Wiesbaden, Neroberg und Platte – mit Fotos (22,5 km)

27. September 2009

Hey, Bundestagswahl.
Gemäß der kleinen Tradition, die ich Anfang des Jahres begonnen habe, hätte ich da ja eigentlich eine kleine Runde in der Nähe drehen müssen, um dann am Ende im Wahllokal vorbeizuschauen und meine Bürgerpflicht zu tun.

Aber heute nicht – nochmal ein herrlicher, sonniger Herbsttag und außerdem war ich heute Nachmittag in Wiesbaden verabredet, da hab´ ich den Wochenabschlusslauf natürlich ebenfalls dort oben eingeplant
(Wählen war ich natürlich trotzdem, und zwar vorher.
Hat zwar nichts genützt, aber immerhin muss ich mir angesichts der sozialen, ökologischen und gesellschaftlichen Rückschritte, die uns nun in den nächsten vier Jahren ins Haus stehen*, nicht vorwerfen, nichts dagegen unternommen zu haben…
[*Mal im unter uns: Mitten in dieser Wirtschaftskrise neoliberal zu wählen, das ist ungefähr so, als ob man einem besoffenen Autofahrer, der gerade seine Karre an einen Alleebaum gesetzt hat, die Schlüssel zum eigenen PKW in die Hand drückt und ihn bittet, mal schnell die eigene Tochter vom Ballettunterricht abzuholen.
Unglaublich, wie viele Wähler das allen Ernstes für eine gute Idee gehalten haben!!!]).

Aber genug Politik, sorry, eigentlich gehört das ja nicht hierher…

Also: Wiesbaden.


Dort war ich dieses Jahr ja schon mehrmals laufen – Anfang Juni bin ich von Mainz-Kastell aus hoch in die Innenstadt gerannt, und Anfang August hab´ ich mit Torsten einen schönen Zwanziger über die Taunushöhen hinter der Stadt absolviert.
Zwischen diesen beiden Strecken klaffte allerdings noch eine unerlaufene Lücke, die wollte ich heute schließen.

Folgerichtig auf dem Plan: Aus der nördlichen Innenstadt durchs untere Nerotal auf den Neroberg, dann weiter hinauf in den Taunus bis zum Jagdschloss Platte, von dort aus über die weiten Hangwälder nordwestlich der Stadt (wo der Lauf mit Torsten stattgefunden hatte) zurück ins Nerotal und wieder zum Ausgangspunkt.
Versprach eine richtig schöne Strecke mit ganz vielen Highlights zu werden.

Am späten Vormittag fahre ich los, durchs Ried und das westliche Rhein-Main-Gebiet, über den Main, hinein nach Wiesbaden und auf der atemberaubend prächtigen Wilhelmstr. (Rechts die wunderbaren Parkanlagen am Warmen Damm, links die herrlichen, palastartigen Bürgerhäuser aus dem 19. Jahrhunderts, mit flatternden Fahnen unter strahlendblauem Himmel).
Das Wetter ist herrlich golden-herbstlich, aus dem CD-Spieler singt Aretha Franklin (DAS ist noch R&B!), meine Laune ist blendend – genauso muss das alles vor einem Lauf sein.

Ich parke in der Feldstr. zwischen schönen, schmalen alten Wohnhäusern am nordwestlichen Rand der Innenstadt, dort wo Wiesbaden sich bereits langsam aber stetig die Taunushänge hinaufzieht:
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Bild #1: Am Start in der Feldstr.

Fast auf den Punkt genau High Noon, die warme Sonne strahlt so wunderbar von oben herab, dass ich spontan auf die Weste verzichte, die ich eigentlich hatte anlegen wollen, und direkt loslaufe.

Ein paar Meter aufwärts, die Feldstr. hoch, dann rechts die Kellerstr. runter (wie gesagt, hier gibt´s schon ein bisschen Auf und Ab), links in die Stifstr., dann wieder rechts durch die Pagenstecherstr….
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Bild #2: Pagenstecherstr.

…an die Taunusstr.

Sehr nett – das hier oben ist zwar keine der exlusivsten Ecken der Stadt, doch die mehrstöckigen Stadthäuser aus dem 19. Jahrhundert mit ihren historistischen Verzierungen geben im Licht (und den Schatten) der herbstlichen Mittagsonne nichtsdestotrotz ein sehr hübsches Bild ab.
Da macht´s auch gar nichts, das meine Beine noch so ein bisschen träge sind und nicht besonders schnell unterwegs sind – im Gegenteil, ist eigentlich sogar ganz angenehm, da kann ich mich richtig schön umschauen und den Tag genießen.

An der Taunusstr. wende ich mich nach links und laufe ins untere Nerotal hinein.

Das IST jetzt eine der exklusiven Gegenden Wiesbadens: In der Mitte des Tals erstreckt sich eine herrliche langgezogene Parkanlage mit Denkmälern, weiten Rasenflächen, reflektierenden Weihern und hohen, alten schattigen Bäumen, flankiert von wunderschönen, mondänen Villen aus der Gründerzeit und/oder dem Kaiserreich, von denen eine prächtiger ist als die andere.

Geradeaus, vorbei am Reiterstandbild am südostlichen Ende der Grünanlage geradewegs in den Park hinein:
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Bild #3: Anfang der Parkanlagen im Nerotal

Hier ist viel los, der Park ist voller Menschen, die den Spätsommer genießen: Spaziergänger und Radfahrer auf den Wegen, Sonnenanbeter und Fußballspieler auf den Liegewiesen, und Unmengen von Joggern, die hier ihre Runden drehen.
Die meisten sind sogar noch langsamer als ich, aber ich muss ja alle paar Meter stehen bleiben und Fotos machen, deswegen werd´ ich trotzdem ständig überholt. 😀
Ist aber nicht schlimm, hab´s ja nicht eilig, und die Parkanlagen sind wirklich atemberaubend schön:

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Bild #4: Kurz nach dem Kriegerdenkmal

Ich folge dem leicht gewundenen schattigen Weg am Südrand des Parks nach Nordwesten, vorbei am Teich und und großen Wiesen in der Mitte der Anlage…
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Bild #5: Mittlere Parkanlage im Nerotal…

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Bild #6: …mit Teich…

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Bild #7: …und einem schönen Ausblick auf den steilen Weinberg am Südhang des Nerobergs, durch den ich gleich auf den Neroberg laufen will

…einem Bismarckdenkmal und einem weiteren Teich…
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Bild #8: Dieser hier ist etwas kleiner als der von eben…

…dann auf einer kleinen Brücke über den Schwarzbach (der mitten durch den Park fliesst) und schließlich am nordwestlichen Ende des unteren Nerotals kurz vor der Talstation der Nerobergbahn wieder aus dem Park hinaus an die Strasse „Nördliches Nerotal“:
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Bild #9: Die Nerobergbahn ist eine Wasserballastgetriebene Seilbahn, die 1888 eingeweiht wurde und seitdem das Nerotal mit dem Gipfel des Wiesbadener Hausbergs, dem Neroberg, verbindet. Für die knapp 500 m. Strecke mit knapp 20% Durchschnittsteigung braucht ca. 3,5 Minuten, und ist damit bergauf deutlich schneller als ich… 😉
Das hier ist übrigens die Bogenbrücke der unteren Trasse, direkt nach der Talstation

Hier geht´s scharf rechts in die Weinbergstr.:
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Bild #10: Anfang der Weinbergstr.

Hier geht´s jetzt schon merklich bergauf. Wird aber auch langsam Zeit, schließlich will ich ja hoch auf den Neroberg, und das sind schon noch ein paar Höhenmeterchen.
Auch hier hat´s vor allem Villen, die meisten alt und schön, dazwischen stehen allerdings kantige Mehrfamilienhäuser neueren Datums, die allein aufgrund der Lage sicherlich auch schon ziemlich exklusiv sind, aber das Gesamtbild des Wohngebiets doch ganz schön komprommitieren – offensichtlich ist auch das mondäne Wiesbaden nicht vor kleineren und größeren Bausünden gefeit…

Nach etwas über 100 m. renne ich fast in eine Art motorgetriebenes Bimmelbähnchen, das den ganzen Verkehr auf der engen Strasse zum erliegen gebracht hat…
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Bild #11: Eine Stadtrundfahrt oder sowas?
Direkt dahinter übrigens eine von den soeben erwähnten Bausünden.

…und biege dann direkt dahinter in die steil aufwärts führende Friedrich-Lang-Str. ab…
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Bild #12: Friedrich-Lang-Str.

…über die ich eigentlich in den Weinberg am Hang des Nerobergs gelangen möchte.
Das klappt allerdings nur beinahe.
Zwar führt die Strasse nach einer weiteren Rechtsserpentine tatsächlich zu einem Tor, hinter dem der Weg in den Weinberg beginnt, doch das ist dummerweise verschlossen.
Kein Durchkommen.
Hrm.

Kurzes Studiums des eigens ausgedruckten Stadtplänchens…
Ok, drüben an der Ostseite des Weinbergs gibt es auch noch einen Eingang, vielleicht hat der ja auf…
Um dorthin zu kommen muss ich erstmal wieder abwärts, zurück runter auf die Weinbergstr., der ich ein ganzes Stück nach Osten folge…
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Bild #13: Die Weinbergstr. entlang durchs Villen(oder zumindest Semivillen-)Viertel

…und dann links aufwärts (Christian-Spielmann-Weg, oder vielleicht auch Neroberg-Str., da ist der Stadtplan nicht ganz eindeutig) in Richtung der Griechischen Kapelle laufe, deren Turmkuppel bereits über den Wipfeln weiter oben am Berg hervorlugt und herrlich in der Mittagsonne glänzt:
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Bild #14: Kuppel der Griechischen Kapelle von unten

Auch hier ist es wieder ganz schön steil, aber nur für ein paar Meter, dann geht links eine kleine, schattige Gasse zwischen Mauern ab und führt direkt zu einem weiteren großen Tor am unteren Ende des Weinbergs.
Aber das hier ist offen, also kann ich geradewegs durchlaufen, hinein in den hell erleuchteten Hang unter sattgrünen Rebenreihen:
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Bild #15: In den Wingert am Neroberg

Unheimlich schön!
Der Weinberg liegt direkt über der Stadt auf dem steilen Südhang des Nerobergs und wird deshalb regelrecht vom strahlenden, angenehmen Licht der Mittagsonne überflutet – es ist hell, warm, die Aussicht ist wunderbar, die Luft riecht herrlich nach Herbst, Hauptfarben sind das bereits ganz leicht ins gelb abdriftende Smaragdgrün der Weinstöcke und das tiefe, durchdringende Blau des Himmels.
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Bild #16: Blauer Himmel über grünem Wein

Der Weg (der nicht markiert ist, aber im Stadtplan einen eigenen Namen hat, nämlich „Eduard-von-Müller-Weg) führt erst ein Stück am unteren Ende des Weinbergs entlang, bevor er an einer kleinen Hütte halbrechts abbiegt und aufwärts durch die Rebenreihen zum westlichen Ende des Wingerts führt…
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Bild #17: Aufwärts auf dem Eduard-von-Müller-Weg

…dort eine scharfe Kehre vollführt, nach der es kurz richtig steil wird…
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Bild #18: In der scharfen Kehre

…und schließlich im oberen Teil des Hanges wieder zurück nach Osten führt. Links über der Mauer am oberen Ende des Wingerts liegt bereits die Aussichtsterasse unter dem Neroberg, erkennbar an den zwei mächtigen Steinlöwen, die dort ruhen, rechts hingegeb bietet sich über die steil abfallenden Rebenreihen eine grandiose Aussicht hinunter ins wunderschöne, sonnige Wiesbaden:
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Bild #19: Blick vom oberen Eduard-von-Müller-Weg hinab zur Parkanlage im Nerotal

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Bild #20: Großes Wiesbaden-Panorama vom Eduard-von-Müller Weg.
Leider etwas diesig und Aufgrund der Lage des Weinbergs (Südhang) und der Tageszeit (kurz nach Mittag) mit vollem Gegenlicht, entsprechend sind die Fotos nicht gerade perfekt geworden – aber schön ist es trotzdem!

Noch 300 wunderschöne und angenehme Meter laufe ich durch den Weinberg, dann erreiche ich den Ausgang am nordöstlichen Ran, kurz vor der Griechischen Kapelle.
Auch hier ist wieder ein großes Tor.
Und das ist verschlossen!
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Bild #21: Mist! Zu!

Da ist guter Rat teuer.
Nochmal den ganzen Weg zurück und runter will ich nicht, das wäre doof.
Also entscheide ich mich dafür, stattdessen über die Mauer neben dem Tor zu klettern.
Hochzukommen ist kein Problem, denn links vom Tor zieht sich der Hang an der Mauer empor, so dass es dort nur 80 cm vom Boden zur Mauerkrone sind, da komm´ ich leicht drauf:
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Bild #22: Auf der Mauer

Aber auf der anderen Seite runterkommen… das ist ´ne andere Sache – da ist nämlich kein Hang, stattdessen geht´s mindestens 2,20 oder 2,30 m. runter.
Uh-oh, ganz schön hoch um da einfach runterzuhüpfen, man ist ja schließlich keine 13 mehr…
Eine richtige Möglichkeit zum Festhalten und Langsam Runterlassen gibt´s auch nicht (außer vielleicht die einsame Brennessel, die auf der Mauerkrone wächst und ich die ich gerade 15 Sekunden meine Hand gestützt habe – Autsch!!!).
Hmmm…
Aber runter muss ich, also Stütze ich mich schließlich irgendwie an einem Bäumchen ab, das neben der Mauer wächst (hoffentlich hält das dünne Ästchen, an dem für ein paar Sekundenbruchteile mein ganzes Gewicht hängt) und stürze mich todesmutig in die Tiefe!

GERONIMOOOOuffa!!!

Klappt, komme gut auf, Mauer überwunden, alles prima:
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Bild #23: Mauer überwunden. Puuh!

Von hier aus sind es nur noch ein paar Meter durch den schattigen Wald, dann erreiche ich die Griechische Kapelle auf einer Terasse über der Stadt.
Und bleibe erste mal kurz mit offenem Mund stehen, geblendet von der strahlenden Pracht des wunderschönen Sakralbaus:
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Bild #24: Westseite der Griechischen Kapelle

Eine kleine aber wunderschöne Kirche mit einem grob quadratischen Grundriss, hoch aufragend, mit wunderbar verzierten Mauern aus hellem Sandstein und schlanken Bogenfenstern, gekrönt von einem Hauptturm und vier Nebentürmchen, deren geschwungene goldene Kuppeln blendend hell und herrlich im Sonnenlicht funkeln.
War übrigens niemals eine griechische Kapelle (die Bezeichnung hat sich aber anscheinend im Volksmund gehalten), sondern seit ihrer Erbauung in den 1850iger Jahren eine russisch-orthodoxe Kirche, die auch heute noch von der russischen Gemeinde in Wiesbaden genutzt wird.

Natürlich schaue ich mir alles ganz genau an:
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Bild #25: Eingang der russischen Kapelle. Ich hätte mir ja gerne auch mal den Innenraum genauer angesehen, aber da dort gerade einige Herrschaften beten, möchte ich nicht stören

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Bild #26: Südflanke der Kapelle im vollen Sonnenlicht

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Bild #27: Blick von der Ostflanke hinauf zu den goldenen Turmkuppeln

Wunderschön!

Ich umrunde die Kapelle einmal ganz, werfe außerdem noch einen Blick von der Terasse über die Stadt (ebenfalls wieder wunderschön, erinnert mich irgendwie ein bisschen an die Aussicht von Sacré-Cœur über Paris), und mache mich schließlich wieder auf den Weg, weiter aufwärts zum inzwischen schon ziemlich nahen Gipfel des Nerobergs.

Noch einmal geht es kurz aber steil bergauf, auf einem schmalen Weg westlich der Kapelle um eine scharfe Kehre, dann ein Stück geradeaus und am Opel-Bad vorbei…
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Bild #28: Tssk, ein Freibad oben auf dem Berg – die haben aber auch Ideen, diese Wiesbadener…

…und dann die letzten Meter durch den lichten Wald hinauf in den kleinen, wunderschönen Bergpark an der Kuppe des Nerobergs:
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Bild #29: Links vorne der Monopteros (auch wenn´s so klingt ist das ist kein Dinosaurier sondern ein Säulentempelchen), rechts dahinter der Turm des ehemaligen Hotels, in dem sich heute ein Ausflugsrestaurant befindet.

Hier oben ist viel los – klar, es ist Sonntagmittag an einem strahlenden, wunderschönen Herbsttag, da treibt es die Wiesbadener natürlich auf ihren Berg, zum Sonne Tanken und Flanieren und Schauen und Essen.
Entsprechend herrscht eine wunderbar gelöste Stimmung, alle sind entspannt und zufrieden, man merkt richtig, wie die Stadt und ihre Bewohner noch mal den Tag genießen, bevor irgendwann demnächst der graue, klamme Herbst über sie hereinbricht.

Ich laufe erstmal hoch an den Monopteros (der von einer Gruppe junger Leute in beschlag genommen ist, die sich alle davor durchfotografieren) und biege dann links ab, den Hang runter.
Vorbei an der Bergstation der Nerobergbahn…
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Bild #30: Bergstation

…und dem Ehrenmal für die Wiesbadener Gefallenen des ersten Weltkriegs…
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Bild #31: Die Gedenkstätte ist der containerartige Klotz in der Bildmitte

…auf die Aussichtsterasse hoch über der Stadt und dem Weinberg:
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Bild #32: Aussichtsterasse

Wie nicht anders zu erwarten gibt´s hier einen grandiosen Blick über Wiesbaden nach Süden…
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Bild #33: Blick über Wiesbaden, auf dem Foto mal wieder etwas durchs Gegenlicht und die diesige Stadtluft kompromittiert.
Davor der Weinberg, zwischen dessen Rebenreihen man den Eduard-von-Müller-Weg erkennen kann, auf dem ich vor ein paar Minuten entlanggekommen bin

…aber besonders begeistert bin ich von den beiden majestätischen wunderschönen Steinlöwen, die die Terasse links und rechts flankieren und hinauf zum Neroberg blicken:
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Bild #34: Westlicher Löwe

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Bild #35: Östlicher Löwe, scheint etwas nachdenklicher zu sein als sein Kollege

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Bild #36: Und nochmal der Ostlöwe, dieses Mal im Profil

Ich verweile ein, zwei Minuten, lasse meinen Blick über die Stadt schweifen und bade mich ein bisschen in der warmen Sonne, dann geht´s wieder zurück bergauf, den Weg zwischen den Gedenksteinen des Ehrenmals hinauf, auf denen die vielen, vielen Schauplätze des ersten Weltkriegs aufgeführt sind, an denen Wiesbadener ihr Leben gelassen haben…
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Bild 37: Hier zu Joggen wäre irgendwie pietätlos, deswegen gehe ich lieber, setze sogar noch die Mütze ab

…dann weiter aufwärts, am Monopteros vorbei hinauf zur Kuppe und dem Restaurant im Turm, in dessen Außenbereich Dutzende von Menschen in der Sonne sitzen und äußerst wohlriechende Speisen zu sich nehmen (hmm, da kriegt man spontan Hunger…):
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Bild #38: Neroberg-Panorama mit Turm und Wiese

Nordwärts, zwischen Restaurant und der amphiteaterartigen Erlebnismulde…
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Bild #39: Erlebnismulde

…zum Waldrand am hinteren Ende des Bergparks, vorbei am Kletterwald…
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Bild #40: Hmm, sieht nach einer mittelschweren Ewok-Infestation aus… 😀

…und schließlich geradewegs hinein in den prächtigen Wald an den südlichen Taunushängen.
Wunderschön hier – hohe, alte Bäumen, deren Laub bereits mit ersten Spuren von Gelb und Rot eingefärbt ist, breite, bequeme Wege mit minimalster Steigung, Sonne und Schatten auf grünbraunem Waldboden, in der Luft ein frischer Geruch von Herbstwald, dazu ist es wunderbar still und friedlich, wenn der Wind etwas stärker weht ist das sanfte Rascheln der ersten fallenden Blätter zu hören.

Ich folge dem unmarkierten Kanzelbuchenweg nach Nordosten…
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Bild #41: Kanzelbuchenweg

…bis ich nach ziemlich genau einem Kilometer eine Abzweigung erreiche und mich spontan für einen kleinen Schlenker um die größere Waldwiese am Entenpfuhl entschließe, die laut Wanderkarte westlich des Weges liegt.
Also links, leicht abwärts dem Marker mit der blauen Forelle hinterher…
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Bild #42: Wirklich nett, diese Taunusklub-Markierungen

…bis zur sonnigen Wildwiese am Entenpfuhl…
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Bild #43: Wiese am Entenpfuhl

…an deren Westseite ich dem Friedrich-König-Weg nach Norden folge:
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Bild #44: Friedrich-König-Weg.
Das ist das schöne hier oben – der Wald ist einerseits wild und naturbelassen, aber andererseits so nah an der Stadt, das die meisten Wege hier eigene Namen haben (vermutlich noch aus der großen Hochphase Wiesbadens als Kurstadt im 19. Jahrhundert), die sogar im Stadtplan verzeichnet sind

Herrliches Stück, mit einem von Sonnenlicht und Schatten gescheckten Weg unter uralten Buchen und Kastanien…
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Bild #45: Die Kastanien machen mir ehrlich gesagt ein bisschen Sorgen, denn immer wieder hört man das saftige „Twack“ ihrer fallenden Früchte – und so eine große Rosskastanie in stacheliger Hülle möchte ich nicht unbedingt auf die Mütze bekommen.
Aber schön sind sie trotzdem!

…während rechts die große, von der Mittagssonne geflutete Freifläche durch´s Grün schimmert:
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Bild #46: Blick durchs Unterholz vom Friedrich-König-Weg auf die Wiese am Entenpfuhl

Nach ca. 750 m., kurz nach den Nordende der Wiese, erreiche ich eine Kreuzung mit sechs abgehenden Wegen an einer Schutzhütte, auf der ich halbrechts den Barnayweg hochlaufe, der nach wenigen hundert Metern auf den asphaltierten Fahrweg der Idsteiner Str. stösst.
Hier geht´s links, auf einem Pfad neben der Fahrbahn (keine Ahnung wo die hinführt, aber hier fahren überraschend viele Autos durch den Wald) dem schwarzen Punkt hinterher 450 m. direkt nach Norden…
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Bild #47: Idsteiner Str.

…dann an der nächsten Abzweigung halblinks und über eine Art Naturparkplatz…
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Bild #48

…bis zu einer Wegscheide an einer weiteren Schutzhütte:
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Bild #49: Wegscheide mit Schutzhütte an der „Alten Trompete“

Hier geht´s halbrechts, und nun auch endlich mal mit ein bisschen mehr Steigung. Wird auch Zeit, schließlich liegt mein nächstes Ziel, das Jagdschloss Platte, auf 500 m.ü.NN, und bisher habe ich noch nicht das Gefühl, viel geklettert zu sein (was aber auch daran liegt, dass die bewaldeten Taunushänge hier extrem lang und relativ flach sind).
So richtig perfekt klappt´s heute übrigens nicht mit der Steigung, meine Beine sind ein bisschen schwer und träge, wie das eben so ist nach einer Woche voller Bergläufe.
Ist aber kein Problem, ich hab´s ja nicht eilig, also mach´ ich ganz einfach schön langsam und genieße den Aufstieg in vollen Zügen, das klappt Prima.

Nach ein paar Metern passiere ich die beeindruckende Idsteiner Eiche…
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Bild #50: Idsteiner Eiche

…kurz danach kommt mir dann irgendwie der schwarze Punkt abhanden, dem ich eigentlich weiter aufwärts folgen wollte.
Stattdessen bin ich plötzlich auf einem unmarkierten aber hübschen Pfad, der mit ordentlicher Steigung an einer Bergflanke hinaufführt…
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Bild #51: Irgendwo am Würzberg

…um nach ein paar hundert Metern links abzubiegen und in einer schurgeraden Schneise richtig steil auf einen Vorberg namens „Würzburg“ (dessen Namen ich allerdings erst hinterher rausfinde) hinaufzuführen.
Hartes Stück, 60 Höhenmeter auf etwas über 400 m., das macht fast 15% Durchschnittsteigung, das zieht schön rein.
Geht aber ganz gut.
Auf halber Höhe kommt mir ein wandernder Vater mit zwei Kindern entgegen, von denen mir eins im Vorbeilaufen „Sie sind sportlich!“ zuruft.
Kluger Knabe, aus dem wird sicher mal was… 😀

Oben angekommen stoße ich auf eine Kreuzung an einem Asphaltweg.
So richtig sicher bin ich mir nicht, wo ich gerade bin, aber nach einem kurzen Kartenstudium beschließe ich, dass das hier der Graf-Hülsen-Weg sein muss, der mich weiter in Richtung Platte bringen sollte, wenn ich ihm aufwärts folge.
Also mach´ ich das einfach mal:
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Bild #52: Auf dem Graf-Hülsen-Weg

Es geht weiterhin aufwärts, stetig aber nicht zu steil, und auf dem Asphalt läuft sich´s wunderbar.

600 m., dann erreiche ich eine scharfe Kehre, die mich kurz verwirrt:
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Bild #53: Kehre am Graf-Hülsen-Weg

Hm.
Wo soll den hier bitteschön eine Kehre sein??
Bleibe kurz stehen, kratze mich am Kopf, drehe das Plänchen ein bisschen hin und her, dann stelle ich fest, dass ich genau da bin, wo ich sowieso hinwollte.
Prima.

Von hier aus ist es auch gar nicht mehr so weit. Ich muss dem Graf-Hülsen-Weg (der hier mit einem roten Vogel markiert ist) einfach immer weiter folgen, ein bisschen aufwärts und nach der Kehre nun westwärts, noch knapp einen Kilometer, dann erreiche ich auch schon den Waldrand, laufe noch ein kleines Stück unterhalb der Wiesen an der Platte entlang, und biege dann rechts auf den Asphaltweg ein, der hinauf zum Jagschloss führt:
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Bild #54: Aufwärts zur Platte

Noch ein paar Meter durch die Wiesen, vorbei am großen Spielplatz auf dem Freizeitgelände und dem Jagdschloss selbst…
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Bild #55: Das Jagdschloss Platte wurde in den Zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts errichtet und im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört. Erst Ende der Achtziger Jahre wurde es wieder restauriert, 2003 dann mit dem… etwas befremdlichen modernen Glasdach versehen. Heute dient es vor allem als Austragungsort kulureller Veranstaltungen

…und dann bin ich auch schon oben.
Einfach so, auf 500 m.ü.NN – einer der leichtesten und angenehmsten Aufstiege, die ich in den letzten Monaten gemacht habe.
Aber das ist ja kein Grund, sich nicht zu belohnen, also steuere ich Zielstrebig den kleinen Holzkiosk am Parkplatz hinter dem Jagdschloss an und lasse mir von dem etwas linkischen jungen Mann hinterm Tresen eine, nein zwei Colas verkaufen (0,2 l.-Fläschchen, da dürfens auch schon mal zwei sein… 😉 ).
Und die…
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Bild #56: Cheers (mit dem In-die-Kamera-Lächeln hab´ ich´s heute irgendwie nicht so… 🙂

…führe ich dann erstmal oral zu:
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Bild #57: Aaah, das ist gut!!

Lange ruhe ich mich allerdings nicht auf meinen Lorbeeren (bzw. der Bierbank neben dem Kiosk) aus, denn inzwischen hat sich die Sonne hinter einem Schleier Wolken versteckt, und hier oben auf 500 m. Höhe ist es doch etwas frischer als 350 m. weiter unten in der Stadt, da breche ich lieber schnell wieder auf, bevor ich noch auskühle.

Noch ein kleines Stück rechts hoch, an der Ausflugsneipe vorbei, dann links und unter der Betonbrücke der B417 hindurch, die Wiesbaden mit Taunusstein verbindet, dahinter über einen leeren Parkplatz…
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Bild #58: Parkplatz neben der B417 an der Platte

…bevor ich mich schließlich wieder in den Wald hineinstürze um von nun an irgendwo unter dem Taunushauptkamm zurück in Richtung Tal/Süden/Wiesbaden zu laufen, wobei ich erstmal dem Weg mit dem rotbraunen Ahornblatt (passend zum Hebst) folge:
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Bild #59: Wegmarker der Stunde – wobei ich mich schon ja frage, ob das obere Symbol wirklich ein Lama darstellen soll… 😀

Mit dem roten Blatt geht´s dann eine ganze Weile auf dem Kesselbach durch den stimmungsvollen Hochwald: IMG_6001
Bild #60: Kesselbachweg

Hier läuft´s kugelrund: Es geht leicht abwärts, der Weg ist bequem und lauffreundlich, der Wald ist wunderschön und sonnig, da ist alles so wunderbar im Fluss, und ich kann so richtig in der Umgebung versinken:
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Bild #61: Dichter Nadelwald…

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Bild #62: …sonniger Wegesrand…

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Bild #63: Grünlich schimmernde Farndickichte

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Bild #64: …staksige Fichtenkolonien…

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Bild #65: …und moosige Baumstämme mit knolligen Pilztellen – hier oben ist´s wirklich abwechslungsreich hübsch und hübsch abwechslungsreich!

Nach insgesamt 1,7 km (das braunrote Blatt ist inzwischen längst abgebogen, aber ich bin einfach immer weiter geradeaus dem Kesselbachweg gefolgt) geht´s noch mal bergauf, links ab und auf dem Weg mit dem gelben Balken den Hang der „Wehener Wand“ hinauf…
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Bild #66: In der Wehener Wand

…bis ich die Kreuzung auf dem Bergrücken direkt neben der Jakob-Schwender-Buche erreiche („Wie stellt man das eigentlich an, dass irgendeine Buche mitten im Wald nach einem benannt wird“, frage ich mich, als ich hier vorbeilaufe).
Hier biege ich rechts ab, folge dem breiten aber unmarkierten Waldweg, der auf dem Höhenrücken nach Südwesten verläuft und dann irgendwann in einer langen Linkskurve über dem Kesselbachtal hinab in die Bergflanke der Rentmauer führt, in der´s dann wieder ostwärts geht:
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Bild #67: Weg an der Rentmauer

Weiterhin schön bergab, auch wenn mir meine Beine freundlich aber bestimmt zu verstehen geben, dass sie nichts dagegen hätten, wenn wir demnächst mal so langsam ankommen.
Sorry Beine, aber das ist noch ein Stück…

Links im Hang zieht eine große, zugewucherte Kerbe vorbei (ein alter Steinbruch?), kurz danach biege ich rechts auf den erstbesten unmarkierten Pfad ein, der weiter nach unter führt:
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Bild #68: Abwärts, immer weiter abwärts…

Das Weglein verdient sich bereits auf den ersten Metern das Prädikat „ausnehmend beschissen“, indem es meine Trittsicherheit mit Wurzeln, Steinen und tiefen Furchen, die irgendeine Waldarbeitermaschine beim Durchfahren in den Hang gefräst hat, auf eine harte Probe stellt.
Ist aber zum Glück nicht soo lang, vielleicht 300 m., dann erreiche ich am unteren Ende den wesentlich angenehmer wirkenden Querweg mit dem roten Balken.
Bekanntes Terrain, denn hier bin ich vor knapp zwei Monaten bei dem Lauf mit Torsten schonmal durchgekommen – damit wäre der Anschluss dieser Tour ans Streckennetz de facto und de iure vollzogen.
Yaaay! 🙂

Ich laufe kurz rechts, nur ein paar Meter bis zur nächsten Wegscheide, dort biege ich dann ganz scharf links in den Kesselbachweg ein (gelber Balken), der Oberhalb der „Fischzucht“ am Kesselbachtal entlangführt und schließlich auf den asphaltierten und recht stark befahrenen Hupfeldweg stösst:
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Bild #69: Hupfeldweg an der Fischzucht

Dem folge ich nach Osten.
Kein Zuckerschlecken, die Fahrbahn ist schmal und in der Mitte unmarkiert, am Rand gibt´s natürlich keinen Fußweg oder Randstreifen…
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Bild #70: So sieht´s da aus
…und die protzigen Porsche Cayennes und BMW X5 der Wiesbadener Haute Volaute, die hier mit teils beängstigender Geschwindigkeit vorbeibrettern, denken mehrheitlich nicht daran, mir zuliebe mal ein bisschen langsamer zu machen.

Noch prekärer gestaltet sich jedoch die Überquerung der B417 die ich nach 700 m. am Strassenrand erreiche.
Wie es sich für eine Bundesstrasse gehört, ist die nämlich breit, mit viel Verkehr und Tempo Hundert.
Da muss ich ein ganzes Weilchen warten, bevor ich mit dem Gefühl, beinahe schon Roadkill zu sein, über die Fahrbahn husche (zum Glück wohlbehalten…).

Auf der anderen Seite geht´s über einen Parkplatz und dann weiter den Hupfeldweg entlang, der hier allerdings für motorisierten Verkehr gesperrt ist.
Inzwischen ist die Sonne wieder rausgekommen und leuchtet den Früherbstwald wunderschön aus, das ist einfach nur herrlich:
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Bild #70: Östlicher Teil des Hupfeldwegs – Warme Sonne auf früherbstlich eingefärbten Wipfeln

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Bild #72: Und gleich nochmal, weil´s so schön ist: Frühherbststimmung auf dem Hupfeldweg, dieser Mal etwas weiter östlich als auf Bild #71

Vielleicht 400 oder 500 m., dann erreiche ich den Rand des Rabengrundes, einer großen, offenen Hangwiese mitten im Wald, die unter Naturschutz steht:
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Bild #72: Am Rabengrund

Hier geht´s rechts, auf dem interessant benannten Herrenleichenweg ein Stück am Rand der Wiesen entlang…
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Bild #73: Weg am Rabengrund

…dann vorbei an knorrigen alten Bäumen…
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Bild #74

…und hell ausgeleuchtetem Unterholz…
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Bild #75

…auf einer Art urwüchsigen Allee…
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Bild #76

…durch den sonnigen Wald:
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Bild #77

Nach ca. 400 m. begradigt sich der Weg und wird zu einer geraden Schneise, die auf dem Münzenberg nach Südosten führt und recht bald eine große Kreuzung samt Schutzhütte erreicht, an der sich ein beachtlicher Pulk aus Menschen und Bulldoggen versammelt hat (ein Treffen der Bulldoggenfreunde Deutschland e.V.???):
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Bild #78: Kreuzung und Hütte am Münzberg samt einigen Bulldoggen und Bulldoggenbesitzern

Hier geht´s rechts, mitten zwischen der sabbernden, schnaufenden, glubschäugigen, fledermausohrigen, stupsnäsigen Bulldoggenmeute hindurch (potthässlich aber irgendwie auch richtig niedlich die Kerlchen. Und gut Benehmen tun sie sich auch, so hab´ ich meine Bulldoggen am liebsten) und in mehreren langen Serpentinen auf dem Schaperweg abwärts durch den Wald, bis ich schließlich im hinteren Nerotal rauskomme.
Hier ist wieder Einiges los, Jogger, Spaziergänger, auf dem großen Spielplatz, der in die Wiesen im Talgrund gebettet ist, tummeln sich junge Familien mit Kindern.
Ich laufe geradeaus, ein kurzes Stück die Strasse runter, dann biege ich links ab, um eine weitere kleine aber feine Wiesbadener Sehenswürdigkeit mitzunehmen, nämlich die Leichtweißhöhle:
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Bild #79: Leichtweißhöhle

Die Leichtweißhöhle ist nach Heinrich Anton Leichtweiß benannt, einem Wilddieb, der sich hier von 1789 bis 1791 versteckt gehalten hat, bevor einige Waldarbeiter den Rauch aus der Höhle entdeckten und er fliehen musste. Spannende Geschichte, sowas lasse ich mir natürlich nicht entgehen, also schaue ich natürlich auch mal rein.
Am Eingang begrüßt mich ein freundlicher älterer Herr, der mir kurz die Geschichte vom „Räuber Leichtweiß“ erzählt (und auch noch darauf hinweist, dass Leichtweiß eigentlich gar kein so übler Kerl war, vor allem im Vergleich mit einigen anderen Räubergestalten wie z.B. dem Schinderhannes) und dann netterweise auch gleich noch eine Cola verkauft (der Eintritt in die Höhle selbst ist frei, aber man kann was spenden, das mache ich natürlich auch).
Dann steige ich hinab, in die schummrige, kühle Räuberhöhle, die schon irgendwie recht klaustrophobisch und unkonfortabel wirkt, obwohl sie seit Leichtweiß´ Zeiten erweitert worden ist:
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Bild #80: Die gut´ Stubb vom Leichtweiß

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Bild #81: Der Hauptgang mit dem verräterischen Kamin. Links oben befindet sich eine Felsnische, die Leichtweiß als Bett gedient haben soll

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Bild #82: Cola in der Räuberhöhle.
Heute guck´ ich wirklich ziemlich dämlich auf den Fotos…

Nachdem ich mich ausgiebig umgeschaut und die Cola vernichtet habe, verlasse ich die Höhle und mache mich wieder auf den Weg.
Von nun an muss ich einfach nur noch das Nerotal runterlaufen, das ist wunderbar unkompliziert, auch wenn sich´s noch ein ganzes Stückchen zieht.
Unterwegs komme ich ein zweites Mal an den Bulldoggen vorbei, die mich während der Höhlenbesichtigung offenbar wieder überholt haben…
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Bild #83: Unter Bulldoggen

…und dann geht´s einfach immer weiter, gaaaaanz sanft bergab das lange Nerotal hinunter…
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Bild #84: Nerotal

…vorbei am Denkmal für einen gewissen Dr. Carl Koch und ein paar Sportanlagen (Hockey, Tennis), bis schließlich wieder die Bögen der Nerobergbahn in Sicht kommen und die beginnende Stadt ankündigen:
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Bild #85: Nerobergbahn

Da ich nicht auf demselben Weg zurücklaufen will, den ich vorhin hergekommen bin (also durch den Park im unteren Nerotal), biege ich hier rechts ab und folge der Bergbahnbrücke nach Süden…
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Bild #86: Nerobergbahnbrücke als – leicht verzerrtes – Panoramabild

…laufe an der Talstation vorbei und biege dann links in die Wilhelminenstr. ein .
Auch wieder Villenviertel, wirklich beeindruckend, was hier für prächtige alte Wohnhäuser stehen:
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Bild #87: Z.B. das hier

In grob östlicher Richtung an den großen Prachtbauten und ihren überwiegend gepflegten Gärten vorbei, hinter denen immer mal wieder der Neroberg in Sicht kommt…
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Bild #89: Blick von der Wilhelminenstr. auf den Wingert am Neroberg und das Opel-Bad

…bis ich nach ca. 450 m. einen Verkehrkreisel erreiche, den ich überquere und kurz darauf rechts in die etwas weniger exklusive Keplerstr. einbiege und schließlich die Johannes-Maaß-Str. erreiche.
Hier geht´s kurz an einem alten Mäuerchen entlang, dann links in den Freizeitpark Alter Friedhof, der – wer hätte das gedacht – sich in der Tat als alter Friedhof UND neues parkähnliches Stadtherholungsgebiet mit Wiesen sowie Spiel- und Grillplätzen herausstellt.
Ehrlich gesagt ein etwas ungewöhnliche Anblick, diese alten Grabsteine…
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Bild #90: Grabsteine im „Alten Friedhof

…und Denkmäler…
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Bild #91

…direkt neben grillenden und federballspielenden Großfamilien.
Aber das scheint niemanden zu stören…
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Bild #92: Die Parkbewohner haben offensichtlich andere Sorgen, wie z.B. die Frage, wo genau sie nochmal ihre verdammten Nüsse versteckt haben 😀

…also hey, warum nicht?

Ich laufe links, einmal halb durch die Parkanlage, dann durch ein breites Tor an die Platter Str., links, an einer großen, hellen Kirche vorbei…
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Bild #93: Maria-Hilf-Kirche

…dann nur noch schnell Kastellstr. hinunter, und schon bin ich auch schon wieder in der recht steil abfallenden Röderstr….
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Bild #94: Röderstr.

…in der ich noch schnell einen kleinen Schlenker laufe (um sicherzustellen, dass die heutige Tour auch mit dem Rest des Streckennetzes verbunden ist), und schließlich zufrieden und gar nicht so richtig erschöpft am Ausgangspunkt in der Feldstr. ankomme.

Das war richtig schön
Wiesbaden ist wirklich eine tolle, wunderschöne Stadt, in der´s unheimlich viel zu entdecken und erlaufen gibt.
Dazu dann noch das absolute Kaiserwetter und ganz viel gute Laune – so und nicht anders sieht eine richtig gute Tour aus!

Strecke: 22,5 km
Zeit: Jaja 😉
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 98,67% (22,2 km von 22,5 km)
Karte:
Wiesbaden, Neroberg & Platte

M.

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8 Antworten to “Wiesbaden, Neroberg und Platte – mit Fotos (22,5 km)”

  1. Evchen Says:

    Ok. *sortiermich*

    Erstmal noch kurz zu den Wahlen. Ich finde, jeder hat schon einmal Absolution so er denn überhaupt erstmal wählen geht. Über die Farbe…kann man sich bekanntlich streiten.

    Wiesbaden ist ja echt der Hammer! Ich liebe historisches Allerlei! *schwärm*
    Ich will dahin, sofort! *grrr*
    btw Kennst Du den Drachenfels in Königswinter?

    Das Jagdschloß finde ich genauso befremdlich wie den Reichstag. Dat paßt ned!

    Die Löwen erinnern mich unplausiblerweise an Herrn Ende. Vor den Sphinxen hatte ich als Kind Mörderschiß! 😉

    Du siehst mit ein wenig längerem Kopfhaar übrigens… nee, andersrum: wenn Du die Haare so gaaanz kurz hast, wirkst Du ein wenig blaß, finde ich.

    Uhund, daß Du vor den Denkmälern langsam gemacht hast/die Mütze abgenommen hast, empfinde ich persönlich als noble Geste.
    Das gleichst Du aber ja direkt wieder durch Dein Über-Mauern-Klettern aus. *blödel*

    Zu guter Letzt: Du magst auch Star Wars? *jippie*

  2. matbs Says:

    Politik: Sorry, ist unter dem Eindruck der Wahlen mit mir durchgegangen und gehört wirklich nicht hierher.
    Auf jeden Fall hast du Recht damit, dass das knappe Drittel vom Wahlvolk, das daheim geblieben ist, sich absolut nicht mit Ruhm beckleckert hat…
    (Ob man sich allerdings ernsthaft über die politischen Farben streiten kann, darüber kann man sich glaub´ ich streiten… 😀 ).

    Wiesbaden: Jep. Als jemand, der eigentlich mehr der Rivalin auf der anderen Rheinseite verbunden ist, sag ich das bestimmt nicht leichtfertig: Wiesbaden ist eine unheimlich schöne Stadt, die auf jeden Fall einen Besuch wert ist.
    Und dabei übrigens überhaupt gar nicht weit weg vom Mittelrhein… 😉

    Den Drachenfels kenne ich leider nicht, im Siebengebirge war ich glaub´ ich überhaupt noch nie.
    Aber das kann (und sollte) man ja vielleicht irgendwann nochmal nachholen…

    Haare: Einmal im Jahr gibt´s die Glatze, das mach ich seit dem Abi so, und da wird erstmal auch nix dran geändert.
    Dazwischen lass ich sie ja wieder gaaaanz lang rauswachsen, so wie auf den Fotos oben im Bericht… 😀

    Echt, du hattest Angst vor den Sphingen?
    Sachen gibt´s.
    Ich hab´ mich ja immer viel mehr vor Gmork gefürchtet, der war richtig gruselig (allerdings bin ich drüber weg, spätestens seit ich mit einer Gmork-artigen Bestie befreundet bin – wenn du dem Schrecken deiner Kindheit erst mal dabei zugeguckt hast, wie er mit lächerlich raushängender Zunge schnarchend auf dem Rücken liegt und dabei leise vor sich hinfurzt, ist der Nimbus der Bedrohung irgendwie weg :lol:)

    Bei Mahnmälern, Friedhöfen und Sakralbauten versuche ich immer, respektvoll zu sein.
    Gehört sich einfach so.
    Mauern versuche ich hingegen immer zu umgehen, nur wenn es keine validen Alternativen gibt, lasse ich mich auch mal dazu herab (bzw. herauf), sie zu überklettern. 😆

    Und ja, wie jeder normale Mensch mag ich Star Wars, wenn auch nicht alle Teile gleich.
    Und natürlich hasse ich Jar-Jar Binks, aber das versteht sich ja von selbst…
    In diesem Sinne:
    „Das sind nicht die Droiden, die ihr sucht“
    😀

  3. Hannes Says:

    Och Mensch, bei meinem eigenen „Wahl-Lauf“ habe ich schön daran gedacht, dass du nun auch sicherlich deinen Lauf zur Wahl gemacht hattest, und nun werde ich so enttäuscht, dass du wo anders unterwegs warst – tz! 😀

    Aber die Bilder zeigen, ja doch, es ist genehmigt. Schön hattest du es, auch wenn ich noch immer nicht so glaube, dass du da einfach so über die Mauer geklettert bist und hier auch noch deine Schandtat verkündest und mit Fotos beweist …

    … und was du schon wieder so alles auf deinem Weg erlebt hast – Wahnsinn. Auf den 22 Kilometern würde ich hier froh sein, wenn ich mehr als eine handvoll Orte besuche, von solchen Sehenswürdigkeiten ganz zu schweigen 😀

  4. matbs Says:

    Sorry, beim nächsten Mal mach ich´s dann wieder. 😉

    Ob das mit der Mauer eine Schandtat war weiss ich jetzt gar nicht, schließlich war das untere Tor des Weinbergs offen und der Weg schien mir öffentlich zugänglich.
    Kann mich aber auch irren…

    Das mit den Sehenswürdigkeiten ist ja eigentlich klar, schließlich ist das Stadtgebiet von Wiesbaden mehr als zehnmal so groß wie Langeoog, da passt halt so Einiges rein! 😉

  5. XYZ Says:

    Hallo Matthias, wunderschöne Strecke, toller Bericht mit hübschen Fotos. Vielen Dank mal wieder fürs Mitnehmen, hat Spass gemacht!! Es braucht halt meistens ein bisschen Zeit bis ich mich so durchgelesen u. die Bilder angeschaut habe, aber ich sage immer wieder, es lohnt sich.
    Sehe gerade oben du bist indisponiert dann auf jeden Fall schnelle u. gute Besserung.

  6. matbs Says:

    Bitte, bitte, hat ja auch Spaß gemacht,die Strecke abzulaufen/zu fotografieren… 😉

  7. s.w.saltuari Says:

    habe mit interesse und vergnügen den wanderbericht gelesen, auch weil ich mit einer wandergruppe in 2010 in diesm gebiet unterwegs bin. Sehr gut!!! weiterhin viel spaß und freude beim wandern und erstellen solcher guter berichte s.w.saltuari

  8. matbs Says:

    Lieber Herr Saltuari,

    vielen Dank für den netten Kommentar, über den ich mich sehr gefreut habe.
    Der Taunus hinter Wiesbaden ist auf jeden Fall einen (oder viele) Ausflüge wert, wirklich eine wunderschöne Gegend.

    Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Erwandern.

    PS: Übrigens bin ich die Strecke gejogged, nicht gewandert… 😉


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