Raus aus der Erkältung, rein in den Odenwald: Kuralpe – Lützelbach (11,3 km)

6. Oktober 2009

„Ok, eine Woche Erkältungspause, das reicht jetzt“, hab´ ich gestern gedacht, und mir fest vorgenommen, nachmittags mal zu probieren, ob es trotz dem noch etwas rauhen Hals, dem noch sanft fließenden Rotz und dem leichten Hustenreiz nicht wieder mit einem kurzen Läufchen hinhaut.
Aber dann ist der Dauerregen vorbeigekommen und hat sich für den Rest Tages wohnlich an der Bergstrasse eingerichtet.
So blöd, dass ich mit einer noch nicht ganz überwundenen Erkältung bei so´nem Wetter laufen gehe, bin ich dann doch nicht.
Also hab´ ich´s noch mal einen Tag nach hinten geschoben, auf heute.

Da war sowieso Essengehen mit der Verwandschaft im Odenwald angesagt, und sowas ist ja eh immer ein guter Grund, um ein bisschen laufen zu gehen…


Verabredet waren wir im Gasthaus Birkenhof in Lützelbach, unterhalb der Neunkircher Höhe.
Von zuhause aus hinzulaufen wäre mir definitiv noch zu weit und zu anstrengend gewesen, deswegen bin ich von der Kuralpe aus gestartet. Die ist doch ein Stück weiter drin im Odenwald und vor allem liegt sie ordentlich hoch, da spart man sich den ersten harten Anstieg von der Ebene ins Bergland.
Genaue Strecke hab´ ich keine gemacht, nur einen groben Plan – irgendwie auf neuen Wegen durchs Modautal bis nach Lützelbach, das würde schon hinhauen.

Liess sich halbwegs durchaus passabel an: Die ersten Meter von der Kuralpe die Hutzelstr. hinauf (Weisses Andreaskreuz/Roter Balken) klappten ganz passabel, trotz einwöchiger Pause, leichtem Hustenreiz und etwas schweren Beinen.
Bloß das Wetter nervte etwas, weil grau und trüb und mit 18 Grad und extrem hoher Luftfeuchtigkeit (die nicht so ideal ist, wenn man noch etwas angegriffene Atemwege hat) schwülwarm – das störte doch ein bisschen, vor allem weil ich mich extradick eingepackt hatte: Langes Shirt, Lange Leggins, Weste, Nackenwärmer um den Hals.
Better safe than sorry, wegen der Erkältung und so…

Also aufwärts, auf dem bequemen, sanft ansteigenden Asphaltweg der südlichen Hutzelstrasse durch die herbstlichen Hangweiden zwischen Felsberg und Steigerts. Landschaftlich sehr hübsch (wie immer), auch wenn ich mir ein bisschen Sonne gewünscht hätte – aber die war leider aus (immerhin waren sowohl das Wetter als auch meine Laune etwas freundlicher als vor drei Wochen, als ich hier zum letzten Mal vorbeigekommen war und alles furchtbar leer und öde empfunden hatte).

Nordwärts, rechterhand mit Blick übers Modautal zum Ziel (noch ein ganz schönes Stück bis rüber an die Neunkircher Höhe), links mit Aussichten in die diesige Rheinebene, über der teilweise noch die Sonne schien.
Nach knapp 1,5 km durch den Wald am Steigerts (nun wieder etwas bergab, angenehm), vorbei am Naturparkplatz Hutzelstr. und über die L3098 zwischen Ober- und Schmal-Beerbach, dann rechts ab und auf dem Tannenweg (gelbe 2) langsam aber sicher abwärts, runter ins Modautal.

Inzwischen war ich doch ziemlich froh darüber, mich extradick angezogen zu haben, denn hier oben ging ein ziemlich kalter Wind und ich war nass geschwitzt (vor allem wegen der Resterkältung – selbst mit kurzer Hose und kurzem Shirt wäre ich wahrscheinlich genauso geschwitzt, und dann hätte der Wind mir so richtig übel mitgespielt…).

Vorbei am einsamen Seegerhof zwischen Wald und Hangweiden (verfolgt vom Kläffen der Hofhunde), dann auf dem Weg M1 einen etwas holprigen Weg am Rand einer Wiese hinab, kurz rechts hoch, dann wieder links und weiter abwärts, einen unmarkierten Feldweg runter, auf dem ich nach bequemem Abstieg durchs herbstliche Weideland am Hang über dem Schmal-Beerbacher Tal schließlich Allertshofen erreichte.

Durch den Ort wollte ich nicht, da war ich ja schon ein paarmal durchgelaufen, also entschied ich mich für einen unmarkierten Weg durch die Weiden am Hang über den letzten Häusern.
Kleiner Aufstieg (ach du je, bergauf klappte wirklich gar nicht gut), dann über Allertshofen (das aus dieser Perspektive sehr hübsch und idyyllisch aussieht) nach Nordwesten, bis der Weg schließlich nach einem halben Kilometer doch wieder rechts runter abknickte und mich kurz vor dem nördlichen Ortsende runter an die Dorfstr. „Alt Allertshofen“ brachte.

Hier links, am Rand der Strasse durch die fünfzig unbebauten Meter zwischen Allertshofen und dem Nachbardörfchen Hoxhohl, in dem ich der Strasse „Alt Hoxhohl“ nach rechts in Richtung Brandau folgte.
400 m., bis zur Sägemühle am Ortsausgang.

Eigentlich hatte ich vorgehabt, von hier aus an der L3099 weiter bis Brandau zu laufen, aber vor Ort entschied ich mich um – wieder mal so ein enges, gewundenes Strässchen durch den Wald, ohne Seitenstreifen oder Radweg, da hatte ich heute keine Lust drauf.
Stattdessen versuchte ich mein Stück mit einer scharfen Linkskurve auf einen schmalen Weg, der durch den Wald an der steilen Talwand hinauf zum Hoxhohler Friedhof führte.
Auch hier wieder: Anstrengend.
Für bergauf fehlte es mir heute einfach noch an Kraft und Puste (blöde Erkältungsformdelle!), obwohl der Anstieg weniger steil als befürchtet war, musste ich ein Stück gehen, mehr war einfach nicht drin.

Am örtlichen Mahnmal für die Kriegstoten und dem kleinen, von einem verwitterten Mäuerchen umgebenen Friedhof vorbei, bis ich den Waldrand erreichte, dann kurze Orientierungspause.

Links und hinter mir: Talwärts nach Hoxhohl – wollte ich nicht.
Geradeaus wäre ich von hier aus auf die kleine Hochebene zwischen Hoxhohl und dem Johannisberg gekommen – nicht falsch, aber da war ich schon oft genug gelaufen.
Also entschied ich mich für „Rechts“.
Laut Wanderkarte gibt´s dort einen Trampelfpad, der am Waldrand durchs Weideland führt. Vor Ort konnte man zwar keine eindeutigen Anzeichen für die Existenz eines solchen Pfads erkennen, aber auch keine dagegen.
Also probierte ich´s und folgte dem Waldrand nach Osten, auf etwas, was entweder einfach nur eine gut laufbare Wiese oder eben ein kaum noch erkennbarer Trampelfpad war.

Nach ein paar hundert Metern war Schluss.
Definitiv kein Pfad mehr.
Stattdessen: Wiese zu Ende, dahinter mehr Wiesen, allerdings abgetrennt durch einen klickenden Elektrozaun.
Na super, wieder mal mitten in der Pampa, ohne Weg und Steg…

Wie üblich in solchen Situationen wollte ich natürlich nicht zurück, also versuchte ich´s mal rechts im weglosen Wald, irrte ein bisschen den Hang runter bis in Sichtweite der Zivilisation („Oh, ein Haus“), musste jedoch kurz davor abknicken (Durch den 10 m. breiten Streifen undurchdringlichen Dornendickichts am Hang, der zwischen dem Haus und mir prangte, wollte ich nicht unbedingt durchwaten), und fand mich dann schließlich doch wieder auf einer anderen Weider wieder, nachdem ich standesgemäß unter einem weiteren Elektrozaun durchgekrochen war (knapp am größten Kuhfladen des Odenwalds vorbei. Puh.), um überhaupt wieder aus dem Wald rauszukommen.

Auf der eierte ich dann erstmal grob (weil nur halb orientiert) ostwärts, bis ich auf so etwas wie einen schlammigen „Weg“ stiess, auf dem der Bauer vermutlich die Wassertonnen für seine Kühe an- und abfährt.
Dem folgte ich ein Stück bis zum nächsten Elektrozaun.
Der klickte wenigstens nicht, also konnte ich mich dieses Mal mutig drunter durchducken, ohne aus Furcht vor Elektroschocks gleich auf den Hosenboden zu sinken…

Direkt dahinter erwartete mich etwas, was man mit einem bisschen guten Willen (alternativ auch: Mit einem bisschen positiv-optimistischem Realitätsverlust) durchaus als sowas ähnliches wie einen Feldweg bezeichnen konnte, den nahm ich und erreicht kurz darauf dann den Weg, der vom Mandelberg runter an die L3099 am Wiesenhof führt (sogar markiert, mit ´nem weißen V).
Damit war ich wieder auf Kurs (und ordentlichem Untergrund, ohne rutschige Schlammlöcher, Kuhscheisse und Elektrozäune. Yaaay.)

Kurz rechts abwärts, dann links, auf einen hübschen umarkierten Weg, der zwischen kuhgefüllten Weiden und den Schilfdickichten des Modauufers ostwärts gen Brandau führte.
Relativ ebenerdig, aber selbst das war inzwischen recht anstrengend, dank der erkältungsbedingten Formschwäche (die klammen, schweren, schweissgetränkten Klamotten halfen auch nicht wirklich).

Kurz vor Brandau eine kleine Steigung hoch auf den Weg mit dem blauen Balken (ein Stück davon wieder gehend, ächz), weiter bis zum einsam über dem Ort gelegenen Brandauer Friedhof, dort dann links auf den Alemannenweg (rotes S), der aufwärts ins (laut einem Wegweiser vor Ort) noch 2,2 km entfernte Lützelbach führt.

Inzwischen war ich nicht nur klatschnaßgeschwitzt, auch meine Beine muckten ordentlich, und so richtig viel Puste hatte ich auch nicht mehr. Schlimm, wie unfit einen so eine einwöchige Krankheitspause machen kann. Aber was willste machen?
Also weiter, am Friedhof vorbei gen Lützelbach.
Erst fast eben durch die Felder über Brandau.
Ging halbwegs.

Dann am Waldrand bis zur einer Ansammlung von Kleingärten oder sowas, minimale Steigung.
Ging viertelwegs.

Um die Kleingärten rum und hoch in den Wald, auch nicht wirklich steil, aber für heute mehr als steil genug.
Ging gar nicht.
Nach ein paar Metern war die Puste weg, die Beine wollten auch nicht.
Also wieder ein bisschen gehen, bis zum Waldrand oberhalb der Strasse zwischen Brandau und Lützelbach.

Dort dann noch mal links hoch, einen seltsamen Schlenker am Wald entlang auf dem Weg L3 (eijeijei…), dann endlich abwärts, durch die Wiesen runter nach Lützelbach. Auch hier ging ich wieder, allerdings ausnahmsweise mal nicht wegen meiner miesen Tagesform, sondern wegen der großen Kuhherde rechts des Weges, die in Stampede-artige Unruhe verfiel, sobald ich mich schneller als im Schritttempo bewegte.
Unberechenbar rumtrabende Bovinen machen mich nervös, also achtete ich darauf, jaaaaa keeeeeineeeeee haaaastigeeeeen Beeeweeeeguuuungeeeen zuuuu maaaacheeeen, während ich mich an der Weide vobreischlich, unter ständiger halbpanischer Beobachtung von 20 Paar mißtrauischen Kuhaugen.
Direkt dahinter dann Lützelbach und der Birkenhof und damit Ziel, Cola, Essen, Sitzen und – fast am willkommensten – die Gelegenheit, sich endlich aus den klatschnassen, klebrigen Klamotten zu schälen.

Heidenei…
Einerseits schön, so langsam wieder in die Gänge zu kommen, hat irgendwie gut getan.
Andererseits aber auch viel anstrengender, als so eine kurze, relativ leicht zu bewältigende Strecke eigentlich sein sollte – offensichtlich hat die Erkältung doch arg viel Kraft und Puste gekostet, die jetzt erstmal wieder zurückgewonnen werden wollen.
Da werd´ ich diese Woche wohl oder übel noch ein bisschen langsam machen müssen..

Strecke: 11,3 km
Zeit: 1:15 h (= 9,04 km/h bzw. 6:38 min/km)
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 63,45% (7,17 km von 11,3 km)
Karte:
Kuralpe - Lützelbach

M.

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4 Antworten to “Raus aus der Erkältung, rein in den Odenwald: Kuralpe – Lützelbach (11,3 km)”

  1. Evchen Says:

    Ähm Matthias?
    Ich habe irgendwie gerade gut Lust, Dir virtuell mal in den Allerwertesten… Nee, ganz so doll auch nicht, aber ich bin ein wenig besorgt, ob das wirklich schon das Richtige ist, wieder auf die Piste zu gehen.
    Ich weiß, man selbst weiß, was man sich zutrauen kann und von außen betrachtet wirkt Vieles doller, als es ist…lala. Aber, bitte: Hör auf Deinen Körper und mach zumindest zart. Geht das? *geknätschtbesorgtguck*

    • matbs Says:

      Ach, mein Körper, der is doch ´ne alte Piense, wenn ich auf den hören würde, dann würden wir den lieben langen Tag auf der Couch hocken und Chips und Schokolade in uns reinstopfen… 😆

      Nein, aber im Ernst: Der Zeitpunkt zum Wiedereinstieg war zwar früh, aber er war richtig.
      Zum Einen weil´s gut getan hat, von wegen Kopf frei und so.
      Und zum anderen, weil ich gerade jetzt in der Übergangszeit nicht gerne zu lange pausiere – je länger man wartet, um so schwieriger wird´s bei trübem Wetter und Regen und Kälte, wiedereinzusteigen.
      Dann lieber dranbleiben.

      Außerdem hatte ich ja das Handy dabei und wusste, dass die Verwandschaft mit dem Auto ungefähr denselben Weg nehmen würde wie ich zu Fuß (mal abgesehen von den Querfeldeinpassagen…). Von daher hätte ich mich gut aufsammeln lassen können, wenn´s gar nicht gegangen wäre. 😉

      Also alles tofte! 🙂

  2. Evchen Says:

    Oje, das liest sich ja jetzt wie… Ach, ich wollte nicht zu „mütterlich“ rüberkommen. Besser Dich, äh gute Besserung. 😉

  3. matbs Says:

    Zu spät, jetzt isses passiert.

    Tssk, jetzt muss ich mich schon von irgendwelchen halbwüchsigen U-30-Frolleins bemuttern lassen… 😀


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