Burg Frankenstein mit schweren Beinen (15,5 km)

2. September 2009

Mittwoch.
Zwei Tage Pause nach den läuferischen Strapazen des Wochenendes, eigentlich genug, also brech´ ich abends zum Laufen auf.

Hab´ mir was Unkompliziertes rausgesucht: Mal wieder auf die Burg Frankenstein zwischen Mühltal und Malchen, da war ich jetzt seit letztem Oktober nicht mehr, höchste Zeit, da oben mal wieder nach dem Rechten zu sehen.
Unkompliziert ist das ganze übrigens deshalb, weil ich die Strecke aus dem FF kenne, da sind keine Pläne oder Wegmarker nötig.
Aber ordentlich Höhenmeter sind´s trotzdem, und außerdem mindestes 15 km, mal sehen, wie das so klappt…


Am Anfang recht gut: Ich starte zwischen 18:00 Uhr und 19:00 in den heiter bis wolkigen Abend, Temperaturen sind angenehm, die Beine scheinen erstmal halbwegs gut mitzumachen.

Nordwärts, dem Blütenweg (gelbes B) folgend durch Jugenheim. Durch den Pauerweg, an der Krone entlang die Hauptstr. hoch, am Eingang zum Heiligenberg vorbei, dann geradeaus über die Abzweigung ins Stettbacher Tal die Seeheimer Str. hoch, schließlich dann rechts die Strasse „Am Tannenberg“ hinauf, die extrem steil aufwärts bis zu der kleinen Treppe führt, auf der man von Jugenheim aus in den Wald gelangt.
Es klappt.
Selbst die wirklich harte Steigung Am Tannenberg, die ich sonst gerne auch mal gehend bewältige, jogge ich relativ problemlos hoch, nur die Treppe nehme ich lieber etwas langsamer – kein Grund, sich auf den ersten ein, zwei Kilometern kaputt zu machen.

Oben im Wald dann links, den hübschen Weg am Waldrand entlang nach Norden (SJ3), über den ersten Häusern Seeheims entlang bis zur Kreuzung direkt unterhalb der Lufthansa und am südlichen Eingang zum Goldschmidt-Park, dort links und auf dem Domweg (den bin ich noch nie gelaufen, das fällt mir jetzt erst auf) runter in die exklusiveren Wohnviertel Seeheims am Hang. Bergablaufen geht auch ganz gut (noch!).
Schön zu wissen…

Am unteren Ende des Domwegs rechts die Villastr./den Saar-Rhein-Main-Weg (gelbes Plus) hoch, dann links und über das kleine Treppchen runter auf die Ober-Beerbacher Str., der ich nach rechts folge, aus Seeheim hinaus in Richtung Ober-Beerbach.
Dieses Stück ist immer ein bisschen unangenehm: Landstrasse, kein Radweg, kein Randstreifen, ein paar unübersichtliche Kurven.
Aber ich schaffe es, nicht überfahren zu werden.
Yayy for me!! 😀

Einen halben Kilometer nach dem Ortsende erreiche ich die Abzweigung, an der es rechts zur Lufthansa hochgeht.
Mir egal, ich will links, aufwärts in Richtung Zehn-Wege-Platz auf dem Burgenweg – also dann: Links von der Landstr. ab und die Hangflanke hinauf in den Wald.

Vor diesem Stück habe ich immer viel Respekt, denn es geht mehrere hundert Meter sehr steil bergauf – ein schöner Gradmesser der jeweiligen Fitness, wie ich finde.
Heute läuft es scheinbar super, die Steigung, die mich vor ein paar Monaten noch ernsthaft in Atemnot gebracht hat, läuft relativ reibungslos – bis sich zum ersten Mal meine Waden melden!
Scheint so, als hätten sie das Extremberglaufwochenende doch nicht so gut weggesteckt – jetzt, wo sie auf einmal über eine längere Distanz mein Körpergewicht den Berg hochwuchten müssen, melden sie sich ernsthaft zu Wort.
And they´re NOT amused.

Da ist dann auf einmal sehr schnell Sense mit reibungslos, beinahe von einem Moment auf den anderen wird´s anstrengend und ein bisschen schmerzhaft.
Mit holzigen, verkaterten Beinen einen steilen Berg hochrennen, das macht weder mir noch meinen Beinen Spaß (vielleicht dem Berg, aber der schweigt dazu…).
Ack!

Schließlich erreiche ich doch den Zehn-Wege-Platz an der Karlshöhe (von dem ca. 8-12 Wege abgehen, jedesmal wenn ich da bin, komme ich auf eine andere Zahl…), den ich überquere und den unmarkierten Weg hinauflaufe, von dem ich weiss, dass er mit sehr moderater Steigung an der Ostflanke des Frankenstein/Ilbeskopf-Massivs durch den Wald führt, und irgendwann den Fahrweg vom Beerbachtal zur Burg Frankenstein erreicht.

Normalerweise ein sehr bequemer Weg (mit der bequemste auf den Frankenstein), heute jedoch nicht.
Bei jedem Schritt jagen mir meine Waden das elektrochemische Äquivalent wüster Beschimpfungen durch die Nervenbahnen, es krampft, schmerzt, strengt unheimlich an.
Da ziiiieht sich auf einmal auch der eigentlich so bequeme Waldweg schier endlos, während mir dank der wenig leistungswilligen Hebe-Muskulatur so langsam aber sicher die Puste ausgeht.

Entsprechend bin ich heilfroh, als ich endlich die große Wiese über Nieder-Beerbach und damit auch die Fahrstrasse zur Burg erreiche.
Kurze Pause um die Aussicht übers abendliche Beerbachtal aufzunehmen (und den malträtierten Waden etwas Ruhe zu gönnen), dann geht´s links, auf dem schmalen Asphaltband weiter aufwärts, in den Wald, in Richtung Burg.

Der feste Untergrund ist überraschenderweise etwas angenehmer als der Waldweg der letzten Kilometer, aber richtig gut läuft´s trotzdem nicht – meine Waden wollen heute einfach nicht klettern, die Muskulatur probt ein bisschen zivilen Ungehorsam und teilt ihre Pein mit mir.
Autsch.

Auch der Fahrweg zieht sich (wenigstens ist praktisch keine Verkehr, bis auf ein einziges Auto und einen schnurrbärtigen Radfahrer mit zauseliger Vokuhila-Matte, der mich beim Aussichtaufnehmen über Nieder-Beerbach überholt hat und nun gaaaaaaanz langsam davonzieht (an einem guten Tag könnte das vielleicht meinen Jagdinstinkt wecken, heute bin ich allerdings froh, dass ich überhaupt vorankomme).
Zum Glück verflacht der Anstieg langsam etwas, das entlastet meine unwilligen Waden.

Ich bin heilfroh, als ich endlich, schon etwas atemlos und mit geschundenen Waden, den Parkplatz unterhalb der Burg erreiche.
Von hier aus geht´s noch ein bisschen Bergauf, unter den mächtigen Mauern des Frankensteins entlang zum Haupttor und hinein in die Vorburg.
Irgendwann muss ich hier auch noch mal mit dem Foto hoch und eine richtige Beschreibung der beeindruckenden Burganlage mit ihren vielen Sagen und Mythen posten, aber heute nicht – heute bin ich einfach nur froh, den höchsten Punkt der Tour erreicht zu haben!

Kurz verschnauft, dann geht´s weiter – ich verlasse die Vorburg durch die kleine Pforte in der Ostmauer und folge dann dem Alemannenweg/Burgenweg/HW12 (weißer Doppelbalken) an der Burgmauer entlang, dann ein steiniges, schmales Pfädchen runter zum Jungbrunnen unterhalb der Burg (leider versiegt, dabei könnten meine armen alten Beine so eine übernatürliche Frischzellenkur gerade dringend brauchen), und von dort aus dann schließlich immer dem weißen Doppelbalken des HW12 folgend die Bergflanke hinab in Richtung Malchen.
Inzwischen schon kurz vor Sonnenuntergang, da wird´ss hier im Wald langsam aber sicher duster.

Der HW windet sich so ein bisschen den Berg runter, überquert dann die Fahrstrasse runter nach Eberstadt, verwandelt sich für ein paar hundert Meter in einen mit viel zu grobem Schotter belegten läuferischen Albtraum, und erreicht schließlich an den Blütenhängen über Malchen den Waldrand.
Von hier aus hat man eine schöne Aussicht nach Westen, und da dort gerade die Sonne rotgolden versank, mache ich auf der Ruhebank am Waldrand eine kleine Pause, trinke meine eine mitgenommene Flasche Isoplörre, und sauge den herrlichen Sonnenuntergang auf.

Danach: Sputen – ich weiss von früheren Läufen, dass es vom Malcher Dorfkern (in dem ich noch nicht bin) bis nach Hause noch ziemlich genau fünf Kilometer sind, wenn ich also nicht voll in die Dunkelheit kommen will, muss ich einen Zahn zulegen.

Zuerst klappt das prima, was vielleicht daran liegt, dass Malchen ein Dorf in steiler Hanglage ist – wenn man da von oben kommt (so wie ich) und die lange Frankensteiner Str. in Richtung Ebene hinabläuft, hat man die Gravitation eindeutig auf seiner Seite.
Entsprechend zügig abwärts, vorbei an der alten Dorflinde und der kleinen Kapelle, bis kurz vor die Strassenbahnhaltestelle am unteren Ortsende, da dann links und durch den Weg mit dem etwas kurios klingenden Namen „Im Metzger“ runter auf den Radweg, der neben Strassenbahn und der Alten Bergstrasse am Fuß der Blütenhänge nach Seeheim führt.

Dieses Stück mag ich nicht besonders – 1,3 km Gerade, an deren Ende Seeheim verheissungsvoll winkt und doch nur überraschend langsam näherkommt. Hier werde ich immer unfreiwillig schnell, und heute abend ist keine Ausnahme.
Schritt für Schritt nehme ich Tempo auf, schließlich will ich ja vor der Dunkelheit daheim sein, also nichts wie los.
Auch das gefällt meinen Beinen überhaupt nicht, auch wenn nun eine neue Muskelgruppe den Staffelstab des Katerns und Muckerns übernimmt – waren es bergauf vor allem die „Hub“-Muskeln in meinen Waden gewesen, die mir eingeheizt hatten, so melden sich nun die Muskeln zu Wort, die hinten am Bein sitzen, da wo der Oberschenkel in den Hintern übergeht.
Das sind große, schwere Muskeln, wenn die sich beschweren, dann merkst du das!

Aber egal, weniger als fünf Kilometer bis nach Hause, da kann ich genausogut auch weiter machen, also ziehe ich das Tempo durch, auch wenn´s ein etwas schwer fällt und mein Puls eine aufgekratzt und hastig durch die Adern tanzt.

Als ich Seeheim erreiche, tut alles schon ein bisschen weh (vor allem die Tempomuskeln unter der Arschkante), aber ich weiss, wenn ich jetzt nachlasse ist Schluss.
Also haste ich durch, neben den Strassenbahnschienen die lange, lange Leuschner-Str. runter bis ans Rathaus, dann an der Sport- und Kulturhalle vorbei (heute scheint mehr Sport als Kultur angesagt, zumindest lässt melodische der Chorgesang, der aus einem beleuchteten Fenster dringt darauf schliessen), von dort runter an die Heidelberger, und an der aus Seeheim raus bis zur Feuerwehr.

Inzwischen schappt die Dämmerung merklich in Richtung Nacht, ein strahlender Mond steht am Himmel, und ich pfeife aus dem letzten vorletzten Loch.
Aber ich pfeife, das ist die Hauptsache.

Die paar hundert Meter zwischen Seeheim und Jugenheim sind schnell überbrückt, mit schmerzenden Beinen und kurzem Atem laufe ich in meinem dämmrigen Heimatort ein, bis zur großen Kreuzung an der Luwigsstr.
Hier muss/kann/darf ich nochmal kurz pausieren, an der Fußgängerampel über die Ludwigsstr.
Leider nur ein paar Sekunden, dann wird sie schon grün.
Wieder loslaufen erfordert immense Willenskraft, so schwer und schmerzig sind meine Beine und so kurz ist mein Atem.

Aber ich bin ja fast da.
Wankend, schwankend, aber gezwungen zügig laufe ich weiter, vorbei an den Restaurants am Friedensbrunnen (es riecht gut nach Essen, mir fällt auf, dass ich ordentlich Kohldampf habe), dann die Sandmühlstr. hoch, vorbei an der katholischen Kirche und dem Spielplatz, über die Hauptstr., und dann die letzten, schlimmen, langen 500 m. bis zum Ziel.
Als ich zuhause ankomme ist es nacht.
Ich schwanke durchs Tor zur Haustür, auf Beinen, die aus Blei gemacht zu sein scheinen.
Ach nein, kann nicht sein, Blei schmerzt nicht…
Schuhe aus (ääächz), Tür auf, rein, geschafft – im wahrsten Sinne des Wortes.

Puuh, so langsam beginne ich wohl ernsthaft, die erhöhte Kilometerleistung und die vielen, vielen Höhenmeter der letzten Wochen zu spüren.
Mal sehen, wie sich das entwickelt…

Strecke: 15,5 km
Zeit: 1:35 h (9,79 km/h bzw. 6:08 min/km)
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 2,19% (0,34 km von 15,5 km)
Karte:
Frankenstein Redux

M.

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7 Antworten to “Burg Frankenstein mit schweren Beinen (15,5 km)”

  1. Hannes Says:

    „das elektrochemische Äquivalent wüster Beschimpfungen durch die Nervenbahnen“ – Matthias, du schreibst so herrlich, wobei es das in diesem Fall ja nicht war, eher schmerzhaft. Das ist schon eine ordentliche Tortur, die du deinen Beinen auferlegst. Vielleicht gönnst du ihnen in den nächsten Tagen ja stattdessen etwas Ruhe.

    Nur irgendwie passt es nicht in mein Bild, dass du die Burg am Abend erklimmst. Auch wenn es im Mondschein sicher auch sehr idyllisch sein kann, irgendwie meint mein Kopf, man müsse die Burg am Nachmittag besichtigen …

    • matbs Says:

      Jepp, Ruhe klingt gut.
      Da könnte man so langsam vielleicht doch mal drüber nachdenken… 😉

      Die Burg hab´ ich bei dieser Tour ja gar nicht besichtigt, stattdessen bin ich entgegen meiner üblichen Gewohnheiten nur kurz über den Hof der Vorburg gelaufen und hab´ die Hauptburg rechts liegen lassen.
      Hab´ ich mir quasi aufgespart, für irgendwann demnächst wenn ich mit dem Foto da hochkomme… 🙂

  2. Evchen Says:

    Äh, Deine Waden hab ich da jetzt in den letzten Posts ein paar Mal zu oft rausgelesen. Soll ich mehr dazu sagen?

    Du hast Biß, das gefällt mir. Obwohl Deine Wanderkarten-Lauferei ja sonst eher einen behäbigen Anschein erweckt, haben es Deine Touren ganz schön in sich.

    Vielleicht mal ein paar platte km? 😉

    • matbs Says:

      Behäbig?
      Was heisst denn hier behäbig, häh?!!
      Das´ doch…
      Also…
      Pfffffft!!!!

      Ok, Frollein, jetzt hörense mal her: Mein „Wanderkartentouren“ dürfense erst dann als behäbig bezeichnen, solbaldse selbat mal sowas jemacht ham: 25 km, 1000 HM, knöchelbrechende Ziegenpfade allenthalben, und wennse da durch sind, dann dürfense das auch gerne behäbig nennen!
      Aber vorher verlang´ ich Respekt für meine armen alten malträtierten Waden, Respekt, jawollja!!!
      😆

      Abgesehen davon: Platt hab´ ich probiert, das war in jeder Hinsicht furchtbar (vgl. den nächstneueren Post). 😉

  3. Gerd Says:

    So ein bisschen masochistisch bist Du auf jeden Fall veranlagt.
    Das Du immer freiwillig bergauf Laufen willst. 😉

    • matbs Says:

      Wenn´s unfreiwillig wär, würd´ ich ja nicht wollen… 😀

      Außerdem ist Flachland viel unangenehmer und schlimmer, so ein paar gepflegte Anstiege sind also quasi Antimasochismus. 😉


  4. […] Burg Frankenstein mit schweren Beinen (15,5 km) […]


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