Kleine Tour bergauf: Von zuhause auf die Kuralpe (9,5 km)

11. August 2009

Vor etwas über einem Monat war ich zum letzten Mal auf der Kuralpe hinter Balkhausen – Familienessen – und bin danach von da oben runtergelaufen (Nachzulesen hier).

Dabei hab´ ich mich ein bisschen so gefühlt, als würde ich schummeln, weil´s deutlich mehr bergab als bergauf ging (wie das eben so ist, wenn man aus den Bergen in die Ebene läuft).

Heute nun die Gelegenheit, diese „Schummelei“ wieder auszubügeln.
Wieder Famileinessen, wieder auf der Kuralpe, und weil´s zudem noch ein überraschend schöner Abend geworden war, machte ich mich auf, dort hochzulaufen.
Selbe Strecke wie vor einem Monat, nur eben in der anderen Richtung, hoch in die Berge (und zwar richtig: 550+ Höhenmeter auf weniger als 10 Kilometer Strecke, das ist schon ´ne Hausnummer).


Start gegen viertel vor sechs, zu spät um noch pünktlich zu sein, aber das liess sich nicht mehr ändern- müsste mich halt beeilen, so gut es ging.

Es ging nicht gut.
Bereits auf den ersten Metern hoch in den Wald merkte ich, wie meine immer noch Blutergußgebeutelte linke Seite nicht so recht die überraschend anstrengende Aufwärtspassage durchs untere Darsbergtal hochwollte – Hüfte am Bluterguß fühlte sich irgendwie an wie Seitenstechen, dazu krampfte mein linkes Bein, vermutlich wieder wegen leichter Schonhaltung.
Und außerdem war es auch noch richtig schwülwarm, selbst hier unten in den niederen Regionen des Hangwaldes, auch kein gutes Vorzeichen für eine anstrengende Bergstrecke.

Aber da musste ich halt mal durch, also quälte ich mich weiter aufwärts, um die Anhöhe am merckschen Wasserturm rum (dank der vor kurzem hinter den Wolken hervorgekommen prallen Sonne noch ein Stückchen feuchtheisser als unten im Tal), dann auf den langen, stetig ansteigenden Pürschweg in Richtung Melibokus.

Eigentlich ja meine Hausbergstrecke, die lauf´ ich normalerweise relativ problemlos und zügig hoch, aber heute war´s stockend, krampfig und anstrengend. Immerhin nicht so sehr wegen der Ausdauer, sondern vor allem wegen der Muskulatur (neben dem linken Bein muckte auch noch mein Rücken ein bisschen), die heute einfach partout keine Lust hatte, mich bergauf zu stemmen.

Schon interessant, wie sich so ein vertrautes Stück auf einmal ziehen kann wenn´s unrund läuft…

Wenigstens gab´s an den lichteren Stellen, da wo man durch die Lücken im Hangwald runter in die Ebene gucken kann, sowas wie eine Kompensation für die Mühen: Trotz der großen Feuchtigkeit war die Luft über der Rheinebene heute glasklar, und entsprechend grandios war die Aussicht: Im Ried die Dörfer und Städtchen gestochen scharf in der Sonne, am Horizont Frankfurt (scheinbar zum greifen nahe) und dahinter der mächtige Taunus, der heute nicht nur als dunstige Silhouette wahrnehmbar war, sondern als dreidimensionale Erhebung, auf deren Flanken man problemlos Täler, Waldgebiete und Ortschaften erkennen konnte.
So einen Blick gibt´s selbst hier oben nur ein paar mal im Jahr, einfach herrlich.

Abgesehen davon war´s aber vor allem schweisstreibend und anstrengend: Das nicht enden wollende Darsbergtal hoch, die eeeewig lange Aufwärtspassage zur Darsberghütte, das erst unerträglich steile dann dankenswert flache (aber undankenswert kurze) Stück dann schließlich die vorerst letzte Steigung an der Melibokusflanke bis zum Anfang des Fahrweges.
Uijuijui…

Hier dann scharf links und auf dem extrem steilen und unmarkierten Pfädchen geradwegs die Ostflanke runter auf den Nibelungensteig.
Konnte ich heute nicht Joggen, wie schon am Samstag im Pfälzerwald passten dem Bluterguß die ganz steilen schwierigen Abstiege überhaupt nicht, also schonte ich ihn lieber und ging, bis runter auf den nach Osten herausragenden Vorbergrücken hinter dem Melibokus, wo die Bergflanke relativ kahl ist und der Nibelungensteig durchkommt..

Wieder Pause.
Die Aussicht hier oben war so bedrückend schön, da konnte ich einfach nicht durchlaufen.
Herrliche Sicht, links über das Balkhäuser Tal hinweg zum Frankenstein-Massiv und weiter bis zum Taunis, rechts über die herrlichen Täler hinter Bensheim bis weit in die Ebene, und die Bergstrasse runter bis zum Ölberg bei Schriesheim.
Alles Kristallklar und im wunderbaren Licht der Abendsonne, dass im Süden jedoch von beeindruckend blauschwarzen Turmwolken konterkariert wurde.
Wie gesagt: So eine Sicht gibt´s nur ein paarmal im Jahr…

Danach weiter abwärts, den Nibelungensteig runter ins Dreiquellental, dann weiter runter zum Waldrand und auf dem wunderbaren Höhenweg zwischen Mühltal und Balkhäuser Tal durch die weiten Bergwiesen bis zur Brücke über die L3103 (Fotos von diesem Stück gibt´s u.a. hier).

Zeit für den zweiten großen Aufstieg, hoch auf den Felsberg.
Argl.

Erstmal den Nibelungensteig über dem Schollrain hoch.
Aufwärts durch offene Hangwiesen, herrliche Aussicht (allerdings gegen die Laufrichtung, da musste man kurz pausieren und sich umdrehen, um was davon zu haben. Das war gut… 😉 ), anspruchsvolle (heute irgendwie etwas ZU anspruchsvolle) Steigung, fieser Untergrund aus zu tiefem und zu grobem Schotter.
Wie gesagt: Argl.

Oben am Waldrand dann das gemeinste Stück der heutigen Tour: Anstatt dem Nibelungensteig zu folgen nahm ich den direkten Weg hoch zur Fahrstrasse auf den Felsberg.
Halsbrecherisches Pfädchen am Steilhang, steinig, rutschig, Steigung deutlich über 20% – das war schon vor einem Monat beim Bergablaufen eine Tortur gewesen, bergauf lief da gar nix.
Gehen war angesagt. Keuchend, mit protestierenden Beinen und protestierendem Bluterguß bis hoch an die Fahrstrasse, der ich dann durch den Wald bis auf den Felsberg folgte.

Zoooooog sich – hinter jeder kleinen Kurve und hinter jedem kleinen Vorsprung hofft man auf den Waldrand, der signalisiert, dass man fast oben ist. Aber der lässt sich Zeit…

Irgendwann dann aber doch oben, raus aus dem Wald, zur kleinen Häusergruppe unterhalb der Kuppe, nochmal kurz die Sicht nach Norden genossen (Wieder Frankfurt und der Taunus, immer noch herrlich), dann links den europäischen Fernwanderweg 1/Weitwanderweg Odenwald-Vogesen runter.
Nochmal steil abwärts, neben einer langsam zuwachsenden Lichtung runter in den Wald, dort geradeaus und nur noch leicht abfallend (aaah!) zum Waldrand und weiter bis zur Kuralpe.

Geschafft! (Und zwar in jeder Hinsicht).

Danach dann gutes Essen in familiärer Runde, das entschädigte dann endgültig für die Quälerei.

Fazit: Bergauf ist irgendwie anstrengender als bergab, aber bergab kann auch ganz schön fies sein, besonders mit Bluterguß an der Flanke.
Nicht ideal, die nächsten Tage werd´ ich mich wohl noch etwas schonen und tendenziell ins Flachland ausweichen…

Strecke: 9,5 km
Zeit: Nicht schnell
Neue Strecke: Keine
Karte:
Kuralpe - Heim
(Ist dieselbe Karte wie vom Lauf in anderer Richtung vor einem Monat – einfach Start und Ziel vertauschen, dann stimmt´s)

M.

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9 Antworten to “Kleine Tour bergauf: Von zuhause auf die Kuralpe (9,5 km)”

  1. dauerlaufen Says:

    Du lässt deinen Verwundungen aber auch keine Chance… Ohne Gnade weitermachen und dann mit so was ekelhaften. Ne, ne du bist komisch. Bist du diesmal wenigstens ohne Blut ausgekommen?

    • matbs Says:

      Kann ja nicht – hast du nicht den kleinen Doppelkinnansatz auf meinen letzten Fotos gesehen?
      Der muss dringendst abtrainiert werden, bevor´s zu spät ist und er sich festsetzt!!! 😀

      Aber blutlos war´s dieses Mal immerhin schon, dank einem lockereren Shirt und ordentlich Creme…

  2. Hannes Says:

    Schon zu spät zu starten, um noch pünktlich zu sein – du machst dir deine Läufe auch nicht gerade leicht und entspannt, oder? – Wobei, das ist in den Bergen sowieso nicht möglich. Die armen Waden – komm mal lieber hier auf die Insel.

  3. matbs Says:

    Na ja, wie das halt so ist – erst überlegt man noch ein ganzes Weilchen hin und her, ob man überhaupt soll, und wenn man sich dann entschieden und un Schale geworfen hat, ist es eben schon ein bissken spät.

    Das mit der Insel dürfte schwierig werden, schließlich kann man die nicht so ohne weiteres ans restliche Streckennetz anschließen – nicht nur wegen der ziemlich genau 400 km Luftlinie zwischen dem nördlichsten Punkt meiner Lauferei und dem Inselsüdufer, sonder vor allem auch wegen der 4,3 km Nordsee zum Festland hin.
    Oder kann man da bei Ebbe übers Wattenmeer joggen? 😉

  4. Evchen Says:

    Ich wäre bei den Steigungen nach wenigen hundert Metern gescheitert. Meine Muskeln sind bisher echte Flachland-Weicheier!
    Und Biß hast du schon ganz schön, gä? 😉

  5. matbs Says:

    Wie, Flachland-Weicheier?
    Aber du läufst doch am Mittelrhein, da ist doch alles voller wunderbarer Mittelgebirge (Eifel, Westerwald, Taunus, Hunsrück), die nur darauf warten, von dir erlaufen zu werden.
    Das muss man doch ausnutzen – also nix wie rein/hoch. Wenn du dann erstmal ein paar 500er bezwungen hast, dann klappt das auch mit den Muskeln! 😉

    Biss hab´ ich. Leichten Überbiss, um genau zu sein. 😀

  6. Benny aus P. Says:

    Heyheyhey, lese ab und zu mit, ist nun mein erstes Kommentar;

    war am selben Tag biken vom Alsbacher Schloss zum Melibokus und wieder runter nach Alsbach und hatte, im Gegensatz zu dir, zur Mittagszeit alles andere als gutes Wetter.

    In Alsbach konnte man noch halbwegs etwas von der Rheinebene sehen, dann oben auf dem Gipfel war man Mitten in den Wolken und konnte kam noch was sehen.

    Dafür wars angenehm frisch.

    Bis dann

  7. matbs Says:

    Hi Benny,

    freut mich, dass du hergefunden hast! 🙂

    Die klare Sicht am Melibokus war anscheinend wirklich nur ein ganz kurzfristiges Phänomen, schon als ich über dem Schollrain in Richtung Felsberg gelaufen bin hat sich´s wieder zugezogen.

    Aber angenehm frisch ist ja auch was wert, gerade in der momentanen Augusthitze…

    Gruß

    Matthias


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