Wunderschöne Runde durchs Fischbachtal (15 km)

23. September 2009

Die Tour gestern, bei milder Früherbstsonne durch den nördlichsten Zipfel des Odenwalds, hat mir richtig gut getan: Endlich mal wieder ein runder Lauf, ohne schwere Beine und Unlust, an dessen Ende der Kopf ein bisschen freier war als vorher.

Heute war das Wetter genausogut wie gestern, vielleicht sogar noch einen Tick schöner: Wieder wieder freundlicher Sonnenschein und blauer Himmel mit ein paar weissen Schäfchenwolken, eine sanfte, aromatische Brise, angenehme Temperaturen um die 20°.
Genau die richtigen Bedingungen, um mir gleich nochmal was Gutes zu tun, also bin ich auch heute wieder gestartet.

Wieder im Odenwald, da ist es gerade einfach am schönsten.
Allerdings war mir nach den leichten Hügeln von gestern heute nach etwas mehr Anspruch, deswegen bin ich ein bisschen weiter nach Süden ausgewichen, ins Fischbachtal.
Das ist zwar nur einen Katzensprung von meiner gestrigen Route entfernt, aber hier hat der Odenwald schon richtig angefangen – keine Hügel, stattdessen geht´s hier schön ordentlich bergauf und bergab.
Außerdem ist es eines schönsten Täler des Odenwalds und hatte mit dem Dörfchen Billings auch noch eine bisher unerlaufenen Ort zu bieten.
Also ideal um sich ein bisschen die Laune gut zu laufen.


Eine genaue Route hab´ ich heute mal nicht geplant.
Stattdessen hab´ ich mir grob angeschaut, wie ich laufen wollte und die Wanderkarte mitgenommen, um die genaue Streckenführung spontan zu entscheiden, nach Lust, Laune und danach, wo ich vorher noch nicht gewesen war.
Ein bisschen ins Unbekannte und halb ins Blaue, das fühlte sich heute irgendwie richtig an.

Als Ausgangspunkt hatte ich mich für das Dörfchen Lützelbach auf der Passhöhe unterhalb der Neunkircher Höhe ausgesucht.
Das ist nicht nur sehr hübsch (vgl. hier), sondern hat auch den Vorteil, dass es auf einer Art natürlicher „Stufe“ liegt, von der aus es in drei verschiedene Täler geht – im Südwesten öffnet sich das Modautal, im Nordwesten geht´s steil runter ins Johannisbachtal, und im Nordosten liegt das Fischbachtal (nur im Südosten geht´s bergauf, hoch zur mächtigen Neunkircher Höhe).
Entsprechend ein sehr günstiger Ausgangspunkt.

Ich starte auf dem großen Wanderparkplatz vor dem westlichen Ortseingang.
Der ist vollkommen leer, Mittwochs kurz nach 17:00 ist nicht gerade die Stoßzweit für Ausflügler.
Mir ist´s recht, da hab´ ich den Odenwald für mich allein… 😉
Auch hier oben ist es richtig herrlich, warm und hell und schön, allein hier zu sein tut schon ein bisschen gut.

Nach dem Start laufe ich erstmal ins Dorf rein, biege direkt nach dem prächtigen Fachwerkhaus des „Spitzewirt“ links in die Brunnengasse ein, auf der es dann 200 m. zwischen alten Gehöften und Scheunen und kleinen Häusern nach Nordwesten zum Lichtenberger Weg geht, an dem das Dorf auch schon fast wieder in die weiten, sonnigen Felder der kleinen Hochebene übergeht (hier hat´s gerade mal ca. 430 Einwohner, da ist man schnell am Ortsrand).

Rechts den Lichtenberger Weg hoch, nun leicht aufwärts und vorbei an mehr wunderschönen alten Fachwerkgebäuden die im rotgoldenen Sonnenlicht erstrahlen (u.a. auch dem kleinen Häuschen mit der wunderbar fatalistischen Inschrift), nach 150 m. dann links den Klein-Bieberauer Weg runter.

Diesen Teil von Lützelbach kenne ich noch gar nicht, hier bin ich noch nie gewesen.
Aber auch hübsch, die Häuser hier sind neuer, geräumig, von schönen Gärten umgeben. Besonders links des Weges stehen ein paar tolle Exemplare, große Einfamilienhäuser in Holzbauweise, hinter denen es sanft bergab in das kleine Wiesental unterhalb des Dorfes geht.
Zweifellos eine der schönsten Wohnlagen in ganz Modautal.

Am Ende des Klein-Bieberauer Wegs wartet der prächtige, bereits ganz leicht rot und gelb angehauchte Wald auf mich.
Hier muss ich mich zum ersten Mal entscheiden: Will ich geradeaus den Weg M1 runter, oder lieber halbrechts auf den Weg L2.

L2 führt zum Wildfrauhaus, einem Naturdenkmal, das ich mir schon lange mal ansehen wollte.

M1 führt zwar dran vorbei, aber auf den ersten Blick sieht er irgendwie verlockender aus.
Hmm…

Zum Glück hab´ ich ja die Wanderkarte dabei, und die sagt:
Irgendwo weiter unten auf dem M1 gibt´s einen unmarkierten Trampelpfad, der direkt hoch zum Wildfrauhaus und auf den L2 führt.
Geht also beides.

Dilemma gelöst, zufrieden laufe ich geradeaus, auf dem M1 in den grünstrahlenden Halbschatten unter den Baumwipfeln.
Es geht bergab, und zwar ordentlich, den felsigen, steilen Hangwald hinab, an dessen unterem Ende sich das mehr als 150 m. tiefer liegende Johannisbachtal öffnet.

Wunderschön hier.
Hohe, alte Bäume ziehen sich den Abhang hinunter, dazwischen finden sich immer wieder großen, moosigen Felsen, die wie geduckte, verwitterte Gestalten in Grüppchen beisammensitzen. Der Wald fühlt sich einsam an, fast ein bisschen verwunschen, so als würde hier kaum mal ein Mensch vorbeikommen (stimmt vermutlich auch).
Dazu dann noch das herrliche, intensive Vorabendlicht, dessen rotgoldene Strahlen allenthalben ihren Weg durch die dichten Baumkronen finden und strahlende Muster auf den Boden und die Felsen mahlen…
Bereits nach ein paar Schritten bereue ich es, heute keinen Foto dabeizuhaben.

Nach etwas über einem halben Kilometer führt der Weg unter einer gewaltigen, hohen Felsformation entlang, die ein aufgestelltes Schild als Lindenstein identifiziert, direkt danach geht´s um eine Scharfe Kurve in ein sanftes Bachtal, in dessen Einkerbung sich weitere Felsen moränenartig den Hang hinunterwälzen.

Den Trampelfpad, der mich zurück aufwärts zum Wildfrauhaus bringen soll, übersehe ich allerdings fast, so klein und unscheinbar ist er. Zum Glück hat jemand ein selbstgemachtes Schild daneben angebracht, auf dem mit Buntstiften eine Art Wichtelmännchen gemalt ist.
„Hallo, ich bin Blumi“, steht darunter (in einer Handschrift, die nach „Mama“ aussieht), „und wenn ihr hier seid, dann seid ihr falsch“.
Na gut, Blumi, wenn du meinst, dann probier´ ich eben mal das Pfädchen aus.

Wie gesagt: Schmal und unscheinbar, und außerdem sacksteil.
Auf dem letzten Dreiviertelkilometer seit Lützelbach hab´ ich ca. 50 oder 60 HM verloren, die muss ich mir auf die nächsten knapp 300 Metern wieder zurückholen.
Geht gut in die Beine und strengt ordentlich an, aber ich bin ja guter Dinge und taufrisch, außerdem entschädigt die tolle, felsige Umgebung für den Aufwand.
Bereits nach ein paar Metern bin ich an der Spitze des Lindensteins, danach geht´s gewunden und abenteuerlich den verwunschenen Hang hinauf, wobei mir noch zwei weitere Handgemalte Schilder mit Wichteln begegnen, die durch die jeweiligen Aufschriften als „Lolli“ und „Krönchen“ identifiziert werden.
Hier scheint vor kurzem ein ziemlich cooler Kindergeburtstag stattgefunden zu haben… 🙂

Schließlich umrunde ich schnaufend einen weiteren titanischen Felsklotz (laut Inschrift der „Großherzog-Ernst-Ludwig-Stein“) und erreiche direkt danach das untere Ende vom Wildfrauhaus an.

Der Sage nach sollen hier vor langer, langer Zeit ein wilder Mann und eine wilde Frau gelebt haben (so eine Art Feenwesen oder Waldgeister), die in der Heilkunde bewandert waren und die Krankheiten und Verletzungen der Dorfbewohner aus der Gegend behandelten.
Eines Tages hatten die Dörfler jedoch genug von medizinischer Gratisversorgung und beschlossen, die beiden Gestalten einzufangen.
Sie konnten allerdings nur den wilden Mann erhaschen, und als sie ihn wegschleiften, rief ihm das Wildweiblein hinterher „Sag alles, aber nicht wozu die wilden Selben (= Salbei) gut sind“.
Seitdem lebten keine wilden Leute mehr hier, und die Bauern der Umgebung mussten die nächsten Jahrhunderte ohne die Heilkunde der Waldbewohner (aber dafür wahrscheinlich mit Beulenpest, Abszessen und Zahnweh) durchstehen…
(Eine ähnliche Sage gibt es auch vom Wildweibchenstein, der ein paar Kilometer entfernt beim Rodenstein steht, aber dort sollen zwei Wildweiblein gewohnt haben).

Wenn man das Wildfrauhaus von unten sieht, möchte man durchaus glauben, dass hier einmal wilde Leute gewohnt haben, denn die gewaltige Felsformation erhebt sich im Hang wie eine kleine Burg mit Felsentürmen und vielen geheimnisvollen Ritzen und Spalten, und strahlt in der Tat eine majestätisch-mystische Atmosphäre aus.
Ich folge dem Pfädchen weiter aufwärts, um die Südflanke der Felsen herum bis nach oben, wo nicht nur eine Infotafel mit der soeben berichteten Sage steht, sondern auch zwei pausbäckige Gartenzwerge, die jemand in die Felsen gestellt hat, und die irgendwie perfekt zu diesem Ort passen (ich lupfe meine Mütze und nicke den beiden freundlich zu, schließlich habe ich genug Märchen und Sagen aus dem Odenwald gelesen, um zu wissen, dass man Vertretern des kleinen Volkes, das tief im Wald unter den Felsen wohnt, mit Respekt und Höflichkeit begegnen muss.
Selbst wenn sie aus Kunststoff und Keramik zu sein scheinen, man weiss ja nie… 😉 ).
Schöner Ort!

Direkt über dem Wildfrauhaus (das von oben übrigens weniger spektakulär aussieht, war also eine gute Entscheidung, den Umweg über den steilen Trampelpfad zu wählen) stosse ich auch wieder auf den Weg L2, der bequem und schnörkellos nach Osten durch den Wald verläuft, irgendwann eine scharfe Rechtskurve macht, und schließlich im Wiesental unterhalb vom Scheidkopf den Waldrand erreicht.

Hier war ich schonmal, ein paar Meter weiter rechts liegen ein paar Fischteiche, die früher mal dem Opa von meinem Freund Lutz gehört haben.
Kann mich noch gut erinnern, wie wir vor 15 oder 20 Jahren mal eine Radtour dorthin zum Zelten unternommen haben – meine sportlichen Freunde auf ihren tollen Mountainbikes vorneweg, während der pummelige Junge mit der Brille und dem Dreigangfahrrad (= Ich) bei jedem Anstieg (und davon gibt´s eine Menge im Odenwald) gnadenlos abgekackt hat.
Aber die Zeiten ändern sich – gerade vor ein paar Wochen war ich ja mit den Jungs von damals im Odenwald wandern, und dieses Mal war´s nicht ich, der abgekackt hat.
Ha!
😉 😀

Heute geht´s allerdings nicht rechts zu den Fischteichen, sondern ein paar Meter geradeaus, dann links auf einen unmarkierten (aber mit einem Wegweiser nach Lichtenberg versehenen) Feldweg, der geradewegs durch die sattgrünen, lieblichen Weiden und Schilfdickichte des kleinen Tals nach Osten führt.
Pralle Sonne von schräg hinten, traumhaftes Licht, wohlige Wärme, dazu ein angenehmes Lüftchen, das ein bisschen nach Heu und ein bisschen mehr nach den schönen, bunten Kühen riecht, die allenthalben wiederkäuend in den Wiesen stehen und mein Durchlaufen mit einer Mischung aus phlegmatischen Desinteresse und leichter Beunruhigung zur Kenntnis nehmen.
Herrlich hier, läuft sich quasi von selbst.

800 m. dem Talgrund hinterher, dann geht´s halbrechts und wieder aufwärts, bis zur Kreuzung am Waldrand auf dem unteren Südwesthang der Altscheuer.
Auf deren Gipfel will ich als nächstes, entsprechend folge ich dem roten Quadrat des Main-Stromberg-Weges aufwärts in den Wald.
Dieses Stück bin ich bisher nur gewandert, und zwar nur in der entgegengesetzten Richtung, also bergab.
Dabei ist es mir irgendwie nie so steil vorgekommen…

Aber steil ist es, 60 Höhenmeter auf weniger als einen halben Kilometer, da merkt man doch deutlich, was die sanften Hügel von gestern von einem gestandenen Mittelgebirgsberg unterscheidet (nämlich ein Satz muckernder Wadenmuskeln, etliche verbrannte Extrakalorien, und eine erkleckliche Menge Schweiß – Uffa!).

Aber ich halte natürlich durch, schließlich macht´s mir gerade richtig Spaß und außerdem überhole ich unterwegs einen Spaziergänger mit lustigem Wuschelhund (der gerne mit mir mitjoggen würde [der Hund, nicht der Spaziergänger], aber nicht darf), da will man sich natürlich keine Blöße geben. 😉

400, 500 m. den steilen Hang hoch, dann erreiche ich den Querweg auf Höhe der Kernbacher Hütten, zweier beschaulicher alter Häuser, die einsam auf einer kleinen Hangwiese mitten im Wald stehen.

Hier geht´s links auf den Querweg, dann nehme ich die erste rechts, zumindest für ein paar Meter. Dann fällt mir auf, dass der Weg zu flach und zu bequem ist, um auf den Gipfel der Altscheuer zu führen (zwei vorbeischlendernde Spaziergänger bestätigen mir das).

Also kurz zurück und die nächste rechts, die ist auch wieder mit dem roten Quadrat des Main-Stromberg-Wegs gekennzeichnet und weit weniger flach und bequem, so wie sich´s gehört, wenn man auf ganz nach oben will.

Noch ein halber Kilometer aufwärts durch den sonnigen Wald, vorbei an Edelkastanien, Kirschbäumen und einem ominös summenden Sendemast, dann erreiche ich den Eingang zur Heuneburg auf dem Gipfel der Altscheuer.

Die Heuneburg ist ein weiteres kleines Highlight, das ich immer wieder gerne besuche: Eine jahrtausendealte keltische Ringwallanlage, die die gesamte einsame Bergkuppe der Altscheuer umschließt.
Sehr stimmungsvoll, sowohl die uralten Fundamente der Ringmauer, die man heute noch erkennen kann, als auch die seltsam anmutenden Steingruppen, die innerhalb der Anlage zu finden sind (und von denen gemunkelt wird, dass eine kultische Bedeutung für die hier lebenden Kelten hatten).
Natürlich hat auch die Heuneburg einige lokale Sagen hervorgebracht.
So sollen die Steinformationen und mächtigen Erdwälle das Werk von Riesen sein sollen (daher auch der Name – „Heune“ ist eine alte Version von „Hüne“).
Ein einsiedlerisches Ehepaar dieser Riesen soll hier oben seine Wohnstätte gehabt haben. Als die Riesenfrau eines Tages weiter als sonst üblich von ihrer Heimstatt ins Tal wanderte, stiess sie dabei auf einen Bauern, der mit seinem Ochsen gerade ein Feld pflügte.
Da sie so etwas noch nie zuvor gesehen hatte, schnappte sie sich den armen Landwirt und den Pflug mit Zugtier, und trug alles in ihrer Schürze hinauf auf den Berg zu ihrem Mann, um ihm zu zeigen, was für seltsame Tierchen sie gefunden habe.
Was danach aus dem Bauern oder den Riesen geworden ist, ist nicht überliefert, aber noch aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird berichtet, auf Schloss Lichtenberg gäbe es ein paar gewaltige Beinknochen, die angeblich von einem Riesen stammten…

Obwohl ich schon einige Mal hier oben war, mache ich selbstverständlich eine kleine Pause und schaue mich ein wenig um, vorbei an der kleinen Schutzhütte zu den seltsamen Felsengruppen über dem steil abfallenden Westhang, dann weiter zum ehemaligen Haupttor an der Ostseite des Ringwalls, wo ein schlichtes Holzkreuz mit einem irischen Segensspruch eine Station des lokalen Pilgerwegs St. Jost markiert.

Eigentlich hatte ich geplant, von hier aus weiter dem Main-Stromberg-Weg zu folgen, der von hier aus steil abwärts direkt auf den Bergsattel am hinteren Ende von Lichtenberg führt.
Aber den bin ich schon so oft gewandert/spaziert, also entscheide ich mich spontan um und nehme den Lokalweg F2, der als abenteuerliches Trampelpfad unterhalb der Kuppe halblinks um die nördliche Bergflanke herum führt.

Zumindest die nächsten 200 m. dann erreiche ich eine Kehre mitten im dichten Wald.
F2 geht hier ganz scharf nach rechts in Richtung Lichtenberg.
Aber geradeaus, da führt ein unmarkiertes Minipfädchen geradewegs den Hang runter, rapide abwärts in ein dunkles Dickicht aus verwachsenen Tannen, mittenrein ins Unbekannte.
Das ist einfach zu verlockend.

Geradeaus, das Minipfädchen runter.
Steil, ganz steil bergab, durch die schmale finstere Gasse aus nadligen Zweigen, die nach mir greifen und über Arme und Beine kratzen, über Stock und Stein und Wurzel, ohne den leisesten Schimmer, wo ich wohl rauskommen werde (oder ob ich überhaupt irgendwo rauskomme 😀 ).
Macht einen Riesenspaß.

Vielleicht 200 m. bergab, genau kann ich´s nicht sagen, dann erreiche ich einen marginal breiteren Pfad, der quer zum Hang durch den urigen Wald verläuft und mit einer etwas verblichenen gelben 4 gekennzeichnet ist, mit deren Hilfe ich ihn als den „Steingeröll-Weg“ westlich von Lichtenberg identifziere.
Perfekt: Von jetzt an einfach der gelben 4 hinterher, dann komme ich automatisch dort raus, wo ich hin möchte!

Auch mit der Markierung bleibt es wunderbar abenteuerlich: Der Pfad führt weiter den Hang hinab, zwischen großen Felsen und umgestürzten Bäumen hindurch, bevor er schließlich in einen geringfügig ebeneren Weg übergeht und nach Osten den Hang entlang führt.

Hier unten herrscht eine geradezu verwunschene Atmosphäre: Der Wald ist einsam, still, schattig, wild, die Felsen links und rechts des Wegs türmen sich zu titanischen Formationen auf (von denen einige wirklich so aussehen, als wären sie von gewaltigen Händen aufgeschichtet worden) oder ziehen sich in beinahe unnatürlich geraden Reihen den Hang hinab, nach ein paar hundert Metern laufe ich über dem Rand eines kleinen Bachtals entlang, in dem riesige, uralte Bäume wie Streichhölzer abgeknickt sind und kreuz und quer übereinander liegen.
So langsam kann ich verstehen, warum die Menschen früher geglaubt haben, dass hier oben Riesen hausen…

Der Weg windet sich eine ganze Weile an der Bergflanke entlang, einmal führt er über eine kleine Lichtung an deren Enden zwei rostige alte Fußballtorgestelle stehen (die Seite zum Abhang hin sieht so aus, als würde jedes Tor unweigerlich eine mehrminütige such-den-Ball-im-Wald-Aktion nach sich ziehen), und irgendwann erreicht er dann den Naturparkplatz Heuneburg am hintersten Ende von Lichtenberg.

Bei Lichtenberg schreibe ich jedesmal so ungefähr dasselbe, also mache ich´s heute mal kurz:
Eines der schönsten Dörfer im Odenwald, grandios gelegen auf einem schmalen Bergsattel, der links und rechts steil zu den Tälern abfällt, am nördlichen Ende steht das herrliche Renaissanceschloss, darunter der kleine aber überaus feine alte Dorfkern und der wuchtige Geschützturm des Bollwerks, dahinter zieht sich dann das Dorf quasi an einer einzigen Strasse den Bergsattel hinaus, wobei fast jedes Haus eine großartige Hanglage geniesst.
Ich mag Lichtenberg, und zwar richtig gerne!

Heute nehme ich mal nicht den Lippmanweg runter ins Dorf, sondern entscheide mich für einen weiteren kleinen Schlenker: Geradeaus die Professor-Schmieden-Str. runter (hey, da hat´s ja eine richtig nette kleine Grünanlage mit Teich am Strassenrand, ist mir noch nie aufgefallen), dann halblinks den Lokalweg F1 runter, der zwischen dem Wald und der Rückseite der großzügigen Hanggrundstücke in Richtung der Naturparkplatzes Riedbusch unterhalb des Dorfes führt.

Am unteren Waldrand geht´s noch kurz am offenen Wiesenabhang über dem Tal des Rodauer Bachs, links unten im Talgrund, nicht mal einen Kilometer entfernt, liegt das ruhige Dörfchen Rodau, durch das ich gestern gerade erst gerannt bin. Sieht hübsch aus von hier oben.

Auf dem Parkplatz halte ich mich links und laufe auf dem breiten Bürgersteig neben der L3107 aufwärts bis nach Lichtenberg hinein, wo ich bei der ersten Gelegenheit nach rechts in den Lippmanweg einbiege (auf alten Ortskern, Bollwerk und Schloss verzichte ich heute mal, die möchte ich mir aufsparen, bis ich mal wieder mit dem Foto vorbeikomme).
Kurz bergauf, vorbei am Café Heuneburg (da gibt´s richtig leckeren Kuchen!), dann geht´s links die Strasse „In den Weingärten“ runter.
Abstieg vom Lichtenberger Bergsattel, runter ins Fischbachtal, das in der schrägen, hellen Abendsonne ein atemberaubend schönes Panorama bietet (verdammt, warum liegt der dämliche Foto bloß daheim rum anstatt sich hier nützlich zu machen).

Steiler Abstieg, auf dem Weg mit dem weissen V durch idyllische Wiesenhänge voll alter Apfelbäume, deren Zweige sich unter der Last der grünlichen Äpfel nach unten biegen, zwischendurch mal ein kleines Wäldchen, dann mehr Obsthaine und weidende Schafe, und schließlich bin ich unten an der Landstrasse (L3102) im Talgrund.
Auch hier ist es hübsch, links über mir leuchtet das prächtige Schloss Lichtenberg in der langsam sinkenden Sonne, darunter die bereits in Abendschatten gehüllten Häuser von Niedernhausen, vor mir die steilen Wiesen und Wälder der östlichen Talwand vor Nonrod, angestrahlt von rotem Abendlicht.

Das weisse V lotst mich nach rechts, kurz an der L3102 entlang (kein Fußweg, kein Seitenstreifen, wie gehabt), dann geht´s links in den Talgrund, auf einer kleinen Brücke über den Fischbach, und schließlich parallel zum Verlauf des Baches auf einem festen, fast ebenen Weg südwärts, über den Fahrweg nach Meßbach und dann durch weite, schöne Felder und Weiden voller Kühe (so viele Kühe wie heute hab´ ich selten auf einer Tour gesehen gesehen. Alles voll, als wollte man ihnen noch mal ein paar schöne Herbsttage an der frischen Luft gönnen, bevor´s über den Winter ab in den Stall geht).

Die paar Minuten geht es durch den blauen Abendschatten der Altscheuer, die turmhoch an der gegenüberliegenden Talseite aufragt und die tief stehende Sonne wegblockt. Fast schon ein bisschen kühl, vor allem an meinem Nacken, der – wie üblich – mal wieder ordentlich auskühlt (Notiz an mich selbst: Nackenwärmer nicht mehr vergessen!).
Dann jedoch komme ich wieder in die Sonne, die immer noch genug Kraft hat, um wunderbar warm und angenehm zu sein, auch wenn ich die Mütze tief in die Stirn ziehen muss, um nicht von ihr geblendet zu werden.

Noch ein paar hundert Meter, dann erreiche ich schließlich das kleine Dorf Billings.
Übrigens zum allerersten Mal, denn obwohl ich schon oft genug im Fischbachtal gelaufen bin, hab´ ich es noch nie hierher geschafft (was vor allem daran liegt, dass die Hauptwanderwege allesamt einen Bogen um das arme kleine Billings im Talgrund machen und stattdessen über die Höhen am Talrand führen).

Billings stellt sich als klein (wie alle Dörfer hier, selbst im Fischbachtaler Hauptort Niedernhausen leben lediglich 1300 Menschen, in Billings sind es gerade mal 350), freundlich und abendschattig heraus.
Ich laufe rechts, kurz die Meßbacher Str. runter, dann schickt mich das weisse V links aufwärts die schmale, verwinkelte Berggasse hinauf in Richtung Steinau.

Die letzten knapp 2 Kilometer durch den Talgrund waren ziemlich eben.
Damit ist jetzt Schluss – hier unten in Billings bin ich auf etwas über 200 m.ü.NN, mein Ziel in Lützelbach liegt auf ca. 400 Metern.
Da braucht´s noch Einiges an Kletterei, und die fängt genau hier an:
Die Berggasse hoch.
Steil, anstrengend, kraftraubend.
Dann ist Billings auch schon zu Ende, am lokalen Denkmal für die Weltkriegstoten geht´s weiter bergauf in die Hangweiden.
Weiterhin steil, anstrengend, kraftraubend, auch wenn der Blick übers langsam im Abendschatten versinkende Fischbachtal grandios ist.

Nach ziemlich genau 100 m. verflacht der Weg etwas (puuh, ein Glück), führt um einen Wiesenbewachsenen Vorberg herum und windet sich schließlich weiter bergauf bis nach Steinau (unterwegs kommt mir die lokale Lauftreffgruppe entgegen, die sich in Teilen als etwas grußfaul erweist. Aber hey, die organisieren einmal im Jahr einen netten Volkslauf, also will ich ausnahmsweise mal nicht so sein… 😉 ).

Steinau besteht im Prinzip nur aus einer einzigen Strasse, die sich ewig lang ein schmales Seitental hinauf zieht (das, wenn man ihm weiter nach aufwärts folgt, direkt unterhalb von Neunkirchen endet).
Ich komme heute mal am oberen Ende vom unteren Drittel dieser Strasse an, direkt in der zweiten Serpentine über dem Talgrund.
Von da aus geht´s einfach geradeaus, die Hauptstr. hoch.

250 m., vorbei alten Bauernhöfen, vorbei an der urigen Dorfkneipe, vorbei am imposanten Schulhaus, vorbei am Dorfdenkmal, und dann rechts, runter ins Seitental, auf der anderen Seite den schattigen, mit Hecken bewachsenen Hang hoch, bis ich schließlich den Asphaltweg am Osthang über von Steinau erreiche. Laut Wanderkarte unmarkiert, tatsächlich sticht mir aber ein paar Mal der Marker F4 ins Auge (vielleicht neu…).

Hier geht´s links, den Heilig-Buche-Weg (gelbe 7) über Steinau entlang durch die Bergwiesen.
Natürlich auch wieder bergauf. Nicht wirklich steil, aber da ich mich inzwischen wegen dem schwindenden Tageslicht spute, komme ich doch ganz schön außer Atem – inzwischen ist nämlich praktisch das ganze Tal im Schatten der Berge, auch wenn der Sonnenuntergang noch ein Stückchen weg ist – lediglich die hohen Regionen der östlichen Hänge kriegen noch direkte Sonnenlicht, und natürlich das immer noch strahlende Schloss Lichtenberg auf seinem Sporn am unteren Talende.

300 m. über Steinau entlang, dann geht´s rechts ab, in den Wald unterhalb vom Steinkopf hinein.
Hier ist es bereits stockfinster und ziemlich frostig, also schalte ich noch einen Gang hoch, auch wenn´s inzwischen richtig Kraft kostet.
Aber dafür ist der Weg vorerst relativ eben, führt am Hang über dem Talende mehr als ein langes Stück westwärts in Richtung Lützelbach, wobei das letzte Stück unmarkiert und etwas schlechter ist.
Erst nach ca. 700 m. wird´s noch ein letztes Mal steil, als der Weg zusehendends nach links abknickt und den Hang hinauf führt.
Hier geht mir dann auch endgültig die Puste aus, die letzten 50 m. stolpere und keuche ich nur noch im Schneckentempo voran, dann erreiche ich den Lokalweg L1, wo ich erstmal 30 Sekunden durchatmen muss.

Hier war ich schon mal, nun ist es nicht mehr weit. Weiter westwärts, kurz darauf der Waldrand, es geht durch ein paar brachige Wiesen und über den (hier oben noch sehr kleinen) Fischbach, dann bin ich auch schon wieder in Lützelbach, das inzwischen ebenfalls in blaue Abendschatten gehüllt ist.
Noch schnell am Gerätehaus der Feuerwehr vorbei, rechts den Märzweg runter auf die Brandauer Str. und auf der dann im Semisprint zum Start und Zielpunkt auf dem Naturparkplatz am westlichen Ortsende.
Uuund…

…fertig!

Richtig schön!
Eine perfekte Mischung aus herrlichem Wetter, wunderbarer Landschaft, großen und kleinen Entdeckungen, neuen Wegen und altbekannten Orten, anspruchsvoller aber nicht zu anstrengender Strecke, und ganz viel Spaß und Genuss.
So wie´s idealerweise immer sein soll.
Bloß der nicht mitgenommen Foto, der wurmt mich immer noch etwas.
Aber ich komm´ ja sicher mal wieder her, da kann ich die heute nicht gemachten Bilder ja vielleicht nachholen… 😉

Strecke: 15 km
Zeit: 1:36 h (= 9,375 km/h bzw. 6:24 min/km)
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 88,87% (13,33 km von 15 km)
Karte:
Durchs Fischbachtal

M.

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4 Antworten to “Wunderschöne Runde durchs Fischbachtal (15 km)”

  1. Evchen Says:

    Hach Matthias, ich hab es einfach noch nicht (konstitutionell) geschafft, Deine schönen Beiträge komplett zu lesen. Ich bin dran, aber ich fände es unfair, sie zu kommentieren, wenn ich sie noch nicht „erleben“ konnte. Drüberlesen kann ja jeder. 😉
    Ich wollte Dir nur mal Zwischenmeldung geben. Nicht, daß Du meinst und so, ne?

    Bis dahin…wünsche ich Dir erstmal ein schönes Wochenende. 🙂

  2. matbs Says:

    Zu spät:
    Jetzt mein´ ich schon und so.
    Da bin ich gut drin! 😀

    Aber im Ernst: Lass´ dir ruhig Zeit und komm wieder ein bisschen auf die Beine, bevor du dich ans Gute Zeug wagst… 😉

    Schönes WE zurück!


  3. […] haben (und weil ich ein faules Aas bin, zitier´ ich die einfach mal aus dem Blogeintrag von meinem letzten Besuch hier oben ): So sollen die Steinformationen und mächtigen Erdwälle das Werk von Riesen sein […]


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