Mit dem Hund bei Nebel und Regen um den Melibokus (12,8 km)

8. Oktober 2009

Uuuääh.
Dauerregen.
Draußen ist´s grau und feucht und eklig und unschön – genau die Art von trübem, drögen Herbsttag, die ich überhaupt nicht leiden kann (just for the record: Die Art von Herbsttag, die ich leiden kann, ist bunt und sonnig und warm, und hell und strahlend statt trüb noch dröge).

Entsprechend hab´ ich auch sowas von keine Lust – selbst ohne die allerletzten Erkältungsrückstände im System würd´ ich mich bei diesem Wetter am liebsten drücken.
Aber das geht nicht.
Schließlich muss ich nach der kleinen Krankheitspause wieder reinkommen, bevor der Schlendrian einkehrt.
Also: Raus in den drögen Regen und laufen.
Mrrhh..


Kein vorher geplante Strecke, das ist was für die Kür.
Heute ist Pflicht, da lauf´ ich nicht weil ich mir Spaß oder Entdeckungen erwarte, sondern einfach nur so. Da braucht´s kein Plänchen.
Einfach hoch in den feuchten, dunklen, tropfenden Wald hinterm Haus und schauen, wo´s einen hinverschlägt.

Immerhin muss ich nicht alleine starten – trüb und feucht und nicht zu warm, das ist gutes Wetter für den Hund, also schnapp´ ich mir Nemo beim Loslaufen und nehm´ ihn kurzerhand mit.
Er freut sich riesig, dass seine Sommerpause vorbei ist (nicht so riesig freut er sich über den Regen, den mag er nämlich auch nicht so…).

Wir laufen in den Wald hoch, auf dem Burgenweg durchs untere Darsbergtal, hinauf zum Merckschen Wasserturm, dann den Pürschweg runter in Richtung Balkhäuser Tal und schließlich rechts den Melibokusweg hoch, der sich an der Ostflanke des Berges an den Seitentälern aufwärts windet.

Von der Physis her klappt´s schon wieder deutlich besser als beim letzen Mal, die erkältungsbedingte Schwere und Kurzatmigkeit, die mir vorgestern noch richtig zu schaffen gemacht hat, ist inzwischen schon wieder weitgehend weg, Tempo und Schrittfrequenz sind trotz der Steigung relativ zügig.
Macht keinen echten Spaß (wie auch, an so einem häßlichen Tag), aber es ist auch nicht wirklich unerträglich.
Für „Pflicht“ schon mal ganz gut.

Und zumindest einen kleinen Lichtblick gibt´s, nämlich den Hund.
Der ist nämlich mit Feuereifer bei der Sache.
Man kann richtig sehen, wie er sich freut, mal wieder mitlaufen zu dürfen, selbst wenn ihm der Regen nicht besonders schmeckt.

Eigentlich ist Nemo ja nicht so richtig gut erzogen – wenn wir normal spazieren gehen, dann trödelt er gerne mal, mäandert von Wegrand zu Wegrand, überhört auch mal einen Pfiff, macht sein eigenes Ding (ist halt ein Terrier, die haben einen eigenen Kopf und viel Charakter. Nicht immer einfach, aber mir persönlich lieber als ein treudoof-devoter Retriever… 😉 ).
Wenn wir zusammen laufen, ist das anders – da ist er auf einmal hochkonzentriert bei der Sache, lässt sich nicht ablenken, bleibt in der Nähe (ohne mir in die Beine zu geraten), hält mein Tempo (das für ihn eine seltsame Mischung zwischen Trab und Galopp bedeutet). Wenn wir eine eine Abzweigung kommen, wartet er, bis er weiss, wo wir hinwollen, vor uneinsichtigen steilen Kurven brauche ich ihm nur ein leises „langsam“ zuzurufen, dann er lässt sich zurückfallen und überlässt mir den Vortritt (das ist mir wichtig, denn man weiss hier oben nie, ob sich nicht gerade ein entgegenkommender Mountainbiker anschickt, mit rückichtslos überhöhter Geschwindigkeit um die Kurve zu brettern – da ist es mir lieber, wenn ich vorne bin).
Das klappt richtig prima mit uns, trotz der Sommerpause sind wir ein richtig eingespieltes Team, und das, ohne dass wir jemals dafür hätten trainieren müssen. Das klappt einfach von alleine, und macht mich immer ein bisschen stolz, dass ich so einen coolen Hund habe… 🙂

Nach langem Aufstieg erreichen wir die Darsberghütte, da wir beide noch relativ fit sind (und inzwischen so eingesulcht, dass es eh keinen Unterschied mehr macht), laufen wir einfach weiter bergauf, links den Pürschweg hoch in Richtung Melibokus.
Hier oben lässt der Regen etwas nach, allerdings vor allem deshalb, weil nun voll in die Wolken geraten, die sich um den Melibokusgipfel herum angesammelt haben. Mit jedem Schritt wird´s nebliger und dampfiger, bis wir schließlich durch eine wattige, tropfende Zwischenwelt laufen, in der die Sichtweite deutlich unter 50 m. liegt und die Luftfeuchtigkeit an der 100%-Marke kratzt (nicht so ideal für den noch etwas hustigen Rachen…).

Als wir den Fahrweg zum Melibokus erreichen, entscheide ich auf eine Gipfelumrundung (hoch müssen wir heute nicht, Aussicht gibt´s eh keine). Also folgen wir dem feuchten Asphalt aufwärts bis zur nächsten Serpentine, wo wir dann geradeaus durchlaufen und auf Nibelungensteig/Alemannenweg bzw. dem obersten unmarkierten Schlammpfädchen einmal ganz um den Gipfel herumlaufen. Hier lichtet sich der Nebel etwas, auch der Regen hört auf, hin und wieder kann man zwischen den Bäumen den gelblichen Schimmer am Himmel jenseits der Rheineben erkennen, wo die Sonne sich langsam darauf vorbereitet, durch den schmalen Spalt zwischen Wolken und Horizont zu tauchen und unterzugehen (übrigens ein interessanter Anblick, denn hier sind wir ÜBER den extrem tief hängenden Wolken, die auf auf halber Höhe am Berg hängen und die Sicht runter zur Bergstrasse blockieren).
Ein Stück unterhalb der Stelle, wo der Pürschweg auf die Melibokusstrasse triffe, wechseln wir auf den unmarkierten Serpentinenweg, dem über dem alten Steinbruch bis runter zur Schutzhütte am Erlengrund folgen.

Von hier aus geht´s zurück nach Norden, auf Hoboken-Weg (gelbe 4) abwärts an die Hoboken-Hütte, wechseln rechts auf den Geisbergkopf-Weg bis zur Wegscheide am oberen Ende des Sperbergrundtals, wo wir uns dann endgültig auf den Rückweg machen und dem Jossaweg (gelbe 8) folgen.
Der geht erst nochmal ein Stück stramm bergauf, ums Hasselbachtal rum (erste leichte Ermüdungserscheinungen bei Hund und Herrchen, aber noch geht´s), dann unterhalb der Ruine Josse zurück ins obere Darsbergtal.

Inzwischen ist die Sonne untergegangen, der regennasse Wald versinkt langsam aber sicher in der Nacht, durch die Bäume hallt der hohle Ruf irgendeiner großen Eule (als meine Mutter ein Kind war, haben ihre Großeltern ihr erzählt, dass das hier oben der „Eulenwald“ ist, wo ganz besonders große Eulen leben sollen – anscheinend ist da was dran…) – da lasse ich Nemo doch lieber wieder vorneweglaufen, schließlich ist er auch nicht größer als ein Feldhase, und ich will ja nicht, dass er als Futter für einen kurzsichtigen Uhu endet… 😀

Dem Darsbergtal müssen wir dann nur noch bergab folgen, durch das graue restlicht der schwindenen Dämmerung bis zum Waldrand, dann die letzten Meter runter nach Jugenheim, wo die gelben Strassenlaternen bereits einen warmen und heimeligen Schein verbreiten.

Pff. Jooa.
Pflicht eben, nicht besonders dolle oder spaßig, aber zumindest war ich laufen.
Ein bisschen Stolz bin ich allerdings auf Nemo, der die fast 13 km richtig gut mitgelaufen ist und weggesteckt hat – stramme Leistung für einen kleinen Kerl mit Stummelbeinchen und einem halben Jahr trainingsrückstand.

Strecke: 12,8 km
Zeit: Nicht genommen
Neue Strecke: Keine
Karte:
Hund, Nebel, Melibokus

M.

Advertisements

20 Antworten to “Mit dem Hund bei Nebel und Regen um den Melibokus (12,8 km)”

  1. Hannes Says:

    Huch, das kannst du also auch nicht? Einfach so blind drauf loslaufen? Und dazu noch Dauerregen – was wünscht man sich denn noch mehr? ;P

    Toller Lauf von Nemo!

  2. matbs Says:

    Hmm, also mir würde da schon ein bisschen was einfallen, was ich mir mehr wünschen würde… 😀

    Nemo bedankt sich!

  3. An-Kas Says:

    Oh, so einen Begleiter würde ich mir auch wünschen!
    Gibt’s hier irgendwo ein Bild von Nemo? (Nicht, dass er dir hier die Show stiehlt, aber interessiert mich halt, was das wohl ein Terrier ist. Jack Russel?)
    Viele Grüße, Anke

    • An-Kas Says:

      Oh danke für die detaillierte Info. Da hast du dir ja echt Mühe gegeben!
      Ist ja ein goldiges Kerlchen der Nemo, und ich finde ihn auch gar nicht spießig…
      😉
      Aber jetzt bewundere ich ihn um so mehr, denn er sieht gar nicht so sportlich aus und hat nur so kurze Beinchen…

      LG, Anke

      • matbs Says:

        Bitteschön! 🙂

        Und sooviel Mühe war´s jetzt auch nicht, schließlich gibt´s ja die praktische Tag-Funktion… 😉

        Und natürlich hast du vollkommen recht: Der Nemo ist gar nicht spießig. Jawollja! 😀

  4. Evchen Says:

    Also (Nemo, lies mal ganz kurz weg, bitte Süßer.), Nemo ist ja derart spießig, rein optisch natürlich, daß er an Deiner Seite schon wieder kultig inszeniert wirkt. *frechgrins*
    Feine Sache das, daß es Dir besser geht. 🙂

    Nemoschatz, das hast Du ganz toll gemacht! Ich bin stolz auf Dich. Das war ja praktisch ein Hundemarathon. Respekt! Und streckenweise noch vor den Wenigbehaarten gesetzt!

    • matbs Says:

      Hörmma, Eva, ich mach´ dir ´nen Vorschlag:
      Du beleidigst meine Familie nicht mehr, dafür verzichte ich darauf, deine zu beleidigen.
      Klingt doch fair, oder? 😉 😀
      (Also echt! Warum ist mein Hund denn bitteschön „spießig“? Weil er nicht so stupsnäsig und glubschäugig ist wie die wuschelige Asia-Ratte von deiner Mutter oder was? Pfft! Du hast doch gaaaaaaar keine Ahnung… :D)

      Abgesehen davon: Dass Nemo vorneweg läuft ist zumindest am Anfang kein Wunder, denn er ist ein wesentlich besserer Sprinter als ich. Meine bessere Ausdauer wird erst nach ein paar Kilometern zum wichtigen Faktor… 🙂

      PS: Und wen nennst du hier eigentlich „Wenigbehaart“.
      Nicht vergessen: Ich bin sowas wie der ewige Single, da gibt´s keinen Grund, regelmäßig die Rückenhaare zu rasieren… 😆

  5. Christian Says:

    Soso, Matthias, kaum ist die Hitze weg, wird „Fiat Panda“ aus dem Keller geholt. Sag ihm Mal nen schönen Gruss von mir.
    Übrigens, dass Nemo den Regen nicht mag liegt wohl nur an Dir, scheint anerzogen 😎

    Salut

    • matbs Says:

      Ganz recht, so läuft das hier.
      Zumal ich bei beschissen-trübem Herbstwetter ja sowieso jede Motivationshilfe gebrauchen kann, da kommt mir der Hund (der ja sowieso raus mus) gerade recht.

      Anerzogen ist bei Nemo allerdings gar nicht, dass ist nur der gesunde Hundeverstand, der sich da regt. 😀

      Außerdem: Schön von dir zu hören, ich hoffe, bei dir ist alles wieder ein bisschen ok-er als vor ein paar Wochen.

  6. Evchen Says:

    @An-Kas: Du traust Dich ja nur nicht! 😛

    @Matthias: Dann wird`s aber so öde und ich habe nicht nix, aber zumindest weniger zu schmunzeln. Willst Du das? 😉

    • An-Kas Says:

      @Evchen:
      Jawoooohl traue ich mich…
      Für mich fängt zwar auch ein Hund erst richtig ab Kniehöhe an, aber der hier ist süß. Und wenn so ein kurzes Kerlchen so viel läuft, hat es meine Bewunderung ohnehin sicher!!! 😉

    • matbs Says:

      Eva: Ok, wenn du das brauchst…
      Aber dann äußere dich doch bitte despektierlich über meine Eltern oder Großeltern, aber nicht über meinen Hund… 😀

      Anke: „Knie“ ist aber eine sehr schwammige Größenkategorie, oder? 😉

      • An-Kas Says:

        Böse Zugen würden jetzt zu mir sagen, dein Hund würde schon in meine Kategorie fallen, wenn’s um MEIN Knie geht. 😉
        Aber lassen wir das…

      • matbs Says:

        Nemo kann übrigens ziemlich gut auf den Hinterbeinen laufen, dann ist er auf jeden Fall über Kniehöhe:

        😀

  7. Evchen Says:

    @An-Kas: Das stand außer Frage, daß der Mister obersportlich ist! 😀

  8. Evchen Says:

    Ok ok… *händebeschwichtigendheb* Ich hab`s kapiert. Über Nemo geht nix, nid mal der Schalk! 😀
    Ich werde mich hüten, über Deine Großeltern despizitilierilich zu reden. Ä ä.

  9. matbs Says:

    Genau!

    Den blöden stinkenden Furzköter fertigzumachen ist quasi mein alleiniges Privileg! 😀

  10. dauerlaufen Says:

    du hast ihn aber lange warten lassen! jetzt dauert es nicht mehr lang, und er muss zu wieder zu Hause bleiben, weil er sonst im Schnee versinkt. Bis dahin freue ich mich auf Hundeberichte.

  11. matbs Says:

    Das Warten Lassen ist aber nicht meine Schuld, sondern die der Evolution – hätte die Wölfe/Hunde mit einem effektiveren Kühlsystem ausgestattet, dann hätte er auch im Sommer mitlaufen dürfen. 🙂

    Aber wenigstens ist er relativ schneetauglich, das kriegen wir schon irgendwie hin, wenn´s soweit ist…
    😉


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: