Zecken 😳

    Schönes Wochenende wünsch ich Dir und hoffentlich einen Lauf, der Dich mehr zufriedenstellt

    Salut

    C.

    • matbs Says:

      War ok. 😉

      Zecken sind doch auch schön, wenn sie kurz vor Sonnenuntergang auf ihren Wildwiesen hin- und herhüpfen, ihre Paarungstänze vollführen, und ihre charakteristischen Brunftschreie ertönen lassen (leider im Ultraschallbereich und deswegen unhörbar) – das ist Natur pur.
      Oder so ähnlich… 😆

      Der nächste Lauf ist übrigens gerade absolviert, lief besser aber auch noch etwas schwer – diese Woche hab´ ich einfach eine kleine Formdelle, aber nach der letzten Superwoche ist das nicht weiter schlimm…

      Schönes Wochenende zurück, am besten mit nicht weiter definiertem Wetter deiner Präferenz… 😀

      M.

      • Christian Says:

        Du bist aber nachtragend 😎

        Muss leider heftigst arbeiten, bin immer noch in der Klinik und das zieht sich heute und morgen und…

        Salut

        PS: Freut mich, dass es nur eine Formdelle und kein Formtief ist 😉

  4. Gerd Says:

    Füllsel-Tour. Du Ignorant. Andere würden einen Arm dafür geben. (aber nur den Linken) 😉
    Bei Dachsen muss man ein bisschen vorsichtig sein. erstens habe die eine unheimliche Kraft, und wenn sie Angst haben sind die ganz schön angriffslustig. Mir ist bei Semd mal einer entgegengelaufen. Da ging mit ganz schön der Stift!

  5. matbs Says:

    Hm.
    Nee, ´nen Arm wär´s nicht wert gewesen… 😀

    Das mit dem Vorsichtig Sein hab´ ich mir auch so gedacht – aber zum Glück wollten weder der Dachs noch ich Streit, also sind wir ohne Stifte ausgekommen. 😉

  6. matbs Says:

    @ Christian: Kinderkinder, mit dir hat man´s nicht leicht – wenn ich dir schönes Wetter wünsche, ist das ´ne „Schmähung“, wenn ich dir Wetter deiner Wahl wünsche, ist das „nachtragend“.
    Nächstesmal wünsch ich dir am besten gar kein Wetter. Sofern das nicht „nihilistisch“ ist… 😆


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  8. […] Rein statistisch gesehen treffe ich damit beim Laufen übrigens doppelt so oft auf Tiger wie auf Dachse. Das beunruhigt mich spontan ein […]


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