Der Weg nach Frankreich, Teil 1: Monsheim – Bockenheim a.d.Weinstrasse – Grünstadt (14,4 km)

20. Juni 2009

Samstag, und schon wieder geht´s über den Rhein rüber, heute allerdings nicht nach Mainz, sondern ins südliche Rheinhessen hinter Worms.
Auch gut, da lässt sich´s bekanntlich schön laufen

Heute wollte ich mal südwärts, von meinem südrheinhessischen kleinen Streckennetz-Knotenpunkt in Monsheim runter in die Pfalz und zum Anfang der deutschen Weinstrasse, genauer gesagt bis nach Grünstadt. War ich noch nie (zumindest nicht bewusst), sah nach ´ner schönen Strecke mit ein paar netten Höhenmeterchen aus, und außerdem ist Grünstadt ein guter Ausgangspunkt, um irgendwann später mal weiter in die Pfalz vorzustossen.
Übrigens Einwegstrecke, in Grünstadt wollten mich ein Freunde, mit denen ich nachher sowieso verabredet war, aufsammeln und wieder zurück nach Monsheim bringen.

Start am frühen Nachmittag in Monsheim, in der Johann-Scherner-Str. kurz vor dem Bahnhof, durch die ich im Februar schon mal durchgekommen war. Zeitlich leider etwas später als erhofft, da die Herfahrt aufgrund einer gesperrten Autobahnabfahrt (warum hört man sowas eigentlich immer erst dann im Verkehrsfunk, wenn es schon zu spät ist) ein gutes Stück länger gedauert hatte – da würde ich mich ein bisschen ranhalten müssen, um mein „Taxi“ für die Rückfahrt nicht zu lange warten zu lassen.
Schnell den Getränkegürtel umgeschnallt und die Kappe aufgesetzt, und gleich los, mit leicht schlechtem Gewissen ohne Dehnen.

Und zwar erstmal die Scherner-Str. runter bis an die B271 kurz vor dem Monsheimer Schloss, dort dann links und neben der Bundesstrasse unter der Bahnbrücke durch (damit waren die bekannten Pfade für heute auch schon abgehakt) und bis zur großen T-Kreuzung vor dem Ort, wo sich B47 und B271 teilen.

Etwas zu lange an der Fußgängerampel gewartet („grün, werd´ schon endlich grühüüün, ich hab´n Zeitplan hier…“), schließlich rüber und nach fünzig Metern links auf die Wachenheimer Str. und auf dem langen, geraden Trulloradweg westwärts in die Felder und Weinberge am Rand des Zellertals.

Wetter übrigens ordentlich und angenehm, dichte Wolken wechselten sich mit ein bisschen Sonne ab, Temperaturen zwischen 17 und 20 Grad.
Lief aber erstmal trotzdem eher holprig. Schwere Beine (vielleicht wegen dem ausgefallenen Dehnen) aber auch schwerer Kopf – diese Woche hat sich in meinem familiären Umfeld ein ganz schlimmes, bedrückendes Unglück ereignet, sowas läuft dann natürlich mit und macht es schwer, sich voll und ganz auf den Lauf und die Umgebung einzulassen…

Lange geradeaus, links Weinberge und Felder, rechts das untere Zellertal vor Wachenheim, dahinter die Hügel mit mehr Weinbergen.
Ging ordentlich bergauf hier, damit hatte ich gar nicht so richtig gerechnet (irgendwie unterschätze ich die rheinland-pfälzischen Hügel offenbar gerne ein bisschen). War aber ganz gut, meine Beine mögen´s bekanntlich ja ganz gerne, wenn´s Anfangs gleich mal ein bisschen bergauf geht, und die Steigung war so moderat, dass ich relativ problemlos ein recht hohes Tempo gehen konnte.

Nach ca. 1,8 km, und schon relativ nah an der Kuppe des nächsten Hügels (laut Wanderkarte der/die/das Horn, auch wenn er nicht unbedingt so aussah) dann links ab und südwärts, nun auch mal wieder auf einem ordentlich markierten Wanderweg: Der „Kelten und Weinwanderweg“ des Pfälzerwald-Vereins, gekennzeichnet mit einem roten W, das für den größten Teil der restlichen Tour die Markierung der Wahl bleiben sollt (außerdem noch das runde Traubensymbol des „Weinwanderwegs Zellertal“, aber das verschwand recht bald wieder).

Mehr Weinberge. Mal unter trüben Wolken, dann wieder im strahlenden Sonnenschein, und irgendwie freundlicher fürs Auge als die endlosen Roggenfelder von vorgestern. Ein ganz klein wenig irritierend war allerdings die Topografie, die wieder mal etwas ungewohnt daherkam – eben war ich lange hochgelaufen, da erwartete mein Unterbewusstsein irgendwie, dass es entweder wieder richtig bergab oder aber weiter bergauf gehen würde – stattdessen war´s hier aber auf einmal ziemlich eben.
Seltsam, dieses Hügelland, wirklich seltsam…

Ein ganzes Stück mit gutem Tempo und besser werdenden Beinen auf dem rissigen, steinigen Betonweg geradeaus zwischen den Rebenreihen hindurch, bis ich die B271 erreicht und auf einem kleinen Pfad neben der Fahrbahn nach rechts nach Bockenheim einlief, das nicht nur das nördliche Ende der Deutschen Weinstrasse markiert, sondern auch – wie ein Schild am Dorfeingang stolz verkündete – Heimat der Pfälzischen Weinkönigin ist. Oookay. Sie mal einer an.

Netter kleiner Ort, es ging zwischen eng stehenden alten Häuschen direkt auf der Strasse weiter nach Süden (für einen Bürgersteig ist hier kein Platz), dann ca. 300 m. nach dem Ortseingang scharf rechts auf einen schmalen Weg, der an einer alten, mit wildem Wein überwucherten Maur aufwärts in die Weinberge über dem Dorf führte und – natürlich – mit dem roten W des Kelten- und Weinwanderweges markiert war (außerdem mit dem eckigen Traubensymbol des „Wanderwegs Deutsche Weinstrasse“).

Pro: Netter Aufstieg, hübscher Weg.
Contra: Ich verpasste das interessant aussehende „Haus der deutschen Weinstrasse„, das so ein bisschen ausschaut wie die „Autobahn“-Raststätte“ in „Asterix bei den Schweizern“ und außerdem den wirklichen, echten, offiziellen Anfang der Weinstrasse markiert.
Hätt´ ich gerne mitgenommen, wenn ich gewusst hätte, dass es da ist. So kam´s mir dann erst bei der Rückfahrt unter die Augen.
Na ja, nächstes Mal…

Aufwärts, rechts über einer Böschung noch ein bisschen Bockenheim, links weite Weinlagen mit Infotafeln zu den einzelnen Rebsorten, die ich mir heute mal nicht las, weil ich´s ja eilig hatte.
Angenehmer Aufstieg, vielleicht 50 oder 60 HM auf 700 m. Strecke, lief sich trotz etwas steinigem Weg prima.
Oben angekommen erreichte ich den Rand des Dörfchens Kindenheim, das in ein schmales Tal genestelt zwischen den Weinhängen versteckt ist und an einem Gewässer namens „Kinderbach“ liegt. Klingt irgendwie lustig, finde ich…

Hier kurz an einer Tafel mit dem lokalen Wegennetz orientiert, dann links ab und auf dem sogenannten „Höhenweg“ am Hang entlang nach Süden. Halbe Höhe, hoch über Bockenheim, natürlich durch Weinberge.

Grandiose Aussicht von hier oben – das hier ist der Rand des pfälzischen Hügellandes, d.h. nach Osten gibt es nichts, was den Blick auf die Rheinebe verstellt.
Entsprechend sieht man – selbst an einem etwas diesigen Tag wie heute – fast alles, was sich im Umkreis von 40 oder 50 Kilometern nach Osten erstreckt. Und das ist ´ne ganze Menge: Am Horizont fast die gesamte Bergstrasse, vom Melibokus über den charakteristischen Steinbruch bei Weinheim bis runter zum mächtgien Königstuhl über Heidelberg. Davor: Das Ried und die Rheinebene, dann der breite, schimmernde Rhein, Biblis, Worms, die Doppelmetropolen Mannheim und Ludwigshafen, die nur durch den Rhein voneinander getrennt und scheinbar zum greifen nah in der Ebene prangten. Davor dann schließlich die weiten Felder und kleinen Dörfchen der nordöstlichen Pfalz (ergänzt durch ein paar himmelschreiend hässliche Bausünden) zwischen sanften Bodenwellen.
Schönes Stück, richtig was zum Geniessen.

Allerdings nur einen knappen Kilometer, dann wurde „Geniessen“ durch „Schwitzen“ ersetzt.
Schluss mit bequem auf gleichbleibender Höhe am Hang entlanglaufen, der Kelten- und Weinwanderweg wollte nun plötzlich rechts, geradewegs den Hang hoch.
Na gut, wenn das rote W das befiehlt…

Breiter Weg mit gutem Pflaster, links Weinberge (trüb), rechts Weinberge (sonnig), geradeaus Steigung – und zwar ca. 12% bis 13% auf 400 m.
Klingt erstmal nicht so schlimm, aber ich hatte es ja etwas eilig, deswegen hielt ich das Tempo hoch.
Na ja, zumindest die ersten 200 m.
Dann nahm ich doch ein bisschen Geschwindigkeit raus.
Zum Atmen und so.
Na ja, zumindest die nächsten 100 m.
Dann nahm ich noch ein bisschen mehr Geschwindigkeit raus.
Zum Atmen und so…
Puuuh!

Am Ende der 400-m.-Steigung eine Kreuzung, an der irgendein ein lokaler Fremdenverkehrsverband eine hilfreiche Infotafel aufgestellt hatte, die erklärte, wie man seinen Puls misst.
Ich war kurz versucht, das sofort mal auszuprobieren, aber da das Ergebnis wahrscheinlich wesentlich weniger spektakulär ausgefallen wäre als die gefühlten 280 Schläge pro Minute nach dem Aufstieg (viellecht auch 290, da bin ich großzügig… 😀 ), liess ich´s bleiben und orientierte mich lieber nur kurz.
Der Kelten- und Weinwanderweg bog hier links ab, aber dieses Mal ohne mich.
Hatte ich mich bereits bei der Planung für einen Umweg über den Galgenberg und den Quirnheimer Segelflugplatz entschieden, und dahin ging´s weiter geradeaus.
Und weiter bergauf.
Nochmal fast einen Kilometer.
Weniger steil, aber ich war ja auch schon außer Atem.
Aaaanstrengend…
Heidenei, ich neige tatsächlich dazu, diese Hügel zu unterschätzen.
Nur weil keine Wald auf ihnen steht und sie nicht 500 m. hoch sind, heisst das noch lange nicht, dass es ein Pappenstiel ist, hier rauf – und runterzurennen…

Glücklicherweise verflachte der Anstieg mehr und mehr, und als ich mich der Plateauartigen Kuppe des Galgenberges (immerhin mehr als 300 m. ü.NN, und damit 150 m. über Bockenheim) näherte, lief´s schon wieder bestens.
Die Landschaft war hier oben deutlich anders als an den Hängen, denn in klassisch rheinland-pfälzischer Hochplateau-Manier waren die Weinberge hier durch endlos weite Getreide- und Kohlrabifelder ersetzt worden, das brachte Erinnerungen an die beunruhigende Weite südlich von Mainz auf der vorgestrigen Tour hoch. Sogar die unsichtbaren hysterisch singenden Vögel, die sich offensichtlich zwischen den Kohlrabi-Blättern versteckt hatten und nach Kräften versuchten, mich um mein nervliches Gleichgewicht zu singen, waren wieder da.

Aber heute nicht, denn hier oben gab´s Aussicht zur Ablenkung, und was für eine – rechts des Weges, ganz nah, der langgezogene Rücken des Donnersberg jenseits des Zellertals. Schön.
Noch viel besser allerdings der Blick nach links, über die Felder und den Plateaurand nach Süden, wo die flache Rheinebene unvermittelt und spektakulär in die hohen, steilen, bewaldeten Hänge des Pfälzerwaldes überging. Herrlicher Anblick, wie das Land sich erst ganz langsam anhebt, eine nur leicht geneigte Fläche mit Dörfchen und Weinorten, um dann unvermittelt an den fast Wand-artigen bewaldeten Hängen zu enden, auf deren vorderen Hängen die eine oder andere Burg hervorschaute, darüber der Fernmeldeturm auf dem Weilerskopf hinter Bad Dürkheim, den man an klaren Tagen von der Bergstrasse aus erkennen kann. Davor, am Rand des Gebirges, die charakteristische Kurve der A6, wo sie sich hinter Grünstadt steil in die Weinberge hinaufschlängelt und an der spektakulären Burg in Neuleiningen vorbeiführt, bevor sie hinter der Hügelkante in Richtung Kaiserslautern verschwindet.
Und – als ob diese grandiose Aussicht noch nicht genug gewesen wäre – kann man von hier aus auch wieder über die Rheinebe schauen, rüber an die Bergstrasse, wie sie hinter dem Königstuhl immer flacher wird und sich schließlich im Hügelland des Kraichgau verliert, dann weiter den Flusslauf hinauf nach Baden, über Speyer bis zu den fernen Hängen des Schwarzwaldes, die ganz schwach jenseits von Karlsruhe in ca. 80 km Entfernung erkennbar waren.
Trotz Zeitdrucks: Ein paar Minuten Schaupause.
Musste einfach sein!

Dann weiter, westwärts über die Anhöhe, während mein Blick immer wieder nach rechts oder links in die grandiose Weite schweifte.
Nach ein paar hundert Metern tauchte rechts ein eingezäunter Komplex aus mehreren Gebäuden mitten in der Pampa auf – hohe Zäune mit Stacheldraht, Schilder die vor Videoüberwachung warnten, und mehrere riesenhafte Hunde, die nicht gerade freundlich wirkten und laut gauzend am Zaun entlangliefen, während ich vorbeijoggte („Hoffentlich ist hier kein Loch im Zaun“, dachte ich mir, „Die Biester fressen dich sonst bei lebendigem Leib auf“).
Ziemlich viel Paranoia, für eine schlichte Solaranlage (denn das war´s laut den Schildern am Zaun, weiter hinten konnte man auch die Photovoltaic-Anlagen sehen).
Aber vielleicht war´s ja auch noch ein Überbleibsel von früher, denn bis 2001 war das hier ein original amerikanisches Raketensilo mitten in der Pfälzer Provinz gewesen…

Ich beeilte mich ein bisschen, mit den scharfen Hunden und den Hochsicherheitsszäunen war das irgendwie kein freundlicher Ort…

Nach 700 m. erreichte ich eine weitere Gebäudeansammlung zwischen den Feldern, dieses Mal ohne Hunde und Zäune und Warnschilder – früher war das wohl die amerikanische Basis zum Raketensilo gewesen, heute ist es das Quirnheimer Gewerbegebiet an der „kleinen Wust“.
Etwas barrackig, aber das ist bei der Vorgeschichte wohl zu erwarten – und schlechter als „normale“ Gewerbegebiete mit ihrer drögen Nutzarchitektur war´s auf keinen Fall…

Hier ging´s links, auf einen schnurgeraden Weg auf dem breiten Bergrücken, der direkt am grasigen, hunderte Meter langen Landestreifen des Segelflugplatzes entlangführte.
Auch hier gab´s überall Schilder, dieses Mal mit der Aufschrift:
„Flugplatz. Betreten Verboten. LEBENSGEFAHR!!“
Seeehr beruhigend…

Auch hier machte ich lieber mal etwas schneller und rannte in schnellem Tempo den bequemen Weg entlang, immer mit einem Auge in den Himmel, um rechtzeitig feststellen zu können, ob eine Segelfluganfänger gerade dabei war, ein missglücktes Landemanöver auf mir auszuführen.
Zum Glück war´s ruhig, lediglich ganz weit vorne tanzte ein großes ferngesteuertes Modellflugzeug im Wind, drehte Kapriolen und Pirouetten, stieg steil zu den grauen Wolken hoch, stürzte dann wieder pfeilschnell in Richtung Boden um sich im letzten Moment zu fangen.
Irgendwie hübsch, auch wenn ich mir – da ich ja eh schon im Flugzeugparanoia-Modus war – vorstellte, dass sein Pilot es zur Joggerjagd nutzen könnte, sobald ich näher drankäme.
Tat er aber nicht, stattdessen steuerte er seinen Modellflieger netterweise etwas weiter weg, als ich vorbeilief, das beruhigte etwas… 😉

Am Ende des Fluggeländes (hier standen auch einige grazile, schlanke Segelflugzeuge und warteten auf ihren Einsatz) ging´s dann wieder talwärts, links einen holprigen, unmarkierten Weg hinunter, der erst noch ein Stück durch die Felder führte, dann steil abfallend in die Weinlagen vorstiess, und schließlich auf einen breiteren und halbwegs ebenen Betonweg zwischen den Rebenreihen führte: Der gute alte Kelten- und Weinwanderweg, das rote R hatte mich wieder!

Von nun an immer weiter Bergab, in leichtem Zickzackkurs den weinbewachsenen „Asselheimer Goldberg“ hinunter in Richtung des steilen, tiefen Eisbachtales. Nach ein paar hundert Metern passierte ich die sehr gut besuchte „Asselheimer Weinwanderhütte“, eine saisonal bewirtschaftete Ausflugskneipe mitten in den Weinbergen.
Sah gut und einladend aus, wenn ich´s nicht eilig gehabt hätte, hätte ich mir hier vielleicht eine Cola oder womöglich gar ein Gläschen Pfälzer Wein gegönnt. So lief ich allerdngs nur vorbei, lavierte zwischen Wanderern, Walkern und ihrem Nachwuchs hindurch und lief weiter dem roten W hinterher.

Zwei Kurven später dann ein total spannendes Schild:
„Urgeschichtliche Wohnhöhle Hohe Steine [oder so ähnlich, leider fällt mir der Name nicht mehr ein, und das Internet schweigt sich aus] wegen Steinschlaggefahr gesperrt. LEBENSGEFAHR! (das schreiben die hier irgendwie ziemlich gerne)“.
Hmmm…, eine urzeitliche Wohnhöhle, das ist mir auch noch nie untergekommen.
Aber andererseits durfte man nicht hin. Und LEBENSGEFAHR!
Aber andererseits… eine urzeiltliche Wohnhöhle!!!

Ich entschied mich für einen Kompromiss – nicht direkt hinlaufen, aber zumindest mal von näher anschauen.
Ein paar Meter über eine Wiese (neben einem Weinberg, was auch sonst), und dann konnte man es gut sehen: Der Hang war hier ausnahmsweise mal nicht sanft und gerundet, sondern schroff und steinig, eine 10, 15 m. hohe Felswand, in der man relativ weit oben einen kleinen, schwer zugänglichen Höhleneingang erkennen konnte – hier haben also unsere Vorfahren vor 50 000 oder 60 000 Jahren gelebt, in einer Hanglage, die man nur kletternd erreichen kann, oder gar nicht, wenn mein ein Wolf oder Wollnashorn ist…
Faszinierend, eine so alte menschliche Behausung ist mir noch nie bei meinen Touren begegnet.

Zurück auf den Kelten- und Weinwanderweg, immer steiler talwärts, durch Wiesen und Heckengebüsche, gerade verlor ich Höhenmeter en gros.
Was ein bisschen besorgniserregend war, denn auf der anderen Talseite ging´s wieder bergauf, und das sah verdammt hoch und steil aus…
Aber immerhin war ich schon fast da, hinter der nächsten Anhöhe wartete bereits Grünstadt, und ich lag – meiner Schätzung zufolge – noch knapp in der Zeit.

Unten im Eistal überquerte ich eine Landstrasse (L395 Asselheim – Mertesheim), und den hübschen und überraschend breiten Eisbach im Talgrund, dann ging´s auch schon wieder bergauf.
Wie erwartet: Steil bergauf und viel bergauf!
Uijuijui…

Etwas ungewohnte Umgebung, hier unten wuchs dichter Wald, das hat man hier ja eher selten. Zur Abwechslung sehr nett.
Der Weg, der „Mandelhohl“ genannt wird, wand sich erst ein bisschen, führte dann unvermittelt unter einer Eisenbahnbrücke hindurch, und ging dann am Rand einer langgezogenen Hangwiese immer weiter bergauf.
Steil.
Steil!!
Stei-el!!!!

Das kostete nochmal richtig Kraft, nochmal ca. 100 Höhenmeter auf vielleicht 700 m, und die Steigung war nicht immer gleichmässig, sondern variierte zwischen „So steil, dass es die letzten Reserven kostet“ und „Nicht ganz so steil, aber immer noch steil genug, dass man kaum regenerieren kann“.
Die Tatsache, dass ich aus Zeitgründen wieder ganz besonders schnell hochwollte, half da nicht so wirklich…
Nach zwei Dritteln war Schluss, overpacen am Hang, das ist nicht so gut: Kleines Gehpäuschen, die steilen letzten 200 m. im zügigen Schrittempo, das war anstrengend genug.

Oben angekommen hatte ich´s dann aber auch schon fast geschafft:
Ein paar Häuser neben dem Weg, dann eine asphaltierte Strasse nach links, wieder steil bergab einen Hang runter, und dann war ich auf einmal schon in Grünstadt, lief am kleinen Kreiskrankenhaus vorbei bis auf den Westring (Neubaugebiet. Freundlich aber unspektakulär), den rechts runter, und dann auf der Obergasse runter in den alten Stadtkern.
Laut Armbanduhr war inzwischen die verabredete Abholzeit erreicht und ich war weniger als 5 Minuten vor dem verabredeten Ziel, da war nochmal Tempo angesagt.

Obergasse runter (schmale, eng stehende alte Häuser), vorbei an einer Kirche oder sowas mit kleiner Parkanlage davor, vorbei an vielen irgendwie bukolisch wirkenden jungen Grünstädtern, dann rechts in eine Strasse namens „Vorstadt“ (prägnantester Eindruck: Eine Fahrschule, die sich im Schaufenter selbst als „cool“ bezeichnete. Uh-hu…), dann nochmal links runter zur Kirchheimer Str. und – schnaubend, keuchend, im Semisprint – mit vier Minuten Verspätung auf den Parkplatz des Grünstädter Kaufland-Supermarktes, wo meine Mitfahrgelegenheit bereits wartete (aber nicht zu lange, das war gut).

Insgesamt eine gute, entspannte Tour, mit viel hübscher Landschaft und ein paar richtig netten Entdeckungen (Alte Raketenbasen, urzeitliche Wohnhöhlen, Segelflugplätze) – die Pfalz hat Einiges zu bieten. Überraschend viele Höhenmeter, aber das mag ich ja, also kein Problem. Gut zu navigieren, gut zu laufen, keine Probleme.
Dafür aber eine spannende Perspektive, die mir erst später aufgefallen ist – ich hab´ zu Anfang des Jahres ja mal geschrieben, dass ich gerne mal eine längere Serie von Läufen machen würde, die mich aus Deutschland hinaus führen. Konkret hatte ich ja eigentlich an eine Tour durch die Nordpfalz nach Luxemburg gedacht, wobei das Problem war, dass das noch über 100 km Luftlinie sind und die Gegend schlecht erreichbar ist.
Aber es gäbe da eine interessante Alternative: Von Grünstadt aus sind es nur noch 60 km Luftlinie bis nach Frankreich. Entweder an der wunderschönen Weinstrasse entlang, oder durch den Pfälzerwald, der eine der am dünnsten besiedelten Naturlandschaften Westdeutschlands ist.
Und die Gegend ist von der Bergstrasse aus wesentlich leichter zu erreichen als die Nordpfalz.
Hmmmmmmmmm….

Strecke: 14,4 km
Zeit: 1:30 h (= 9,6 km/h bzw. 6:15 min/km)
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 99,31% (14,3 km von 14,4 km)
Karte:
Monsheim-Bockenheim-Gruenstadt

M.

12 Antworten to “Der Weg nach Frankreich, Teil 1: Monsheim – Bockenheim a.d.Weinstrasse – Grünstadt (14,4 km)”

  1. Christian Says:

    He Matthias, es scheint so, dass Du ein altes Projekt in neuen Kleidern entdeckt hast. Hört sich spannend an. Ich wünsch Dir, dass es auch zu realisieren ist. die samstägliche Tour lässt auf jeden Fall hoffen, schade, dass es keine Bilder gibt 😦

    Hoffentlich ist der Unfall in deiner Verwandtschaft nicht allzu schlimm, was die Folgen angeht.

    Salut

    Christian

  2. matbs Says:

    Stimmt, ist spannend.
    Wär´ das nicht eigentlich auch was für dich – ein gemeinsames Laufwochende Richtung Sommerende in der Südpfalz mit zwei oder drei Touren zwischen 20 und 30 km, an dessen Ende man die Grenze überquert und nach Frankreich reinläuft?

    Für Bilder war mir das Wetter nicht gut genug, und die Zeit zu knapp, und ich bin ja meistens direkt nach Süden gelaufen, was erfahrungsgemäß nicht so ideal ist, weil ja ich meistens in die Laufrichtung fotografiere und das an einem hellen Sommertag oft Belichtungsprobleme mit sich bringt.
    Und ehrlich gesagt war mir auch nicht so nach Fotos.
    Aber demnächst mal wieder, vielleicht ja schon morgen… 🙂

    Gruß

    Matthias

    • Christian Says:

      He Matthias,

      natürlich wäre das etwas für mich und wenn ich mal mit jemandem zusammen eine Tour machen will, dann stehst Du an erster Stelle, da wir beide eine Leidenschaft für Höhenmeter haben.
      Nur für so ein Vorhaben braucht es Zeit und gerade das habe ich weder im Sommer noch im Herbst. Du wirst es kaum glauben, aber das erste Wochenende welches dieses Jahr noch nicht verplant ist oder mit Diensten gefüllt ist, ist das dritte im Oktober 😳
      Aber ansonsten sehr gerne…

      Salut

      • matbs Says:

        Stimmt, das glaub´ ich nicht.
        Ich denke, du hast einfach Bammel… 😀 😉

        Im Ernst: Macht nix, dann halt später mal…

  3. Kai Says:

    Hai Matthias,
    es gibt tatsächlich Steigungen, die dich in die Gehpause zwingen 😉

    Okay, bei 100 hoch auf 700 weit sei dir verziehen.

    Gruß
    Kai

  4. matbs Says:

    Hallo Kai,

    ja, die gibt´s und zwar nicht zu knapp.
    Wobei ich ein paar hundert Meter mit 13% Steigung normalerweise noch ganz gut hinkriege, aber wenn man hetzt ist dann irgendwann halt einfach Sense.
    Eile mit Weile ist und bleibt eben das Beste bei Anstiegen… 😉

    Gruß zurück

    Matthias

  5. dauerlaufen Says:

    Die Überschrift hat eine sehr idyllische Strecke vermuten lassen und dann kommst du mit diesen Best of Agenten-Thriller-Zutaten daher…. Spannende Pläne für die Zukunft. ich bin gespannt.

  6. matbs Says:

    Stimmt, bei soviel LEBENSGEFAHR!!! 😆

    Wann/wie/ob die spannenden Pläne umsetzbar sind, weiss ich natürlich auch noch nicht.
    Aber es wär´ schon unglaublich cool, wenn das mal klappen würde.


  7. […] An die Deutsche Weinstrasse: Monsheim – Bockenheim a.d.Weinstrasse – Grünstadt (14,4&nb… […]

  8. Hannes Says:

    Eine schöne Tour mit interessanten Entdeckungen. Genau wegen diesen läufst du ja so gerne durch neue Landschaften – hat sich wieder einmal gelohnt.

    Ich bin gespannt, wann du nun in Luxemburg und Frankreich ankommst. … Dänemark könntest du dir ja sonst auch vornehmen, dann kommst du hier mal vorbei 😀

    • matbs Says:

      Da bin ich auch gespannt.
      Und bei Dänemark wart´ ich noch ein paar Jährchen und mach´ dann einen schönen 25er über die frisch gebaute Fehmarnbrücke… 😀


  9. […] schon mal ein echtes Schmankerl: Ein Paarundzwanziger von Grünstadt (das ich mir ja vor bereits vor einigen Wochen erlaufen hatte) aus bis in die Wein- und Kurstadt Bad Dürkheim, mit einem Schlenker in die […]


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