Mit dem Foto auf den Großen Feldberg (30,9 km) – Teil 2: Runter

12. September 2009

So, und hier der zweite Teil des Laufberichts von meiner grandiosen Fototour durch den Hochtaunus, in dem´s darum geht, ob und wie ich vom großen Feldberg wieder zurück an den Opel-Zoo geschafft habe.
Wer den ersten Teil noch nicht gelesen hat, sollte das vielleicht zuerst machen, und zwar hier

Ok, da bin ich also, ganz oben auf dem Großen Feldberg, auf 880 m.ü.NN:
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Nochmal Bild #85

Ein bisschen stolz, ein bisschen verschwitzt und – zumindest in den ersten ein, zwei Minuten nachdem ich des Feldbergplateau erreicht habe – ziemlich außer Atem.
Aber das gehört sich ja auch so, wenn man auf den höchsten Berg weit und breit gelaufen ist… 😀


Das muss natürlich gefeiert werden, deshalb führt mein erster Weg hier oben zum kleinen Kiosk links von mir, wo ich mir zur Feier der läuferischen Erstbesteigung (hochgewandert bin ich hier schonmal vor vielen Jahren) einen hochverdienten Umtrunk und einen Schokoriegel gönne (schließlich hab´ ich heute aufs Mittagessen verzichtet um hier hochzulaufen).
Damit setzte ich mich dann neben dem Kiosk an die große Wiese und vespere erst mal:
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Bild #86: Quasi Kaffeetrinken, denn inzwischen ist schon 16:00 Uhr durch

Dabei schaue ich mich auch gleich schon mal ein bisschen um.
Schön ist es hier oben, irgendwie hat die weite, offene Gipfelkuppe mit ihren Alm-artigen Wiesen und den verschiedenen Türmen schon ein bisschen was Alpines.
Ist vielleicht das Licht, das irgendwie intensiver und ein bisschen härter zu sein scheint als weiter unten, wohl weil der allgegenwärtige Dunst des Ballungsraums nicht bis hier hinauf reicht.
Oder der allgegenwärtige frische Wind, der in Böen über das Feldberplateau pfeift.
Oder auch das Restaurant Feldberghofdie Bergwachtstation.
Auf jeden Fall ist der Feldberg nicht nur der höchste Berg im Taunus, er fühlt sich auch so an.
Das gefällt mir.

Und nicht nur mir, denn die Kuppe ist bestens besucht. Unzählige Spaziergänger, Wanderer, Rad- und Motorradfahrer und Ausflügler tummeln sich hier oben, geniessen die herrlich warme Frühherbstsonne und die wunderbare Aussicht, schlendern über die Wege, einige Picknicken oder lassen Drachen auf der großen Wiese steigen.
Die allgemeine Stimmung ist entspannt, freundlich, wochenendlich.
Uns geht´s allen gut… 🙂

Nachdem ich die Cola und den Schokoriegel ordnungsgemäß in meinem Verdauungstrakt verstaut habe, mache ich mich daran, die Feldbergkuppe etwas genauer zu erkunden.
Erstes Ziel ist der Falkenhof, Hessens älteste Greifvogelstation direkt unterhalb vom Feldberghof.
Wollte ich mir eigentlich schon länger mal anschauen, aber bei den letzten zwei Besuchen hier oben hat´s nicht geklappt.
Heute auch nicht.
Das Kassenhäuschen ist unbesetzt und das Warten gibt mir Zeit zum Nachdenken – Eintritt 4,50 €, dazu noch mal 2 € extra um Fotos machen zu dürfen, das ist ´ne Menge Geld dafür, dass ich wahrscheinlich nur ein paar Minuten bleiben könnte.
Zuviel Geld für heute, also schiebe ich den Besuch ein weiteres Mal auf und laufe stattdessen zurück hoch auf den Gipfel, vorbei am großen Fernmeldeturm
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Bild #87: Fernmeldeturm

…zum Aussichtsturm, den ich mir natürlich nicht entgehen lassen wollte:
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Bild #88: Aussichtsturm, links dahinter der Sendemast des HR.
Außerdem: Rauhe Mengen von Motorradfahrern

Etwas warten am Kassenkiosk (im Schatten des Vordachs, hier merke ich so richtig, dass es hier oben nicht mal 15 Grad hat und ein eisiger Wind weht. Auf einmal bin ich sehr froh, dass ich den Nackenwärmer eingepackt habe. Brrrr.), dann durch das schlichte Treppenhaus…
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Bild #89: Über 150 Stufen, damit knacke ich definitiv die 900 m.ü.NN! 😉

…zur Aussichtsplattform hinauf.
Der höchste für Normalsterbliche zugängliche Punkt in mehr als 100 km Umkreis.
Hier ist die Aussicht absolut, und zwar in alle Richtungen – nach Süden, über die mehr als 800 m. tiefer liegende Rheinebene.
Nach Osten und Westen, dem Verlauf des Taunus folgend von der Wetterau bis zum Rheingau.
Und nach Norden, weit hinein nach Mittelhessen, dessen Landschaften und Orte für mich fast genauso unbekannt und geheimnisvoll sind wie der Kaukasus.
Lediglich die Glasscheiben des Aussichts-Levels stören etwas, weil sie etwas mehr Distanz schaffen, zuweilen beschlagen oder etwas schmutzig sind oder reflektieren (aber ohne Glas geht´s bei den Windstärken und Temperaturen, die hier oben auftreten können, nun mal nicht).

Atemberaubend!

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Bild #90: Blick nach Nordosten, am HR-Sendemast vorbei über den Hintertaunus, über Usingen und Anspach gen Butzbach.
Vielleicht verstecken sich irgendwo am dunstigen Horizont sogar die fernen Städte Gießen und Wetzlar

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Bild #91: Blick nach Südosten, zum Gipfel des Altkönig (der kommt gleich noch dran) und weiter in Richtung Frankfurt

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Bild #92: Nordwesten – Blick auf Oberreifenberg samt Burg, direkt unterhalb vom Feldberg. Da würde ich auch mal gerne vorbeilaufen…

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Bild #93: Der charakteristische halbrunde Hof des Sendeturms

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Bild #94: Blick direkt nach Norden, über die große Wiese des Feldbergplateaus hinaus in den weiten, fremden, wunderschönen Taunus.

Zweimal rundrum und die Aussicht genossen, dann mache ich mich an den Abstieg.
Zuerst vom Turm.
Dann vom Feldberg.

Erst noch eine kleine Ehrenrunde…
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Bild #95: Am Nordrand des Gipfelplateaus. Der Ort weit unten in der Bildmitte dürfte Schmitten sein

…um die große Wiese herum…
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Bild #96: Feldbergpanorama

…noch mal schnell auf den Brunhildisfelsen geklettert, der am nördlichen Ende des Gipfelbereichs aufragt…
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Bild #97: Brunhildisfelsen.
Beim raufklettern muss man ein bisschen aufpassen, denn der Stein ist von Tausenden von Besuchersohlen glattgeschliffen und ein bisschen rutschig.

…und dann verabschiede ich mich vom großen Feldberg und mache mich auf den Rückweg in tiefe (und wärmere!) Gefilde.

Ostwärts und ziemlich steil abwärts, auf einem schattigen, bequemen Weg zum Parkplatz „Teufelsquartier“ 600 m. östlich des Gipfels (Markierung: Schwarzes < ):
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Bild #98: Abwärts.
Hier im Schatten ist es richtig kühl, da bleibt man besser in Bewegung

Am Parkplatz angekommen überquere ich die Limesstrasse (der Limes verläuft nur ein paar hundert m. nördlich von hier)…
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Bild #99: Am „Teufelsquartier“

…und beginne mit dem ernsthaften Abstieg, auf einem schmalen, Pfädchen, das zwischen Fichtenwald und Lichtungen geradewegs den Südhang des Feldbergs hinabführt:
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Bild #100

Der Pfad ist steil und uneben, voller Löcher, Steine und Wurzeln:
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Bild #101: Holprig!

Wenn man so ein Stück mit müden, schweren Beinen läuft, wird es schnell zu Tortur. Aber meine Beine sind immer noch frisch, flexibel, beweglich, trotz der unzähligen Höhenmeter und immerhin schon fast 20 km, die sie mich heute schon befördert haben.
Entsprechend läuft der Abstieg wie geschmiert, Wurzeln, Steine und Geröll können mir nichts anhaben!

800 m. nach dem Teufelsquartier geht der Pfad in den breiten, bequemen und relativ ebenen Tillmansweg über, dem ich weiter durch den Bergwald nach Südosten folge:
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Bild #102: Inzwischen ist es später Nachmittag und hier am Osthang des kleinen Feldbergs findet die schon recht schräge Sonne nur noch selten einen Durchlass durch die dichten Wipfel

Auf den nächsten 1,2 km auf dem Tillmannsweg (Markierungen: Schwarzer Pfeil, Hischgeweih und Roter Fuchs) lasse ich den Foto einfach mal stecken und gleite ohne Unterbrechungen auf dem bequemen Weg durch den wunderschönen Wald, sanft abwärts, vorbei an turmhohen Kiefern, kleinen Lichtungen, freundlichen Wanderern.
Hier läuft alles perfekt, flüssig, entspannt, angenehm, ich fühle mich prima.

Schließlich erreiche ich den Fuchstanz, eine große Wegkreuzung auf dem hohen Bergsattel zwischen den beiden Feldbergen und dem Altkönig, auf der sich ein gut besuchtes Ausflugslokal befindet:
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Bild #103: Am Fuchstanz

Die letzte Verpflegungsmöglichkeit vor Kronberg, und bis dahin ist es noch weit, deshalb lege ich hier noch ein kurzes Päuschen ein und genehmige mir am Kiosk noch was zu trinken:
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Bild #104: Da das hier offensichtlich ein sehr beliebtes Ziel für Mountainbiker ist, führt der Kiosk auch eine reichhaltige Auswahl an handelsüblichem Pseudosportgesöff (das quietschbunte Zeug in Plastikflaschen).
Aber nicht mit mir, ich weiss schon, was mich am besten fit hält…
😀

Nachdem ich die koffeeinhaltige Brause vernichtet und die Glasflasche abgegegen habe geht´s wieder mal ostwärts, nun auf dem Pflasterweg (gelber Balken und zumindest kurz das weiße Andreaskreuz vom Europäischen Fernwanderweg 1 [darüber freue ich mich ganz besonders, weil´s ja ein alter Bekannter aus heimischen Gefilden ist]) schließlich will ich ja auch noch den Gipfel des Altkönig bezwingen.
Auch hier läuft sich´s angenehm, es geht nur wenig hoch und runter, und gelegentlich findet sogar die wunderbar wohlige Sonne ihren Weg durch die Wipfel und badet die Umgebung in strahlendwarmes Vorabendlicht:
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Bild #105: Schööön…

Inzwischen befinde ich mich ganz am Rand meines noch vorhandenen Streckenplänchens, das Blatt mit dem östlichen Teil der Route ist mir ja schon vor vielen, vielen Kilometern abhanden gekommen.
Zum Glück erweist sich das aber als unproblematisch, dank der exzellten Vorarbeit des Taunusklubs, der an der richtigen Abzweigung, ca. 1,3 km östlich vom Fuchstanz, eigens für mich einen Wegweiser angebracht hat:
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Bild #106: „Zum Altkönig: Rechts, 1,0 km auf dem Wanderweg mit dem grünen Balken“
Dankeschön!
🙂

Na bitte, wer braucht da schon ein Plänchen?
Ich biege rechts vom Pflasterweg ab, und folge dem grünen Balken, der mich auf einem kurvigen Waldweg in Richtung Altkönig führt.
Hier geht´s auch nochmal ordentlich aufwärts, vom Pflasterweg bis zum Gipfel des Altkönig sind´s nochmal deutlich über 100 Höhenmeter.
Zugegeben, das fällt jetzt doch schon ein bisschen schwerer, so ganz taufrisch bin ich nach 20 km und der Ersteigung der beiden Feldberge doch nicht mehr.
Aber es geht noch, schön langsam und kontrolliert schiebe ich mich Schritt für Schritt dem letzten großen Gipfel der heutigen Tour entgegen, der mich für meine Anstrengungen mit einer Extraportion grandioser Landschaft entlohnt:
Der Weg zum Gipfel führt nämlich über Nordostflanke, und die ist praktisch baumfrei – eine herrliche, große Wildwiese am Hang, bedeckt von silbrigbraunen Gräsern, die sanft im Wind Wogen, gestreichelt vom satten, warmen Licht der Vorabendsonne, hoch über der umgebenden Landschaft, die sich wie ein riesiger Flickenteppich jenseits der Taunushänge in der Weite verliert.

Dieser Aufstieg ist einfach bedrückend schön:
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Bild #107: Das untere Ende der Altkönig-Flanke

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Bild #108: Da will ich rauf

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Bild #109: Vor der ersten Serpentine

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Bild #110: Gegenlicht auf halber Höhe

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Bild #111: Nach der zweiten Serpentine

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Bild #112: Schuhbind-Pause

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Bild #113: Fast schon oben: Großes Panorama vom östlichen Taunus

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Bild #114: Frankfurter Skyline – mehr als 17 km entfernt, aber scheinbar zum Greifen nahe

Eine Serpentine, dann noch eine, wunderschönen Hang hinauf, vorbei an einer wandernden Großfamilie (Opa und Enkel renne ich fast um, die spielen mit altmodischen Walkie-Talkies und haben Zeit für die Umgebung… 😀 ), Augen in die Weite, goldenwarme Sonne auf der verschwitzen Haut, den feinen Geruch des scheidenden Sommers, vermengt mit der ersten Schärfe des Früherbsts, in der Nase, glücklich, atemlos, zufrieden…

Dann erreiche ich den ersten Ringwall um die Kuppe – der Altkönig war vor mehr als zwei Jahrrausenden eine keltische Fluchtburg, noch heute umrigen die Reste von zwei mächtigen Ringwällen seinen Gipfel, zwei breite graue Bänder aus uraltem Stein:
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Bild #115: Am äußeren Ringwall

Der Weg führt weiter aufwärts, durch die Wallanlagen hindurch…
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Bild #116

…hinauf über die messerscharf gezogene Grenze aus abendlichem Gipfelschatten und schräger Sonne…
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Bild #117

…bis in den dämmrigen, stillen Wald innerhalb der uralten Umfriedung…
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Bild #118: Weicher, nadelgepolsteter Waldboden.
Herrlich zu laufen

…wo er dicht am inneren Ringwall eine letzte Serpentine nach Norden schlägt…
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Bild #119

…aus deren Kehre sich noch einmal einen wunderbarer Blick hinüber auf den abendlich angestrahlten Feldberg eröffnet…
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Bild #120: Großer Feldberg vom Altkönig aus

…bevor es dann mit einer letzten, steilung Steigung hinauf auf des Gifpelplateau geht:
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Bild #121: Die letzten Meter vor dem Altkönig-Gipfel

Der Unterschied zum Gipfel des Feldbergs könnte kaum größer sein:
Der Feldberg ist wuselig, gut besucht voller Menschen, die dank Fahrstrasse zum Gipfel und den vielen Attraktionen dorthin ihren bequemen Wochenendausflüge machen.

Auf den Altkönig führt keine Fahrstrasse, es gibt keine Aussichtstürme, keine Restaurants und Kioske, keine Greifvogelwarte.
Nur den Wald und die uralten Steine.
Entsprechend ist es ruhig hier oben, ganz still, die Stimmung im schrägen Abendlicht ist friedlich, verträumt, fast schon ein bisschen mystisch, an diesem alten, einsamen Ort im Wald, hoch über der hektischen, modernen Welt des 21. Jahrhunderts.

Es ist wunderschön hier oben.

Ich laufe ein bisschen über die Waldwiese, in deren Mittelpunkt ein schlichter Stein den höchsten Punkt des Berges markiert (798,2 m.ü.NN), schaue zwischen den Bäumen hinunter in die Weite, geniesse die Atmosphäre.
Außer mir ist nur noch ein einsamer Nordic Walker, aber wir halten erst einmal Abstand, um nicht die Kreise des Anderen zu stören.
Dann fasse ich mir aber doch ein Herz und spreche ihn an, frage, ob er vielleicht eine Wanderkarte dabei hat, auf der ich mir den Rückweg nach Kronberg anschauen könne (denn mein Plänchen für dieses Stück ist ja weg).
Er hat keine Wanderkarte, aber dafür kennt er sich richtig gut aus hier, nicht nur mit den Wegen selbst, sondern auch mit den dazugehörigen Markierungen. Freundlich und mit einem leichten rheinischen Akzent erklärt er mir, dass ich etwas unterhalb des Gipfels auf den schwarzen Balken stossen werde, der mich sicher nach Kronberg bringen wird.
Problem gelöst, so einfach ist das manchmal.
Danke, lieber Nordic Walker vom Altkönig! 🙂

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Bild #122: Die kleine Lichtung auf dem Altkönig-Plateau.
Auf dem Gipfelstein sitzt der freundliche Nordic-Walker, der mir den Rückweg erklärt hat

Danach mache ich mich an den Abstieg, folge weiter dem grünen Balken, der noch ein kleines Stück über die Kuppe führt…
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Bild #123: Inzwische ist es früher Abend, das schräge Licht zwischen den Bäumen wird immer röter, satter und prächtiger

…bevor er halbrechts in den Wald abknickt…
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Bild #124: Wirklich sehr stimmungsvoll hier oben

…sich unter knorrigen alten Bäumen der Südflanke des Plateaus hinabwindet…
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Bild #125: Kurz nach dem Gipfel

…und schließlich wieder hinab durch die Ringwälle hindurch unten führt:
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Bild #126: Durchlass durch den Ringwall am Südhang des Altkönig

Keine Ahnung, warum ich hier noch ein Selbstportrait geschossen habe…
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Bild #127: 😀

Von nun an geht´s lange, lange, lange bergab.
Mal auf steinigen, steilen Geröllpfaden…
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Bild #128: Kurz nach dem Gipfel

…mal auf breiten, bequemen Waldwegen unter turmhohen Kiefern…
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Bild #129: Am „Dreihundert-Meter-Weg“

…mal im Zickzackkurs auf schmalen, schattigen Hangpfädchen…
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Bild #130: Irgendwo zwischen Döngesberg und Opel-Jagdhaus

…aber immer dem schwarzen Balken hinterher.
Je weiter ich nach unten komme, desto schattiger wird es…
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Bild #131: …aber da, wo die Sonne durchkommt, ist sie immer noch intensiv und strahlend

…gleichzeitig wird es jedoch langsam wieder etwas wärmer (weil: Unten isses net so kalt!) und der Wind lässt nach. Gar nicht mal unangenehm.

Irgendwann (gefühlt schon ziemlich weit unten, tatsächlich immer noch auf 500 m.ü.NN) komme ich auf einem breiten, gekiesten und fast ebenem Waldweg in der Nähe von Falkenstein raus, auf dem mich der schwarze Balken nach links schickt…
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Bild #132: Nein, nicht die Richtung.
Das andere Links!

…während sich in meinem Hinterkopf ein gaaaanz schwaches Déja Vu an meine erste und einzige Wanderung auf den Feldberg vor mehr als zehn Jahren regt und behauptet, damals wären wir hier lang gekommen.
Gut möglich, dann wär´ ich auf jeden Fall nicht verkehrt… 😉

400 entspannte Meter bis zur nächsten Kreuzung…
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Bild #133: Diese Wegweiser mit Wegmarkern und der Berschreibung, wo sie hinführern, sind schon verflixt praktisch, wenn man kein Plänchen dabei hat…

…an der der schwarze Balken sich wieder voll in die Pampa schlägt und auf irgendwelchen Pfädchen zwischen den eigentlichen Wegen durch den Wald führt – und zwar so wirr, dass ich vollkommen die Orientierung verliere (und die Strecke selbst später mit der Karte nur grob rekonstruieren kann): Es geht mal links, mal rechts, mal über irgendwelche anderen Wege, meistens bergab, hin und wieder auch ein paar Meter bergauf:
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Bild #134: Irgendwo im Wald über Kronberg, auf Gedeih und Verderb dem schwarzen Balken folgend…

Ich denke nicht mehr drüber nach, inzwischen merke ich die bisherigen paarundzwanzig Bergkilometer, da bin ich schon zufrieden, wenn´s nicht mehr steil bergauf geht und hin und es hin und wieder mal was Interessantes am Wegrand zu entdecken gibt.

Und das gibt´s hier, beispielsweise den winzigen jüdischen Friedhof von Kronberg, der einsam im abendlichen Wald vor sich hinträumt…
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Bild #135: Jüdischer Friedhof. Auf ein paar Grabsteinen liegen noch Steine, das finde ich schön

…oder die Bürgelplatte, einen Vorberg, der mit großen Findlingen und Gesteinsformationen übersät ist…
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Bild #136: An der Bürgelplatte

…oder den Viktoriatempel, einen kleinen Pavillon am Hang, von dem aus man einen wunderbaren Blick auf das (gottseidank!) nicht mehr allzuferne Kronberg hat, das prächtig von der Abendsonne angestrahlt wird:
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Bild #137: Am Viktoriatempel

Von hier aus ist es dann nicht mehr weit – am Tempel vorbei geht es nochmal recht steil abwärts, an ein paar großen Findlingsgruppen vorbei…
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Bild #138: Großer Stein, irgendwo über Kronberg

…noch ein paar Kehren und Pfade entlang (wie genau? Keine Ahnung!!!), und dann erreich ich doch tatsächlich weitgehend wohlbehalten den Waldrand in Kronberg:
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Bild #139: Das Ende vom Wald…

So.
Unten bin ich also schon mal, jetzt muss ich nur noch zur Burg finden (denn die will ich mir unbedingt noch anschauen), und danach zurück zum Opel-Zoo.
Mit Plänchen wär´ das gar kein Problem gewesen, aber das ist ja nicht mehr da.
Also frei Schnauze, wird schon klappen – schließlich kenn´ ich mich ja ein gaaanz kleines bisschen in Kronberg aus…

Also zuerst mal abwärts, unter der B455 hindurch, dann die breite Viktoriastr. runter, von der ich mir recht sicher bin, dass sie in Richtung Stadtkern führt:
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Bild #140: Viktoriastr. in Kronberg

Schöne Gegend, die Strasse ist breit und von alten Bäumen gesäumt, links liegt der zum Golfplatz umfunktionierte Park von Schloss Friedrichshof, rechts hat´s schöne, villenartige Altbauten in großen gepflegten Gärten (Wir erinnern uns: Taunus, exklusive Wohnlage usw.).

Nach ein paar hundert Metern eine nette Zufallsbegegnung mit einem lustigen Hund, der wuffend und wedelnd auf mich zustürmt und mich auf dem Bürgesteig stellt:
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Bild #141: „Waff! Waff! Waff!“

„Die macht nichts, die will nur spielen“ ruft mir der herbeieilende Besitzer zu, und da ich ja nicht zu den mimöschenhaften Panikjoggern gehöre, die zu borniert sind, um sich ein bisschen mit Hunden auseinanderzusetzen (ha! Nehmt das, ihr mimöschenhaften Panikjogger, die zu borniert sind, um sich ein bisschen mit Hunden auseinanderzusetzen! :D), sehe ich, dass er recht hat – die will tatsächlich nur spielen, also tu´ ich ihr kurz den gefallen bevor´s weitergeht. 🙂

Am Ende des Schlossparks/Golfplatzes erwartet mich ein Verkehrskreisel mit Abzweigung, mein Gefühl sagt mir, dass ich hier rechts in die Merianstr. abbiegen sollte.
Die ist ebenfalls breit und baumbestanden und von Villen mit großen Gärten gesäumt, außerdem geht sie ordentlich bergauf.
Uffa, das fällt dann doch nicht mehr so richtig leicht.

Und so ganz in die richtige Richtung scheint sie doch nicht zu führen, zumindest erscheint der sonnenbestrahlte Burgturm über den Hausdächern etwas weiter links zu liegen:
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Bild #142: Kein schlechter Orientierungspunkt, so eine Burg.
Sollte jeder Ort haben, den Touristen zuliebe…
😉

Also biege ich bei nächste Gelegenheit links ab und laufe die Jaminstr. runter (breit, baumbestanden, große, schöne Häuser mit großen schönen Gärten. Das Übliche…) und biege an deren Ende rechts in die Hainstr. ein.
Hier regt sich ein leichtes Wiedererkennen, diesen Strassenverlauf hab´ ich schonmal gesehen, ich schein richtig zu sein.

Die Hainstr. runter, an einer Absperrung vorbei, die den Verkehr aus der Innenstadt wegleitet (heute ist Kronberger Herbstmarkt, da ist gesperrt), links ziehen die gepflegten und leicht abfallenden Rasenflächen des Viktoriaparks vorbei, über die Hinweg man wieder mal runter nach Frankfurt gucken kann, und dann sehe ich rechts auf einmal genau den richtigen Wegweiser:
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Bild #143: Aufgang zur Burg – na prima!

Also die kleine Treppe hoch (Stufen gehen irgendwie noch ganz gut), dann einen kleinen Weg zwischen den Häusern hinauf in die enge, hübsche Kronberger Altstadt und durch die Doppesstr. und die geschwungene Schlossstr….
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Bild #144: Schlosstr.

…hinauf in Richtung der hoch über die Giebel der Altstadt aufrangenden Burganlage…
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Bild #145

…und schließlich durchs Haupttor in die Vorburg:
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Bild #146: Burgtor

Wie erwartet stellt sich Burg Kronberg als wunderschön heraus.

Kurzinfo: Im Gegensatz zu den meisten anderen Burgen in der Umgebung wurde Burg Kronberg niemals wirklich zerstört und oder/dem Verfall preisgegeben, sondern seit ihrer Erbauung im 12. Jahrhundert bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein fast städnig genutzt, bewohnt, erweitert und umgebaut.
Daraus resultierend ergibt sich ein sehr reizvolles und abwechslungsvolles Ensemble, mit der mittelalterlichen Oberburg, der aus dem 15. Jahrhundert stammenden Mittelburg, und einer Reihe von Gebäuden und Park- und Gartenanlagen, die erst im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert angelegt wurden.

Ich laufe geradewegs in den Vorhof, vorbei an der Burgkapelle und dem runden Prinzenturm vorbei…
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Bild #147: Weg durch den äußeren Burghof ins Burginnere.
Links mittig der Prinzenturm, dahinter die Mittelburg

…in Richtung des herrlich von der roten Abendsonne angestrahlten Freiturms…
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Bild #148: Freiturm in der Oberburg

…werfe zwischendurch einen kurzen Blick in den Hof der Mittelburg…
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Bild #149: Innenhof der Mittelburg mit Fahnenturm.
Hier ist ganz schön was los, es gibt Bierzelte, eine Weinprobe – offenbar ist das Volksfest unten aus der Stadt bis hier oben gekommen

…bevor ich schließlich den Pfad hinauf zur Oberburg nehme und mich dort etwas umschaue:
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Bild #150: Innenhof der Oberburg

Der Freiturm ist offensich geschlossen, aber auch von den Zinnen der Burgmauern bietet sich ein toller Blick über die unteren Burgteile, Kronberg und die Ebene.
Das Panoramafoto davon wird allerdings leider durch unstete Belichtung versaut:
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Bild #151: Nicht so ganz gelungenes Panoramafoto von der Mauer der Oberburg aus. Rechts die Mittelburg und der Prinzenturm, mittig Kronberg, links kann man wieder mal Frankfurt erkennen.

Danach steige ich wieder ab und werfe einen Blick in das Gelände hinter der Burg, wo es neben einem lauschigen Eibenhain auch einen weiteren schönen Aussichtspunkt unterhalb der Mittelburg gibt…
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Bild #152: Abendlich angestrahlte Südwestfassade der Mittelburg.
Ob es Absicht ist, dass der Erker da oben wie ein Totenkopf aussieht?

…von dem aus ich über den Main hinweg bis nach Hause schauen kann, zum diesigen, mehr als 50 km entfernten Melibokus:
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Bild #153: Melibokus von der Burg Kronberg aus.
Die Schornsteine im Vordergrund stehen im Industriepark Frankfurt-Höchst

Zu guter letzt nehme ich dann noch den Prinzengarten an der Südflanke des Burgberges mit.

Großartig!

Zwei schmale Terasse unterhalb der Mittelburg, auf denen eine kleiner, gepflegter Landschaftsgarten im französischen Stil (?) angelegt ist, mit Laubengang, geometrischen Beeten und rundgeschnitten Büschen, alles herrlich ausgeleuchtet vom schweren, trägen, roten Licht der schrägen Abendsonne…
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Bild #154: Prinzengarten

…und direkt über den den Dächern der wunderschönen Kronberger Altstadt gelegen:
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Bild #155: Kronberger Oberstadt von der Mauer des Prinzengartens

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Bild #156: Prinzenturm, Freiturm und ein wunderbarer Abendhimmel, vom Prinzengarten aus gesehen

Wirklich traumhaft, vor allem in der ruhigen, warmen Abendstimmung, die inzwischen über dem Vordertaunus angebrochen ist.

Inzwischen ist halb Sieben durch, meine letzte anständige Mahlzeit liegt einen halben Tag zurück, und die Sonne neigt sich langsam aber sicher dem Horizont entgegen.

So langsam wird´s Zeit…

Etwas schweren Herzens verlasse ich Burg Kronberg (hätte mich gerne noch etwas mehr umgesehen) durchs Haupttor und laufe rechts die steile Obere Höllgasse runter bis an die Friedrich-Ebert-Str. in der Oberstadt.
Hier orientiere ich mich kurz.

Was ich will: Von hier aus auf den Philosophenweg, der von Kronberg aus direkt zum Opel-Zoo und damit zum Ziel führt.

Was ich nicht weiss: Wenn ich hier rechts laufen würde, würde ich den Philosophenweg in weniger als 300 m. erreichen.

Was ich mir denke: „Hmm, ich glaub´, zum Philosophenweg muss ich nach links, in die Stadt runter…“

Also laufe ich nach rechts.
Runter in die Stadt.
Weg vom Philosophenweg.
Danke auch, deppertes Bauchgefühl… 😀

Hier unten ist es inzwischen schon dämmrig und kühl, lediglich die Giebel der Häuser und der Turm der Stadtkirche erstrahlen noch im Schein der sinkenden Sonne…
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Bild #157: Stadtkirche St. Johann

während die schmalen Altstadtgassen- und Plätze schon im blauen Abendschatten versinken:
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Bild #158: Kleiner Platz an der Ecke Grabenstr./Friedrich-Ebert-Str.

Belebt ist es allerdings trotzdem in den engen Strässchen, aufgrund des Kronberger Herbstmarktes stehen allenthalben Buden, gutgelaunte Kronberger flanieren durch die Stadt, es riecht und Gegrilltem (mein Magen fängt leicht zu knurren an, aber vor dem Ziel will ich keine Grillwurst riskieren: So langsam merke ich die lange, lange Tour doch ganz schön, wer weiss, ob ich mit vollem Magen noch ans Ziel käme…), die Stimmung ist gelöst und freundlich, wie es sich für ein kleinstädtisches Volksfest an einem schönen Spätsommerabend gehört:
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Bild #159: Herbstmarktimpressionen

Ich laufe weiter die Ebert-Str. runter, bis ich die Parkanlage am Berliner Platz in der Stadtmitte erreiche.
Spätestens hier wird mir klar, dass ich keinen blassen Schimmer habe, wie´s weitergeht.
Zuerst sehe ich mich ein bisschen halbherzig nach Wegmarkern um (meine Erinnerung murmelt undeutlich irgendwas von einem „gelben Balken“), als ich nicht fündig werde, laufe ich halt einfach mal weiter, grob in eine Richtung, von der ich glaube, dass sie nicht ganz verkehrt ist.

Und zwar links, am Berliner Platz westwärts die Katharinenstr. entlang, dann vor einer großen Kirche halblinks die Wilhelm-Bonn-Str. hinunter.

Moment mal?
Hinunter?

Wenn ich mich recht erinnere, liegt mein Ziel HÖHER als die Kronberger Innenstadt, nicht niedriger.
Da stimmt doch irgendwas nicht…

Aaaach, na gut, werd´ ich wohl doch mal jemanden nach dem Weg fragen.
Zum Beispiel die offenbar ortsansässige Familie, die da vorne gerade vom Herbstmarkt heimwärts spaziert.
Wie alle Menschen, mit denen ich heute ins Gespräch gekommen bin. sind das total freundliche und hilfsbereite Leute, die mir bereitwillig Auskunft geben (Danke nochmal! :)).

Wie sich herausstellt bin ich nicht so richtig falsch, aber auch nicht wirklich richtig, denn der Philosophenweg geht ein ganzes Stück weiter oben am Hang.
Also muss ich wieder bergauf.
Nach knapp 30 Bergkilometern fällt das dann doch gar nicht mehr so leicht…

Ich laufe den kurzen, steilen Kolping-Weg hinauf, der am Kronberger Rathaus…
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Bild #160: Rathaus

…wieder in die Katharinenstr. mündet, von dort geht´s dann gleich das nächste Gässchen weiter aufwärts (uffa!) zurück in die Altstadt unterhalb vom Burgberg, dort die dämmrige Strasse „An der Stadtmauer“ nach links…
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Bild #161: „An der Stadtmauer“

…bis zum Apfelweinbrunnen…
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Bild #162: BüstenApfelweinbrunnen

…an dem ich fälschlicherweise eine Treppe hinauf in die nächsthöhere Quergasse (Mauerstr.) nehme (argl!), meinen Fehler bemerke und auf der nächsten Treppe wieder runter „An die Stadtmauer“ laufe, um dort dann schließlich in einer letzten fiesen Steigung (ircks!) den Römerberg hinaufzulaufen und kurz hinter dem alten westlichen Stadttor auf die Eichenstr. zu stoßen…
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Bild #163: Vor dem alten Stadttor

…auf dem es dann in der Tat nur noch ein Katzensprung bis zum Anfang des Philosophenweges ist:
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Bild #164: Hier hat´s dann auch wieder Wegmarker, und tatsächlich ist der gelbe Balken, der mir vorhin vage im Hinterkopf rumgespukt ist, mit dabei

Quasi die Zielgerade.
So langsam wird´s aber auch Zeit, der beständige leichte Anstieg, der nun folgt, fällt doch schon ziemlich schwer, und außerdem ist die Sonne inzwischen hinter den hohen Hängen des Hardtbergs auf der anderen Talseite verschwunden und es dämmert ernstlich:
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Bild #165: Abendhimmel über dem Hardtberg

Der Philosophenweg ist nett: Bequem asphaltiert führt er mit sanfter, angenehmer Steigung führt Hang des tiefen, schmalen Rentbachtals westwärts, erst an den letzten Häusern Kronbergs vorbei, dann
durch Obstwiesen und steile Kleingärten:
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Bild #166: Das Schild „schlechte Wegstrecke“ entbehrt angesichts der Holperpfädchen, die ich heute schon gelaufen bin, nicht einer gewissen Ironie 😉

Aber er zieht sich, vor allem wenn man schon so viele Kilometer in den Beinen hat wie ich.
1,2 schier endlose Kilometer, dann erreiche ich endlich das Schild, das den Anfang vom Opel-Zoo verkündet .

Kurzinfo: Der Philosophenweg ist ein öffentlich zugänglicher Fuß- und Radweg, der allerdings mitten durch das Gelände des Opel-Zoos führt und auch Teil des Zoo-Rundwegs ist.
Entsprechend darf man hier als Passant jederzeit ungehindert durch und kommt dann direkt an einigen der Zoo-Gehege vorbei, unter anderem der Afrika-Savanne mit Gnus und Giraffen, den Flusspferdbecken und der Gibboninsel ( und an welchem anderen öffentlichen Weg in Deutschland kann man solchen Tieren begegnen? 😉 ).
Einige andere Anlagen neben dem Weg sind theoretisch auch erreichbar, allerdings ist das dann Zoogelände und ohne gültige Eintrittskarte nicht gestattet.
Was auch in Ordnung ist, schließlich handelt es sich beim Opel-Zoo um einen gemeinnützige Einrichtung, die u.a. von Eintrittsgeldern lebt, da ist es nur recht und billig, für den Besuch des Zoogeländes auch zu zahlen!

Noch mal ein kleiner Höhepunkt zum Abschluss, so mitten durch den Zoo zu laufen.
Die großen Tiere links und rechts des Weges sind zwar schon in ihren Nachtquartieren, aber ich begegne immerhin ein paar Bergkängurus (Das Foto gelingt nicht), Antilopen…
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Bild #167: Weibliche Hirschziegenantilopen, um genau zu sein

…einem Mangalitzaschwein beim Abendessen…
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Bild #168: Stammt ursprünglich aus Ungarn

…sowie einer Schar von Pelikanen und anderem Wassergeflügel, die in Abwesenheit der eigentlichen Hausherren die Gibboninsel besetzt haben:
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Bild #169

Ein paar Makaken sehe ich auch aus dem Augenwinkel, aber die gehören eigentlich schon zum Zoogelände und nicht mehr zum Bereich des öffentlich zugänglichen Philosophenwegs, deswegen schaue ich nicht zu genau hin.

Nach einem halben Kilometer erreiche ich die Kreuzung unterhalb vom Hauptein- und Ausgang.
Von hier aus sind es nur noch 100 m. bis hoch zum Drehkreuz nach draußen und dem Parkplatz wo das Auto wartet.
Aber es sind 100 m. Zoogelände, die darf ich eigentlich nicht betreten.
Aber wenn ich den Philosophenweg bis zum Ende folge und von da aus um den Zoo herum zurücklaufe, ist das viel weiter.
Hmm, Dilemma.

Am Ende gewinnen die 30 Bergkilometer, die mir in den Beinen stecken und ich nehme den kurzen Weg über das Zoogelände, nochmal zügig und mit gesenktem Blick, damit ich möglichst nichts mitkriege und den Zoo nicht „bestehle“. Ich hoffe, das ist ok so.

Und dann hab´ ich es geschafft: Durchs Drehkreuz oben am Haupteingang auf den Parkplatz, noch einmal über die Fußgängerampel an der B455, über der die in Abendschatten gehüllte Burg Falkenstein thront…
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Bild #170: Ein letzter Blick zur Burg Falkenstein

…dann bin ich am Ziel, laufe mit dem schwindenden Tageslicht dort ein, wo ich heute mittag, vor vielen Stunden, gestartet bin:
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Bild #171: Im Ziel

Kurzes Verschnaufen, dann die Bestandsaufnahme:
Mir geht´s überraschend gut.
Klar, ein bisschen müde bin ich schon, aber nicht restlos erschöpft.
Beine ein bisschen schwer aber noch brauchbar, Reserven angekratzt aber nicht aufgebraucht, Laune weiterhin prächtig!
Prima!

Zufrieden ins Auto, Heimfahrt (mit Blick zurück auf den Taunus, der im letzten Glühen des Sonnenuntergangs erstrahlt), reichliches Abendessen (Iskender Kebap vom Dönerbrater am Jugenheimer Ortseingang – lecker! Muss ja nicht immer Kochkässchnitzel sein… 😉 ), und zum Abschluss noch ein heißes Bad – besser kann eine perfekte große Tour nicht ausklingen. 🙂

Hachja!
Das war mal so richtig gut.
Wunderschön, abwechslungsreich, interessant, anspruchsvoll und trotzdem schön entspannt.
3 Orte, 3 Burgen, 3 Gipfel, und ganz, ganz, ganz viel Spaß!
Ganz nebenbei sind übrigens gleich auch noch ein paar „Rekorde“ gepurzelt:
– So weit nördlich war ich noch nie unterwegs
– So hoch hinaus ich noch nie zuvor gelaufen
– So viele Höhenmeter hab´ ich noch nie am Stück abgerissen
– So eine lange Bergtour hab´ ich noch nie gemacht (und so weit bin ich seit fast zwei Jahren nicht mehr gelaufen).

In jeder Hinsicht eine ganz, ganz große Sache, und zweifellos eine der besten/schönsten/faszinierendendsten Touren, die ich seit langem gemacht habe.

Deshalb laufe ich! 🙂

Strecke: 30,9 km
Zeit: Unwichtig
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 99,13% (30,63 km von 30,9 km)
Karte:
Feldberg

M.

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17 Antworten to “Mit dem Foto auf den Großen Feldberg (30,9 km) – Teil 2: Runter”


  1. […] Mit dem Foto auf den Großen Feldberg (30,9 km) – Teil 2: Runter […]

  2. Kümmel Says:

    Den ersten Teil hatte ich mir noch durchgelesen, für den kompletten zweiten habe ich gerade keine Zeit, aber ich möchte es natürlich nicht versäumen dir für die Tour ein großes Lob da zu lassen. So langsam kannst du jeder Gemse Konkurrenz machen 😉

  3. matbs Says:

    Dankeschön! 🙂

    Allerdings gämst es sich ja so langsam aus, um noch einen höheren Berg zu finden, müsste ich jetzt schon in die Rhön oder in den Schwarzwald… 😉

  4. XYZ Says:

    Es braucht schon etwas Zeit um sich durch Teil 1 u.Teil 2 hindurchzulesen, aber es lohnt sich! Einen tollen Lauftag unter so optimalen Bedingungen zu erleben u. zu geniessen ist schon was Besonderes!!!Vieleicht solltest du deine Berichte mal den betroffenen örtlichen Fremdenverkehrsbüros zwecks Werbung zur Verfügung stellen. Denn das sind ja keine reinen Laufberichte! Es sind, von deinem persönlichen Befinden, der Bergrauf-Bergrunter Rennerei und Verirrerei mal abgesehen, recht (lange) kurzweilige, gut zu lesende Schilderungen von Landschaft, Leuten, Stimmungen usw. Gefällt mir!!!

  5. Christian Says:

    Lieber Matthias,

    entschuldige die vertraute Anrede, aber heute muss das sein, denn ich kann Dir nur gratulieren. Die Tour ist der absolute Hammer und Du kannst wirklich stolz sein. Habe den ersten Teil bereits gestern verschlungen und gerade in den letzten Minuten den 2. Teil gelesen. Werde allerdings nur diesen einen Kommentar hinterlassen, denn sonst komm ich durcheinander 😉

    Also nochmals meinen tief empfundenen Respekt für diese wahrlich schöne Tour und ich hätte einen Vorschlag für eine ähnlich lohnenswerte für Dich, aber dazu ein anderes Mal 😉

    Die Sache mit dem Hund verblüffte mich allerdings, wolltest Du denn auch spielen? Bei solchen Distanzen sind mir Hunde meist wurscht und ich ignorier sie einfach, denn zum Spielen habe ich meist keine Lust :mrgreen:

    Was mir weiterhin allerdings grosse Sorgen macht ist Dein Hang zu einem westlichen Getränk eines Volkes ohne Kultur bzw. mit einer ausgerotteten Kultur. Ich habe drei Flaschen gezählt, stimmt das? :mrgreen:

    Erhol ich gut und regenerier schön, vielen Dank für diesen wahrlich ausführlichen Bericht

    Salut

    Christian

    • matbs Says:

      Dankeschön, und nur raus mit dem Vorschlag, da bin ich jetzt schon ganz gespannt!

      Richtig spielen wollt´ ich nicht, aber das war noch ein ganz junger, also hab´ ich kurz gewartet, bis der Besitzer ihn angeleint hat, sonst hätt´ ich den Rest der Tour wahrscheinlich mit Hund machen müssen… 😉

      Was die Cola angeht…
      Nunja, also eigentlich hatte ich auch noch eine kleine Flasche im Auto, die ich dann direkt hinterher geleert habe.
      Waren also vier Flaschen, drei à 0,5 l und eine à 0,33 l.
      Ist aber kein Grund zur Besorgnis, schließlich handelt es sich dabei um ein 1A-Sportgetränk… 😀
      (und die These des Volkes ohne Kultur weise ich als studierter Amerikanist hiermit entschieden zurück! Steinbeck, Miller oder Twain sind mir persönlich allemal lieber als Grass, Brecht oder Fontane)

      Regeneriert hab´ ich inzwischen auch schon, wäre allerdings gar nicht so richtig nötig gewesen.
      Ich hab´ eher das Gefühl, als würde mich mehrtägige Pausen immer ein bisschen klapprig machen.

  6. Hannes Says:

    Ich staune ja immer, wie du nach so viel Cola noch laufen kannst. Das muss doch alles blubbeln und blubbeln – da schaudert es mir.
    Und dann geht es auch noch, obwohl hier eindeutig „RUNTER“ drüber steht, schon bald wieder hoch – verkehrte Welt.

    Aber eines ist gleich geblieben, deine richtig schöne Tour. Starke Bilder, schöne Beschreibungen – ich glaube nur zu gern, wie herrlich das war. Ich war schließlich richtig froh, als ich endlich lesen konnte, dass deine Beine langsam müde geworden sind. Wäre wohl auch ein bisschen zu toll, wenn die gar nicht müde werden. Ich mag mir nicht vorstellen, wie müde meine Beine nach 30 Kilometern wären …

    Glückwunsch zu dieser Tour!

    • matbs Says:

      Ach, mit ein bisschen Selbstdisziplin geht das auch ohne Blubbeln, muss man nur wollen
      (außerdem hab´ ich immer ein bisschen die Kohlensäure rausgeschüttet, wie du auf Bild #86 erkennen kannst 😀 ).

      In der Summe ist dieser zweite Teil auf jeden Fall mehr „runter“ als „hoch“, von daher passt das schon ganz gut.
      Die letzten paar hundert Höhenmeterchen, die fallen ja auch gar nicht weiter auf. 😉

      Und was die müden Beine angeht – na ja, ich bin ja auch ein Tempo gelaufen, dass weit unterhalb von deiner üblichen Trainingsgeschwindigkeit liegt.

      Nochmal vielen Dank!

  7. Ruben Says:

    Sorry für die Dumme Frage aber wieso hat euer „Großer“ Feldberg 600 Meter weniger wie „unser“ Feldberg? … also wieso ist es dann der große .. ok es gibt einen kleinen aber das ist schon ein wenig Anmaßend, oder ? 😉

    Aber die Tour hört sich toll an. Ich weiß nicht so genau ob die Aussicht über die Frankfurter Skyline genial oder deprimierend ist … wohl beides zugleich, oder?

    aber tolle Details, z.B. der jüdische Friedhof oder die Burg auf der ersten Seiten im Berghang … phänomenal …. und ja, du warst O!B!E!N.

  8. matbs Says:

    Natürlich ist das „groß“ im Großen Feldberg eine Frage der relativen Größe.
    Und da gewinnt ganz klar der Taunus – der niedrigste Punkt im Umkreis von 20 km um den Großen Feldberg hat ungefähr 88 m.ü.NN (Mainufer bei Okriftel) – damit ist der große Feldberg zehn Mal höher!

    Wenn wir uns im Vergleich dazu mal den obskuren Berg gleichen Namens irgendwo im Schwarzwald angucken, so ist der zwar knapp 1500 m. hoch, aber der niedrigste Punkt in 20 km Umkreis liegt auf ca. 280 m.ü.NN. (irgendwo bei Wildtal hinter Freiburg).
    Entsprechend ist der badische Feldberg nur fünf bis sechs Mal höher, und das ist ja jetzt echt nicht soooo richtig der Bringer, oder? (Abgesehen davon: Auf euren Feldberg würd´ ich auch gerne mal laufen, das ist sicher ´ne schöne Herausforderung) 😀

    Die Frankfurter Skyline finde ich nicht deprimierend – wenn´s überall so aussehen würde, wär´s sicher nicht schön, aber da die in Deutschland so einzigartig ist, fasziniert sie mich immer wieder. Egal aus welcher Perspektive ich sie zu sehen kriege.

    Ansonsten: Ja, der Taunus ist wirklich faszinierend und voller großer und kleiner Entdeckungen. Lohnt sich! 🙂

  9. Daniel Says:

    Schöner Bericht mit guten Bildern von dir. Auf die Idee den Feldberg hoch und runter zu Laufen würde ich nicht kommen. Mein Respekt.

  10. matbs Says:

    Hi Daniel!

    Vielen Dank! 🙂

    Ich glaube, das mit der Idee dazu ist auch so ein bisschen eine geografische Frage – ich bin ja viel in der Bergstrasse und im Hessischen Ried unterwegs, da siehst du den Feldberg wirklich andauernd oben im Norden aufragen, das ist dann schon irgendwie eine Herausforderung… 😉

  11. Christoph Says:

    Christoph: Vielen Dank für die schönen Fotos. Ich war dort gestern hochwandern, oben auf dem Altkönig relaxen. Deine Fotos gefallen mir, geben die Atmo gut wieder. Ich hoffe, du fährst mit Helm. Hab ich auf den Fotos nicht so gesehen. LG!

    • matbs Says:

      Hey Christoph.
      Bitteschön, und vielen Dank zurück für den netten Kommentar! 🙂

      Bei dem Wetter gestern war´s sicher total schön da oben, da bin ich jetzt fast ein bisschen neidisch.

      Einen Helm benutze ich übrigens nicht, was aber vor allem daran liegt, dass ich auch kein Fahrrad benutze – ich jogge meine Strecken ja alle, da würde ein Helm glaub ich etwas seltsam aussehen… 😉

      Beste Grüße

      Matthias

      • HP Says:

        Jetzt ist es ja schon eine ganze Weile her, knapp zwei Jahre. Warst Du schon mal wieder oben? 🙂

        Laufe morgen von Königstein über Fuchstanz auf den großen Feldberg und zurück.

        Bist Du die gesamte Strecke gejoggt?

        • matbs Says:

          Hi!

          Nur mit dem Auto, zu Fuß hab´ ich es seitdem nicht mehr auf den Feldberg geschafft.
          Aber vielleicht wird´s ja irgendwann mal wieder…

          Viel Spaß!


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