Flussaufwärts durch Rheinhessen: Am Pfrimmufer von Worms-Herrnsheim nach Flörsheim-Dalsheim (14 km)

17. Oktober 2009

So, die Wochenmitte über hab´ ich mal pausiert, war Mittwoch, Donnerstag, Freitag nicht laufen.

Einerseits und vor allem wegen dem leichten Reizhusten, der sich auch eineinhalb Wochen nach der Erkältung immer noch in meinen Bronchien versteckt und mit Vorliebe bei feuchtkalter Außenluft rauskommt. Da bin ich lieber etwas vorsichtiger, schließlich will ich nicht den ganzen Winter durchhusten.
Andererseits aber auch so ein bisschen, weil das trübtrauriggraue Herbstwetter der letzten Tage mir – wie jedes Jahr, wenn´s damit losgeht – meine Lust aufs und am Laufen merklich reduziert hat, frei nach dem Motto „Warum soll ich mich an irgendsonem verregnet-arschkalten halblichtigen Scheisstag hustend auf die Piste quälen, wenn´s mir dann eh keinen Spaß macht…?“

Ist auf Dauer natürlich kein Argument – irgendwann muss man natürlich trotzdem wieder los, Scheisstag oder nicht, sonst findet man sich Ruck-Zuck in einer echten Winterpause wieder, und mit der ist Niemandem gedient.
Ergo hab´ ich mich heute mittag nach drei Tagen Pause wieder auf die Socken bzw. die Schuhe gemacht (drei Tage Pause! Im Sommer hätt´s das nicht gegeben…).

Laufgebiet: Rheinhessen, jenseits des Rheins. Dort war ich sowieso verabredet, also hab´ ich vorher einfach die Tour eingeschoben.


Streckenplanung in Rheinhessen ist nie so ganz einfach, denn die Region ist kein Spazier-, Wander- oder Joggingland: Die meisten Wege durch die endlosen Hügel mit ihren Weinbergen und Äckern sind schlichte, schlammige Wirtschaftswege, die nicht für Fußgänger sondern vor allem für Traktoren gedacht sind, markierte Strecken gibt es kaum, und anständiges Kartenmaterial existiert ebenfalls nicht (zumindest habe ich noch keins gefunden – lediglich eine Radwanderkarte für die gesamte Region von Bingen bis Ludwigshafen im Maßstab 1:50 000 ist erhältlich, aber die ist fürs Laufen einfach zu grob).
Entsprechend muss man da immer ein bisschen improvisieren, beispielsweise indem man sich an Internetstadtpläne hält oder an leicht zu identifzierenden Geländemerkmalen orientiert.
Ich hatte für heute Beides gemacht und mir eine unkomplizierte Route ausgesucht, bei der ich am Ufer der Flüsschens Pfrimm vom Wormer Stadteil Leiselheim westwärts bis nach Kriegsheim und weiter nach Flörsheim-Dalsheim laufen wollte. Unkompliziert, weitgehend flach und für den größten Teil der Strecke mit einem eindeutigen Wegweiser, nämlich der Pfrimm – sollte machbar sein.

Start in der Ehrlichstr. im westlichsten Zipfel des Wormser Stadtteils Herrnsheim. Wetter wie üblich in den letzten Tagen extrem unsicher und wechselhaft, mit einer dichten aber nicht geschlossenen tiefhängenden Wolkendecke, die von einem kräftigen Nordwind über den Himmel gehetzt wurde, und der herbstlichen Landschaft unter ihr beinahe im Minutentakt einen Wechsel aus unwirklich heller Herbstsonne, trübgrauen Halblicht und pladdernd-kaltem Herbstregen bescherte. Dazu Temperaturen um die 8 Grad, wärmer als am Dienstag beim Lauf ums Kainsbachtal, aber ich hätte mich trotzdem lieber mal etwas dicker eingepackt, mit langärmeliger Laufjacke über dem Shirt, Halsschutz und Lendenwärmer (das ist so eine Art großes flauschiges Stirnband, bloß dass man´s nicht um die Stirn trägt sondern eben um die Hüften – sieht beschissen aus, aber es hält schön warm [sowohl in echt als auch als Placebo, also genau richtig für graue, kalte Tage, an denen sowohl der Rettungsring als auch der Kopf was Kuscheliges brauchen, um sich wohler zu fühlen… ;)]).

Als ich loslaufe, ist es gerade etwas sonnig, das ruhige Wohngebiet mit den kleinen Bungalows und Mehrfamilienhäusern wirkt entsprechend freundlich und anheimelnd, mit einer herbstlichen Patina aus bunten Bäumen und fallenden Blätten. So mag ich das.
Kurz westwärts bis zur Strasse am westlichen Ortsrand unterhalb des Wormser Klinikums („Am Krankenhaus“), an der dann nach Süden zur Johann-Hinrich-Wichern-Str., die durch die Felder westlich der Stadt führt und die Wormser Ortsteile Herrnsheim und Leiselheim miteinander verbindet.
Der folge ich nach rechts, denn ich will ja runter zur die Pfrimm, die an Leiselheim vorbeifliesst.

Bequemer Fahrradweg neben der Fahrban, läuft sich gut. Außerdem ist es immer noch sonnig, nicht nur hier, sondern auch weiter östlich, wo die Wormser Innenstadt mit ihren Dächern und Türmen (da! Der Dom! Wunderschön!) vor der dunklen Silhouette der fernen Bergstrasse in warmen, leuchtenden Farben erstrahlt.
Unangenehm ist dagegen der schneidende Wind, der geradewegs vom Polarkreis zu kommen scheint und ungehindert über die weiten, offenen Hügel fegt – die schlanken Windkraftanlagen rechts von mir auf der Herrnsheimer Höhe haben ihre mächtigen Köpfe direkt nach Norden ausgerichtet, die Rotoren drehen sich rasend schnell, während ich heilfroh bin, dass ich mich heute gut eingepackt habe.
Brrr…

Es ist nicht weit bis Leiselheim, vielleicht 750 m. neben der Wichern-Str. durch die braunen Äcker, dann erreiche ich die ersten Häuser des Ortes, überquere die Nievergoltstr. und laufe weiter südwärts die Albert-Schweitzer-Str. hinunter, zwischen unspektakulären Einfamilienhäusern und langen Reihenhausbatterien hindurch.
Die Sonne schickt sich inzwischen an, wieder hintern den schwarzgrauen Wolken zu verschwinden, außerdem bestrafen mich meine Beine dafür, dass ich in den letzten Wochen und Monaten praktisch kein Flachland trainiert habe – der harte Asphalt ohne Steigungen oder Gefälle will ihnen nicht so recht schmecken, ebensowenig wie das etwas zu stramme Tempo, in das ich in Abwesenheit eines bremsenden Neigungswinkels unbewusst verfallen bin.
Am Asphalt und dem Streckenprofil kann ich nichts ändern, aber zumindest einen halben Schritt Geschwindigkeit nehme ich mal raus, und bin trotzdem noch zügig unterwegs.

Ein halber Kilometer Wohngebiet auf der Schweitzer-Str., dann erreiche ich den Leiselheimer Südrand, wo´s am Rand der Landgrafenstr. 150 m. südwärts durch die Felder in Richtung Worms-Pfiffligheim geht, bis ich schließlich an der Pfrimm ankomme.
Ich überquere sie auf der kleinen Strassenbrücke und biege direkt danach auf den „Alten Schlittweg“ ab, einen schmalen Fußweg, der am Südufer des Flüsschens nach Westen führt.

Von jetzt an muss ich erstmal einfach nur noch der Pfrimm folgen, das ist schön unkompliziert.
Linkerhand ziehen Felder und Kleingärten vorbei, rechts der baumbestandene Uferstreifen, hinter dem das kleine Flüsschen ruhig und idyllisch in seinem weitgehend naturbelassenen Bett fröhlich rheinwärts gluckert. Hübsch, und gut zu laufen isses auch.
Lediglich das Wetter kaprioliert weiterhin seltsam vor sich hin, hier mit einer strahlendhellen Herbstsonne, die von Süden schräg durch eine Wolkenlücke herabscheint und die Landschaft in eine bläulich-intensives Licht taucht, während von Norden gleichzeitig ein nicht minder schräger Schauer aus großen, eisigen Regentropfen auf mich niedergeht.
Ist zwar nass und kalt, aber dafür auch ein spektakuläres und ungewöhnliches Naturschauspiel – so lasse ich mir Regen schon mal gefallen (vor allem, wenn er nicht zu lange anhält. Der hier verzieht sich nach nichtmal fünf Minuten, das ist vollkommen ok 🙂 ).

Nach vielleicht einem Kilometer auf dem bequemen, ruhigen Schlittweg (außer mir sind nur ein paar spazierende Senioren und ein freilaufendes Huhn unterwegs) taucht vor mir die gewaltige Autobahnbrücke auf, auf der die A61 das eigentlich nicht besonders tiefe oder steile Pfrimmtal überquert.
Beeindruckender Anblick: Ein riesiges Viadukt in 30 m. Höhe, fast 1,5 km lang, das von Dutzenden turmhoher Pfeiler getragen wird und sich hoch über dem Boden des breiten Tales von Norden nach Süden zieht und schließlich links und rechts in den (gerade mal wieder wunderbar sonnigen) rheinhessischen Hügeln zu verschwinden.

Ich laufe geradewegs zwischen den Pfeilern hindurch (auch das ist eine interessante Perspektive, bei der´s mir ein bisschen leid tut, dass ich keinen Foto dabei habe – aber zum Glück gibt´s ja Panoramio… [auch wenn´s da nicht so gut aussieht, wie ich´s fotografiert hätte 😀 ] ) und erreiche unmittelbar danach die ersten Häuser von Worms-Pfeddersheim, die im Talgrund quasi im Schatten der Autobahnbrücke stehen.

Auch hier geht´s natürlich weiter westwärts, weiter am Ufer der Pfrimm entlang. Erst ein paar Meter auf der Strasse mit dem prosaisch-nüchternen Namen „Ostrandsiedlung“ (natürlich stehen hier eher schlichte Wohnhäuse neueren Datums), dann rechts auf einen schmalen Fußweg, der hinter den Gärten der Grundstücke an der „Ostrandsiedlung“ direkt am Pfrimmufer entlangführt.
Zu meiner freudigen Überraschung ist der übrigens auch markiert, und zwar mit dem Muschelsymbol des Jakobus-Pilgerwegs.
Wie üblich, wenn ich auf den Jakobsweg stoße (ein paar Kilometer weiter westlich im Zellertal ist er mir ja auch schon begegnet), fange ich ein bisschen zu träumen an – irgendwann müsste man der Muschel einfach mal folgen, immer weiter nach Westen und Süden, durch die Pfalz und das Elsass, dann durch Zentralfrankreich bis runter in den sonnigen Süden der „Grande Nation“, über die Pyrenäen, und schließlich parallel zur Atlantikküste bis nach Santiago de Compostela am äußersten Ende des Kontinents.
Man muss kein Katholik sein, um diese Vorstellung reizvoll zu finden… 🙂

Heute wird das aber wohl leider nichts mehr, da bin ich erstmal froh, wenn ich erstmal ohne Malheur und Eisregen bis Flörsheim-Dalsheim komme.
Das sieht übrigens gut aus: Der Himmel wird zwar grauer, aber es bleicht trocken, während ich weiterhin dem Pfädchen am Ufer der Pfrimm nach Westen folge, mitten durch Pfeddersheim hindurch.
Hin und wieder geht´s mal über eine Querstrasse, die auf eine Brücke das Flüsschen durchquert, aber ich laufe natürlich immer weiter geradeaus, hier am Südufer gefällt´s mir nämlich sehr gut.
Irgendwann entdecke ich dann sogar noch einen zweiten alten Bekannten, nämlich das gelbe Quadrat des Nibelungenwegs, der vom Donnersberg in der Pfalz bis nach Wertheim am Main verläuft, und dabei natürlich auch mitten durch meine Ecke vom Odenwald verläuft.
Auch das freut mich, ich mag´s ja unheimlich, weit weg zun Zuhause altbekannte Fernwanderwege zu entdecken.

In Begleitung von Pfrimm, Jakobsweg-Muschel und Nibelungenweg-Quadrat geht´s laaange durch Pfeddersheim. Das Uferpfädchen wird irgendwann zu einer schmalen Strasse am Ufer (erst Altbachstr., dann Uferstr.), die sich nach 1,5 km so ein bisschen von der Pfrimm entfernt, als Kurt-Schumacher-Str. durchs ruhige pfeddersheimer Westend führt, und schließlich am Ortsende, nach mehr als 2,2 km Pfeddersheim, wieder mit dem Flüsschen zusammentrifft.

Auch hier geht´s natürlich westwärts, am baumbestanden Südufer durch Wiesen, Felder und Kleingärten. Die Jakobsmuschel vom Pilgerweg ist mir inzwischen abhanden gekommen (die führt wohl auf einer Alternativstrecke nach Monsheim), aber das gelbe Quadrat des Nibelungenwegs hält mir weiterhin die treue und leitet mich in Richtung Ziel.

Nach 700 m. erreiche ich das Naherholungsgebiet Wiesenbrünnchen, hier hat´s ein paar Grillplätze, weite Rasenflächen unter alten Bäumen, und einen hübschen Weiher mit quakenden Enten. Direkt danach führt mich das gelbe Quadrat auf einer kleinen Brücke über die Pfrimm (die von oben einen richtig schönen Anblick bietet – ist einfach ein schönes Flüsschen, mit seinem flachen, dichtbewachsenen Bett und dem klaren, gurgelnden Wasser auf dem Weg nach Osten), wo es sich sofort wieder westwärts wendet und nun dem Nordufer folgt.

Der Weg selbst wird hier etwas schlechter, ist eigentlich nur noch ein breiter Grasstreifen zwischen Büschen und Bäumen am Flussufer und den Äckern dahinter. Macht mir aber nichts, im Gegenteil – nach dem vielen flachen Asphalt der letzten Kilometer ist es sogar ganz angenehm, zur Abwechslung mal auf weichem, etwas unebenen Untergrund zu laufen.

Uuund weiter westwärts an der Pfrimm entlang (die übrigens eine sehr angenehme Begleiterin ist – freundlich, unaufgeregt, natürlich, was fürs Auge, neben so jemandem läuft man gerne… 😉 ).
Rechts erheben sich inzwischen die ersten richtigen Hügel des Wonnegaus, nicht hoch, nicht steil, aber hübsch anzusehen mit ihren immer noch grünen Rebenreihen, die sich bis zum flachen Talgrund hinunterziehen und dort in braune Stoppeläcker übergehen.
Nicht ganz so angenehm ist allerdings der Nordwind, der praktisch ungehindert über die flachen Hügel hinweg bis hinunter zu mir in den Talgrund fegt und mir durch Mark und Bein geht, zumal auch gerade die letzten Sonnenstrahlen von einer dunkeltröpfelnden Wolkenfront verschluckt werden, die von Norden herangeeilt kommt.
Eisig kalt, da bin ich einmal mehr froh, dass ich mich heute gut eingepackt habe.
Meinen Bronchien gefällt die kalte und vor allem feuchte Zugluft allerdings trotzdem nicht, was sich mit einem stetig anwachsenden Hustenreiz bemerkbar macht. Nicht so schön, aber da muss ich jetzt halt durch…

Zwei Kilometer geht´s unter schwarzgrauen Wolken an Feldern und Weinhügeln vorbei am zugig-einsamen Nordufer der Pfrimm entlang, immer dem gelben Quadrat hinterher, bis ich schließlich kurz nach einem Bolzplatz und einer Grillhütte das pastorale Weindörfchen Kriegsheim erreiche.

Hier macht der Weg wieder mal einen kurzen Schlenker vom Ufer weg, passiert den schönen alten Gutshof an der Wiesenmühle und bringt mich dann zurück an die Pfrimm, mit der zusammen ich hinter den Grundstücken und Gemüsegärten der schönen, alten Höfe an der Kriegsheimer Hauptstr. vorbeilaufe (hier treffe ich das zweite freilaufenden Huhn des Tages. Heute sind offenbar ungewöhnlich viele Hennen unterwegs… 😀 ).

Nach einigen hundert Metern geht der Weg dann in die enge kriegsheimer Hauptstr. über, der ich kurz folge, bevor ich geradeaus in die Woogstr. einlaufe, an der Kriegsheim auch schon wieder zu Ende ist. Noch ein kurzes Stück neben der Pfrimm her, dann heisst es Abschied nehmen, denn der kleine Fluss knickt hier nach Süden in Richtung Monsheim ab, während ich weiter westwärts laufe, am Fuß der Weinhügel vorbei an Pferdekoppeln und einzeln stehenden Häusern, bis ich die Kreuzung nördlich der Rüstermühle erreiche.

Hier ist Schluss mit Westwärts, stattdessen biege ich rechts ab und folge einem Fahrradweg-Schild nach Norden, hinauf in die Weinberge.
Ok, naja, also eigentlich eher ein bisschen hinauf in die Weinhügel – so richtig viele Höhenmeter sind´s nicht, vielleicht 30 auf den nächsten halben Kilometer, aber das ist immerhin schon mal deutlich mehr Steigung als auf den letzten 10 Kilometern.

Ist erst ganz angenehm, aber mein etwas zu hohes Tempo, der scharfkalte Gegenwind von Norden, und der beständige leichte Hustenreiz bringen mich doch recht schnell außer Atem, so dass ich lieber mal etwas langsam mache.
Ist aber ok, denn landschaftlich ist es hier sehr hübsch – sanft gewellte Weinberge, durchbrochen von Heckenreihen Mäuerchen, hier und da steht einer der charakteristischen rheinhessischen Trullos.
Bloß ein bisschen mehr Sonne dürft´s gerne noch sein, aber da ist wohl gerade nichts zu machen, der Himmel steht dummerweise auf „dunkelgrau und leichter Nieselregen“.

Nach 400 m. passiere ich ein paar Tennisplätze, die einsam und verlassen mitten in der Pampa zwischen den Weinbergen in den Herbst hineinschlummern, kurz danach beschreibt der Weg einen scharfen Haken nach links, bevor er wieder nach Norden abknickt und durch einen Hohlweg (der wie ein Windkanal für den arktischen Nordwind wirkt – brrr….) zwischen den Weinlagen über die Kuppe des Hügels führt, bevor es dann an einem hübschen, verwaisten Grillplatz vorbei hinunter zum südlichsten Zipfel des Zwillingsortes Flörsheim-Dalsheim geht geht.
Fast geschafft.

Hier biege ich rechts ab, laufe die Monsheimer Str. hinauf in Richtung Dalsheimer Ortskern. Wunderschönes Stück, ein alter, breiter Pflasterweg mit einem Spalier prächtiger Bäume (Nußbäume? Pappeln? Keine Ahnung, schaue nicht so genau hin, auf jeden Fall sind sie hübsch), der über einen halben Kilometer hinter den letzten Häusern des Dorfes und den Weinbergen nach Norden führt und schließlich an der Mölsheimer Str. am Rand des alten Ortskerns endet.

Hier laufe ich geradeaus, die Alzeyer Str. hinauf durch die engen, schönen Gassen Nieder-Flörsheims, die von wunderbaren alten Fachwerkhäusern und Weingütern und Höfen aus gelblichem Naturstein gebildet werden.
Ich hab´s glaube ich schon öfter geschrieben, aber ich liebe diese kleinen, engen, urwüchsigen rheinhessischen Weindörfchen, weil sie sich so wunderbar alt und dörflich anfühlen, weil man merkt, dass der Weinbau hier mehr ist als einfach nur ein Geschäft von vielen, und weil sie eine Patina haben, die manchmal ein bisschen schmuddelig wirkt, aber dabei authentisch ist, ohne von irgendwelchen seelenlosen Neubauten, Großmärkten oder Tankstellen gestört zu werden (denn die sitzen wenn überhaupt an den Ortsrändern).
Sowas haben wir nicht mehr drüben im dichten besiedelten Südhessen, da muss man schon über den Rhein fahren, um das zu erleben.
Zum Beispiel nach Flörsheim-Dalsheim…

Ich folge der Alzeyer Str., die leicht aufwärts durch den schönen, alten Ortskern führt und dabei gaanz langsam einen Bogen nach Westen beschreibt, bis sie schließlich an der Alten Str./B271 endet.
Hier geht´s nach rechts, weiter nach Norden, bis fast zum Bahnhof, vor dem ich rechts abkicke und direkt neben den Gleisen die Bahnhofstr. hinauflaufe.

Immerhin nochmal fast 600 m., während denen es stärker zu regnen anfängt („Äh! So´n Mist!“). Gut dass ich fast da bin.
Am oberen Ende der Bahnhofstr. unterquere ich die Gleise und befinde mich nunmehr in Dalsheim, dem oberen Teil der Ortsgemeinde, und damit fast am Ziel (ein Glück, der doofe Regen nervt nämlich!).

Rechts die Eisenbahnstr. hoch, nun auf der Westseite der Gleise, an der nächsten Abzweigung dann halblinks und beim schmalen Durchlass an der Zwerggasse durch die mittelalterliche Fleckenmauer, hinein in die historischen Gassen von Dalsheim, wo es überall nach vergorenen Trauben riecht (süßlich aber nicht unangenehm – das hier ist eben ein waschechter Weinort), die Häuser und Weingüter noch älter sind, noch enger beieinander stehen, noch mehr Patina haben.
Hier geht´s links, die schmale Weedgasse zwischen uralten Natursteinhäusern entlang, dann rechts die fast noch engere Kirchgasse hinauf bis zur Mittelgasse, und dort dann noch ein letztes Mal links, bis zum Ziel am Obertor des alten Ortskern.
Wo es – passend zu meiner Ankunft – zu regnen aufhört.
Das war ja klar… 😉

Das viele Flachland war zwar etwas ungewohnt, das Wetter hätte gerne noch etwas stabiler, wärmer und freundlicher sein können, aber alles in allem war´s trotzdem eine nette Tour ohne nennenswerte Komplikationen – hübsche Gegend, ordentliches Tempo, viel neue Strecke, keine Probleme – alles gut.
Auch wenn´s so langsam wirklich mal wieder Sommer werden könnte… 😀

Strecke: 14 km
Zeit: 1:20 h (= 10,5 km/h bzw. 5:43 min/km)
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 96,57% (13,52 km von 14 km)
Karte:
herrnsheim-dalsheim

M.

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7 Antworten to “Flussaufwärts durch Rheinhessen: Am Pfrimmufer von Worms-Herrnsheim nach Flörsheim-Dalsheim (14 km)”

  1. Hannes Says:

    Also meiner Meinung nach ist das durchaus eine Ausrede. Wenn dir das Laufen bei dem Wetter keinen Spaß macht, musst du es auch nicht tun 😉

    Da muss einfach nur noch in deinen Kopf rein, dass solche Läufe auch bei trübem Wetter Spaß bringen. Für heute hat es zwar funktioniert, aber das nächste Mal musst du das schon VORHER wissen 😉

  2. matbs Says:

    Hi Hannes,

    ja, du hast recht, das ist schon eine Ausrede.
    Aber eben keine, die man überstrapazieren darf, sonst hockt man irgendwann nur noch daheim und bläst Trübsal… 🙂

    In meinen Kopf geht das mit dem schlechten Wetter wohl nicht mehr rein, dazu ist meine Art zu laufen und das Laufen zu genießen einfach zu spezifisch – ich mach´ das ja nicht primär um abzunehmen oder fit zu bleiben, oder aus Spaß an der Bewegung, sondern weil ich Entdecken und Erleben will – und das kann ich einfach nicht, wenn´s zu lange trüb ist, das presst mir die Abenteuerlust und die Entdeckerfreude dann regelrecht aus dem Gemüt…

    Aber zum Glück mach´ ich das hier ja schon lange genug um zu wissen, dass das auch wieder vergeht. Bei langfristig grauem, drögen Wetter wird halt ein bisschen gejammert und gehadert und das Laufpensum reduziert, und wenn´s dann wieder schöner wird, dann geht´s wieder richtig los. Wie jedes Jahr eben… 😀

  3. dauerlaufen Says:

    Damit hast du den Rekord gebrochen… Am 20. Oktober schon wieder über die Kälte meckern! Es ist noch nicht mal Winter. Ihr Südhessen seid eben doch Weicheier. Wussten wir im Norden schon immer… Ts ts Ts.

    • matbs Says:

      Ach ja?
      ACH JAAA!??!

      Trau´ du dich nur mal hier runter sobald die ISG-Geschichte vorbei ist, dann zeig´ ich dir aber mal Weichei beim Laufen!!!

      😀


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