Säuerliche Runde am Wormser Südrand (13,7 km)

25. Juli 2009

Eigentlich wollte ich mir dieses Wochenende ja mal einen richtig richtig guten, spannenden, interessanten, nicht zu kurzen Lauf in schöner Umgebung bei wunderbarem Wetter gönnen.

Aber dann hab´ ich mir gesagt „Hey, warum mach´ ich stattdessen nicht einfach eine doofe, lästige, miese, frustige Tour, das wär´ doch auch mal wieder was„.
Also hab´ ich das gemacht…

Ok, ganz so einfach war´s vielleicht nicht…
Tatsächlich hatte ich mir schon eine echte Traumstrecke rausgesucht: Schön weit weg im Unbekannten, wunderbare Landschaft, erster Teil einer größeren „Projektserie“, viele Sehenswürdigkeiten. Route schon geplottet, Plänchen schon gedruckt, Zeitplan erstellt, Riesenlust – im Prinzip war alles bereit.


Aaaaaber dann ist es am Samstag morgen irgendwie doch nichts geworden – das Wetter war zu unstet, mit einem vollkommen unberechenbaren Mix aus Sonne, Wind, Wolken, Regen, Gewitter… (der Fluch der Premiumtour: Wenn man was richtig Schönes vorbereitet hat und sich total drauf freut, dann startet man nicht gerne, wenn die äußeren Bedingungen nicht passen).
Und so richtig fit für die 20+ Bergkilometer fühlte ich mich auch noch nicht, immer noch etwas zu müde.
Und ich war Nachmittags verabredet (Ah, welch Luxus, sich endlich mal wieder mit Freunden treffen zu können, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, weil man die Zeit dafür von der Arbeits-/Lernzeit abknapst…), das wäre zeitlich zu eng geworden.

Also hab´ ich umdisponiert und mich für eine kleine flache Runde am Südrand von Worms entschieden, wo ich am frühen Nachmittag eh durchmusste.
Plan wie folgt: Vom südlichen Stadtrand südwarts durch die Felder nach Bobenheim-Roxheim, dann rüber bis an den Rhein und schließlich am Rheinufer zurück zum Ausgangspunkt.
Und hinterher wollte ich mich noch mit einer Visite im kleinen, freundlichen Wormser Tiergarten belohnen, den ich seit Jahren nicht mehr besucht hatte.

Ordentlicher Plan, das große Problem dabei zeigte sich allerdings schon bei der Anfahrt:
Ich war sauer.
Nicht auf irgendjemanden oder irgendetwas Bestimmtes, nein, aber ich war einfach total gereizt, missmutig, unter Spannung. Keine Ahnung warum.
Aber die üblichen Verkehrsdeppen auf der B47 nach Worms (WIESO MUSS MAN VERDAMMT NOCH MAL IN SEINEM VER§@’%EN URALT-AUDI MIT DEN DÄMLICHEN AUFKLEBERN UND DEM KLOROLLENWÄRMER AM RÜCKFENSTER MIT 60 DIE BUNDESSTRASSE ENTLANGZUCKELN WENN DA DOCH 100 ERLAUBT IST??!!!
WIESO????!!!!)
Die schlechteste Geisteshaltung die es zum Laufen gibt.
Aber Plan ist Plan…

Start auf dem Parkplatz vor dem Wormser Tiergarten in den Gründflächen südlich der Stadt.
Kein Bock zum Dehnen (pah!), also gleich los, westwärts den bewaldeten Asphaltweg am Hammelsdamm entlang, durch eine schmale Unterführung unter der B9, auf der anderen Seite dann weiter auf dem Hammelsdamm, der hier tatsächlich als Damm weitergeht, mit einem schmalen, von Büschen und Bäumen eingerahmten Fußweg voll hellem, feinem Kies.
Rechts Kleingärten und Wald, links weite Äcker – keine unfreundliche Landschaft, aber im Lichte meiner unwirschen Stimmung befand ich sie spontan mal für langweilig und ein bisschen doof (ungerecht, aber so ist das eben wenn man Saulaune hat).

700 m. auf dem Deich nach Westen, dann an irgendeinem Schäferhundeclub in der Pampa links ab und dem Radweg neben der L523 gefolgt, nun nach Süden, ich Richtung Bobenheim-Roxheim.

2 km nur geradeaus, neben und etwas unterhalb der vielbefahrenen Landstrasse.
Links nur mehr flache, unspektakuläre Äcker, dazwischen mal ein Aussiedlerhof (laut Karte der „Adlerberg“, zeichnete sich in Natura allerdings durch einen eklatanten Mangel sowohl an Adlern als auch an Bergen aus. Pfft)., dann der Wormser Flugplatz (nicht viel zu sehen), alles eher meh.
Trotzdem hob sich meine Laune hier etwas, denn nach rechts gab´s einen wunderschönen Blick über die Ebene auf die Weinstrasse und den schon ziemlich nahen Pfälzer Wald, der gerade von der Sonne beschienen wurde, das war hübsch.

Nach 2 km: Bobenheim-Roxheim, wahrscheinlich Ortsteil Bobenheim (das Ortseingangsschild gab diesbezüglich keinen brauchbaren Hinweis). Typisches Flachlanddorf am Rand vom Ballungsraum, an einem gutgelaunten Tag wäre mir sicher was nettes dazu eingefallen, heute nicht.
Gleich die erste links, Litterhseimer Weg. Älteres Neubaugebiet, Häuser wahrscheinlich aus den 60igern und 70igern, mit einem bedrückend hohen Anteil an gräßlich-geschmacklosen Möchtegernneureichenanwesen.
Solche mit furchtbaren verschnörkelten Pseudobarockgußeisenzäunen um die kleinen Gärtchen, in denen dann kitschigste Gipsabkopien von Marmorstatuen und so ein Gedöns dem Rasen aufgestellt sind.
Grausam…

Nach ein paar hundert Metern war Ortsende und ich lief ostwärts in die Wiesen und Felder, die hin und wieder mal durch Baumgruppen oder Heckenreihen aufgelockert wurden.
Geradeaus, am Nonnenhof vorbei (offensichtlich ein großes, altes Hofgut, wahrscheinlich 18. Jahrhundert, das so hübsch ist, dass es mir trotz meiner schlechten Laune gefiel), dann immer weiter auf einsamen Feld- und Wirtschaftswegen nach Osten. Und zwar lange, mindestens mal zwei Kilometer.
Eigentlich gar nicht so unhübsch, die Landschaft – abwechslungsreicher Mix aus Äckern, gestrüppigen Wäldchen, kleinen Bächen und Gräben.
Aber ich war ja unwirsch, da nimmt man das nicht so zur Kenntnis.

Und dann kam langsam die Böschung der B9 in Sicht.
Mein Plan hatte vorgesehen, dass ich unter der Durchlaufe und auf der anderen Seite weiter zum Rheinufer vorstoße.
Der dämliche Internetstadtplan von Worms (den ich konsultiert hatte, weil´s für die Gegend keine brauchbare Wanderkarte gibt) hatte den Eindruck erweckt, dass das möglich wäre.
Google Earth auch.

Der Wormser Internetstadtplan und Google Earth hatten gelogen.
Die Dreckschweine!!!!!!

Der Weg endete unvermittelt kurz vor der B9 im Nichts. Kein Durchgang, keine Unterführung, nur 15 m. nessel- und diestelbewachsene Böschung, dann die vierspurige B9 (samt Mittelleitplanke).
Kein Durchkommen!

Damit war meine Routenplanung obsolet.
Ich musste Umkehren, eine Alternativstrecke suchen.
Das würde Zeit kosten, und nerven, und eventuell würde ich den heutigen Lauf deshalb nicht an den Rest vom Streckennetz anschließen können (denn das war bisher nur jenseits der B9).
Meine ohnehin schon schlechte Laune erreichte einen neuen Tiefpunkt.
SO! EINE! VERDAMMTE! KACKE!!!!!!
AAAARGH!!!!!!

Half nix, wütend drehte ich um und stampfte zurück, auf dem doofen Weg durch die doofen Äcker in diesem doofen Stück doofer Landschaft am doofen Arsch der Welt.
Amseln flogen erschreckt davon, süße kleine Hoppelhäschen kriegten Neurosen fürs Leben, so furchtbar war mein vom Ingrimm verzerrtes Antlitz…
Grrrrr.

Die nächste Rechts, nach Norden. Mieser Weg am Ackerrand, an dessen Ende laut meinem Internetstadtplanausdruck ein Querweg in irgendeine halbwegs wünschenswerte Richtung gehen sollte.
Was er natürlich nicht tat.
Stattdessen endete auch dieser Weg in der Wildnis, an einem meterbreiten und von undurchdringlichem Gestrüpp umwucherten Graben mit brackigem Wasser.
Kein Durchkommen.
RAAAAAAAAAH!!!!
WARUM GIBT´S HIER UNTEN EIGENTLICH KEINE ORDENTLICHEN WEGE WIE IN JEDEM ANDEREN TEIL DER VERDAMMTEN ZIVILISIERTEN WELT, HÄH?
HÄH!??

So langsam hatte ich das Gefühl, dass dicke Adern an geröteten meiner Stirn pulsierten.
Am liebsten hätte ich jemanden beschimpf, so sauer war ich.
Aber das ging natürlich nicht, denn hier hinten verirrt sich kein vernünftiger Mensch jemals hin.
Auch kein unvernünftiger.
Also stellte ich stattdessen die Stoppuhr ab (weil: Zeitnahme bei rapide sinkender Laune, das geht nicht zusammen) und machte weiter.
Mit wenig Spaß an der Sache, dafür mit Sodbrennen.
Das ist so ein bisschen wie Spaß, bloß dass es unangenehm ist undman rülpsen muss…

Über einen Kohlrabiacker (warum nicht? Mir war alles egal), dann links auf den Weg den ich gekommen war (pfft, na und?), zurück zum ollen Nonnenhof, dann irgendwie rechts hoch, durch blödsinnige Zwiebeläcker in Sichtweite meines Hinwegs (na prima!).
Rechts zog ein eingezäunter See vorbei, doch selbst der Anblick von Enten konnte meine Stimmung nicht mehr aufhellen (Drecksenten, dreckerte!!!).
Dann eine Querstraße, die K7, der folgte ich nach rechts, am Wormser Flugplatz vorbei, der eigentlich nur aus ein paar Betonbarracken mit einem prolligen XXXXXL-Restaurant (die vielen Xe hab´ ich mir nicht aufgedacht, die standen da tatsächlich) und vielen Wellblechschuppen für irgendwelche Segelflugzeugchen oder son Gedöns besteht und von Wiesen umgeben ist.
Ein andermal hätte ich das vielleicht interessant oder hübsch gefunden, heute ärgerte ich mich nur über die dumme Landstrasse ohne Seitenstreifen, auf der ständig irgendwelchen dummen Autos an mir vorbeifuhren, was irgendwie furchtbar dumm war, vor allem weil ich immer noch Sodbrennen hatte.

Am Ende der K7 links auf einen wucherigen Feldweg nach Norden, direkt unterhalb der immer noch unüberwindbaren B9 (außer man war bereit durch das Bett eines weiteren Grabens oder Kanals zu kriechen, dem man eine Unterführung eingerichtet hatte. Sowas hab´ ich einmal gemacht, brauch ich nicht nochmal. Außerdem wollte ich eh nicht mehr auf die dämliche andere Seite, sondern nur noch so schnell wie möglich zum Ziel).

Also geradeaus, hastig, unrund, unzufrieden, bis ich wieder auf den Hammelsdamm stieß und dem nach rechts zurück zum Ausgangspunkt folgte.
Als ich dort ankam, war es dann wegen der vielen beschissenen Umwege natürlich zu spät für den Wormser Tiergarten, und zu allem Überfluß war die Route tatsächlich nicht an den Rest vom Streckennetz angeschlossen.
K#@%e!

Manchmal passt alles.
Manchmal passt nix.
Heute hat nix gepasst.
C’est la vie.

Schwamm drüber und schnell vergessen, und nächstes Mal wird´s dann schon wieder besser.
Wehe wenn nicht!

Strecke: 13,7 km
Zeit: Nicht genommen, der Nerven zuliebe.
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 100% (13,7 km von 13,7 km)
Karte:
Worms Sued

M.

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10 Antworten to “Säuerliche Runde am Wormser Südrand (13,7 km)”

  1. Heidi Says:

    Du hast vergessen, auf der Karte die Kaninchen mit den Neurosen zu markieren.

    Das war mal ein cooler Laufbericht! Kurz und bündig und schlecht gelaunt.
    Gefällt mir 😆

  2. matbs Says:

    Dass du dich an der Seelenpein (und dem Sodbrennen) Anderer delektierst, war mir irgendwie schon immer klar… 😀
    Aber immerhin konnte ich dich vielleicht ja drann erinnern, dass nicht alle Laufblogger ständig vorsichhinpfeifende gutgelaunte „alles ist so suuuuper“-Spinner sind. 😉

    Die fürs Leben gezeichneten Karnickel konnte ich leider nicht markieren, die waren überall!


  3. […] Säuerliche Runde am Wormser Südrand (13,7 km) […]

  4. Kümmel Says:

    Naja, wenn man in GE den Straßenlayer anmacht, scheint das Stück östlich der B9 wirklich nur eine Kurve zu machen. Aber ich hätte auch nicht drauf getippt dass es da nicht durchgeht. Was sollte sonst der letzte Rest westlich der B9?

    Aber eigentlich hättest du dich erinnern können, denn du warst doch schon mal an dem Eck östlich davon. 😉

    Rückblickend gesehen wäre es wohl die beste Alternative gewesen ungefähr einen Kilometer nach Süden zu laufen, dort scheint es eine Brücke zu geben. Aber hinterher kann ich natürlich oberkluge Ratschläge geben..

    • matbs Says:

      Ach, das Strassenlayer schau´ ich mir i.d.R. gar nicht erst an, das taugt einfach zu wenig. Am meisten hab´ ich mir wirklich am offiziellen (!) Wormser Stadtplan orientiert, bei dem der entsprechende Weg wirklich so aussieht, als würde er durchgehen, und zudem ein weiterer Weg direkt daneben eingezeichnet ist, der die Bundesstrasse ebenfalls unterquert – aber der existiert gleich gar nicht…

      Und meine Erinnerung an das Stück da unten war leider auch nicht mehr perfekt, ist inzwischen fast zwei Jahre her, dass ich da durchgelaufen bin, und damals war gerade Halbmarathon, da achtet man irgendwie nicht so auf die Anzahl der Durchgänge unter der B9. 😉

      Das mit der Brücke im Süden wusste ich sogar, bin aber davon ausgegangen, dass das zwei bis drei Kilometer extra werden, die von meiner eh schon zu knappen Zeit für den Tiergarten abgehen würden.
      Also wollte ich lieber erstmal einen anderen Weg suchen.
      Der war dann drei bis vier Kilometer extra und ist von meiner eh schon knappen Zeit für den Tiergarten abgegangen… 😀

  5. Christian Says:

    Ach Matthias, wie kommt es, dass ich den Laufbericht so richtig geniessen konnte? War es deshalb, weil ich Deine schlechte Laune zwar nicht nachvollziehen aber fast schon spüren konnte´? War es, weil die Anbindung an Dein Streckennetz misslang? Nein, es war einfach nur Mitleid, da ich solche Läufe und auch solche Tage zu genüge kenne und ebenso hasse wie Du. Danke fürs spiegeln 😎

    Übrigens, Deine Landschaftsbeschreibung – obwohl sehr dürftig – hört sich sehr rheinland-pfälzisch an, aber immer noch besser als hessisch 🙂

    Einen schönen Tag noch

    Salut

    C.

  6. matbs Says:

    Keine Ursache! 🙂
    So hin und wieder was Schlechtes zwischen dem ganzen Guten, das gibt ja erst die richtige Würze (zumindest in der Rückschau, währenddessen hätt´ ich auch etwas weniger Würze gebrauchen können 😉 ).

    Und was die Landschaftsbeschreinung angeht: Touché! 😆

    Grüssle

    M.


  7. […] Säuerliche Runde am Wormser Südrand (13,7 km) […]


  8. […] was Kleines geht. Zum Beispiel …in Worms. Da komm´ ich eh durch, und seit ich im Sommer mal eine etwas verunglückte Tour am südlichen Stadtrand gemacht habe, gibt´s da eine Laufstrecke, die nicht mit dem Rest des Streckennetzes verbunden ist. Das wird […]


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