Zwischen den Bundesländern: Grenzhopping an der Bergstrasse und im Odenwald (18,5 km)

25. September 2009

Ok, offenbar hab´ ich ein ganz gutes Rezept gefunden, wie ich den kleinen Durchhänger von letzter Woche endültig wieder loswerde:
Schöne Touren in schöner Umgebung bei schönem Wetter.
Nicht klein-klein im eigenen Hinterhof (zu unspektakulär) aber auch nicht zu ambitioniert (zu anstrengend, nicht so sehr körperlich sondern vor allem auch wegen des Aufwandes bei Vorbereitung, Umsetzung und Nachbereitung), sondern einfach was Nettes mit Wald und Bergen und Sonne und ordentlich neuer Strecke, dafür ohne allzuviel Vorausplanung, Aufwand oder Leistungsdruck.

Hat jetzt zweimal gut geklappt, also machte ich´s heute genauso.

Richtig neue Strecke nicht zu weit weg von Zuhause zu finden ist ja schon etwas länger ein kleines Problem, aber zumindest einen unerlaufenen Ort in der Nähe hatte ich noch auf der Liste, den ich mir für heute vornahm: Ober-Laudenbach, ein kleines Dorf im Odenwald (oder noch an der Bergstrasse?), das genau auf der Grenze zwischen Baden-Württemberg und Hessen sitzt.

Grobe Strecke mit ordentlich Bergen ausbaldowert und dann wie gehabt am Vorabend aufgebrochen.


Start auf dem Friedhofsparkplatz im baden-württembergischenLaudenbach am Fuß der Berge, direkt hinter der Landesgrenze.
Auch heute wieder herrliches Altweibersommerwetter mit viel Sonne (die dank der Uhrzeit schon wieder ziemlich schräg stand), allerdings gar nicht mehr so warm, vor allem in den langen Schatten (deswegen hatte ich heute mal von Anfang an den Nackenwärmer angezogen…).

Vom Friedhofsparkplatz aus nach Norden, auf einem schattigen Fußweg neben der Hauptstr./B3 zum nördlichen Ortsausgang, dort dann dem Blütenweg (gelbes B) folgend rechts hoch in die Weinberge (und zum ersten Mal heute über die Grenze – nun lief ich in Hessen).
Hell und sonnig und – wie es sich für Weinberge gehört – landschaftlich richtig schön, mit einem abwechslungsreichen Mix aus grüngelben Rebenreihen, kleinen Baumgruppen und Wiesen.
Natürlich ging´s hier auch schon ganz gut bergauf, aber aus irgendeinem Grund bremste mich das heute fast gar nicht – von Anfang an ein strammes Tempo, auch in den steileren Passagen, das lief ziemlich gut (Vielleicht lag´s ja an dem Pott schwarzen Kaffee, den ich kurz vor dem Aufbruch noch runtergekippt hatte – wäre ja nett, wenn neben dem leichten Sodbrennen und dem bitteren Kaffeeschleim an der Gaumenrückwand auch eine Leistungssteigerung bei rumgekommen wäre… 😉 ).

Nach ein paar hundert Metern vereinigte sich der Blütenweg mit dem normalerweise weiter oben am Hang verlaufenden Burgenweg (blaues B) und führte auf einer schmalen Holzbrücke geradewegs durch das enge, schattige, fast schon schluchtartige Bombachtal, das sich wie eine tiefe Kerbe durch die terassenartigen Weinberge in Richtung Ebene zieht.
Kam mir seltsam bekannt vor, bis mir einfiel, dass ich hier auf einer Tour vor über zwei Jahren schonmal durchgekommen bin.

Auf der anderen Talseite erreichte ich kurz darauf eine Abzweigung. Blütenweg und Burgenweg laufen hier geradeaus weiter in Richtung Heppenheim, ich wollte aber aufwärts in Richtung der Berge, also bog ich rechts auf den Weg H3 ein, der dem Bombachtal aufwärts und nach Westen bis in den Wald am Steinkopf folgt.

Im Wald war´s schon ziemlich schummrig und kühl, nur vereinzelt prangten noch Placken strahlenden Sonnenlichts auf dem grünbraunen Waldboden, ansonsten herrschte grünes Dämmerlicht.
Weiter bergauf, rechts die flacher werdende Talkerbe mit dem Bombach, links eine uralte Steinmauer, die darauf hindeutete, dass hier vor langer Zeit vielleicht auch mal Wein angebaut wurde, bevor der Wald sich den Hang zurückgeholt hat.

Nach ein paar hundert Metern knickte der Weg links ab, führte durch das Tal und über den Bach, und wand sich dann in diversen Kurven und Serpentinen weiter aufwärts über die bewaldeten Hänge, bis er schließlich schon ziemlich weit oben den Waldrand am Taubenberg erreichte, wo sich eine große, offene Hangwiese in der prallen Abendsonne talwärts erstreckte.

Auch hier blieb ich dem Weg H3 treu, folgte ihm zwischen Waldrand und Wiese nach Südwesten, wobei ich zum zweiten Mal die Landesgrenze überquerte und damit nun wieder auf badischem Boden lief.
Wunderbares Stück, mit viel Aussicht und einem quasi ebenen Weg, auf den die schräge Sonne und die Bäume am Rand der Hangwiese ein abwechlungsreiches Tigermuster malten.

Nach einem halben Kilometer kurvte die Strecke nach Norden, am oberen Rand eines steilen, idyllischen Seitentälchens entlang, dann nach einer scharfen Kehre wieder nach Süden, abwärts durch den deutlich tiefer liegenden Grund ebendieses Tälchens.
Satte Wiesen voll freundlicher Pferde, knorrige Apfelbäume, grüne Talflanken umrahmt von Wald – sehr, sehr hübsch.

Vielleicht ein Kilometer abwärts, dann lief ich auf der Strasse „Im Finstertal“ (gar kein unpassender Name, denn hier runter reichte die schräge Abendsonne schon nicht mehr) wieder in Laudenbach ein.
Oder in Ober-Laudenbach, so ganz sicher war ich mir da nicht…

Die Ecke hier oben ist – rein geografisch gesehen – nämlich ein bisschen kompliziert…
Der Grund dafür liegt darin, dass die Landesgrenze zwischen Hessen und Baden-Württemberg, die normalerweise vernünftig und aufgeräumt ist, hier oben vollkommen durchdreht – anstatt einem sauberen, nachvollziehbaren Grenzverlauf findet sich hier ein verworrenes Geflecht aus erratischen Linien, die so ineinander verschlungen sind, dass es arg schwierig ist, rauszufinden was jetzt genau Hessen und was Baden-Württemberg ist. Diverse Exklaven und Enklaven („Dieses Wäldchen ist Baden-Württemberg, aber es wird vollkommen von hessischen Wiesen umschlossen“) verkomplizieren die Situation nur noch mehr.
Konkret sieht das dann so aus: Laudenbach, dessen letzte Häuserreihe sich von der Ebene das Tal hinaufzieht, und Ober-Laudenbach, das weiter oben im Talgrund sitzt, gehen quasi direkt ineinander über.
Laudenbach ist Baden-Württembergisch und eine eigenständige Gemeinde.
Ober-Laudenbach ist Hessisch und ein Ortsteil von Heppenheim.
Zumindest alle Teil des Dorfes, die sich in privater Hand befinden.
Die öffentliche Hauptdurchgangsstrasse durch das hessische Ober-Laudenbach gehört nämlich wieder zu Laudenbach und damit zu Baden-Württemberg.
Aber alle Häuser und Gärten, die an ihr liegen, sind hessisch und Teil von Heppenheim.

Wem das jetzt zu wirr war, der kann ja gerne nochmal in der Wikipedia nachlesen, oder versuchen, das ganze anhand der Google-Earth-Karte zu kapieren…
Grenzen
Die blauen Linien sind Landesgrenzen

…aber besser wird´s davon auch nicht…
Wie gesagt, total irre! 😀

Ich lief weiter bergab, zwischen den Wonhäusern im „Finstertal“ gen Talgrund. Die meisten davon gehören zu Laudenbach/BaWü, nur die letzten drei oder vier auf der linken Seite sind Teil von Ober-Laudenbach/Hessen.

Unten angekommen bog ich links ab und folgte der Ober-Laudenbacher Str. (also baden-württembergisches Territorium) nach Ober-Laudenbach (Hessen) hinein.
Idyllisch und verschlafen, mit fachwerkigen alten Häusern und Höfen, zwischendurch mal eine schöne kleine Kapelle am Hang, umgeben von blühenden Terassenbeeten – sehr nett.
Die Strasse ist allerdings recht schmal, wenn da ein Auto kommt muss man schon mal in eine Einfahrt ausweichen.
Fand ich irgendwie lustig, denn jedesmal wenn das passierte, überquerte ich ja wieder die Landesgrenze.
Strasse (BaWÜ) – Einfahrt (Hessen)
Und nochmal:
Strasse (BaWü) – Einfahrt (Hessen)
Und nochmal:
Strasse (BaWü) – Einfahrt (Hessen)…
Und jetzt mal gleichzeitig, linkes Bein in Baden und rechtes Bein in Hessen….
😀

700 m. leicht aufsteigender Grenzgang, dann bog ich rechts ab, in den Schannenbacher Weg, der aus dem Dorf hinaus ins pastorale Schannenbacher Tal führt.
Ebenfalls richtig hübsch, ein bequemer badischer Asphaltweg, umgeben von hessischem Wald und hessischen Wiesen, auf denen Gänse und Ziegen weideten, weiter oben kamen dann ein paar einsame Häuser und Höfe in Sicht, und schließlich erreichte ich den winzigen Weiler Schannen (oder Schannenbach?) am oberen Ende des Seitentals, der wiederum zu Hessen gehört….

An den paar schönen Häuschen vorbei, einen unmarkierten Weg in die Wiesen hinauf und schließlich links hoch zur Anhöhe über dem Tal.
Schmaler Weg, ordentlich steil, aber dafür hoch genug, um noch ein paar Strahlen der unglaublich intensiven roten Abendsonne abzukriegen, die weiter unten im Tal bereits von den umgebenden Bergen weggeblockt worden war.

Auf dem Hügelkamm sah ich mich kurz um (Hm, Weitwanderweg Odenwald-Vogesen, links geht´s zur Juhöhe, rechts zum Kreuzberg – hier war ich auch schon mal…), dann ging´s geradeaus weiter, den Weg Bo2 abwärts in die nächste Talmulde.
Ist irgendwie schon Weschnitztal hier hinten, das merkt man auch an der Landschaft: Sanftere Hügel mit Feldern und Wiesen, aufgelockert durch kleine Wäldchen und kleine Dellen und Buckelchen, sehr schön, vor allem unter den roten Strahlen der sinkenden Sonne.
Und politisch Abwechslungsreich ist´s auch: Die nächsten 120 m. nach dem Hügelsattel sind badisch, danach ein Grenzübertritt zurück ins Hessische, 190 m. am Rand eines Wäldchens bergab, dann rechts über eine Hügelwiese auf den Weg NL2, auf dem es dann runter in Richtung Balzenbach ging, wobei innerhalb von der nächsten 300 m. drei weitere Grenzüberschreitungen folgten (BaWü, Hessen, BaWü), bevor es endgültig runter in ein schmales Wiesental geht, das irgendwie zu Hemsbach gehört und damit erstmal für die nächsten 1,5 km durchgänig badisch ist (gottseidank, so langsam bin ich schon ganz wuschig im Kopf von dieser ganzen Bundeslandhopserei… 😀 ).

Balzenbach erwies sich als langgezogenes Dörfchen (oder ist es vielleicht nur ein Weiler) inmitten wunderschöner Wiesen, dessen Häuser und große Bauernhöfe voller Kühe und Pferde locker dem Verlauf eines einzelnen, schmalen Fahrwegleins aufgereiht sind.
Wunderbar ländlich und einsam, einer von den Orten, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen (und das ist ein Kompliment!).

Ich lief einfach immer weiter die Strasse runter, durch das kleine Dorf hindurch, dann weiter abwärts in Richtung Nieder-Liebersbach.
Kein Verkehr auf dem Fahrweg, hier hinten kommt wohl selten mal jemand vorbei.
Dazu ein schöner Blick nach Süden, das Tal entlang bis zum fernen Wachenberg hinter Weinheim, eindeutig erkennbar am gewaltigen Steinbruch in der Bergflanke (auf dem noch voll die Abendsonne lag und den gelben Stein zum Schimmern brachte) und dem Turm der Wachenburg.
Gefiel mir!

Nicht so sehr gefielen mir allerdings die frischen Temperaturen und der Abendschatten – das hier ist das erste Tal hinter dem Bergstrassenhauptkamm, da ist die Sonne schon viel früher Weg, als es die offizielle Sonnenuntergangszeit suggeriert, weggeblockt von den hohen, dunklen Bergen im Westen.
Ohne Sonne war´s kühl hier unten, fast schon ein bisschen zu frisch, da beeilte ich mich lieber etwas.

Nach einigen hundert Metern passierte ich die Abzweigung zum Watzenhof, das folgende Stück kannte ich noch ganz gut, weil ich da im Mai schon mal durchgelaufen bin.

In der letzten Kurve vor Nieder-Liebersbach (mal wieder kurz auf hessischem Territorium) bog ich dann rechts auf den Weg NL1 ab, der mich aus dem tiefen, abendschattigen Talgrund wieder hinauf auf den hohen Bergkamm im Westen bringen sollte, über den ich dann wieder runter zu Bergstrasse laufen wollte.

Langer Aufstieg durch dunklen Wald.
Im Durchschnitt erwies sich die Steigung vom NL1 als durchaus moderat, dabei war sie allerdings ziemlich ungleich aufgeteilt, in beinahe ebene Passagen, deren Neigung man kaum wahrnahm, und in brutal steile Stücke, deren Steigung deutlich jenseits der 10% (und teils auch deutlich jenseits der 15%) lag, und die so richtig fies reinzogen.
Vor allem auch, weil ich weiterhin Tempo machte – inzwischen war ich schon mehr als eine Stunde unterwegs und es war nicht mehr so lange bis zum Sonnenuntergang – bis dahin wollte ich es aber eigentlich geschafft haben (am liebsten wäre es mir natürlich gewesen, passend zum Sonnenuntergang in den hohen, nach Westen schauenden Weinhängen der Bergstrasse zu sein), also quälte ich mich mit etwas zu ambitioniertem Tempo die Hänge hinauf.

Oben angekommen (und damit wieder in BaWü) begrüsste mich der vertraute rote Balken des Weitwanderwegs Odenwald-Vogesen kurz hinter dem Waldner-Turm.

Ich lief kurz links, den Höhenweg auf dem bewaldeten Bergkamm entlang, und bog dann rechts ab, nun wieder steil abwärts nach Westen, in Richtung Ebene.
Abwärts, der gelben 3 des Grenzwegs hinterher, wobei ich die ursprünglich eingeplante Abzweigung nach rechts im dämmrigen Dunkel des Waldes einfach verpasste und – vorerst ohne es zu merken – den falschen Weg hinablief – und damit viel zu weit nach Süden abdriftete.

Schön bergab, das war ganz angenehm, gerade weil ich immer noch ziemlich schnell unterwegs war. Irgendwann erreichte ich eine langgezogene Lichtung neben einem Bach, die auf meinem Plänchen nirgendwo zu finden war.
Das machte mich ein klein wenig stutzig.
Kurz danach dann ein Naturparkplatz am Ende eines einsamen Fahrwegs zwischen Wald und Wiese, an dem eine Infotafel mit Wanderkarte aufgestellt war, die ich kurz zur Orientierung nutzte.

Ergebnis:
Ich stand am Parkplatz Spelzengrund, hinter dem Sulzbacher Hof.
Der wiederum befindet sich in einem Hochtal hinter Sulzbach.
Und Sulzbach, das wusste ich, liegt weiter südlich als Hemsbach, der Ort, an dem ich eigentlich wieder zum Fuß der Bergstrasse vorstoßen wollte.
Hrm, da war ich doch tatsächlich zu weit nach Süden abgedriftet, was effektiv einen deutlich längeren Rückweg bedeutete, und das, obwohl nicht mehr allzuviel Tageslicht und -wärme übrig sein dürften.

Pffff…

Ach, na gut, liess sich nicht ändern, also folgte ich dem Fahrweg zügig weiter nach unten, durch ein schönes dämmriges Wiesental, vorbei an der kleinen Gebäudeansammlung des Sulzbacher Hofs, dann halbrechts einen unmarkierten Pflasterweg entlang, an dessen unterem Ende mich die Bachgasse am Hang hoch über Sulzbach empfing, und mit ihr das blaue B des Burgenweg, dem ich von nun an einfach zurück nach Norden folgen musste.

Der Burgenweg ist einer der beiden großen Hauptwanderwege, die die gesamte Bergstrasse von Norden nach Süden abdecken.
Im Gegensatz zum Blütenweg, der sich vornehmlich am Fuß der Berge von Darmstadt bis Heidelberg zieht, übernimmt er die höheren Regionen mit ihren steilen Weinlagen, tiefen Seitentälen und hohen Waldhängen.
Will heissen: Hier geht´s immer mal wieder ordentlich rauf und runter!

Das kriegte ich auch gleich zu spüren, als ich dem Burgenweg nach in Richtung Norden in die Hänge folgte.
Schmaler Weg, aber asphaltiert, hoch oben am Hang, durch Weinberge, Wäldchen, Kleingärten.
Links unten die weite Rheinebene, ein weiter Blick über Mannheim und Ludwigshafen bis weit nach Westen zu den schroffen Höhen von Pfälzerwald und Haardt, die unter einem orange-lachsfarbenem Abendhimmel erstrahlten, während die Sonne bereits hinter dem Horizont verschwunden war (uh-oh… Sonne weg, entsprechend weniger als 30 Minuten Tageslicht, und noch mindestens 4 oder 5 km durch unbeleuchtete Berghänge. Das würde knapp werden).
Davor: Mannheim, Ludwigshafen und die unzähligen Dörfer und kleinen Städte zwischen Rhein und Neckar, bereits im Dunkel der Nacht versinkend, während die ersten Strassenlaternen und Lichter angingen.
Wunderschön, auch wenn mir die Zeit zum Genießen fehlte…

Immer weiter den Burgenweg entlang, auf, ab, auf ab, auf schmalen Pfaden über den Steilhängen, während das schwindende Restlicht immer weniger wurde.
Besonders in den kleinen bewaldeten Seitentälern, in die der Weg mehrmals hineinführte, war´s schon richtig Duster, da war vorsicht angesagt, gerade weil ich immer schneller wurde.

Etwas über ein Kilometer, dann ging´s langsam aber sicher bergab, runter ins abendliche Hemsbach am Fuß der Berge, dort ein paar hundert Meter auf der Landstr./B3 nach Norden.

Eigentlich hätte ich jetzt unten bleiben und auf dem flachen Radweg neben der Bundesstrasse zurück nach Laudenbach laufen können, das wäre die einfachste und schnellste Lösung gewesen.
Aber ich hatte mir nun mal vorgenommen, auf dem Burgenweg zurückzulaufen, und der bog kurz nach der Hemsbacher Ortsmitte nochmal rechts ab und führte wieder steil aufwärts in die Wein- und Blütenhänge.

Also lief ich hinterher, trotz kaltem Wind, hereinbrechender Dunkelheit und merklich schwerer werdenden Beinen, die ob des inzwischen sehr strammen Tempos und der unerwarteten Länge der Tour nicht mehr so ganz glücklich waren…

Nochmal dasselbe Spiel wie eben: Auf schmalen Hangwegen auf und ab durch die Hänge, rechts das grandiose, in dämmrige Dunkelheit gehüllte Panorama der abendlichen Rheinebene, über der ein immer schwächer werdender Farbenwirbel von rotgoldgelborangrosanen Farbtönen einen letzten Gruß der versunkenen Sonne herüberschickte, zwischenzeitlich noch ein oder zwei bewaldete Seitentäler, in denen es inzwischen so dunkel war, dass ich höllisch aufpassen musste, die Markierung nicht zu verpassen.

Direkt über dem südlichen Ortsanfang ist dann Schluss – der Burgenweg würde zwar noch ein Stück weiter über dem Ort nach Norden führen, aber das allerletzte Fitzelchen Tageslicht ist gerade dabei zu verschwinden – und in völliger Dunkelheit auf den schmalen Pfaden durch die steilen, unbeleuchteten Weinberge rennen, das war mir doch zu riskant.

Also bog ich links ab und folgte einem gewundenen Asphaltweg abwärts, bis ich schließlich unten in Laudenbach ankam, wo wenigstens die Strassenlaternen leuchteten.
Jetzt nur noch die Hauptstr. hoch, durch den Ort durch bis zum Friedhof.
Zog sich nochmal ganz schön, denn Laudenbach ist überraschend lang.
Durstig war ich auch, und dementsprechend ernsthaft versucht bei einer der vielen Kneipen, Tankstellen, Dönerbuden oder Trinkhallen am Wegesrand (ok, so viele waren´s auch nicht, aber genug) anzuhalten und mir was zu trinken zu kaufen, aber am Ende siegte doch der Wille zum baldigen Abschluss.
1,2 km Semisprint auf schmalen Bürgersteigen, dann hatte ich´s geschafft und konnte keuchend und mit etwas schmerzenden Beinen im Ziel auf dem Friedhofsparkplatz einlaufen.

Auch das war eine richtig schöne Tour.
Abwechslungsreich, viel zu sehen, Spaß gemacht hat´s auch.
Dass es am Ende anstrengender und weiter geworden ist als geplant ist auch nicht weiter schlimm – meine Beine werden mir die Strapazen morgen wahrscheinlich heimzahlen, aber andererseits ist es ein schönes Gefühl, dass ich 18,5 anspruchsvolle Bergkilometer mit einer Kilometerzeit von unter 6 Minuten ablaufen kann.
Mal ganz abgesehen davon, dass ich heute zweifellos einen neuen Grenzüberschreitungs-Rekord aufgestellt habe… 😉

Strecke: 18,5 km
Zeit: 1:50 h (= 10,09 km/h bzw. 5:57 min/km – sehr stramm für einen Berglauf)
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 90,76% (von 16,79 km von 18,5 km)
Karte:
Grenzlauf via Ober-Laudenbach

M.

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13 Antworten to “Zwischen den Bundesländern: Grenzhopping an der Bergstrasse und im Odenwald (18,5 km)”

  1. Kümmel Says:

    Laudenbach und Ober-Laudenbach würde ich definitiv zur Bergstraße zuordnen, da sie beide jenseits der Juhöhe und ihren angeschlossenen Bergrücken liegen.

    Und Schannenbach liegt eher auf dem Krehberg. Bei Ober-Laudenbach ist dann nur Schannen, also heißt das dann vielleicht das Schannental. Keine Ahnung. Wäre ja nicht das erste Namensdoppel.

    Und von wegen Grenzüberschreitungen. Wenn du deinen Weg nach Frankreich beendest (egal ob dieses Jahr noch oder dann nächstes Jahr), solltest du dir in Wissembourg noch einen Schlenker um die Stadtmauer einplanen (die hatte ich beim ersten Besuch gar nicht gesehen). Die Straßen dort kann man quasi als uhrhaften Innenstadtring ansehen und der Bahnhof liegt bei 5 Uhr, du wirst wahrscheinlich irgendwo bei 1 Uhr in die Stadt einlaufen und dann solltest du den leicht längeren Weg gegen den Uhrzeigersinn noch mitmachen.

    • matbs Says:

      Laudenbach ist ganz eindeutig Bergstrasse, keine Frage.
      Ober-Laudenbach… tjaa, da kommt halt mal wieder das Problem zum Vorschein, dass es keine feste Definition für „die Bergstrasse“ gibt.
      Aber anfühlen tut sich Ober-Laudenbach auf jeden Fall wie ein Dorf im Odenwald…

      Ob der Weiler südlich von Ober-Laudenbach jetzt Schannen oder Schannenbach heisst, konnte ich nicht eindeutig feststellen – der Weg dorthin ist auf jeden Fall der „Schannenbacher Weg“, in der Wikipedia-Karte des seltsamen Grenzverlaufs heisst er aber nur „Schannen“.
      Ansonsten schweigen sich die vorderen Suchseiten des Internets aus (aber mehrfach vorkommende Namen sind im Odenwald ja auch keine Seltenheit).

      Wissembourg wollte ich auf jeden Fall etwas ausgiebiger machen als einfach nur schnellstmöglich zum Bahnhof zu laufen.
      Wobei die Laufsaison ja so langsam zu Ende geht, mal schauen, ob das dieses Jahr noch was wird…

      • Kümmel Says:

        Wenn du dir Wissembourg für einen Wochenendtag einplanst und die Stadt selbst nur gemütlich begehen möchtest und mir 2-3 Tage vorher eine eMail schickst, könnte ich mir dann wahrscheinlich auch spontan eine Tour da runter ausdenken.

        Letztes Wochenende wars zwar auch nicht mehr ganz so warm, aber selbst bei Fahrtwind durchaus noch lange ohne Winterbekleidung aushaltbar. Und die Vorhersagen für den kommenden Samstag deuten wieder auf zumindest 15-16° und Sonnenschein hin.

        Auf 9 Uhr gibt es direkt südlich der „Rue de la Walck“ und der (Wies-)Lauter einen (Park-)Platz auf dem ich problemlos parken könnte. Spontane Tourenplanung wäre bei mir hin ca. 3h und zurück ca. 2h. Treffpunkt könnte also z.b. irgendwo zwischen 15 und 17 Uhr sein (also spätestens 17:30 wieder heimwärts), damit ich auch noch vor der völligen Dunkelheit daheim bin.

        Mögliche Zugverbindung für dich:
        17:32 mit RB 18830 nach Neustadt und von da um 18:52 mit IC 2057 nach Darmstadt (an 19:45). Aber ich weiß ja nicht genau ob du nicht eher einen anderen Bahnhof per Auto anfähren möchtest (Seeheim und Jugenheim oder auch beides mag die Bahnseite wohl eh nicht mehr als Haltestelle akzeptieren).

        So kommt man vom Wetter, über die eigene Route und möglichen Zugverbindungen zu gleich zu einem möglichen Gesamtplan.

        Und wie wärs?

  2. matbs Says:

    Klar, könnte man mal überlegen – allerdings bin ich ja mindestens noch zwei Touren von Wissembourg weg, entsprechend wird das nächstes WE noch nichts.

    Und einige Details wären da natürlich ggf. auch noch zu klären, z.B. ein paar genauere Infos bezüglich der Personalie „Kümmel“.
    Schließlich treff´ ich mich nicht einfach so mit wildfremden Leuten aus dem WWW, über die ich praktisch nichts weiss, und die sich am Ende dann vielleicht als Kidnapper der Russenmafia oder sowas rausstellen… 😉

    • Kümmel Says:

      Ach stimmt, durch deine Gebiergstour bist du ja nur bis Edenkoben gekommen. Sorry, hatte ich irgendwie falsch gespeichert. Wobei das ja auch nur noch knapp 30km sind. Wie willst du die denn auf zwei Touren aufteilen? Nochmal in die Berge?

      Na keine Angst. Wenn ich dich entführen wollte, würde ich dafür sicher nicht nach Frankreich fahren, sondern den am häufigsten vorkommenden Start- und Endpunkt der Routen besuchen.

      Und wie stellst du dir die Klärung vor?

      • matbs Says:

        Das nächste Ziel auf dem Weg nach Frankreich ist Annweiler am Trifels.
        Aber wann, das kann ich echt noch nicht sagen, im Moment bin ich sowieso zu erkältet, um längere (oder auch nur kürzere) Strecken zu laufen.
        Hust.

        Um ggf. was Konkreteres auszumachen, bietet sich ja vielleicht das gute alte Medium Email an – meine Adresse hat du ja noch, oder?

  3. Evchen Says:

    *seufz* Ok, von hinten durch die Brust ins Auge…. (also den neuesten Post zuerst)

    Kennst Du Wayne`s World? Sicher, gell? Kennst Du „Kamera 1, Kamera 2“?
    „Kamera Hessen, Kamera BaWü.“ *glux*

    Ich kann es ja at mom nicht selbst nachvollziehen, aber das Wetter fühlt sich auch schon herbstlich an oder?

    • matbs Says:

      Du weisst aber schon, dass du das alles nicht lesen musst, wenn du nicht willst, oder? 😉
      Nicht dass ich mich nicht freue, aber wenn dir das ernsthaft Anlass zum Seufzen gibt, dann kannst du dir auch gerne nur meine beiden Fotoberichte vom großen Feldberg anschauen und gut ist (die sind allerdings nicht verhandelbar :D).

      Abgesehen davon hast du recht, ja, so langsam herbstet es doch schon spürbar!

  4. dauerlaufen Says:

    Zum Grenzüberschreitungs-Rekord geseltt sich noch eine Beitrags-Umfang Rekord. Das ist Gehirnjogging….

    • matbs Says:

      I wo, ich hatte schon Umfangreichere… 😉

      Und so ein bisschen was auf den Rippen, das schadet so einem Blog-Eintrag überhaupt nicht (zumal die Telegrammversion „War laufen. Berge zwischen BaWü und HE. 18,5 km“ irgendwie ein bisschen die Würze vermissen lässt, oder?). 😀

  5. Evchen Says:

    Pah! Das hättest Du wohl gern. Das Seufzen galt lediglich meinem Unmut darüber, daß ich noch nicht lange genug aufrecht sitzen kann, um einen Deiner Berichte am Stück zu lesen. Da ich dann immer fünf Mal ansetzen muß, nervt mich das. Nicht Du, Du Ulk! Alle Klarheiten beseitigt? 😉


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