Auf Rheinsteig und Rieslingpfad in den Rheingau: Wiesbaden-Schierstein – Hattenheim mit Fotos (25,5 km)

31. Oktober 2009

Wer schöne, lange, spannende Entdeckungstouren in der Übergangszeit und im Winter laufen will, muss eine gewisse Spontanität mitbringen.
Lange vorausplanen ist da nicht (weil: Wetter zu unstet, und außerdem wird´s ja immer früher dunkel!), stattdessen muss man auch mal kurzfristig aufbrechen, wenn Zeit und Witterung es opportun erscheinen lassen.
Carpe Diem und so…

Zum Beispiel heute.
Samstagmorgen.

Aufgestanden, Blick aus dem Fenster:
Wunderbarer Herbsttag.
Strahlender Sonnenschein, vielleicht etwas blässlich um die Korona, aber freundlich und hell und herbstlich stimmungsvoll. Dazu ein milchiger Himmel mit ordentlich Blau drin. Dazu frische, kühle Luft, diesig und nicht allzu warm, aber so einer scharfen, angenehmen Herbstnote, die den unwillkürlichen Drang erzeugt, sich draußen umzutun.
Und Windstill ist es auch, da stört auch die einstellige Temperatur nicht weiter.
Kurzum: Exzellentes Wetter.
Und Zeit ist auch.
Perfekt, da lauf´ ich doch mal irgendwas richtig Schönes ab.

Aber wo?
Flachland geht natürlich nicht, soll schließlich eine Premiumtour werden, da braucht´s ein bisschen Auf und Ab.
Nach Odenwald ist mir heute auch nicht so (ursprünglich war mal angedacht, mit Gerd den Nibelungensteig zu Ende zu laufen, aber der ist wieder mal Krank [der Gerd, nicht der Steig], das fällt also aus), und in die Pfalz will ich auch nicht unbedingt…
Hm…

Hey, Moment mal, das isses doch: Der Rheingau!
Schmaler Streifen Land zwischen den Südhängen des Taunus und dem Rheinufer, Rieslingland, Hügel und Berge mit Wald und Reben, Weindörfer, Burgen, Schlösser und Klöster, einer der schönsten Landstriche in ganz Hessen – und ich war läuferisch noch nie dort unterwegs.
Die Idee ist noch nicht mal richtig zuende gedacht, da weiss ich schon: Das will ich mir heute erlaufen!


Eine Wanderkarte für den Rheingau hab´ ich natürlich schon, die hab´ ich mir ein weiser Voraussicht bereits im Sommer besorgt, entsprechend ist es kein Problem, kurzfristig eine interessante grobe Route rauszusuchen.
Ich entscheide mich schließlich für eine Einwegstrecke, von Wiesbaden- Schierstein aus auf dem Rheingau-Rieslingpfad über Frauenstein, Marthinsthal, Rauenthal und Kiedrich bis zum Kloster Eberbach, dann runter nach Hattenheim am Rheinufer und mit der Bahn zurück zum Ausgangspunkt.

Macht einen guten Eindruck, entsprechend ergehe ich mich während der gesamten Anreise (die nicht gerade kurz ist, aber für einen schönen Wochenendausflug ist das schon ok) schon mal ordentlich in Vorfreude… 🙂

Startzeit: Kurz nach Zwölf Uhr Mittags.
Kein Mittagessen heute, dafür laufen. Das sind so die Kompromisse, die man eingehen muss, wenn der Einbruch der Dunkelheit willkürlich in die Tagesmitte verlegt wird.

Startpunkt: Dachsbergstr. in Wiesbaden-Schierstein, direkt vor dem Bahnhof:
Bahnhof Schierstein
Bild #1: Am Bahnhof von Schierstein

Damit ist die heutige Tour übrigens nicht an den Rest meines Streckennetzes angebunden, der ein paar Kilometer weiter nördlich und östlich endet.
Muss ich wohl irgendwann nochmal herkommen… 😉

Und los geht´s, mit bester Laune und guten Beinen hinein in den freundlich-hellen Herbstmittag.
Rheingau, ich komme!!!

Zuerst muss ich allerdings noch ein kleines Stück durch den Wiesbadener Vorort. Gleich mal rechts über die Gleise…Bahnübergang Freudenbergstr. in Schierstein
Bild #2: Bahnübergang Freudenbergstr.

…dann ein Stück die leicht ansteigende Freudenbergstr. hoch, nach 150 m. halblinks in die Vogesenstr., die sich allerdings als Sackgasse erweist und direkt vor der A66 endet.
Kein Durchkommen (obwohl die Wanderkarte es auf den ersten Blick anders aussehen lässt, erst bei ganz genauem Hinsehen erkennt man, dass der Weg hier unterbrochen ist), also wieder zurück und rechts einen schmalen Fußweg zwischen den Gärten hinunter, an dessen unterem Ende ich wie erfhofft auf den Marker des Rheingauer Rieslingpfads stoße…
Rheingauer Rieslingpfad
Bild #3: Der Marker vom Rieslingpfad: Gelbes Weinglas mit Krönchen auf grünem Grund

…auf dem´s von nun an in den Rheingau hinein gehen soll.

Rechts, vorbei an einem Hundeplatz unter hohen, alten Bäumen, deren gelbes Laub hell im etwas verwaschenen Licht der Mittagsonne erstrahlt…
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Bild #4

…dann durch eine Unterführung unter der Autobahn durch und direkt dahinter wieder rechts, einen kurzen aber recht steilen Buckel hoch…
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Bild #5: Aufwärts neben der A66. Hier begegnet mir auch zum ersten mal das die blaue, stilisierte R-Welle des Rheinsteigs, der von hier aus am Rheinufer entlang durch Rheingau, Mittelrheintal und Siebengebirge bis hinauf ins Ferne Bonn führt und als einer der schönsten Fernwanderwege des Landes gilt.
Mit dem werde ich später noch ein bisschen mehr zu tun bekommen…

…an dessen oberem Ende es dann wieder links geht, noch ein paar Meter durchs ruhige Wohngebiet an der Schwarzwaldstr., bevor ich Schierstein endgültig verlasse und hinaus ins helle, freundliche Hügelland des Rheingaus laufe:
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Bild #6: Am Ende von Schierstein

Ach je, ist das schön hier. Zuerst geht´s noch an ein paar herbstlich-beschaulichen Kleingärten dabei, dann finde ich mich mitten in den weiten, sanft geschwungenen Weinlagen wieder, deren bunte Rebenreihen im Mittagslicht erstrahlen – Weinberge im Herbst sind mindestens genauso bunt wie Herbstwald, aber ohne störende Wipfel, die weit über einem das schräge Licht wegblocken könnten, viel schöner geht´s einfach nicht.

Dazu der wunderbar angenehme Rieslingpfad, der sich mit minimalster Steigung am Südhang des Hügels entlangzieht, voll im Licht und mit wunderbarem Blick runter zum Rhein und rüber nach Rheinland-Pfalz, über die Mombacher Industrieanlagen hinweg nach Mainz, wo man klar den Dom, die Christuskirche und die beiden Zwillingshochhäuser am Hauptbahnhof erkennen kann, rechts davon dann der schimmernde Fluss, der sich in Richtung Ingelheim nach Westen schlängelt, eingerahmt vom Rheinhessischen Hügelleland, das schließlich irgendwo im Dunst ins Nahebergland und den Hunsrück übergeht.
Bloß Fernsicht gibt´s keine, zu diesig.
Schon ein bisschen schade, denn hier am Nordrand der oberrheinischen Tiefebene kann an klaren Tagen das gesamte nördliche Rheintal überblicken, bis zum Donnersberg im Nordpfälzer Bergland und zur Bergstrasse und dem Odenwald.
Aber hey, schön ist es trotzdem, also was soll´s…

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Bild #7: Blick vom Rheingauer Rieslingpfad (so ungefähr Weinlage Honigberg?) nach Südwesten in Richtung Rheinufer

Ein schönes, langes Stück am Südwesthang nach Nordwesten, die Augen entweder links auf der wunderschönen Rheingaulandschaft…
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Bild #8: Rheingau-Panorama: Mittig der Spitze Stein über Frauenstein, links dahinter der bewaldete Höhenzug zwischen Frauenstein und dem Walluf-Tal.
Nur Geduld, liegt beides auf der geplanten Strecke…

…oder rechts, auf den leuchtenden, bunten Rebenmeeren am Hang…
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Bild #9: Weinhang unter dem „Himmelreich“ bei Freudenberg

…schließlich nach ca. 1,3 abwärts, durch die prächtigen Weinlagen am Homberg hinab ins die Flache Taldelle des Leierbachs…
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Bild #10: …ins Leierbachtal (wenn´s denn so heisst…)

…und dann auch schon gleich wieder an der anderen Talseite (ausnahmsweise mal kein Wein sondern Wiese) bergauf, und das mit ordentlicher Steigung.
Ist aber kein langer Aufstieg, vielleicht 30 Höhenmeter, dann verflacht der Weg auch schon wieder angenehm und führt bequem am Hang entlang weiter nach Westen, weiterhin mit schönem Blick auf den schillernden Rhein und das dunstige Rheinland-Pfälzer-Ufer, weiterhin umgeben von buntstrahlenden Weinreben, die sich rechts den Hang hinauf- und links hinunterziehen, dazwischen hin und wieder mal eine malerische Ruhebank, eine interessante Weinlehrpfadtafel, oder eine kleine Schutzhütte zwischen den Rebenreihen:
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Bild #11: Hütte am Herrenberg (?)

Und von oben scheint immer noch voll die wohlige Herbsonne auf mich herunter, etwas blaß aber warm und freundlich und landschaftstrahlendmachend.
Traumhaft.

Nach einem halben Kilometer verabschiede ich mich erst mal vom Rieslingpfad, denn der führt geradeaus um den Hügel herum bis in den unteren Teil von Frauenstein.
Will ich aber nicht, denn die Wanderkarte zeigt rechts oben auf der Hügelkuppe einen Aussichtspunkt namens „Spitzer Stein“ an, der sich anscheinend auf einer Quarzklippe hoch über Frauenstein erhebt.
Sieht richtig interessant aus, das lass´ ich mir natürlich nicht entgehen und biege folgerichtig nach rechts ab, nun dem schwarzen Punkt hinterher, der geradewegs den Hang zum Weingut/Ausflugslokal Nürnberger Hof hinaufführt, das 30 oder 40 HM weiter oben am Hügel sitzt.

Dieses Stück ist schon ganz gut steil, da komme ich zum ersten Mal heute so ein bisschen ins Schnaufen und bin ganz froh, dass sich oben auf Höhe des Nürnberger Hofs eine tolle Aussicht über die Rheinebene bietet, die Anlass zu einer kurzen Atem- und Panoramabildmachpause gibt:
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Bild #12: Aussicht vom Asphaltweg am Nürnberger Hof nach Südosten, in die Oberrheinische Tiefebene.
Wenn´s etwas weniger diesig wäre, könnte man klar die Turmspitzen, Hochhäuser und Schornsteine von Mainz erkennen.
Und wenn´s viel weniger diesig wäre, könnte man noch viel weiter schauen, geradewegs bis rüber nach Hause an die Bergstrasse – an einem ganz klaren Tag und mit einem richtig guten Feldstecher könnte man vielleicht sogar meine Wohnung im 50 km entfernten Jugenheim sehen…
Geht heute alles nicht, verflixt hübsch ist es aber trotzdem!

Und gleich weiter bergauf, am Nürnberger Hof vorbei und dem schwarzen Punkt, zu dem sich nun auch wieder der Rheinsteig-Marker gesellt, weiter den Hang hoch, der hier ausnahmsweise mal nicht nur mit Wein aufwarten kann, sondern auch mit geradlinigen Hainen rostrotbelaubter Kirschbäume (im Frühjahr während der Kirschblüte ist das sicher traumhaft schön hier oben):
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Bild #13: Kirschbäume am Rheinsteig über dem Nürnberger Hof

Nochmal 40 Höhenmeter oder so, dann erreiche den Anfang des Eichenwäldchens, das die Hügelkuppe am spitzen Stein bedeckt und gerade damit beschäftigt ist, die Rheingauer Variante des Indian Summer aufzuführen.
Vorbei an einem hübschen Rastplatz direkt über dem Abhang, der auf einmal gar nicht mehr sanft und flach ist, sondern sich überraschend steil runter ins Rheintal stürzt:
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Bild #14: Am Rastplatz beim Spitzen Stein.
Die Häuser da unten am Rheinufer, das dürfte Walluf sein.

Nur ein paar Meter dahinter geht´s dann links, auf eine kleine Terasse am Bergrücken, auf der eine Art dreieckiger, spitz zulaufender Obelisk steht.
„Offensichtlich der Spitze Stein, nach dem das hier auf der Wanderkarte benannt ist“, denke ich mir…
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Bild #15: Spitzer Stein?

…und liege damit voll daneben.
In Wirklichkeit ist es nämlich der Goethestein, errichtet zu Ehren des Dichterfürsten, der hier im Jahr 1815 vorbeigekommen ist um geologische Studien zu betreiben.
Deswegen schmückt sein Charakterkopf auch die Plakette an der Vorderseite des Denkmals:
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Bild #16: Goethestein!

Und als Dreingabe gibt´s auch gleich noch einen tollen Blick von der zugehörigen Terasse, über die Weinlage Herrenberg hinweg runter auf den unteren Teil von Frauenstein, der sich formschön in die Delle des schmalen Tälchens zwischen den Hügeln schmiegt:
IMG_6840Bild #17: Ausblick vom Goethestein auf Frauenstein.
Der steile Hang auf der Talseite mit dem Wald obendrauf, da komm´ ich nachher übrigens auch noch vorbei.

Sehr hübsch, allein dafür hat sich der Abstecher vom Rieslingpfad schon voll und ganz gelohnt.
Aber es kommt noch besser.
Gerade mal 100 oder 150 folge ich dem Rheinsteig weiter nach Norden, dann führt er halblinks in den rotbraunggolden schimmernden Eichenwald hinein, zum höchsten Punkt des Hügels, wo sich – vollkommen unerwartet – auf einmal ein Aussichtsturm über die herbstlich bunten Wipfel erhebt.
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Bild #18: Aussichtsturm am Spitzen Stein

Wow, cool, den hatte ich wirklich überhaupt nicht auf der Rechnung.
Aber wenn er schon mal da ist, dann nehm ich ihn selbstverfreilich auch gleich mit, da halten mich auch das Warnschild der Stadt Wiesbaden („Benutzung auf eigene Gefahr“) und die etwas zu dünn wirkenden knarzigen Holzstufen nicht auf:
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Bild #19: Auf die Turmspitze über dem Blätterdach

Oben: Ausssicht!
Nicht nach Süden, da hängt ja der schwere, helle Dunst über der Rheinebene.
Aber dafür nach Norden, auf die hohen, langgezogenen Höhenzüge des Taunus um die Hohe Wurzel herum, deren bewaldete Flanken im warmen Herbstfarben erstrahlen:
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Bild #20: Taunushänge vom Aussichtsturm am Spitzen Stein aus.
Der Fernsehturm auf dem höchsten Gipfel, das ist die Hohe Wurzel, auf die ich Anfang August mit Torsten hochgelaufen bin.

Wunderschön!
Allzulange verweile ich aber trotzdem nicht, denn ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass es inzwischen schon knapp 13:00 Uhr ist.
Und leider hab´ ich heute eine feste Zeitvorgabe – spätestens gegen 16:20 Uhr muss am Bahnhof in Hattenheim sein, um den Zug zurück nach Schierstein zu erwischen, sonst blüht mir stundenlanges Warten, bis die nächste Bahn kommt.
Sind zwar noch fast dreieinhalb Stunden Zeit, eigentlich mehr als genug für die vielleicht 20 Kilometer, die noch vor mir liegen, aber ich bin bei diesen Touren ja immer extrem langsam, weil ich ganz viele Fotopausen mache und mir alles Anschaue, was unterwegs interessant und schön ist.
Da halte ich mich lieber etwas ran, auch wenn mir dieser implizite Zeitdruck überhaupt nicht schmeckt…

Direkt nach dem Turm wird der Rheinsteig richtig schön abenteuerlich: Auf einem schmalen, gewundenen Pfädchen führt er zwischen den knorrigen Eichen nach Norden…
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Bild 21: Rheinsteig auf dem Spitzen Stein

…direkt auf dem Bergkamm, der sich zusehendes zu einem steilen, engen Grat entwickelt, der nach links und rechts schroff abfällt:
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Bild #22: Genauso stell´ ich mir den Rheinsteig vor: Ein bisschen gewagt und mitten durch wildromantische Landschaft!
Weiter so, Rheinsteig!!! 🙂

Außerdem geht´s abwärts, erst gemächlich, dann immer steiler den Waldpfad hinunter, bis ich schließlich auf einen etwas besseren Weg am nahen Waldrand wechsele, auf dem es dann weiter talwärts gen Frauenstein geht…
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Bild #23: Über den Dächern von Frauenstein.
Von unten aus dem Dorf zieht ein köstlicher Mittagessensgeruch herauf in meine Nüstern (italienisches Restaurant?), bei dem mein Magen unwillkürlich ein bisschen zu knurren anfängt.
Schnell weiter, bevor da noch ein richtiger Hunger draus wird…

…das ich schließlich nach einem letzten Abstieg auf einer schmalen Treppe am Hang erreiche.

Frauenstein ist eigentlich noch ein Stadttel der Landeshauptstadt Wiesbaden, aber man sieht´s ihm nicht an: Kleines, friedliches Dörfchen im Talgrund zwischen Weinhügeln und Taunushängen, sehr nett.

Noch netter: Hier gibt´s eine Burg (oder zumindest einen Bergfried auf einer schroffen, hohen Steilklippe, die sich mitten im Oberdorf erhebt), und zwar direkt neben dem unteren Ende der Treppe, auf der ich gerade aus dem Wald komme:
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Bild #24: Burg Frauenstein

Auch die ist mir bei der Streckenplanung irgendwie vollkommen entgangen, und ist somit nach dem Aussichtsturm auf dem Spitzen Stein die zweite überraschende Entdeckung innerhalb von einem halben Kilometer Luftlinie.
Wenn das so weitergeht, schaff´ ich´s auf keinen Fall rechtzeitig zum Zug… 😀

Selbstverständlich muss auch Burg Frauenstein zumindest kurz inspiziert werden. Ich erklimme die Treppe an der Nordseite, bis hinauf auf den Grat der Klippe, wo eine schmale Terasse bis zum Turm führt, der allerdings nicht begehbar zu sein scheint.
Macht aber nix, auch vom Klippenrücken bietet sich ein wunderbarer Panoramablick über Frauenstein:
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Bild #25: Frauensteiner Dorfplatz mit katholischer Kirche, schönen alten Häusern und Tausendjähriger Linde

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Bild #26: …und mal die Frauensteiner Mitte in der Totalen

Und weiter geht´s. Hab´ ja schließlich einen Zug zu kriegen, und tempus fugit bekanntlich.
Also wieder die steile Treppe runter und nach einem letzten Blick zurück auf den Burgfelsen…
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Bild #27: Burg Frauenstein von der Burglindenstr. aus

…nordwärts durch Frauenstein.
Ist irgendwie nicht so ganz die geplante Route, die eigentlich auf der Georgenstr. südwärts durch den Ortskern gehen solle, aber zumindest folge ich einem Rheinsteigmarker (wenn auch einem, der nicht wie bisher blau sondern gelb ist), und das kann ja nicht wirklich falsch sein… (ist es tatsächlich auch nicht – das gelbe Rheinsteigsymbol steht für Zubringerstrecken und Umleitungen, die aber alle wieder im Hauptsteig münden).

Es geht mal wieder aufwärts, durch eine enge Strasse namens „Zum Grauen Stein“…
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Bild #28: „Zum Grauen Stein“

…in den nördlichsten Zipfel Frauensteins, dort dann scharf links auf einen Weg am Osthang der nächsten Hügelkette, der über dem Dorf wieder zurück nach Süden führt.

Sehr schönes Stück. Bequemer Weg, ein bisschen gepflegter Anstieg, ein paar mittäglich-zufriedene Spaziergänger und Wanderer, die bereitwillig Platz machen (dafür sag´ ich dann jedesmal artig „Dankeschön“).
Auf der anderen Talseite erhebt sich der Spitze Stein…
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Bild #29: Oben der Aussichtsturm, darunter die steile Bergflanke, die ich eben gerade runtergelaufen bin, und rechts unten noch mal der Burgturm im Dorf

…auf dieser geht´s unter herbstbunten Bäumen…
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Bild #30: Rheinsteig-Umleitung über Frauenstein

zwischen blätterbedeckten Streuobstwiesen und beschaulichen Kleingärten hindurch:
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Bild #31

Ziemlich genau ein halber Kilometer, dann biegt der Rheinsteig rechts über die Hügelkuppe ab. Ab hier ist seine Markierung allerdings wieder blau (Umleitung vorbei), und das verwirrt mich furchtbar – die Sache mit der Farbkodierung hab´ ich hier noch nicht kapiert, deshalb halte ich weiterhin nach dem gelben Marker Ausschau.
Als ich den nicht finde, lauf´ ich halt einfach geradeaus weiter, gänzlich unmarkiert aber in derselben Richtung wie bisher.

Überraschenderweise klappt das.
Es geht abwärts, an einem weiteren Kirschhain vorbei, dann komme ich zum zweiten Mal auf der heutigen Tour in Frauenstein ein, dieses Mal in der Strasse „Am Hermannsberg“ am südlichen Dorfende.
Neubaugebiet, einfach weiter bergab bis an die Georgenborner Str., wo ich wieder auf das gute alte gelbe Krönchenweinglas stoße und mich damit wieder auf dem Rheingauer Rieslingpfad weiss, dem ich westwärts und abwärts in die nächste flache Taldelle (wohl die die Erlenbachs) zwischen den Rheingauhügeln folge.

Die ist schön grün, mit einem einzeln stehenden Gutshof im Talgrund, umgeben von satten Wiesen, auf denen Pferde weiden…
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Bild #32: Pferde am Hof Armada (übrigens ein ziemlich cooler Name für einen Hof. Leider sind keine spanischen Galleonen in Sicht… :D)

…die mein Vorbeilaufen mit gemessenem Halbinteresse zur Kenntnis nehmen:
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Bild #33: So mag ich meine Pferde: Freundlich, etwas reserviert, und nicht verrückt… 😉

Direkt danach geht´s dann auch schon wieder aufwärts, mit dem Krönchenkelch des Rieslingfads die Hügelflanke hinauf, die schon in Bild #17 zu erkennen war.
Ganz schön viel Auf und Ab heute, da kommen einige Höhenmeter zusammen, obwohl ich mich eigentlich immer nur im Bereich zwischen 100 und 300 m.ü.NN bewege (am Ende der Tour werde ich so knapp 800 HM zusammengelaufen haben. Das ist ´ne sehr ordentliche Hausnummer fürs Hügelland…).

Auf der Anhöhe angekommen gibt´s nochmal einen schönen Schlag Aussicht, zurück in Richtung Frauenstein…
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Bild #34: Nochmal Fraunstein im Tal, dahinter der Spitze Stein mit Eichenwäldchen, Aussichtsturm und Goethestein

…und runter zum 3 km entfernten Rheinufer bei Walluf…
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Bild #35: Die Industrieanlagen am Rheinland-Pfälzischen Ufer dürften zu Budenheim gehören, die Hochhäuser links im Hintergrund sind wahrscheinlich schon die Ausläufer von Mainz-Gonsenheim (am Brandström-Weg)

…dann führt mich der Riesingpfad weiter, zuerst in den Herbstwald auf der Hügelkuppe, dann in die Irre.
100 m. nach dem Waldrand kommt eine Weggabelung. Der breite, gut ausgebaute Waldweg führt geradeaus weiter, halblinks geht dagegen ein schmales, zerwühltes Weglein ab.
Die Wegmarker sind direkt zwischen diesen beiden Varianten angebracht, und sehen – zumindest für mich – so aus, als ob sie eher den Pfad links runter zeigen würden.
Also nehm´ ich diese Abzweigung auf meinem Streckenplänchen nicht ganz nachvollziehen kann.
Wird schon stimmen…

Ein paar hundert Meter abwärts, dann geht´s an einem kleinen Hüttchen mit Pfadfindern vorbei (die grüßen. Ich grüße zurück. Allzeit bereit, und so…), und auf einmal bin ich wieder am Waldrand oberhalb der Weinhänge.
Markierungen gibt´s keine mehr, und ich hab´ ehrlich gesagt auch keine rechte Ahnung, wo ich jetzt gerade bin.
Hmm, war vielleicht doch nicht die richtige Abzweigung…

Also versuche ich mich zuerst mal wieder zu orientieren. Zum Glück hat man von hier oben einen guten Blick über die Rheingautäler, das erleichtert die Sache.
Mal schaun…
Da unten im Tal kreuzen sich zwei Schnellstrassen, offensichtlich die
B42 und die B260 bei Oberwalluf.
Was bedeutet, dass ich hier wahrscheinlich am Oberberg stehe.
Hmm, wenn ich einfach mal dem Waldrand nach Westen folge, müsste ich eigentlich irgendwie in Richtung Martinsthal kommen, und dabei auch wieder auf den Rieslingpfad stoßen, das probier´ ich einfach mal…

Also westwärts, über den Weinhängen am Waldrand entlang.
Hier riecht´s süßlich-intensiv nach fauligen Trauben, anscheinend hat man entweder die rechtzeitige Weinlese verpasst, oder es ist die Edelfäule, die bei der Spätlese entsteht (riecht die? Ich weiss es nicht, so weit reichen meinen bescheidenen oenologischen Kenntnisse nicht).

250 m., dann ist Schluss, der Weg am Waldrand endet an einem verschlossenen Tor:
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Bild #36: Und jetzt?

Hm.
Okayyy…
Nochmaliges Kartenstudium.
Irgendwo im Wald über mir muss der Rieslingpfad verlaufen (glaube ich).
Wenn ich mich hier einfach ein paar hundert Meter durch die Pampa schlage, sollte ich den eigentlich wieder erreichen (glaube ich).
Scheint mir der beste Weg zu sein (glaube ich).
Also mach ich das: Rechts am Tor vorbei in den Wald, und mitten durch die Wildnis nach Norden, über Stock, Stein und Dornegebüsche, bis ich schließlich einen Waldweg erreiche.
Der mit dem gelben Krönchenglas markiert ist.

Rieslingpfad – ich bin wieder richtig! Yaay!
(Ist übrigens gerade mal 200 m. nach der Abzweigung, wo ich eben falsch abgebogen bin. Den Umweg hätt´ ich mir wahrlich sparen können…).

Weiter westwärts, noch ein Stück durch den Wald, dann wieder hinaus in die Weinberge, nun an den Hängen über dem Walluftal, genauer gesagt in der Weinlage mit dem klangvollen Namen „Martinsthaler Wildsau“:
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Bild #37: An der Martinsthaler Wildsau

Ab hier geht´s wieder bergab, den Fraunesteiner Weg hinunter…
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Bild #38: Wegkreuz am Frauensteiner Weg

…der am herbstlich-bunten Südhang des Langenbergs entlang mit sanftem Gefälle ins Walluftal hinabführt:
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Bild #39: Weinlage Martinsthaler Langenberg, saisonal eingefärbt in Gelb, Grün, Rot und Braun

Hübsch, auch hier gefällt´s mir richtig gut.

Weniger gut gefällt mir allerdings das Wetter, denn langsam aber sicher zieht sich der Himmel zu. Da wo eben noch die milde Frühnachmittagsonne aus dem milchigen Himmel geschienen hat, sitzt jetzt ein dunkler Wolkenplacken, der das direkte Licht regelrecht abblockt.
Da wirkt selbst der schöne Rheingau auf einmal ein bisschen grau und kalt, und die leuchtenden Herbstfarben und die freundliche-warme Herbstatmosphäre machen erst mal Pause.
Hrmpf. Blöd.

Nach ca. einem Kilometer erreiche ich den unteren Ortsrand von Martinsthal, das bereits zu Eltville gehört und damit endgültig und vollständig im Rheingau liegt:
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Bild #40: Ankunft in Martinsthal.
Im Hintergrund kann man bereits meine nächste Station erkennen, das ca. 100 m. höher gelegene Rauenthal

Hier geht´s einmal längs durch den Ort, neben der vielbefahrenen Schiersteiner Str./B260 Talaufwärts.
Nicht unbedingt ein Highlight, finde ich.
Der untere Teil von Martinsthal ist nicht so richtig pittoresk, und der nunmehr graue, stumpfe Himmel und der intensive Verkehr, der sich direkt neben mit durch den Ort walzt, helfen auch nicht unbedingt.

Wird aber netter, ca. einen halben Kilometer nach dem Ortsanfang. Da biege ich nämlich links ab, weg von der Durchgangsstrasse in den alten Ortskern…
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Bild #41: Martinsthaler Ortsmitte

…und folge dann der enge, von alten Häusern gesäumten Hauptstr. rechts hoch…
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Bild #42: Haupstr. in Martinsthal

…bis diese beim Wildsauplatz am nördlichen Ortsende dann wieder auf die B260 trifft:
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Bild #43: Irgendwie kann mir auch denken, warum der Wildsauplatz heisst… 😉

Von hier aus geht´s noch ein kleines Stück weiter auf dem Bürgersteig neben der Bundesstrasse entlang, raus aus Martinsthal und am örtlichen Friedhof vorbei, bevor mich der Rieslingpfad halblinks auf die abzweigende K641 lotzt, die sich hier in schmalen, langen Serpentinen die Hügelflanke hinauf nach Rauenthal windet.
Allerdings nur ein kurzes Stück, denn in der ersten Serpentine geht´s geradeaus weiter, auf einem Fußweg die recht anstrengende Bergflanke hinauf bis zum unteren Dorfrand von Rauenthal:
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Bild #44: Ankunft in Rauenthal

Auch im Ort geht´s weiter aufwärts, durchs Wohngebiet an der „alte Chaussee“ hoch in Richtung Dorfmitte, und das mit einem Neigungswinkel, der mir den Schweiss auf die Stirn und die Luft aus den Lungen treibt.
Uffa! Der Ort sollte besser RauenBERG heissen, das wäre viel passender…

In Richtung Ortsmitte wird´s aber zum Glück wieder flacher, ich laufe auf der Gartenstr. an einem hübschen kleinen Platz mit altem Rathaus und Kirche vorbei…
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Bild #45: Kirche in Rauenthal

…bevor ich schließlich links in die schmale, geplfasterte Reitschulgasse einbiege:
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Bild #46: Reitschulgasse

Hier bin ich mal wieder falsch, aber ich merke es erst, als Rauenthal nach ein paar hundert Metern zu Ende geht, und ich keine Markierungen erkennen kann.
Kurze Orientierungspause, dann wende ich mich nach rechts, überquere ein Wiese auf dem Hügelrücken südlich des Ortes, und laufe dann auf dem nächsthöheren Weg zurück nach Rauenthal, wo ich über Weinbergstr. und Kiedricher Str. wieder auf den Rieslingpfad gelange, der hier hinab ins nächste Bachtal unterhalb des Rauenthaler Höhenrückens, und damit in Richtung Kiedrich führt:
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Bild #47: Rieslingpfad am südwestlichen Ortsausgang von Rauenthal

Den nehme ich.
Rapide abwärts, erst durch ein paar Wiesen und Kleingärten, dann in den schrägen, gelb belaubten Herbstwald, der steil zum Talgrund des Rauschtals (falls es so heisst, da bin ich mir nicht sicher) abfällt.
Schönes Stück, bergab läuft sich das aber sicher auch angenehmer als bergauf… 😉

Ich passiere eine hübsche kleine Kapelle…
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Bild #48: Waldapelle westlich unterhalb Rauenthal

…und stoße dann kurz darauf wieder auf den Rheinsteig, mit dem es weiter abwärts ins schmale Tal hinein geht, durch die Wildwiesen im Talgrund hindurch…
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Bild #49: Im Rauschtal

…und schließlich auf der anderen Talseite wieder ein kleines Stück aufwärts, dann links am westlichen Talrand entlang bis zur einsam gelegenen Waldgaststätte Rausch im Talgrund:
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Bild #50: Waldgaststätte Rausch

Inzwischen bin ich doch schon eine ganze Weile unterwegs, gegessen und getrunken habe ich bisher aber noch nichts.
Deshalb entschließe ich mich spontan zu einer kurzen, wohlverdienten Koffein- und Zuckerpause.
Also hoch durch den leeren Biergarten in den etwas zu warmen und etwaszu volksmusikigen Schankraum und eine Cola geordert.
Weil ich´s eilig habe (16:21 in Hattenheim, und so) trinke ich sie hastig und im Stehen.
Nicht unbedingt gemütlich aber trotzdem gut (Foto mach´ ich ausnahmsweise auch keins, ihr müsst mir halt einfach mal so glauben, dass ich die Cola getrunken habe… 😀 ).
Aaaahh!

Als ich wieder draußen bin, stelle ich fest, dass ich eigentlich auch ein bisschen Hunger habe (uneigentlich ist es schon etwas mehr als nur „ein bisschen“…), wahrscheinlich geweckt vom Essensgeruch und den appetitlich aussehenden Bretzeln am Tresen der Waldgaststätte.
Zum Glück hab´ ich ja zwei pappig-süße Fruchtriegel dabei, die verputze ich noch schnell auf einer bequemen Bank am Parkplatz vor der Gaststätte…
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Bild #51: …und dieses Mal mache ich auch ein Foto, man hat ja schließliche eine Dokumentationspflicht gegenüber der Nachwelt.
Oder so ähnlich

…bevor ich mich dann – gestärkt aber auch leicht verfroren (hier unten im Talgrund ist es ganz schön frisch ohne Sonne) – wieder auf den Weg mache.

Weiterhin Rheinsteig, weiterhin am Rand des Talgrundes entlang, der nun mehr und mehr nach Süden knickt. Hier gibt´s auch einen asphaltierten Fahrweg, aber mit solchen bequemlichkeiten gibt sich der Rheinsteig natürlich nicht ab – der verläuft lieber 15 m. weiter westlich auf einem schmalen Pfädchen am Hang, das ständig auf, ab, auf, ab, auf und wieder ab geht.
Hübsch anstrengend, hübsch anzusehen hübsch zu laufen.
Kurzum: Hübsch:
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Bild #52: Rheinsteig kurz nach der Waldgaststätte

Irgendwann passiert der Pfad ein weiteres einsames Forsthaus, dann schraubt er sich ernsthafter in die Höhe, überquert den nächsten bewaldeten Hügelrücken, und führt schließlich wieder hinaus ins Frei, in die Weinhänge des Gräfenbergs nordöstlich von Kiedrich.
Hier geht´s rechts, auf dem Rheinsteig zwischen Wald und Wein aufwärts…
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Bild #53

…während links unten bereits die Dächer von Kiedrich in der Talmulde erkennbar sind:
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Bild #54: Erster Blick auf Kiedrich

Vielleicht ein halber Kilometer am Waldrand bei zweistelliger Durchschnittsteigung, da machen sich die bisherigen Höhenmeter doch schon so langsam bemerkbar.
Dann geht´s nochmal in den Wald rein, aber nur kurz: Scharfe Linkskurve mit dem Rheinsteig, dann wieder in die Weinlagen am Wasseros…
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Bild #55

…an denen der Weg auf halber Höhe in einem weiten Bogen um ein trichterförmiges Seitental herumwindet, dessen unteres Ende sich nach Kiedrich hin öffnet…
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Bild #56: Blick vom Wasseros auf Kiedrich

…während sich auf der anderen Talseite bereits mein nächstes Ziel gegen den hellgrauen Himmel abzeichnet, der Bergfried der Burgruine Scharfenstein:
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Bild #58: Burg Scharfenstein von Osten

Ich umrunde das Tal, am „Weinberg der Ehe“ vorbei (Kurzfassung: Wer in Kiedrich heiratet, kriegt die Patenschaft über einen Weinstock hier oben), bis rüber zur Burg Scharfenstein, die auf einem steilen Bergsporn über dem Ort thront.
Viel übrig ist von der Burg allerdings nicht mehr, eigentlich nur noch der mächtige Wehrturm. Und der wird auch noch renoviert und ist vollkommen von Bauzäunen umschlossen, da kommt man nicht so richig ran:
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Bild #59: Burg Scharfenstein

Bisschen schade, aber zum Trost gibt´s wenigstens einen tollen von der Terasse am Südende des Burgplateaus runter nach Kiedrich.
Auch nicht übel:
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Bild #60: Kiedrich von Burg Scharfenstein aus

Von der Ruine führt mich der Rheinsteig steil abwärts, auf einen steiniges Ziegenpfädchen, das in einem halben Dutzend Serpentinen den felsigen Steilhang an der Westseite des Bergsporns ins tief unten liegende Tal mäandert:
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Bild #61: Abstieg vom Scharfenstein

Unten angekommen bin ich dann auch schon in Kiedrich, das sich selbst als „gotisches Weindorf im Rheingau“ bezeichnet, und dem Vernehmen nach ziemlich hübsch sein soll.

Hier geht´s erstmal südwärts, erst ein Stück auf der ruhigen Scharfensteiner Str., neben der der Kiedricher Bach offen talwärts plätschert…
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Bild #62: Scharfensteiner Str. in Kiedrich

…dann auf einem beschaulichen Fußweg am Bachufer:
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Bild #63: Markierung der Stunde: Weiterhin das Rheinsteig-Symbol.
Das gelbe Krönchenweinglas vom Rieslingpfad ist zwar auch da, aber dem traue ich nicht so recht, zumal es laut Wanderkarte hier eigentlich gar nicht vorbeiführen sollte (oder doch???)…

Am Ende des Fußweges rechts. Kleine Brücke über den Kiedricher Bach, auf dem Bassenheimer Weg in den Ort rein, dann wieder links runter und auf Talstr. und Suttonstr. weiter in Richtung Ortskern:
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Bild #64: Suttonstr. in Kiedrich

Ist tatsächlich hübsch hier, selbst im Trüben: Schmale Gassen, schöne Häuser, alte Mauern mit der einen oder anderen Statue drauf:
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Bild #65: …zum Beispiel die hier, an der Ecke Suttonstr./Oberstr.

Bloß die Gotik vermisse ich noch ein bisschen, vielleicht gibt´s die ja in der Ortsmitte um die große Kirche herum – aber da komme ich heute leider nicht hin.
Die Uhr drängt immer mehr, inzwischen geht´s schon auf 15:00 Uhr, und ich will wenigstens noch ein bisschen Zeit für das grandiose Kloster Eberbach haben, deshalb verzichte ich auf einen Schlenker durchs Kiedricher Zentrum und biege stattdessen etwas vorher rechts ab.
Gräfenbergstr. hoch, dann durch die Bingerpfortenstr…
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Bild #66: Bingerpfortenstr.

…und schließlich rechts hoch auf den Holzweg, der mich mit einer kühnen Serpentine aus Kiedrich hinaus und zurück in die Weinberge, dieses Mal die Weinlage Klosterberg am Hang westlich über dem Kiedrichbachtal.

Langer Aufstieg, mehr als einen Kilometer geht es stetig aufwärts durch die Weinberge, während Kiedrich langsam hinter mir im Tal versinkt:
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Bild #67: Blick zurück vom Klosterberg

Besonders steil ist es hier eigentlich nicht, aber so langsam machen sich die bisher gelaufenen Kilometer und Höhenmeter, sowie das ausgefallene Mittagessen doch ein bisschen bermerkbar – ich hab´ ein klein wenig zu kämpfen, schalte lieber einen Gang zurück, während ich mich Schritt für Schritt den Hang hinaufschaffe.

Gibt allerdings auch eine gute Nachricht: Der große Wolkenplacken, der seit Martinsthal den Himmel eingegräut hat, zieht immer weiter nach Rheinhessen ab, und so ganz langsam aber sicher beginnt die Sonne wieder an den seinen Rändern vorbei hervorzulugen:
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Bild #68: Nein, es noch lange kein Sonnenuntergang, die seltsam-finstere Belichtung kommt vom Gegenlicht…

Noch ist sie nicht draußen, aber es sollte sich eigentlich nur noch um Minuten handeln…

Weiter aufwärts durch die Reben.
Huff. Huff. Huff. Puuh…
Einen Kilometer hinter Kiedrich gibt´s eine Wegscheide nebst Weinbergshäuschen…
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Bild #69: In Rheinhessen würde das Häuschen „Trullo“ heißen und rund sein. Ob´s einen rheingau´schen Fachbegriff gibt, weiss ich leider nicht…

…and dem mich Rheinsteig und Rieslingpfad nach halbrechts lotsen, weiter moderat aufwärts…
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Bild #70: …aber nun wirklich nicht mehr steil, damit lässt sich´s gut leben

…durch ein kleines lichtes Wäldchen…
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Bild #71: Oder vielleicht ist es auch nur eine etwas größere Baumgruppe, bin mir nicht sicher…

…hinaus auf eine riesenhafte, weite, szenische Hangwiese, die auf allen Seiten von dichtem, buntem Herbstwald umgeben ist.

Hier passiert´s dann.
Die Wolken verziehen sich endgültig, die Sonne kommt wieder raus:
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Bild #72: Sonne?

Von einem Moment auf den anderen flutet sattes, kräftiges, schräges Herbstlicht herunter, ergiesst sich träge über die plötzlich flammendbunten Baumwipfel, hinein in die schimmernden Grasflächen, und macht alles hell und warm und strahlend.
Eben war´s noch nett hier.

Jetzt ist es traumhaft schön:
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Bild #73: SONNE!!! 😀

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Bild #74: Der Nordrand der Wiese, hellstrahlend aber noch unter dem dunkelgrauen Himmel, der gerade am Abziehen ist – ein unglaubliche Atmosphäre!

Herrlich, das tut richtig gut:
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Bild #75: Aaah!

Ein knapper halber Kilometer durch gelbraunes, wogendes Gras und strahlenden Sonnenschein. Die Müdigkeit und das leichte Hungergrimmen sind erstmal vergessen, das hier ist einfach viel zu angenehm.
Schließlich ein einsamer Pfosten mitten in der Wiese, der die stelle anzeigt, wo Rieslingpfad und Rheinsteig nach Südwesten abknicken und sich zum letzten Aufstieg vor dem Kloster Eberbach anschicken:
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Bild #76: Links, bitteschön

Kleines Trampelpfädchen zum Waldrand, dort auf einem etwas wackligen Holzsteg über ein Bächlein…
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Bild #77: Laut Wanderkarte ist das der Grünbach

…und noch einmal ein paar hundert Meter auf schmalen Waldpfaden zwischen knorrigen alten Bäumen bergauf, bis auf den Höhenrücken am Honigberg (mit ca. 320 m.ü.NN übrigend der höchste Punkt der heutigen Tour), hinter dem es dann gleich wieder abwärts geht, auf einer langen, geraden Schneise geradewegs runter zum Waldrand über dem Klostergelände, das in wunderschöner Lage im Grund eines kleinen Tals ruht:
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Bild #78: Erster Blick auf Kloster Eberbach aus östlicher Richtung

Gleich runter möchte ich allerdings noch nicht, stattdessen beschließe ich spontan, noch einen kleinen Schlenker um das Kloster herumzulaufen und die Anlage dann von hinten zu betreten.
Deshalb geht´s hier rechts, über dem Kloster nach Nordwesten, wie gewohnt dem Rheinsteig hinterher:
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Bild #79: Rheinsteig über dem Kloster

Nicht direkt am Waldrand, aber nah genug dran, dass man hin und wieder mal ein Stück Klostermauer, ein Dach oder den Turm zwischen den Bäumen durchblitzen sieht…
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Bild #80: Turm der Klosterbasilika

…und das schräge Mittagslicht das bunte Blätterdach erhellen kann:
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Bild #81

Richtig schöner Weg!

Nach einem halben Kilometer geht´s dann links den Hang runter, raus aus dem Wald und rein ins schmale Tal des Kisselbachs direkt hinter dem Abteigelände.
Vorbei an nicht so ganz ins pittorekse Bild passenden Großbaustelle…
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Bild #82: Alte Steinmauer und neuer Beton.
Die Steinmauer ist irgendwie hübscher… 😉

…und einigen verwitterten Grabsteinen…
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Bild #83: Oder Gedenksteine???

…zur rückwärtigen Pforte in der Mauer und hinein ins Klostergelände.

Ok, Kloster Eberbach.
Ganz fraglos das absolute Highlight der heutigen Tour.
Gegründet im 12. Jahrhunder von Bernhard von Clairvaux, das erste Zisterzienserkloster östlich des Rheins.
Im Hochmittelalter eines der einflussreichsten und mächtigsten Klöster Deutschlands, bestand bis zur Sakularisierung zu Anfang des 19. Jahrhunderts, danach u.a. Weingut, Strafanstalt und „Irrenhaus“.
Heute: Wiederinstandgesetzt und eines der bedeutendsten Baudenkmäler Hessens, mit wunderbaren Klostergärten und herrlichem Gebäudebestand aus der Romanik und Frühgotik.
Wenn die hessische Landesregierung mal ganz dringend wichtige Staatsgäste beeindrucken muss, lädt sie sie hierher ein.
Ein Teil vom Namen der Rose (der mit Sean Connery) wurde hier gedreht.
Und die gesamt Anlage steht unter dem besonderen Schutz der Haager Konvention und darf im Kriegsfall nicht beschossen oder gesprengt werden (zumindest nicht von Kriegsparteien, die sich an die Haager Konvention halten. Was heutzutage allerdings wohl keine Selbstverständlichkeit ist, also lieber Daumendrücken, dass demnächst kein Krieg ausbricht, dem Kloster Eberbach zuliebe… 😉 ).

Kurzum: Eine tolle, 1A-Premiumsehenswürdigkeit, an der eigentlich kein Weg vorbeiführt, wenn man im Rheingau unterwegs ist, und in der es ganz viel zu schauen und zu entdecken gibt.

Vorausgesetzt man hat die Zeit dafür.
Ich hab´ sie heute leider nicht mehr.
Als ich das Kloster betrete, zeigt die Uhr kurz vor halb Vier an.
In weniger als einer Stunde geht mein Zug, und bis Hattenheim runter sind´s mindestens noch vier oder fünf Kilometer.
Wenn ich rechtzeitig am Bahnhof sein (und noch ein kleines Polster für unterwegs lassen) will, dann bleiben mir für das Kloster höchstens
15 oder 20 Minuten.
Auch wenn´s mir unendlich leid tut – das reicht nicht mehr für das Klosterinnere, Basilika, Dormitorien und Kreuzgänge muss ich mir wohl ein Andermal ansehen.
Seufz.
Jammerschade. 😦

Aber zumindest für die Außenanlagen und Klostergärten reicht die Zeit noch, und auch die sind wunderschön und unbedingt sehenswert.

Na denn – keine Zeit verlieren, Kloster erkunden!

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Bild #84: Von der Rückpforte zum Haupttrakt

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Bild #85: Schlosserbau und – rechts – die Stirnsteite des Konversenbaus.
Dahinter der bunt schimmernde Waldrand, an dem ich vor ein paar Minuten entlanggelaufen bin

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Bild #86: Am Konversenbau

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Bild #87: Platz zwischen Konversenbau (links) und Gästehaus (rechts)

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Bild #88: Prälatengaren und Prälatenhaus

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Bild #89: Großer Garten mit Orangerie (links vorne) und Torhaus (rechts hinten)

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Bild #90: Hospitalgarten an der Stirnseite der Basilika

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Bild #91: Sonnenbeschienene Weinreben im Pomarium an der Ostmauer

IMG_7027-30pBild #92: Die Basilika von der Orangerie aus gesehen

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Bild #93: Südseite des Haupttraktes mit Basilika und Konversenbau vom Torhaus am Haupteingang aus gesehen

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Bild #94: Und schließlich: Torhaus am Haupteingang von außerhalb der Klostermauern (wenn man genau hinschaut, kann man über der Mauer in der linken Bildmitte die weissblaue Plakette entdecken, die das Kloster unter den Schutz der Haager Konvention stellt).

Die Viertelstunde ist nicht besonders lang, und so muss ich mich schließlich viel zu früh und schweren Herzens vom Kloster Eberbach losreissen und die letzten Kilometer nach Hattenheim runter in Angriff nehmen.

Durch das Haupttor aus dem Klostegelände hinaus, über den großen und gut gefüllten Busparkplatz…
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Bild #95: Ich glaube, das ist der unhöflichste Reisebus, der mir jemals untergekommen ist… 😆

…bis runter an die Landstrasse zwischen Kiedrich und Hattenheim…
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Bild #96: Ist übrigens die L3320. Nur falls sich jemand Notizen macht… 😀

…auf die ich rechts in Richtung Hattenheim einbiege.
Zumindest für ein paar Meter, dann geht rechts ein Pfad die Böschung hoch in den Wald zur Bernharduskapelle, die ich natürlich auch noch schnell mitnehme:
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Bild #97: Bernharduskapelle kurz vor dem Kloster Eberbach

Von hier aus muss ich dann nur dem schwarzen Punkt folgen, der durch die Rheingauhügel abwärts bis nach Hattenheim führt.

Zuerst ein Stückchen parallel zur Landstrasse durch den Wald, dabei leicht aufwärts. Osthang, deswegen ist es schon relativ frisch und schattig, denn die Sonne liegt nur noch auf der gegenüberliegenden Seite des Eberbacher Tals:
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Bild #98: Hui, ganz schön hell da drüben…

Nach 300 m. geht´s nochmal leicht aufwärts, dann führt der Weg aus dem Wald hinaus in die runden, länglichen Vorhügel des Taunusmassives, die sich mit leichtem Gefälle sachte zum Rheinufer hin absenken.

Hier ist es nochmal traumhaft schön.
Der Himmel ist klar und blau, so dass die schräge Nachmittagssonne ungehindert auf den Rheingau herabscheinen können und dabei ein unglaubliches sattes, strahlendes Licht erzeugen. Wo sie auf die bunten Felder, Weinberge und Wälder treffen, da erglüht die Landschaft regelrecht und erstrahlt in einer beinahe unwirklich intensiven Farbenpracht.
Eigentlich wollte ich hier zügig durchlaufen, aber das hier ist so grandios, dass ich immer wieder anhalten muss, um mit offenem Mund schauen und Fotos zu schießen (wobei ich insgeheim hoffe, dass die Kamera dieses einmalige Farbspektakel zumindest ansatzweise abbilden kann).

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Bild #99: Direkt nach dem Waldrand muss ich durch eine große Wandergruppe durchlavieren.
Klappt gut, auch wenn mich der Trottel etwas nervt, der glaubt, es wäre lustig, mich mit einem retardierten „Hopp Hopp Hopp“ zu Höchsteistungen anzutreiben (aber so jemand findet sich ja immer, wenn die Wandergruppe nur große genug ist…)

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Bild #100: Strahlende Sonne, blauer Himmel, buntes Laub. So und nicht anders gehört der Herbst!

Der Weg führt abwärts durch die Wiesen zur Domäne Steinberg.

Kurze Fotopause…
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Bild #101: 180°-Panorama vom Straßenrand beim Steinbergkeller nach Osten, über das Tal des Eberbachs hinweg auf Eichberg und die umgebenden Wälder und Weinlagen

…dann auf einem Pfad neben der Landstrasse weiter südwärts in Richtung Hattenheim und Rheinufer:
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Bild #102: Neben der L3320

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Bild #103: Rotleuchtende Hecken am Strassenrand

Nach einem halben Kilometer überquert der schwarze Punkt die Landstr…
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Bild #104: Blick nach rechts… (zurück in Richtung Steinbergkeller und Kloster Eberbach

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Bild #105: …und nach links (runter in Richtung Rhein und Hattenheim) – Strasse frei, da kann ich ja bedenkenlos rüber…

und führt nach rechts von der L3320 weg zur Domäne Neuhof, einem schönen großen Gutshof der äußerst gefällig zwischen die Weinberge gebettet ist:
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Bild #106: Domäne Neuhof

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Bild #107: Vorplatz der Domäne, in schrägem Licht und mit langen Schatten. Die Häuser im Hintergrund sind bereits die ersten Ausläufer von Hattenheim

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Bild #108: …und noch ein schnell erhaschter Blick durchs Hoftor der Domäne auf die leuchtenbunten Herbstwaldhänge dahinter

Von hier aus geht´s abwärts, auf einer Art Hohlweg zwischen hohen Weinbergsmauern hinab ins nächste Tal.
Das herrlichste Stück der ganzen Tour, wie das schräge Licht und weite Hügellandschaft hier zusammenspielen, das ist einfach nur noch atemberaubend schön:
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Bild #109: Sorry für die schwarzen Balken, aber um die zu entfernen hätte ich auch Teile des Bildes wegschneiden müssen, das war mir einfach zu schade.

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Bild #110: Ohne Worte

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Bild #111: Blick durch das große Weinbergstor am unteren Ende des „Hohlwegs“, hinauf zum Steinberg

Unten angekommen folgt der Weg dann dem Talverlauf, am Bachufer weiter nach Süden in Richtung Hattenheim:
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Bild #112: Noch 2,3 Kilometer bis Hattenheim…

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Bild #113: Mehr Herbstlaub!

Erst ein ganzes Stück auf einem angenehm holprigen Feldweg am rechten Bachufer…
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Bild #114

…von dem aus man nochmal einen schönen Blick auf die bunten Hänge am Taunusrand hat…
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Bild #115: Der Hügel aus Bild #110 aus anderer Perspektive

…dann auf einer Brücke über den Leimersbach und am linken Bachufer weiter sanft abwärts in Richtung des näher rückenden Ziels:
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Bild #116: Weg am Leimbersbach kurz vor Hattenheim

Hier ist es deutlich schattiger, denn die Sonne steht inzwischen so tief, dass sie bereits von den Bäumen am Bachufer geblockt wird, auch wenn ihr Licht noch voll auf die Weinhänge…
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Bild #117

…und Heckenreihen…
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Bild #118

…am Wegesrand fällt.

Noch etwa ein Kilometer zwischen Weinbergen und Bachhauen, dann erreiche ich die ersten Häuser…
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Bild #119: Fast da!

…und Hühner…
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Bild #120: Hattenheimer Hinkel

…von Hattenheim.
Das ist auch gut so, denn ich hab´ auch nur noch ein paar Minuten, bis der Zug ankommt.
Also schnell weiter, auf dem Boxberger Pfad und dem Mühlpfad (der steigt ja nochmal an! Urks, das hätte jetzt aber nicht noch mal sein müssen…) in das irgendwie schon etwas abendlich wirkende Dorf hinein.
Nochmal kurz einen netten Passanten an der Waldbachstr. nach dem Weg gefragt (weniger als fünf Minuten, da kann ich mir keine Navigationsfehler mehr leisten…), dann erreiche ich auch schon die Bahntrasse…
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Bild #121: Bahnübergang in Hattenheim

…und direkt danach mein Ziel, den Hattenheimer Bahnhof:
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Bild #122: Bahnhof Hattenheim

Die Uhr zeigt 16:18, weniger als drei Minuten bis die Bahn kommt – Punktlandung!

Und das war´s dann auch.
Ich kaufe mir ein Ticket, warte noch ein bisschen am Bahnsteig auf den Zug (zwei Minuten Verspätung, da hätt´ ich auch nicht so hetzen müssen… 😀 ), fahre zurück nach Schierstein, und mach´ mich von da aus auf den Heimweg.

Richtig gute Tour.
Schöner Anfang, zwischendurch ein bisschen verhaltener, und am Ende dann ein großartiges Finale.
Sehr fein. Bloß um das halb verpasste Kloster Eberbach tut´s mir ein bisschen leid, aber andererseits – ich komm sicher mal wieder in den Rheingau, das ist nämlich wirklich verflixt hübsch hier oben, und dann ist vielleicht etwas mehr Zeit.
Und wer weiss, vielleicht schaff´s ich es ja irgendwann sogar mal, den Rheinsteig weiter zu laufen, über den Rheingau hinaus das herrliche Mittelrheintal hinauf.
Blut geleckt hab´ ich heute auf jeden Fall schon mal… 🙂

Strecke: 25,5 km
Zeit: Viel
Anteil der noch nie gebloggten/gelaufenen Passagen an der Gesamtstrecke: 100% (25,5 km von 25,5 km)
Karte:
Schierstein - Hattenheim

M.

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15 Antworten to “Auf Rheinsteig und Rieslingpfad in den Rheingau: Wiesbaden-Schierstein – Hattenheim mit Fotos (25,5 km)”

  1. Hannes Says:

    Traumhafter Herbst, dann auch noch so lange unterwegs *schmacht* – wunderschöne Tour! Danke dir für’s Mitnehmen.

  2. matbs Says:

    Ja, das war wirklich nochmal eine richtig gelungene Tour an einem richtig schönen Tag zum Monatsende.
    Leider macht der November momentan keine Anstalten, da weiterzumachen wo der Oktober aufgehört hat…

    Danke zurück, für´s Mitkommen! 😉

  3. Christian Says:

    Hehe Matthias,

    bis auf die vielen „Städte“, die Du durchquert hast, hat mir die Tour sehr gefallen. V.a. Weinberge und Herbstwald, einfach nur schön. Aber warum spielt das Wetter eine Rolle? Bei Sturm und Regen würde die Landschaft sicher einen ganz besonderen Reiz haben. Ich kann mir gut vorstellen dort bei Regen zu laufen, ich weiss aber, dass Du ein ausgesprochener Schönwetterläufer bist, daher akzeptier ich es einfach mal 😉

    Goethe, Eco und Sean Connery, alle zusammen während eines Laufes ist schon beachtlich. Fast zu viele Epochen 😎

    Salut

  4. matbs Says:

    Tja, wenn ich dich mal kurz zitieren darf:

    „die Abwechslung ist es, was die Qualität eines Laufes ausmacht“

    Und immer Wald und Weinberge, das geht da nun mal nicht, da gehört eben auch mal das eine oder andere Örtchen mit rein… 😀

    Warum das Wetter eine Rolle spielt?
    1) Regen macht blind. Zumindest mich als Brillenträger. 3 Minuten bei ordentlichen Niederschlägen und ich seh nichts mehr. Wirklich gar nichts.
    Selbst wenn ich was zum Abwischen der Gläser dabei habe (Laufklamotten gehen gar nicht, denn die nehmen die Feuchtigkeit ja nicht auf) ändert das nichts, denn wenn von vorne kalte Tropfen und von hinten die aufsteigende Körperwärme auf die Gläser gerät, dann beschlagen die wie blöde.
    Da mag dann noch so viel besonderer Reiz sein, mit einer effektiven Sichtweite von 3 Zentimetern macht das keinen Spaß.

    2) Meine großen Touren sind lang. Die hier hat über vier Stunden gedauert. Nicht weil ich so langsam laufe, sondern weil ich mir alles, was mir gefällt, ganz genau anschaue – Natur, Ortschaften, Denkmäler, Bauwerke, Aussichten, andere Sehenswürdigkeiten – nehm´ ich alles mit.
    Und das geht nicht, wenn´s acht Grad hat und regnet.
    Mach mal bei deinem nächsten langen Schlechtwetterlauf immer wieder ein paar Minuten oder auch eine Viertelstunde Pause mitten im Freien, im Wind, mit klatschnassen Klamotten, ohne dich dabei so viel zu bewegen. Dann siehst du, was ich meine…
    😉

    Mit Eco kann ich leider doch nicht dienen, denn der hat seinen Roman hier ja weder geschrieben noch spielen lassen… 😀

    • Christian Says:

      Mit der Abwechslung meinte ich natürlich nur das Wetter :mrgreen:

      Meine langen Läufe auch im Winter sind meist drei Stunden lang, aber ich steh natürlich nicht rum und trink braune Zuckerbrause 😎 Nix für ungut, Du musst den Regen nicht mögen, ich bin gern allein unterwegs.

      Ohne Eco, hätte es keine Filmvorlage gegeben, deshalb habe ich ihn Mal mit erwähnt, Goethe ist ja eh an jedem Stein in Deutschland verewigt, da er quasi überall irgendwelche Heldentaten vollbracht hat, wird m.E. total überschätzt 😉

      Schönes Wochenende Dir

      Salut

      • matbs Says:

        Schon klar, als guter Lokalpatriot bist du natürlich ein bisschen eifersüchtig auf unseren großen Geheimrat, weil er nun mal die Nr. 1 ist, vor dem schwäbelnd-schwurbligen Schwiller.
        Äääh… Schiller.
        Das ist schon ok.
        😀 😉


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  10. Konrad Dinger Says:

    Ich habe mit meinem Wanderfreund Peter den Rheinsteig 2006-2009 in drei Etappen erwandert.Ich muss sagen für mich der schönste und abwechslungsreichste Wanderweg Deutschlands.Wir kommen aus dem Schwarzwald sind daher schon verwöhnt aber dennoch einfach super aber anspruchsvoll Steig trifft voll zu!

    • matbs Says:

      Hallo Konrad!

      Ja, ist wirklich eine herrliche Ecke, abwechslungsreich und wunderschön. Da kann man sich selbst als Schwarzwälder wohlfühlen… 😉

  11. Lothar C o n r a d Says:

    Hallo Matthias, was hast Du denn für eine Wanderkarte benutzt ?
    Kannst Du mir da einen Tipp geben, ich würde
    „Deine “ Wanderung auch mal gern machen.
    Übrigens tolle Fotos hast Du gemacht,einfach Super.
    Über eine Antwort wäre ich Dir dankbar!

    Mit freundlichen Grüßen

    L. Conrad

  12. matbs Says:

    Hallo Lothaar,
    für den Taunus benutze ich die Wanderkarten vom Hessischen Landesvermussungsamt im Maßstab 1:25 000, die sind ziemlich gut.
    Rheingau ist glaub ich die Nr. 1 (ISBN 9783894463953 ).

    Vielen Dank für das Lob, das hört man ja immer gern, und hoffentlich ein paar schöne Touren auf dem Rheinsteig! 🙂

    Gruß

    Matthias


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