Sonniger Sonntagnachmittag am Rhein: Leeheim – Kornsand und zurück (16,5 km)

25. Oktober 2009

Ok, zuerst mal das Wichtigste, aus gegebenem Anlass:
Ich hasse – hassehassehassehassehassehasse, HAS-SE – diese hirnrissige, abgeranzte, unglaublich dämliche Umstellung auf Winterzeit!!!!!!
Die ist nicht nur ungefähr genauso nützlich wie ein schorfiges, eiterndes Forunkel, sondern hat darüber hinaus auch noch die Frechheit, mir eine ganze geschlagene Stunde zu stehlen, die ich gut fürs Laufen brauchen könnte.

Warum ist das so?
Ganz einfach: Ich laufe normalerweise nachmittags oder abends.
Und zwar im Hellen (im Dunkeln zu unterwegs zu sein macht aufgrund meiner Art zu laufen einfach keinerlei Sinn).
Wenn die Tage also in der zweiten Jahreshälfte langsam kürzer werden, dann bedeutet das für mich weniger Zeit zum laufen.
Und dann wird auch noch die Uhr umgestellt, und plötzlich wird´s nicht mehr um 18:00 Uhr dunkel sondern um 17:00 Uhr.
Effekt: Eine ganze Stunde einfach so weg.
(Und ja, ich weiss, ich krieg´ diese Stunde natürlich wieder. IM VERDAMMTEN FRÜHLING, WENN ICH SIE NICHT MEHR BRAUCHE, WEIL DIE TAGE EH WIEDER LÄNGER WERDEN).
Da ist dann nichts mehr mit spontanen längeren Läufen und entspannten Touren ohne Zeitdruck.
Plötzlich ist alles gehetzt, man müsste eigentlich schon kurz nach dem Mittagessen los, um überhaupt was zu schaffen, aber das geht ja meistens einfach nicht.

Über diesen ganzen verdammten Mist ärgere ich mich jedes Jahr tierisch (und weil das so ist will ich in den Kommentaren auch nichts von wegen Stirnlampen oder morgens aufbrechen oder den angeblichen Tugenden des Nachtlaufens lesen, das geht nämlich vollkommen an der Sache vorbei!).
Deshalb: Verflucht sei die Zeitumstellung, und ihre Nachkommenschaft bis ins siebte Glied, möge sie von Zahnfäule und Brechdurchfall geplagt werden, bis man sie endlich abschafft!!! 😉

So.
Dampf abgelassen, dann können wir uns ja dem Laufbericht widmen:


Wunderschöner Sonntagnachmittag, mit milden Temperaturen und ganz, ganz viel schräger, satter Herbstsonne.
Das machte mir so richtig Lust aufs Rheinufer, das ist im Herbst immer total schön und ich war schon lange nicht mehr da.

Also hab´ ich mir mal schnell eine schöne Flachlandstrecke am Rhein rausgesucht („schnell“ musste sein, wegen der verdammten Zeitumstellung, wegen der´s eine Stunde später war, als es hätte sein sollen. Grrr!), einen guten durchs Ried nördlich vom Kühkopf und der Knoblochsaue: Von Leeheim auf den Rheindamm, auf dem hoch zur Fährstelle in Kornsand, dann rüber in Richtung Geinsheim und schließlich durch die Äcker wieder zurück.
Weitgehend unbekanntes Terrain, das sah schön interessant aus.

Ausgangspunkt in Leeheim, in der Gutenbergstr. am südlichen Ortsrand.
Der Start gestaltete sich wegen der letzten Muskelkaterreste der letzten beiden Touren etwas holprig, aber die Beine liegen sich schnell ein und machten dann gut mit.

Südwärts aus Leeheim raus, auf dem schmalen Fußweg am Rand der K156 in Richtung Erfelden durch die sonnigen Felder.
Bewusst gemächlich und entspannt, um nicht gleich wieder zu overpacen oder die Muskulatur zu sehr zu beanspruchen.

Einen halben Kilometer nach dem Ortsende erreichte ich die Gebäudegruppe des Bensheimerhofs, hinter dem ich rechts auf den Elisabeth-Langgässer-Weg (gelbe 5) einbog, den ich vor einem halben Jahr schon mal in entgegengesetzter Richtung gelaufen war.
Heute ging´s westwärts, in Richtung Rhein, geradewegs der strahlenden und schon ziemlich schräg stehenden Sonne entgegen.

Herrlich.
Das hier ist eine der schönsten Ecken des gesamten Rieds, praktisch unbesiedelt und mit einer abwechslungsreichen Mischung aus Feldern, von Gräben durchzogenen Brachwiesen, schilfigen Naturschutzgebieten und kleinen Buschwäldchen und langen Heckenreihen.
An einem Tag wie heute, im warmen, trägen Licht eines Herbstnachmittags ist das einfach nur wunderschön, eine freundliche, weite Landschaft, in der man sich regelrecht verlieren kann
(wenn das Wetter passt – an richtig grauen, trüben Tagen kann das alles auch schnell öde und traurig wirken).

1,4 km auf dem rissigen aber schönen Langgässer-Weg in Richtung Süd-Südwest, bis an zu einer Kreuzung, an der die gelbe 5 nach links abknickte, während ich rechts auf einen unmarkierten Feldweg abbog, der neben einem kleinen Kanal nordwestwärts führte, vorbei am Naturschutzgebiet Michelried und zumindest einem uralten Stauwehr bis auf den 1,8 km entfernten Rheindamm am Schusterwörth.

Ab hier war´s dann ganz einfach – immer nur dem Weg auf der Deichkrone nach Norden folgen, den Markierungen des Rhein-Neckar-Wegs (rotes R), des Rhein-Radwegs (Männchen auf einem Fahrrad, dessen Räder EU-Sternenkreise sind) und des Radwegs R6 hinterher.

Den ersten Kilometer noch im „Binnenland“, mit Brachwiesen und Feldern auf beiden Seiten des Deiches, der teils schon in den Schatten der turmhohen Platanen des Schusterwörths versunken war.
Vorbei am Pumpwerk Kammerhof und der Satelittenmeßstelle der Bundesnetzagentur an den Kammerhöfen, an der sich mehrere über die flachen Felder erheben.

Und dann erreichte ich das Rheinufer.
Hachja…
Der Rhein hat ohnehin etwas Beruhigendes, Majestätisches, und an einem stimmungsvollen Herbstnachmittag wie heute, an dem sich das warme Licht der schrägen, sinkenden Sonne schimmernd in seiner Oberfläche wiederspiegelt, verstärkt sich dieser Eindruck noch einmal exponentiell.
Traumhaft schön hier.

Man läuft erhöht, auf dem bequemen Weg auf der Krone des Rheindeiches, rechts öffnet sich die ausladende Ebene des nördlichen Rieds, bis hin zum klar gegen den bläulichen Himmel abgesetzten Feldbergmassiv im Taunus, mit den grünen Wiesen des Naturschutzgebiets Wächterstadt, und weiten den Feldern, Heckenreihen, Baumgruppen und kleinen Dörfchen, die allesamt im rötlich-intensiven Abendlicht irgendwie proper und aufgeräumt.
Und links fliesst der Rhein, ein breites, goldschillerndes Band aus Licht und Wasser, eingerahmt von den herrlich herbsbunten Auwäldern auf der Rheinland-pfälzischen Seite, hinter denen sich die schroffen, weinbekränzten Steilhänge der ersten rheinhessischen Hügelkette erheben, über die schräg das müde, wohlige Sonnenlicht herabstolpert.
Heute hier zu laufen ist ein Privileg, ein ästhetischer Hochgenuß, der sogar meinen Ärger über die Zeitumstellung verpuffen lässt…

Ich folgte der Deichkrone am Ufer weiter nach Nordwesten, fast 1,5 km lang, die Augen in die Ferne gerichtet, nach Osten ins Ried, nach Norden zum Taunus, aber vor allem nach Westen, auf den atemberaubend prächtigen Rhein, der heute übrigens ziemliches Niedrigwasse führte. Links und rechts waren breite Uferstreifen sichtbar, die normalerweise unter Wasser stehen, und die langen, schweren Lastkähne tasteten sich äußerst bedächtig in der Mitte des Stroms Flussaufwärts, ganz vorsichtig, wie jemand, der im Dunkeln unterwegs ist und es vermeiden will, sich den Fuß an einem unsichtbaren Hindernis zu stoßen.

Am Pumpwerk Wächterstadt wich der Rhein-Neckar-Weg von den Radwegen ab, führte links von der Deichkrone runter auf einen kleinen Fußweg, der über den schmalen Wiesenstreifen zwischen Flußufer und Deich weiterlief, ich natürlich hinterher.

Inzwischen neigte sich die Strecke der Oppenheimer Rheinschleife folgend immer mehr nach Westen, so dass ich mir die Mütze ganz weit in die Stirn ziehen musste, um nicht von der strahlenden Sonne, die nun nur noch knapp über den Hügeln stand, geblendet zu werden.
Geradeaus kam langsam Nierstein in Sicht, schon im Abendschatten und malerisch zwischen Ufer und die steilen Weinhänge geschmiegt, kurz darauf tauchte auch ganz links das wunderschöne Oppenheim am Hang auf, dessen Dächer im Sonnenlicht glitzerten (mehr zu Nierstein und Oppenheim gibt´s hier)

Vorbei an einem Campingplatz vor dem Kühe und zottige Hochlandrindert weideten, über den breiten Betonstreifen einer alten Natostrasse (also einer der Militärstrassen, die bis direkt ans Rheinufer führen im Kalten Krieg angelegt wurden, um den schnellen Rückzug der Nato-Truppen im Fall einer sowjetischen Invasion zu gewährleisten – die finde ich immer wieder ein bisschen gruselig) und schließlich wieder rechts über die Wiese auf den Deich zurück, zu einem mauerartigen Denkmal, das an die Notlandung des Luftschiffs von Graf Zeppelin an dieser Stelle vor inzwischen 101 Jahren erinnert.

Von hier aus waren´s dann nur noch ein paar hundert Meter bis zum kleinen Örtchen Kornsand, das direkt am Rheinufer und als Anlegepunkt der Autofähre von Nierstein dient.
Hier war die Sonne bereits untergegangen, nicht weil sie schon den Horizont erreichte hätte, sondern weil sie hinter steilen Hügel bei Nierstein am anderen Rheinufer gesunken war.

So ohne Sonne war´s auf einmal recht frisch, also hielt ich mich nicht lange auf sondern lief schnell weiter, nun geradewegs nach Osten in Richtung Geinsheim, und damit weg vom Flussufer ins Landesinnere hinein.

Kein besonders gut zu laufendes Stück.
Landstrasse (L3094), und zwar eine von der Sorte, die keinen Randstreifen, keinen Radweg, keinen Fußweg hat.
Aber dafür ordentlich Verkehr (wegen der Autofähre rüber nach Rheinhessen, und weil Kornsand ein Treffpunkt für Motorradfahrer ist, die hier dementsprechend ständig vorbeiknatterten).
Da musste ich alle Naslang von der Fahrbahn in den unbequemen, unebenen Grünstreifen neben der Strasse ausweichen, das war alles nicht so richtig angenehm.
Aber immerhin gelang es mir, nochmal die verfrühte Dämmerung hinter mir zu lassen und aus dem Schatten der rheinhessischen Hügel ins inzwischen Abendlicht hinauszulaufen, das inzwischen schon so schräg war, dass mein Schatten mindestens 10 Meter vor mir herlief.

Insgesamt 2,2 eher ungemütliche Kilometer am Fahrbahnrand, bis zu den Baggerseen kurz vor Geinsheim, wo ich rechts abbog um auf einem Weg am Westrand des südlichen Sees zurück in Richtung Leeheim laufen.
Zumindest war das der Plan gewesen.
Dummerweise stellte sich jedoch heraus, dass es den Weg nicht mehr gab – der Baggersee ist offenbar in den letzten Jahren erweitert worden, und da wo ich eigentlich durchlaufen wollte, befand sich nun eine Wasserfläche, gesichert durch ein verschlossenes Metalltor mit „Betreten Verboten“-Schildern.
Etwas ärgerlich, vor allem, weil meine ADFC-Radwanderkarte von 2007 den Weg noch anzeigte, obwohl der erweiterte Baggersee bereits auf dem Google-Earth-Bild von 2004 zu erkennen ist (hätte ich mich mal lieber auf Google als auf den ADFC verlassen…).
Da ist man beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club wohl nicht so ganz auf der Höhe der Zeit…

Auf jeden Fall war hier kein Durchkommen, und das bedeutete, dass ich um den See rumlaufen und damit einen ordentlichen Umweg in Kauf nehmen musste.
Blöd, denn die Sonne war inzwischen wirklich am Untergehen, aber es half ja nix – zurück an die Landstrasse, weiter ostwärts in Richtung Geinsheim, und schließlich kurz vor dem Ortseingang rechts auf den Radweg 31, der mich um den See herum führte und dann südostwärts in die unendlich weiten Felder in Richtung des (laut einem Wegweiser noch fast 4,5 km entfernten) Leeheim abknickte.

Das Stück zog sich.
Bereits auf den ersten Metern versank die Sonne endgültig als roter Glutball hinter dem Horizont (und es war gerade erst Viertel nach Fünf!!! VERDAMMTE ZEITUMSTELLUNG!!!!) und es wurde kalt und dämmrig, also legte ich lieber mal einen oder zwei Zähne zu.

Immer geradeaus, immer weiter durch die Äcker, die ohne das direkte intensive Abendlicht schon deutlich weniger idyllisch wirkten (auch wenn der fast wolkenlose pastellige Abendhimmel nochmal richtig schön war).
Nach 1,3 km am See beim Fuchsloch vorbei, nach 2,5 km zwischen den großen baumbestandenen Wasserflächen des Leeheimer Riedsees hindurch, bei knapp vier Kilometern erreichte ich dann schließlich die westlichen Ausläufer von Leeheim, die in einem seltsam intensiven Abendlicht aus dem nachglühenden Himmel erstrahlten.

Fast geschafft, zum Glück, denn das deutlich erhöhte Tempo der letzten Kilometer hatte die Muskelkaterreste in meinen Beinen wieder voll aktiviert, entsprechend lief das inzwischen nicht mehr so wirklich rund.
Geradeaus nach Leeheim rein, zwischen einem kleinen Heer von abendgassigehenden Hund-Herrschen-Tag-Teams hindurch, dann durch ein großes dämmriges Neubaugebiet am Kammerhofweg bis zur Erfelder Str. am Rand des alten Dorfkerns, der ich südwärts bis zum Ziel in der Gutenbergstrasse kurz vor dem Ortsrand folgte.
Als ich dort einlief, war´s schon fast dunkel, und milchige Abendnebel waberten über die dämmrigen Felder – hübsch stimmungsvoll, wenn auch für meinen Geschmack etwas zu früh…

Wir fassen zusammen:
Herbst + Sonne + Rheinufer = Herrlich
Nicht mehr aktuelle Radwanderkarten = Leicht Irritierend
Umstellung auf Winterzeit = Riesenmist

Alles in allem: Sehr schöne Tour, auch wenn mir die letzten schnellen Kilometer nicht so richtig gut getan haben…

Strecke: 16,5 km
Zeit: 1:34 h (= 10,53 km/h bzw. 5:42 min/km)
Anteil der noch nie gelaufenen/gebloggten Passagen an der Gesamtstrecke: 91,88% (15,16 km von 16,5 km)
Karte:
Leeheim - Kornsand
Anmerkung: Ups, zwei kleine Fehlerchen – „Riedsee“ schreibt man mit zwei „E“s, und der Weg auf dem Rheindamm ist der „Radweg R6“ (nicht „Radwerk“)…

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5 Antworten to “Sonniger Sonntagnachmittag am Rhein: Leeheim – Kornsand und zurück (16,5 km)”

  1. An-Kas Says:

    Ich gebe Dir vollkommen Recht!
    Diese Zeitumstellung ist die blödeste Erfindung der Menschheit und absolut überflüssig!
    Kann man da nicht irgendwie eine Volksabstimmung oder sowas initiieren?
    Für mich geht die Alternative morgens zu laufen auch überhaupt nicht, außerdem ist es da auch dunkel!
    So gewinnt mein Schweinehund wieder öfter, ist halt so…
    Viele Grüße

  2. matbs Says:

    Ganz genauso sieht´s nämlich aus, jawollja!!!

    Wobei die Idee einer Zeitumstellung an sich ja gar nicht mal so übel ist, bloß die Umsetzung ist leider ganz mies – wenn man die Zeit eine Stunde VOR anstatt ZURÜCK stellen würde, so dass es eine Stunde länger hell bleibt, dann wär das doch eigentlich total prima… 😉

    Aber gut, lässt sich erstmal nicht ändern, und irgendwann werden die Auch wieder länger – bis dahin muss man sich halt irgendwie arrangieren.
    Auch wenn´s total blödsinnig ist…

  3. Hannes Says:

    Immerhin gibt es die Wochenenden, an denen es dann ja einigermaßen klappt – vielleicht ein kleiner Trost. Wenn nicht: Stimmt, totaler Bockmist-Dreck 🙂

    Zumindest für den Tag hat es ja aber scheinbar noch ziemlich gut geklappt. Solange es mit Sonnenuntergang zurück schafft, bieten sich einem noch richtig schöne Bilder.

    • matbs Says:

      Sehr kleiner, erfahrungsgemäß reichen die WEs nämlich nicht so ganz, um drei oder vier Touren durchzuziehen… 😉

      Und das mit dem Sonnenuntergang wird natürlich schwieriger, je weiter das Jahr voranschreitet – in knapp zwei Monaten ist es um halb Fünf dunkel, da wird´s dann richtig kompliziert, wenn man nach dem Mittagessen aber vor dem Sonnenuntergang unterwegs ein möchte… 😀


  4. […] Sonniger Sonntagnachmittag am Rhein: Leeheim – Kornsand und zurück (16,5 km) […]


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