Mit dem Foto auf den Großen Feldberg (30,9 km) – Teil 1: Rauf

12. September 2009

Ok Kinder, jetzt ist es doch tatsächlich passiert.
Meine Tour am letzten Wochenende auf den Großen Feldberg war so großartig, so interessant und so lang, und ich hab´ so viele Fotos und Eindrücke mitgebracht, dass ich ewig lang vor mich hingegrübelt habe, was ich da nur weglassen kann, damit es nicht zu lang wird.
Dann hab´ ich mir gesagt: „Scheiss drauf, das war so super, das bloggst du jetzt einfach genauso lang, wie´s sein muss, selbst wenn lang wird!
Tja, und genau danach sieht´s nun aus.
Damit´s nicht ganz so viel auf einmal ist, habe ich mich entschieden, den Eintrag zu splitten.
Hab´ ich noch nie gemacht, und soll eigentlich auch nie wieder vorkommen. Aber ausnahmsweise geht mal, schließlich erfordern außergewöhnliche Tourenauch außergewöhnliche Maßnahmen… 😆

Deshalb gibt´s den Laufbericht ausnahmsweise mal in zwei Teilen.
Heute die erste Hälfte mit dem Titel „Rauf“, die den Aufstieg vom Opel-Zoo bis auf den Großen Feldberg beschreibt.
Teil 2 findet ihr dann hier.

Ich hoffe, das ist ok für uns alle, und ihr habt trotzdem ein bisschen Spaß beim Lesen (und vielleicht sogar ein bisschen miterleben)… 🙂

Vor ziemlich genau einem halben Jahr hab´ ich ein paar läuferische Ziele aufgeführt, die ich 2009 gerne erreichen wollte.
Die meisten davon sind inzwischen umgesetzt oder zumindest in die Wege geleitet.
Durch den Odenwald nach Bayern? Erledigt.
Weschnitztal genauer erkunden? Bin dabei.
Ins Ausland laufen? Angefangen und schon ganz schön weit gekommen (wenn auch nicht nach Luxemburg sondern erstmal ins nähere Frankreich)

Bloß ein Ziel, das hat noch gefehlt: Der große Feldberg im Taunus.
Den hab´ ich lange vor mir hergeschoben.
Einerseits aus Respekt – das Ding ist unheimlich hoch, viel höher als alles, was ich bisher erlaufen habe – sowas geht man nicht leichtfertig an.
Andererseits aus Vorfreude: Der große Feldberg ist nämlich was Besonderes.
Nicht nur weil er mit Abstand der höchste Punkt ist, zu dem ich jemals gejogged wäre (fast 200 m. höher als der Donnersberg), sondern auch, weil er der entfernteste Punkt im Norden ist, den ich an klaren Tagen von meinem Wohnungsfenster aus sehen kann – ein Symbol für „Weit weg“.
Sowas läuft man nicht einfach so ab, dafür braucht´s den perfekten Tag!
Nicht zu heiß sollte es sein, aber auch nicht zu kalt, mit viel schönem Sonnenschein und der richtigen Tagesform, einem freien Kopf, viel Zeit, und und und – alles sollte passen, und sowas kommt nicht allzuoft vor…


Heute morgen: Aufgestanden, Blick aus dem Fenster:
Draußen strahlt ein herrlicher Spätsommer-/Frühherbsttag (laut Wetterbericht der letzte für die nächste Zeit), mit azurblauem Himmel, freundlicher Sonne, frischem Wind…
Und mir ging´s richtig gut – hellwach, fit, gut gelaunt…
Auf einmal ist er da, der perfekte Tag.
Und mit ihm die Gewissheit:
Jetzt oder nie – heute lauf´ ich auf den Großen Feldberg! 🙂

Wenn sich sowas spontan ergibt, ist das irgendwie besonders schön, als wäre man über eine richtig angenehme Überraschung gestolpert.

Gut gefrühstückt.
Gürtel mit Proviant gepackt.
Laufklamotten an.
Streckenplänchen gedruckt (die Strecke selbst stand schon seit Wochen fest, hatte nur darauf gewartet, zum Einsatz zu kommen: Vom Opelzoo über Falkenstein [samt Burg] und Königstein [samt Burg] auf den kleinen Feldberg und den großen Feldberg, dann über den Fuchstanz auf den Altkönig, runter nach Kronberg, auch dort auf die Burg, dann zurück zum Opelzoo.
Keine bequeme „vernünftige“ Strecke, aufs Ausmessen hatte ich vorher ganz verzichtet, Länge und Steigungen waren heute vollkommen egal – egal ob 20 km, 25 km oder mehr, egal wieviele Höhenmeter, das würde ich heute einfach ablaufen!).

Und los.
Nordwärts, durch den hellen, sommerlich-herbstlichen Vormittag in den Taunus, bis zum Parkplatz des Opel-Zoo an der B455, inmitten der Wiesen an den unteren Taunushängen zwischen Kronberg und Königstein.

Auch hier ist es herrlich, das Sonnenlicht aus dem blauen Himmel so intensiv und strahlend, dass die grüne Landschaft leicht blaustichig wirkt.
Und die Mittagssonne hat kraft, dort wo ihre Strahlen hinreichen, ist es wohlig, angenehm warm.
In den tiefen Schatten allerdings ist es schon etwas frisch, das Thermometer zeigt gerade mal 18 Grad, und der steige Wind hat eine aromatische, herbstliche Schärfe. Macht mir etwas Sorgen für den Feldberg, auf dessen Gipfel (mehr als einen halben Höhenkilometer über meiner momentanen Position) es in der Regel einige Grade kühler ist.
Aber ich hab´ vorgesorgt und mir immerhin einen Nackenwärmer eingepackt. Den werd´ ich nachher noch gut brauchen können. 😉

Ich dehne brav (wenn auch etwas ungeduldig) ein paar Minuten am Auto, dann starte ich endlich ins große Abenteuer.

Kurz westwärts die B455 entlang…
IMG_5420
Bild #1: Start!!! 🙂

…bis zum Haupteingang des Opel-Zoo
IMG_5422
Bild #2: Eingang zum Opel-Zoo. Ich würde total gerne rein, aber heute geht´s halt mal nicht. Aber irgendwann demnächst mal wieder… 😉

…vor dem ich eine kleine Schleife laufe.
Ein kleiner Umweg, aber damit ist die Anbindung ans restliche Streckennetz hergestellt, denn vor drei Monaten hab´ ich hier den herrlichen Lauf von Frankfurt in den Taunus beendet (theoretisch sollte ich hier auch noch mal am Ende der Tour vorbeikommen – aber das war ja noch ewig weit, da wollte ich kein Risiko eingehen).

Dann wieder zurück über die B455 und auf der anderen Strassenseite dem schwarzen Punkt folgend hinein in die wunderschönen Helbigshainer Wiesen am Hang unterhalb von Falkenstein:
IMG_5421
Bild #3: Schranke mit Wegmarker (Schwarzer Punkt) am unteren Rand der Helbigshainer Wiesen

Hier komme ich auch gleich in die erste kleine Navigationsbredouille – der Weg soll laut Wanderkarte direkt aufwärts durch die Wiesen führen, aber die sind frisch gemäht und ein Marker ist nirgendwo in Sicht.
Deshalb finde ich den Weg nicht, irre etwas verloren über die den weitläufigen Hang und laufe schließlich den ersten ordentlichen Umweg der heutigen Tour.
Es gibt Tage und Strecken, da würde mich das stören.
Hier und heute – scheissegal! 😀
Hier oben ist es so schön, da macht das gar nix!

Die Helbigshainer Wiesen sind frisch gemäht, der Wind trägt den Duft von Heu und Herbst und Weite heran, von oben streichelt die herrlichwarme Sonne aus dem kobaltblauen, mit Schäfchenwolken geschmückten Kaiserwetterhimmel über die schrägen Grasflächen, an deren Rändern kleine Gehölze aus Obstbäumen stehen, die sich mit blühenden Wildblumen geschmückt haben.
Jenseits der Wiesen erheben sich bewaldeten Höhenzüge des Taunus, in der Bergflanke direkt über mir sitzt das Örtchen Falkenstein, überragt von der gleichnamigen Burg, die von ihrem steilen, schroffen Felsen heruntergrüßt:
IMG_5424
Bild #4: Helbigshainer Wiesen. In der linken Bildmitte ist der Turm von Burg Falkenstein sichtbar, rechts darunter schimmern ein paar Falkensteiner Häuser durch das Buschland

Und das ist erst die halbe Lage, denn wenn man sich umdreht kann man über die Wiesen hinunterschauen, über Kronberg hinweg auf die Frankfurter Skyline, die unten in der Ebene in der Mittagssonne schimmert:
IMG_5433
Bild #5: Blick von den Helbigshainer Wiesen nach Süden.
Links vorne Burg Kronberg, rechts davon der Frankfurter Funkturm am Dornbusch, noch weiter rechts die Skyline von Mainhattan (an die gewöhnt ihr euch besser schonmal, die wird uns heute noch öfter begegnen)

Wenn ich nicht weiterwollte, ich könnte hier den ganzen Nachmittag in der Sonne verbringen und es mir gut gehen lassen… 🙂

Aber ich will ja weiter, also irre und wirre ich entspannt durch die Wiesen, suche immer mal wieder den Durchgang nach oben, der allerdings unauffindbar bleibt…
IMG_5432
Bild #6: …da sind nur Privatgrundstücke und die Gärten der untersten Falkensteiner Häuser, und die sind alle eingezäunt

…und mäandere so zwischen Obstbäumen, Wildblumen und Wiese immer weiter ostwärts, bis ich schließlich an der Falkensteiner Str. (L3005) rauskomme, die Kronberg und Falkenstein miteinander verbindet.
Wollte ich jetzt eigentlich nicht hin, aber wie gesagt: Heute sind Zeit und Distanz vollkommen egal, da macht ein Kilometer mehr oder weniger überhaupt nichts.
Zumal die Navigation ab hier wieder klappt – ich muss einfach der Strasse nach links folgen, dann komme ich automatisch wieder auf Kurs.
Also mach´ ich das.

Einige hundert Meter zwischen Wald und Wiesen nordwestwärts, auf dem bequemen Bürgersteig neben der Fahrbahn aufwärts bis nach Falkenstein hinein:
IMG_5437
Bild #7: Kronberger Str. in Falkenstein. Direkt voraus im Wald oberhalb des Ortes ist wieder die gleichnamige Burg erkennbar

Diese Ecke des Hochtaunuskreises, mit Kronberg, Falkenstein und Königstein, beherbergt einige der exklusivsten Wohnlagen der Republik. Anerkannte Luftkurorte (hier oben ist alles voller Kurkliniken), traumhafte Lagen in den Taunushängen hoch über der Ebene, mitten in der Natur und doch nur einen Katzensprung von Frankfurt entfernt – hier oben herrscht komfortabler Wohlstand.
Das merkt man auch, selbst wenn man nur durchläuft – die Häuser an den Hängen haben große Gärten, sind geräumig, repräsentativ, geschmackvoll (man praktiziert hier i.d.R. gediegenes Understatement) – ebenso wie die ungewöhnlich vielen großen Limousinen, die davor stehen.
Hübsch hier… 🙂

Nach ca. 750 m. treffe ich an einer Kreuzung den schwarzen Punkt wieder, der mir vorhin in den Helbigshainer Wiesen abhanden gekommen ist. Unvermittelt und mit entwaffnender Unschuldsmiene kommt er einfach so von links unten daher und tut so, als hätten wir uns nie verloren.
So ein Schlingel!
Aber mir ist´s recht, ich bin ja bester Dinge heute, also folge ich ihm einfach, rechts den Johannisbrunnenweg hinauf:
IMG_5439
Bild #8: Johannisbrunnenweg

Hier wird´s zum ersten Mal richtig steil.
Falkenstein sitzt in spektakulärer Lage am Hang des mächtigen Altkönig, und hat dementsprechend ordentlich viel Topografie aufzuweisen: Die niedrigsten Ortsteile liegen auf ca. 370 m. ü.NN, die höchsten auf über 500 – da ist Klettern angesagt.

Ist aber überhaupt kein Problem, wie meistens wenn ich an einem wunderbaren Tag auf richtig schöner, großer Tour bin, muckt überhaupt nichts, es läuft wie am Schnürchen.
Wobei ich natürlich auch schön langsam mache, hab´s ja schließlich überhaupt nicht eilig (und es wäre ja auch eine Schande, die tolle Strecke atemlos runterzurennen).

Schön stetig aufwärts, bis nach Alt Falkenstein., wo´s (wer hätte das gedacht?) durch den alten Falkensteiner Ortskern geht (immer noch bergauf, aber nun wieder wesentlich moderater)…
IMG_5441
Bild #9: Alt Falkenstein

…vorbei an großen, alten Häusern und einer schönen alten Fabrik…
IMG_5443
Bild #10: Heute irgendeine Privatklinik oder sowas. Hab´ ich die beachtliche Klinikdichte hier oben schon erwähnt?

…bis hin zum zu einer Ecke mit großem, gepflegten Weltkriegsmahnmal…
IMG_5444
Bild #11: Falkensteiner Gedenkstätte

…an dem ich mich vom schwarzen Punkt verabschiede und stattdessen dem schwarzen Andreaskreuz folge.
Das führt mich nach links, kurz den Reichenbachweg entlang (natürlich aufwärts), dann gleich wieder links, an einer kleinen Kirche vorbei (natürlich aufwärts)…
IMG_5445
Bild #12: Christkönigkirche

…in den wunderschönen Falkensteiner Burghain, der steil aufragenden bewaldeten Felskuppe zwische Falkenstein und Königstein.
Hier geht´s – wie könnte es anders sein? – aufwärts:
IMG_5446
Bild #13: Im Falkensteiner Burghain

Weiterhin alles perfekt – die steile Steigung läuft sich wie von selbst, Atmung, Puls, Beine und Kopf sind allesamt glücklich und zufrieden, und die Umgebung – üppiger Buchenwald am felsigen Hang, in dem sich goldenes Sonnenlicht und grüner Halbschatten mischen – ist wunderschön.

Und lange geht´s auch nicht mehr bergauf, nach ca. 200 m. kommt bereits das erste Etappenziel in Sicht, auf das ich mich schon riesig freue: Burg Falkenstein.
IMG_5447
Bild #14: Kurz vor der Burg

Kurzinfo: Burg Falkenstein liegt an einem Steilhang hoch über dem gleichnamigen Ort, wurde in der Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet und hieß ursprünglich „Neu-Falkenstein“, vermutlich weil sie direkt neben den Resten einer älteren Burganlage, der Burg Nürings (auf die kommen wir gleich noch), erbaut wurde.
In den folgenden Jahrhunderten wurde sie immer mal wieder beschädigt oder sogar zerstört und zwischenzeitlich zwischen diversen niederen Adelsgeschlechtern verlehnt, verkauft und/oder vererbt.
Bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts bewohnt, danach Verfall (wurde u.a. – auch das ist wieder mal recht typisch – von den Bewohnern der umliegenden Ortschaften als Quelle billigen Baumaterials missbraucht). Erste Restaurationsarbeiten im 19. Jahrhundert, 1954 kauft die Gemeinde Falkenstein sie dem Land Hessen ab (Preis: 1050 DM. Dafür hätt´ ich sie auch genommen… 😀 ).

Von unten hab´ ich die Burg und ihre spektakuläre Lage schon öfter bewundert, jetzt bin ich zum ersten Mal überhaupt oben.
Ein Schritt durch das hohe Holztor und…
IMG_5453
Bild #15: Burgeingang

…WHOOAAAAAAAA!!!!!!
Achdumeinefresseistdasgrandios!!!

Burg Falkenstein liegt nicht direkt auf der Kuppe des felsigen Burgberges, sondern ist in den Hang hineingebaut, wodurch sich die Schildmauer, in der das Tor liegt, über dem offenen Innenhof befindet.

Sprich: Man tritt ein und hat sofort einen atemberaubenden Ausblick über die vor einem abfallende Burganlage hinweg in die schier unendliche Mainebene am Fuß des Taunus.
Und die Burg selbst ist auch nicht zu verachten: Ein weiter grasiger Burghof am Hang über dem Abgrund, umgeben von uralten Mauern und überragt vom weithin sichtbaren Bergfried, der sich auf einem felsigen Vorsprung über der Anlage erhebt.
Alles wunderbar beschienen von der warmen Mittagssonne, in den Felsen und auf der Wiese sitzen ein paar Menschen, picknicken oder genießen einfach die Aussicht, das Licht und die Wärme.
Traumhaft schön hier oben!

Natürlich schaue ich mich erstmal ausgiebig um, ohne Hast und mit ganz viel Aufmerksamkeit, schließlich hab´ ich es heute nicht eilig…

IMG_5454
Bild #16: Bergfried der Burg Falkenstein

IMG_5455-61p
Bild #17: Großartiger Panoramablick vom Burghof in die Ebene. Trotz leichter Beeinträchtigungen durch unstete Belichtung und den diesigen Ballungsraumdunst erkennt man mittig im Vordergrund Kronberg, rechts im Hintergrund Frankfurt.

IMG_5463-65p
Bild #18: Die Burganlage vom Fuß des Bergfrieds aus gesehen

IMG_5462
Bild #19: Falkenstein, direkt unterhalb der Burg

IMG_5467
Bild #20: Der Eingang des Opel-Zoo, weit, weit unten

IMG_5470
Bild #21: Bergfried von unten

IMG_5472
Bild #22: Blick von der Südseite auf die Anlage, die hier gerade im Wolkenschatten liegt

Ein echtes Highlight, der steile Aufstieg hat sich auf jeden Fall gelohnt!

Nachdem ich mich ausgiebig umgeschaut habe (der Bergfried ist geschlossen, aber angesichts der Aussicht, die man vom Burghof aus hat, ist das nicht weiter schlimm), merke ich langsam, dass ich im frischen Wind auszukühlen beginne – Zeit zum Weiterlaufen, auch wenn ich gerne länger verweilen würde.

Ich verlasse die Burg und wende mich direkt nach dem Tor links, wo das schwarze Andreaskreuz unterhalb der mächtigen Schildmauer nach Süden an der felsig-bewaldeten Kuppe entlang führt:
IMG_5452
Bild #23: An der Außenmauer entlang

Direkt nach der Burg erwartet mich eine kleine Überraschung: Links geht eine kleine Treppe vom Weg ab, an deren oberen Ende die Reste der Burg Nürings zu bestaunen sind, die hier oben stand, bevor Burg Falkenstein erbaut wurde. Ist nicht besonders spektakulär…
IMG_5474
Bild #24: Reste der Burg Nürings

…aber zwei Ruinen direkt nebeneinander, das ist trotzdem was Besonderes! 🙂

Und damit nicht genug, nur 100 m. weiter gibt´s bereits die nächste Sehenswürdigkeit – unvermittelt öffnet sich der Wald und gibt den Blick auf steil abfallende Felsklippe samt kleinem Tempelchen frei, die als weiterer grandioser Aussichtspunkt hoch über dem Abgrund sitzen:
IMG_5475
Bild #25: Teufelskanzel (so genannt, weil hier einst der Leibhaftige gepredigt haben soll) und Dettweiler Tempel (benannt nach einem Pionier der Tuberkulose-Heilkunde)

Auch hier ist der Blick über die Ebene grandios, auch wenn ich dank intensivem Gegenlicht kein anständiges Panoramafoto hinkriege (fahrt halt selbst hin und schaut´s euch an 😉 ):
IMG_5476-77p
Bild#26: Teufelskanzel

Danach geht´s abwärts. Weg mit den Höhenmetern, zumindest vorerst!
Ich folge dem schwarzen Andreaskreuz an der steilen Südwestflanke des Burghains nach unten. Meist ist es ein schmaler Pfad, der sich zwischen verwitterten Felsen und alten Buchen im Zickzack den Hang hinab schlängelt, der angesichts von Mittagslicht und dichtem Blätterdach in einem Leopardenmuster erstrahlt.

Nach ein paar hundert Metern erreiche ich unvermittelt einen weiteren Aussichtspunkt, der zur Abwechslung mal nach Osten schaut – der Hilda-Blick hoch über der wunderschönen Kurstadt Königsstein:
IMG_5484
Bild #27: Burg Königstein und Königsteiner Altstadt vom Hilda-Blick

Sieht sehr hübsch aus, da freue ich mich gleich doppelt darauf, das alles gleich aus nächste Nähe mitzunehmen… 🙂

Von hier aus ist es dann auch nicht mehr weit: Ein steile, verwitterte Steintreppe zwischen den Büschen hinab, dann noch ein bisschen einen schmalen Waldweg runter, und schon erreiche ich die Adelheidstr. am Stadtrand von Königstein im Taunus.

Ich mag Königstein.
Ruhiges Kurstädtchen, hübsch, aufgeräumt, mit viel Grün, pittoresk in ein Tal zwischen die bewaldeten Vordertaunushöhen geklemmt, hat eine schöne Altstadt, und ist manchmal ein kleines bisschen mondän ohne dabei allzu hochnäsig zu wirken.
Eminent besuchbar und sehr nett!

Das schwarze Andreaskreuz lotst mich direkt am Ortsrand nach rechts und führt dann links talwärts in Richtung Stadtkern, vorbei am blauen Kurbad, das gut besucht ist und nach Chlor und Sommer riecht…
IMG_5486
Bild #28: Kurbad

…dann über die ampelstrotzende B455 (die hier auf den grandiosen Namen „Le-Cannet-Rocheville-Str.“ hört)…
IMG_5487
Bild #29: Le-Cannet-Rocheville-Str. am Kurbad

…und schließlich durch die Georg-Pingler-Str., die Klosterstr….
IMG_5488
Bild #30: Klosterstr.

…(in der´s wirklich schöne alte Häuser hat)…
IMG_5489
Bild #31: Apotheke an der Ecke Klosterstr./Limburger Str.

…und die Herzog-Adolph-Str…
IMG_5490
Bild #32: Herzog-Adolph-Str.
Das Schlösschen im Hintergrund ist übrigens die Villa Andreae, in der einst der „Baulöwe“ und Milliardenpleitier Jürgen Schneider residiert hat

…bis runter an die Herzog-Adolph-Anlage, einem kleinen Park mit Denkmal (natürlich für Herzog Adolph) und wunderschönem Weiher…
IMG_5494
Bild #33: Teich in der Herzog-Adolph-Anlage

…der am tiefsten Punkt des alten Stadtkerns liegt.
Übrigens auch wieder ein kleiner Umweg, aber ein bewusst gemachter – als ich mir letztes Jahr zum ersten Mal Königstein angesehen habe, bin ich hier auch vorbeigekommen.

An der Parkanlage biege ich links ab und folge der steilen Gerichtsstr. aufwärts…
IMG_5493
Bild #34: Gerichtsstr.

…durch verwinkelte, hübsche Altstadt bis auf den kleinen Platz alten Rathaus.
Kurze Fotopause…
IMG_5495-96p
Bild #35: Altes Rathaus von Königstein, beherbergt heute das Stadtmuseum

IMG_5497
Bild #36: Königsteiner Hauptstr. aus Richtung des alten Rathauses

…dann geht´s weiter bergauf, auf der hinteren Schlossgasse weitere 100 m. den Hang des Burgbergs hinauf, bis ich den Burgweg am oberen Ortsrand erreiche, der durch den Burghain hinauf zur Burg Königstein führt:
IMG_5499
Bild #37: Der Anfang vom Burgweg

Kurzer Blick nach rechts zur kleinen aber ansehnlichen evangelischen Kirche…
IMG_5500-01p
Bild #38: …wo gerade geheiratet wird.
Mir ist´s recht, solange mir hinterher niemand mit debilem Gehupe auf die Nerven geht…

…dann laufe ich noch einen kleinen Schlenker durch den Park des benachbarten Luxemburgischen Schlosses…
IMG_5502-03p
Bild #39: Luxemburgisches Schloss, beherbergt heute das Amtsgericht

…und stosse dann weiter oben durch einen Durchgang in der Parkmauer wieder auf den Burgweg, auf dem es nur noch ein paar Meter bis zum Haupttor der Burg Königstein sind:
IMG_5505
Bild #40: Eingang der Burg Königstein

Oben angekommen kauf´ ich mir am Kiosk hinter dem Tor eine Eintrittskarte (2 Euro) und meine erste Cola des Tages (auch 2 Euro), dann geht´s hinauf in die sonnige Vorburg:
IMG_5506
Bild #41: In die Burg hinein

Kurzinfo: Burg Königstein ist laut Wikipedia eine der größten Burgruinen des Landes. Wenn man sie sich so ansieht, ist man auch geneigt, das zu glauben. Der Grund dafür liegt vor allem darin, dass die Burg sehr lange in Benutzung war – ursprünglich vermutlich zwischen 1100 und 1200 n. Chr. erbaut, wurde sie sie in den folgenden Jahrhunderten ständig erweitert und erneuert. Entsprechend wird das heutige Burgbild von frühneuzeitlichen Befestigungsanlagen geprägt, vor allem einem Ring aus terassenartigen Bastionen und Geschützrondellen, der um den Kern der Anlage herum angelegt ist.
Um zur eigentlichen Burg mit dem Bergfried und den Resten der Wohngebäude zu gelangen, muss man einmal halb um den Berg herum, dann durch einen kasemattenartigen Tunnel bis hinauf auf die Kuppe.
Die Festung wurde bis zum Ende des 18. Jahrhunderts militärisch genutzt und erst während der napoleonischen Kriege so schwer beschädigt, dass sie schließlich aufgegeben wurde und zu verfallen begann

Erste Verpflegungspause an der Mauer der östlichen Vorburg, hoch über der Stadt:
IMG_5508
Bild #42: Weil´s hier ganz schön zieht, lege ich den mitgebrachten Nackenwärmer um. Fühlt sich zwar ein bisschen komisch an, so mitten im Sommer, aber auch angenehm. Entsprechend nehme ich ihn für den Rest der Tour nicht mehr ab

Dabei komme ich ein mit der Radfahrerin aus Bild #40 ins Gespräch (die mich wegen meinem Sparkassen-Marathon-Shirt anspricht, weil sie da letztes Jahr auch mitgemacht hat), die aus Bremen kommt und hier wegen chronischer Migräne (ack, das klingt furchtbar!) zur Kur ist.
Wir plaudern ein bisschen nett über das Wetter, den Taunus (vor allem im Vergleich zum flachen Norddeutschland), die Aussicht und die Migränekur (eine Woche lang nur Milch und trockene Brötchen zum Entgiften. Fies!) während wir durch die Kasematten…
IMG_5544
Bild #43: Da geht´s rein

…hoch auf die Kernburg schlendern…
IMG_5542
Bild #44

…und uns dann freundlich voneinander verabschieden.
Sehr nett, dazu sind also die eindeutig identifizierbaren Aufdrucke auf Finisher-Shirts gut… 😀

Hier oben gibt es zwei Attraktionen, einerseits die mächtige Burganlage selbst…
IMG_5511
Bild #45: Hauptgebäude mit dem über 30 m. hohen Bergfried

…andererseits die herrliche Aussicht, die man von den hohen Mauern auf den Taunus und über die Rheinebene hinweg bis zur Bergstrasse und dem Spessart hat:
IMG_5512-24p
Bild #46: 270°-Panorama vom südöstlichen Rondell aus.
Ganz links die Hauptburg, rechts davon das Feldbergmassiv, darunter zentrale Teil von Königstein. Rechts über dem Türmchen der Villa Andreae der Altkönig, rechts davon der Falkensteiner Burghain, direkt darunter das Kurbad.
Weiter rechts dann die südlichen Teile von Königstein sowie die Berglücke in Richtung Kronberg, rechts davon der Hardtberg, auf den ich beim letzten Ausflug in den Taunus gelaufen bin und schließlich ganz rechts der Blick nach Süden über die Rheinebene, bis hin zum schemenhaft erkennbaren Odenwald in 50 km Entfernung

Beides ist großartig!

Natürlich schaue ich mir auch noch mal das Hauptgebäude an…
IMG_5528
Bild #47: Östliche Front

IMG_5531
Bild #48: Innenhof (der früher natürlich kein Innenhof war, sondern das Innere des Gebäudes)

…und klettere dann auch noch mal auf den Bergfried, mehrere Dutzend zugige, alte steile Stufen hoch.
Anstrengend, aber für den traumhaften Rundumblick auf der Turmspitze würde ich auch freudig doppelt oder dreimal so viele Stufen in Kauf nehmen.
SA-GEN-HAFT!!!!!!

IMG_5533-36p
Bild #49: Panoramablick nach Süden, über Königstein hinweg in die Ebene.
Hier oben auf dem Turm ist man so hoch, dass man nun auch…

IMG_5537
Bild #50: …die Frankfurter Skyline erkennen kann, die jenseits der Taunusvorberge in der frühen Nachmittagssonne glitzert

IMG_5538
Bild #51: Blick nach Südwesten über den wunderschönen Vordertaunus in Richtung Fischbach und Eppstein

IMG_5539
Bild #52: Und da isser: Blick auf den Großen Feldberg im Norden, dessen Gipfel immer noch 400 m. höher liegt als mein momentaner Standpunkt auf der Turmspitze

Wirklich toll hier oben, aber nach ein paar Minuten trieb mich der stetige Wind, der trotz der strahlenden Sonne empfindlich kalt daherkam, dann wieder runter.

Noch einmal um die Kernburg herum…
IMG_5543
Bild #53

…und dann abwärts, durch den Kasematten-Gang und die Vorburg bis zum Haupttor, und schließlich wieder hinaus in den prächtigen halb sonnig/halb schattigen Mischwald des Königsteiner Burghains.

Hier verlaufe ich mich ein bisschen.
Nichts Ernstes, und auch nicht wirklich ungeplant – es ist einfach so, dass ich hier noch nie war und die vielen unmarkierten Waldwege am Hang ein bisschen verwirrend sind. Deshalb erwische ich nicht den kürzesten Weg (aber damit hab´ ich eigentlich auch nicht gerechnet… ;), sondern laufe erstmal einen größeren Bogen an der dicht bewaldeten und mit eindrucksvollen Felsformationen durchsetzten Westflanke des Burgberges – erst noch ein Stück an der Burgmauer entlang, dann scharf links runter, dann wieder etwas rechts hoch, dann nochmal rechts, ein bisschen auf, ein bisschen ab, ein bisschen nach Norden, ein bisschen nach Osten…
Ich hab´s nicht eilig, und der Wald ist wunderschön, und mir geht´s richtig gut – wer braucht da schön den kürzesten Weg…? 🙂

Am Ende komme ich dann trtozdem genau da raus, wo ich rauskommen will, nämlich am oberen Rand des idyllischen Woogtals, das mit seinen sonnigen Wiesen und einem kleinen Bachlauf (dem Woogbach)den Burgberg vom nordwestlichsten Ausläufer Königsteins an den Hängen des Rombergs trennt:
IMG_5547
Bild #54: Woogtal

Hier gibt´s auch wieder Wegmarker, unter anderem den schwarzen Balken, der rechts ein spitzes Ende hat (ist das dann ein schwarzer Pfeil?) und der mir laut Plan für die nächsten Kilometer den Weg weisen soll.
Na dann folg´ ich dem doch mal.

Es geht kurz links, runter in den Talgrund des Woogtals und auf einer kleinen Brücke über den Woogbach.
Das ist mit ca. 340 m.ü.NN übrigens der tiefste Punkt, den ich für viele, viele Kilometer durchlaufen werde – von jetzt an geht´s praktisch nur noch bergauf, bis auf den Gipfel des großen Feldbergs, der mehr als einen halben Kilometer weiter oben liegt.
Eigentlich ja ein etwas einschüchternder Gedanke, aber – so ganz unter uns – ich freu´ mich drauf! 😀

Am anderen Ufer des Woogbachs geht´s dann auch gleich schon los mit dem Aufstieg, der schwarze Pfeil führt mich den herrlich sonnigen Wiesenhang hinauf bis zu den letzten Häusern Königsteins…
IMG_5549
Bild #55: Aufwärts aus dem Woogtal raus

…hinter deren parkartigen Grundstücken er dann auf einem schmalen, dicht bewachsenen Pfädchen…
IMG_5551
Bild #56

…er dann direkt über dem Abhang des Woogtals mehrere hundert Meter nach Westen führt…
IMG_5552
Bild #57

…bevor er schließlich rechts zwischen zwei Grundstücken hindurch ins friedlich-oberklassige Wohngebiet am „Grünen Weg“ einbiegt:
IMG_5554
Bild #58: Grüner Weg, Königstein

Hier verliere ich dann gleich den Marker aus den Augen.
Ist aber nicht schlimm, denn eine freundliche, distinguierte ältere Dame, die gerade mit der Handschere ihre Tuja-Hecken stutzt, weist deutet meinen dämmlich-verwirrten Gesichtsausdruck korrekt und erklärt mir spontan, wie´s von hier aus weitergeht.
Ist gar nicht schwer, einfach den Grünen Weg hoch (da oben sind dann auch wieder die richtigen Marker), dann links den Ölmühlweg (L3389) entlang, der leicht aufwärts am Waldrand über den Hängen des Rombachtals nach Westen führt.
Neubaugebiet auf Hochtaunus-Art.
Keine Fertigbau-Doppelhaushälften, sondern große, villenartige Einfamilienhäuser mit viel Garten, meist sehr modern gestaltet, dabei aber überraschenderweise bis auf wenige Ausnahmen sehr ansehnlich und geschmackvoll (und das schreibe ich bei moderner Architektur jetzt wirklich nicht oft!).

Nach einem knappen halben Kilometer ist dann endgültig Schluss mit Königstein, der schwarze Pfeil lotst mich rechts vom Öhlmühlweg, in den Wald an der Flanke des Rombergs.

Wunderschöner Wald, bestehend aus Buchen und vielen knorrigen, uralten Eichen, zwischen deren dichtem Blätterdach allenthalben taghelle Sonnenstrahlen hindurchblitzen:
IMG_5556-59p
Bild #59: Laut Google Earth ist das der Pionierweg.
Cooler Name, oder?
🙂

Hier macht sich die Steigung so langsam auch richtig bemerkbar, es geht ordentlich bergauf, während das kleine Waldtal links des Weges (das Billtal) immer schmäler und tiefer wird, bis es schließlich fast schon wie eine Schlucht oder ein Canyon wirkt:
IMG_5560-67p
Bild 60: Heidenei, da geht´s ganz schön runter…

Steigung hin oder her, die 1,2 km am Tal(Schlucht)rand an der Billtalhöhe aufwärts laufen sich praktisch von selbst, weiterhin alles prima.

Am oberen Ende des Pionierwegs erreiche ich einen quer verlaufenden Waldweg, der praktisch ebenerdig neben einem wunderschönen kleinen Bach verläuft (und laut Google Earth „Borgnisweg“ heisst):
IMG_5571
Bild #61: Rombach neben dem Borgnisweg

Hier geht´s nach links.
Fast schon surreal, wie flach und bequem das hier auf einmal ist, wenn ich nicht wüsste, dass ich hier bereits auf über 500 m.ü.NN bin, könnte man das Stück glatt für Flachland halten.
Der Wald ist übrigens weiterhin wunderschön: Licht, mit dichtem Bodenbewuchs und singenden Vögeln, direkt neben dem Weg das plätschernde Bächlein, ganz viel Sonne, und schöne alte Bäume, wobei die Buchen und Eichen von eben mehr und mehr von den taunushöhen-typischen Kiefern verdrängt werden:
IMG_5573
Bild #62: Kiefern statt Laubbäume

Das einzige, was die perfekte Waldidylle kompromittiert, ist das ekelhafte Heulen von hochtourigen Motorradmotoren, das regelmäßig zwischen den Bäumen hindurchschallt – ein paar hundert Meter weiter rechts verläuft die Höhenstrasse in Richtung Feldberg, und die ist eines der Lieblingsreviere für lärmende Motorradfahrer von nah und fern.
Ho hum, das will mir nicht so recht gefallen…

Aber sonst ist ja alles prima, entspannt und glücklich gleite ich auf dem Borgnisweg durch den Hochwald, vorbei am Naturfreundehaus Billtalhöhe und weiter bis zur nächsten Kreuzung, wo ich mich vom schwarzen Pfeil, der mich sicher und zuverlässig von Königstein bis hier hoch geführt hat, verabschiede.
Der neue Marker der Wahl ist der grüne Punkt, mit dem es bis hoch auf den nun gar nicht mehr so fernen Feldberg gehen soll.

Auch der der grüne Punkt erweist sich zunächst als sehr zivilisiert, er führt mich halbrechts auf eine lange Schneise (Kramerweg), die praktisch eben ist:
IMG_5579
Bild #63: Kramerweg

Sehr angenehm, wunderbar regenerativ, läuft sich gut (wenn bloß das dämliche Motorradheulen nicht wäre. Können die Kerle nicht auch leise fahren???)

550 m. geradeaus bis zur nächsten Kreuzung, an der „Unteren Ödung“.
Hier geht´s halbrechts, und nun doch schon wieder etwas bergauf:
IMG_5580-82p
Bild #64: Keine Ahnung, wie dieser Weg heisst, da schweigen sich Google Earth und die Wanderkarte aus. Aber es ist immer noch der grüne Punkt

Damit ist dann auch der lange, schwere, letzte Anstieg zum Feldberg hinauf angebrochen.
Na ja, oder zumindest fast, denn bevor´s losgeht gönn´ ich mir noch ´ne kleine Pause, mit Fruchtriegel und Isoplörre auf einem Stapel Baumstämme in der herrlich warmen Mittagsonne.
Wunderbar:
IMG_5583
Bild #65: Noch ein paar Kohlenhydrate bevor´s richtig losgeht

Nicht ganz so wunderbar ist allerdings, dass mir dabei auffällt, dass ich die Hälfte meines Streckenplans verloren habe.
Den Zettel für den Hinweg hatte ich die ganze Zeit in der Hand, der ist noch da.
Den für den Rückweg hatte ich in der Hosentasche, aber da ist er nicht mehr.
Stattdessen liegt er jetzt vermutlich irgendwo zwischen Falkenstein und der Billtalhöhe am Wegesrand rum.

Hmm, da werd´ ich auf dem Rückweg wohl improvisieren und mich auf gut Glück durch die riesigen, völlig unbekannten Waldgebiete und (so ich denn jemals durch ankomme) das unzureichend bekannte Kronberg zum Opel-Zoo durchschlagen müssen…

Ganz ehrlich: Macht mir überhaupt nix.
Heute ist alles so prima gelaufen und ich bin so gut drauf, da freu´ ich mich sogar irgendwie drauf!
Wird schon schiefgehen… 😀

Nach der Pause folge ich weiter dem grünen Punkt aufwärts, an einer sonnigen Lichtung entlang…
IMG_5584
Bild #66: Hier kommt mir übrigens ein anderer Jogger entgegen (der einzige, der mir heute oberhalb der 500-m.-Marke begegnet), der furchtbar außer Atem ist, obwohl er bergab läuft (aber trotzdem grüsst, wie sich das gehört).
Der kommt sicher nicht von ganz oben… 😀

…bis ich nach kurzer Zeit die Abzweigung erreiche, wo die Hochtaunusstrasse von der B8 in Richtung Feldberg abgeht:
IMG_5585
Bild #67: Nämlich genau hier

Ich überquere die B8 (vorsichtig, ich will schließlich keinen irren Motorradfahrer in die Fresse kriegen :D), danach geht´s ein paar hundert Meter auf einem etwas steinigen Waldweg neben der Hochtaunusstr. bergauf, und dann erreiche ich schließlich das untere Ende der Feldbergschneise:
IMG_5587
Bild #68: Jetzt geht´s richtig los

Hier geht´s jetzt richtig bergauf.
Die Feldbergschneise führt wie mit dem Lineal gezogen (zumindest auf der Karte, in echt hat ein paar kleine Dellen) geradewegs den Hang hoch.
Keine Kurven, keine Serpentinen, es geht einfach kompromisslos auf dem kürzesten Weg aufwärts, und das mit einer knackigen Steigung: Auf den 1,8 km von der Hochtaunusstrasse bis zur Kuppe des kleinen Feldbergs sind 220 Höhenmeter zu bewältigen, das entspricht einer Durchschnittsteigung von über 12% (und zwischendurch wird´s auch schon mal deutlich steiler) – auf so eine lange Distanz ist das ein sehr ordentlicher Brocken.
Gut, dass ich sowas kann… 🙂

Aufwärts, die Feldbergschneise hoch.
Eile mit Weile ist angesagt, wenn ich hier zu früh mein Pulver verschiesse ist der Spaß für den Rest des Tages vorbei.
Also laufe ich gaaanz langsam, mit kleinen Trippelschrittchen und kontrolliertem Atem, bleibe hin und wieder auch mal stehen, schaue mich ein bisschen um, atme durch.

Klar, anstrengend ist es trotzdem.
Aber es geht, eigentlich sogar ziemlich gut.
Schritt um Schritt um Schritt schiebe ich mich den steilen, steinigen Pfad hinauf, in Höhenlagen, die ich noch nie zuvor erlaufen habe:
IMG_5588
Bild #69: Kein idealer Untergrund zum Joggen, aber mich stört´s nicht weiter…

Bei aller Härte, eins muss man der Feldbergschneise lassen:
Sie ist ein sehr ehrliches Stück Strecke.
Hier gibt´s keine Kehren, keine voreiligen Hoffnungen auf weniger steile Passagen, keine Navigationsprobleme – es geht einfach nur vorwärts und aufwärts, immer weiter, geradeheraus, ohne Wenn und Aber.

Wir verstehen uns, die Feldbergschneise und ich…

Und landschaftlich ist es wunderschön:
Südwesthang, etwas windgeschützt und wieder mal voll in der wohligen Nachmittagssonne, das tut schon mal richtig gut.
Außerdem: Abwechslungsreich.
Der imposanten Kiefernhochwald ist mal licht und hell ausgeleuchtet, mal dicht und schattig, dunkelbrauner Waldboden wechselt sich mit hellbraunen Wildwiesen, grünem Heidekraut oder dicht verwachsenen Beerenhecken ab, der Pfad selbst ist mal steinig und uneben, mal erdig-fest, mal wunderbar weich mit alten Kiefernnadeln und Moos ausgepolstert.

Und ich laufe einfach nur aufwärts, schnaufend, langsam, stetig, mit ganz viel Spaß, glücklich!

IMG_5591
Bild #70: Besonders steiles Stück hinter dem Elzeweg, noch relativ weit unten

An den vielen Querwegen, die ich überlaufe, halte ich immer wieder an und überprüfe mit Hilfe der Karte meine momentane Höhe.
Am Bernstedtweg (der mit einem roten Eichhörnchen markiert ist), ist es dann soweit:
IMG_5593
Bild #71: Bernstedtweg, 710 m.ü.NN – so hoch oben bin ich noch niemals zuvor gelaufen. Ab jetzt stellt jeder weitere Höhenmeter einen neuen Rekord dar!!!!!

IMG_5595
Bild #72: Herrlicher Wald über dem Bernstedtweg

IMG_5596
Bild #73: Die nächste Querschneise („Grüner Weg“), nun schon auf 740 m.ü.NN.
Hier verflacht der Anstieg mal ein bisschen, das ist sehr willkommen

IMG_5597
Bild #74: Sonnige Schonung neben dem Pfad, 750 m. ü.NN

IMG_5600
Bild #75: Der letzte Querweg unterhalb des Kleinen Feldbergs, nochmal 30 Sekunden die Sonne Geniessen und Durchatmen

Und dann, nach ein paar steilen letzten Metern, hab ich´s auf einmal geschafft, laufe schnaufend aber guter Dinge auf den sonnigen, von strahlend roten Vogelbeeren gesäumten Rundweg ein, der einmal ganz um die Kuppe des Kleinen Feldberg führt:
IMG_5605
Bild #76: Rundweg um den Kleinen Feldberg

Ich befinde mich nun auf ca. 800 m. ü.NN.
Mehr als 100 Meter höher, als ich bisher je gekommen bin.
Klingt nicht nach soviel, aber ich bin trotzdem stolz drauf.
Zumindest ein kleines bisschen, schließlich ist das ja noch nicht das Ende des Aufstiegs…

Viel weiter hoch komme ich vorerst allerdings nicht – der kleine Feldberg ist mit 826 m. zwar der zweithöchste Berg des Taunus, aber auf der Kuppe stehen neben einem Observatorium und einer Wetterstation auch irgendwelche obskuren Sendemasten vom Militär oder dem Geheimdienst oder sowas (selbst die Wikipedia scheint es nicht zu wissen), deswegen ist der Gipfelbereich nicht zugänglich.

Macht aber nix, ich bin ja eh nicht hier, um mich mit der Nummer Zwei zufrieden zu geben, besonders wenn direkt nebenan die Nummer Eins steht.
Also: Kurz durchatmen, dann geht´s am Zaun, der um die Kuppe des kleinen Feldbergs gespannt ist, nach rechts, in Richtung des großen Bruders:
IMG_5606
Bild#77: Fünf Meter weiter rechts gibt´s auch einen ordentlichen, bequemen Waldweg, aber ich hatte mehr Lust auf das schmale, holprige Pfädchen direkt am Zaun

Nach 300 m. passiere ich die Zufahrt zum Observatorium (und dem ganzen andern Gedöns)…
IMG_5610
Bild #78: Pffft, „Zutritt verboten!“. Na dann halt nicht…

…und folge dann einem ebenem Waldweg (markiert mit dem gelben Balken und einem Hirschgeweih) über den breiten Bergsattel nach Nordosten…
IMG_5611
Bild #79: Huh, ganz ungewohnt, es geht gar nicht bergauf… 😉

…bis zu diesem Wegweiser:
IMG_5613
Bild #80: Was der Wegweiser allerdings verschweigt: Es sind auch noch 80 Meter Höhenunterschied!

Fast geschafft.
Ich kann´s kaum glauben, in weniger als einem Kilometer bin ich tatsächlich oben!!!
Wahnsinn!!! 😀

In freudiger Erwartung überquere ich die Fahrstrasse…
IMG_5614
Bild #81: Übrigens am oberen Ende vom Parkplatz „Windeck“

…und stürze mich voll Elan auf den letzten großen Anstieg auf dem Fußweg zum Gipfel:
IMG_5616
Bild #82: Feldbergweg.
Kurz vor oben!

Zumindest auf die ersten paar Meter.
Dann stelle ich fest: Das letzte Stück ist nochmal sacksteil!!!
Und ich hab vor lauter Vorfreude ein kleines bisschen zu schnell gemacht.

Aufwärts…

Jetzt haut´s mir doch noch mal den Atem aus den Lungen, quäle mich aber weiter, jetzt wird nicht mehr angehalten, auch wenn´s weh tut, ist ja nicht mehr weit…

…aufwärts…

…die recht zahlreich vorhandenen Spaziergänger und Wanderer sehen mir etwas mitleidig und verständnislos beim Vorbeischnaufen zu, von denen ist sicher keiner von unten bis hier hoch gejoggt…

…aufwärts…

…Schritte plötzlich schwer, Beine muckern, mir egal, durchhalten…

…aufwärts…

…der Weg wird wieder flacher, aber es ist zu spät, bin nun so außer Atem, dass ich da auch nicht mehr regenerieren kann. Egal, fast. Oben.

…aufwärts…

…snnnnghhhlffxaaaaaaahhhhrrgl….

…aufwärts…

…und dann…

…und dann…

…und dann…

HAB ICH´S GESCHAFFT!!!!!!!!!!!!!!
IMG_5622
Bild #83: Wie nett, die haben mir gleich ´nen Krankenwagen hingestellt. 😀

Keuchend, schwitzend und etwas stolprig laufe ich die letzten paar Meter hoch, hinaus aus dem Bergwald, rauf aufs offene, weite, sonnige, wunderschöne Plateau auf dem Gipfel:
IMG_5623
Bild #84: HhhnjaaaaaaAAAAA…

Und dann bin ich oben.
Großer Feldberg.
880 m. ü.NN.
Fast 200 m. höher als ich je zuvor gelaufen bin.
Ganz oben im Taunus.
Oben…
…oben…

Ein paar Sekunden stehe ich nur tumb rum, bin erstmal mit Atmen beschäftigt.
Dann sickert solangsam durch, was mein Kopf mir gerade zu sagen versucht.

GESCHAFFT!!!
SCHEISSENOCHMAL, ICH HAB´S TATSÄCHLICH GESCHAFFT!!!
ICH!!! BIN!!!! O-BEN!!!!!
ICH BIN AUF DEN VERDAMMTEN GROSSEN FELDBERG GELAUFEN!!!
VON GANZ UNTEN BIS!!! GANZ!!!! HOCH!!!!!
IMG_5624
Bild #85: oben

JAAAAAAAAAA!!!!!!!

So, und damit endet die erste Hälfte der großartigen Tour durch den Hohen Taunus.
Wenn ihr erfahren wollt, ob und wie ich von da oben wieder runtergekommen bin, schaut einfach hier vorbei, da geht´s weiter
😉

M.

Advertisements

10 Antworten to “Mit dem Foto auf den Großen Feldberg (30,9 km) – Teil 1: Rauf”


  1. […] Mit dem Foto auf den Großen Feldberg (30,9 km) – Teil 1: Rauf […]

  2. Hannes Says:

    Jawoll! Das Grinsen auf deinem Gesicht hattest d dir auch sowas von verdient – ein tolle Leistung schon bis hier hin.
    So sieht eben der perfekte Tag für dich aus, wunderbares Wetter, so eine wunderbare Strecke und ein noch viel wunderbareres Ziel.

    Du weißt gar nicht, wie viel Lust auf eine Bergtour du mir mit diesem Bericht (mal wieder) gemacht hast. Ja, irgendwann werde ich auch nochmal die Berge erlaufen.

  3. matbs Says:

    Stimmt, das war wirklich alles perfekt – passiert nicht oft, aber dieses mal hat wirklich alles gepasst, das war herrlich.

    Das schöne an den Bergen ist ja, dass sie´s mit dem erlaufen werden nicht eilig haben – die warten einfach, bis man vorbeikommt, auch wenn´s ein bisschen dauert.
    Also: Eile mit Weile, erste mal hast du ja noch Langeoog zu erkunden.
    Und wer weiss, vielleicht klappt das mit den Bergen ja nächstes Jahr bei Gerds geplantem Nibelungensteig-Laufblogger-Event…


  4. […] Mit dem Foto auf den Großen Feldberg (30,9 km) – Teil 1: Rauf […]


  5. […] Frage stelle, warum ich mir das überhaupt antue (wahre aber unmittelbar unbefriedigende Antwort: Deshalb) Und am Sonntag dann noch der spontane Sprint über die Knodener Höhe, die selbst bei Mistwetter […]

  6. LazyK Says:

    chillige seite hast du hier ich wohn in königstein ist echt geiles örtchen. war auch schon überall wo du warst was falkenstein und kingston allerdings meistens mit nem joint im mundwinkel
    hahaha hausteee

  7. matbs Says:

    Ääh.
    Okay?
    Dankeschön, glaub´ ich. 😀

    Mit Joint war ich bisher noch nicht unterwegs…


  8. […] lassend, und nach vorne, wo sich der mächtige Hochtaunus mit großem Feldberg und Altkönig (da war ich schon. Yay! ) am nahen Horizont über die Häuser […]


  9. […] Bild #84: Der Große Feldberg, mit 880 m.ü.NN der höchste Berg Hessens außerhalb der Rhön. Ebenfalls letzten September erlaufen […]


  10. […] hier überlaufen wir dann unbemerkt die magische 881 HM-Marke, womit mein alter Höhenrekord aus dem Taunus endgültig passé ist: Bild #24: Yaaay, so weit oben wie noch nie!!! (und das […]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: