Ums Hambacher Tal (13,6 km)

30. Juli 2009

Heute Mittagessen im Restaurant Vetters Mühle in Zell hinter Bensheim.
Nachweislich eine der hübschesten Laufgegenden der Bergstrasse, und da heute auch noch herrliches Laufwetter herrschte (Sonne und freundliche Wolken im Mix, etwas über 20 Grad, konstante kühlende Brise, herrlich frische Luft), wollte ich mir die Gelegenheit natürlich nicht entgehen lassen.
Will heissen: Vor dem Mittagessen Lauf nach Zell.

Aber nicht von zuhause aus, das hatte ich vor ein paar Monaten ja schon mal gemacht, nett aber nicht neu, deshalb suchte ich mir für heute eine andere Route raus:
Von Unter-Hambach hinter Heppenheim hoch ins Bergmassiv vor der Knodener Höhe, einmal ums Hambachtal rum, dann runter ins Meerbachtal nach Zell.
So ca. 13 km, viele schöne Höhenmeter, viel schöner Wald, viel neue Strecke.
So mag ich das!


Start gegen Viertel vor Zwölf an der Durchgangsstrasse des hübschen Dörfchens Unter-Hambach, dass sich im Talgrund zwischen Wald und Weinbergen eeeeewig lange das Hambachtal hochzieht.

Wie bereits erwähnt: Herrliches Laufwetter, frisch und freundlich und angenehm, einfach perfekt.

Zuerst ging´s kurz auf dem Bürgersteig neben der Strasse bergauf, vorbei an ein paar Wohnhäusern und einer Weide mit etwas verständnislos glotzender Ziegen, dann hinter einem größeren Bauernhof rechts, auf den Hambacher Hauptweg (Marker H1), der einem schmalen Seitental folgend geradewegs hoch in den Wald führte.

Und das gleich mal mit ordentlicher Steigung: Fast ein Kilometer bergauf, wobei es 130 oder 140 Höhenmeter zu bewältigen gab, das brachte mich gleich mal auf die richtige Betriebstemperatur.
Zum Glück hatte ich mich von den Strapazen am Montag in der Pfalz gut erholt und kam – schnaufend und japsend, aber stetig – gut mit dem Aufstieg klar.
Zumals auch richtig hübsch war hier oben: Schattiger Laubwald, durch dessen fast geschlossenen Dach immer mal wieder ein paar helle Sonnenstrahlen auf den Boden reichten, rechts das Seitental mit einem kleinen Bächlein – nett.

Schließlich ging´s in einer sanften (und weniger steilen) Kurve ums Ende des Tälchens herum, dann über den nächsten vorgelagerten Vorberg (laut Wanderkarte der „Gebüschskopf“. So sah er auch aus), und dann mit ein paar (natürlich weiter ansteigenden) Kurven und Serpentinen auf den Hambacher Grenzweg (gelbe 3) auf dem Bergsattel zwischen Hambacher und Kirschhäuser Tal, dem ich nun lange ostwärts folgte.

Ich hab´ das bei früheren Laufberichten aus dieser Gegend glaub´ ich schon oft genug erwähnt, aber einmal mehr kann eigentlich nicht schaden: Hier oben, in den riesigen Wäldern am Bergmassiv hinter Heppenheim, ist es verflixt hübsch.
Die Wege sind generell gut in Schuss, die Bäume alt und hoch, stehen aber so weit auseinander, dass genug Licht für einen dichten, grünen Bodenbewuchs aus Farnen, Gräsern, dornigen Hecken und spillerigen Jungbäumchen durchkommt.
Sogar die Steigung hält sich – wenn man erst mal in die oberen Regionen vorgestossen ist – sehr in Grenzen, so dass es nicht mal mehr besonders anstrengend ist, hier weiter odenwaldwärts zu laufen.

Hinzu kam ein Faktor, der mir heute nach langer Zeit erstmal wieder richtig bewusst wurde, nachdem ich mich neulich im Pfälzer Wald zeitweilig arg verloren gefühlt hatte:
Hier oben kenne ich mich aus!.
Nicht auf diesem spezifischen Weg, den war ich noch nie zuvor gelaufen, aber die ganze Gegend ist mir vertraut genug, dass ich hier mit einem Gefühl des „Verortet-Seins“ laufen kann: Links runter geht´s nach Ober-Hambach, geradeaus nach Mittershausen im Pfalzbachtal, rechts runter an die B460 bei Kirschhausen, hinter mir zur Starkenburg.
Das fühlte sich irgendwie gut an, gab eine Sicherheit, die ich am Montag in der vollkommenen Fremde so ein bisschen vermisst hatte…

Ich folgte immer weiter dem Grenzweg über den Kamm, überquerte irgendwann den Weitwanderweg Odenwald-Vogesen (roter Balken, rechts runter zur Jägerrast, links runter ins wunderschöne Bergdorf Ober-Hambach), kurz danach den europäischen Fernwandwerweg 1 (weisses Andreaskreuz, rechts runter zur Jägerrast, links auf einem Weg am Waldrand zum Parkplatz Goldbrunnen) und bog schließlich links auf den Kohlplattenweg (gelbe 1) ein, von dem ich dann jedoch gleich wieder halbrechts abknickte, auf einen unmarkierten aber bequemen Waldweg nach Nordosten.

Inzwischen war ich an Ober-Hambach vorbei, es ging wieder etwas mehr bergauf, zum Kesselberg hin, und der Wald hatte sich auch verändert: Dichter, dunkler, mehr Nadelbäume, links und rechts des Weges teils beeindruckende Findlinge und Felsformationen.
Abwechslungsreich, das gefiel mir.

Nach etwas über einem Kilometer stiess ich auf den etwas hakelig benannten Steinschloss-Felsenmeer-Weg (gelbe 6), dem ich weiter geradeaus nach Nordosten folgte. Links ging´s zwischenzeitlich mal zu einem Naturdenkmal ab (wohl eine der Felsformationen), aber da es auf der Karte nicht verzeichnet war und ich ja eine Verabredung zum Essen in Zell einzuhalten hatte, lief ich etwas schweren Herzens durch, weiter bis zur Kreuzung an der Forstmeister-Grätz-Eiche, wo ich der gelben 7 und der gelben 9 links aufwärts folgte, bis ich – nun doch schon ein bisschen ausser Atem – den Asphaltweg zwischen Ober-Hambach und Schannenbach erreichte.

Kurze Trinkpause, dann ging´s weiter, kurz links den Asphaltweg runter, dann wieder halbrechts in den Wald, den Hochmoorweg (gelbe 2) entlang bis ich den Odenwaldklub Fernwanderweg HW22 (Marker: Weisse Raute) erreichte.

Inzwischen hatte ich den höchsten Punkt der heutigen Tour überschritten (auf immerhin über 510 m.ü.NN) – Pflicht zuende, nun kam die Kür – der lange Abstieg ins Meerbachtal.

Immer schön der weissen Raute hinterher. Nach ein paar hundert Metern knickte die noch mal kurz vom Hauptweg ab und führte auf leicht abenteuerlichen Pfaden erst über, dann um die Kuppe des Heiligenbergs (hier waren doch irgendwelche Leute an einer Schutzhütte mit Grillen beschäftigt, und mitten in der Woche. Tssk, sowas aber auch! 😀 ), bevoer er weiter unten wieder auf den Hauptweg stiess.

Und da ging´s dann immer weiter bergab, schön gemächlich, in kleinen und größeren Windungen durch den Wald. Recht bald erreichte ich die Anhöhe Nördlich von Ober-Hambach, an der ich schon ein paarmal aus anderer Richtung kommend vorbeigekommen bin, dann ging´s rechts in einer Kurve um den Eselsberg bis runter zur Wegscheide mit dem Weitwanderweg Odenwald-Vogesen.

Hier nahm ich dann Abschied von der weissen Raute und lief stattdessen dem roten Balken des Weitwanderwegs hinterher, noch mal ein Stückchen bergauf in Richtung Ober-Hambach, bevor ich links auf den unmarkierten Waldweg durch den Bannwald abknickte (weitgehend eben, angenehm) und an der übernächsten Wegscheide halbrechts den lokalen Wanderweg B4 runterlief, der mit ordentlich steilem Gefälle rapide runter ins Meerbachtal führte.

Beziehungsweise in ein Seitental.
Von dem ich nicht gewusst hatte, dass es überhaupt existiert.
Ich weiss nicht, ob ihr das kennt: Da läuft man fröhlich durch semibekannten Wald, alles im grünen Bereich und weitgehend durchgeplant, und auf einmal tut sich mirnichtsdirnichts vor euch ein verstecktes, bis eben unbekanntes Tal auf.
Komplett mit Waldrand und Weiden und zwei Dutzend phlegmatisch wiederkäuender Kühen.
Das ist total cool! 🙂

Nachdem ich meine Karte im Kopf™ genug justiert hatte, um nicht mehr mit offenem Mund staunend dastehen zu müssen („Dööööh. Wo kommt denn jetzt das Tal her?“), ging´s weiter am Waldrand runter.

Kurz bevor der Weg rechts abknickte und über eine kleine Anhöhe in zweifellos bekannte Gefilde führen konnte, entdeckte ich links im Gestrüpp ein winziges Pfädchen, das wieder in den Wald reinführte und total spannend aussah (Ahlengassenweg, gelbe 3).
Hmmm…

So richtig zu spät war ich noch nicht, also warum sollte ich da nicht…
Ich nahm das Pfädchen.
Zurück in den Wald und wieder bergauf.
Steil bergauf.
Ächzachduliebescheisseichkriegkeineluftmehrsteil bergauf.
Das machte Spass! 🙂

Lang war´s nicht, dann erreichte ich den Waldrand am nächste vorgelagerten Höhenrücken, hinter dem irritierenderweise ein WEITERES verstecktes Seitental mit Weiden und Kuhtränkenbadewannen usw. wartete, von dessen Existenz ich nichts bisher nichts hatte.
Unglaublich, würde mich nicht wundern, wenn hier hinten irgendwo auch noch der einer oder andere Stamm unzivilisierter Bergbewohner zu finden ist.
Oder vielleicht sogar ein Hochplateau mit Sauriern, wer weiss…

Hier entschied ich mich dann doch für den Abstieg nach Zell und folgte dem gelben L des Hohlweglehrpfades nach Westen.
Ein paar hundert Meter auf einem winzigen Pfädchen zwischen Wald, Buschgestrüpp und sattgrünen Hangwiesen und dann…

WOW!!!

Auch das hab´ ich schon öfter geschrieben, aber es ist eminent wiederholenswert: Es gibt nicht viele Anblicke im Odenwald oder an der Bergstrasse, die schöner sind als der, den man kriegt, wenn man von oben aus dem Wald kommt und unvermittelt über dem Meerbachtal ins Offene läuft: Vor einem, unter einem, breitet sich das herrliche Tal in seiner vollen Länge aus, eine bedrückend Schöne landschaft aus kleinen Wäldchen, hügeligen Hangweiden und den kleinen Dörfern Zell und Gronau im Talgrund, begrenzt durch die steilen, dunkelgrünen Weinhänge auf der anderen Talseite, über denen sich das Hochplateau des Striet erhebt. Perfekt wird das Ganze allerdings durch die Aussicht nach Westen, zwischen den Hängen hindurch zum Talausgang, der sich über Bensheim in die weite Rheinebene öffnet und den Blick bis zum den Hügeln Rheinhessens freigibt.
Das ist einfach wunderschön!

Ich folgte weiter dem gelben L abwärts, um eine scharfe Kurve inmitten der Wiesen, dann durch die Mühlgasse, laut der dazugehörigen Lehrpfadstafel der tiefste Hohlweg der gesamten Bergstrasse. Angesichts der fast senkrechten, sieben Meter hohen Lösswände, die sich auf beeindruckende Art und Wiese links und rechts des Weges auftürmten, war ich durchaus bereit, das zu glauben.

Am unteren Ende der Mühlgasse dann das mittägliche Zell, ich lief geradewegs runter auf die Märkerwaldstr. (sonnig, warm, nichts los), und auf der dann talabwärts durch das langgezogene Dorf, bis ich schließlich Vetters Mühle am unteren Ortsende erreichte, und das ausnahmsweise mal fast pünktlich.

Schöne Tour durch schöne Gegend, schön entspannt trotz vieler Höhenmeter, keine nennenswerten Probleme, hat Spass gemacht. Und das Schnitzel hinterher war auch gut… 😉

So, und das war´s lauftechnisch auch schon fast wieder für die Woche. Vielleicht mach´ ich morgen noch ´ne kurze Tour, die ich nicht extra blogge, mal schauen.
Aber dann ist Sense, denn dann steht eine zweitägige Wandertour durch den Odenwald an. Wird sicher auch lustig! 🙂

Strecke: 13,6 km
Zeit: 1:28 h (= 9,27 km/h bzw. 6:28 min/km)
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 83,82% (11,4 km von 13,6 km)
Karte:
Ums Hambachtal

M.

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5 Antworten to “Ums Hambacher Tal (13,6 km)”

  1. Christian Says:

    He Matthias,

    die Pointe hast Du uns aber nicht verraten, hat es noch pünktlich zum Mittagessen gereicht? Scheint mir doch ein wenig spät geworden zu sein, oder?

    Schöner Laufbericht mit netten Hügeln, so langsam kommst Du wieder in Fahrt. Freut mich

    Salut

    PS: Ich bin am überlegen, ob ich Dich wirklich im August mal besuchen komm, zwecks einem Etappenlauf nach Frankreich, ich meld mich dann.

    • matbs Says:

      Na ja, ganz pünktlich hat es natürlich nicht geklappt. Aber fast, und da die anderen Mittagsessensteilnehmer ebenfalls nicht ganz pünktlich waren, war´s am Ende dann doch ziemlich gut geklappt.

      Hügel waren allerdings nur bedingt im Spiel, schließlich darf man ab 300 m. von Bergen sprechen… 😉

      Und zum PS: Klar, meld´ dich, ich würde mich auf jeden Fall freuen. Meine Mailadresse hast du ja, oder?

  2. dauerlaufen Says:

    Es wird Zeit für eine Ehrennadel des Odenwälder Tourismusverbandes… Im Ernst: Es ist erfrischend wie offen du durch die Gegend läufst. So wenig Ich-Zentriertheit tut gut.
    Viel Spaß beim Wandern.

    • matbs Says:

      Die Ehrennadel wäre wirklich nett. 😉

      …und einen Mangel an Ich-Zentriertheit hat mir bisher noch niemand attestiert, da bedank´ ich mich doch mal fein artig (auch wenn ich in echt natürlich total ober-egozentisch bin… 😀 ).

      Wandern war schön!


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